Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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zehnte

zehnte,
ordinalzahl, goth. taíhunda, ahd. zehanto (zêndo Notker), mhd. zehende, zehente, zênde, as. tegotho, tehando, ae. teogeđa, mnd. tegede, teide, teinde; lautentwicklung wie bei zehn; nam. in elsäss. denkmälern die formen zehenste, zehendiste (Weinhold alem. gr. 310), nhd. kaum vertreten, vgl. etwa: das zehnstemal Cronegk schr. 1, 10, doch auch modern schwäb. (Fischer 6, 1079); das mhd. -nd- wird durch -nt- erst seit Lessing und Gottsched verdrängt, doch schreibt noch Göthe gelegentlich -nd- (aus dem zehenden [bande] IV 28, 60 W.), früh zehnte bei Fleming dtsche ged. 1, 66 L. der mhd. schwund des -e, der gleichfalls -t bewirkt (daʒ zehent kindelin gesamtabenteuer 2, 407 v. d. Hag., der zehent man Lohengrin 2784), dauert nur in der frühnhd. zeit fort und führt nie den übertritt in die starke flexion herbei. anders bei dem substantivischen zehnte in der speciellen bedeutung zehnter theil als abgabe von früchten und vieh: hier steht bereits im mhd. neben der zehent auch den zehent, umbe zehent (Lexer 3, 1043) und begreift sich daraus des klain zehntz weisthümer 6, 119, eines doppelten zehnts Luschin v. Ebengreuth münzkunde 228; des fruchtzehents Krünitz 241, 87 (aber des zehenten 101) und ihres zehendens Luther 33, 350 W., des zehntens Just. Möser w. 3, 97 (aber des z-n 1, 164), nachdem auch ein nominativ der zehenden (weisthümer 6, 9, Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 139 ndr. und später noch der z-n Gutzkow zaub. 3, 259, Buck flurnamenb. 307, Mommsen röm. gesch. 1, 520) aufgetreten war. wenn auch zehent seit der mhd. zeit nicht mehr völlig schwindet, gewinnt doch zehnte den vorrang und hält sich bis in die gegenwart, vgl. der zehente Schwappach forst- u. jagdgesch. 1, 49: der zehent 1, 48; doch setzt sich in der gegenwart zehnt durch. von jeher gilt neben der endungslosen form sîn zehende, später sein zehnte (Ranke s. w. 1, 144). starke formen des plur. begegnen nicht. auffällt das fem.: wegen einer seiner zehenden Lenz ges. schr. 3, 110. infolge der frühen verselbständigung des wortes zehnte II bleiben die ältesten formen des zahlwortes gut bewahrt: mnd. tegede, afries. tegotha, ags. teođa und daraus engl. tithe; eine eigenartige weiterbildung ist teghedye decimatus Diefenbach 167ᶜ. wegen zehn für dieses zehnte s. II 1f, sp. 458.
I.
decimus, der zehnte,
1)
eig.:
a)
thiu zehentâ zît thes tages hora decima (diei) Tatian 16, 2; an dem zehenten tage Alsf. pass. 3248 Gr.; um den zehenden des brachmonats Sebiz feldb. 6; der z. märz;
Enoch, das zehent (gebot) thu erzeln!
