Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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zunft, f.

zunft, f.,
ein oberdeutsches wort, ahd. zumft Graff 5, 666, mhd. zumft, zunft mhd. wb. 3, 891ᵇ; Lexer 3, 1177. den andern germ. sprachen und dem nd. fehlt es (bis auf einmaliges, dem hochd. nachgebildetes missetumft Wadstein 17). erst in der anwendung auf die handwerkerverbände hat es sich über Mitteldeutschland und als lehnwort ins niederdeutsche verbreitet. von der Schweiz aus ist es in roman. maa. übergegangen als chomffe, das früher eine handwerkergenossenschaft, dann das eintrittsgeld in eine solche, auch ein lösegeld bei der verheiratung bezeichnete, jetzt eine gesellschaft unverheirateter burschen Tappolet alem. lehnw. 2, 194 f. auch das lat. der urkundensprachen übernahm zunfta, monopolium, collegium W. Brack 2ᵇ; Ducange 8, 434ᶜ. s. a. bei zünfter, zunftmeister. mit dem aufkommen der bed. II brauchte man einen pl., der regelmäszig zünfte heiszt, wofür gelegentlich zunften Logau 682 Eitner u. ö.; Lohenstein Armin. (1689) 1, 359ᵇ; M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 179, auch zünften Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 22; Hohberg georg. cur. 1, 43.
I.
zunft als verbalsubst. zu ziemen steht dessen allgemeiner moralischen bedeutung fern. man musz für dieses eine ältere an rechtsbrauch und -formeln gebundene anwendung annehmen, die jener zu grunde liegt, 'einverständnis abgeben', 'übereinkommen', wie noch in dem wörtlich übersetzenden goth. gatimid συμφωνήσει Luc. 5, 36, so auch ahd. gizamida decretum, gizamunga conventiones. ahd. zumft, gizumfti ist überall pactum, consensus, conventio, foedus: hic continet quoque populos iunctos sancto foedere tiu selba minna habet auh tie mennisken zesamine mit heiligero gezumfte Notker 1, 125 P.
II.
von der bedeutung 'vertrag', 'abrede' ist die benennung der handwerkerverbände ausgegangen. zunft verhält sich in diesem sinne zu dem älteren wie orden zu ordo 'ordnung' th. 7, 1317, zu vergleichen ist auch das neuzeitliche fremdwort trust. die bedeutung wird so alt sein, wie die sache, u. ist älter als die belege, die erst mit der verwendung des deutschen in urkunden u. chroniken auftreten. früher erscheint es in der dichtung, aber in abgeleiteter anwendung, die den ausdruck als fest eingewöhnt voraussetzt:
zwên ritter die sich niht bewarn
kunnen an ritterlicher zunft
Wolfram Parz. 122, 17;
er hete nâch des tôdes zunft
enphangen (vgl. die zunft gewinnen)
Konrad v. Würzburg Troj. 33 534.
dazu gezunfte für 'gefolge':
sie (die drei könige) brâchen ûf iesâ zustede
und allez ir gezunfte
erlösung 3382 Bartsch.
in gleichem sinne schon im 12. jh.:
welhe semfte mit dere meisten zumfte da guinnent
die hie durh got die viante tragent unde minnent
himelriche 219.
die engere heimat dieser benennung innerhalb des oberd. liegt vermutlich auf alem. gebiete. dort hat sich zunft besonders lebendig erhalten und besonders viele im zunftleben entstandene ableitungen gebildet, s. zünfter, zunftbüchse, -büttel, -freiheit, -gesicht, -gesellschaft, -herr, -meisterlich, -pfleger. in rascher ausbreitung ist es im ma. vom ganzen hochd. gebiet aufgenommen, daneben blieben andere, ihrer bildung nach deutlichere wörter, wie einung, innung (mittel- u. niederd.), amt (niederd.), auch gilde (niederd.), landschaftlich beschränkt. zunft wurde zugleich zum träger der gesinnung des durch die ausbildung nach festen regeln, durch seine satzungen gebundenen, zur ordnungsmäszigen ausübung verpflichteten handwerks, s. Jacobsson 2, 208ᵇ, überhaupt zum inbegriff bürgerlicher ordnung:
daher dann die poeten sagen,
das durch das künstlich lautenschlagen
die stätt gebawen seyen worden
und gbracht zuͦ zünften und in orden
Fischart ein artl. lob der lauten 510 Hauffen.
