zieren verb.
Fundstelle: Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1171, Z. 8
schmücken, schön machen; zur zierde gereichen.
form: ahd. ziaren, mhd. zieren; jan-bildung vom adj. ziari (s. ¹zier, adj.), woneben im mfränk. zieron erscheint, vgl.: gezîerot Williram 17, 6 Seemüller; gecirot könig Rother 1098 Frings-Kuhnt; auf -jan weist -rr- in der bair. glosse coronant zierrant ahd. gloss. 2, 636, 12, kiziarrant, gizierran 2, 312, 50; 217, 31 und ziêrrent Notker psalm 28, 11. alte -e-schreibungen, welche sowohl beim adj. wie beim subst. zier bezeugt sind, liegen zufällig nicht vor, und die späteren setzen nicht den ältesten lautstand fort, sondern sind durch lautwandel aus -ie- entstanden, so getzeret Muskatblüt lied. 42, 66 Groote (Trier. hs.), öft., zeren Alsfelder passionsspiel 2556, Diefenbach gloss. 15ᶜ unt. affibulare, 249ᶜ unt. fucare, 250ᵇ unt. fulcire, geczeret unt. fulcitus, czeren 500ᵇ unt. rosare; die heutige aussprache -öi- deutet die -ei-schreibung Nürnberger chroniken in chron. deutsch. städte 3, 356; 363; 366 an; erst das nd. teren, und mit ihm die mfränk., bes. ripuar. vorkommen reichen unmittelbar zum wgerm. -ē- zurück; zeiren Morant u. Galie 5101 Kalisch zeigt dehnendes i. sehr geläufig, namentlich im md., ist das blosze -i-; schreibmoden verraten sich in zyeren und ziehren. den schwund des -e- der endung -en führt bereits der dichter des Friedrich v. Schwaben 7512 durch; dieser durch das reimbedürfnis, korrekte aussprache und mundartliche sonderentwicklung der fränk.-alem. landschaften, in welchen bei schwund des -n der vokal erhalten bleibt, dauernd befehdeten lautgestalt neigt sich doch der sieg zu; literarisch belegt u. a. in fastnachtsspiele 783 Kell.; Ayrer dram. 1, 23 Keller; H. Sachs fab. 2, 150 ndr.; Lohenstein Sophonisbe 23; Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. ged. 2, 63 Neukirch; J. J. Schwabe volleingeschanckt. tintenfäszl (1745) 55; O. Ludwig ges. schr. 2, 56. obwohl bereits in mhd. zeit einsetzend, ist der ausfall des -e- in der 2. und 3. sg. ind. präs. erst um die mitte des 18. jahrh. als schreibform durchgedrungen. im prät. ist zierte von anfang an fest; zwei vereinzelte zierete begegnen bei Joh. Bentzius päbstl. chronica (1604) 120 und M. Schneider Amintas (1632) 55; Luther schreibt nicht selten zieret, wie schmücket, badet u. a.; diese form begegnet auch sonst. vom alten nebeneinander gezieret: gezierte, im mhd. noch regel, behaupten sich reste bis in die zweite hälfte des 18. jahrh., vgl.: gezieret Herder 12, 153 S. das obd. bietet einige beispiele ohne präfix: ziert H. Sachs 9, 125 Keller; reformationsflugschriften 3, 242 Clem.; W. Lazius d. khuͤnigreichs Hungern chorograph. beschreib. (1556) F 2ᵇ; Frisius 151ᵃ. dem eben behandelten verbal- und ob. bei ¹zier, adj., und ¹zier, f., dargestellten nominalstamme germ. *tēr- steht ein nord.-fries.-as.-ags. nominalstamm * tīr- (s. ¹zier, f.) mit sonderbedeutung (s. unt.), dem jüngere verben entsprieszen, zur seite; dazu im ablaut *tair- im nisl. und norw., s. ¹zier, adj. während *tēr- dem hd. ausschlieszlich eigen ist, hat das ndsächs. und wohl auch das ndl., dieses mit überwiegen des *tēr-, an beiden stammformen teil; gegenüber der mnd. periode, welche zum unterschiede vom as. den stamm *tīr- kaum hervortreten läszt, während *tēr- sehr geläufig ist, hat *tīr- stark an boden gewonnen und *tēr- auf den raum von der nordseeküste bis ins nördliche Westfalen eingeengt und macht ihm auch diesen bereits streitig; das ostfries. kennt nur *tīr-; doch ist *tēr- auch in Mecklenburg nachgewiesen; s. unt. III B 1. germ. *tīr- *tēr- stammt von idg. *dēir- *dēr-, deren wurzel in sskr. dīdēti strahlt, griech. δέαται scheint vorliegt. wurzelverwandt ist griech. δέελος (˂ *dei̯elos) deutlich und δῆλος offenbar, ferner ahd. zeiz, ags. tāt zart, anmutig, anord. teitr froh (s. sp. 521) und germ. *tīwa- gott (s. ziestag).
bedeutung und gebrauch: die idg. grundbedeutung glanz, glänzen, strahlen bewahren die beiden germ. stämme, *tēr- im sinnlichen und abstrakten, *tīr- in alter zeit nur im abstrakten bereich, aber die spätere entwicklung führt auch hier in das sinnliche gebiet, entfernt sich jedoch zum teil erheblich von ihrem ursprung. die in den abschnitten 1 beim adj. ¹zier und I 1 beim f. subst. ¹zierde belegte bedeutung glanz, pracht, scharfe sehkraft und strahlend (vom auge) stimmt zu nisl. tærr rein, klar und dem davon gebildeten verbum norw. tæra strahlen, sowie zu schwed. dial. tira leuchten vom stamme *tīr-. den für das idg. vermuteten übergang ins sinnfeld des sehens am lit. dyrė́ti hervorgucken, lauern wiederholen norw. dial. tir ausguck, spähen, leuchten, glanz und tira gucken, funkeln. von der an den rom. abkömmlingen des afränk. *tērī feststellbaren bedeutungsreihe ordnung, reihe, art, weise, manier usw. (s. ¹zier, f.) halten die nominalen bildungen des hd. nur schwache spuren fest (vgl. ¹zier, adj., 3, ¹zier, f., I A 1 c, zierlich II); stärker treten diese am verbum zu tage (vgl. unt. III A), kräftig entwickeln sie am *tēr-stamm das ndl. und ndsächs., das diesen sinn auch dem stamme *tīr- mitteilt (s. unt. III B 1); anderseits ruft der sinn des alten subst. tīr eine eigenartige bedeutungsentwicklung hervor, welche dessen sinnliche äuszerung in prahlen, schreien, munterkeit, gedeihen zur schau stell (s. unt. III B 1). seine eigentliche aufgabe ist dem verbum zieren aus seiner herkunft vom adj. zier gegeben: *zierjan besagt zier, glänzend, schön machen, schmücken, putzen, verschönern. die daneben bezeugte bildung mfränk. zieron darf auch im ndfränk. angesetzt werden und mag dessen sonderentfaltung begünstigt haben. seit Luther ist ein deutlicher gebrauchsrückgang zu gunsten des verbums schmücken erkennbar; hd. bibelglossare übersetzen dessen schmücken mit zieren. weiter schmälern den bereich von zieren dafür eintretende composita wie aus-, be-, namentlich verzieren. obd. schriftsteller sind indessen noch gegenwärtig dem einfachen zieren durchaus gewogen; im übrigen lebt es in landschaftlicher und fachsprachlicher verengter anwendung fort. doch geht dieser gebrauchsrückgang nur die in abschnitt I behandelten fälle an, der gebrauch von zieren, wie ihn der abschnitt II darstellt, ist seit alters ungeschmälert geblieben. der grund liegt in dem absterben der perfektiven aktionsart (daher das auftreten der composita) und in der fortdauer der imperfektiven. übrigens ist der ersatz des zieren von abschnitt I durch schmücken kein vollkommener, da diesem verbum der begriffliche untergrund ordnung und ehre, den zieren hat. abgeht, s. hierfür die bemerkungen unt. bei I und III A. früh verdrängt zieren das heimische vlîgen des nd.: er dochtere geuoge, geciret glic deme temple westfäl. psalter (1. hälfte des 14. jahrh.) 143, 12 Rooth; in den nd. vorlutherischen bibeln wird ornare durch tzyren (Kölner bibel gewöhnlich siren) wiedergegeben, nur Jes. 57, 9 hat die nd.-westfäl. Kölner bibel die nd. lautform vorteres. auch ins mndl. findet zieren in den schreibungen cieren, tsieren, chieren, sieren schnell eingang. aus beiden sprachen geht es in den norden weiter. die bedeutung schön machen haben die t-formen des nd. und ndl. nicht; die folgenden ausnahmen sind aus dem hd. lehnwort in nd. lautform umgesetzt: en àllen tûnstâken kann sik ok noch tîren Woeste-Nörr. 272ᵃ; im wfläm. heiszt die farbe auf dem kattun ebenstreichen, nachdem das stoffstück in den tierbak getaucht ist, tieren Schuermans algem. vlaamsch. idiot. 722ᵇ.
