Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gezeigt, participiales adjectiv

gezeigt, participiales adjectiv
zu zeigen.
1)
in der umschreibung von verbalformen bevorzugt die ältere sprache gezeigt für die passivische verbindung mit dem verbum subst. vor geougt, das die activischen verbindungen mit haben beherrscht: vgl.: dannân inphiêngen siê benedictionem a domino ... unde ward allen diên liûten ze in gezêigot fone Jeremia propheta ... daʒ siê des ellendes kehôrsam Gote wârin ... also filii Jonadab iro fater des kehôrsamoton, des er in gebiêten wolta Notker zu psalm 70, 1 s. Hattemer 2, 242ᵇ; er ne wolta iʒ finden ... wirt imo iʒ kezêigot fone anderen. noh danne ne wile er iʒ pechennen psalm 35, 3 u. a. (vgl. aber nû habe ih târ fore geouget deum esse 137ᵃ u. a.); dis wirt wohl etlichen gezeiget und ist nüt in in geborn Tauler predigten 369, 25 Vetter; in solcher verbindung tritt an die stelle des particips gelegentlich eine adjectivbildung:
daʒ von im wart zaigic
ir hoͤhstiu vraeude, diu was sus
daʒ si im geben solten kus.
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Oesterreich 15054.
2)
auszerhalb der verbalflexion
a)
stellt sich schon bei Notker
α)
das erste zeugnisz für attributiven gebrauch ein, wobei die mehr innerliche bedeutung zur geltung kommt: geometrae solent demonstratis propositis aliquid inferre ... nâh gezeigôtên frâgôn. etewaʒ ungefrâgetes iro iungerôn zûo geben Boethius s. Hattemer 3, 137ᵇ.
β)
desgleichen für substantivierung: âne substantiva newirdet propositio alde âne anderiu dâr vore gezeigotiu (quae sunt posita) peri hermeneias s. Hattemer 3, 490ᵇ.
b)
in den wörterbüchern tritt das particip kaum aus dem rahmen des verbums heraus: ostensus ... geöffnet, gezeigt Dasypodius lat. dtsch. theil B b 1ᵇ; gezeigt, gewisen ostensus, demonstratus Henisch 1611; gezeiget, monstratus, ostensus Kirsch (1732) 2, 153; mit fingern gezeiget declaratus Kirsch, Matthias.
c)
unter den neueren zeugnissen für attributive verbindungen erscheinen geläufigere und auffallendere formen.
α)
am ungezwungensten zweigen diese von der sinnlichen verwendung des verbums ab:
1))
mit nennung des handelnden subjects und einer persönlichen zielbestimmung: er bat, die ihm von Richard gezeigten anderen arbeiten behalten zu dürfen H. Hesse Peter Camenzind 80.
2))
mit persönlicher zielbestimmung ohne angabe des subjects: den 8. januar anno 1673 (wie ich aus denen mir gezeigten muthzetteln ersehen) G. C. Kirchmaier institut. metall. (wolgem. bedencken) 101 (1687).
β)
fremdartiger berührt das particip in der beziehung auf abstracte objecte:
1))
dass meine damahligen ausarbeitungen nicht die besten gewesen, jedennoch wurde mein darinnen gezeigter verstand und fleisz ... gelobet wunderb. begeb. m. e. Göttinger stud. a. d. Plesse (1748) 2, 25; verrichtungen ... die ihm seine eigenen neigungen, seine gezeigten geschicklichkeiten bestimmten Kästner (gesinnungen eines deutschen gelehrten) 3, 23.
2))
aus neuerer zeit vgl.: im aufbau, in der köstlichen frische, im vorwärts, in dem scharf gezeigten wissen: wie musz sich alles aneinanderreihen, gleicht Wildenbruch Shakespeare Detlev v. Liliencron (Breide Hummelsbüttel) 6, 132.
d)
als neueren beleg für substantivierung (vgl. auch Notker s. o.) vgl.: wilde buben packten einige (huren) und zeigten sie dem pöbel nackt, und der zeiger und die gezeigte frohlockten über ihre schändlichkeit E. M. Arndt reisen (r. d. Frankreich 2) 5, 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1914), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 6930, Z. 9.

zeigen, verb.