H. Sachs 1, 73 G.;
im jüdischen brauch und recht bevorzugt, indem das grosze versöhnungsfest 3. Mos. 16, 29 auf den zehnten tag des siebenten monats festgesetzt und 5. Mos. 23, 3 das zehnte glied als ausschluszgrenze bezeichnet wird; römisch ist der brauch, als ersatz für eine gesamtstrafe den zehnten mann zur bestrafung herauszugreifen, vgl. liesz August ... allemal den zehenden seines vermögens und der ehre verlustig erkennen Lohenstein Arm. 2, 10ᵇ; danach im deutschen recht, auch abweichend, indem der zehnte freigegeben wird: sin recht is ok die tegede man, den man verdelen sal, dat he ine to losene du sachsensp. 3, 56, 3 Hom.; woͤlher gast ain erbe von diser statt ziehen will ..., der sol den zehenden pfenning davon zuͦ abzuͦg geben schwäb. um 1400 Fischer 6, 1079; dieser z. pfennig als ersatz des naturalzehnten: von allem ... gueth der herrschaft den z-n pfennig zue entrichten ebda; vom holzschlag auf früher bebautem land: Schmeller² 2, 1102; s. überdies Nürnberg. polizeiordn. 26 Baader; A. Reutter v. Speier kriegsordn. 38; als auszerordentliche landessteuer: Zedler 61, 442; als umsatzsteuer 449; vom heuw wurdt der zehenndt schochen ... zu zehennden geben schwäb. 1566 Fischer; geben nur die zehende garb ebda; ein z. korn zehn garben korn (Nassau); die ernte lohnt das z. korn ergibt die zehnfache aussaat (Brandenburg); zehender herr decurio Diefenbach n. gl. 128ᵃ; das zehende theil oder buch des ... Simplicissimi Grimmelshausen 4, 507 K.; im zehnten monat endet die schwangerschaft, vgl. Logau sinnged. 92 Eitn.; den titel zehnte muse verleiht gern die galante zeit:
der zehenden musae, andern Veneri
Gryphius lustsp. 99;
Fleming dtsche ged. 1, 66; Feustking bei Weichmann poes. d. Nieders. 2, 237; bei herschernamen: Innocenz der zehnte; adv. in der aufzählung älter zum zehenden (Fronsperger kriegsb. 1, 97ᵇ), wofür jetzt z-ns; der dreizehnte, neunzehnte;
b)
neun und ein halb wird früh und jetzt noch in der umgangssprache durch zehntehalb, d. i. der z. halb ausgedrückt: tegede halve hove Schiller-Lübben 4, 516ᵇ; den zehendhalben stemmen Luther Jos. 14, 2; zehendthalb jar (plur.) H. Sachs 12, 359 K.; mit zehenthalben finger (sing.) J. J. Schwabe belust. 4, 344;
2)
häufig richtet sich der blick auf den verhältniszmäszig groszen abstand der durch z. bezeichneten dinge oder personen, woraus sich die vorstellung einer geringen menge oder weiter entfernung ergibt; auch trägt die dem belieben überlassene auszählung noch den begriff der unbestimmtheit hinzu: solchen glauben haben wir nicht alle, o wolt got, das in der zehende mensch hette Luther 10, 3, 52 W.;
ich wär lieber gewesen in dem zehenden lande
fastnachtsp. 1, 466 K.;
dagegen erscheint der abstand gering in folgendem falle, so dasz sich hier der sinn 'häufig' einstellt: wenn die verliebten viel reden, so wiedersprechen sie sich immer übers zehende wort J. Riemer pol. stockf. 109; vgl.jedes z. wort war eine lüge; verneint in der bedeutung kaum einer: und hat dir noch nicht das zehend teil so wehe gethan als im Luther 32, 402 W.;
und dieweil ein jedermann
will auff seinem sinne bleiben,
geht das zehnde spiel nicht an
Chr. Weise grün. jug. 162 ndr.;
der zehende weisz nicht, wo den eilfften der schuh druckt Pistorius thes. paroem. 681; der zehnte weisz nicht, wie sich der eilfte ernährt Schellhorn sprw. 48; kaum der z. that widerstand Ayrenhoff w. 1, 324; aus fernem ins abliegendste, unausstehlich weitschweifig: nun aus dem z-n ins tausendste Lichtenberg briefe 2, 35, wofür aus dem hundertsten ins tausendste üblicher ist.
