Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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zanke, m., f.m.

zanke, m. f.,m.,
spitze, zacke, nebenform zu zacke, nd. tacke; nur dem hd. sprachgebiet angehörig und mit geringerer bedeutungsentfaltung als zacke. so kommt die bedeutung zweig, welche das nd. tacke eigentlich trägt, wohl nur in einer md.-nd. grenzzone vor, vgl.: zacken, zanken, m., ast, zweig Kleemann nordthür. id. 25ᶜ, auch südbrandenburgisch. im ablaut mit zinke und zu der th. XV 11 angeführten sippe tack tick zu stellen. die feminine form ist bei weitem die häufigere; möglich, dasz der masculine n-stamm, falls er nicht als zank und zanken fortleben konnte, zu ihrer vermehrung beigetragen hat. belegt ist zanck, m., dens ferreus, uncus bei Steinbach (1734) 2, 1070, dort auch ein pl. zäncke; ebenda die zusammensetzung dreyzanck tridens. ferner zanck, m., spitze, zinken, zacke Buck flurnamenb. 306. bei Steinbach wird auch zancken, m., und ein diminutiv zänckchen denticulus angegeben; zanken, pl. zänken Schmeller² 2, 1136; das dim. zänklein s. unten. zanke, f., bedeutet zunächst naturgewachsene spitzen an thieren, pflanzen, gesteinen, vgl.: der hirsch ... sein hörner habent zanken, sie stechen als ain brem Liliencron volksl. 3, 198 (schwäbisch, 1516); als bezeichnung der pflanze majanthemum bifolium wird eine form zänke bei Pritzel-Jessen für Thüringen angegeben; sodann von geschnitzten oder geschmiedeten spitzen an geräthen: stosz die (asche) mit einem hültzern stöszel, der bey acht zancken haben sol, gemach nider L. Ercker beschr. all. mineral. ertzt (1580) 30ᵇ; den ancor (haben) die Tyrrheni (erdacht). Eupalamus hat den selbigen mit zweyen zänen erdacht, die krummen zancken Anacharsis, das instrument, damit man die zancken erhelt, Pericles von Athen Eppendorf Plinius (1543) 39; von den eisernen sicheln an den schlachtwagen der Phönicier Lohenstein Arm. 2, 201ᵃ; für die damals noch hölzernen zähne der egge bei A. Tharäus (1609) in schrift. d. ver. f. d. gesch. Berlins 1897 nr. 33, s. 47ᵇ; gleich zinke am horn Mor. Haupt u. Heinr. Hoffmann altd. blätt. 1, 128; handgefertigte spitze an kleidungsstücken: rabat à dentelles, ein uberschlag mit spitzen oder zancken Duez nomencl. (1652) 40;
es kosten zwar die zancken
sechs thaler grober müntz
Scherffer grob. 180.
das diminutiv zänklein ist einigemal belegt: capreoli seu claviculae, die kleinen gäbelein oder zäncklein, damit sich der rabe anhefft M. Mylius nomencl. (Görlitz 1572) F 2ᵇ; wie so schöne zencklein werden, die der wind poliert und abeckt, das sie rechte abtheilung und gleiche seiten ... haben, wie die edlen gesteine Joh. Mathesius Sarepta 33ᵃ; s.zankel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1925), Bd. XV (1956), Sp. 233, Z. 58.

zanken1, verb.

¹zanken, verb.,
hd., dem ahd. und mhd. unbekanntes wort, welches an die stelle des alten bâgen im sinne von streit und händel erregen, schelten, keifen getreten ist. wohl der lautmalenden wurzel tack entsprungen (s. th. 15, 10 zack; 15, 11 zacke; 15, 14 zacken), besitzt es wie das nahestehende zanke f. (th. 15, 35) ursprünglich die bedeutung des spitzen, übertragen des gegensätzlichen, des zwiespaltes. neben diesem intransitiven verbum, welches allein schriftsprachlich vorkommt, lebt in den obd. mundarten ein transitives verbum mit oder ohne umlaut: den starz am wagen, am schlitten hin und her zanken Schmeller² 2, 1136; zangg'n (mit hellem, also umgelautetem a) ruckweise ziehen, zerren, streiten, hadern V. Hintner beitr. z. tirol. dialektforschg 247; zanken ziehen, fassen, zerren, auch zudringlich sein Schöpf tirol. wb. 825; zänken herbeilocken, an sich ziehen, 'eigentlich zanken machen' Fischer 6, 1041, woneben die bedeutung necken, zum streit reizen steht; schweiz. zänggen reizen, herausfordern, höhnen, keifen. in der litteratur tritt dieses wort nur bei H. Sachs auf, s. I 1. eine durch die bedeutung nahegelegte herleitung dieses verbums aus dem obd. mundartlichen zängen zerren, reiszen, nagen, welches das ahd. zanigôn (s.zahnen 3) fortsetzt, wird durch den consonanten verboten. auch genügt das sehr selten (bei Maaler 512ᵃ und Schöpf tirol. id. 764; s. ¹zank 8 d) belegte zank 'der zänker' nicht als grundlage, um über ein nomen agentis mit verschärftem consonanten aus zanigôn, zängen zu dem transitiven zänken, zanken zu gelangen. eher ist das transitive nd. taggen zu vergleichen, und somit auch das transitive zanken zur wurzel tack zu stellen. ohne zusammenhang mit diesem mundartwort dürfte die transitive verwendung von zanken in der schriftsprache, welche im 18. jh. auftritt (s. I 2), stehn. der herkunft aus der lautmalenden wurzel gemäsz ist das verbum gegenüber dem substantivum zank als die ältere bildung anzusehen, eine auffassung, welche durch die zeugnisse bestätigt wird, da es bereits im 15. jh. belegt ist: zangken oder kriegen contendere voc. theut. von 1482 pp 3ᵇ, vgl. auch gezänk II th. 4, 1, 6901. die umgelautete form hält sich litterarisch auf md. boden bis an den anfang des 17. jhs. Luther, der fast nur zanken gebraucht, bringt 18, 501, 24 Weim. und uberwindest alle, die mit dir zencken; weitere belege: rixor ich zanck, zenck, hadder, ich far an Alberus dict. (1540) e 3ᵇ, und noch 1601 ich hab gesehen, das Damis mit der magt hat gezenckt Apherdianus meth. disc. 77. heute lebt zenken im sinne von schelten, mäkeln noch in der md. volksprache Rheinfrankens. früh erscheint zanken im nd.: ein yder ... late dat zancken achterwegen B. Rotmann restitution (1534) 86 ndr.
I.
transitiv.
1)
sinnlich: zerren, ziehen, reiszen.
56 ein heimlich anfechtung ich han,
dasz du in der werckstat all stund
das stinckend leder mit deim mund,
also mit dein schneweiszen zänen
offt must zancken, reissen und denen ...
74 weil es dir will so wider sein
das leder zancken solcher massen
H. Sachs fab. 2, 558, 56 ff. ndr.
2)
vorwerfen, schelten, tadeln. die belege sind alle jung, so dasz neuere anlehnung an die gruppe der transitiven verba des scheltens nicht von der hand zu weisen ist: zanken sie mich nicht, meine Josephine Pfeffel pros. vers. 3, 199; ich wollte ihn selbst sprechen, um ihn für seine nachlässigkeit zu zanken Gutzkow ritt. v. geiste 4, 32; der Voigt wurde am meisten gezankt B. v. Arnim die Günderode 1, 126. dafür in der heutigen sprache auszanken gewöhnlich; nach Paul² 671ᵃ aber das simplex südd. nicht selten. transitiv nach analogie compositionaler transitivierung wie in auszanken: höre, ich kenne eine alte wittwe, die schon vier männer ins grab gezankt hat Lessing 1, 345 M. älter ist die verbindung eines inneren objectes: sobald das wetter trübe wird, schreien sie über die prädicanten, die seyen ursach, zanken unnöthig ding Melanchthon op. 3, 927 Bretschneider; nun sag an, was wurd er mit dir weiter zancken? Boltz Terenz 12ᵇ; mit reciproker construction verbunden: zanckten umb ein häller beydsander H. Sachs 17, 379, 10 G.; ein weib und ein mann zanckend und schlagend einander Montanus schwankb. 337 lit. ver.; noch alterthümlich bei B. v. Arnim Cl. Brentanos frühlingskranz 270: dann zankten wir einander, dasz ...
II.
das ungleich reicher entfaltete intransitive verbum drückt meistens einen wortstreit aus, dem leidenschaft und regellosigkeit ihr gepräge verleihen; doch treten diese factoren oft zurück. an sich ist es nur zur widergabe eines einseitigen streites imstande; erst durch die dualische oder pluralische beschaffenheit des subjectes oder durch reciproke ausdrucksweise wird der begriff der wechselseitigkeit erzeugt. durch die blosze nennung eines gegners ist gegenseitige handlung noch nicht gegeben.