zeigen, verb.
ahd. zeigôn, mhd. zeigen; auf das hd. sprachgebiet beschränkte ableitung aus der wurzel idg. *dī͏̆k-, germ. tī͏̆h-, aus der z. über urgerm. *taih-ṓn, das verb. zeihen über *teíhan entstanden ist; weiter ab steht zeichen (sp. 476) aus der germ. wurzel *tī͏̆k-. unzulässig ist daher die gleichsetzung des hd. zeigen mit ae. tǽcean (s. sp. 488). doch ist den drei stämmen z., zeihen, zeichen (zeichnen) die grundbedeutung weisen, zeigen gemeinsam, vgl. unter zeihen. im wettbewerbe mit dem synonymen mhd. zöugen (s. ²zeugen) siegt z. begünstigt durch die entrundung, welche den haupttheil des obd. gebietes heimgesucht hat. auch ¹zeugen, mhd. ziugen, mehrte infolge der entrundung den bestand der zeigen-formen. die sonderung der drei verben von einander läszt sich, namentlich da sich auch ¹zeugen und z. in der bedeutung nahe rücken, daher nicht restlos durchführen. die ältere schreibung zaigen hält sich im bair. bis ans 18. jahrh., die darüber hinaus geltende schreibung zeygen etwa ebensolange. dem kräftigen ahd. endungsvocal verdankt das noch im 18. jahrh. nicht seltene -e- in zeiget, zeigete, gezeiget seine bewahrung (vgl. zeiget Gottsched sprachk. 44, zeigete Chr. Weise erzn. 28 neudr.); selten begegnet -cht, z. b. gezeicht S. Franck chron. Germ. (1538) 73ᵇ. die form zeichen begegnet gelegentlich bei md. schriftstellern (Göthe IV 5, 77 W.). in den mundarten des hd. gebietes erscheinen die regelrechten laut- und flexionsformen, die md. und nd. mundarten kennen als echtes volkswort z. nicht, sondern gebrauchen weisen dafür. von weisen scheidet sich z. derart, dasz z. lediglich die handlung des zeigens meint, während weisen auszerdem das ziel des kennenlernens, gemäsz seiner stammverwandtschaft mit wissen, bezweckt, vgl. Weigand wb. d. dtsch. syn.² 3, 1152. in seinem vollen und eigentlichen begriff umfaszt z. ein thätiges wesen, welches einen gegenstand dem auge eines anderen wesens vorhält, um dessen blick darauf zu lenken; daneben steht die wohl gleichfalls ursprüngliche construction, in welcher allein die richtung des zeigens ohne ausdrückliche bezugnahme auf das blickende auge eines zweiten wesens ausgedrückt wird. indem sich dann beide gebrauchsweisen mischen, tritt die absicht, den blick zu lenken, zurück; diese wird auch durch die übertragung auf sächliche subjecte beeinträchtigt. schlieszlich kann dem vorzeigen das hervorholen des gegenstandes voraufgehn, so dasz z. die bedeutung enthüllen gewinnt. zu beachten ist auch der unterschied der bedeutung bei perfectivischem oder imperfectivischem sinn von z.
I.
unter angabe der richtung, in der regel absolut gebraucht.