I.
zieren in perfektiver aktionsart, deren schwinden den rückgang des wortes im gebrauch während der nhd. periode verursacht. zieren bedeutet hier schön machen, verschönern, schmücken, mit kostbarkeit ausstatten; von schmücken unterscheidet es sich darin, dasz der schmuck durch glanz und kostbarkeit anzieht, die zierde aber darüber hinaus durch schöne form und inneren wert ausgezeichnet ist. der gegenständliche oder abstrakte schmuck wird durch die präpos. mit, selten andere hinzugefügt.
A.
transitiv; im passivum bleibt die tätige person oder sache gewöhnlich unausgedrückt.
1)
subj. und obj. gott oder menschen, das obj. auch der körper oder dessen teile.
a)
gegenständlicher schmuck, bestehend aus kostbarer kleidung, rüstung, schmucksachen oder putz: heroum poetas mit hedera gezîerte Notker 2, 215 Sehrt-Starck;
in hiez mit kleidern zieren   Sigmunt und Siglint
Nibelungenlied 26, 2 A;
Tauler pred. 432 Vetter (zit. ob. ¹zierde I 2); (der fürst) warde vor die hochzeit köstlich und mit vil ehrlichen leuten gezieret Montanus schwankb. 220 lit. ver.; ob nun wohl die Deutschen zeithero ... die todten mit keinen kleidern ziehrten Lohenstein Arminius 1, 68ᵃ; eine leiche zieren Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1464ᵃ; und zierte dich mit zierunge (ik vertzierende mit zijraten Köln. bib.; ik tzirde di mit tzyringen Lüb. bib.; ik hebbe dy getzyret mit tzyringe Halberst. bib.; und zieret dich mit kleinoten Luther) erste deutsche bib. Hes. 16, 11; 13; die braut mit einem neuen putze zieren Steinbach (1734) 2, 1095;
ez ist reht, daz daz junge wîp
vil wole ziere den ir lîp
vom rechte 411 Waag;
dô was ouch wol gezieret   der küneginne lîp
Nibelungenlied 292, 2 A; 753, 2 A;
dâr umbe sult ir zieren   mit guoter wæte den lîp
ebda 475, 4 A;
den leib thut man zieren,
die unschuld zu verführen
deutsche volkslieder 783 Mittler;
ziere und werte deinen leib,
ehre und schirme jedes weib
altes lied bei K. Fr. Leppa herzenssachen (1928) 26;
also hieng ich ir an die orring ze zieren ir antlútz 1. Mos. 24, 47 erste deutsche bib.; und die maniger hand geschirre werden gesament ze zieren die helse richt. 5, 30 ebda; tzyrde oͤr hoͤvet (schmücket ir heubt Luther) Halberstädt. bib. 4. kön. 9, 30; sie wird dein heubt schön schmücken und wird dich zieren mit einer hübschen krone Luther spr. 4, 9;
men wedder haer noch hoet by fruwens maket gunst,
daruͤm desuͤlve so tho zieren is umsunst
Lauremberg nd. scherzged. 2, 572 ndr.;
sie zieren ihre finger mit glänzenden ringen Zimmermann einsamk. 1, 284; ihre nase zieren sie mit ringen Ritter erdkunde 1, 158; redimire zyeren gemma gemmar. x 3ᵇ; adornare zyeren oder bekleyden a 5ᵃ; sericare mit seyden cleyden oder zieren z 5ᵃ; Diefenbach gloss. 529ᶜ; acus crinalis ein nadel, damit man das haar ziert Frisius 27ᵃ; comere zieren, aufmützen 254ᵇ; inostrare mit purpur zieren oder bekleiden Hulsius (1618) 2, 207ᵇ; den unrehten ziêreth er, mih rehten fillet er Notker psalm 72, 14.
b)
der schmuck besteht in geistlichen und geistigen tugenden, auch gefühlsäuszerungen: nu zier und kleide mich in geistlichem sinne Seuse dt. schr. 224 Bihlm.; so musz er mich den tzyeren und kleyden mit seiner ewigen gerechtigkeit Luther 10, 3, 418 W.; durch den selbigen (den heiligen geist) als eine lebendig, ewige, göttliche gabe und geschencke werden alle gleubigen mit dem glauben und andern geistlichen gaben gezieret 26, 505 W.; Tauler pred. 97 Vetter; wer ist unter eüch weisz und mit kunst geziert Butzer gesprechb. neüw Karsthans 34 ndr.; die (sind) mit groszer glori und unsterblichkeit gezieret gewesen Dannhawer catech.-milch 2, 274;
durchs wort er selbs sein kirch regirt,
mit gaben er sie schmückt und ziert
N. Hermann sonntagsev. 105 bibl. d. schr. a. Böhm.;
nimant sol mich mit zetern noch mein leich mit wainen zieren G. Alt buch d. chroniken (1493) 84ᵇ.
2)
subj. gott, die natur oder menschen.
a)
obj. die schöpfung und pflanzen und tiere:
so er thara iz tho gifiarta,   er thesa worolt ziarta
Otfrid II 1, 29;
mit siner wishet hat er sie (die welt) gecieret Lucidarius 3, 21 Heidlauf;
gott gieng mit gott zu radte,
schuff himel und erdtrich
und zierets firmamente
und macht vier elemente
bergreihen 42 ndr.;
geloubêr aon, gezîertêr mit poetis Notker 2, 147 Sehrt-Starck; zarten kint, wer wil das trurig ertrich, den bloszen walt, die dúrre heide noch húre so lútselklich ergruͤnen und so minneklich zieren Seuse dt. schr. 409 Bihlm.;
diewil gott denn die bluͦmen ziert
N. Manuel Barbali 419 Bächtold;
wandle nur ins feld hinaus, schau doch, wie da wird verspühret,
wie so prächtig gott der herr manches gras und blume ziehret
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 2, 18;
den ziert recht die natur mit rath,
dem sie kein stärck gegeben hat
Petri d. Teutsch. weiszh. 2, N 3ᵇ;
o Rein, ...
las uns genisen deyner gunst,
dieweil du doch entspringst bey uns, ...
und wir dein thal, dadurch du rinnst,
mit bawfeld zirn, dem schönsten dienst
Fischart glückhaft schiff 272 ndr.;
lustgärten ..., welche man pfleget ... mit ... ahornenbäumen ... zu zieren Sebiz feldbau (1579) 311; topiarius ein gärtner, der den garten mit lustigen gängen zieret Zehner nomencl. (1645) 322; falerare zyeren proprie die pfert gemma gemmar. (1508) k 1ᵃ; Diefenbach gloss. 223ᶜ; kanstu dem ross krefft geben oder seinen hals zieren mit seinem geschrey? Hiob 39, 19; jenem aber lag ob, das vieh festlich zu zieren Immermann w. 3, 10 Hempel.
b)
obj. leben, lebensabschnitte, unternehmen, herz, vorstellungen, eigenschaften:
wiltu dîn leben zieren
und rehte werdeclîchen varn
Wolfram von Eschenbach Parzival 502, 4;
das ende meiner bemühungen und wandrungen ist und bleibt der wunsch, ihr leben zu zieren Göthe IV 8, 302 W.; und hat seine jugend mit manlichen wercken gezieret Wigand Gerstenberg chron. 13 Diemar; er (Schiller) ... zierte fast jedes lebensjahr mit einem neuen stücke Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 5, 512;
das liecht durch gottes gnaden schilt
schutzt und bedeckt den adler milt,
ferner mit gluͦck auch zieren thut
sein hertz und sein standhaften muth
lieder auf den winterkönig 103 Wolkan;
er ziert mit lieb, er führt mit treu
ein hertz, das ihm sich giebt
Paulus Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 401ᵇ;
ziere auch deinen glauben mit christlichen wercken der liebe Eb. v. Günzburg 2, 126 ndr.; auf das sie die lere gottes, unsers heilandes, zieren in allen stücken br. an Titus 2, 10;
dein demuͤttigkait solt du gen mir ziern:
lasz mich meiner schuld
wider kommen zuͦ huld
Friedrich von Schwaben 7512 Jell.
c)
obj. kleidung und rüstung:
wio iagilih ouh dati   thaz ziarti sin giwati
Otfrid IV 6, 39;
teke und wappen klaid
ward im kostbar uff gelait,
gepflantzet und gezieret
Göttweiger Trojanerkrieg 12 361;
ich zier in dy weiten röckh mit schmalen geren
altd. passionsspiele aus Tirol 260 Wackernell;
alle ir wopin sint von sidin und von golde richlich geczirit md. Marco Polo 20, 17 v. Tscharn.; ihr (der göttin des überflusses) kleid war mit blumen, ... weinranken gezieret J. J. Schwabe belustigungen 1, 384; ihre schilde zierten sie mit den auserlesensten farben M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 29; der in der höchsten einfalt ... lebende hirt zieret seinen stab oder seinen becher mit schnitzwerk Sulzer theorie d. schön. künste 4, 678; redimiculum harsnour, gezirt hub Diefenbach nov. gloss. 315ᵃ; gloss. 488ᶜ; impulare mit perlen besetzen, zieren Hulsius (1618) 2, 195ᵃ.