II.
der zehnte als abgabe, eig. der z. theil, im sinne von antheil (daher auch das männliche geschlecht; s. Lexer 2, 1414), decima (pars), frz. dîme; die lat. form erscheint als ahd. decemo, m. (Graff 5, 237), gewinnt aber bald heimische lautgestalt im as. degmo (Wadstein 176ᵇ) und mhd. dehem deheme; indessen lebt dezem, m., aus gelehrter quelle öfter auf, sein geschlecht von dem deutschen wort beziehend; s. th. 2, 878. 880 und zehn 6. möglicherweise hat der häufige gebrauch von dezem die sp. 443 angemerkte unsicherheit des auslautes bei der grund- und der ordnungszahl, wo nicht hervorgerufen, so doch vermehrt, daher denn die auffällig zahlreichen belege für eine form zehen zehn, m., der zehnte; s. 1f und zehnen 1 (sp. 450). geschichte und sache: erst mit dem christenthum bei den germ. stämmen nachweisbar, musz das zehntrecht durch die kirche eingeführt worden sein. seine quelle ist das alte testament. ursprünglich als opfer der gottheit dargebracht, wovon die erstlingsfrüchte den priestern zufielen, während der rest für das freudenmahl bestimmt war (s. 5. Mos. 26, 1—15), gelangte der zehnt später ungekürzt in die hände der Leviten (s. 4. Mos. 18, 26), die daraus die priester zu versorgen hatten. im christenthum als religiöse pflicht aller gläubigen behandelt und mit staatlicher hülfe allgemein, im Merowingerreiche zuerst vom geistlichen besitz, eingeführt. durch Karl den groszen 779 vom kirchengut ein doppelter zehnt (decima et nona, d. i. auszer dem zehnten vom ganzen noch der neunte theil vom rest) ausgeschrieben; vgl. zehende und niunde minnes. 3, 330ᵃ v. d. Hag. durch verleihung gelangte der zehnt an weltliche personen; auch wurden gewisse güter gefreit (zehntfrei). königszehnten wurden für die schweinemast in wäldern und die weide auf wüst liegenden strecken, später allgemein aus salz- und bergwerken entrichtet. nach dem grundsatz, wo der pflug hingeht, da geht auch der zehent hin Pistorius thes. paroem. 776, lastete der zehnt im übrigen nur auf bebautem lande und war als rott- oder neubruchzehnt daher sofort von jeder rodung zu liefern. im slavischen siedlungsgebiet waren die siedler alsbald zehntpflichtig. so sehr hatte sich die anschauung von der religiösen pflicht zu zehnten durchgesetzt, dasz auch die aufständischen bauern 1525 sie für den groszen zehnt anerkannten (des groszen zehend halben lassen sy [die bauern] es jetzo beleiben schwäb. Fischer 6, 1080), und Luther billigte den zehnt als sozialsten zins, s. 10, 1006; 17, 46. 85 W. im protestantischen Deutschland meist in den händen der gutsbesitzer; schlieszlich im 19. jahrh. allgemein abgelöst. begründet als eine abgabe des zehnten theils der erzeugnisse, wurde der zehnt einerseits auf höhere oder geringere sätze gewandelt oder auch durch geldleistungen ersetzt; allgemein rechnete dazu auch der zwang, kirchliche gebäude zu erhalten, das faselvieh, den zuchtstier und -eber zu halten.