1)
die mittelalterliche zunft im eigentlichen sinne:
a)
in mannigfacher paarung mit verwandten wörtern: handwerke und zünfte Stolle thür. chron. 148 lit. ver.; B. Schupp schr. (1663) 8; vil löblich bruoderschaft und burgerlich zunft Berth. v. Chiemsee 335; alle zunft und brüderschaft Joh. Nas antipap. eins u. hundert 4, 204ᵃ; zünfte und innungen urkundenb. d. stadt Freiberg i. S. 3, 169, s. bei b; E. M. Arndt f. u. an s. l. Deutschen 2, 118; kein werck, z. oder gilde Schütz hist. rer. pruss. (1592) 3, x iᵃ; zünfte und gilden Alexis Roland v. Berlin 1, 18; 33; kaufleute, compagnien, zünfte, innungen Leibniz dtsche schr. 1, 243; jeglich handthierung, göffel (gilde, wie gaffel A. Götze frühnhd. gl.² 94ᵇ) und zunfft Fischart bienenk. (1588) 202ᵃ; zech oder zunfft Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 525; Lori baier. bergrecht 140; i. f. d. wolten ihnen (den evangelischen) alle privilegia bey zunfften und zechen nehmen acta publ. 2, 237 Palm. später versuchte man diese ausdrücke begrifflich zu unterscheiden, wobei man die wirtschaftlichen verbände zünfte nannte, 'sofern sie abtheilungen der bürgerschaft sind' (vgl.d) Hübner-Rüder 4, 1038ᵃ; Eberhard syn. 4, 189.
b)
das leben der zünfte zeigt sich in bestimmten ordnungen u. gebräuchen: item es sal ouch kein fremder uff ir handwerg genomen werden, er habe danne das handwerg alhir bey yn addir in andern .. steten, do sy ouch czumpffte und ynnunge haben, und nicht uff dorffern gelernt urkundenb. d. stadt Freiberg i. S. 3, 169; und als nun das crütz mit allem hailtuͦmb für in kam und der thuͦmbherren kertzen und aller zunft kertzen Richental chr. d. Constanzer conz. 99 lit. ver.; es hett auch ein yeglicher stand und z. ir zaichen A. Dürer tageb. 55; krämer ... die sollend haben ein z. und ein panner Tschudi chr. helvet. 1, 342;
als ihre zunft den jarstag hat
Fr. K. v. Erlach volksl. d. Dtschen 1, 473;
die ältesten einer zunft (müssen) von der arbeit eines jungen meisters urtheilen Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 482; soll man nicht eher als bis ein meisterstück vorhanden ist, die z. gewinnen? Hippel über die ehe (1779) 46; der bauer hat keine z. W. Riehl die dtsche arbeit 41. dementsprechend die z. verlieren. sonstige formeln: ein zumfft ... zuͦsamen beruͦffen Frisius 245ᵇ; einen in die z. aufnehmen. aus der z. stoszen Stieler 2646; um in meiner z. zu bleiben Lindenborn Diogenes 1, 15; die z. beachten (die begrüszungsformen) R. Thomas unter kunden 28. je mannigfaltiger die gewerbe unterschieden wurden, um so mehr zünfte gab es: das holtz ward ihm von der z. der kärchelzieher heim gefärtiget Fischart geschichtklitt. 247 ndr.;
die leineweber haben eine saubere zunft
F. L. Mittler dtsche volksl. 944.
c)
zunft als versammlung und versammlungshaus der zünfte:
auf das man dich nicht in der zunfft
schelt einen groben unvernunfft
Barth. Ringwaldt lauter warheit v. 104;
der wynrieffer ist ein michel teil,
die eim syn ere yetz tragent feil
uff den zünfften, uff der gassen
Murner narrenbeschw. 123 ndr.;
des sontags buͦchstab suͦch man auff den zünfften und stuben (beim trinken) Fischart praktik 3 ndr.; Oporinus aber hatt sins vatters zunfft zum himel (name e. hauses,) den derselb was ein verriempter maler Th. Platter 89 Boos; so dan andre unsre guͦte günner von unsrer z. zum bären Fel. Platter 314 B.; den 11. octobris wurde die erste séance auf der z. zum göldnen ancker gehalten bibl. ält. schriftw. d. Schweiz II 1, 12; noch vor acht tagen auf der z., sagt ich, es würde schwere händel geben Göthe 8, 202 W. allgemeiner: damit die verheissung vom weibs samen in öffentlichen zünfften oder versammlungen bey der ertzväter altar erkleret ... würde Mathesius Sarepta (1571) 7ᵇ.