1)
in verbindung mit auf, seltener in, zu u. a. präpositionen, a) häufig mit dem finger z.: mit dem finger drauff z. Luther 27, 537 W.;
dasz man im land
mit fingern zeygen müst auf dich
H. Sachs 17, 54 G.;
Adam zeygt auf Eva 1, 28 K.; zeigte ... auf ihn Göthe 33, 121 W.; die stummen z. mit den henden zum maul, damit sie essen und trincken deuten wollen Pape garteteufel L 4; in die ferne z-d Brentano ges. schr. 1, 169; b) von der uhr: meine uhr zeigte auf sechs Storm s. w. 1, 255; s. aber 2 a; c) auf künftiges oder fernes hindeuten, es im voraus andeuten: guhr ... zeiget auf ertz Chr. Herttwig bergb. 195ᵇ ; Noel Chomel 8, 1380; jedes in dem lande zeigt auf kommende zeiten Stifter s. w. 3, 195; eigenartig auf verborgenes hinweisend:
denn s höfli' sein dös zoaget allweil
auf an schlechten beamten
K. Stieler ged. 4, 39 Recl.;
d) unter ergänzung der richtungsangabe: wie er meiner ansichtig ward, zeiget er mit der wehr v. Schweinichen denkw. 181; subtile suche heiszet: wenn der hund ... scharf aufgreifen musz, wenn er darauf (auf der fährte) nachhängen, zeichnen und z. will v. Heppe lehrpr. 26; bildlich:
jede kenntnisz, die dort (im tempel der kunst) zeiget oder warnt
Klopstock od. 2, 13 M.-P.;
2)
transitiv, a) geläufig von der zeitangabe der uhr: die stunden z. Kramer teutsch-it. 2, 1435ᵇ; wie ... unsere uhren sie (die stundenzahlen) z. Göthe III 1, 210 W.; die uhr zeigt zwölf G. Hauptmann weber 5; auch vom compasz: der (magnet) hab alle vier ort der welt gezeigt Matthesius Sar. (1571) 142ᵇ; b) ungewöhnlich: wenn man mit dem finger gen himmel weiset oder den mond und die sterne damit zeiget J. Prätorius philos. col. 220; er schwört bey dem himmel, den er mit der hand zeigt Ramler einl. 4, 204; dasz ... die ... mägd mich mit fingern gezeigt haben Schupp schr. (1663) 760;
dasz der finger des volks mich als den sänger zeigt
Ramler lyr. ged. 197;
c) ungebräuchlich und wol für nd. wisen:
zeige mich hin zur stadt
J. H. Vosz Od. 108 B.;
II.
in transitiver verwendung
1)
bei sinnlich greifbarer bedeutung
a)
mit einem gegenständlichen object α) und angabe der person, der dieses gezeigt wird, im dativ: zeichen sint, diu uns etewaz zeigont Notker ps. 104, 27 (2, 447 P.); der herr zaig dir sein antlútz 4. Mose 6, 25 1. dtsche bib. 4, 24; Luther Luk. 24, 40; er zeigt ihm den dolch Lessing 2, 321 L.-M.; zeigte ihr die schönsten bilderbücher Brentano ges. schr. 5, 114; so reichlichst belegt; auch vorzeigen: das do ward gefangen von den wilden tieren, das zaiget (bracht Luther) ich dir nicht 1. Mose 31, 39 erste bib. 3, 149; baten in, daz er in zaigt ein zaichen vom himel (vulg. ostenderet, Luther sie ein zeichen ... sehen liesze) Matth. 16, 1 erste bib. 1, 61;
niemand passieret hier durch, bisz er den pass mir gezeigt
xenien in schr. d. Götheges. 8, 2;
geläufiges object sind örtlichkeiten, länder, landschaften: gehe ... in ein land, das ich dir z. wil Luther 1. Mose 12, 1; der teufel ... zeiget im alle reich der welt Matth. 4, 8; dafür nebensatz:
(ich) tzayg ewch zw disser fryst,
wo meines herren haws ist
Wackernell altd. passionssp. a. Tirol 21;
besonders gern ist weg object: jemandem den weg zum dorfe z.; sal ih iu zeigon den ... weg Notker ps. 71, 16 (2, 286 P.); übertr.: dasz er dir den weg zeige zuͦ der seligheit Zwingli dtsche schr. 1, 74;
warum sucht ich den weg so sehnsuchtsvoll,
wenn ich ihn nicht den brüdern zeigen soll?