1)
im engern sinne:
a)
übersicht: alle zehenden im lande, beide von samen des lands und von früchten der bewme, sind des herrn ... und alle zehenden von rindern und schafen, und was unter der ruten gehet, das ist ein heiliger zehende dem herrn Luther 3. Mos. 27, 30. 32;
darzuo gib ich alliu jâr
ze rehte mînen zehenden gar
Helmbrecht 256;
sve den tegeden na rechter gewonheit gift, die hevet ene wol gegeven sachsensp. 2, 48, 10 Hom.; schwabensp. 181, 8 W.; ursprünglich abgabe an den pfarrer: daz den buluten halbes korn belibe und den pfaffen der zehende ebda landr. 155; erst später auch an klöster: noch über die eigenen weinberge genosz das kloster die einnahmen von vielen z-n Göthe 33, 168 W.; schlieszlich auch durch beleihung, tausch oder verkauf in händen von weltlichen, danach geistlicher und weltlicher z. Frisch 2, 467ᵇ unterschieden; Carolus gab in disen siegen den zehend aller frücht mit willen der pfaffen seiner ritterschaft und kriegszleutten S. Franck chron. Germ. (1538) 66ᵃ; der grosze z. wurde erhoben von allem, was mit dem pflug gebaut wird (schwäb. 1477 Fischer 6, 1080), also vom winter- und sommerkorn; der kleine z. war zu entrichten von allem, was mit haue und schaufel gebaut wird (schwäb. 1477, ebda), bes. das, 'was im hafen gekocht wird', darüber hinaus noch hanf, flachs, heu, obst, nüsse, s. Fischer 6, 1080, wo eine ausführliche darstellung der rechts- und wirtschaftlichen lage gegeben wird; nach Schmeller² 2, 1102 der kleine z. mitunter auch grünzehnt benannt, ebenso vertes dîxmes Schwan n. dict. 2, 1091ᵃ; insgesamt beide zehntarten als toter z. bezeichnet; dem steht der lebend(ig)e oder blutzehnt gegenüber, der von den jungen gewisser hausthiere, wie hühnern, enten, gänsen, spanferkeln, lämmern u. a., dann auch von gewissen nutzungen der viehzucht, wie milch, käse, butter, schmalz, eier, honig, wachs entrichtet wurde: chlain zehent von stuͦten, von rindern, von swein, von gensen, von har, von hünren bair. Schmeller² 2, 1102; s. auch Fischer 6, 1081; 4, 1069. 1072; toten und lebendigen zehent geben mon. Zollerana 3, 222; vom weinbau: dasz wir ... die zehenden ... rihten sonst in den torgel ... der wiszen win hat, der sol wiszen win geben ze zehenden schwäb. 1362 Fischer; vom bergbau abgabe an den landesherrn, jedoch nur vom reinertrag: als ihm keyser Albrecht zehenden von den römischen silberbergwercken abforderte Zinkgref apohthegm. 451; der z. und schlagschatz des landesherrn Ranke s. w. 7, 36; und wird das silber im zehenden volstendiglich gewegen und in die münz geantwort Mathesius Sar. 59ᵃ; biersteuer nach der ausgestaltung des brauereigewerbes, meist aber ziese benannt: hdwb. d. staatswiss.² 2, 810; früh konnte der z. in eine geldabgabe umgewandelt werden: soll er allweg für ein kalb ein heller zehend geben schwäb. Fischer; s. Jac. Grimm rechtsalt.⁴ 1, 543; 1469 verkaufte Hans v. Sparneck seinen zehenden, groszen und cleynen, lebendigen und toten Schmeller² 2, 1102;
b)