d)
in den ständekämpfen wurden die zünfte politische verbände gegenüber dem rath und den geschlechtern und bekamen in vielen städten ihren antheil am stadtregiment, vgl. zunftmeister 3: ze dem ersten haben wir unsern rate also geordent ... us allen hantwercken der gemeine unser stat achtzehen zunfte, der ieglichiu einen zunftmeister haben sol, der an den rat ge zweites Augsburger zunftbuch (1368) chr. dtscher st. 4, 135; also fragten (wegen der abschaffung der abgaben) die zunftmaister ir zunftlút. do sprachen all zünft in der statt chr. dtscher st. 4, 109 (Augsburg); des aber .. durch grosen fleisz kunig Karels ... wyderbracht, auch solche auffrur (der Gaisbärte 1348) gestilt, nyder getruckt, die zunfft abgetan und die statt wider in das alt regiment der erbern gesetzt ebda 3, 276 (Nürnberg); ein rath hieng Carolo an, die zünfften aber waren im wider Seb. Franck chron. Germ. (1538) 204ᵇ; dise statt (Schaffhausen) ... wirt regiert durch zween burgermeister, räht und zünfft Stumpf Schweytzer chron. 416; für ihm wurden unterschiedene taffeln getragen, auf welchen .. die unterscheidung des adels und der zunften .. zu schauen war Lohenstein Armin. (1689) 2, 423ᵇ;
die rege Zürich waffnet ihre zünfte
Schiller 14, 384 G.,
burg gegen burg, stadt gegen stadt,
zunft gegen adel fehde hat
Göthe 15, 1, 254 W. (Faust 10 265);
indem viele ... ihre zuflucht nach Aachen nahmen, wurde hier im jahre 1574 mit einwilligung der rathsverwandten und der zünfte eine neue rathsordnung gemacht Ranke 7, 121.
e)
zunft für ähnliche verbände und gliederungen in der stadtgemeinde, besonders in Rom für tribus Frisius 459ᵃ; 1043ᵃ; 1329ᵇ; Bas. Faber (1587) 884ᵇ; Hulsius (1618) 2, 421ᵃ, curia Frisius 356ᵃ; Maaler 524ᵇ; Corvinus 225, decuria Frisius 370ᵇ, centuriata comitia 210ᵃ; Corvinus 178, s. zunftmeister: da stelten die zünfte (tribus) das gesetz von der theilung der äcker ab Heyden Plinius 47; ferner errichtete der senat, die ritter und die zünfte zahllose bildsäulen H. Meyer gesch. d. bild. künste 3, 184. auch von weiteren stammes- und volksgliederungen: es sind auch die Boier so mächtig gewesen, dasz sie 112 gemeinden oder zünfft gehebt haben Stumpf Schweytzer chr. (1606) 159ᵃ; die zünfte Israel Hulsius; Kramer 2, 1485ᶜ; der Athener rott oder zunfft, phratores genant, erschluͦgen alle hund, so in ihren rath, zunfft und versammlung kamen Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 62ᵃ; die stadtquartiere, zünfte (φρατρίαι) und geschlechter hatten über ihre mitglieder schirmrechte J. v. Müller 1, 72;
sondere jetzo die männer nach ihren stämmen und zünften,
und lasz zunft der zunft und stamm dem stamme dann beistehn
Bürger 199ᵃ Bohtz (Il. 2, 362).
neuerdings nur in engerem anschlusz an b und d: die z. der seidenhändler (Kleinasien) Ritter erdk. 17, 494, der eisenarbeiter Mommsen röm. gesch. 1⁴, 179, der Bramanen J. Albr. v. Mandelslo morg. reisebeschr. (1696) 100 Olearius, der Schamanen Peschel völkerk. 277, der fishmongers Moltke 6, 361, der bettler Ratzel völkerkunde 3, 601.