1)
sinnfällig, d. h. mit heftigen gebärden oder laut und lärmend streiten:
sie zanckt mit händ, mit arsz, mit füssen
Fischart flöhhaz 14, 406 ndr.;
kündt man sy ynwendig schouwen:
es wer nit umb sy solches fechten,
zancken, ryssen und ein rechten
Murner gäuchmatt 113, 2834 Uhl.;
ich hab' ihn, so lang' ich ihn kannte, nie zanken, nie fluchen hören Schubart leb. u. gesinn. 1, 239; namentlich von thieren: die zudringlichen thiere (die krähen) ... stellten sich ein mit unverschämten anforderungen an allerlei abfälle aus küche und haus, ... um welche sie dann lärmend zankten Holtei erz. schr. 5, 122; biene, die ... zanckende (wann sie bey andere stöcke fliegen) G. Treuer Dädalus (1675) 1, 196; des nachbars tauben drängen und zanken sich vor meinem fenster G. Keller werke 4, 253; von unlebendigen dingen:
alle elemente zanken
um das schiff, bis es versinkt
Mörike 1, 149;
das feuer zankt im ofen, sonst herrscht die tiefste stille Mörike a. s. braut 24;
und mit den steinlein zancken (die bächlein),
wans müssen fliessen umb
Spee trutznachtig. 82, 73 Balke;
von gebärden:
kein wort versöhnt ihr aug und ihren blick:
ihr auge droht, und ihre blicke zanken
Hagedorn poet. werke 2, 285, 8.
2)
einen mehr oder weniger regellosen streit in wort oder schrift bezeichnend,
a)
wobei zunächst nur einseitige bemühung erkennbar ist, falls der gegner ungenannt oder unthätig bleibt; im sinne von schelten, etwas vorwerfen, mäkeln:
α)
absolute construction:
und hilffest aus, dass mich nicht letzen
die freveler, die nur gern zancken
H. Sachs 18, 87, 26 f. G.;
es ist zulang und zuviel gezancket Amadis 1, 418 K.; wenn mein thummer hauselephant den narren in kopff bekommt, so musz er was zu zancken haben Chr. Weise erznarren 14 ndr.; etwas zanken schadet der ruhe nicht viel, wenn man nur nicht schimpft J. v. Petrasch lustsp. 1, 777;
ein zankender zwerg
hat mir erzählt
R. Wagner ges. schr. u. dicht. 6, 134;
traun, da gab es viel zu zupfen,
viel zu zähmen und zu zanken (bei den jungen Sachsen)
F. W. Weber Dreizehnlinden ¹³⁶ 12;
gern dem weiblichen geschlecht nachgesagt:
bey nektar und ambrosia,
sizt vater Zeus gefoltert da;
denn mutter Juno zankt
J. M. Miller ged. 4;
sie (frau Hinkel) begann zu weinen und zu zanken Cl. Brentano ges. schr. 5, 101; ebenso Kotzebue dram. w. 1, 38; bei männern als etwas ungewöhnliches gefühlt:
dann solt ein anderer bapst wehrn,
der nichts nutz wer und zancket gern,
so schadts auch dem gantzen Teutschlandt
Ayrer dram. 1, 478, 3 lit. ver.;
(der chirurg) soll nicht zancken oder frevenlich reden H. Braunschweig chirurgia (1539) 1ᵇ; vater Gleim wird auch über mich wild seyn und erschrecklich zanken Heinse bei Körte br. dtsch. gelehrt. 2, 134; wer immer zankt, der hat die vermuthung gegen sich, immer unrecht zu haben Knigge umgang 1, 152; soll da der schwiegervater noch winseln oder zanken? Iffland theatr. w. 2, 251; sprüchwörtlich: amantium irae amoris reintegratio est. die lieb muͦsz zanckt haben S. Franck sprüchw. (1541) 1, 7ᵇ (schon als gegenseitig zu empfinden); Kirchhofer schweiz. sprichw. 197; die noth zanket ebda 165; häufig im verhältnis zwischen mann und frau:
meine frau, fürcht' ich, will auch erkranken,
sie thät schon seit acht tag nicht zanken
Göthe I 3, 184;
freier:
da trübt sich im auge der fröhliche blick,
und innerlich zankt das gewissen
Tiedge werke 6, 92.
β)
der gegner oder partner ist genannt, betheiligt sich jedoch nicht am wortstreit, so dasz zanken den sinn von schelten, mäkeln hat. dies ist der fall bei der construction mit der präposition mit, aber erst in jüngerer entwicklung, da ältere beispiele den doppelseitigen vorgang bezeichnen; dieser ist auch zu erkennen, wenn ein streitgegenstand angeführt wird. fälle des täglichen umgangs: will doch mit niemands zancken Bock kreutterbuch 12; denn wenn ich meinem kleinen sklaven nicht was mitbringe, so zankt er mit mir Heinse w. 2, 122 Schüddekopf;
ich könnte mit
dir zanken, dasz du ein geheimnisz doch
vor mir gehabt!
Lessing w. 3, 122, 295 M.;
nicht selten von übermenschlichen wesen u. ä.: der gott, der mich gemacht hat, weisz, ob ich mit ihm zanke Lavater verm. schr. 2, 252; etlich aber der Epicureer und der Stoici philosophi zanggetend mit im bibel Zürich 1531 act. ap. 17ᵇ; sie zu lieben, mein bester, kostet wahrlich keinen effort; es geht mir so frei vom herzen, wie die liebe zur sonne, mit der ich eben jetzt zanke, dasz sie mich blendet und die ich doch von mir getrennt nicht denken kann G. Forster schr. 8, 101; mich freuts, dasz du diese nacht so wenig mit dem schlaf gezanckt Hippel lebensläufe 1, 353; yederman zanckt mit im selbs und seinem stand S. Franck sprüchw. (1541) 1, 126ᵃ;
zank' o her mit meinen zánkern
Schede (Melissus) psalm. 127 ndr.;
im liebesverhältnis: wir lebten noch in den flitterwochen, und sie zankte täglich mit mir Bauernfeld ges. schr. 4, 8; zanken sie nicht mit mir, meine süsze kleine, dasz ich ein paar mal nicht an sie geschrieben habe Klopstock briefe 189; in der stellung des herrn: er zankte mit den mägden, schlug in die knechte Holtei erz. schr. 21, 72; in glaubensdingen: darumb ist gepoten ... gegen inen (den abtrünnigen christen) nit ze disputieren über der kirch beslus, damit ungehorsam lewt nit ursach haben albeg mit heiliger kirch ze zancken Berth. v. Chiemsee tewtsche theolog. (1852) 111. die gleiche vorstellung wird durch präpositionen des feindlichen gegensatzes erzeugt (sehr seltene fälle): der papagei zankte gegen E ... B. Auerbach schr. 6, 75; ich zankte auf meinen feindseligen genius Heinse 2, 269 Schüdd.
b)
der wechselseitige vorgang wird angedeutet
α)
durch ein singulares oder plurales subject, falls dieses nur eine partei bezeichnet, in verbindung mit der präposition mit (doch s. II 2 α β).
αα)
ohne streitgegenstand. die mehrzahl der belege dieser construction gehört nach II 2 α β, bei einigen kann man schwanken, so beim folgenden: Caroline zankte aus herzenslust mit schlächtern und fischfrauen Storm werke (1899) 3, 299; sicher läszt sich der gegenseitige streit erkennen in älterem sprachgebrauch: ob mehr nationen zusammen kemen, sollen sie mit denen nicht zancken noch spielen Fronsperger kriegsbuch 1, 41; aber die hirten ... zancktend mit den hirten Isaacs bibel Zürich 1531 1. Mos. 26ᶜ; im gebiete des politischen lebens, ohne beschränkung auf gemeinsamen schauplatz und stunde:
du solt nit zancken
mit eim gwalting im regiment,
das du nit fallest in sein hendt
H. Sachs werke 6, 352, 8 K.
ββ)
mit besonderer angabe des streitfalles, auch -ortes; diese bestimmungen treten in verbindung mit der präposition um, seltener über (vgl. II 2 b δ αα 2), sehr selten wegen, halben auf: er affectirte von seinen renten zu sprechen und zankte mit jedem gastwirth um seine forderungen G. Forster schr. 3, 149;
wo Maro, mit dem Capitole,
um die unsterblichkeit, götlich zanckte
Klopstock oden 1, 10 M.-P.;
mit dieser art von kranken
dient es zu nichts, um ihren pips zu zanken
Bürger 318ᵃ Bohtz;
das fechte ich aber an und darumb tzangke ich mit yhn, das sie an der hirten stadt reyssende wolffe sind Luther 8, 546 Weim.; dann will ich mit ihnen über den haupttitel zanken K. W. F. Solger nachgel. schr. 1, 449, 22; nur über eins musz ich mit ihnen zanken, weshalb gehen sie nicht, wie andere angegriffene leute, in ein bad? L. Schücking an Droste briefe 199, wo auch der sinn des bloszen scheltens, tadelns aufgefaszt werden kann. dieser liegt allein vor in dem mit einem streitziel ausgestatteten beispiel: wer für die gute sache redet, der nützt ihr; wer aber für sie zanket, der schadet ihr Ulr. Hegner ges. schr. 353. dagegen fühlt man die erwiderung heraus in dem satze: und (die geistlichen herren) seind dermassen bedrängt, das sie mit euch im gericht derhalben (wegen der geschmälerten einkünfte) zancken Sleidanus red. 106 lit. ver.; ebenso ganz deutlich: die Galli zanckten auch mit in umb den titel des reichs S. Franck chron. Germ. (1538) 84ᵇ. doch scheint in neueren belegen, wie z. b. im folgenden, der einseitige begriff nicht ausgeschlossen: ich dürfte hoffentlich so viel ... gewinnen, dasz du nicht länger mit mir über meine malerischen vorstellungen zanktest Thümmel reise (1791 ff.) 4, 382.
