Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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ziese1, f.

¹ziese, f.,
anfangs städtische, später allgemeine verbrauchssteuer auf die wichtigsten erzeugnisse, um 1600 durch das wort accise, akzise unter erweiterung dieser verbrauchsabgabe verdrängt; verkürzt aus assise, vgl. belege für dieses wort, auch in mlat. umformung: cum Leodienses electo promissam solvere pecuniam non valerent et electo connivente assisiam seu malatoltam super venalibus posuissent bei du Cange 4 (1845) 49ᶜ; et inhibuerunt vulgo, ne acclamarent assisiam deponi (Flandern 1299) ebda;
solde man eniche assyse setzen
bynnen der stat, sonder letzen
moist dat doch der quijt syn
(Köln um 1370) Liliencron hist. volkslied. 1, 293;
mndl. assijs, assisse, aszijs Verwijs-Verdam 1, 478 mit belegen von 1294 an. ein franz. wort, fem. subst. part. prät. des verbums afranz. assire, nfranz. asseoir setzen: assise est une assemblée de plusieurs sages hommes en la court del prince bei du Cange 1, 448ᶜ; eine rats- oder gerichtssitzung; danach auch der beschlusz einer solchen assise: de garder et maintenir les assises 449ᵃ; eodem anno rex fecit generaliter acclamari, ut legalis assisa panis inviolabiliter sub poena colli strigiali observaretur (1201) 449ᵇ; schlieszlich die auferlegte verbrauchsabgabe selbst (s. ob. und unt. brem. wb. 5, 315). ein nach Italien, Spanien und in die südlichen Niederlande rasch verpflanztes und in die mlat. verwaltungssprache übernommenes wort; in diesen ländern und in Südfrankreich früh um die vorsilbe verkürzt, vgl.: idem concedit dominus comes, quod sisa heminarum pro manutenendo ponte a civibus constituta cesset omnino (Arelat., Provence 1251) bei du Cange 6, 266ᵇ; ein span. beleg von 1291 für cisa impositio tributi 2, 365ᶜ, ein massiliensischer von 1221 für cissa exactio tributi 366ᶜ; in Lüttich heiszt die zweimal jährlich von den seneschallen oder bailliven einberufene und unter offenem himmel sitzende ratsversammlung le cise dieu 1, 448ᶜ. für die südlichen Niederlande melden Verwijs-Verdam 7, 1113 das verkürzte sijs, m., als städtische verkaufssteuer zum jahre 1355, doch hält sich hier die vollform stets daneben, vgl.: de bouc der ordinanchen van den assisen der poort van Denremonde (1417) bei Stallaert gloss. 103ᵃ; assyse oblatio, indictio, canon, census, tributum vulgo excensus, assisium Kilian 26ᵃ H.; auch am deutschen Niederrhein bleibt sie im gebrauch (s. ob.), allein im norddeutschen binnenlande setzt sich zise durch, indessen bildet sich die vollform assise unter einwirkung des lat. census, ndl. cijns zu mlat. axisia, accisa, taxisa (s. unt. 1 bei Techen bürgersprachen d. st. Wismar 323), excensus, ndl. ascise, excise, assijns, excijns, aksijns, ndrhein. accins, accinse, franz. accise (16. jh.) und engl. excise aus, und accise herrscht von nun an auch in Deutschland vor und schlieszlich allein; belege für diese wortformen im dt. rechtswb. 1, 474. ziese ist vom 14. jahrh. belegt; Thüringen und Ostpreuszen gelangen zu vereinzelter zwielautung; in der meckl. kanzleisprache beobachtet man anlehnung an zins: (die) sack- und malz-zinse Spalding meckl. öff. landesverh. 1 (1792) 53.
1)
wie das hd. ungeld tritt die ziese als eine sonderabgabe auf verbrauchsgüter, namentlich auf wein und bier, auf, welche den stadtverwaltungen vom landesherrn oder dessen vertreter für einen kurzen zeitraum auferlegt wird, um aus deren ertrag die schuld der befestigungsanlagen zu tilgen oder neue kosten zu bestreiten, auch bedang sich der landesherr einen anteil daran aus. die abgabe, so wenig beliebt sie stets bei den verkäufern wie bei den verbrauchern geblieben ist, wuchs sich doch zu einer festen, immer stärker ausgebauten einrichtung aus und regte im 17. jahrh. ihre ausdehnung auf verbrauchs- und handelswaren in umfassender weise an; diese erste allgemeine indirekte steuer erhielt den namen akzise; vgl.: zins, der, alia dial. ziese, die: ab hoc ziese venit nova ista et barbara vox akziese, quod a Latinorum accidere beschneiden derivant et scribunt acciese Stieler (1691) 2651. in der mark Brandenburg hatte seit 1488 eine bierziese bestanden, 1631 machte man einen ersten, miszlingenden versuch der erhebung einer allgemeinen akzise, in Sachsen wurde die seit 1438 erhobene städtische verbrauchsabgabe 1641 in eine land- und warenakzise umgewandelt, 1705 wurde die allgemeine grenzakzise geschaffen, s. hdwb. d. staatswiss. 