ziegelstein m.
Fundstelle: Lfg. 6 (1936), Bd. XV (1956), Sp. 916, Z. 24
backstein aus thon oder lehm: later Diefenbach gl. 320ᵃ; n. gl. 229ᵃ; Diefenbach-W. 913; Lexer 3, 1103; Schmeller-Fr. 2, 1096; Martin-L. 2, 601ᵃ; H. Fischer 6, 1178; later Calepinus XI ling. 796ᵇ; z. mattone Hulsius (1618) 282ᵇ, aber auch embrice, coppo ò tegola 2, 138ᵃ; ebenso mauer- und dachziegel bei Kramer teutsch-it. 2, 1450; 949ᶜ; Frisch 2, 473ᶜ; andere lex. nennen nur den mauerstein z.: Orsäus nomencl. 187; Garth 444ᵇ; Stieler 2140; Ludwig teutsch-engl. 2587; Steinbach 2, 694; vgl.murteghelsteyn Schiller-L. 4, 518ᵃ; der nomencl. lat.-germ. (1634) scheidet tegula ein ziegel von later ein z. 445; so auch Adelung² 4, 1703, während Campe 5, 860ᵃ nur den unterschied zu bruch-, feld-, lehmsteinen hervorhebt; in der landschaftlichen umgangssprache ist die unterscheidung von ziegel als dachund z. als mauer-, pflaster-, baustein verbreitet: Ch. Schmidt Straszb. 120ᵇ; Follmann 558ᵃ; Meisinger 211ᵇ; Rovenhagen 166ᵇ; 133ᵃ; Woeste-N. 267ᵃ; Mi 93ᵃ; Danneil 222ᵇ; in der bedeutung dachziegel lit. selten: du wart es (das schlosz) mit czigelsteynen gedecket Wigand Gerstenberg chron. 93 D.; Kirchhof wendunm. 2, 29 Ö.; da fleucht der storch ... von dem dache und beruͤhret mit seinen fliegeln ... das dach, also dasz ein z. herunterfaͤllet J. Prätorius winterflucht 126; glückstopf 123; sonst der mauerstein, in der regel auch, wenn zu brocken zerstoszen und zur gewinnung des ziegelöls und salben gebraucht: nim ein gantz alten roten z., den zerschlag in stücklein, ungefehr einer nusz grosz, die mach glühend, wirf ein stücklein nach dem andern in alt baumöl, darinn lasz, bisz sie das oͤl wol in sich gesoffen haben Wirsung artzneyb. 110ᵈ; s.-öl; Gersdorf wundarznei 43ᵇ; Braunschweig chirurg. 114ᵇ; von bomolie und geklopften z-en eine salbe machen Chr. Reuter Schelm. 96 ndr.; zerstoszen und mit eidotter geschlagen als färbmittel des weins: Marperger küch.-dict. 1295ᵃ; heisze dämpfe durch benetzen glühender z-e mit essig: Seutter hippiatr. 105; mit gestoszenen klettenwurzeln: Hohberg georg. cur. 1, 267; mit wein als schwitzbad für den schenkel: v. Fleming sold. 337ᵃ; ferner: den bauch mag man mit warmen z-en erwaͤrmen Ryff confectb. 176ᵃ; mauerstein zum bau von häusern u. a. gebäuden: zigelsteine sind gefallen, aber wir wollens mit werckstuͤcken widerbauen Jes. 9, 10; martern uns mit dem zigelsteinstreichen Luther 16, 76 W.; vgl.: gemartert mit dem zigelstreichen 22;
die (stadtmauer von Babylon) wart erbauet aus ziegelstein
H. Sachs 16, 197 G.;
aufrichten ein pyramiden
ins freye feld von ziegelstein
W. Spangenberg ausgew. dicht. 86;