β)
durch ein subject im dual oder plural, eine subjectsgruppe oder ein collectivisches subject, wozu das verbum mit dem sinn des gegenseitigen streites construiert wird
αα)
ohne streitgegenstand; aus besonderem anlasz:
was zankt ihr hier, ihr losen leut!
A. v. Arnim 14, 44;
doch dasz auch berge wanken,
wenn ihre hüter zanken,
das sollten sie verstehn
Fr. Rückert werke 1, 215;
Nestroy werke 10, 73; Ramler fabellese 1, 99; nie mocht' ich in gesellschaft seyn, wo gezankt wurde Ulr. Bräker schr. 1, 257; von zweyen ehleüten, die stäts zancketen V. Schumann nachtbüchlein (1559) 323 Bolte; G. Keller werke 3, 226; im rechtsleben:
man untersucht, man zankt,
man klagt. umsonst, der rechte ring war nicht
erweislich
Lessing 3, 92 M.;
und mochten die Gothen und Franken den himmel stürmen, so zankte es nur (das röm. volk), ... wer der beste kutscher ... sey M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 120; in glaubenssachen: denn wozu nutzen doch solche prediger, die nichtes anders können als fort und fort zancken Joh. Rist friedejauchz. Teutschland (1653) 137.
ββ)
mit angabe des strittigen gegenstandes (vgl. II 2 b α ββ): stehet also noch, darumb zu zancken Grimmelshausen 2, 735, 2 lit. ver.;
(es ...) ist das grobianisch gsind
so ungesaltzen, doll und blind,
und zancken umb ein daubendreck
Scheit Grob. v. 2283 ff. ndr.;
umb die geiszwoll zancken de asini umbra rixari sch. w. klugr. (1548) 41ᵃ; als sie lange zeit umb die beherschung des Griechenlandts gezancket W. Xylander Polybius (1574) 1; wie auch könig Salomon die beyde mütter, die umb das todte ... kind zanckten, entscheidete G. Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 272;
zankt, wenn ihr sitzt beim weine,
nicht um des kaisers bart!
Geibel werke 1, 171 (Cotta 1888);
wir tzangken nit umb werck, aber umb glauben Eberlin v. Günzburg schr. 2, 52 ndr.; zanket nicht über ausdrücke, jene unvollkommenen zeichen der gedanken K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, 71; gleichnis zweier landmänner, gränznachbarn, die über die scheidelinie ihrer felder ... zanken Göthe werke 41, 1, 293 Weim.; er selbst (Heyne) ... mag sich zu der wirklichkeit historischer weltkunde und mythologie, worüber man zankt, nicht herablassen J. H. Vosz antisymbolik 2, 133; mit fragesatz: ehe unser junge nicht da ist, wollen wir nicht zanken, ob er lutherisch, ob er katholisch werden soll? Holtei erz. schr. 13, 141; lateinischem de nachgebildet ist die verwendung der präposition von in wenigen alten oder alterthümelnden belegen: Symus und Crito, unsere nachpauren, die zancken da von den marcken, lat.: ambigunt de finibus Boltz Terenz (1539) 72ᵃ; das sprüchwort ...: vom geschmacke müsse man nicht viel zanken Gottsched crit. dichtkunst (1751) 120.
γ)
durch einen reciproken ausdruck
αα)
ohne nennung eines streitobjectes; am häufigsten ist mit einander: und dein magd hat zween sön, die zanckten mit einander auff dem feldt buch der liebe (1587) 307ᵃ; die mutter hat gesagt, ich möchte heute noch ein freundliches wort zu dir sagen, weil wir öfter mit einander gezankt haben Stifter werke (1901 ff.) 3, 293; wider wurden gesehen hinein gehen ein schöner pfaw, sampt dem weiblein, die zanckten mit einander, und bald wurden sie vertragen volksb. dr. Faust 22, 25 ndr.; seltner unter sich: von dannen her noch heut bey tag den Freybergern dieser gewalt, recht zusprechen, bleibet, so sie für die gewercken der gruben, so under sich zancken, appellieren Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch 70; mittlerweile aber zankten sie sich unter einander G. Forster schr. 1, 145; abweichend und veraltet: sie (die trinker) zancken unter ihnen selbs und rechend sich auch selbs Ambach vom zusauffen und trunckenheit D Iᵃ (Basilius 3, 457 Migne patr. gr. 31); ebenso: deren immer einer wider den andern zanckte der polit. maulaffe (1679) 227.
ββ)
mit angabe des streitpunctes: die all dry mit einandren zancket hattend umb das pabstumb Tschudi chron. helvet. 1, 18; hie lasz ich die artzet darob zancken, ob herr Ludwig der ungefelschten oder der rechten bibergeylin gerochen hab Forer Gesners thierbuch 24.
δ)
an dessen stelle die wohl etwas jüngere reflexive construction den vorrang gewinnt und behauptet
αα)
mit pluralischem oder collectivischem subject
1)
ohne streitgegenstand; im alltagsleben:
das liebt sich, denk' ich, wie sich andre zanken
H. v. Kleist 1, 412 E. Schm.;
vornehmlich aber verbitte ich, dass sie sich bey tische nicht zanken samml. v. schauspielen (Wien 1764—69) 1, 11; zankt eich nich, beiszt eich nich, krigt eich lieber (bei de köppe) in de haare Brendicke Berliner wortschatz (schr. d. ver. f. d. gesch. Berlins 33) 195ᵃ; sie haben sich schon einige brautjahre durch gezankt und zanken sich jetzt in die ehe hinein Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking 335; Rabener werke 4, 101; auf dem gebiet der politik:
Europa zankte sich und wollte gerne wissen,
wer in Germanien noch würde könig seyn
Neukirch ged. 231;
dasz die deputirten sich zanken, thut mir leid um ihre lungen Holtei erz. schr. 2, 21; vor gericht:
darumb, ihr brüder, zanckt euch nicht
gleich wie die heyden für gericht
Ringwaldt evangelia Y 5ᵃ;
allein, vor niederm ding und recht
erscheinen älster, staar und specht;
die zanken sich und schreyen
auf kosten der parteyen
Hagedorn poet. werke 3, 56;
im kirchlichen leben: mannigfaltige sekten entstanden auch und zankten sich immer Zimmermann einsamkeit 1, 342. reciproke und reflexive construction einmal vereinigt: die jünger zanckten unter sich J. Chr. Günther ged. (1735) 27.
2)
besonders reich ist diese construction in verbindung mit einem streitgegenstande vertreten und wird in der heutigen sprache bevorzugt. am häufigsten findet sich die präposition um; der streit dreht sich dabei um gegenständliche dinge, fragen, meinungen, besitzansprüche: ach! wer sollte in diesem schrecklichen zustande nicht alles vergessen! liebe auf einer, ehre auf der andern seite; beide in furien verwandelt, die sich um mein herz zanken Kretschmann werke 3, 2, 129; zancken sich hernach 2 hertzoge um ihn, desto besser für den wackern mann G. Chr. Lichtenberg briefe (1901) 3, 254; sich um worte zanken B. Mayr satir. 102, 3 unt.; die uhren der beiden kirchen zankten sich um die richtige zeit und waren sehr abweichender meinung W. Raabe hungerpastor (1864) 112; da sie aber an den feynd kommen, zanckten sie sich umb den angriff Stumpf Schwytzerchronik (1606) 15ᵃ; zu letzt spricht Christus, als die aposteln sich umb die ubirkeyt tzanckten Luther 8, 502 Weim.;
und mach ein testament, dafür nicht viel zu dankken,
als nur, dass umb den rest die erben sich nicht zankken
Rachel satyr. ged. 63 ndr.;
sprüchwörtlich: sich um des esels schatten, um das fell des bären zanken. weit weniger häufig ist über, in der gegenwärtigen sprache nur für einen streit um meinungen, früher auch in rechtssachen verwandt: was ist wahrheit? ... nachdem man einige tausend jahr sich darüber gezankt hat, ist man ... auf den alten grundsatz zurückgekommen J. Möser werke 1, 218; was soll dem kinde eine sammlung von schriften, über deren sinn und bedeutung die gelehrten seit hunderten von jahren sich zanken? Holtei erz. schr. 27, 20; wie wohl wird dem leser in der geschichte der literatur, wenn ... die periode der eigentlichen wissenschaften (scienzen) anfängt, in welcher man sich nicht mehr über worte und autoritäten schoppisch zankte Herder 18, 80 S.; eyn schimpflich ... ding, wenn man der sachen sonst eyns ist und doch sich uber den worten zanckt Luther 18, 103, 6 Weim.; wie sich z. e. zwo rotten von hirten über brunnen und weide zanken Herder 5, 130. veraltet ob: und liesz sich die jungen und alten also ob den schuͦhen zanken Eulenspiegel 9 ndr. die objectsergänzung besteht in einem satze: man zanket sich noch: ob die menschen vor der sündfluht fleisch gegessen haben? Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 620; ich rührt' ihnen ein so kräftiges schlaftrünkchen ein, dasz tod und leben nun sich ihretwegen zanken, wem sie angehören Bürger 1, 294 Bohtz; sieben städte zankten sich drum, ihn geboren zu haben Göthe 5¹, 243 Weim.