einzelheiten: α) die einziehung des zehnten obliegt dem zehntherrn, diesem musz der zehntmann den erfolgten schnitt der frucht melden, damit der den z-n ausstecken, d. h. die zehnte garbe oder mandel mit einem grünen zweige bestecken und so aussondern lassen kann; zu zählen wird da angehoben, wo zu binden aufgehört worden ist: item da einer zehendland hat, der soll das korn aufdielen und wan er mit dem wagen komt und der zehende nicht abgenomen wäre, soll er hinten auf das herchstell gehen stehen und rufen drei mal: zehender hole den zehenden! und alsdan sein korn wegfahren und den zehenden liegen laszen Bochumer landr. § 7; s. auch Jac. Grimm rechtsalt.⁴ 1, 542; dieser z. heiszt der kehrz. Jablonski allg. lex. 1428ᵇ; ein besonderer fall ist der schleppz., wenn aus jeder mandel die zehnte garbe genommen (fortgezehntet) werden musz, streuz., wenn der z. nicht von der ganzen feldmark, sondern von jedem acker abgeholt werden musz, s. Krünitz 241, 92; ebda 93 s. noch lauf- und schlüsselzehnten; wird der z. erst von der tenne aufgenommen, so ist er ein scheffelz.; der scheffel wird dabei glatt gestrichen: Noel Chomel 8, 2392; auch sackz. Krünitz 261, 86; schmalz. ist die abgabe von der schmalsaat (legumen): Jac. Grimm rechtsalt.⁴ 1, 541; schmalsaatz. Frisch 2, 467ᵇ; nd. smaaltegen indessen wird im brem. wb. 5, 45 als der kleinzehnt erklärt; vom viehzehnten oder gejüngst galt die strenge vorschrift, dasz bei strafe doppelter erstattung keine geburt verschwiegen werden dürfe; da die zahl zehn oft nicht erreicht wurde, waren feste geldsätze für jedes junge thier festgelegt, s. sachsensp. 2, 48, 12 Weiske; andernfalls erwartete der herr die zehnte geburt: ebda 48, 11; lämmer wurden ausgezählt, ferkel ausgewählt, s. Jac. Grimm rechtsalt.⁴ 1, 543; der letzte heiszt auch klauenz.: Krünitz 261, 91; rauchz. die abgabe von behaarten zuchtthieren ebda; fruchtz. umfaszt alles, was halm und stengel treibt, getreide, obst, flachs, wein, heu: Jac. Grimm rechtsalt.⁴ 1, 541; vgl. noch krautz., fleischz., schmalzz. Krünitz 241, 91, hausz., kuhz., schweinz. Frisch 2, 467ᵇ, fischz., holzz., wildz., bienenz. Jablonski 1429ᵃ; kornzehende bereits sachsensp. 2, 48, 9 W.; überhaupt kann jede abgabengattung als erster bestandtheil erscheinen: den kleinen (zehnt) als höner, aenten, gäns, kälber, schwein, lemer und bienen zehnten schwäb. 1661 Fischer 6, 1081; viele andere composita noch bei Zedler 61, 432 ff., weisth. 7, 394ff. u. brem. wb. 5, 45; (ein) land, wo ... cartoffelnzehnden dem dorfprediger die postillfreyen minuten ausfüllen Lichtenberg nachl. 11; β) verbale wendungen: gebot er, daz ... den kirchen solte zehende gefallen (Straszburg) chr. dtsch. st. 8, 363; das vieh, wovon der z-e fällt Just. Möser w. 5, 89; die zaͤhenden eynziehen Frisius 14ᵇ; den tegend teihen einziehen Schambach 227ᵇ, brem. wb. 5, 45; vgl.zehntzug; decimare zehnen, den zehenden nehmen Corvinus 255; den zehnden einnehmen Reyher p 2ᵛᵃ; wir hatten dort ... unseren z-n einzuheimsen Storm s. w. 3, 205; den z. bestehen 'pachten oder mieten' Zedler 61, 437; gelten de zegente den zehnten zahlen Schmeller cimbr. wb. 243ᵇ; γ) zu gruppen mit anderen real- und kopflasten vereinigt:
an güld, zinsen, zehend und renden
Jac. Ayrer 3, 1684 K.;