Göthe 1, 6 W.;
β) meist ohne dativobject, αα) das theils ergänzt werden kann: zeigte ihre wund gearbeiteten hände Langbein s. schr. 31, 10, theils in der regel unausgedrückt bleibt, weil eine unbegrenzte menge von betrachtenden gedacht wird: er konte 45 wundmaͤhler an seinem leib z. (vorzeigen, vorweisen) Grimmelshausen Simpl. 119 Kög.; eine zufriedene miene z. Göthe 45, 22 W.; zeig deinem vater ein heitres antlitz Schiller 12, 27 G.; hier ist die bedeutung sehen lassen recht ausgeprägt; die flagge z. seemänn. fachausdruck; beachtenswerthe fälle mit einem thätigen subject der unbeseelten natur:
wenn es beginnt zu tagen,
und furchtsam tritt herfür der Rötin bunter wagen
und zeigt ihr braunes liecht der aufgeweckten welt
Fleming dtsche ged. 1, 59 L.;
wachst guten bäumen gleich, die jährlich früchte zeigen
J. G. Neukirch anf. 409;
nur kurze zeit werden das zertretene stroh und die eingegrabenen kochlöcher noch eine spur z. Göthe 22, 3 W.; die veilchen zeigten dicke knospen Storm s. w. 5, 207; ββ) im bes. ergiebt sich die bedeutung vorzeigen: wo der brief fürkhombt, gezaigt und glesen würdet v. Brandis landesh. v. Tirol 46; Zwingli dtsche schr. 1, 123; sie lieszen ... die gemeine zusammen blasen, zeigeten ... den brief und sagten grillenvertreiber 56;
er wirbet nicht lange, er zeiget nicht gold
Schiller 11, 212 G.;
object ergänzt: zeigt! das ist eine pracht von einem becher 12, 165 G.; zeig her! (das täubchen) Göthe 2, 205 W.; γγ) ausstellen, zur schau stellen: sant Matthias zaigt man zuͦ Rom zuͦ sant Maria maior Jac. Strausz christ. unterr. (1523) B 3 a; man ... zeigt ihr (der riesen) gebein in den kirchen Fischart Garg. 56 neudr.; bin. (1588) 155ᵇ; auch mit dat.-obj. reliquien ..., die alle jahr ... dem gläubigen volk gezeigt wurden Ranke s. w. 1, 163; besuchern als schaustück vorzeigen: dieser graff (von Gleichen) ist mit seinen zweyen weibern in einen stein gehawen und wird gezeiget auff dem Petersberge zu Erffurt Binhardus thür. chron. 174;
b)
in redewendungen und sprichwörtern, um jemand zu verspotten, mit den fingern oder sonstigen gebärden thiere oder gegenstände anspielend nachbilden: das weib zeigt im die feygen H. Sachs 9, 110 K.; Eberlin v. Günzburg 1, 7 neudr.; Fischer 6, 1094; das weib zeigt im den esel H. Sachs 9, 110 K.; 21, 23 G.;
do zeigt er mir den kolben (des narren) glych
Murner narr. 2, 78 neudr.;
seinen plaͤuel z. Fischart schiff 38 neudr.; den spiegel zeygen heyst ... eim den text lesen ... und sagen, wer er ist S. Franck sprüchw. (1545) 1, 11ᵇ; sprw. klugred. 138ᵃ; ohne anspielung: wer wird mir einen spiegel z., dasz ich mich schaue? Bettine Günd. 1, 97; den hintern z., den mitlen finger z. Eyering prov. 1, 401; die faͤrsinen z., die flucht nemmen Frisius dict. 441ᵃ; die flüchtgen sohlen z. Fouqué held 1, 117; die zähne z.: Äg. Albertinus zeitk. 146ᵇ; Gervinus in brfw. zw. Jac. Grimm u. Gervinus 2, 12; zeigte meine krallen E. Th. A. Hoffmann 10, 44 Gr.; jemand die kalte schulter z. ablehnung zeigen; einn newen schwalben oder blawen hund zeygen, unter: das suͤsz umbs maul streichen sprw. klugred. 143ᵇ; bauernregel: der april musz dem mai die ähren z., d. h. das korn musz schon im april weit entwickelt sein, wenn die ernte gut gerathen soll Wetterau; volksläufige redewendungen: jemandem z., wo der zimmermann das loch gelassen hat die thür weisen, vgl. Follmann 555ᵇ; wu der hund s loch hat einem den standpunkt klar machen ebda; wo Bardel (Barthel) de muschd (most) holt ebda; weitere rdaa. bei Martin-L. 2, 893ᵇ; die kinder an den ohren aufheben und Rom z. Fischart Garg. (1590) 125; ähnlich de groszbaba z. Follmann 555ᵇ;