ε)
früh bezeugt und noch häufig angewandt ist das reflexive einseitige verbum mit der präposition mit, deren nomen die gegenseite darstellt. während bei der entsprechenden intransitiven fügung heute die einseitige bedeutung schelten, vorwerfen den vorrang gewinnt, gilt hier nur die gegenseitige vorstellung, und zwar so sehr, dasz diese sogar dann noch besteht, wenn einmal der gegner nicht genannt ist: der advokat zankt sich und lästert für unsre gerechte und ungerechte sache Rabener werke 4, 117.
αα)
ohne einen streitgegenstand: sobald du und deinesgleichen sich unter die menschen rechnen, so bald bekomme ich lust, mich mit dem himmel zu zanken, dasz er mich zu einem gemacht hat Lessing werke 2, 4, 7 M.;
was ist der erdenplan? ein gasthof vieler kranken,
wo sich ein jeder muss mit mancher plage zanken
J. Grob dichter. versuch. 42, nr. 112;
seitdem sie hier bei meiner frau sitzen und sich mit ihr zanken, ... seitdem ist das wetter teufelmäszig geworden Holtei erz. schr. 4, 98; zancke dich nicht mit dem der geringer ist dan du Moscherosch gesichte (1650) 2, 59; von plänkelnden gefechten: do nuͦn Tarquinius nahe zuͦ dem streit reytzet, wolten sie im doch keynen geben, alleyn das sie sich mit im zanckten mit scharmützeln Carbach T. Livii röm. historien (1551) 15ᵇ;
ich dunck mich viel zu gut dazu,
das ich mich mit dir zancken thu
Burkh. Waldis Esopus 1, 25 Kurz;
unterdes werd' ich keinem das dancken,
sondern mit ihm mich schelten und zanken
Reinicke fuchs (1650) 62.
ββ)
mit nennung eines strittigen dinges: ich bin zu gut dazu, das ich mich mit dir umb eins treck zanck Luther 34ᴵ, 124, 6 Weim.; aber unvonnöten ists, das man mit uns catholischen derowegen sich zancken wölle J. Nas das antipap. eins u. hundert 1, 155ᵇ; sie zancken sich mit sich selbst: ob es einige warheit gäbe? Lohenstein Arminius 2, 269ᵃ; in neueren schriften kaum noch anzutreffen, doch noch möglich, vgl.: er zankt sich mit seinem kameraden um den besten platz.
ζ)
bis zum 18 jh. begegnet gemischte reflexiv-reciproke construction: nach dem abzug des künigs zanckten sich die fürsten Saxen und Thüringer mit einander S. Franck chronic. Germ. (1538) 119ᵃ u. öfters; die rabenässer werden sich gewiss einmahl wieder mit einander gezanckt haben? Chr. Reuter ehrl. frau zu Plissine s. 13 ndr.; wir zancken uns mit einander darüber de ea re altercatio mihi cum illo orta est Steinbach wb. (1734) 2, 1070; bald zankte man sich untereinander, bald mit der municipalität Eschenburg beispielsammlung (1788) 8ᵇ, 477.
III.
lexicalisches. für die einleitend aufgestellte grundbedeutung zerren, ziehen sprechen zusammenstellungen mit den verben kriegen und hadern, die in frühen belegen vorkommen: er hat nit gekriegt oder gezangt Terenz (1499) 14ᵃ glosse; man nicht ursach gebe zu hadern und zu zancken J. Barth weiberspiegel (1565) 108ᵃ. in den wörterbüchern spiegeln sich die oben belegten bedeutungsverschiedenheiten in den lateinischen übersetzungen, so bei Maaler 512ᵇ, Calepinus XI ling. (1598) 1272ᵃ der thätliche zusatz in rixor, der rechtsstreit in jurgo 779ᵃ, litigo 828ᵃ, delitigo 391ᵇ, die discussion in discepto 430ᵇ, controversor 328ᵇ, die wechselseitige handlung in altercor 72ᵇ, während decertare 374ᵃ auf die anstrengung hinweist. sonst wird noch contendere häufig gebraucht, bei S. J. Apinus glossar. nov. (1728) erscheint zancken als expostulare. Joh. Kinderling reinigk. bietet s. 145 querellieren zanken.
IV.
in dem substantivierten infinitiv, dessen nominale verwendung früh beginnt, indem er zunächst anstelle des verbalsubstantivs zank gebraucht wird, finden sich alle bedeutungsfarben des verbs vor, so die neigung zur thätlichkeit: gewöhnt ... euren kindern das zanken und streiten und schlagen nach ihren geschwistern ... ab J. M. Miller predigten fürs landvolk 3, 99;
(er) nam ein alt weib zu der eh,
bey der im ward gar bang und weh
von irem zanken, reissn und schlagen
H. Sachs 21, 17, 12 Götze;
dafür spricht auch die verbindung mit verben wie kriegen, hadern in älterer zeit:
einigkeit lebet,
einigkeit schwebet.
zanken und kriegen und morden musz scheiden
J. Rist das friedejauchz. Teutschland (1653) 187;
und dannoch gleichwol wirdt vermitten
vil hadern, zancken, palgen, morden,
als sonst wol an andern orthen
Marx Mangold marckschiff (1596) D 1ᵃ;
frühe belege weisen häufig ein zanken, offensichtlich für heutiges ein zank stehend, auf:
wie wird ein zancken und ein hadern!
H. Sachs 1, 113, 31 Keller;
was must wir hertzog Albrecht thon,
welcher graf Cunradn von Francken
erschlagen hat in eim zancken?
J. Ayrer dramen 1, 585, 3—5.
neben der verbindung ein zancken anfahen begegnet öfter ein (kein, vil) zancken, vil zanckens machen; erste bei Th. Murner narrenbeschwörung 243, 129 ndr., letzte u. a. bei Seb. Brant narrenschiff 29, 29 Zarncke anm. u. in dem folgenden beispiel. die substantivische natur läszt sich aus der oft anzutreffenden zusammenstellung mit substantiven erkennen:
und macht vil zancken, krieg und kyb
Seb. Brant narrenschiff 22, 30 Zarncke;
sitz ich allhier ...
bey einem frohen feur, befreit vom neid und zancken
Brockes ird. vergnügen 4, 221;
auch liebet nicht zorn, has und zancken
Opitz in Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 1, 239;
beispiele für einseitigen zank: die volkssage erklärt sich die erdbebenstösse und das tosen aus dem keifen und zanken der ... (berggöttin) mit ihrem manne Ritter erdkunde 6, 473, wo die construction ich zanke mit 'ich schelte jem. aus' deutlich wird und besser noch das gerundium angesetzt wird, was auch für einige andere fälle zutrifft; es ist nun so, was soll jetzt zancken und schmählen! Gervinus gesch. d. deutsch. dichtg. 5, 66; vom ehelichen zank der gattin: so nahm meine freyheit ein ende und zanken gleich den ersten tag seinen anfang U. Bräker schr. 1, 182;
die teglich quelet meinen leib
mit kieffen, zancken und mit gronen
H. Sachs 9, 69, 27 lit. ver.;
nie bist du still, ein ewig zanken
Tieck schr. (1828) 1, 189;
aus dem leben:
in des jünglings letztes wanken
bricht des werbers rauhes zanken
Lenau werke 99 Reclam;
wechselseitiger streit ist erkennbar in folgendem falle aus dem gesellschaftlichen leben: da sie beide fleissige leute waren, so fanden sie fast nur während des essens die zum zanken nötige zeit G. Keller ges. werke 6, 230; vgl. J. M. Miller briefwechwel dreier ak. freunde 1, 187;
wo narrn und schalckheit wohnt bey eim,
mit denen lasz dein zanken sein
Kirchhof wendunmuth 2, 113 lit. ver.;
eine gasse, ... welche allenthalben ... mit zancken ... erfüllet Moscherosch gesichte 1, 49; vor gericht:
beklagter sprach: ich kan zwar keine schuld gestehen,
doch geb ich halbes hin, dem zancken zu entgehen
Logau 127 Eitner;
vom gelehrten und glaubensstreit: ein meister im gelehrten zanken Pfeffel poet. versuche 7, 99;
da kümmert ihn nicht viel der philosophen zanken
Heräus gedichte u. lat. inschrift. 243;
ist das der gotlich heylsam radt,
den wir von inen solten leren,
das wir ir zancken miessen hören
Murner schelmenzunft 8, 37 ndr.;
von leblosen wesen:
in allen thürmen die glocken schwanken,
beginnen ein hell harmonisch zanken
Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 2, 5;
in diesem krieg und zancken
zwiespeltiger gedancken
ich als ein richter lage
pis drey stünd auf den tage
H. Sachs 22, 202 G.
neben blosz beschreibenden adjectiven werden attributiv solche gebraucht, welche unlust und verdrusz verrathen, z. b. erschrecklich, eigensinnig, unschön, namentlich aber ewig, so: ich bin wahrhaftig längst des ew'gen zankens müde Göthe werke 9, 42, 19 Weim. der genitiv nach viel, ursprünglich die regel, taucht in der romantik wieder auf: Arnim hat viel zankens mit den dortigen Juden Görres ges. briefe 2, 239.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1925), Bd. XV (1956), Sp. 235, Z. 36.