1⁴, 206ᵃ; vgl.: 1555 haben die accisa und andre extra ordinaria onera, die in Mecklenburg zuvor unbekandt gewesen, ihren anfang genommen B. Hedericus Schwerinsche chronica (1658) H 4ᵃ. den nachfolgend ausgehobenen frühbeleg der Magdeburger schöppenchronik für das berichtsjahr 1309 darf man zwar als ein zeugnis für die sache (vgl. urkb. d. stadt Magdeburg 1, 133), aber noch nicht für das wort ziese ansprechen, sondern man musz ihn in die zeit der niederschrift der chronik um 1360 weisen: do he (der bischof) lach vor Gatersleve, do geven om de borgere an zise und an redem gelde mer den vifhundert mark chron. d. dt. st. 7, 191; dasselbe gilt für die Stendaler bierziese von 1314, die Frisch 2, 477ᵃ erwähnt; urkundliche belege für Magdeburg liegen aus dem 15. jahrh. vor: novum et insolitum theolonium, quod vulgare vocabulo dicunt czise (1432) urkb. d. stadt Magdeburg 2, 205; (1432) 340; 443; sachlich wertvoll: das unser vorfaren ertzbischove zcyse und ungelt von allem gutte und weyne und byre gehabt und sunderlich von ingebruwen byre, aber nu wir keynne zcyse nach ungelt nehmen, so nympt der rat von allem gute zcyse und ungelt (1487) 3, 384. weitere zeugnisse: de stad wart swack, de rad unde borgere worden arm, so dat se mosten upsetten sware sisse, molenpenninge unde dat schot, dat se van der mark mosten geven twige achte penninge unde achte nige schilling to voreschote (Braunschw. 1374) chron. d. dt. st. 16, 317; of die stad an dem tolle vurss gehindert wurde, dat sie alsdanne die tolleindreicht vurss der steiden gebruichen laissen soulden und die sisen daevan nemen (Köln 1415) chron. d. dt. st. 12, 361; item von sollichen swynen zu Coblenz zu czisze und zu besehen von iglichem 5 hl (15. jahrh.) zollregister Lahnstein Germ. 25, 352; dat men gheve van der tunne beres ... 2 β tor tzise (1427) Techen bürgersprachen d. st. Wismar 317; unusquisque debet dominis tziseheren in scriptis notificare, ubi cervisia sua sit deventa, et taxisam nullo modo subducere (1430) 323; in den tiiden do man scref na Cristi bort veerteinhundert darna amme sesundevertigesten jare stod up Brunswiik eyn twidracht twisschen dem rade unde deme ghemeynen volke van eyner neyghen tzise, de dorch der stad beste de rad upghesad hadde (Braunschweig 1446) chron. d. dt. st. 16, 515; Diefenbach gl. 55ᶜ; axisia sijse van veylygen v. d. Schueren teuth. 354ᵇ V.; dat men sette ene zise tho allerleye ware, de men vorterede binnen Lubek (Lübeck) chron. d. dt. st. 26, 383; die zweite fortsetzung der Detmarchronik rückt das wort weit zurück: ok hadde he (der papst) ghesettet en grot zise unde beschattinghe (in Rom 1160) 165; die andern artickel, von ... diensten, zinsen, auffsetzen, zeyssen, todfall etc. befelh ich den rechtverstendigen Luther 18, 327 W.; sie kunden nicht mehr denn schinden und schaben, eyn zoll auff den andern, eyn zinsse (var. zeysse) uber die andern setzen 11, 265 W.; und viel ander fast die gantze gemeine doselbst haben sich fast unlustigk wieder m. g. h., der ziese halben, auch wieder mich lassen hören (Magdeburg 1524) chron. d. dt. st. 27, 165; zeise (1524) 175; den 28 julii satzte man hir eine zyse auf zugeben von alle dem das verkauft wurde, 4 D vom gulden und von allem einkomen von gulden ein groschen (1548) 27; im jar 1555 den 1 augusti ist die bier- und mehlziese zum ersten male aufgesatzt, nemlich von einem idern scheffel, der zu brawen oder zu backen gemalen wirt, zu geben 6 kleine pfennige, und ist damaln gewilligt uff 3 jar ebda 27, 80; 81; up alle dink zise setten (Rostock 1563) beitr. z. gesch. d. st. Rostock 17, 13; landtwyne ... tho tappende schall einem jedern burger frey syn, doch schall he erstlich den herrn kemerern van jederer amen geven eine marck tho zyse (1572) Techen bürgersprachen d. st. Wismar 344; neben der alten zeise oder gebür ... drey thaler newe ziese geben Mylius corp. const. March. 