3)
subj. menschen, auch tiere.
a)
obj. gebäude, städte, särge u. a.:
diu gotes hous sol er zieren
die hochzeit 505 Waag;
gezîret was sî (Jerusalem) werde
beschreib. d. himml. Jerusalem 10 Waag;
der (saal) von marmel über all
mit süllen gezïret was
Göttweiger Trojanerkrieg 12 783;
hat sich (der) ... abt understanden, sein closter zu zieren ... mit etlichen nuzlichen beuen Knebel chron. v. Kaisheim 331 lit. ver.; we eúch, schreiber, phariseer und trugner, ir do bawt die greber der weissagen und ziert die serch der gerechten (und tziret nd. Lüb. bib.; und schmücket der gerechten greber Luther) Matth. 23, 29 erste deutsche bib.; die gruntvesten der mauren der stat geziert mit einem ieglichen edelm gestein (omni lapide pretioso ornata; waren geschmücket mit allerley eddel gesteine Luther) off. 21, 19; ebenso Luk. 21, 5; und so er kumt, er vindet es (sein haus) lere, gereinigt mit besmen und geziert (ornatam; so findet er es müszig, gekeret und geschmückt Luther) Matth. 12, 44; und den heiligen tempel ... wolt er mit allerley schmuck wider zieren (das er den mit den besten gaben wolt zieren erste deutsche bib.) Luther 2. Makk. 9, 16; Jes. 60, 7; darnach zieret er auch die stad mit mancherley schönem gebew Luther 19, 412 W.;
drumb müssen wir den tempel zirn,
wie sichs auff die fest will gebürn
Ayrer dramen 1, 23 Keller;
so nuͦn dise captel gemacht sind, als dann mag man sie ziren mancherley weiss Dürer underweys. d. messung G 4ᵇ; ich sehe lieber baume midt ertreich als die schönsten palast und lieber einen küchengarten als die schönsten gärten mit marmel und springbrunen geziehret Elis. Charl. v. Orleans 6, 377 lit. ver.; eine kirche mit bildern zieren keine sünde sey Schupp schr. 47;
die leichte spinne zieret
die fenster umb und umb
Rachel sat. ged. 17 ndr.
b)
obj. gerätschaften und andere erzeugnisse:
der (thron) was von helffenbain gar kluͦg
geziert schon mit aller fuͦg
und was mit gold gezieret
Konrad v. Helmsdorf spieg. d. menschl. heils 570 f. Lindqvist;
zieren wirt er den got (eine statue) im
richlichen mit gesmide
Daniel 7198 Hübner;
ein wunnencliches bette, daz schoͤne mit rosen und mit lylien und maniger leige bluͦmen gebluͤmet (var. geziert) ist Seuse dt. schr. 495 Bihlmeyer; do stuͦnden auf alle die meide und zierten ire glasuas (et ornaverunt lampadas suas; und schmückten ire lampen Luther) Matth. 25, 7 erste deutsche bib.; ich habe mein bette schön geschmückt mit bundten teppichen aus Egypten (vorher: gezierd mit schmuck) Luther spr. 7, 16; teppich, das schön gewirckt war mit purpur und gold und mit smaragden und viel edelstein geziert Jud. 10, 21; etliche fleiszige probirer ... formirn und zirn ihre öfen auszwendig schön Ercker beschr. all. mineral. ertzt (1580) 5ᵃ; den marzapan zierte er überall mit flammenden hertzen Grimmelshausen 2, 545 Keller; (sie) zieren mit ihr (der girlande) den weiszen tisch Carossa tag in Terracina (1947) 38.
c)
obj. bücher, schriften inbezug auf deren äuszere ausstattung: derwegen hab ich diss büchlein mit fleisz ubersehen, in bessere und unsere gebräuchliche teutsche sprach zu bringen, mit schönen figuren gezieret, auch einen ... anhang ... auffs neue drucken lassen Ruoff hebammenbuch A 3ᵇ; das sein kuͦnstliche werck, auch mit sehr schoͤnen auszbuͦndigen glossen gezieret Sandrub hist. u. poet. kurzweil 7 ndr.; als das corpus juris noch mit dieser uberschrift geziret war Moscherosch insomnis cura parentum 41 ndr.; nach heut zu tage üblichem hof- und kauffmanns-stylo mit fleisz zusammengetragen und mit kupfern geziert von etlichen liebhabern der teutschen sprache Harsdörfer teutsch. secret. 1, (a) 2ᵃ; Schottel friedenssieg 1 ndr.; die bücher mit blendenden titeln ... zieren Liscow sat. u. ernsth. schr. 281; es thut mir leid, dasz ich meine abhandlung nicht mit einem bilde jener göttin (Nemesis) gezieret habe Herder 15, 331 S.
d)
obj. sprache, rede, stimme, auch schriftliche werke inbezug auf deren rhetorische und stilistische ausschmückung; zunächst im bilde einer allegorie vom geblümten stil:
die drite juͦngfrauwe kam aldar,
der namen sie allesampt war.
Rhetorica hiez sie mit namen.
sie ging dort her ane alle schamen.
sie besneit und zirte
die disseln und florierte
den wagen und sin obtach,
so man die zire gerne sach.
die kunst ist gebluͦmet,
manig mensch sie ruͦmet:
sie besnidet alle wort
und erkirnt sie uf ein ort
Heinrich von Neustadt gottes zukunft 837 Singer;
unser gab zyere mit worten als verr du magst (munus nostrum ornato verbis, quod poteris) Terenz deutsch (1499) 42ᵇ; das ewangelium ... laszt sich nit klayden noch zieren, sondern es stat im hertzen Luther 10, 3, 78 W.; diese ist die sprache, o ihr Teutschen, die ... ihr müsset zieren und ausschmükken Schottel haubtsprache 23; ists kein wunder, dasz er seine lügen mit schönen namen zieret und scheinbar machet Widmann Fausts leben 72 Keller;
vil mehr sol das ein sprecher thon,
der umb sein gsprech nimpt seinen lohn
und wil bey den leuten hoffiren,
der sol sein sprüch fein höflich zieren
H. Sachs fabeln 2, 253 ndr.;
ausz dem exempel der thier können die kunstreiche redner ire rede zieren Heyden Plinius (1565) vorrede 6ᵃ;
mein sel die sol den herren rüemen,
sein lob (den lobgesang) alzeit zieren und plüemen
H. Sachs 18, 146 lit. ver.;
(Cicero hat) darzuͦ dy lateinischen sprach ... vor allen andern erhept und gezyert J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero 1; die gezierte lüge würt oft von der warhait überwonden Steinhöwel Äsop 357 lit. ver.;
es ist gar höflich, seine sprach
mit frembden worten zu parlieren
und sie mit eines andern schmach,
mit fluchen und bossen zu zieren
Weckherlin ged. 1, 185 lit. ver.;
Orpheus mit seiner groszen geigen
mit brummen geig darein den bass,
Jopas künstlich zieret das,
dann er die stimmen alle schlug
C. Scheit frölich heimfart M 3ᵃ;
damit ich nicht bestehe kahl,
will ich die stimme zieren
mit re, mi, fa,
fa, mi, sol, la
Chr. Reuter Harlequ. hochzeitschmaus 56 ndr.;
die durch zuͦflusz der wolsprechenlicheit ein iede sach, die schon rohe und kalt ist, rilichen moͤgen uszlegen und bekleiden oder zieren mit iren kluͦgen worten Joh. Adelphus enchiridion eines christl. leb. (1520) q 2ᵇ; distinguenda et frequentanda est omnis oratio luminibus verborum ist ze underscheiden und mit hüpschen worten ze zieren und auszzestreychen Frisius 584; polire orationem eine oration zieren nomencl. lat.-germ. (1634) 301; fregiare, elegantare, ornare il suo discorso seine rede zieren Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1464ᵃ.
e)
obj. ein fest:
(wir) ... wöllen dir dein hochzeit ziern
mit rennen, stechen und thurniern
H. Sachs 12, 536 lit. ver.
4)
subj. gestirne, jahreszeiten, pflanzen:
in der planeten purt,
von den er (der mensch) wirt gezieret,
geswechet und naturt
Oswald v. Wolkenstein 79, 7 Schatz;
wenn der abendstern des himmels blaue haus mit seinem
liechte ziert
Treuer deutsch. Dädalus (1675) 1, 8;
die stoltzen augen prangen
wie Venus schöner stern den blauen himmel ziert
Rachel satyr. gedichte 26 ndr.;
ich forsche, ...
wie jenes firmament ein heer von sonnen zieret
Hagedorn poet. w. 1, 22;
dû (sommer) zierest anger unde lô
Walther v. d. Vogelweide 76, 11;
Aprill das erdreich zieret fein
mit schönen kräutern und blümlein
Petri d. Teutsch. weiszheit 2, Qqq 1ᵇ;
der lentz das feld fein zierd mit blumen
Lobwasser Calumnia D 7;
doch kindlich zierst du (die christrose), um die weihnachtszeit,
lichtgrün mit einem hauch dein weiszes kleid
Mörike ges. schr. 1, 136 Göschen.
5)
absoluter gebrauch ist selten; die beiden letzten fälle erklären sich aus der verkürzenden redeweise lokaler sondersprache:
gesmæhet und gezieret
ist, swâ sich parrieret
unverzaget mannes muot,
als agelstern varwe tuot
Wolfram v. Eschenbach Parzival 1, 3;
zieren die straszen, besonders zur kirmes, mit laubgewinden schmücken Rovenhagen wb. d. Aachen. mda. 168ᵇ; se han awer schen gezierd haben ihr haus schön geschmückt Follmann lothr. 558ᵃ.