zanken1, verb.

¹zanken, verb.,
hd., dem ahd. und mhd. unbekanntes wort, welches an die stelle des alten bâgen im sinne von streit und händel erregen, schelten, keifen getreten ist. wohl der lautmalenden wurzel tack entsprungen (s. th. 15, 10 zack; 15, 11 zacke; 15, 14 zacken), besitzt es wie das nahestehende zanke f. (th. 15, 35) ursprünglich die bedeutung des spitzen, übertragen des gegensätzlichen, des zwiespaltes. neben diesem intransitiven verbum, welches allein schriftsprachlich vorkommt, lebt in den obd. mundarten ein transitives verbum mit oder ohne umlaut: den starz am wagen, am schlitten hin und her zanken Schmeller² 2, 1136; zangg'n (mit hellem, also umgelautetem a) ruckweise ziehen, zerren, streiten, hadern V. Hintner beitr. z. tirol. dialektforschg 247; zanken ziehen, fassen, zerren, auch zudringlich sein Schöpf tirol. wb. 825; zänken herbeilocken, an sich ziehen, 'eigentlich zanken machen' Fischer 6, 1041, woneben die bedeutung necken, zum streit reizen steht; schweiz. zänggen reizen, herausfordern, höhnen, keifen. in der litteratur tritt dieses wort nur bei H. Sachs auf, s. I 1. eine durch die bedeutung nahegelegte herleitung dieses verbums aus dem obd. mundartlichen zängen zerren, reiszen, nagen, welches das ahd. zanigôn (s.zahnen 3) fortsetzt, wird durch den consonanten verboten. auch genügt das sehr selten (bei Maaler 512ᵃ und Schöpf tirol. id. 764; s. ¹zank 8 d) belegte zank 'der zänker' nicht als grundlage, um über ein nomen agentis mit verschärftem consonanten aus zanigôn, zängen zu dem transitiven zänken, zanken zu gelangen. eher ist das transitive nd. taggen zu vergleichen, und somit auch das transitive zanken zur wurzel tack zu stellen. ohne zusammenhang mit diesem mundartwort dürfte die transitive verwendung von zanken in der schriftsprache, welche im 18. jh. auftritt (s. I 2), stehn. der herkunft aus der lautmalenden wurzel gemäsz ist das verbum gegenüber dem substantivum zank als die ältere bildung anzusehen, eine auffassung, welche durch die zeugnisse bestätigt wird, da es bereits im 15. jh. belegt ist: zangken oder kriegen contendere voc. theut. von 1482 pp 3ᵇ, vgl. auch gezänk II th. 4, 1, 6901. die umgelautete form hält sich litterarisch auf md. boden bis an den anfang des 17. jhs. Luther, der fast nur zanken gebraucht, bringt 18, 501, 24 Weim. und uberwindest alle, die mit dir zencken; weitere belege: rixor ich zanck, zenck, hadder, ich far an Alberus dict. (1540) e 3ᵇ, und noch 1601 ich hab gesehen, das Damis mit der magt hat gezenckt Apherdianus meth. disc. 77. heute lebt zenken im sinne von schelten, mäkeln noch in der md. volksprache Rheinfrankens. früh erscheint zanken im nd.: ein yder ... late dat zancken achterwegen B. Rotmann restitution (1534) 86 ndr.
I.
transitiv.
1)
sinnlich: zerren, ziehen, reiszen.
56 ein heimlich anfechtung ich han,
dasz du in der werckstat all stund
das stinckend leder mit deim mund,
also mit dein schneweiszen zänen
offt must zancken, reissen und denen ...
74 weil es dir will so wider sein
das leder zancken solcher massen
H. Sachs fab. 2, 558, 56 ff. ndr.
2)
vorwerfen, schelten, tadeln. die belege sind alle jung, so dasz neuere anlehnung an die gruppe der transitiven verba des scheltens nicht von der hand zu weisen ist: zanken sie mich nicht, meine Josephine Pfeffel pros. vers. 3, 199; ich wollte ihn selbst sprechen, um ihn für seine nachlässigkeit zu zanken Gutzkow ritt. v. geiste 4, 32; der Voigt wurde am meisten gezankt B. v. Arnim die Günderode 1, 126. dafür in der heutigen sprache auszanken gewöhnlich; nach Paul² 671ᵃ aber das simplex südd. nicht selten. transitiv nach analogie compositionaler transitivierung wie in auszanken: höre, ich kenne eine alte wittwe, die schon vier männer ins grab gezankt hat Lessing 1, 345 M. älter ist die verbindung eines inneren objectes: sobald das wetter trübe wird, schreien sie über die prädicanten, die seyen ursach, zanken unnöthig ding Melanchthon op. 3, 927 Bretschneider; nun sag an, was wurd er mit dir weiter zancken? Boltz Terenz 12ᵇ; mit reciproker construction verbunden: zanckten umb ein häller beydsander H. Sachs 17, 379, 10 G.; ein weib und ein mann zanckend und schlagend einander Montanus schwankb. 337 lit. ver.; noch alterthümlich bei B. v. Arnim Cl. Brentanos frühlingskranz 270: dann zankten wir einander, dasz ...
II.
das ungleich reicher entfaltete intransitive verbum drückt meistens einen wortstreit aus, dem leidenschaft und regellosigkeit ihr gepräge verleihen; doch treten diese factoren oft zurück. an sich ist es nur zur widergabe eines einseitigen streites imstande; erst durch die dualische oder pluralische beschaffenheit des subjectes oder durch reciproke ausdrucksweise wird der begriff der wechselseitigkeit erzeugt. durch die blosze nennung eines gegners ist gegenseitige handlung noch nicht gegeben.
1)
sinnfällig, d. h. mit heftigen gebärden oder laut und lärmend streiten:
sie zanckt mit händ, mit arsz, mit füssen
Fischart flöhhaz 14, 406 ndr.;
kündt man sy ynwendig schouwen:
es wer nit umb sy solches fechten,
zancken, ryssen und ein rechten
Murner gäuchmatt 113, 2834 Uhl.;
ich hab' ihn, so lang' ich ihn kannte, nie zanken, nie fluchen hören Schubart leb. u. gesinn. 1, 239; namentlich von thieren: die zudringlichen thiere (die krähen) ... stellten sich ein mit unverschämten anforderungen an allerlei abfälle aus küche und haus, ... um welche sie dann lärmend zankten Holtei erz. schr. 5, 122; biene, die ... zanckende (wann sie bey andere stöcke fliegen) G. Treuer Dädalus (1675) 1, 196; des nachbars tauben drängen und zanken sich vor meinem fenster G. Keller werke 4, 253; von unlebendigen dingen:
alle elemente zanken
um das schiff, bis es versinkt
Mörike 1, 149;
das feuer zankt im ofen, sonst herrscht die tiefste stille Mörike a. s. braut 24;
und mit den steinlein zancken (die bächlein),
wans müssen fliessen umb
Spee trutznachtig. 82, 73 Balke;
von gebärden:
kein wort versöhnt ihr aug und ihren blick:
ihr auge droht, und ihre blicke zanken
Hagedorn poet. werke 2, 285, 8.
