Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

zürgel, zürgelbaum, m., f.?

zürgel, zürgelbaum, m., f.?,
Campe, der deutsche name für celtis australis, einen 'wichtigen laubbaum der länder am Mittelmeer', der auch nördlich der Alpen, z. b. in Östreich und Ungarn als park- und alleebaum gezogen wird. es ist ein wort der gärtner und botaniker und seit seinem ersten erscheinen bei Sebiz (1579), s. u., ein ständiger gast in allen lehrbüchern der botanik. in älteren wbb. wird zürgel und zürgelbaum als lotus erläutert, wie es auch in engl.-dtsch. wb. für lote-tree gegeben wird Ludwig 2631; Hügel-Schröer. mit sorbus, elsebeer, arlesbaum erläutert es Frisch 2, 486ᵃ, vgl. arlesbaum th. 1, 551, mit lotusboom, zorbenboom, spreuwbezieboom, haverelsin Kramer-Moerbeek (1768) 440ᵇ. immerhin steht seit mitte des 18. jh. die bedeutung für die fachleute fest: belege für zürgelbaum, zurgelbaum als lotus Sebiz (1579) 284; Spangenberg lustgarten (1621) 515; nomenclator hamburg. (1634) 84; Corvinus fons lat. (1646) 494, als celtis Zedler 4, 442; allg. dtsche bibl. 40, 306; Hirschfeld theorie der gartenk. 4, 157; Nemnich 672; Oken 3, 3, 1556; usw. bis Prahn pflanzenn. (1909) 151. selten in der allg. literatur: guter, leichter, früher grund von leimen gefällt dem zürgelbaum am meisten Zschokke s. ausgew. schr. 11, 147; endlich der zürgelbaum. ein nichtkenner geht wohl an ihm vorbei und meint, der gehöre zu der gattung, die äpfel bringt — aber der kenner, ja, der reiszt die augen auf, der bewundert den moosbedeckten, eisgrauen stamm, die schlanken zweige mit den ästchen so fein wie draht, die kleinen, seidenweichen blätter. im botanischen garten in Schönbrunn gibts schönere, sonst nirgends! Ebner-Eschenbach 4, 71 (die freiherrn von Gemperlein). selten ist zürgel, zurgel für den baum Sebiz 283; Schottel dtsche hauptspr. (1663); Kramer 2, 1487ᵇ; Köne pflanzenn. 14; Mothes 4, 524. sonst ist zürgel die frucht: du hast loton gessen oder du hast zürgel versucht Spangenberg aller weisheit lustgarten (1621) 515. nach Matthioli soll die beere in Tirol zürgle (?) heiszen Grassmann pflanzenn. (1870) 200. sonst scheint das wort den mundarten fremd zu sein. welche der vielen bezeichnungen des baumes oder seiner eigenthümlichen frucht in seiner heimat dem deutschen worte zu grunde liegt, läszt sich nicht sagen, vgl. Schuchardt zschr. für rom. philol. 34, 338 ff.; 35, 375ff. wenn dem baum selber die bekanntschaft mit der frucht vorangegangen sein sollte, dann wäre an bacca oder faba syriaca zu denken. jedenfalls hat die uns unbekannte quelle von Sebiz das wort irgendwie aus der gesprochenen sprache entnommen. Frisius 208ᵃ kennt kein deutsches wort für celtis.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1931), Bd. XVI (1954), Sp. 658, Z. 69.

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Zitationshilfe
„zürgel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z%C3%BCrgel>, abgerufen am 22.09.2021.

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