zimmer m.
Fundstelle: Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1285, Z. 8
s. ziemer (sp. 1112 und 1114).
zimmer n
Fundstelle: Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1285, Z. 9

Unterbegriffe in diesem Artikel

form. die älteren deutschen wortformen ahd. zimbar zimpar, mhd. zimber entsprechen dem anord. timbr bauholz, as. timbar, afries. timber holzbau, -gebäude, ags. timber zimmer-, bauholz, gebäude, bäume, wälder, mnd. timber timmer, mndl. timber timmer temmer bauholz, balken, zimmerwerk, holzgebäude, mschwed. tymber, nisl. timbur, nnorw. timber, nschwed. timmer, ndän. tømmer bau-, zimmerholz, nndl. timmer zimmerholz, zimmerwerk, die gebäude einer hofstelle, nengl. timber bauholz, balken, waldung. das geschlecht ist n., das nndl. ist zum m. übergegangen. im got. unbezeugt, doch ist die sippe durch timrjan zimmern, timrja zimmerer und verbalsubstantive vertreten. neben dem a-stamm ist im ahd. eine ja-bildung in fora zimberre pro aedificatione Benediktinerregel 244, 9 Steinmeyer zu erschlieszen. die ahd. deklinationsformen von zimbar sg. und pl. sind mit zimbares, zimbare, zimbro, zimberon belegt. das mit zimmer konkurrierende kollektive gezimmer erscheint bereits in den frühesten ahd. glossen in der form kazimbari, gizimperi als eine n. ja-bildung; ihr gleich steht ags. ʒetimbre. f. verbalnomina sind got. timreins, gatimreins, ags. ʒetimbru (gen. pl. ʒetimbrena) und anord. timbran erbauung, bau. jōn-bildungen sind got. gatimrjo und ahd. zimberra (dat. sg. zimbirrun, gen. pl. zimbirrono). dem ahd. allein eigen ist eine bildung zimprida ędificia (hrab.-keron. glossen anfang des 9. jhs.) ahd. gl. 1, 24, 31, kizimbaritha (ebda 8. jh.) 1, 209, 24, kicymbritha fabricatio (ebda 8. jh.) 1, 253, 14. an zusammensetzungen besitzt das ahd. anazimbere (s. I 1 a), hohgicimpri hohgizimpar pergama (10.-12. jh.) ahd. gl. 2, 364, 25 f., hochgezimber (12. jh.) 4, 154, 51, hohgizimpres Capitolii (11. jh.) 2, 665, 31, ubarzimbri (s. I 3), uuerltzimbere Notker 1, 230, 30; 1, 839, 24 Piper. ein adj. zimbarlîh bildet Notker (s. I 1 a). wegen ahd. zimbrunga s. u. zimmerung, zimbrio s. u. zimmerer, zimbern s. u. zimmern. in der germ. konsonantengruppe -mr- hat schon das got. mit dem einschub eines die aussprache erleichternden -b- begonnen, wie timbrjan Luk. 14, 28 und 30 zeigt, und die jüngeren germ. dialekte sind gefolgt; im ahd. macht dieses -b- bereits die lautverschiebung mit, indem das bair., selten das alem. -mp- aufweisen; im mhd. gilt -mb-, das md. geht früh, schon mit Herbort v. Fritzlar, zu -mm- über; zinber (bibl. glosse 14. jh.) ahd. gl. 1, 451, 68, zinbere Lucidarius 78 H.; weitere angaben s. t. 4, 1, 4, 7156; die nhd. periode kennt nur zimmer, auch die mundarten mit Bayern, das doch sonst -mb- zu -mp- wandelt, weil hier zimmer aus der verkehrssprache entlehnt ist, vgl. Lessiak konsonant. 34. einige belege weisen m. geschlecht auf: der magetlîche zimmer Frauenlob 233, 7 E. (s. I 6), den zimmer (bauholz, 1474) urkundenb. z. belag. d. st. Neusz 86, den zimmer (holzgebäude) Micraelius alt. Pommerl. 5, 321, zimmer zimber (östl. Steiermark) jedes gezimmerte hölzerne gebäude Lexer kärnt. wb. 265, zimmer das zum bau nötige holz, dagegen n. das lehnwort zimmer das wohnzimmer (schweiz.) K. Schmid mda. v. Entlebuch 176; timmer, m., werkstube des schreiners, kleines haus Woeste-Nörrenberg 271ᵇ. ein akk. pl. diese zimmern (gebäude) findet sich bei Joh. Wilh. Langsdorf v. salzwerken (1781) 244. die stabende bindung tune unde timber (s. I 2 f) hat in der Leipziger md. handschrift die form gezune und gezimbere, der Schwabenspiegel landr. 19 Gengler zune und gezimmere, eine schwäb. trauformel des 12. jhs. zoun unde gezimbere Müllenhoff-Scherer denkm. 1³, 320, 1; s. t. 4, 1, 4, 7151; timmer unde towe und zimber und geziug belegt J. Grimm rechtsalt.⁴ 1, 10. eine bildung zimmernis begegnet in frühnhd. glossaren (s. sp. 1351); das mnd. besitzt ein kollektives timmerte, n., gezimmer, bau, belegt bei Schiller-Lübben 4, 544ᵇ.