2)
einen mehr oder weniger regellosen streit in wort oder schrift bezeichnend,
a)
wobei zunächst nur einseitige bemühung erkennbar ist, falls der gegner ungenannt oder unthätig bleibt; im sinne von schelten, etwas vorwerfen, mäkeln:
α)
absolute construction:
und hilffest aus, dass mich nicht letzen
die freveler, die nur gern zancken
H. Sachs 18, 87, 26 f. G.;
es ist zulang und zuviel gezancket Amadis 1, 418 K.; wenn mein thummer hauselephant den narren in kopff bekommt, so musz er was zu zancken haben Chr. Weise erznarren 14 ndr.; etwas zanken schadet der ruhe nicht viel, wenn man nur nicht schimpft J. v. Petrasch lustsp. 1, 777;
ein zankender zwerg
hat mir erzählt
R. Wagner ges. schr. u. dicht. 6, 134;
traun, da gab es viel zu zupfen,
viel zu zähmen und zu zanken (bei den jungen Sachsen)
F. W. Weber Dreizehnlinden ¹³⁶ 12;
gern dem weiblichen geschlecht nachgesagt:
bey nektar und ambrosia,
sizt vater Zeus gefoltert da;
denn mutter Juno zankt
J. M. Miller ged. 4;
sie (frau Hinkel) begann zu weinen und zu zanken Cl. Brentano ges. schr. 5, 101; ebenso Kotzebue dram. w. 1, 38; bei männern als etwas ungewöhnliches gefühlt:
dann solt ein anderer bapst wehrn,
der nichts nutz wer und zancket gern,
so schadts auch dem gantzen Teutschlandt
Ayrer dram. 1, 478, 3 lit. ver.;
(der chirurg) soll nicht zancken oder frevenlich reden H. Braunschweig chirurgia (1539) 1ᵇ; vater Gleim wird auch über mich wild seyn und erschrecklich zanken Heinse bei Körte br. dtsch. gelehrt. 2, 134; wer immer zankt, der hat die vermuthung gegen sich, immer unrecht zu haben Knigge umgang 1, 152; soll da der schwiegervater noch winseln oder zanken? Iffland theatr. w. 2, 251; sprüchwörtlich: amantium irae amoris reintegratio est. die lieb muͦsz zanckt haben S. Franck sprüchw. (1541) 1, 7ᵇ (schon als gegenseitig zu empfinden); Kirchhofer schweiz. sprichw. 197; die noth zanket ebda 165; häufig im verhältnis zwischen mann und frau:
meine frau, fürcht' ich, will auch erkranken,
sie thät schon seit acht tag nicht zanken
Göthe I 3, 184;
freier:
da trübt sich im auge der fröhliche blick,
und innerlich zankt das gewissen
Tiedge werke 6, 92.
β)
der gegner oder partner ist genannt, betheiligt sich jedoch nicht am wortstreit, so dasz zanken den sinn von schelten, mäkeln hat. dies ist der fall bei der construction mit der präposition mit, aber erst in jüngerer entwicklung, da ältere beispiele den doppelseitigen vorgang bezeichnen; dieser ist auch zu erkennen, wenn ein streitgegenstand angeführt wird. fälle des täglichen umgangs: will doch mit niemands zancken Bock kreutterbuch 12; denn wenn ich meinem kleinen sklaven nicht was mitbringe, so zankt er mit mir Heinse w. 2, 122 Schüddekopf;
ich könnte mit
dir zanken, dasz du ein geheimnisz doch
vor mir gehabt!
Lessing w. 3, 122, 295 M.;
nicht selten von übermenschlichen wesen u. ä.: der gott, der mich gemacht hat, weisz, ob ich mit ihm zanke Lavater verm. schr. 2, 252; etlich aber der Epicureer und der Stoici philosophi zanggetend mit im bibel Zürich 1531 act. ap. 17ᵇ; sie zu lieben, mein bester, kostet wahrlich keinen effort; es geht mir so frei vom herzen, wie die liebe zur sonne, mit der ich eben jetzt zanke, dasz sie mich blendet und die ich doch von mir getrennt nicht denken kann G. Forster schr. 8, 101; mich freuts, dasz du diese nacht so wenig mit dem schlaf gezanckt Hippel lebensläufe 1, 353; yederman zanckt mit im selbs und seinem stand S. Franck sprüchw. (1541) 1, 126ᵃ;
zank' o her mit meinen zánkern
Schede (Melissus) psalm. 127 ndr.;
im liebesverhältnis: wir lebten noch in den flitterwochen, und sie zankte täglich mit mir Bauernfeld ges. schr. 4, 8; zanken sie nicht mit mir, meine süsze kleine, dasz ich ein paar mal nicht an sie geschrieben habe Klopstock briefe 189; in der stellung des herrn: er zankte mit den mägden, schlug in die knechte Holtei erz. schr. 21, 72; in glaubensdingen: darumb ist gepoten ... gegen inen (den abtrünnigen christen) nit ze disputieren über der kirch beslus, damit ungehorsam lewt nit ursach haben albeg mit heiliger kirch ze zancken Berth. v. Chiemsee tewtsche theolog. (1852) 111. die gleiche vorstellung wird durch präpositionen des feindlichen gegensatzes erzeugt (sehr seltene fälle): der papagei zankte gegen E ... B. Auerbach schr. 6, 75; ich zankte auf meinen feindseligen genius Heinse 2, 269 Schüdd.
b)
der wechselseitige vorgang wird angedeutet
α)
durch ein singulares oder plurales subject, falls dieses nur eine partei bezeichnet, in verbindung mit der präposition mit (doch s. II 2 α β).
αα)
ohne streitgegenstand. die mehrzahl der belege dieser construction gehört nach II 2 α β, bei einigen kann man schwanken, so beim folgenden: Caroline zankte aus herzenslust mit schlächtern und fischfrauen Storm werke (1899) 3, 299; sicher läszt sich der gegenseitige streit erkennen in älterem sprachgebrauch: ob mehr nationen zusammen kemen, sollen sie mit denen nicht zancken noch spielen Fronsperger kriegsbuch 1, 41; aber die hirten ... zancktend mit den hirten Isaacs bibel Zürich 1531 1. Mos. 26ᶜ; im gebiete des politischen lebens, ohne beschränkung auf gemeinsamen schauplatz und stunde:
du solt nit zancken
mit eim gwalting im regiment,
das du nit fallest in sein hendt
H. Sachs werke 6, 352, 8 K.
ββ)
mit besonderer angabe des streitfalles, auch -ortes; diese bestimmungen treten in verbindung mit der präposition um, seltener über (vgl. II 2 b δ αα 2), sehr selten wegen, halben auf: er affectirte von seinen renten zu sprechen und zankte mit jedem gastwirth um seine forderungen G. Forster schr. 3, 149;
wo Maro, mit dem Capitole,
um die unsterblichkeit, götlich zanckte
Klopstock oden 1, 10 M.-P.;
mit dieser art von kranken
dient es zu nichts, um ihren pips zu zanken
Bürger 318ᵃ Bohtz;
das fechte ich aber an und darumb tzangke ich mit yhn, das sie an der hirten stadt reyssende wolffe sind Luther 8, 546 Weim.; dann will ich mit ihnen über den haupttitel zanken K. W. F. Solger nachgel. schr. 1, 449, 22; nur über eins musz ich mit ihnen zanken, weshalb gehen sie nicht, wie andere angegriffene leute, in ein bad? L. Schücking an Droste briefe 199, wo auch der sinn des bloszen scheltens, tadelns aufgefaszt werden kann. dieser liegt allein vor in dem mit einem streitziel ausgestatteten beispiel: wer für die gute sache redet, der nützt ihr; wer aber für sie zanket, der schadet ihr Ulr. Hegner ges. schr. 353. dagegen fühlt man die erwiderung heraus in dem satze: und (die geistlichen herren) seind dermassen bedrängt, das sie mit euch im gericht derhalben (wegen der geschmälerten einkünfte) zancken Sleidanus red. 106 lit. ver.; ebenso ganz deutlich: die Galli zanckten auch mit in umb den titel des reichs S. Franck chron. Germ. (1538) 84ᵇ. doch scheint in neueren belegen, wie z. b. im folgenden, der einseitige begriff nicht ausgeschlossen: ich dürfte hoffentlich so viel ... gewinnen, dasz du nicht länger mit mir über meine malerischen vorstellungen zanktest Thümmel reise (1791 ff.) 4, 382.
β)
durch ein subject im dual oder plural, eine subjectsgruppe oder ein collectivisches subject, wozu das verbum mit dem sinn des gegenseitigen streites construiert wird
αα)
ohne streitgegenstand; aus besonderem anlasz:
was zankt ihr hier, ihr losen leut!
A. v. Arnim 14, 44;
doch dasz auch berge wanken,
wenn ihre hüter zanken,
das sollten sie verstehn
Fr. Rückert werke 1, 215;
Nestroy werke 10, 73; Ramler fabellese 1, 99; nie mocht' ich in gesellschaft seyn, wo gezankt wurde Ulr. Bräker schr. 1, 257; von zweyen ehleüten, die stäts zancketen V. Schumann nachtbüchlein (1559) 323 Bolte; G. Keller werke 3, 226; im rechtsleben:
man untersucht, man zankt,
man klagt. umsonst, der rechte ring war nicht
erweislich
Lessing 3, 92 M.;
und mochten die Gothen und Franken den himmel stürmen, so zankte es nur (das röm. volk), ... wer der beste kutscher ... sey M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 120; in glaubenssachen: denn wozu nutzen doch solche prediger, die nichtes anders können als fort und fort zancken Joh. Rist friedejauchz. Teutschland (1653) 137.
