Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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zupfe, f.

zupfe, f.,
charpie, vgl.zupfels: so oft das blut aufquoll, zog er die umgelegte zupfe ab Chr. Nagel leben 1, 140.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 627, Z. 16.

züpfe, f.

züpfe, f.,
ein schweizer gebäck aus feinstem mehl, 'in form eines eingebundenen kindes' Jer. Gotthelf ges. schr. 6, 120.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 627, Z. 19.

zupfen, v.

zupfen, v.,
daneben im obd. weithin üblich zopfen Heyse 2, 2105, im Elsasz Martin-Lienhart 2, 912ᵇ, in Baden ztschr. f. dtsche ma. (1916) 328, Niederösterr. Castelli 1906, in Schwaben Schmid schw wb. 550, besonders das spätsommerliche hopfe zopfe. selten und anscheinend jung die umgelautete form züpfen: züpfen die haare in zöpfe flechten, an-, einzüpfen falsche haare einflechten Stalder 2, 482; man siehet ... züpfte perruquen, knüpfte perruquen Abr. a st. Clara narrennest 3, 6. zupfen ist zuerst im 15. jh. belegt:
die küngin (frau Venus) sach hinumb gen Eren.
da sy nichtz sprach, da zupft sis by dem geren
Hätzlerin liederb. 329;
ich sach in unter der rathausthur
ein andre zupfen und anlachen
fastnachtsp. 2, 543 K.
die anwendung zeigt dort das wort als ein altübliches, s. u. es ist im hd. gebiet zu hause, dagegen ist es zweifelhaft, ob es gemeindeutsch oder gar schon westgerm. ist. nd. toppen brem.-nieders. wb. 5, 84, meist tobben Sch.-L. 4, 553ᵃ; Richey 309; Schütze 4, 267; Doornkaat 3, 418, erscheint in abgeleiteten bedeutungen und kann aus dem hochd. entlehnt sein. für die älteren bedeutungen von zupfen braucht das nd. tocken, tucken, s.zocken oben sp. 16 u. zucken sp. 284 ff. die ähnlichen verben anderer sprachen sind als selbständige bildungen deutlich, so nl. toppen 'bäume kappen' (s.zopf II 3, sp. 84), 'kreiseln', die raaen toppen, s. th. 11 1, 878, u. altn. typpa Thrymskv. 16, 8 ('den hauptschmuck türmen' Genzmer). im ags. ist es nicht belegt, doch weisen die mannigfaltigen verwendungen von top bei der bereitung von flachs, wolle und ähnl., engl. dial. dict. 6, 195 ff., s. auchzopf, auf den schon von Wachter s. 1984 richtig gesehenen zusammenhang mit zopf, wobei dieser an die bedeutung apex, crista von ags. top erinnerte. es hat das verb vermutlich zunächst das raufen des flachses und hanfes bezeichnet, s. th. 7, 432, auch Franck anz. f. dtsches alterth. 21, 311, Ed. Schoneweg leinengewerbe in d. grafsch. Ravensberg (1923) 25; 125. von da aus läszt sich die eigenthümliche entwicklung der bedeutung verstehen. auf der einen seite gerieth zupfen und zopfen unter den einflusz der lautnahen zucken und zocken, s. u. 4, auf der anderen hat sich die das verb begleitende anschauung in ähnlicher weise verschoben wie bei zucken, o. sp. 290. anstatt der ziehend wirkenden bewegung haben wir die art und weise wie der gegenstand gefaszt wird, nämlich 'mit dem daumen und dem zeigefinger wiederholt, in kurzen absätzen ziehen' Hübner-Rüder 4, 1039ᵇ. das ist die art, wie das auszupfen der fimmel, der männlichen halme des hanfes beschrieben wird, s. o. th. 7, 432. wann diese umlegung der anschauung eingetreten ist, kann man nicht genau sehen, aber der sprachgebrauch des 18. jhs. und die angaben bei Adelung u. Campe setzen sie voraus. die durch zucken bestimmten anwendungen sind darüber auszer gebrauch gekommen. wenn noch A. Olearius sagt: sie zupfften .. einen von unsern dienern nach der thür pers. reisebeschr. (1696) 206, so bedeutet das 'sie zerrten', aber: sie zupften sie vom heerde fort Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 30 versteht man so, dasz die person am ärmel oder am rock gezupft wird. ebenso empfindet man einen gegensatz zwischen zerren und zupfen bei Laube: sie hatten ihn (d. diener) vom fenster hinweggenöthigt, und zupften und zerrten ihn im zimmer umher ges. schr. 10, 245, wenn auch der verfasser das paar als synonym gemeint haben kann.
