Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

züngeln, v.

züngeln, v.
Stieler 2655, erscheint im 17. jh.
1)
allgemein üblich von der unruhigen bewegung der herausgestreckten zunge.
a)
ursprünglich und eigentlich von thieren, bes. von schlangen:
schaue, wie freundlich die züngelnde schlangen
mit dem so schlüpffrichten zungengifft spieln
Hoffmannswaldau 1, 279 Neukirch;
die nattern züngelten um den bewundnen leib
Günther ged. (1735) 494;
sie umringeln seine füsze, ihre züngelnden zungen deuten auf tödtliche zähne Göthe 42, 2, 469 W.;
wenn ich was esse, sitzt er (der hund) steif und starr,
die nase aufgereckt, heiszhungrig züngelnd
Immermann 16, 343 H.
b)
übertragen auf flammen, wellen u. ä.:
züngelnd lichte blitze steigen
zwischen blättern, zwischen zweigen
Göthe 15, 1, 303 (Faust 11328);
nur an dem gesims eines ... groszen fabrikgebäudes züngelten ein paar flämmchen Moltke 6, 175; das plätschern des wassers, das ... unaufhörlich an den quadern des dammes leckte und züngelte Spielhagen 2, 156; das fähnlein züngelt .. über dem wasser M. Claudius Asmus 4, 3. freier: aus ihren augen züngelte ein blitz Joh. Scherr 5, 133 Hesse (Nemesis); wir wollen hoffen, dasz der westfälische riesenstreik nicht auch rheinaufwärts bis Frankfurt züngele J. Burckhardt br. an e. architekten 271.
c)
vom zungenkusz Rüdiger zuwachs d. sprachkunde (1783) 2, 133:
o himmel! wie kützelt das züngelnde spiel
Günther ged. (1735) 929.
2)
nach etwas züngeln: Pan lechzte und züngelte mit tausend blutzungen nach mir, als wenn die ganze nachtwelt ein gräuliches gespenst wäre C. Hauptmann Einhart d. lächler 2, 91; aber dem unbehagen wuchsen doch täglich mehr züngelnde, saugende polypenarme W. Raabe Abu Telfan 1, 56. nach etwas lüstern sein, zunächst nach speisen und getränken Hübner-Rüder 4, 1039ᵃ; Stalder vers. 482: der verständige mensch .. züngelt nicht nach dingen, die er nicht ablangen oder verdauen kann Bog. Goltz hinter d. feigenblättern 1, 127.
3)
nippen: wir züngelten 'n wenig (beim frühstück) M. Claudius Asmus 3, 176; diese weine musz der kenner nippen und züngeln Tieck 17, 90;
ei, wer wird so schämig züngeln?
Gaudy 1, 77.
4)
beim blasen von trompeten: und .. wann die trometer züngelten, die pfeiffer und seitenspieler auch ihre künstlichen läuffchen verblümeten Bucholz Herkules (1666) 1, 168.
5)
für eine art des pelzens, th. 7, 1536, 'impfen' Breslauer samml. v. natur- u. medicingesch. (1717) 3, 240.
6)
schwatzen Kramer 2, 1486ᶜ:
der schwätzer züngelnd volk, die hungrigen harpien
v. Schönaich neueste 3, 626 Gottsched;
sie züngeln und zischen zu Rom Herder 26, 360 S.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 608, Z. 70.

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Zitationshilfe
„züngeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z%C3%BCngeln>, abgerufen am 04.08.2020.

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