zügig adj.
Fundstelle: Lfg. 3 (1924), Bd. XVI (1954), Sp. 428, Z. 57
ein früher auf gewerbliche sprache beschränktes wort, das sich jetzt freier und wirksam entwickelt.
1)
stoffe, die sich ziehen lassen, 'geschmeidig' Kramer 2, 1452ᵇ; trahax Dasypodius 248ᵇ; 467ᵇ; ductilis Calepinus xi ling. (1598) 453ᵇ, gegenth. spieszig, s. th. 10, 1, 2468, oder unzügig: ains (ein wickel wolle) lässt sich schon spinnen, dann es ist zügig und tüglich zuͦ scharlach. das ander wickel ist unzügig, daraus nichts anders werden mag dann grob lodentuͦech Berthold v. Chiemsee 204; wachsstöcke ..., weil sie in der kälte zügig bleiben allgem. haushaltungslex. 3, 630; wie gold zügig ist, sich gern arbeiten lest J. Zader der braut ehrenkron (1610) 209; welcher (künstler) neben andern vielen trefflichen künsten auch das glasz zügig und unzerbrechlich kunte machen P. Kentz güldener handwercksboden (1629) 95; zügig, das sich sittlich ausz einanderen laszt ziehen, sequax, als ein hendschuͦchläder Maaler 524ᵇ; ihre (der elenthiere) häute sind nicht so spissig, ob sie schon nasz werden, als die ochsen- und büffelhäute, sondern bleiben fein zügig und gelind Hohberg georg. cur. 2, 624ᵇ; behufs des stollens werden die trockenen häute .. angefeuchtet, zügig gemacht Muspratt chemie 3, 1308; zügig brodt nieuwbakken, versch brood Kramer-Moerbeek 438ᶜ. auf menschen übertragen: moderabilis zügig, leychtlich ze meistern, züchtig Frisius 829ᵇ; sequax völgig .., zügig, gehorsam 1203ᵇ; anstatt der widerspenstigkeit tugenthafft und zügig L. Jud Titus 202ᵃ. nicht mehr üblich.
2)
von dem was stark zieht: dann es seind etliche pferd, die zum hitzigsten und grosser empfindlichkeit, auch zigig, oder von andren ubel geritten, wann man inen den trab gibt, so legen sie sich ins bisz und ziehen davon H. F. Hörwart v. Hohenburg ritterl. kunst d. reiterei (1581) 34ᵃ; zügig (ein provincialwort) von pferden ochsen dressé au joug Schrader d.-frz. wb. 2, 1691; das pflaster zeucht stark, ist sehr zügig Kramer hoch- u. niederd. dict. 1, 400ᶜ.
3)
mundartlich geht es in die bedeutung 'elastisch' über Crecelius 938; L. v. Hörmann Tiroler volksleben 152 (von peitschenstöcken).
4)
neuerdings vom leichten zug der feder oder des pinsels, s.zug I B 11 a: er hat nichts freies und zügiges in seiner hand (handschrift) J. Wassermann C. Hauser 347; wie folgt der pinsel zügig den streifen des eises! W. Weisbach impressionismus 154; die schärfe des ellenbogens, der zügige strich des unterarms ..., jede linie geladen mit energie, das ist Botticelli H. Wölfflin grundbegriffe 2.
5)
eigenthümlich und lebensfähig ist folgende anwendung: dieses sommerfrischleben ... verleiht ... dem lande Tirol in der warmen jahreszeit einen eigenthümlichen zügigen, nomadischen charakter L. Steub drei sommer in Tirol 2, 307.
6)
in der Schweiz neuerdings wie 'zugkräftig', 'eindruck machend': der name des zügigen referenten Schweizer bauer 29. 5. 1918 (C. A. Götze neue jahrb. f. d. klass. altert. 41 [1918], 413). ähnlich in der bedeutung 'kräftig': in Taxenbach .. lieszen wir uns .. die mühe eines halbstündigen zügigen ganges auf eine anhöhe nicht verdrieszen J. Nordmann meine sonntage 54. —
zugig adj.
Fundstelle: Lfg. 3 (1924), Bd. XVI (1954), Sp. 428, Z. 49
ein ort an dem, oder eine öffnung durch die 'es zieht', vgl.zug II 9 d. nicht bei Adelung und Campe, belege erst im 19. jh.: mitten in diesen zugigen corridoren Gutzkow 7, 191; in diesen zugigen säulenhallen ... muszt du .. dich verkälten! Fr. Th. Vischer auch einer 1, 11; die offenen thüren und zugigen fenster erinnern mich immer an Italien Moltke 6, 355. mundartlich dafür auch zügig Stalder 481.
Zitationshilfe
„zügig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z%C3%BCgig>, abgerufen am 06.12.2019.

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