2)
in abgeschwächter bedeutung,
a)
zunächst noch mit gegenständlichem object, beweisen, dasz man herr, mann ist: ihnen mit steinen und prügeln den meister ... z. U. Bräker s. schr. 1, 25; bereits 1545: das werck zeyget seinen meister res indicabit Tappius adag. 8ᵃ; Ch. Schmidt Straszb. wb. 119ᵃ; Seiler Basl. mda. 322ᵃ; zeigt ihr den mann Schiller 12, 480 G.; E. Zahn held. d. alltags 90; ähnlich: ein herr ..., dessen kleidung und anstand den edelmann zeigt Mörike w. 3, 19; zeige den muthigen streiter Bürger 1, 237 Bohtz; ihr gesicht ... zeigt ... die Französin E. Th. A. Hoffmann 14, 151 Gr.;
b)
fähigkeiten als object, beweisen, aufweisen, zeigen, α) unsere fertigkeit (im französischen) ... z. Gottschedin br. 1, 6; ein meisterstück ... z. Gottsched n. ged. 13; ihre kunst (im fliegen) z. Göthe 23, 158 W.; mit nebensatz: z., was ich gelernet hätte Leipz. avanturieur 1, 23; mit zurückweisendem es: es is am ende doch was mit ihm, un er kann es man blosz nich so z. Fontane ges. w. I 5, 184; β) object ist es; der sinn ist prägnant, indem es zur ergänzung aus dem zusammenhang nöthigt:
der ausgang wird es zeigen
v. König ged. 126;
ich ... schwur, ich wollte es ihm schon z. (meine überlegenheit, stärke) Göthe 43, 58 W.; respekt vor dem wirt, ..., der zeigts einem (weisz sich respect zu verschaffen) V. v. Scheffel ges. w. 3, 126; volksthümlich sehr geläufig dem werde (will) ichs (schon) z. eine strafpredigt halten, züchtigen, zurechtweisen, vgl. Kramer teutsch-it. 2, 1435ᵇ, Seiler Basl. mda. 322ᵃ, Ch. Schmidt Straszb. wb. 119ᵃ, Martin-L. 2, 893ᵇ, Fischer 6, 1094, auch norddeutsch: ich will ihm was anderes z. will ihn mal auf eine andere art vornehmen, anders mit ihm reden; γ) els. wird der imperativ im sinne eines verstärkten bitte gebraucht: zeig, loss mich ouch luegen! auch drohend: zeig, ich will dir! Martin-L. 2, 893ᵇ;
c)
mut, liebe u. a. gefühle oder eigenschaften beweisen: zorn oder unwillen z. Luther 30, 2, 223 W.;
so zeygt dir gott sein gnedig huld
H. Sachs 1, 230 K.;
hochmuth z. Fischart flöhhatz 45 neudr.; ein willig hertze z. Opitz poet. 39 neudr.; zeigte darin weder verstand noch gelehrsamkeit Liscow sat. u. ernsth. schr. 6; ihm meine ganze liebe z. Göthe 21, 6 W.; seinen verdrusz 21, 223; zeigte keine härte 22, 103; neigung 25, 5 W.;
muth zeiget auch der Mameluck
Schiller 11, 282 G.;
hier gilt es, deine majestät zu z. 12, 535 G.; geschmack v. Ayrenhoff w. 3, 33; zeigte ... theilnahme Ranke s. w. 1, 99; so allgemein gebräuchlich; bisweilen für erzeigen:
dem zeige nun die zaͤrtlichkeit,
die seine mutter fodern koͤnnte
Gottsched ged. 167;
d)
anstatt sonst geläufigerer verben:
ja weil mir deine huld von dir die kenntnisz zeiget (kenntnis gibt)
J. Schwabe belust. 1, 93;
ein beispiel zeigt (gibt) er uns, wie er die armut liebt
A. Hartmann volksschausp. in Bayern 315;
zeigt (leistet) er widerstand v. Ayrenhoff w. 1, 187;
3)