ββ)
mit angabe des strittigen gegenstandes (vgl. II 2 b α ββ): stehet also noch, darumb zu zancken Grimmelshausen 2, 735, 2 lit. ver.;
(es ...) ist das grobianisch gsind
so ungesaltzen, doll und blind,
und zancken umb ein daubendreck
Scheit Grob. v. 2283 ff. ndr.;
umb die geiszwoll zancken de asini umbra rixari sch. w. klugr. (1548) 41ᵃ; als sie lange zeit umb die beherschung des Griechenlandts gezancket W. Xylander Polybius (1574) 1; wie auch könig Salomon die beyde mütter, die umb das todte ... kind zanckten, entscheidete G. Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 272;
zankt, wenn ihr sitzt beim weine,
nicht um des kaisers bart!
Geibel werke 1, 171 (Cotta 1888);
wir tzangken nit umb werck, aber umb glauben Eberlin v. Günzburg schr. 2, 52 ndr.; zanket nicht über ausdrücke, jene unvollkommenen zeichen der gedanken K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, 71; gleichnis zweier landmänner, gränznachbarn, die über die scheidelinie ihrer felder ... zanken Göthe werke 41, 1, 293 Weim.; er selbst (Heyne) ... mag sich zu der wirklichkeit historischer weltkunde und mythologie, worüber man zankt, nicht herablassen J. H. Vosz antisymbolik 2, 133; mit fragesatz: ehe unser junge nicht da ist, wollen wir nicht zanken, ob er lutherisch, ob er katholisch werden soll? Holtei erz. schr. 13, 141; lateinischem de nachgebildet ist die verwendung der präposition von in wenigen alten oder alterthümelnden belegen: Symus und Crito, unsere nachpauren, die zancken da von den marcken, lat.: ambigunt de finibus Boltz Terenz (1539) 72ᵃ; das sprüchwort ...: vom geschmacke müsse man nicht viel zanken Gottsched crit. dichtkunst (1751) 120.
γ)
durch einen reciproken ausdruck
αα)
ohne nennung eines streitobjectes; am häufigsten ist mit einander: und dein magd hat zween sön, die zanckten mit einander auff dem feldt buch der liebe (1587) 307ᵃ; die mutter hat gesagt, ich möchte heute noch ein freundliches wort zu dir sagen, weil wir öfter mit einander gezankt haben Stifter werke (1901 ff.) 3, 293; wider wurden gesehen hinein gehen ein schöner pfaw, sampt dem weiblein, die zanckten mit einander, und bald wurden sie vertragen volksb. dr. Faust 22, 25 ndr.; seltner unter sich: von dannen her noch heut bey tag den Freybergern dieser gewalt, recht zusprechen, bleibet, so sie für die gewercken der gruben, so under sich zancken, appellieren Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch 70; mittlerweile aber zankten sie sich unter einander G. Forster schr. 1, 145; abweichend und veraltet: sie (die trinker) zancken unter ihnen selbs und rechend sich auch selbs Ambach vom zusauffen und trunckenheit D Iᵃ (Basilius 3, 457 Migne patr. gr. 31); ebenso: deren immer einer wider den andern zanckte der polit. maulaffe (1679) 227.
ββ)
mit angabe des streitpunctes: die all dry mit einandren zancket hattend umb das pabstumb Tschudi chron. helvet. 1, 18; hie lasz ich die artzet darob zancken, ob herr Ludwig der ungefelschten oder der rechten bibergeylin gerochen hab Forer Gesners thierbuch 24.
δ)
an dessen stelle die wohl etwas jüngere reflexive construction den vorrang gewinnt und behauptet
αα)
mit pluralischem oder collectivischem subject
1)
ohne streitgegenstand; im alltagsleben:
das liebt sich, denk' ich, wie sich andre zanken
H. v. Kleist 1, 412 E. Schm.;
vornehmlich aber verbitte ich, dass sie sich bey tische nicht zanken samml. v. schauspielen (Wien 1764—69) 1, 11; zankt eich nich, beiszt eich nich, krigt eich lieber (bei de köppe) in de haare Brendicke Berliner wortschatz (schr. d. ver. f. d. gesch. Berlins 33) 195ᵃ; sie haben sich schon einige brautjahre durch gezankt und zanken sich jetzt in die ehe hinein Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking 335; Rabener werke 4, 101; auf dem gebiet der politik:
Europa zankte sich und wollte gerne wissen,
wer in Germanien noch würde könig seyn
Neukirch ged. 231;
dasz die deputirten sich zanken, thut mir leid um ihre lungen Holtei erz. schr. 2, 21; vor gericht:
darumb, ihr brüder, zanckt euch nicht
gleich wie die heyden für gericht
Ringwaldt evangelia Y 5ᵃ;
allein, vor niederm ding und recht
erscheinen älster, staar und specht;
die zanken sich und schreyen
auf kosten der parteyen
Hagedorn poet. werke 3, 56;
im kirchlichen leben: mannigfaltige sekten entstanden auch und zankten sich immer Zimmermann einsamkeit 1, 342. reciproke und reflexive construction einmal vereinigt: die jünger zanckten unter sich J. Chr. Günther ged. (1735) 27.
2)
besonders reich ist diese construction in verbindung mit einem streitgegenstande vertreten und wird in der heutigen sprache bevorzugt. am häufigsten findet sich die präposition um; der streit dreht sich dabei um gegenständliche dinge, fragen, meinungen, besitzansprüche: ach! wer sollte in diesem schrecklichen zustande nicht alles vergessen! liebe auf einer, ehre auf der andern seite; beide in furien verwandelt, die sich um mein herz zanken Kretschmann werke 3, 2, 129; zancken sich hernach 2 hertzoge um ihn, desto besser für den wackern mann G. Chr. Lichtenberg briefe (1901) 3, 254; sich um worte zanken B. Mayr satir. 102, 3 unt.; die uhren der beiden kirchen zankten sich um die richtige zeit und waren sehr abweichender meinung W. Raabe hungerpastor (1864) 112; da sie aber an den feynd kommen, zanckten sie sich umb den angriff Stumpf Schwytzerchronik (1606) 15ᵃ; zu letzt spricht Christus, als die aposteln sich umb die ubirkeyt tzanckten Luther 8, 502 Weim.;
und mach ein testament, dafür nicht viel zu dankken,
als nur, dass umb den rest die erben sich nicht zankken
Rachel satyr. ged. 63 ndr.;
sprüchwörtlich: sich um des esels schatten, um das fell des bären zanken. weit weniger häufig ist über, in der gegenwärtigen sprache nur für einen streit um meinungen, früher auch in rechtssachen verwandt: was ist wahrheit? ... nachdem man einige tausend jahr sich darüber gezankt hat, ist man ... auf den alten grundsatz zurückgekommen J. Möser werke 1, 218; was soll dem kinde eine sammlung von schriften, über deren sinn und bedeutung die gelehrten seit hunderten von jahren sich zanken? Holtei erz. schr. 27, 20; wie wohl wird dem leser in der geschichte der literatur, wenn ... die periode der eigentlichen wissenschaften (scienzen) anfängt, in welcher man sich nicht mehr über worte und autoritäten schoppisch zankte Herder 18, 80 S.; eyn schimpflich ... ding, wenn man der sachen sonst eyns ist und doch sich uber den worten zanckt Luther 18, 103, 6 Weim.; wie sich z. e. zwo rotten von hirten über brunnen und weide zanken Herder 5, 130. veraltet ob: und liesz sich die jungen und alten also ob den schuͦhen zanken Eulenspiegel 9 ndr. die objectsergänzung besteht in einem satze: man zanket sich noch: ob die menschen vor der sündfluht fleisch gegessen haben? Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 620; ich rührt' ihnen ein so kräftiges schlaftrünkchen ein, dasz tod und leben nun sich ihretwegen zanken, wem sie angehören Bürger 1, 294 Bohtz; sieben städte zankten sich drum, ihn geboren zu haben Göthe 5¹, 243 Weim.
ε)
früh bezeugt und noch häufig angewandt ist das reflexive einseitige verbum mit der präposition mit, deren nomen die gegenseite darstellt. während bei der entsprechenden intransitiven fügung heute die einseitige bedeutung schelten, vorwerfen den vorrang gewinnt, gilt hier nur die gegenseitige vorstellung, und zwar so sehr, dasz diese sogar dann noch besteht, wenn einmal der gegner nicht genannt ist: der advokat zankt sich und lästert für unsre gerechte und ungerechte sache Rabener werke 4, 117.
αα)
ohne einen streitgegenstand: sobald du und deinesgleichen sich unter die menschen rechnen, so bald bekomme ich lust, mich mit dem himmel zu zanken, dasz er mich zu einem gemacht hat Lessing werke 2, 4, 7 M.;
was ist der erdenplan? ein gasthof vieler kranken,
wo sich ein jeder muss mit mancher plage zanken
J. Grob dichter. versuch. 42, nr. 112;
seitdem sie hier bei meiner frau sitzen und sich mit ihr zanken, ... seitdem ist das wetter teufelmäszig geworden Holtei erz. schr. 4, 98; zancke dich nicht mit dem der geringer ist dan du Moscherosch gesichte (1650) 2, 59; von plänkelnden gefechten: do nuͦn Tarquinius nahe zuͦ dem streit reytzet, wolten sie im doch keynen geben, alleyn das sie sich mit im zanckten mit scharmützeln Carbach T. Livii röm. historien (1551) 15ᵇ;
ich dunck mich viel zu gut dazu,
das ich mich mit dir zancken thu
Burkh. Waldis Esopus 1, 25 Kurz;
unterdes werd' ich keinem das dancken,
sondern mit ihm mich schelten und zanken
Reinicke fuchs (1650) 62.