4, 4, 33; dis zuerlegen, wurd die erste zeiss auff Preussen gelegt C. Hennenberger preuss. landtaffel (1595) 66; darumb mit seinen gebietigern und raͤhten keine bequemer weise finden oder erkennen kuͤnnen, mit der geringsten beschwerung, ... dann mit der ziese auff das bier und trincken zu setzen M. C. Schütz hist. rer. pruss. (1599) 120ᵃ; ziese, f., accis Schottel haubtspr. 1448; unterdessen aber muste die buͤrgerschafft ziesen, fenstergeld, schatzung, zoͤlle und allerlei zulage geben Curicke d. stadt Danzig histor. beschreib. (1688) 252ᵇ; das ungeld oder accis, welches zu alten zeiten zeise hiesze bei Frisch 2, 477ᵃ; zyse, man spricht aber mehr syse (1756) Strodtmann 388; accise oberkeitliche auflage auf waaren, die an einem orte verbrauchet, oder auch verführet werden. ... im engl. heiszt es excise, vordem assise. in den mittlern zeiten hiesz das lat. barb. assisa beides, eine sitzung der stände oder richter, und auch, der gefasste schlusz, besonders die auflagen betreffend. daher heiszt noch bey den Engländern assess eine schatzung auflegen, assize ein landtag, gerichtstag, die verordnung, die taxe ... den wien lopen laten up zise, oder cise, ist nach stat. 66 den wein auszapfen oder maaszweise verkaufen, nachdem man die accise davon gegeben brem. wb. 5, 315; zise die accise Dähnert 562ᵃ; ziese vectigal, tributum esculentorum, accise Scherz 2, 2108; zis teloneum, corruptum ex accise 2114; nachdem vorher ein spätes mlat. accisia dem worte assise zugrunde gelegt und dieses vom lat. accidere beschneiden, d. h. einen teil der ware als abgabe einbehalten, während diese doch von anfang an in geld entrichtet wurde, hergeleitet worden war, folgt Adelung² 1, 143 als erster der richtigen deutung, die du Cange unt. accisia 1, 46ᵃ gibt; zise in gemeiner aussprache für accise Schütze 4, 383; zise Kosegarten wb. 35; zîs Danneil 252ᵇ; zise und zeise Hennig 310; zeise, zise, f., Frischbier 2, 490ᵃ; zeise, auch ziese Weigand-Hirt 2, 1311; die ganze erhöhung (der kriegsgefälle) beruht auf der Berliner ziese, welche um 15 000 thaler ... gestiegen ist Ranke s. w. (1867) 27, 173.
2)
übertragen die kammer, in welcher die ziese erhoben wird, das steueramt:
nein, lieber herre, das ist alles wol bewart,
von der porten bisz uf den markt,
wir hant die slüssel von der porten,
wir hant der zisen und tartzen (rathsstube)
... uf der herren hus,
do süllent ir riten in und usz
(Aachen 1429) Liliencron hist. volkslieder 1, 301ᵇ;
die accisekammer: 't is hier, as wenn 't up der zise is es ist hier ein gedränge von menschen, man hat hier viel überlaufens von leuten brem. wb. 5, 315; zeise, f., (früher) akzise (jetzt nur noch) gebäude, in dem die akzise erhoben wurde, auch ziese Weigand-Hirt 2, 1311.
3)
steuerschein, akzisezettel, der schein, dasz die accise entrichtet sei: de zise halen laten, indem man den steuerbetrag hinschickt brem. wb. 5, 315.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1228, Z. 59.

ziese2, f.

²ziese, f.,pl.
die in die wand eingefügten amboszblöcke, auf welchen man ehedem die zaine für münzen dünn hämmerte Bucher kunstgewerbe (1884) 448ᵃ; in die muͤntzschmitten gehoͤren eine ziese mit dem ambos ..., ein zaͤhnhacken bey der zuͤsen Besold thes. pract. (1697) 2, 766ᵇ; eine ziese mit dem ambos, ist ein werkzeug in den münzschmidten bei Frisch (1741) 2, 477ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1231, Z. 36.

ziese3, f.

³ziese, meist pl.f.,
dünne bratwurst, früher ziziesen Elberfeld. wb. 178ᵃ; zizies, f., ziziesche, n., Hönig Köln. wb. 209; tsīzən Leihener Cronenberg. wb. 125ᵇ; das franz. saucisse.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1231, Z. 43.

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Zitationshilfe
„ziese“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ziese>, abgerufen am 02.12.2020.

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