1)
zupfen wie rupfen, pflücken: eine magd, welche hanf zupft R. Köhler kl. schr. 1, 575; hopfen zupfen Kramer 2, 1486ᶜ, zopfen Schmeller 2², 1145;
ein blat vom salvenstock er zupffet
H. Sachs 2, 224 K.;
sie zupfen gleichsam die mayenblümlein der welt Joh. Saubert currus Simeonis (1627) 394; rosen, salat zupfen mondare, belesen, klauben Kramer; von stielen gezupffte weichseln Hohberg georg. cur. aucta 3, 72ᵃ; sie hatte eine wiesenblume gepflückt und zupfte die weiszen blumenblättlein Scheffel ges. w. 2, 44.
2)
flachs, wolle wird gezupft, indem man sie auseinanderzieht, um kletten, knötchen und andere unreinigkeiten zu entfernen Jacobsson 4, 726ᵃ; Hübner-Rüder 4, 1039ᵇ. das war eine arbeit der armen- und strafanstalten: ins landarmenhaus schickt er uns, um wolle zu zupfen Fontane I 5, 161. auch vom zerzupfen gewebter stoffe: so kommt er ein halbes leben lang ins zuchthaus und zupft lumpen Fontane I 6, 137; dasz es mir sogar nicht widerlich wäre, mit ihnen (d. weibern) fleckchen zu zupfen Castelli s. w. 10, 157. bes. für verbandstoffe: die wunden soll voll cardobenedictenwollen eingelegt werden, die ganz zart gezopfft ist Gäbelkover artzneyb. 2, 245; in Krebsau huben die frauen an, leinwand zu zupfen und verbandzeug zu sammeln für die verwundeten krieger Rosegger I 1, 310; charpie zupfen. vergleichend: die wiese ..., auf der sie (die kätzchen der pappelweiden) nun wie gezupfte watte dalagen Fontane I 5, 174; dasz sie (die urtheilskraft) dem spielend-sondernden scharfsinn ..., wenn er das lebendige zerpflückt und fäserchen zupfet, (nicht) nachgebe Herder 22, 312 S.;
wir sind nicht die helden vom alten schrot,
die das deutsche reich zupften in franzen
Fr. L. Jahn 2, 999.
3)
haare, federn herausziehen, wie rupfen:
das sie im schier die schwartzen har
het halt aus seiner schwarten zupffet
H. Sachs 9, 455 K.;
bald zupffte ich ihr hier und da ein härgen aus Chr. Reuter Schelmuffsky vollst. ausg. 8 ndr.; als der esel ausz hunger seinem treiber stroh ausz den schuhen gezupfft und gefressen Lehmann floril. (1662) 2, 763; ein rehböcklein ... zupft ... sein frühstück von den zweigen Göthe 49, 144 W.; baumwolle, welche ich aus den groszen ballen am hafenplatze und beim kaufhause gezupft hatte G. Keller 1, 98. mit dem schnabel herausziehen: wo ... dohnen stehen geblieben sind, zupfen sie (die nachtigallen) die haare gern aus den schlingen Naumann naturgesch. d. vögel 2, 1, 392;
sorgsam und kundig zupfte hier das vögelein
aus dem dornichten busch des lammes flocke
grafen Stolberg 2, 278.
wie rupfen 2, th. 8, 1529: so bringt die gans, so würgt die gans, so ropfft die gans, so zopft die gans Uhland volksl. 572. gelegentlich wird es von rupfen als das sanftere unterschieden:
da wil ich in nit eintzing zupffen,
sunder die schwingfedern ausrupffen
H. Sachs 14, 87 K.;
kann man ihn nicht rupfen,
so kann man ihn doch zupfen
Binder 165.
4)
wie zucken, veraltet.
a)
ziehen, zerren:
die wasserfrau mich zupfft
und neher fürt zum pett,
(wo die kranke wahrheit liegt)
H. Sachs 3, 313 K.;
so man das kind mit messern klopfft,
die hende es darnach zu sich zopfft
Eyering proverb. cop. 3, 310;
der geschwinde fusz entflieht,
wenn die hand dich zopfft und zieht
Abschatz getreue schäffer 1, 69.
dazu den beleg aus den fastnachtsp. oben. in der waidmannsspr.: (das) stricklein ..., welches an den kautz gebunden, damit er zum flattern gezupfft wird Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 228 (ähnl. v. d. locktaube 3).
