Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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ziesel1, m., n.

¹ziesel, m., n.,
zieselmaus, citellus citellus L., spermophilus citillus Brehm tierleb. 2, 432 P.-L., mus noricus Bas. Faber thes. (1587) 1002ᵃ; früher unrichtig den schlafmäusen, gliriden, gleichgesetzt und deswegen irrig bilch- und haselmaus zubenannt; ursprünglich in sibirischen und russischen steppengebieten zuhause, in letzter zeit aber nach Schlesien, Österreich, Sachsen und Thüringen vorgedrungen; er trägt seinen namen nach tschech. sysel (gegenüber russ. susol [veraltet], suslik, poln. suseł ziesel, bulg. sъsel, sъsar ratte Miklosich etym. wb. d. slav. spr. 335). das tschech. wort ist, leicht geändert, schon ins ahd. übernommen: sisemûs gloss. 2, 372, 16; 376, 18; cisi-, zisi-, zisci-, zysimûs 3, 35, 55; 239, 51; diese form hält sich über das mhd. hinaus lange in Westdeutschland, doch kommt schon mhd. zisel vor: mhd. wb. 2, 1, 278ᵃ; 3, 910ᵃ; Lexer 3, 1135; 1143. aus dem ahd. entlehnen das afranz. und mlat. ihr cisimus, ins aengl. geht sisemūs über Palander ahd. tiernam. 68. überholt J. Grimm gesch. d. dt. spr. 235. zwielaut begegnet in Österreich und nachbarländern: erdzeislein Popowitsch versuch e. verein. d. mdaa. (1780) 109; rote erdzeisel Marie v. Ebner-Eschenbach s. w. (1920) 2, 356; meerzaischen Schröer wb. d. dt. mdaa. d. ungr. berglandes 2, 215ᵇ; zeysslin Pinicianus (1516) B 3ᶜ; zeysel P 4ᵃ; zeismaus Rollenhagen froschmeus. (1595) Oo 2ᵇ; zeusslin Hohberg georg. cur. 2, 620; zeisele Müller-Fraureuth 2, 697ᵇ; zeisel, f., Adelung wb.² 4, 1674; zieselmaus 1714; zeisel, f., auch ein sonst unbezeugtes zeist, m., Campe wb. 5, 831ᵃ neben zieselmaus 866ᵇ; zeiselmaus Prechtl technol. encycl. 11, 38. über die gestalt des tieres und seine verschiedene benennung unterrichtet gut Bas. Faber: mus noricus vel citellus, corpore longo est et tenui, ut mustelae domesticae, cauda brevi, auribus carens, sed earum loco habens foramina ut aves, ein piele dicunt Germani, Austriaci autem ein ziesel, nonnulli apud Helvetios eine bilchmaus nominant thes. (1587) 1002ᵃ; s. auch unt. ziesmaus;
zisel unt polmiuse
die sint miuse genôz
Boppe in minnesinger 2, 384 v. d. Hagen;
von der bilchmaus, zysel, zyselmaus, zyermaus, groszen haselmaus Forer Gesners tierb. (1583) 110ᵇ; zysil al. zyszmaus mus noricus, citellus eine grosze haselmaus Stieler 40ᵇ nachschusz; (reste) hochnordischer thiere wie des ziesel (spermophilus erythrogenus) und des steinbocks Peschel völkerkunde (1874) 39; spezielle steppentiere, wie heuschrecken und nager (ziesel, springmäuse, hamster, murmeltiere, pfeifhasen) Hoops waldbäume (1905) 106; dim.: s. ob.; unter den nagetieren besitzen wir mit Amerika zugleich den biber, den veränderlichen hasen, das zieselchen und einige razzenarten J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 165.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1231, Z. 75.

ziesel2, m.

²ziesel, m.,
penis, männliches glied; nur in zwei alten und einem unsicheren jungen beleg bezeugt: dem an seinem zisel wee ist, pint es über den zisel, da er geswollen sei cgm. 720, f. 62ᵃ bei Schmeller-Fr. 2, 1157; zisel oder fisel oder zers dactilus Conr. Zeninger voc. (1482), fisel oder zisel oder geperglid genitale ebda, zerss, zumpff, zysel, fisel priapus ebda, zit. von Diefenbach gl. 165ᵃ; 260ᵃ; 459ᵃ, dem mhd. wb. u. a. bis auf Frisch 2, 480ᵃ, ferner von Hyrtl kunstworte d. anatomie 171 und Höfler krankheitsnamenb. 846; aus derselben quelle dürften auch Stieler 488 fisel al. et. zisel, m., Kramer teutsch-ital. 1 (1700) 375ᵇ fisel, zisel, m., membro virile und Ludwig teutsch-engl. 2599 der zisel a man's yard geschöpft haben. H. Fischers angabe aber ziselle kleiner penis 6, 1, 1242 ist nicht örtlich bestimmt und daher nicht vollwertig. ansprechend vermutet Wackernagel nach Lexer 3, 1135 mischung aus zers und fisel. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1232, Z. 50.

ziesel3, m.

³ziesel, m.,
ungedeutet: wann ein ross am zisel oder boltz (gelenk, s. H. Fischer schwäb. wb. 6, 1, 1242) hinckt oder geschlagen wird es sey hinden oder vornen, so nimb wax Seutter rossarznei (1599) 282. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1232, Z. 66.

ziesel4, m.

⁴ziesel, m.,
zeisig, fringilla spinus s. zeisig (sp. 519). —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1232, Z. 70.

ziesel5

⁵ziesel:
die schnüre zum ziehen der latzen am zampelstuhl Bucher kunstgewerbe (1884) 448ᵃ; vielleicht ziehsel, n.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XV (1956), Sp. 1232, Z. 71.

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Zitationshilfe
„ziesel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ziesel>, abgerufen am 28.11.2020.

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