ββ)
mit nennung eines strittigen dinges: ich bin zu gut dazu, das ich mich mit dir umb eins treck zanck Luther 34ᴵ, 124, 6 Weim.; aber unvonnöten ists, das man mit uns catholischen derowegen sich zancken wölle J. Nas das antipap. eins u. hundert 1, 155ᵇ; sie zancken sich mit sich selbst: ob es einige warheit gäbe? Lohenstein Arminius 2, 269ᵃ; in neueren schriften kaum noch anzutreffen, doch noch möglich, vgl.: er zankt sich mit seinem kameraden um den besten platz.
ζ)
bis zum 18 jh. begegnet gemischte reflexiv-reciproke construction: nach dem abzug des künigs zanckten sich die fürsten Saxen und Thüringer mit einander S. Franck chronic. Germ. (1538) 119ᵃ u. öfters; die rabenässer werden sich gewiss einmahl wieder mit einander gezanckt haben? Chr. Reuter ehrl. frau zu Plissine s. 13 ndr.; wir zancken uns mit einander darüber de ea re altercatio mihi cum illo orta est Steinbach wb. (1734) 2, 1070; bald zankte man sich untereinander, bald mit der municipalität Eschenburg beispielsammlung (1788) 8ᵇ, 477.
III.
lexicalisches. für die einleitend aufgestellte grundbedeutung zerren, ziehen sprechen zusammenstellungen mit den verben kriegen und hadern, die in frühen belegen vorkommen: er hat nit gekriegt oder gezangt Terenz (1499) 14ᵃ glosse; man nicht ursach gebe zu hadern und zu zancken J. Barth weiberspiegel (1565) 108ᵃ. in den wörterbüchern spiegeln sich die oben belegten bedeutungsverschiedenheiten in den lateinischen übersetzungen, so bei Maaler 512ᵇ, Calepinus XI ling. (1598) 1272ᵃ der thätliche zusatz in rixor, der rechtsstreit in jurgo 779ᵃ, litigo 828ᵃ, delitigo 391ᵇ, die discussion in discepto 430ᵇ, controversor 328ᵇ, die wechselseitige handlung in altercor 72ᵇ, während decertare 374ᵃ auf die anstrengung hinweist. sonst wird noch contendere häufig gebraucht, bei S. J. Apinus glossar. nov. (1728) erscheint zancken als expostulare. Joh. Kinderling reinigk. bietet s. 145 querellieren zanken.
IV.
in dem substantivierten infinitiv, dessen nominale verwendung früh beginnt, indem er zunächst anstelle des verbalsubstantivs zank gebraucht wird, finden sich alle bedeutungsfarben des verbs vor, so die neigung zur thätlichkeit: gewöhnt ... euren kindern das zanken und streiten und schlagen nach ihren geschwistern ... ab J. M. Miller predigten fürs landvolk 3, 99;
(er) nam ein alt weib zu der eh,
bey der im ward gar bang und weh
von irem zanken, reissn und schlagen
H. Sachs 21, 17, 12 Götze;
dafür spricht auch die verbindung mit verben wie kriegen, hadern in älterer zeit:
einigkeit lebet,
einigkeit schwebet.
zanken und kriegen und morden musz scheiden
J. Rist das friedejauchz. Teutschland (1653) 187;
und dannoch gleichwol wirdt vermitten
vil hadern, zancken, palgen, morden,
als sonst wol an andern orthen
Marx Mangold marckschiff (1596) D 1ᵃ;
frühe belege weisen häufig ein zanken, offensichtlich für heutiges ein zank stehend, auf:
wie wird ein zancken und ein hadern!
H. Sachs 1, 113, 31 Keller;
was must wir hertzog Albrecht thon,
welcher graf Cunradn von Francken
erschlagen hat in eim zancken?
J. Ayrer dramen 1, 585, 3—5.
neben der verbindung ein zancken anfahen begegnet öfter ein (kein, vil) zancken, vil zanckens machen; erste bei Th. Murner narrenbeschwörung 243, 129 ndr., letzte u. a. bei Seb. Brant narrenschiff 29, 29 Zarncke anm. u. in dem folgenden beispiel. die substantivische natur läszt sich aus der oft anzutreffenden zusammenstellung mit substantiven erkennen:
und macht vil zancken, krieg und kyb
Seb. Brant narrenschiff 22, 30 Zarncke;
sitz ich allhier ...
bey einem frohen feur, befreit vom neid und zancken
Brockes ird. vergnügen 4, 221;
auch liebet nicht zorn, has und zancken
Opitz in Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 1, 239;
beispiele für einseitigen zank: die volkssage erklärt sich die erdbebenstösse und das tosen aus dem keifen und zanken der ... (berggöttin) mit ihrem manne Ritter erdkunde 6, 473, wo die construction ich zanke mit 'ich schelte jem. aus' deutlich wird und besser noch das gerundium angesetzt wird, was auch für einige andere fälle zutrifft; es ist nun so, was soll jetzt zancken und schmählen! Gervinus gesch. d. deutsch. dichtg. 5, 66; vom ehelichen zank der gattin: so nahm meine freyheit ein ende und zanken gleich den ersten tag seinen anfang U. Bräker schr. 1, 182;
die teglich quelet meinen leib
mit kieffen, zancken und mit gronen
H. Sachs 9, 69, 27 lit. ver.;
nie bist du still, ein ewig zanken
Tieck schr. (1828) 1, 189;
aus dem leben:
in des jünglings letztes wanken
bricht des werbers rauhes zanken
Lenau werke 99 Reclam;
wechselseitiger streit ist erkennbar in folgendem falle aus dem gesellschaftlichen leben: da sie beide fleissige leute waren, so fanden sie fast nur während des essens die zum zanken nötige zeit G. Keller ges. werke 6, 230; vgl. J. M. Miller briefwechwel dreier ak. freunde 1, 187;
wo narrn und schalckheit wohnt bey eim,
mit denen lasz dein zanken sein
Kirchhof wendunmuth 2, 113 lit. ver.;
eine gasse, ... welche allenthalben ... mit zancken ... erfüllet Moscherosch gesichte 1, 49; vor gericht:
beklagter sprach: ich kan zwar keine schuld gestehen,
doch geb ich halbes hin, dem zancken zu entgehen
Logau 127 Eitner;
vom gelehrten und glaubensstreit: ein meister im gelehrten zanken Pfeffel poet. versuche 7, 99;
da kümmert ihn nicht viel der philosophen zanken
Heräus gedichte u. lat. inschrift. 243;
ist das der gotlich heylsam radt,
den wir von inen solten leren,
das wir ir zancken miessen hören
Murner schelmenzunft 8, 37 ndr.;
von leblosen wesen:
in allen thürmen die glocken schwanken,
beginnen ein hell harmonisch zanken
Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 2, 5;
in diesem krieg und zancken
zwiespeltiger gedancken
ich als ein richter lage
pis drey stünd auf den tage
H. Sachs 22, 202 G.
neben blosz beschreibenden adjectiven werden attributiv solche gebraucht, welche unlust und verdrusz verrathen, z. b. erschrecklich, eigensinnig, unschön, namentlich aber ewig, so: ich bin wahrhaftig längst des ew'gen zankens müde Göthe werke 9, 42, 19 Weim. der genitiv nach viel, ursprünglich die regel, taucht in der romantik wieder auf: Arnim hat viel zankens mit den dortigen Juden Görres ges. briefe 2, 239.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1925), Bd. XV (1956), Sp. 235, Z. 36.

zänken2, verb.

²zänken, verb.,
mit zacken versehen (s. auch zänkeln und zänkern), als adjectivisches particip gezänkt gezähnt th. 4¹, 6912 erwähnt und hier auch einmal als präsensparticip zu belegen: darzu dieselb strosz auch über und über verschranckt was mit zwifachen zenckenden schrancken, wozu das glossar gezackt als erklärung bietet E. Tucher baumeisterbuch d. stadt Nürnberg 214 lit. ver.; ein verbum einzänken mit gleicher bedeutung aus Daniel Czepko von Reigersfeld in Wagners archiv 208:
wenn sie (ein aufgeputztes fräulein) dann in stühlen sitzt (in der kirche),
eingezänkt und ausgespitzt
fängt sie an sacht aufzuspielen,
seufzet einen edelmann
etwas übers büchlein an
(von den zahnartigen ausschnitten des kleides).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1925), Bd. XV (1956), Sp. 243, Z. 1.

zänken3, verb.

³zänken, verb.,
s. unter zänkerlicht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1925), Bd. XV (1956), Sp. 243, Z. 17.

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„zänken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z%C3%A4nken>, abgerufen am 03.12.2020.

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