b)
einen zausen, miszhandeln, thätlich angreifen, pervello Calepinus undec. ling. (1598) 1080ᵃ: o her, erlösz mich von den henden der menschen, das sie mich nit zupffent Keisersberg bilgersch. (1512) 1ᵈ; sie lasse sich nicht zupffen odder unzimlich angreiffen Chr. Bruno instit. crist. foem. (1566) 29ᵃ;
steh auf, buͦb, (spricht man) luͦg wer klopfft,
da wird er vorn und hinden zopfft
Scheit Grobianus v. 1531 ndr.;
warum solt es dan seltzam sein,
dass der starck einen schwächern zupfet
Weckherlin ged. 2, 433 Fischer;
mag er mich bläuen und zupfen, wie er lust hat Musäus volksmärchen 1, 41 H. dann auch mit worten plagen, necken, belästigen, tadeln, mahnen, vgl. 5 c Stieler 2633: prehenso einen zupffen, manen, zered stellen Frisius 1033ᵇ; man soll die mönche, wo sie auf der gasse gehn, zupfen und spotten Conr. Helt bei Melanchthon op. 1, 483 Bretschneider; der herausgeber mag dem herrn Städele nicht hold seyn und zupft ihn, wo er kann Schiller 2, 384 G. dazu den beleg aus H. Sachs bei zumögen. in beiderlei anwendung mit rupfen gepaart: sie irgend eine ursach vom zaun ablesen, den armen gesellen zu zoppen und ropffen, zu plücken und trücken Moscherosch gesichte (1650) 564; sie (anr.) beklagen sich, von allen seiten für ihr gutes herz gezupft und gerupft zu werden Hamann w. 6, 228 Roth- Wiener.
c)
etwas unrechtmäszig an sich reiszen: alle stund, ja alle augenblick zopffen und rauben etwas von uns J. Vielfelt spiegel der menschl. blödigkeit (1564) a 3ᵃ. einen zupfen ihm geld abnehmen wie rupfen:
der wucherer hat ihn in den tagen
dermassen gezupfft und gezogen,
das er nicht mehr hat auszzugeben
J. Ayrer 4, 2239 K.;
drumb muss der haben grosz glück,
der vom amptman bleibt ungerupfft,
und nicht bisz auffs barbein gezupfft
Petri 2, Ll IIᵇ;
sie werden einen wohl zupffen, dasz einer nichts behelt Schoch com. vom studentenleben (1657) f 6ᵃ; der wirt hat uns gezupft Kramer;
wie sie (Fortuna) rupft dem habicht lamm und taube,
zupft sie jenem wais und witwe kahl
Bürger 57 a Bohtz.
vom einfordern des geldes bei tanzmusiken, in Nassau Kehrein 1, 455, zupfen gehn schmarotzen Reinwald 1, 202. in der gaunersp. eine luppe zuppen Avé-Lallemand 4, 625. s. auch Grolmann 77ᵇ; Ostwald rinnst.-spr. 173; Imme 123.
d)
intr., vom blut und von schmerzen:
mein hertz vor engsten klopfft und zupfft
H. Sachs 3, 326 K.;
weil mir immer was an meinen fusz zuppt H. Seidel vorstadtgesch. 177. in eigenthümlicher construction: hat man ... von hauss zu hauss durch die wachtschreyber verlesen, wie es züpfet an der pesste (wie die pest wütet?) chr. dtscher st. 15, 233.
5)
die grundanschauung des zupfens zeigt sich deutlich in den wendungen einen an den haaren, am barte, an der nase, den ohren, den kleidern zupfen; vgl. bei ärmel th. 1, 557, bei nase i 5 a, th. 7, 402:
der messner umb den alter lieff
und mercket wol, das der pfaff schlieff.
ein weng in bey dem messgwant zupfft
H. Sachs 9, 394 K.;
der hund murret, wenn man ihn bey den ohren zupft Lehmann floril. (1662) 2, 940; was fängestu den haasen beym schwantze an zu zopfen Prätorius philos. colus (1662) 23; man soll ... (die leute) nicht bey ermeln, knöpfen und dergleichen zupfen Knigge umg. mit menschen 1, 93; warum zupft ihr euch denn aber so entsetzlich an der nase? Storm 3, 34. diese ausdrücke bezeichnen insbesondere
a)
eine dreiste neckerei: wohlgezogen reckt er zum grusze gegen den vater die zunge und zupft ihn bey der nase maler Müller 1, 152; der würde ebenso gut thun, einen schlafenden, hungrigen wolf bey den ohren zu zupfen Klinger w. 3, 45; den todten löwen kann jeder hase an der mähne zupfen Binder 125; als varianten (der tanzbewegungen) kommen vor: drohen mit der faust, zupfen an ohr und nase F. M. Böhme gesch. d. tanzes 195. ebenso bildl.: der eigenname eines menschen ist nicht etwa ein mantel, ... an dem man allanfalls noch zupfen und zerren kann Göthe 27, 311 W.; jeder range, welcher sich wachsen fühlte, zupfte im laufe der jahrhunderte das 70-millionenreich an haar und bart Kürnberger siegelringe 22.