2)
zunft in lobendem oder tadelndem sinne.
a)
zunft als inbegriff des ehrlichen handwerks: alle ehrliche zünfte und collegien haben unechte und unzüchtige leut ausz irer zunfft geschlossen Mathesius 3, 289 bibl. dtscher schriftst. aus Böhmen; ein lecherlich zunfft ist mir das, da niemant sein eygen handwerck recht kan Luther 7, 637 W.; die ämter und zünffte müssen so rein seyn, als wenn sie von denen tauben gelesen Pistorius thes. paröm. 762; bosheit entehrt die zunftgenossen, aber niemals die zunft H. P. Sturz schr. 1, 163; wollen wir also ein festes .. ehrbares und gehaltenes bürgerwesen haben, so müssen wir unsere bürgerschaften ... wieder in sichere schranken von innungen und zünften schlieszen E. M. Arndt für und an seine lieben Deutschen 2, 118; ehrbare, ehrliche, ehrenwerte zünfte.
b)
man sieht in z. das ausschlieszende, eigensüchtige, hindernde, veraltete, vgl. zunftgeist: das einem frey zugelassen werde, sein hantwerck zu arbeiten, unverhindert durch die z. Luther 18, 536 W.;
männer von zünfften
regieren mit schlechten vernünfften
Hans Sachs bei Lehmann floril. (1662) 2, 592;
handwercksleute haben zunfften, haben ordnung und gesetze,
dasz sich niemant in ihr mittel, sein gewerb zu treiben, setze,
... der nicht meisterstücke machet,
macht ihn gleich das werck zum meister
Logau 642 Eitner;
von den geschlossenen zünften ..., welche ein augenscheinliches hindernisz des wachsthums der städte sind Gottsched neueste aus d. anmuth. gelehrsamkeit 1, 36; der finstre despotismus der zünfte G. Forster 3, 92; im bann der zunft und schule deutsche arbeit 38;
stell wieder her das halsgericht,
das peinliche Karls des fünften,
und teile wieder ein das volk
nach ständen, gilden und zünften
H. Heine 2, 467 E.
auch hält man den zünften ihre gelage vor:
zunft und zechen sind verwand,
eines zwiefach nur genant
Logau 35 Eitner.
3)
zunft bezeichnet einfach die zugehörigkeit zu einer gleichartigen gruppe, classe. von einer z. sein heiszt dann zugehören, in eine z. treten sich zugesellen.
a)
früh erscheint es so in tadelndem sinne, zunächst in naher anknüpfung wie der narren, der schelmen z.:
was wunder, wenn er (der student) sich in dieser zunft befindet,
weil er sein ganzes wol auf unverstand gegründet
Seb. Brant narrenschiff 9 Z.;
der schelmen zunfft hat mich erwelt
und für eyn schreyber hargestelt
Murner schelmenz. 1 ndr.
(ähnl. Gäuchmatt 24 Uhl);
ob unter uns fraw oder mann
auch sey in der ehbrecher zunfft
H. Sachs 21, 282 G.;
mit der ... romanisten bintnüs und z. (cum romanistarum factione) Hutten 1, 385 Böck.; aus der schwermer z. und gilde werffen Luther 23, 113 W.; wer ... unrecht und ubel straffen soll und denn kein maul hat, der ist in gleicher z. mit dem miszthäter Lehmann floril. (1662) 2, 732; ein unzüchtig weib wolt gern jede in ihr zunft setzen 2, 890; hanreyschaft ist die vornehmste z. Pistorius thes. paröm. 396; die armselige z. jener tyrannenbändiger und regentenwürger Herder 17, 65 S.; der narren z. H. Sachs 7, 192 K.; der säu z. 20, 294 G.; der hurer z. Eyering 2, 494; der thoren zunft Jac. Ayrer 2034 K.; der diebe und rauber z. Gretter erkl. d. ep. Pauli an die Römer (1566) 99; wilder thiere z. Logau 471 Eitner; die z. der galgenvögel J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 307; der spötter z. Pfeffel poet. vers. 1, 154; des teufels z. Abrah. a st. Clara Judas 1, 685; eine böse, schlimme, saubere zunft.
b)
daneben bezeichnet es die zugehörigkeit schlechthin, bes. beliebt im 17. und anfangenden 18. jh.:
wo ausz dem (christl. haufen) ein seel oder geist
ausz firwitz, hoffart allermeist
durch menschlich witz und vernunfft
ausz der einfalt christlicher zunfft
von gottes wort geht ausz spacirn
H. Sachs 6, 202 K.;
bist auch villeicht ausz unser zunfft?