6)
nahe steht die verwendung in der kunstgewerblichen fachsprache, wo jedoch objekte auftreten: zieren heiszt an bronzearbeiten feinere teile der verzierung nach dem vergolden mit der punze ausarbeiten Prechtl technol. encyclop. 3, 164; geziert wird in der heraldik ein falke mit einem halsbande, ein adler mit dem schwanze, ein löwe mit dem männlichen gliede genannt (ohne dies ist er ungeziert) Bucher kunstgewerbe 140ᵃ; die lat.-deutschen glossare setzen für die menge der lat. fachausdrücke neben sonderverben ständig zieren ein, vgl.: fulcire festigen, smucken, cziren Diefenbach gloss. 250ᵇ; limatus gefilet, getzirt 330ᵃ; pavire slichten, schaben, zieren 417ᶜ; piare reynigen, zieren 432ᶜ; polire blencken, cyeren n. gloss. 297ᵃ; balieren als edel gestein, zyeren, eben, schlichten gemma gemmar. (1508) t 5ᵃ; expolire schlichten, cziren Diefenbach gloss. 218ᶜ; rimare kliben, reiszen, tziren 498ᵇ; stipare underseczen, stopfen, bestecken, zieren 553ᵃ; verstopfen, beschirmen, zieren, umstecken oder undersetzen mit stecken gemma gemmar. (1508) A 3ᵃ; liliare cziren Diefenbach gloss. 329ᶜ; palmare cziern n. gloss. 277ᵃ; rosare zieren gloss. 500ᵇ; vernare zieren 613ᵇ; redimire zieren, bekroͤnen, umbgeben, umb das haupt binden Frisius 1127ᵃ; fucare schmynken, zeren, tziren, firnissen Diefenbach gloss. 249ᶜ; in welchen fällen zieren wirklich fachsprachlich verwertbar war, ist dabei ungewisz; sichergestellt aber wird dieser gebrauch für das ordnen, das kämmen und frisieren des haupthaares durch eindeutige literarische belege: comare zieren, strelen, flechten Diefenbach gloss. 134ᵇ; comere hor flechten al. hor czyren 134ᶜ; comere i. pectere kemmen, strelen, zyeren gemma gemmar. (1508) f 1ᵇ; famula operosa ornandis capillis vast arbeitsam, unmuͤszig und geschäftig das haar aufzemützen und zieren Frisius 930ᵇ; crinalis cultus das zieren, pflantzen und büffen des haars 250ᵇ; frisiren, zieren, kräuseln, z. e. die haare oder peruquen Sperander 270ᵇ; die magt ... die flacht ir und zieret ir das haubt ... und do sy Agripina so schön und so hübsch gezieret sach Fortunatus 138 ndr.; ja, so weit ist es jetziger zeit kommen, dasz manche (mädchen) so gar in ihre bücher, welche sie in die kirchen tragen zum beten, spiegel einbinden lassen, kraft deren sie ihren weiberschmuck, ihre fontange oder narrennester, ihre gekrauste oder eingebuderte haar unter ihrem eifrigen pfuy-gebet zieren und aufpfläntzeln können Stranitzky ollapatrida 90 Wien. ndr.
7)
ironischer gebrauch: alle äst wurden ... mit allerhand kerlen geziert Grimmelshausen Simplic. 44; 56 Scholte; dasz ich alles heraus kotzen muste, wormit ich der bäuerin kleider hin und wieder trefflich zierte ders. 2, 367 Keller;
und so der bock ein gärtner wirt,
die jungen baum er selten ziert
J. v. Schwarzenberg v. zutrinken 34 ndr.;
ihr gespräch zierten sie mit zweideutigkeiten Göthe 22, 269 W.
B.
reflexiv.
1)
persönliches subjekt.
a)
dinglicher schmuck, oder die angabe eines schmuckes ist unterlassen:
dâ zierten sich engegene   alle frouwen wider strît
Nibelungenlied 265, 4 A;
truoc daz hâr nâch heiden sit,
dâ hêt man sich gezieret mit
Jansen Enikel weltchronik anhang 2, 600 Strauch;
si (die unkeuschen) bluen danne, wanne sy hoffyren,
sich smocken und schone zyren
Joh. Rothe lob d. keuschheit 2520 Neumann;
si (Jesabel) zierte sich aber mit varwe und zoh die lúte an sich st. Georgener prediger 119 Rieder; die heiligen weib ... zierten sich (sireden sik Köln. westfäl. bib., tzireden sik Lübeck. bib.; haben sich ... geschmückt Luther; ornabant se) undertenig iren eygen mannen 1. Petri 3, 5 erste deutsche bib.; du tzyredest dy (vorteres dy Kölner westfäl. bib.) mit koningliker salve Lübeck., Halberstädt. bib. Jes. 57, 9; die kinder Israel zierten sich mit stücken (ab 1541: schmückten ir sachen) 2. kön. 17, 9; da mus ich essen und dryncken, mich zyren und kleyden Luther 15, 708 W.; dich zieren umb deines mans willen, das er nit ein unwillen ab dir hab, ... ist ... nit sünd Keisersberg brösamlin 1, 97ᵇ; haben also das gut der abgötter zu ihnen genommen und sich damit geziert Paracelsus opera, büch. u. schr. 2, 591 Huser; nach vollendeter mahlzeit zierte ich mich mit meinem harnisch, legte dasselbig an J. Steinbach lauf menschl. leb. (1606) 17; wohinaus, mademoiselle Dina? du zierest dich, du putzest dich, ... du lächelst und bist lustig ... was bedeutet dieses? haha! antwortet sie, ich gehe in die assemblée H. Lindenborn Diogenes 1, 369;
das mädchen wünscht von jugend auf
sich hochgeehrt zu sehn;
sie ziert sich klein und wächst herauf
in pracht und assembleen
Göthe 4, 156 W.;
gerne mag sich Anna zieren,
reich geschmückt am spiegel stehn
Lenau s. w. 289 Barthel;
colere sich zieren und mützen, sich aufbutzen und aufrüsten Frisius dict. 250ᵃ; sich zieren ornarsi, adornarsi, pararsi, addobbarsi Kramer teutsch-ital. 2, 1464ᵃ; er ziere sich nicht mit frembden federn Harsdörfer frauenzimmer-gesprächspiele 1, F 8ᵃ;
wie nichtig ist doch auch den adelsnamen führen!
ist dieses nicht sich nur mit frembden federn zieren?
Opitz opera geist- u. weltl. ged. 3, 287;
veraltet, dafür sich schmücken (s. t. 9, 1126); mit dativ commodi: nun zum ersten soll ein man disz betrachten, dasz sein weib kein augen hat, welchen sie sich zieren darf, dann ihres hauswürts Chr. Bruno de officio mariti (1566) 39ᵇ;
dasz sich sein nacken schon mit krausen locken ziert
v. König ged. (1745) 3.
b)
abstrakter schmuck:
den groszen capitain Albertum hier betrachte,
der sich oft zieren wird mit manchem siegesprachte
D. v. d. Werder ras. Roland 55;
wie vil mehr soll ein christ sich auch mit tugend zieren,
soll fromm und redlich seyn
Rompler v. Löwenhalt erst. gebüsch sein. reimgetichte 12;
die wahrhaft reichen, gottbegabten zieren sich nicht mit gedanken und gefühlen Solger nachgelass. schr. u. briefw. 1, 476.
2)
unpersönliches oder abstraktes subjekt: und sol die sel sich zieren mit disen bluͦmen st. Georgener prediger 25 Rieder;
glanz   zieret sich lustlich des maien tenne
durch manger hendlin varbe,   garbe
Oswald v. Wolkenstein 28, 4 Schatz;
mai,   dein geschrai
sich florieret,
zieret
ebda 37, 43 Schatz;
wan morgenroͤth sich zieret
mit zartem rosenglantz
Spee trutznachtigall 1, ndr.;
weil die gaͤrten sich nun zieren
ebda 101;
mit knospen zieren sich die bäume,
die blumen schmücken sich mit thau
Kretschmann s. w. 6, 241;
und deiner fichten schlanker thurm
sich mit den jungen nadeln ziert
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2, 78;
wenn das charakteristische die hauptsache sein soll, so musz die sprache sich nicht zieren O. Ludwig ges. schr. 5, 531.
II.
zieren in imperfektiver aktionsart; der schmuck erscheint als subj., die bedeutung ist zur zierde gereichen, schmücken, zieren. dieser gebrauch von zieren ist dauernd üblich gewesen und geblieben.