grundrenten, grundzinsen, z-n, fronden hdwb. d. staatswiss.³ 1, 5; sogar als synonym mit frohne bezeichnet: Scheuchenstuel id. d. österr. berg- u. hüttenspr. 267; ebenso gleich frohntheil Krünitz 241, 93;
stewer, güld und frondienst,
zehent und die erbzinst
H. Sachs 7, 227 K.;
c)
geschichtliches:
auch wie hart sie das volck maulbanden
mit den zehenden auf den landen
H. Sachs 6, 373 K.;
das Lateranconcilium ward ... bewogen, dem papst einen z-n von den kirchengütern in der gesammten christenheit zu bewilligen Ranke s. w. 1, 204;
doch diesen trifft der bann,
verleihst du reuig nicht der hohen kirchenstelle
auch dort den zehnten, zins und gaben und gefälle
Göthe 15, 1, 289 W. (Faust 11 038) ;
zur beihülfe fleisziger armen ward in jedem kirchspiel der vierte theil des z-n ausgesetzt Just. Möser s. w. 1, 164;
d)
uneigentlich α) mit bezug auf die übergriffe der pfaffen: von dem pfaffen, der des zehenden von der frowen begeret Steinhöwel Äsop 343 Öst.; Montanus 402 Bolte; dem pfarrer gebühre eigentlich von allem der z-n, auch von der ehe Gutzkow zaub. 3, 259; von der ehelichen pflicht des gatten:
als wenn im ehestandt ungleich leut
ein alt mann nimpt ein junges weib,
welcher er nicht zu irem leib
nach notturft kan den zehend geben
B. Waldis Es. 1, 104 Kurz;
von der huldigung vor einer schönen:
was nicht, arm kind, vor dir gehuldigt,
was dir den zehnten nicht gereicht,
ist unversöhnet, unentschuldigt
Cl. Brentano ges. schr. 2, 265;
den tegend sitten laten auf dem baume im herbst ein paar früchte sitzen lassen, weil man glaubt, dasz er dann im nächsten jahre um so reichlicher tragen werde Schambach 228ᵃ; β) wortspiel: die unsern hand auch den zehent geben, ir send bei 10 erschlagen worden chr. dtsch. st. 5, 266; mit bezug auf das recht des henkers, den zehnten verurtheilten mann freizugeben (s. I 1): die von Strosburg gundent dem henker, daz er ein altez mennelin ... zuo zehenden nam chr. dtsch. st. 8, 99;
der scherge dô die niune hie;
den einen er dô leben lie
(daz was sîn zehende und sîn reht)
Helmbrecht 1681;
γ) scheffel- oder sackzehnt ist auch die verabredete feste abgabe anstatt des ordentlichen zehnts, sowie der statt des lohnes gegebene antheil am ertrage an garben für die schnitter oder vom drusch für die frohn- oder lohndrescher (drescherz.): Krünitz 261, 91 f.; L. G. Leopold hdwb. d. ökon. 532ᵃ; δ) redensart: he denkt 'r sinen tegen af to halen er glaubt, seinen vortheil dabei zu machen brem. wb. 5, 45;
e)
der z. war auch bei anderen völkern üblich, vgl. z. b. bei den Griechen δεκάτη und δεκατεύειν; auch der zehnte theil einer beute wurde einer gottheit geweiht: Xenophon anab. 5, 3, 9; bei den Römern: majores solitos decimam Herculi vovere Varro ap. Macr. sat. 3, 12; ferner: der z. (in Korea) wird in die magazine jeder ortschaft eingebracht Ritter erdk. 4, 642;
f)
die form zehen (s. ob. sp. 455) erscheint ndalem. und rheinfrk., später noch westf., deckt sich örtlich also nicht mit dezem:
wie wol yetzundt in manchem landt
der zehen stat in leyischer hant
Murner narrenbeschw. 112 ndr.;