Nic. Frischlin dtsche dicht. 41 D. Fr. Strausz;
ich bin in der kleinen kinder z., die kein zeen haben Eyering 3, 58;
lebstu mit vernunfft,
so kompst nimmer in der armuͦt zunfft
Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 54ᵇ;
kein sünder wird ja dann der frommen wohn beflöcken,
noch sich under die zunfft der gerechten verstöcken
G. Weckherlin 1, 300 Fischer;
ein freund, der nie mir hilft, ein feind, der nichts mir thut,
sind beyd in einer zunfft, sind beyde gleiche gut
Logau 373 Eitner.
das kreuz war der gewöhnliche lohn solcher Galiläer und aufrührer, in deren z. man Christum zu mengen sehr bequem finden muszte Herder 19, 184 S.; die weiblich z. H. Sachs 14, 135 K.; der götter z. Opitz t. poemata 179 ndr.; Rachel sat. ged. 58 ndr.; der menschen z. Weckherlin 2, 35 F.; der christen z. A. U. v. Braunschweig Octavia 4, 151; der weisen z. Gottsched ged. (1751) 1, 170; Brockes ird. vergn. 3, 7; der hirten z. Hagedorn poet. w. (1769) 3, 131; weiser trinker z. Gleim s. schr. (1798) 1, 78. überhaupt menge, schar, corpus Frisius 337ᵇ;
es wirt ein grosse zunft
bibl. ält. schriftw. aus d. Schweiz I 5, 28;
so lasz uns zu ihren füszen
nu werfen in einer zunft
G. Weckherlin 1, 102 Fischer;
hierauf folgt eine zunft von süszen musicanten
P. Fleming deutsche ged. 1, 45 Lappenberg;
gantze carawanen, das ist gantze zünfte oder gesellschafften reisender kauffleute E. Francisci luftkreis (1680) 1082;
und hofmeistre die tolle zunft (der lärmenden kinder)
C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 92;
hernach aber wollt ich erschauen, was das für eine heilige junge z. sei, die dort in kutten zur schule geht Scheffel 2, 162. auch übertragen:
der düstern sorgen schwarze zunft
Stoppe Parnasz (1735) 5.
c)
derselben literatur eigen ist die anwendung auf die gelehrten und dichter, zunächst im sinne der ehrbaren zünfte. ihre zunft ist die berufene pflegerin der edeln und freien künste:
Dafnis, der ein schutz der hürten,
Dafnis, der die zunft ergänzt,
...
welcher billich wird geheiszen
eine fakkel von den Preuszen
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 1, 432;
ich singe von der frau, die um den Pleiszenstrand
den deutschen Harlekin aus ihrer zunft verbannt,
sich selbst bezwungen hat, die bühne stets gebessert
Rost verm. ged. (1769) 4;
neidische schriftsteller, die sich in das fach der kritik werfen, um sich an der ganzen gelehrten z. zu rächen Ramler fabellese (1783) 1, 281; wir verständigern leute, wir z. in prosa Heinse 3, 414 Schüddek.; eine neue zunft von .. meteorologen Lichtenberg verm. schr. 9, 324; der schöpfer Ruszlands selbst, Peter, liesz sich zu ihrer (der akademie) zunft zählen Herder 23, 53 S.; die republik besteht aus aldermännern, zünften und volke Klopstock gelehrtenrep. (1774) 3; die darstellenden zünfte 13; die abhandelnden zünfte 14; wo die nationalgesänge einer solchen z. anvertraut sind W. Schlegel Athenäum 2, 307; das höchste in der physik ist jetzt vorhanden, und wir können nun leichter die wissenschaftliche z. übersehen Novalis 2, 41 Minor (ähnl. 2, 22; 24; 26; 34; 4, 175). daneben aber drückt es auch den tadel der abgeschlossenheit und enge aus: es sind nicht alle gelehrte leute, die grosze ansehnliche bärthe haben, sonst würden die ziegenböck auch mit in die z. kommen Corvinus (1648) 104;
stieszen mich auch gleich poeten ausz von ihren klugen zunfften
weisz ich schone, freund, dein arten, weisz ich deine wolvernunfften
Logau 516 Eitner;
der pedanten zunfft Hoffmannswaldau 1, 220 Neukirch; unsre ganze z. von moralisten und wochenblättern mag sich darüber beklagen Herder 5, 233 S. (ähnliches 3, 322; 5, 319); die deutsche sprache wurde nicht in die lehre genommen und in keine zunft zugelassen Jac. Grimm th. 1, vorrede v; den deutschen universitäten musz man überhaupt nachrühmen, dasz sie den deutschen schriftsteller, mehr als jede andere z., mit allerlei narren versorgen H. Heine 3, 347 E.; auch bei der streng gelehrten forschung blickt er fortwährend über die schranken seiner z. hinaus Treitschke hist. und polit. aufs. 1, 367.