1)
konkretes subjekt.
a)
schmuck am menschlichen körper, kostbare kleidung und deren verzierung, waffen:
die vrouwen zieret daz golt
die hochzeit 15; 24 Waag;
doch das diadem, das dich einst zieren soll, musz ich unbefleckt erhalten Klinger n. theater 2, 104;
nun zieren unsre brauen siegeskränze
Shakespeare 9, 7 (Richard III. I, 1);
gesichterschmuck ziert männer nicht J. J. Chr. Bode Montaigne 2, 430; in der gestalt des lorbeerkranzes ..., der den dichter zu zieren geflochten ist Göthe 26, 257 W.;
kleid dich erbar (das ist mein rhat)
nach deinem stand, das zierdt dich basz
H. Sachs fastnachtsp. 8, 102 ndr.;
ein schlechter rock, dick und grob,
und ein linin schürzlin drob, ...
das hört mir zuͦ und ziert mich fin
N. Manuel Barbali 1039 Bächtold;
das kleid zieret den man,
wer es hat, der ziehe es an
Tappius adag. (1545) D 2ᵃ;
die perrüke ziert dich artig
J. Grob dicht. versuchgabe 28;
der spanische schleier ziert die schönen weiber H. Laube ges. schr. 4, 123;
mâne unde sterne,
daz zierte die veder (flaumiges pelzwerk) harte wol
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 813;
dies wappen ... sollte mein kopfkissen zieren Holtei erz. schr. 24, 108; eine stickerei von ihrer hand zierte die beiden deckel (des portefeuilles) Gutzkow zauberer v. Rom 1, 329;
welch tapfres haupt auch dieser helm bedeckt,
er kann kein würdigeres zieren
Schiller 13, 180 G. (jungfrau v. Orl. prolog 3);
ein gewaltiges, mit silber ausgelegtes schwert zierte seine seite Raumer gesch. d. Hohenstaufen 1, 368; ironisch: und ich, wissend, dasz ein ... tintenfleck das linke knie meiner nankinghosen zierte Holtei vierzig jahre 1, 5.
b)
baulichkeiten und deren ausstattung, städte, geräte, pflanzen, gestirne, auch elementare vorgänge:
wie die blumen die erd und wie die sterne den himmel
zieren, so zieret Athen Hellas und Hellas die welt
Herder 26, 38 S.;
das theater, mehrere paläste zieren den platz H. Steffens was ich erlebte 1, 323; den ... eszsaal zieren mehrere enkaustische gemälde Pückler briefw. u. tageb. 2, 340; die theuersten tapeten zierten die wände S. Brunner erz. u. schr. 1, 358;
wie heiszt das ding, das wenge schätzen,
doch zierts des gröszten kaisers hand? (der pflug)
Schiller 11, 350 G.;
ein zimmergesell bin ich genannt;
drum halt ich den strausz in meiner hand,
der hier den giebel zieren soll
E. Baumeister zimmermannsspr. 68;
n gôden géfel sîrd n hûs ten Doornkaat 3, 188ᵃ; hohe bäume zierten den platz vor ihrem hause Göthe 21, 109 W.; die ulme ... ziert deutsche ebenen, täler und bergschluchten Wimmer gesch. d. deutsch. bod. 222;
das ist ein bluhmenpaar, das alle blumen ziehrt
Zesen helikon. rosentahl 54;
und die hellen sterne zieren die himel Sir. 43, 9; der brand zieret den krieg wie das magnificat die vesper Petri d. Teutsch. weiszheit 3, Rrr 5ᵇ;
dies garten frucht und wasser frisch
mir zieret alle zeit meinen disch
J. v. Schwarzenberg trostspruch v. 80 ndr.;
es sein zwey fürneme stuck, welche insonderheyt eyn erbgut zu zieren pflegen, schöne jagten und herrliche fischereien Sebiz feldbau 464.
c)
persönliches subjekt einschlieszlich körperteilen:
er (der erzbischof) zirte wol des keiseres hof
Rolandslied 224 Wesle;
du zierest mîne sinne   und bist mir dar zuo holt
kaiser Heinrich in minnesangs frühling 5, 11;
wer zieret nû der êren sal?
Walther v. d. Vogelweide 24, 3;
sô zieret ir den tanz
mit den schœnen bluomen, als irs ûffe traget
ders. 74, 23;
diu vil süeze, reine, wandels vrîe
zieret Swâbenlant
schenk von Landeck in minnesinger 1, 358ᵃ v. d. Hag.;
ein dieb zieret den galgen wie einen herrn die guldene ketten (d. h. kleine diebe henkt man an den galgen, die groszen behängt man mit goldenen ketten) Lehman florileg. polit. (1662) 1, 138; mancher ziert die gesellschaft wie der bock den marstall, wie ein muck den brey 1, 175; er sollte den thron zieren, der thron nicht ihn Börne ges. schr. 10, 92; das neue starke geschlecht der Hohenstaufen wird von der krone geziert und ziert die krone bis in zeiten, die in der entfernten zukunft sind Stifter s. w. 10 (1930) 231; ein ... fürst, der den ... thron ziert Ranke s. w. 30, 10; das haus musz nicht den herrn, sondern der herr musz das haus zieren K. Rother schles. sprichw. 395ᵇ;
getrost, ihr götter! zieret ihr doch das lied,
wenn schon aus euren nahmen die seele schwand
Hölderlin s. w. 3, 5 v. Hellingrath;
mehr als der freund
den braven ziert ein tapfrer feind
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2, 153;
gantz untertheniglich gebetten, sie wolten sich nit beschweren, in S. Jacobs closter und kirchen ... zu kommen und derselbigen einweihung zieren helfen (d. h. durch die anwesenheit) S. Feyerabendt ungar. chron. (1581) 116ᵇ;
gefällt es meinem könige, die tafel
mit seiner hohen gegenwart zu zieren?
Schiller 13, 85 G. (Macbeth III 8);
zwölf pagen sind schon angekommen, ...
die sollen ihren aufzug zieren
Tieck schr. 1, 368;
vgl.den kirchgang zieren der trauung beiwohnen t. 5, 817; die menge der gäste ziert die hochzeit Steinbach 2, 1095;
sie hat ein roten munde und zwey euglein klar,
auch ein schneweyszen leybe, darzu goldfarbes har,
das zirt sie alle sam
Forster frische teutsche liedlein 160 ndr.;
die reinste schwärze ziert ihre augenbraue Heinse s. w. 3, 557 Schüdd.
2)
abstraktes subjekt: daz in (den menschen) imago dei ziêrta, daz ne bechanda er Notker psalm 48, 13; apostoli, diê uns christum chunton, den sîn divinitas fore allen ziêrta ebda psalm 49, 2;
ruwe die sele zieret
Daniel 3493 Hübner;
ain frumb rain gemuͤt ziert ain tochter basz dann kostliche kleidung G. Mayr sprüchw. (1567) A 7ᵇ;
danckbarkeit ist eine schöne tugend,
zieret das alter und die jugend
Rollenhagen froschmeuseler (1595) C 8ᵇ;
scham ziert schoͤne Petri d. Teutsch. weiszheit 2, Ss 2ᵇ;
doch schöner, wenn den leib ein edle seele ziehrt,
die einig sich nur läszt die tugend unterweisen
Gryphius ged. 110 lit. ver.;
bescheidenheit ziert kunst und fleisz
und demuth hebt sie zu den sternen
Gottsched ged. (1751) 269;
ist dieser kuss sünde,
so schwör ich,
den himmel zieret diese schöne sünde
maler Müller w. 1, 216;
und jeder künftge tag erhöhe und vermehre
den glanz, der euch (die lehrer) schon ziert
Hölderlin s. w. 1, 3 v. Hellingrath;
gastereyen zieret nichts mehr dann ein ehrlichs holdseligs gesprech Friedrich Wilhelm sprichw.-regist. t 2ᵃ; wenig red ziert ein weib S. Franck sprichw. (1541) 2, 183ᵇ;
gesundheit müsse sie bis an ihr ende zieren
Göthe 37, 1 W.;
sein name ziere ewig den altar der freundschaft Herder 12, 203 S.;
das ists ja, was den menschen zieret,
und dazu ward ihm der verstand,
dasz er im innern herzen spüret,
was er erschafft mit seiner hand
Schiller 11, 305 G.;
viel sprachen reden künnen, ziert einen hofeman
Logau s. sinnged. 171 lit. ver.
3)
absolut, anders als I A 4, recht häufig verwendet: und zieren auch ... die leus im peltz gleich wie einen hundt die flöhe Lindener katzipori 61 lit. ver.; wiewol es nun nicht allzeit ziert und sich geziemet, dasz der vers zart und weich sey Buchner anleit. z. deutsch. poeterei 26; ein schöner leib vol untrew zieret ubel Petri d. Teutsch. weiszheit 2, Y 4ᵃ; wann er (der künstler) die schlangen in die haare versteckt, so können sie zieren Herder 3, 58 S.; eine frische röthe (färbte) die blässlichen wangen auf einmal wieder zierend Göthe 25, 208 W.;
du muszt stärkere (federn) einsetzen,
sonst zierts nicht, schwinget nicht
ders. 2, 205 W.;
manchen lockt der goldne stern,
perlen, die nur zieren
Schiller 4, 7 G.;
wenn solch ein anzug zieren und nicht entstellen solle E. Th. A. Hoffmann s. w. 4, 22 Grisebach;
der zarten, tapfern frauen zier,
die selbst nicht weisz, wie sehr sie ziert
E. M. Arndt w. 5, 204 R.-M.
III.
der gröszere bedeutungskreis.
A.
berührung mit der as.-ags.-anord. gruppe und dem afränk.