es sein aber vil dem buren gleich, die got nichtz guͦtz geben, es sei in zehenen, in opffer Pauli schimpf 59 Öst.; gült, zynsz und zehen J. Dietenberger wid. Luthers buch v. miszbr. d. mess. (1526) G 2ᵇ; man geibt ... keinen fülnzehen, keinen kelberzehen noch imerzehen Eschau im Spessart weisth. 6, 40; zehnpflichtigen Just. Möser s. w. 3, 101, das zehnstroh, obgleich der zehnte nicht vom felde ... gefahren werden darf 223;
2)
erweitert auf den zehntpflichtigen boden, a) einzelnes grundstück, das zehnten zu liefern hat: ze R. lit ein hof und ein zehende und ander guͦt ... die geltent 21 malter roggen schwäb. Fischer 6, 1081, wo weitere zeugnisse, bes. für das dim.: daz zehendlin zum Hohenbuch 1356; auch zentlein; wohl auch als landgut zu fassen im folgenden: es ist besser ein kleiner zehend als eine grosze zent (modicae decimae grandiori praestant centenae, s.zent) Pistorius thes. paroem. 778; b) zehntpflichtiges angebautes gebiet, die dorf- oder stadtfeldmark, soweit sie der zehntpflicht unterliegt; meistens gleich gemarkung, wovon sich die zehntfreie mark (wald, wiese, wüstes land) absondert, vgl.: sie wiseten auch, dasz niemand, in welchem wesen der sei, die marke zackern, mewen noch roden sol mon. boica 8, 178; s. Jac. Grimm rechtsalt.⁴ 2, 45ff.; die stat ze E. und den zehenden rumen 1319 Fischer 6, 1082 (s. d.); schwäb. noch modern für markung: um, über den z. gehen, im z. bleiben; ra.: ich stand uf meinem z. das ist meine sache Fischer 6, 1082; alliu clöster solten stiuren allez daz gut, daz sie hetten in der stat und in dem zechenden (Augsb.) chr. dtsch. st. 4, 64; bezirk oder umfang eines ortes: in den Münchner zehenten Westenrieder 685; der meinem oheim den rückständigen pacht des Sundheimer zehnden überbracht hat Pfeffel pros. vers. 9, 10; einen in zehenden bannen relegare aliquem extra territorium urbis Haltaus 2149; Frisch 2, 467ᶜ; Scherz-Ob. 2081; c) für zent, wie richtig schon Stumpf Schweytzerchron. 607 und Stalder 2, 467 (zehnden m.) diesen begriff aus centena herleiten, s. Frisch 2, 467ᶜ, Scherz-Ob. 2089; hochgericht im Wallis: in den zehenden Loͤuck, Sider und Sitten hat der rot weyn den preyss Stumpf 654ᵇ; Krünitz 241, 106; hierher das zeugnis th. 5, 820 (kirchspiel); d) sonst unbelegt: zehent oder zehentgericht, ein gericht oder gerichtliche abordnung, welche die irrungen wegen der entrichtung der zehente (decimarum) entscheidet Westenrieder 685.
III.
ein auffälliges f. im sinne von zehnter theil eines epha (hebr. 'issaron, griech. δέκαπον, lat. decima) erscheint siebenmal bei Luther: und solt ... ein brandopfer dem herrn thun ... sampt dem speiszopfer zwo zehenden semelmel 3. Mos. 23, 13; ferner 23, 17; 24, 5; 4. Mos. 28, 9. 20; 29, 3. 9 gegen zweimaliges zween zehenden 4. Mos. 15, 6; 29, 14; auch die Zürcher bibel (1531) zeigt zwo, während die 1. dtsche bibel 3, 439 (3. Mos. 23, 17) mit von zwain massen und 4, 106 (4. Mos. 29, 3) mit zwei zehenteil übersetzt und die nd. bibeln vor und nach Luther tween tehenden aufweisen. der grund für das f. ist schwer zu finden; masze f. ist jedenfalls nicht ergänzt, da dieses wort bei Luther noch das abstracte masz bezeichnet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1927), Bd. XV (1956), Sp. 454, Z. 6.

zehnter, m.