c)
als mittel, einen zu wecken: da zupfte sie ihn (den schlafenden teufel) an der nase und zog ihn in die höhe kinder- u. hausm. 1, 127; zupfe mich an der nase oder rüttle mich zusammen, damit ich nur erwache aus diesem verfluchten spuk E. Th. A. Hoffmann 5, 37; Griseb.; und sich an der nase zupft, um zu wissen, ob er wache, ob er träume Gaudy s. w. 4, 110. ferner als erinnerung, mahnung, rüge: aber doch zopfft uns diese thorheit bei den ohren und führet uns auff den creutzweg J. Kepler op. omn. 1, 561; da sey ein kleines kind ... ihme nachgelauffen, ihn bey dem mantel gezupffet, und gesagt: pfaffe, dasz dich der teuffel hole! der wohlgeplagte priester (1695) 136;
da zupfte Venus mich am rock,
und rief: sind das manieren?
Blumauer ged. (1782) 208;
es war mir dann, als wenn mich ein unsichtbarer genius am ermel zupfte Jung-Stilling 4, 316; dasz es zeit war, dasz Lotte mich beim ärmel zupfte Goethe 19, 44 W. (ähnl. 38, 97; IV 4, 259; 21, 99; 33, 119 W.) nach römischem brauch wurde der zeuge am ohre gezupft Mommsen röm. gesch. 1, 147, was als symbol auch nach Deutschland (Bayern) übernommen ist Jac. Grimm kl. schr. 6, 181. allgemein üblich ist die aufforderung, sich selbst bei, an seiner nase zu zupfen Kramer: der herr secretarius zupffe sich selbst bey seiner nase Chr. Reuter Schlampampens krankh. u. tod 113 ndr.; zupfe dich mit deinen götzen, rosarien, agnis dei, weihwasser und andern gauckeleien bei der nasen J. A. Schertzer deductionschr. (1664) 79;
ei, zupfte sich herr erdenklosz
doch nur an eigner nase!
Bürger 48ᵇ Bohtz.
6)
mit persönlichem obj. ohne präpositionale bestimmung, durch die bedeutung von 4 b unterschieden.
a)
eigentlich: der bawer zupfft in (den schottenpfaff) und spricht H. Sachs 21, 57 G.;
der eine zupft mich hier, der andre winkt mir dar
Gottsched dtsche schaubühne 3, 369;
zupf mich der papa nicht immer, das ganze schöne kleid wird ruiniert Nestroy ges. w. 3, 21; es ist ein groszes drängen in der welt ... was uns nicht gewaltsam stöszt und quetscht, das zupft uns wenigstens W. Raabe die leute im walde 2, 121. vgl. 3 am ende.
b)
einen erinnern, mahnen: er zupfete sie ganz leise, vermeinend, dasz sie ihm folgen solte A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 297; ich zupfte meinen gefährten, dasz wir (aus der kirche) ins freie der gewölbten und gemahlten säle kämen Göthe 30, 201 W.; dasz doch der genius, der dem philosophen ... beywohnt, ihn nicht ... zupft und warnt IV 10, 257 W.
7)
an etwas zupfen ohne persönl. obj. macht das fingerspitzige und wiederholte des vorgangs besonders merklich: und wenn er wieder herauff will, gibt er (der taucher) durch zupfen am stricke ... ein zeichen A. Olearius morgenl. reisebeschr. (1696) 21; er ist mir vorgekommen wie ein verwirrter zwirnsknauel, an dem alles zupft ... und wenig gewisse faden herausbringt Heinse 10, 232 Schüddekopf;
das kleid lasz es nicht los. da zupfen schon
dämonen an den zipfeln, möchten gern
zur unterwelt es reiszen.