1)
der dem as.-ags.-anord. tīr tírr, m., eigene sinn ehre, ruhm ist auch im obd. vertreten gewesen. das bezeugen weniger ausdrücke wie mit sange, mit lobe zieren hoch rühmen: tînen brûtestûol lustet mih ze zîerenne mit sange Notker 2, 151 Sehrt-Starck; wie auch Cicero und andere ... des Terentii fabeln ... mit hohem lob zieren Xylander Polybius (1574) vorr. 3ᵃ; auch ziere man ihn nicht mit ungehörigem lobe Herder 19, 221 S.; auch nicht die folgenden umschreibungen des begriffes ehren: mittler zeit hast du mich mit vil wolthatten geziert S. Franck Germ. chron. (1538) 20ᵃ;
den könig (Agamemnon) sie (die Griechen) mit gaben ziern
Spreng Ilias (1610) 1, 9ᵃ;
wohl aber tritt er deutlich in folgenden belegen zu tage: der Windberger psalter gibt 5, 15 zu geeret die variante gezieret;
ich wil iemer zieren (rühmen, preisen)
dîn süezez schantieren
über allen menschlîchen sanc
in brüd. Grimm altdeutsche wälder 2, 74;
des wurden sît gezieret   sînes vater lant
Nibelungenlied 24, 3 A;
min hercz ist mit freiden vormist
ju viel lenger in disser frist
mit zieren und prisen
und meinen bolen fruntschaft bewisen
Alsfelder passionsspiel 1910 Gr.;
ich wil in erheben (2. Mos. 15, 2) das ist: ich wil in zieren ... erheben heist hie zieren, schmücken Luther 16, 195 W.;
aber in diesem spiel hie wirdt
die edel tugend hoch geziert,
faulheit und wollust gar veracht
H. Sachs 3, 3 Keller;
welcher (Colomannus) zu Melk in einem Benedikterkloster gröszlich gezieret und vereeret wird J. v. Watt deutsche histor. schr. 3, 85; nichts verunehren, sondern alle gute treue erzeigen, auf dasz sie die lehre gottes unseres heylandes zieren (hochhalten, ihr ehre erweisen) in allen stücken pflichtsvorhaltung (1714) 11; in glossaren: colere cziren al. anbeten Diefenbach gloss. 131ᵇ; excolere in eeren haben, ... zuͦ eeren ziehen, in eeren legen, schoͤnen, zieren Frisius dict. (1556) 497; recolere ... wider zieren und zuͦ eeren bringen 1122ᵇ; decorare eer embieten, lob geben, zieren, preysen 370ᵃ; mercatus concelebrare ... auf die marckt oder maͤssen ziehen item die marckt zieren und verruͤmpt machen 276ᵇ; honestare eeren, eer anthuͦn, eerlich halten, eer embieten, eerlich zieren 631ᵇ; zieren, ehre entbieten, ehren decorare Decimator (1608) 354ᵇ. reflexiv:
wan Iob hatte nicht begeret,
uf cryg sich ken gote zyren (rühmen)
Hiob 6425 Karsten;
da ich mich nicht zähmen konnte, mich mit ihnen zu zieren Thom. Abbt verm. w. 6, 29.
2)
aus dem afränk. leitet sich bei zier (s. zu ¹zier, f.) der begriff der ordnung her, der ob. I A 6 an der bildung des fachlichen sinnes frisieren mitgeholfen hat, und weiter der begriff der ausrüstung, der ausstattung, den wir im folgenden antreffen:
sîne reise er zierte
Wolfram von Eschenbach Parzival 669, 2;
zum ersten tzirt man die stuben gern
beyd tzu der nottorft und tzu eren,
darin man nicht geraten kan,
stul, benck und sidel mus man han
bei Hampe gedichte vom hausrat A 1ᵇ;
er ziert sein haus mit köstlichen mobilien he does finely furnish, garnish, set out or imbellish his house Ludwig teutsch-engl. (1716) 2593; zu-, herrichten: apparare zieren Diefenbach gloss. 42ᵃ; parare bereiten, zieren 412ᵇ; acconciare le cose vecchie alte ding wider auf den kauf auszstreichen, auf den kauf zieren Hulsius (1618) 2, 6ᵃ; eine lose wahre zieren, zum schein zieren vistoseggiare, abbellire una robba falsa Kramer teutsch-ital. 2, 1464ᵃ.
B.
bereicherung durch den nd.-md. bedeutungskreis.
1)
die bedeutung des afränk. *tērī ordnung, art und weise dauert im ndl. fort, gewinnt aber vom stamme *tīr- her eine richtung zum sinnlich kräftigen, was sich in zahlreiche sonderbedeutungen aufspaltet; vgl.: mndl. tiere, f., tier, m., art, sorte, beschaffenheit; nndl. tier, f. m., art, sorte; betragen, verhalten; (jung vom verb. tieren) gedeihen, blüte, wachstum, wohlbefinden; behaglichkeit, lust, vergnügen; unordnung, betrieb, aufruhr; kräftiges, lautes geschrei, gejaule; fachsprachlich: tier kleiner zwischenraum zwischen den strängen eines tauwerks und zwischen den in ein schiff geladenen fässern wdb. d. nederl. taal 17, 8; mndl. tieren geartet sein, arten nach; ablaufen; in einem bestimmten zustand sein; sich ungebärdig anstellen, schreien, refl. ablaufen; sich verhalten, betragen, zu werk gehn; sich anstellen; nndl. tieren anschlagen, sich wohl befinden; gedeihen, geraten, glücken; üppig aufschieszen, wachsen; betrieb, unruhe, lärm machen; tieren gliscere, increscere, accrescere, augescere, crebrescere, proficere, incrementum capere, provenire, crescere; tumultuari, turbare, perturbare, confundere; intentiore voce clamare, vociferari, clamorem, strepitum sive gestum edere; ghelucken succedere; (se) gerere, hoc aut illo modo se habere, gestire Kilian 670ᵇ Hass.; tieren arten, nachschlagen; gedeihen, zunehmen, wuchern G. Gezelle loquela 488ᵇ; zich tieren sich anstellen 489ᵇ; tieren lärm machen; gedeihen; refl. sich benehmen, sich gebärden, sich anstellen ter Laan n. Groning. wdb. 1030ᵇ; tier wuchskraft, gedeihen ebda; tiere tierje welig groeien, zich goed ontwikkelen; wel tevreden zijn; zich tiergje zich aanstellen, gedragen; tier weelderige groei; tier welig groeiend Dijkstra friesch wb. 3, 281. ein ähnliches bild bietet das nd., vgl.: mnd. têre tîre, f., art und weise; getîr, vertîr verkehr, leben, geschäftigkeit ten Doornkaat 3, 414ᵇ; tier, getier lärm, viel aufhebens; ein klägliches geschrei, lautes wehklagen brem. wb. 5, 73; he is recht up ien teer ist guten mutes Böning plattd. wb. f. d. Oldenb. land 115ᵃ;
un krut un unkrut hebbt der dęg un tier
Kl. Groth quickborn⁶ 256; 190;
un min Anke hett goden tier
Alb. Mähl utsaͦt (1931) 39;
he hett keen tier er hat kein gedeihen Schütze holst. id. 4, 259; man mutt em sien tier (eigenart) laten Mensing 5, 60; dat kalf, de boom hett gode tier gute art, gedeih ebda; he is ut rand un band vör luder tier weisz sich vor üppigkeit nicht zu lassen ebda; he hett sien tier mit em müht sich mit ihm ab; auch ungebärdiges benehmen ebda; dat koorn hett gouen teier gedeiht gut W. Niekerken d. feld u. s. bestellung 306; s. auch das adj. terig tirig unt. zierig; mnd. sik têren sich benehmen, gebärden; sick tiren sich anstellen, gebärden ten Doornkaat 3, 414ᵇ; sick teren, tiren sich gebärden, anstellen, zieren Böning plattd. wb. f. d. Oldenb. land 115ᵃ; sik teren sich gehaben brem. wb. 5, 54; sik tiren oder teren rasen, wüten, sich ungebärdig stellen, sich gehaben, kläglich tun 73; sik tyren sich gehaben, sich anstellen Richey² 308; sick tîre Jensen wb. d. nordfries. mda. d. Wiedingharde 627; et kumt all drup an, as du di tierst deine aufführung wird entscheiden Schütze 4, 259; se tiert sik drum (Hamburg) sie streiten sich darum ebda; de jung will sik gorni tieren will kein benehmen annehmen, nicht artig sein, namentlich aber sich übermütig, ungebärdig, albern, zimperlich, affig, groszspurig benehmen (beleg von 1755), he tiert sik dull dorum macht viel wesens darum, macht sich viele gedanken darüber, sehr häufig der verweis: tier di man ni so stell dich nicht so an, hab dich nicht so Mensing 5, 60; dat koorn teiert sik gout gedeiht gut W. Niekerken d. feld u. s. bestellung 306;
(das weibsvolk,) dat sik bi de wasch ni will tiren (sich schicken)
Alb. Mähl utsaͦt (1931) 46;
ik tere mi ni as de apen
mda. von börninghausen im osnabrückschen bei Firmenich 1, 254ᵃ;
und man sick so wuͤnderlick dermede geteret
A. Rulmann klinggedichte 9, 209;
Tevs, dau die nich so hartlich theiren
(Rostock 1742) G. Kohfeldt plattd. meckl. hochzeitsged. (1908) 28, 2ᵃ;
desgl. vom *tēr-stamm in der ostmeckl. lautform: sick tieren sich unbändig anstellen, sich sträuben, sperren, dat lett sick tieren läszt sich einrichten, he möt sick ok tieren musz sich gedulden meckl.; unverschoben ins schles. übernommen: sich tieren sich bewegen, sich rühren, sich um etwas bemühen Weinhold schles. 2, 98ᵃ; erscheint im nd. auch als intrans. verbum: tîren arten, wurzel schlagen, fortkommen: de gewassen tîren dâr nêt sünderlik, hê tîrd recht fördêlig ten Doornkaat 3, 416ᵃ;
he was wol ghecledet bevoren,
do he wart by den lauwen koren,
myt sulver na guder weͤrde,
dat he lick dem lauwen teͤrde
(Braunschweig) chron. d. städte 16, 252;
wî Heier das knapp hatt gehîrt,
hatt druff sei härze jleich jetîrt,
wî he wulle krein dän bissen
Giebelhausen mansfeld. sag. u. erz. 78 bei Jecht wb. d. mansf. mda. 112ᵇ;
zur gesamtgruppe gehörig nd.-ndl. tierig unt. zierig 3. zweifelhaft, ob zugehörig: de finger tiret mi schmerzt mich Dähnert 487ᵃ.
