zauberin f.
Fundstelle: Lfg. 3 (1927), Bd. XV (1956), Sp. 341, Z. 19
s. sp. 388.
zauberin f.
Fundstelle: Lfg. 3 (1927), Bd. XV (1956), Sp. 388, Z. 32
zu zauberer, daher ahd. zoubarârin, mhd. zouberærinne, zoubererinne, zaubrerin (Lexer 3, 1155), nhd. zaubererin (Boltz Terenz 52ᵃ, Fischart ehz. 145 Hauff.), zaubrerin (Luther 2, 60 W., H. Sachs 10, 274 K., Zesen Sofon. 595, 625, Baggesen bei Campe wb. 5, 816ᵇ, Gutzkow ges. w. 7, 459), doch schon mhd. zu zeuberinne durch dissimilation gekürzt und so zauberin die übliche nhd. form. die sgl.-endung -inne gelegentlich bei Luther (10, 1, 1, 588 W.) und noch bei Prätorius sat. 68; zaubrin findet sich nur in flüchtiger aussprache und unter verszwang (Herder 25, 463 S.; Göthe 2, 104 W. u. a.), aber auch bei Luther 7, 624 W. lässige aussprache tritt im frühnhd. auch in der schrift zu tage, daher der pl. -in bei Steinhöwel Bocc. de clar. mul. 86 Dr., Fischart ehz. 145 Hauff., Joh. Nas antipap. 5, 425 u. a. der umlaut wie bei zauberer. im nd.-md. grenzgebiet begegnet zäubersche, zaubersche: theatr. diabol. 116ᵃ; Leyer-Matz corresp. 12; dafür nd. töversche und das gleichbedeutende wickersche (s. unt. zaubern); engl. witch; ferner nd. bötersche (th. 2, 575), büszerin Schullerus sieb.-sächs. wb. 1, 841ᵇ. in älterer zeit von dämonischen wesen, hexe, unhold u. a., streng geschieden, im 13. jahrh. bereits mit dem begriff hexe eins (s. J. Franck in Jos. Hansen hexenwahn 652) und seit der ketzerverfolgung durch dieses wort im volksthümlichen gebrauch verdrängt, zuerst auf alem. gebiet, dann allgemein. daher anfänglich nur mit malefica, magica (maga), pharmaceutria, pythonista, saga, incantatrix, venefica glossiert: Dief., gemma gemm. B 4ᵇ 1, k 1ᵇ 1, p 1ᵃ 2, t 2ᵇ 2; Alberus S s 2ᵃ; von Frisius an jedoch steht z. neben unhold, haͤx (saga 1173ᵇ), und Maaler 512ᵈ stellt sie der vampyrischen lamia gleich, wozu Orsäus nomencl. method. 113 noch strix 'nachtfahrerin' fügt; thöricht: fee, eine z. Kinderling rein. 130; auch das bair. trud concurriert; liter.: hexen und tzeuberynnen Luther 10, 1, 1, 560 W.; Bucholtz Herkuliskus 1007; eine unholdinn ..., Hägsa, die bekannte z. Herder 21, 4 S.; Laube ges. schr. 5, 99; die unhold oder z. Circe Schaidenreisser Od. vorr. 3; die zäubrischen nennen die lamias zäuberinnen, unholden, hexen, warsagerin, wettermacherin Nigrinus zäuber. 161.
1)
eig. eine frau im besitz der zauberkunst, dann aber auch der hexe gleich: Medea von Steinhöwel clar. mul. 4 Dr., noch öfter Circe eine z. genannt: N. v. Wyle translat. 249 K., Heyden Plin. 271, J. H. Vosz Od. 181 Bern.; hexe: jene zäuberin zu Endor Prätorius glückstopf 57; Schupp schr. 14; sey ... eine z. ... verbrannt worden Thomasius ged. u. erinn. 2, 239;
er reitet durch die luft, den zauberinnen gleich
Zachariä poet. schr. 1, 213;
die z-nen auf der haide (im Macbeth) Herder 5, 223 S.; sonst: die zeuberinnen soltu nicht leben lassen Luther 2. Mos. 22, 18;
zu Bacharach am Rheine
wohnt eine zauberin,
die war so schön und feine
und riss viel herzen hin
Cl. Brentano ges. schr. 2, 391; u. a.;
2)
übertr., a) persönlich: galant (s. sp. 327):
(Helena) die wunderschöne zauberin und buhlerin der hertzen
Treuer Däd. 1, 826;
disc. d. mahl. 3, 139. 141; sonst: diese z. von Sternheim S. v. Laroche frl. v. Sternh. 1, 235; die schöne z. und der entführte schäfer (Leander u. Ismene) Hölty ged. 19 Halm;
sterben möcht ich nun vor liebe,
seh ich diese zauberin
Schubart s. ged. 2, 149;
b) freier: die poesie ... als eine kunstvolle z. Breitinger crit. dichtk. 1, 33; süsze z. (musik) Herder 16, 271 S.; nachtigall: Overbeck verm. ged. 15; wollust, ehre und eigennutz wären diese z-nen Lohenstein Arm. 2, 1048; geld: J. Möser s. w. 1, 252 Ab.;
täusche mich, phantasie! wohlthätige zauberin
Göthe 38, 91 W.
erzzauberinn trivenefica, magistra sepulcralis, volatica Stieler 2592.
Zitationshilfe
„zauberin“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zauberin>, abgerufen am 15.12.2018.

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