Göthe 15, 1, 239 W. (Faust 9946);
er zupft am schnurrbart, sie zupft am schnupftuch Immermann 1, 58 H.;
es zupfen finger lang und kahl
am dochte
Droste-Hülshoff 1, 210.
ebenso ohne jede bestimmung: die fische werden heimlich herumschieszen ..., hastig zupfen und sich um das stückchen balgen, das einer erwischte Stifter 2, 60; sie schnürte ... das kattunmieder auf, ... zerrte, zupfte und fühlte nach einem täschchen Fontane I 1, 78. besonderes.
a)
an der kleidung, am putz zupfen: der alte Goethe ... zog und zerrte und zupfte solange an meinem mantel herum, bis er endlich, entzückt über sein eigen werk, 'schön! schön! wunderschön!' ausrief Gräfin v. Egloffstein bei Göthe gespr. 3, 275 Biedermann;
die mädchen streichen an den haaren
und zupfen noch am busentuch
Droste-Hülshoff 2, 81.
entsprechend zurecht zupfen: er ... zupft seine kravatter zurecht Mörike 3, 116 Göschen; ihr ein wenig verschobenes kleid zurecht zupfend Viebig d. schlaf. heer 1, 42; die damen zupften ihre pelzröcke höher an den hals hinauf I 2, 17.
b)
als zeichen der verlegenheit: 'herr gott des himmels und der erden', rief herr Elias, indem er an seiner perrücke rückte und zupfte E. Th. A. Hoffmann 6, 159 Griseb.; während er mit der rechten hand verlegen an seiner uhrkette zupfte Holtei erz. schr. 10, 214; eine weile zupfte er schweigend an seinen fingern Storm 2, 79.
c)
von sterbenden: von dem zupfen der sterbenden Lessing 17, 232 M.;
die feder regt sich nicht
auf Golos lippen, die den odem prüft,
und seine finger zupfen schon am bett
Hebbel 1, 194 W.
d)
übertragen auf unbequeme, bedrängende, quälende vorgänge: vgl. 5 a: jeder rupfte und zupfte an der ... allongenperrücke des heiligen deutschen reichs und risz sich nach belieben sein löckchen davon ab E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 142; so vergiszt sie (die seele in der einsamkeit) alles, was auf erden an ihr zupft Zimmermann üb. d. einsamkeit 3, 446; der spuk von Nippenburg zupfte kaum weniger an den nerven, als der von Wallenburg und der residenz W. Raabe Abu Telfan 2, 184. neugier: zupfen sie zwischendurch an dem mädchen selbst ein wenig Bürger an M. Ehrmann 4, 1 Strodtmann; und wohl euch, wenn die natur es leidet, dasz ihr mit täppischen händen an ihrem schleier zupft, und eure neugierde nicht mit euerm untergange bestraft E. Th. A. Hoffmann 1, 141 Griseb. kleinliche kritik: der schriftsteller, ... an dem .. noch immer jeder halb vollendete schüler sich zum meister zupfen wil Herder 1, 100 S.; der Freimüthige fährt noch auf die erbärmlichste art fort, an Göthe zu zupfen Wilh. Grimm an Jacob 67. dazu der beleg aus Bürger 183ᵇ, bei rupfen.
8)
als sachliches obj. erscheint saite: dasz der unterschied zwischen etwas stärkerem und schwächerem zupfen der sayte ihren ton in absicht auf die höhe nicht ändere Sulzer theorie d. sch. künste 4, 222.
9)
zupfen in versch. handwerken, für das entfernen von unebenheiten und unreinigkeiten, bei den tuchmachern und töpfern Beil technol. wb. 1, 676, bei den zinngieszern Jacobsson 4, 726ᵃ, bei den bürstenmachern für das herausziehen der borstenbündel Jacobson. so auch bei den gelbgieszern s.zupfeisen.
10)
anknüpfend an zopf für haare flechten in der Schweiz: cirratus, der gezupffet haar hat Frisius 228ᵇ; libera nodo coma, nit gezupffet, abengelassen 253ᵇ, dazu eynzupffen 253ᵇ, crines resolvere entzupffen, die zöpff aufthun 1153ᵃ.
11)
ein anderes wort, u. zw. dasselbe wiezuffen, oben sp. 20, steckt in hinter sich zupfen, zurückweichen: hette der weideliche dapffer man Papirius Cursor mit seiner sterck hinder sich gezupffet H. v. Eppendorf kriegsübung (1581) 78ᵇ;
da gilt kein hinder sich zupffen,
summa, du must da rechnung gän
umb alles, das von dir ist bschän
Wickram w. 5, 40 B.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 627, Z. 54.

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„züpfe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z%C3%BCpfe>, abgerufen am 14.06.2021.

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