2)
sich zieren.
a)
sich verhalten, sich aufführen, sich benehmen: und war so gros jubiliren, das sie nicht wusten, wie sie sich fur freuden zieren solten Luther 34, 2, 467 W.; des ich mich verwundert habe, das sich der abt mit den seinen unter e. f. g. also zieren thar (1539) briefw. 8, 530 W.; ja weil wir christen heiszen woͤllen und uns so verechtlich und lesterlich gegen unsern heiland zieren w. 30, 2, 625 W.; denn da sind die weiber an sonderlichem ort und so verhuͤllet, das man keine kan ansehen, das auch unsere gefangen bruͤder ynn der Tuͤrckey klagen uber unser volck, das nicht auch gern ynn unser kirchen so still, ordentlich und geistlich sich zieret und stellet 187 W.;
ich sprach, wie hast dich so geziert,
ein ergerlichen wandel gfuͤhrt
B. Waldis Esopus 2, 51 Kurz;
schau an den sauertopf, der sich so fromm kann zieren
Opitz zit. aus Adelung wb.² 4, 1713;
gestus ..., quomodo quis se gerit wie man sich ziert oder trägt Corvinus fons latinit. (1646) 386;
er (der delphin) freuet sich der stolzen bürde.
sein reuter ziert sich auch so schön,
dasz, wer ihn nicht zu scharf besehn,
ihn für Arion halten würde
Hagedorn poet. w. (1769) 2, 71.
sich bemühen, sich anstrengen, sich anstellen:
der nach sal he sich czirin
zcu deme disputirin
md. schachbuch in zs. f. d. alt. 17, 309;
also sal he sich czirin,
deste baz studirin
ebda 17, 310.
in diesen mittel- und norddeutschen belegen bekundet sich offensichtlich der nd. sprachgebrauch des abschnitts B 1. beachtenswert ist seit Luther der zusatz eines modalen hinweises so oder wie, wodurch ein objektives zeugnis für die absonderlichkeit des verhaltens angezogen wird.
b)
sich gekünstelt, unnatürlich, gezwungen in gebärden und worten geben. am partic. geziert ist t. 4, 1, 4, 7141 der früheste beleg für diese bedeutung aus dem jahre 1725 bei Gottsched vernünft. tadler. 1, 238 mitgeteilt. die meinung indessen, dasz sie damit ihren anfang nehme, widerlegen die sprachzeugnisse des vorhergehenden abschnitts a. den zusammenhang beweist derselbe stilistische hinweis so und wie, später ersetzen ihn andere, welche die stärke und die dauer des gezwungenen benehmens mit ein biszchen, ein wenig, gewaltig und lange (s. abschnitt c) andeuten, und erst nach und nach unterbleiben sie; vor allem läszt sich der stilistische ursprung im ostmd., vornehmlich dem Leipziger raum und dadurch die nd. grundlage erkennen. die beziehung auf die gekünstelte schreibart und der befördernde wettstreit mit den franz. modewörtern affecté und précieux im literarischen gebiet sind nicht ausgang des gebrauches, wie t. 4, 1, 4, 7140 behauptet wird, sondern haben den vorliegenden sprachstoff lediglich benutzt. im gegensatz zu geziert bezeichnen die übrigen verbformen nur die umgangsformen, das gesellschaftliche auftreten, haltung, benehmen und gebärde. sprachzeugnisse: sich zieren sich seltsam gebärden, fingere se, composito vultu gestibusque aliquid agere Frisch (1741) 2, 477ᵃ; wie mer das ding muesz einfadeln thuen, ... und es nit so wie datschete und dalckete Becker-Peterl enk ziern thuet, wans einmal bey eim frauenzieffer anbeyszn sollt J. J. Schwabe volleingeschancktes tintenfäszl (1745) 55 (gebürtiger Magdeburger und Leipziger magister!);
o! dacht ich: wüste sie, wie stoltz verächtlich sei,
sie zierte sich nicht so
C. D. Gleichmann scherz- u. sittengesprech (1756) 9;
dasz ich das unglück habe, in meinen manieren so einfältig zu seyn, und mich nicht so wie die andern zieren kann samml. v. schauspielen (1764-69) 1, stärke d. naturells 16; nehmen sie, mein herr, sie haben sich doch wohl nicht blosz gezieret (1767) Lessing 2, 243 M. (Minna v. Barnhelm IV 6); sie zieren sich, mein fräulein 250 (V 5); wie sich das mägdchen ziert und gebärdet theat. d. Deutsch. (1768) 6, 130; ich ... ward nicht wenig betroffen, als mich eine gutmütig grämliche matrone empfing, die sich weder ziert noch zurecht sezt, ihr gespräch mit keiner redensart anhebt und gleich durch ihre runde höflichkeit einnimmt Sturz schr. (1779) 1, 63; sie ziert sich — oder verläugnet ihr gefühl Heinr. Beck d. herz behält s. recht (1788) 79; beide beobachteten den ton der geistlichen demuth, doch ohne sich zu zieren oder zu übertreiben Schiller 3, 548 G.; laszt sie doch weinen, leiden, sich zieren und gereizte nerven haben wie die anderen Göthe 45, 43 W.; er selbst, ohne sich zu zieren, trug das bestreben zur schau, in seinem ganzen wesen eine gewisse würde zu zeigen Holtei erz. schr. 4, 8; wenn einer sich über den jargon (in Wien) erheben will, — man lacht ihn aus und sagt, er ziere sich H. Laube ges. schr. 9, 58; doch gedachte ich sogleich, es ihr wohl und von herzen zu gönnen, wenn sie jetzt die gefaszte und sich zierende dame machen wolle G. Keller ges. w. 4, 56; von den mägden hielt er sich fern, er hatte zu ihnen kein zutrauen, sie mochten sich gegen ihn freundlich anstellen oder zieren Anzengruber ges. w. 3, 346; sich zieren und zimperlich tun, das hab ich nie gekonnt Fontane I 5, 132;
fremd im beschäftigten grünen wie eine parade,
zieren sie (die papageien) sich und fühlen sich selber zu schade
R. M. Rilke ges. w. (1927) 3, 193;
sich zieren 'unnatürliche oder gezwungene geberden aus einer übel verstandenen wohlanständigkeit machen' Adelung wb.² 4, 1713. bei angabe des gegenstandes, mit dem man sich aufspielt, sich anstellt oder angibt, tritt berührung mit dem sinn rühmen (III A 1) ein: sie zieren sich mit ihrem alter, graf, meinte die baronin Holtei erz. schr. 9, 78; wenn er ... nur die leiseste neigung verriet, sich irgend eigenschaften beizulegen, die er nicht besasz, oder ... sich mit etwas zu zieren, wozu er das zeug nicht hatte, so tadelte sie (die mutter) ihn mit schneidenden harten worten G. Keller ges. w. 4, 172; witzig mit einer bewegungsangabe verbunden: ich bat also um 'look on' und zierte mich mit Liesen am arm im park umher Fontane familienbriefe 1, 311; die Pittelkows, die sich wenigstens nicht mit 'noblesse oblige' durch die welt zieren ders. ges. w. I 5, 85. wohl in allen mundarten verbreitet, auch ins nd. grenzgebiet in hd. lautgestalt eingedrungen: sich zîren sich zieren, kokettieren Frederking Hahlen bei Minden 35; nur so tun Flemes wb. Kalenberg 369; stolz tun, schön erscheinen wollen Hennig bei Frischbier 2, 493ᵃ.
c)
sich gegen etwas, was man doch gerne möchte, sperren, sich spreizen, sich sträuben, zimperlich sein, spröde tun, namentlich in bezug auf liebeswerben, aber auch in bezug auf eine gewünschte darbietung. Adelung wb.² 4, 1713 definiert: 'sich wider seine neigung aus übel verstandener wohlanständigkeit weigern'; aber auch unsicherheit oder scheu kann mitsprechen, doch ist als grund oft die absicht sich bitten zu lassen fühlbar. erstaunlich früh, aber sprachgeschichtlich nicht vorzeitig oder vereinzelt, bietet sich der beleg bei Wolfram von Eschenbach dar, er ist ein neues zeugnis der aufnahme nördlichen sprachgutes durch ihn, wie der form hart, der adjektive kluoc und wert, der adverbien bevorn, vort, sân (s. Edm. Wieszner in Maurer-Stroh deutsche wortgesch. (1943) 1, 160 ff.):
daz si durch arbeitlîchen muot
ir zuht sus parrierent
und sich dâ gegen zierent!