mit erweiternder bestimmung des objects, α) prädicatsnomen: die beyden schaurohre ... z. die gestalten ausgesucht schön Göthe IV 29, 215 W.; unser gemeinsames deutsches schicksal sein angesicht nackend zeigt Hans Grimm volk ohne raum 1, 10; bis ... Jesaias ... ein nichtiges idol als idol zeigte Herder 12, 18 S.; β) übertragen, mit dem zusatz in einem ... lichte: konnte Othello in keinem so rührenden lichte gezeigt werden Gerstenberg schlesw. litbr. lit.-dkm. 29, 124; in einem ganz neuen lichte (zeigen) Pfeffel pros. vers. 5, 26; auch: von einer andern seite ... z. Gerstenberg rec. lit.-dkm. 128, 145;
4)
etwas erst aus einem versteck oder einer umhüllung hervorholen und danach zeigen, wie z. b. zeige mir dein messer, wenn dieses noch in der tasche des aufgeforderten ist; ähnlich, wenn sich die hülle beiseite schiebt: eine jähe kluft ... that sich vor ihnen auf und zeigte gegenüber eine bisher verborgene hohe mauer Göthe 24, 63 W.; indem eröffnete sich ... der vorhang ... und zeigte ... eine leere, dunkle öffnung 23, 121 W.; nahe steht der fall, dasz die hülle die umrisse der verhüllten form ausprägt: ihre (der falten) lage ist gut, sie z. aber die glieder nicht Göthe 47, 340 W.; gazestoffe, die die formen mehr zeigten als verhüllten Mommsen röm. gesch. 2, 402;
5)
in imperfectivischer action besitzt z. die bedeutung an sich tragen, besitzen, dauernd aufweisen: der griff (des messers) ... zeigte die freundlichen worte: gedenkt mein Göthe 21, 147 W.; sehr kleine ... grundverschiedne stämme zeigt der Caucasus noch in unsern tagen Niebuhr röm. gesch. 1, 117; da eben dieser älteste ..., gegen die familienart, schwarzes haar ... zeigte A. v. Arnim w. 7, 11; ihr gesicht (auf einem portrait) zeigt edle formen und züge O. Jahn Mozart 3, 273; auch vom wegweiser: ein kreütz oder hand oder hauffen stein auf den straszen, die den waͤg zeigend Frisius 223ᵃ;
6)
unter eigenartiger verschiebung ist subject a) die erscheinung selbst: die traͤume zeigten mir entsetzliche gestalten Gottsched schaub. 1, 11; ein schwacher schein am himmel zeigte, wo die sonne verschwunden war Storm s. w. 1, 223; b) eine landschaft oder bühne im theater: dieser (bezirk) ... zeigte ... freundlich ... abwechselnde thäler Göthe 25, 6 W.; wo die gegend einen ganz anderen charakter zeigt Moltke ges. schr. 1, 218; ähnlich: er (der italienische himmel) zeigt uns meist ein reines tiefes blau Göthe II 5, 1, 4 W.; der schauplatz zeigt eine gaststube Chr. Reuter ehrl. frau 18 neudr.; O. Jahn Mozart 4, 757; c) das sehende auge oder der blick: hat der fürst nicht augen, die ihm ... gegenstände ... z. konnten? S. v. Laroche frl. v. Sternh. 1, 123; dasz es geschwister waren, zeigte der erste blick Fontane ges. w. I 1, 24;
7)
früh im geistigen bereich verwendet; a) mit nominalem object, α) mit worten oder in der schrift etwas beschreiben, darlegen, auf etwas hinweisen:
und Christus zaigt mit worten streng
die strasz zur höllen brait und geng
J. v. Schwarzenberg Cic. 130 ᵛ;
lieszen sie den junckherr berufen und zeigten im iren rathschlag Amadis 1, 56; fuhr der kaiser fort, den ständen den frieden zu z. (in aussicht stellen) Schiller 8, 73 G.; Ranke s. w. 4, 141; wie s. Johannis exempel zeigt Luther 26, 156 W.; beweisen: was zeiget uns nun dieses alles? Breitinger crit. dichtk. 1, 110; anzeigen, verraten: ob iemant derkannt wo er were daz er zaigt, daz sy in vingen Joh. 11, 57 ält. dtsche bib. 1, 386 (vulg. indicet, Luther anzeiget); wer ... seine kinde czeiget, precht oder weyset Arigo decam. 139 K.; aufsagen:
zeig das fünfft gebot!