4)
vorübergehend hat die naturwissenschaft z. für ihre eintheilungen verwandt: unter diese z. gehören auch die flechten oder zitrachten J. Agricola chir. (1643) 591; gleich wie nun in die z. der feuchten cörperen gehören die festen, zähen, oder schleimigen ölichten, wässerichten sachen, also sind eine gattung der trockenen cörperen die dürre J. J. Scheuchzer physica (1711) 1, 57; es hat aber das edelleberkraut vor andern kräutern seiner z. zur sicheren unterscheidung voraus, dasz ... Ehrhart pflanzenhist. (1753) 2, 59. schematisch bei Oken 1, 17; 629; 3, 29 u. ö.
5)
die verschiedene auffassung und verwendung zeigt sich auch in den zusammensetzungen:
a)
zunft ist das bestimmte: handwerkszünfte Kramer 2, 1485ᵇ, schmiedezunft B. Schupp schr. (1663) 474, priesterzunft Rachel sat. ged. 73 ndr., schelms-, diebs-, mörder-, henkerzunft Stieler 2646, schelmenzunft Murner; Kramer, hexenzunft Grimmelshausen 2, 34 Keller, jungfernzunft Rachel sat. ged. 136 neudr., weiberzunft Kramer, rosenzunft Ph. Zesen helikon. rosentahl, titelblatt, poulardenzunft almanach f. leckermäuler (1804) 91.
6)
zunft ist das bestimmende. auszer den alphabetisch angeführten, welche zumeist aus dem lebendigen zunftwesen stammen, bildet man, dieses als veraltet u. dann rein geschichtlich ansehend, eine menge von zusammensetzungen, wie zunft-abgaben, -besitz, -brauch, -ehrbarkeit, -eid, -einrichtungen, -essen, -fest, -freund, -geheimnis, -gemeinde, -gewohnheit, -glied, -grad, -gut, -handwerk, -herberge, -lade, -lasten, -leben, -lehre, -mitglied, -organ, -privileg, -regiment, -richter, -schmaus, -schule, -siegel, -silber, -sprache, -urkunde, -verband, -verfassung, vermögen, -versammlung. adj., wie zunftberechtigt, zunftwidrig. mit tadelndem sinne: zunftabschlieszung, -bann, -beschränkung, -despotismus, -dünkel, -monopol, -neid, -plackerei, -schranke, -vorurtheil, -zopf. andere unten an ihrem orte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 574, Z. 55.

zünfter, m.

zünfter, m.,
urspr. schweizerisch Frisius 356ᵃ; Dentzler 2, 368ᵃ: desz hallt ich mich noch, hab aber mein zunfft- und burgrächt gar in die gepott, wie ein anderer zünffter Heinr. Bullinger an Ambr. Blaurer 2, 459 (1546); vorzüglich diese sollen von den gesammten zünftern erwählet werden J. M. Absprung reise durch einige cantone d. eidgenossensch. (1784) 272; die regierungs- und verwaltungsfähigkeit gemeiner bürger und zünfter Pestalozzi s. schr. 15, 335. von Klopstock aufgenommen gelehrtenrepubl. 10; 17, der auch mitzünfter, unterzünfter bildet, vgl. zunft 3 c. danach M. Claudius 1, 59; J. H. Vosz ged. (1802) 3, 202. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 580, Z. 56.

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„zünfter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z%C3%BCnfter>, abgerufen am 22.09.2021.

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