Harsdörfer secret. 2, 169; Augustus ruͤhmete sich zu Rom, er haͤtte eine stadt von z-en gefunden, aber er wuͤrde sie von lauterm marmel verlassen Chr. Weise polit. redn. 478; v. Fleming sold. 398; gaͤszchen, welche ... mehrentheils aus back- oder z-en gebauet sind J. J. Chr. Bode Tristr. Schandy 7, 18; ein ... gebaͤude von z-en Hirschfeld gartenk. 4, 207; übergebrannte z-e vom Rhein Göthe III 7, 40 W.; Laube ges. schr. 5, 107; baustoff für öfen: so kan man einen probirofen von z-en ... zusammensetzen Ercker miner. ertzt 5ᵇ; als baumaterial für ziegelöfen sind ... z-e die geeignetsten Muspratt chem. 8, 719 St.-K.; als pflaster: es (das familienzimmer) war mit z-en gepflastert Göthe 33, 108 W.; die ausgetretnen z-e des fuszbodens Gaudy s. w. 2, 84; s. auch A. a s. Clara Judas 1, 67; dient als schreibtafel: Ezechielis am 4. cap. (v. 1) schreibet auch der prophet auf ein zigelstein (Luther ziegel) Mathesius Sar. (1571) 103ᵃ; ungebrannt: later crudus ungebrannter z. Zehner nomencl. 399; sie (die Perser) bauen blos mit an der sonne getrockneten z-en allg. d. bibl. anh. zu 25/36, 3409; Ritter erdk. 1, 634; fachlich als luftziegel bezeichnet; die roth farb ..., die man zu Antorf in den neuen ziegelstainen find, läszt sich A. Dürer schicken: tageb. 61; bezeichnet im vergleich die farbe eines gerötheten antlitzes: die tante, die mir aufmachte, ward roth wie ein z. Thümmel reise 5, 46; Jer. Gotthelf ges. schr. 21, 28; sprw. und redensarten:
wann die ziegelstein wern duplirt,
alsdann Moses bald kommen wird (zu 2. Mos. 1, 14)
Dieterich weisheit 1, 247;
der wescht den ziegelstein zu degen,
der huͤt ein unzuͤchtig weib in allen wegen
Petri d. Teutsch. weiszh. P 4ᵇ;
dem z. die roͤth abwaschen Körte sprw. 512; er hat einen heiszen z. im magen er hat immer durst Wander 5, 578; in der heraldik bezeichnet schindel oder z. eine länglich-viereckige figur Trier wapenk. 170; s. ziegel 2 e; vgl.: gab ihnen Carolus fünf rothe mauerz-e im guͦlden felde auch zum schilde Ammersbach churbrand. chron. 59; dim. -chen: deutsche sag. 1, 40; -lein: Zehner 399. — in zss.: -boden, m.: Scheffel ges. w. 1, 119; -braun, adj.: K. Fr. Cramer Neseggab 2, 70; -brenner, m.: Hebbel II 2, 125 W.; -brocken, m.: Stöckhardt chem. feldpred. 1, 161; -farbe, f.: Gutzkow zauber. 4, 177; -form, f.: Ritter erdk. 3, 253; -gebäude, f.: 2, 572; -masse, f.: 17, 1656; -mauer, f.: Muspratt chem. 3, 1844 St.-K.; Sven Hedin Bagdad 274; -mehl, n.: v. Fleming sold. 367ᵃ; gugelkopf ..., mit z. gebräunet Jean Paul 38, 12 H.; -öl, n., gleich ziegelöl: Paracelsus chirurg. büch. (1618) 765ᶜ Hus.; N. Frischlin (1586) 135ᵃ; etliche mischen unter dieses schmaltz ein weich ziegelsteinoͤhl Bapst v. Rochlitz artzneib. 80; oleum philosophorum Stieler 1381; Kramer teutsch-it. 2, 1450ᵃ; Ludwig teutsch-engl. 2587; einzelne flecken (grind) bestreicht man mit z. Krünitz 20, 60; Karmarsch-H. techn. wb.³ 6, 647; mohnöl H. Fischer 6, 1178; -pflaster, n.: Lueger lex. d. techn. 5, 33; -stück, n.: Helfft wb. d. landbauk. 150. —
Zitationshilfe
„ziegelstein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ziegelstein>, abgerufen am 17.11.2019.

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