H. Sachs 1, 71 K.;
β) anzeigen, vorhersagen, verkünden:
ih wæn iz scaden zeiget
kaiserchron. 1655 Schr.;
ich musz dem pulss auch greiffen dir,
was der für kranckheit zeiget mir
H. Sachs 9, 29 K.;
geht die sonn schwartzfarb auff, zaigts regen Sebiz feldb. 9; der (komet) zeiget vil jamers und blutvergieszens Stumpf Schweizerchronik 250ᵇ; Moltke ges. schr. 6, 160; die jugend zeigt den mann, gleichwie der morgen den tag verkündet Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 2; γ) bedeuten, andeuten; vgl. den Paulus zeigota (meinte, im sinne hatte), do er chad Notker ps. 71, 16 (2, 286 P.); was es (das gleichnis) zeige Luther 26, 399 W.;
Apollo der bedeütt den klaren sonnenschein,
Diana zaigt den mon
Rompler v. Löwenhalt 1. geb. 2;
δ) lehren, unterweisen: ze wüssen oder kundt thun, ze verstohn gaͤben Maaler 513ᶜ; docere, informare Stieler 2608; die ... schreibart ... gezeiget Bellin rechtschr. 2ᵃ titel; einem s abc, s lesen, s schreiben z. Schmeller-Fr. 2, 1090; s ratin z. rechnen lehren Lexer kärnt. wb. 264; hätte ... ihnen ... das pulvermachen und buchdrucken gezeigt S. Brunner erz. u. schr. 1, 155; b) geläufig mit nebensatz als object, wie a α: wer hat dir gezeigt, daz du werst nackent (indicavit, Luther gesagt)? 1. Mose 3, 11 ält. bib. 3, 52;
und kund im doch mit schrifft nit zeigen
klärlich, das Luther hett geyrrt
H. Sachs 6, 380 K.;
doch zeigte der ausgang ..., dasz du recht hattest Göthe 23, 185 W.; mit conj.: 21, 71 W., Herder 15, 309 S.; z., woher denn diese gewisheit komme Chr. Wolff vern. ged. 3; welche vorsicht zu beachten war, zeigt mein ... schreiben Bismarck ged. u. er. 2, 32 volksausg.; wie a δ: er zeigte uns, wie wir ... declamiren und gesticuliren sollten Göthe 21, 40 W.; älter mit inf.: wie gott Moysi zeiget den tabernackel zu machen zu 2. Mose cap. 26 ält. bib. 3, 469; Satan zeygt Abel zu tödten H. Sachs 1, 83 K.
III.
reflexiv.
1)
sich sehen lassen, a) sich dem auge darbieten:
ihr naht euch wieder, schwankende gestalten,
die früh sich einst dem trüben blick gezeigt
Göthe 14, 5 W.;
magst du nie dich zeigen
der bedrängten welt?
Schenkendorf ged. 72;
eine schöne ... zeigte sich Haller Usong 5; (Friedrich,) der sich vom wahlplatze verloren und nicht wieder gezeigt hatte Göthe 22, 61 W.; als die ... blattern sich zeigten Pfeffel pros. vers. 9, 122; sich offenbaren, erscheinen:
der sohn hat in der füll der zeit
im fleische sich gezeiget
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 347ᵃ;
sie zeigte, wann es zwölfe schlug,
itzt alle nächte sich
Hölty ged. 17 Halm;
ans licht, an den tag kommen: es wird sich schon z. Kramer teutsch-it. 2, 1435ᵇ; G. Hauptmann biberpelz 43; wie sich die leidenschaften bey meinen kindern z. (äuszern) Klinger w. 1, 22; hier zeigt sich ein merkwürdiger unterschied alter und neuer zeit Göthe 46, 26 W.;
kaum zeigt der frühling sich im rosenkleide
Mastalier ged. 1, 4;
sich kundthun, sich darbieten: deren nutzen sich doch bald gezeiget hat v. Fleming sold. 34; Karls ideen ... z. sich deutlich in dem neuen huldigungseide K. F. Eichhorn staats- u. rechtsgesch.³ 1, 321; sich vorstellen: gehet hin und zeiget euch den priestern Luther Luk. 17, 14; sich zur schau stellen, sich producieren: es zeigten sich ... einige männer (auf dem seil) Göthe 21, 151 W.; Schubart leb. 1, 208; sich öffentlich sehen lassen, in der öffentlichkeit erscheinen:
wenig findet er lust, sich unter leuten zu zeigen
Göthe 50, 197 W.;