Parzival 201, 26;
hast du je gehört, dasz sich der henker zierte, wenn er ein urtheil vollstrecken sollte? (1781) Schiller 2, 139 G. (räuber IV 2); mit folgendem inf. mit zu: wozu sollt ich mich zieren, eine sache zu verheelen, welche die welt bereits nur allzugut weisz J. J. Chr. Bode gesch. d. Thom. Jones (1786) 4, 279; das weisz der herr (gott), dasz ich (die pastorin) mich nie geziert habe, in ihren (der kirchengemeinde) krankenstuben herumzukriechen und an ihren wochenbetten zu sitzen W. Raabe Horacker (1876) 55; mit angabe der dauer und der stärke: Hoffmann hat sich nicht lange zieren dürfen und seine weisheit geschwind heraus orakeln müssen Heinse s. w. 10, 264 Sch.; sie zierte sich erst lange, weil sie glaubte, es sey wider die lebensart Miller Siegwart (1777) 2, 339;
führt mich ins feuer frisch hinein,
über den reiszenden, tiefen Rhein,
der dritte mann soll verlohren seyn;
werde mich nicht lang sperren und zieren
Schiller 12, 25 G. (Wallenst. lager 6);
weil sie ... sich ewig ziert und wichtig tut Fontane I 5, 215; die armen fräulein zierten sich gewaltig A. v. Arnim s. w. 7, 226; man ziert sich ein bischen, man sträubt sich vor der ehre, frau baronin zu heiszen Pfeffel pros. vers. 6, 96; das engelchen (mädchen) ziert sich und sperrt sich noch ein wenig, aber es wird sich geben Bauernfeld ges. schr. 2, 161; sie zierte sich noch ein bischen: ich weisz gar nicht, was ich singen soll H. v. Kahlenberg familie Barchwitz 52; dazu der sprechende personenname prinzessin Zierdichwas von J. F. Schenk theat. z. Abdera (1789) 2, 289 gebildet; häufig verweisend: nu, Christel, ziere dich nicht! singe! Chr. F. Weisze kom. op. (1770) 3, 184; Brentano ges. schr. 7, 161; komm, komm und zier dich nicht so Chr. v. Schmid ges. schr. 1, 19; thun sie, als wären sie zu hause, zieren sie sich nicht (beim essen) W. Raabe hungerpastor (1864) 93; ungewöhnlich die präpos. vor: ebensowenig hat man sich vor dem schlagreim geekelt und geziert Fr. L. Jahn w. 2, 18.
3)
zieren nach nd.-md. art bedeutet streben nach, auch sich gekünstelt verhalten, anstellen oder sich spreizen:
got gebe, daz wir ziern nâch sînem heize
Frauenlob 243, 19 Ettmüller;
drum horch ich, wenn inwendig
das herz mir spricht,
und bin sein knecht, verständig,
und ziere nicht
Overbeck in: Voss musenalm. für 1798 s. 93;
wohl auch: nein, Wanda, blosz nicht zieren. immer anständig, dafür bin ich; aber zieren kann ich nich leiden Fontane I 5, 36; doch wird beim partic. präs. und beim inf. das reflexivum sich unterdrückt, so dasz diese fälle bedeutungsmäszig zu abschnitt 2 gehören; selbst das nd. zeigt diesen fortfall im holst., das sonst nur sik tieren kennt: se is en tieren Mett ein verzogenes ding Mensing 5, 60; weil man sieht, dasz man ... sein zieren ... so leicht in der tochter charakter eindrücken kann Cramer nord. aufseher (1758) 1, 409; ungeachtet des langen komplimentirens und zierens J. M. Miller briefw. dreier ak. freunde (1778) 1, 37;
durch grillen nicht gedränget,
verknickt sich keine lust;
durch zieren nicht geenget,
schlägt freier unsre brust
Göthe 1, 118 W.;
ich musz mich selber ennuyiren;
vor mir will keine hoffnung schweben,
und da hilft auch kein sperren und zieren,
ich musz es nur so dulden eben
Tieck schr. 13, 270;
sie (die erde) liegt in des traumes zweifel,
wenn mein (gottes) bild nicht auf ihr lebt,
aus ihr schreiet nur der teufel,
wenn sie zierend (der erschaffung des menschen) widerstrebt
Brentano ges. schr. 3, 149;
für nachstehende stelle stehn die bedeutungen ausgelassen umherspringen oder laut schreien, die, wie öfter in der sprache der literatur des Deutschen Ordens auf westmd.-nd. wurzel zurückführen, zur wahl:
dy ochsen yren (pflügten)
und ouch der esele czyren (asinae pascebantur juxta eos Hiob 1, 14)
was by in an der weyde
Hiob 850 Karsten.
IV.
syntaktische und stilistische ergänzungen.
1)
präpositionen; für das geläufige mit vergleiche man die beispiele ob.:
mîn leben ich dar ûf zierte (trieb pracht),
daz mir genâde tæte ein wîp
Wolfram v. Eschenbach Parzival 458, 10;
und süst kan er gar hoch pronkirn
und sich auf alle hoffart ziern
fastnachtsspiele 2, 783 Keller;
gut, dapfer und ehrlich gesellen, ...
die sich auf euch (für euch frauen) putzen und zieren
H. Sachs 17, 4 lit. ver.;
ziert sie sich auf die buben
und bestrich sich allenthalben
mit wolsmeckender salben,
warf er (der teufel) drein teufelsdreck
J. Maier specul. peccat. mortal. (1605) F 2ᵇ;
wer den part abscher, der thue es in übermut und in hoffart, wann er zir sich gegen der welt und domit versmach er das geschepf gottes Schiltberger reisebuch 91 lit. ver.;
darinne (auf der hohen schule zu Paris) wollen wir lernen und
und uns an künsten zieren disputiren
Schernberg spiel von Frau Jutten 11 Schröder;
seh ich, wie sie so schön an farben sind gezieret
Opitz teutsche poemata 44 ndr.;
dar in cierte si den liph
könig Rother 1941 Frings-Kuhnt;
geht, bald sattelt den esel mir!
dergleichen solt auch alle ir
euch in die feyerklayder zieren
H. Sachs 15, 84 lit. ver.;
die jungfrau thaͤt sich zieren
in einen mantel weisz
d. volkslieder der Deutschen 1, 117 v. Erlach.
2)
mit abhängigem genitiv: mit disem schmuck werden meine toͤchter mehr geschendet und ungestalter, als das ers sie vil ziren und ehren solte Fischart ehzuchtbüchl. 148 Hauffen;
als wolten sie gott also betriegen,
all chur- und fürsten reformiren,
ires Flaccianischen glauben zieren
Nic. Frischlin deutsche dicht. 169 lit. ver.
3)
mit prädikativem adj.:
unzucht ist worden also grosz,
das sy (die frauen) sich zieren alle blosz
Murnfr narrenbeschwörung 92 ndr.
4)
adverbien (s. auch ob. verstreut):
doch woͤlche (schreiber) haltn recht ir staͤnt,
di ziern wol ain regiment
J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 136ᵇ;
wen gott will herrlich zieren v. Hippel lebensläufe 1, 317; sye sich ... nach dem köstlichsten zierten Wickram 1, 43 lit. ver.;
und dieses fest aufs reizendste zu zieren,
sah die natur nach einem nahmen um
Schiller 1, 46 G.
5)
infinitiv: und hat iedú venje in ire betrachtung ein begird eins zierens des geischlichen meyen mit den schoͤnsten dingen Seuse dt. schr. 33 Bihlm.; mit putzen und zieren geschäftig sein F. M. Pinto wunderliche reisen (1671) 373; dafern aber dieses schmieren und zieren nicht viel wircket, so musz der arme spiegel ... für ein lugner gehalten werden Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 51; s. namentlich auch die beispiele ob. III B 3.
6)
partic. präs.:
da sich die weiber vor trunckenheit
unehrlich halten, frech, schmückend
und zierend
Ambach vom zusaufen D 2ᵇ;
gewisse nützliche und den menschen zierende wahrheiten Mos. Mendelssohn ges. schr. 3, 402;
neben das veilchen flicht
die narde, die von liebe duftet,
füge sie zierend dem kranz ans ende
Herder 27, 77 S.;
die den lustsitz zu Wörlitz zierenden statuen und gemälde Justi Winckelmann 2, 324; that alles, die sich zierende jungfrau zu ermuthigen Kürnberger novellen 292; s. auch ob. III B 3.
7)
partic. prät. s. t. 4, 1, 4, 7125ff.
8)
gruppe: da durch dan die sele wird hubschlich geczieret, gesmocket und gecleydet und eyn tempel gotes Joh. Wolff beichtbüchlein 38 Battenberg;
ob ich mich gleich kleid, schmück und zier
H. Sachs 21, 94 lit. ver.; 1, 149;
alles, das die figuren ziert, butzt, macht und endert Paracelsus opera 2, 16ᶜ Hus.; dichterische und musikalische wettstreite zierten und kränzten jede volksversammlung Herder 17, 290 S.; G. Keller ges. w. 3, 160.
9)
zusammensetzungen: auf- (t. 1, 785), aus- (1040), be- (1801), verzieren.
Zitationshilfe
„zieren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zieren>, abgerufen am 23.10.2019.

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