Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

zünftig, adj.

zünftig, adj.
Frisius 1329ᵃ; Stieler 2647; ahd. zumftig pacatus Graff 5, 667; mhd. spät und vereinzelt Lexer 3, 1178. dazu mitzünftig Maaler 525ᵃ; mitzünftiger, subst. Stieler; unzünftig Stieler.
1)
persönlich: zünftige meister Stieler; zünftige handwerker Mommsen röm. gesch. 1⁴, 213; also fiengen wier truckery mit einandren an, ich ward burger und zünfftig zuͦ dem bären, do Balthasar und Ruͦprecht vorhin zinfftig waren Thom. Platter 89 (Boos);
ob iemans wolt hie zunfftig seyn,
der leg zuͦ erst dry würffel eyn
Murner schelmenzunft 1 ndr.;
ein sohn ..., gleichfalls schachtelmacher, nicht zünftig, setzte das handwerk als pfuscher fort Holtei erz. schr. 1, 79. in weiterer verwendung:
der (Paulus) war nicht zünfftig beim geistlichen orden,
aber durch Jesum zum manne geworden
Zinzendorf Socrates (1726) 70;
sobald sie aber so mittelmäszige redner sind, ..., so sind sie ... auch auf der zunft der gottesgelehrten nicht zünftig mehr Klopstock gelehrtenrep. (1774) 14; das schlimmste ist, dasz wir das alles lernen, blos, um es zu wissen und dadurch zünftig zu seyn Bürger 319ᵇ Bohtz; zünftige gelehrte H. Brunn kl. schr. 3, 280, diplomaten P. de Lagarde deutsche schr. 22, räthe (die 'geheimräthe') Bismarck ged. u. er. 2, 303 volksausg., bergsteiger H. v. Barth kalkalpen 636;
nur wer geheimnisz schweigen kann,
der ist der rechte zünftige mann
E. M. Arndt 5, 331 R.-M.;
als liberal einst der verfolgung ziel,
schilt mich der freiheitstaumel nun servil;
nicht hier, nicht dort in den extremen zünftig,
ich glaube bald, ich bin vernünftig
Grillparzer 3, 162 Sauer.
so auch als subst.: die zünfftigen und burger G. L. Hartmann fluchspiegel 217; dasz man den zünfftigen am sonntag unter der mittagspredigt nicht zusammen gebieten soll Dannhawer catech.-milch 1, 534; seine (des teufels) zunfftige, die zauberischen segensprecher Widmann Fausts leben 44 Keller; indem er nun ... ganz für die familie, ganz mit seinen zünftigen vereinigt, ... lebte H. Steffens was ich erlebte 8, 222; zünftiger zunftgenosz Stalder vers. 479.
2)
sachlich: ein zünftiges handwerk Schottel teutsche sprachk. 321; Stieler; Kramer, gewerbe Mommsen röm. gesch. 1⁴, 213; nur unter den Deutschen ... hat dieser zunftkram (der meistersinger) so lange dauern ... können: denn der deutschen art nach wird alles gern langweilig und zünftig Herder 16, 227 S.; damals waren edle thaten zünftig Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 229; zünftige gesetze E. M. Arndt für u. an s. l. Deutschen 2, 77, gebräuche G. Keller 2, 192, gelahrtheit Fr. L. Jahn 1, 189; zünftiger meistergesang J. Grimm rechtsalterth. 1⁴, x, zwang Treitschke dtsche gesch. 2, 10.
3)
von der lobenden bedeutung aus, s. d. bel. aus Arndt bei 1, ist es mundartlich zu einem steigerungswort geworden: owe do wors zinfti 'aber da gings lustig zu' altbayrisch; ich hättn e paar zinftge (tüchtige prügel) gegeben obers. Müller-Fraureuth 2, 716. s. auch Ostwald rinnsteinspr. 172.
4)
von thieren: als zünftiges raubtier, läszt sie (die katze) sich ... auch übergriffe zu schulden kommen Brehm 1, 440 P.-L.;
die thiergeschlechter sind auf erden zünftig,
geordnet jegliches nach seinem samen
Rückert 3, 144.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 582, Z. 59.

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Zitationshilfe
„zünftig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z%C3%BCnftig>, abgerufen am 14.06.2021.

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