zehnter, m.,
1) beamter, der im auftrage des zehntherrn den zehnten einnimmt; die -n-form früh belegt, s. Lexer 3, 1044; zehender schwäb. 1343 Fischer 6, 1083; ze ogsten, so die lüt schnident, so sol mengklich ainem zehender rüffen und den zehnden uszellen, kunt aber ain zehender nit, so mag ain yeglicher ainen zehnden wol usszellen 1421 ebda; zehentner 1480 ebda; svenne en man sin korn invoren wel, dat sal he kündegen deme tegedere, of he in deme dorpe oder uppen velde is sachsensp. 2, 48, 7 Hom.; synonyme sind zehntknecht, -gänger, -maler, -mann, -meister, -sammler, -vogt, und seine stellung war, wie die belege unter zehntvogt bei Fischer 6, 1088 zeigen, oft eine gehobene; so sind die zeugnisse bei Schiller-Lübben 4, 517ᵃ zu verstehen; decimarius zehender, zehentner, teynder Diefenbach 167ᶜ; decempedator ein landmesser, ein zehender (der den acker für die zehntabgabe zu vermessen hatte, s.zehntruthe) Corvinus 255; zehndner decimator Stieler 2605; Zinck 3333; Noel Chomel 8, 2394; Frisch 2, 467ᵇ; u. a.; Crecelius 2, 931;
instleute, zöllner, zehndner wird er suchen,
aus solchen, die den plackereien fluchen
Cl. Brentano ges. schr. 6, 305;
bergmännisch: zehendner exactor canonis metallici Haym jur. 1341; alsbald der berghaͤuwer metall gefunden hat, zeiget er dasselbig dem bergmeister und dem zehender an Bech Agricolas bergwerkb. 61; dem steiger ... gibt der zehender alle wochen so viel gelts, als viel man bedarf zur bezalung der arbeitern oder zu allen dingen, die zur hauung von nöten 72; Jeremias ist vom sone gottes ... zum huͤttenreuter oder probirer, guardein und zehentner verordnet Mathesius Sar. 151ᵃ; -n- Lori baier. bergr. 174; -n- v. Hohberg georg. 1, 82; -n- Herttwig bergb. 429ᵇ; -n- Veith 586; -n- Müller-Fr. 2, 696ᵇ; zehnter synonym mit frohnwäger: v. Scheuchenstuel id. d. öst. berg- u. hüttenspr. 268; Unger-Kh. 646ᵃ; häufig als familienname; 2) zehntpflichtiger: zehentnær Teichner 16 Kar.; zehentner österr. weisth. 1, 296; sonst nur noch bei Campe 5, 826ᵃ und Hübner³¹ 4, 1003ᵃ; bei Adelung² 4, 1666, Campe und Krünitz 241, 105 gleich zehntschnitter; 3) die angabe, z. sei auch der zehntherr (Schiller-Lübben 4, 516ᵃ, Kramer teutsch-it. 2, 1429ᵃ, Unger-Kh. 646ᵃ), ist als irrig abzuweisen; 4) zehnter getriebe mit zehn triebstöcken: Krünitz 241, 106; Mothes baulex. 4, 500; 5) bisweilen aus unrichtiger flexion: zehenderacker ager decumanus Dentzler 360ᵇ; zehenderherren oder statvoͤgte Zesen adr. Rosem. 159 ndr.; 6) Meiszner zehnter zehn kaufleute mit dem recht des gewürzhandels Müller-Fr. 2, 697ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1927), Bd. XV (1956), Sp. 465, Z. 25.

zehntherr, m.

-herr, m.,
herr, dem der zehnte rechtmäszig zusteht: was der pflug begehet, davon hat der z. die zehnte garbe Jac. Grimm rechtsalt.⁴ 1, 541; er hatte ein herz für den hartgedrückten bauernstand, der erst von dem gutsherrn, dann von dem z., dann vom staate und der gemeinde ausgebeutet wurde Oppermann hund. jahre 2, 94; schwäb. 1522 Fischer 6, 1085 (s. d.); decumani zehendherren Corvinus 255; dominus decimarum Frisch 2, 467ᶜ; allg. haush.-lex. 3, 788; kein getrayd solle unbewust des zehendherrn heimgeführt ... werden v. Hohberg georg. 1, 41; Just. Möser s. w. 1, 299; allg. dtsch. bibl. 9, 2, 279; Adelung, Campe; davon die jungen bildungen -herlich (hdwb. d. staatsw.² 2, 354) u. -herlichkeit (ebda 370). —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1927), Bd. XV (1956), Sp. 460, Z. 74.

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Zitationshilfe
„zehnte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zehnte>, abgerufen am 20.10.2020.

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