die promenade ist heute langweilig, mama! ... das thut nichts. man musz sich doch z. Bauernfeld ges. schr. 2, 32; sich nienen z. continere se in occulto Maaler 513ᵈ; b) sich einfinden, sich einstellen, sich bieten: freuten sich ..., dasz sich ... ein engagement zeige Göthe 21, 237 W.; der schlusz des gedichtes hat sich noch nicht gezeigt IV 12, 145 W.; c) prägnant, sich sehen lassen können: was sich in der guten gesellschaft z. kann Göthe IV 29, 241 W.; der weinberg darf sich z. Gaudy s. w. 1, 140 ; sich in einer hervorstechenden eigenschaft ausweisen, seine fähigkeit erweisen: bey gewissen gelegenheiten, wo sich der adel oder die bürgerschaft vorzüglich z. (d. h. den geldbeutel aufmachen) musz portraits (Leipzig 1779) 198;
nein, nein, so oft man sich hierinnen (dichtkunst) sucht zu zeigen
Neukirch ged. 164;
in der kunst sich neben jedem andern z. Göthe 43, 77 W.; vielleicht glaubt er, als pensionär des königs sich mit etwas 'zeigen' zu müssen Justi Winckelmann 2, 1, 85; sich ... im besten lichte z. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 64; ähnlich: ihr habt euch in eurer wahren gestalt gezeigt Lenz ges. schr. 1, 75 T.; sich z. 1) sich als partner im kartenspiel zu erkennen geben, 2) sein wahres gesicht zeigen Follmann 555ᵇ; d) mit nebensatz, α) es liesze sich leicht z. (nachweisen), dasz er die ordnung selbst befiehlt Lichtenberg nachlasz 8; β) sich ergeben: zu ostern wird sich z., was für plane ... zu machen sind Göthe IV 29, 26 W.; nun wird sichs z., ob ich sieger blieb Kotzebue dram. w. 2, 30;
2)
mit prädicatsnomen, a) substantiv, das in der regel im nom. auftritt; sich bezeigen, be-, erweisen: dich als ein koͤnig z. v. König ged. 34; zeigte sich als ein held Gottsched schaub. 1, 176; zeiget euch als Moskaus wahrer sohn Schiller 15, 2, 463 G.; acc.: er hat ... sich als einen braven mann gezeigt Lessing 17, 168 M.; Gaudy s. w. 2, 125; b) adjectiv, α) sich erweisen, beweisen, bezeigen, darbieten:
ob sich schon einer geistlich zeigt
Murner narr. 183 neudr.;
z. sich ... feindlich A. a s. Clara m. Wien 144; zeigt sich ... geneigt Göthe 7, 162 W.; elliptisch: wackre männer z. sich (nämlich wacker) durch wackre handlungen 43, 225 W.; allgemein sich erkenntlich z.: v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 30; β) sich darstellen, sich zur schau bieten, erscheinen: eines ... zeigte sich mit ... marmor ... überzogen A. U. v. Braunschweig Oct. 1, 6; bleigrau zeigten sich die felsen H. v. Barth Kalkalp. 213.
IV.
grammatisches.
1)
verbalnomina, a) infinitiv: durch deutung und zeygen Arigo decam. 118 K.; mit duͤten und z. Tschudi chron. helv. 2, 32; monstrabilis ... z-s wirdig Frisius dict. 835ᵇ; Hippel lebensl. 1, 330; wo es an ein neues z. und beschauen ging Storm s. w. 2, 76; b) part. präs.: z-der finger Zwingli deutsche schr. 1, 307; auszerthalb der deutlichen, z-den, augenscheinlichen philosophey Paracelsus op. (1616) 1, 238 A H.; ging ... z-d und triumfirend umher Schleiermacher weihn. 6;
2)
in verbindung mit zeugen: wo man dir gottes werck zeiget (weist) und zeuget (davon zeugnis ablegt, bezeugt) Luther 26, 151 W.; Christum zeugen, zeygen (aufzeigen, darstellen) und leren 11, 256 W.;
frü bestimbter vögel chor ...
zeugt und zeiget meine freud
Harsdörfer secr. 1, 99;
3)
zss.: an- (th. 1, 525), auf- (782), be- (1796), er- (3, 1081), vorzeigen.
4)
z. für zeugen generare, testari s. ¹zeugen;
5)
zeigen in den formen zeugen, zöugen, zögen s. ²zeugen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1931), Bd. XV (1956), Sp. 501, Z. 48.

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Zitationshilfe
„zeigen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zeigen>, abgerufen am 05.08.2021.

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