bedeutung. germ. *timra- ist aus der idg. wurzel *dem- unter anfügung des stammbildungselementes -ro- entstanden. *dem- erscheint in griech. δέμω baue, δέμας gestalt und abgelautet in aind. dámah, griech. δόμος, lat. domus, aslaw. domъ haus. zur ersten ablautstufe stellt sich noch as. teman, ahd. zeman ziemen, zur zweiten ags. temian, ahd. zemmen zamôn zähmen, dieses wie auch lat. domare zähmen, als postnominale bildung mit der bedeutung 'ans haus gewöhnen'. aus zeman aber läszt sich der begriff 'fügen, aneinanderfügen' (s. ziemen sp. 1102 und Walde-Pokorny 1, 786) als der ursprüngliche sinn der wurzel *dem- erkennen, die sich dadurch trefflich zur benennung des baues von häusern sowohl aus stein als auch aus holz darbietet. denn beide baustoffe fordern ein gefüge, der stein im verbande, das holz in gebinden. teil 4, 1, 4, sp. 7144 f. ist der germ. timra-sippe die umfassende bedeutung bauen zugesprochen und die beschränkung auf den holzbau als weniger annehmbar erklärt worden. diese auch von älteren forschern vertretene ansicht stützt sich ausschlieszlich auf sprachzeugnisse der übersetzungsliteratur der ahd. periode, deren lat. vorlagen ihrerseits unter dem einflusz der wortwahl des griech. neuen testaments stehen. sie verkennt, dasz Wulfila οἰκοδομεῖν und die übersetzer des vulgatatextes aedificare aus heimischen sprachmitteln mit timrjan, timbrian, zimbron wiedergeben konnten, ohne dadurch die ihnen bekannte fremde bauweise aus steinen ausdrücken zu wollen. für den übertragenen begriff der seelsorgerischen erbauung muszte daher auch dem vorbilde der biblischen wortwahl gefolgt werden. so war für das nomen actionis in dieser verwendung, οἰκοδομή und aedificatio, got. timreins gatimreins und ahd. zimbirra gegeben. die annahme einer beziehung zur Ulfilasbibel (so Betz deutsch u. lateinisch [1949] 51) ist unnötig, s. unten zimmern II 2. der schritt zur gleichung aedificium, aedes zimbar wurde durch die heimische bedeutungsentwicklung vollzogen. Notker wagte unbedenklich, die sachgleichung materia zimbar um den übertragenen begriff 'stoff' des lat. wortes zu bereichern. der spätere gebrauch des verbums zimmern für den hausbau aus steinen wird unt. bei zimmern als fortsetzung biblischer ausdrucksweise erklärt. für τέκτων war timrja als gleichbedeutendes wort zur hand, aber der unfreie übersetzer des cod. Teplensis fand nur smit als ausdruck für seine vorlage faber, ein beispiel, das teil 4, 1, 4, sp. 7145 zu dem unzulässigen schlusz geführt hat, dasz dadurch die verarbeitung von metallen bezeugt sei, während doch das fachwort der schmiedekunst in das begriffsfeld des zimmerbaus übergreift. dessen einengung ihrerseits ist zwar im anord. und aengl. bis zum fortfall einer eigenen benennung des zimmermanns gelangt (vgl. anord. smiđr schmied, zimmermann, trésmiđr zimmermann, aengl. smiđ schmied, zimmermann, handwerker), hat sich aber im deutschen nach teil 9, sp. 1054 nur vorübergehend geäuszert; im mndl. ist neben timberman auch houtsmit im gebrauch gewesen. den glossenschreibern, welche metallum mit zimbar übersetzen (zimbar 8. jahrh. zu 2. Mos. 35, 24 argenti aerisque metalla obtulerunt ahd. gl. 1, 284, 28, gizimpri 11. jahrh. zu derselben bibelstelle ebda 1, 332, 59, zimbar 10. jahrh. zu Prudentius cathem. 7, 79 micet metalli sive lux argentei 2, 494, 39, auch fabrorum malleum smido kazimbri zu richt. 5, 26 ebda 1, 387, 31) mag der zeitgenössische übertragene gebrauch des lat. wortes metallum in der bedeutung holz (oder baustoff?) anregung geboten haben, den Willibalds vita s. Bonifatii 344 Pertz belegt: ligneum ex supradictae arboris metallo (aus dem holz der Irminsul) oratorium construxit. schlicht nach der lat. vorlage Eliopolis constructa aere et ferro cooperta wiedergegeben ist die glosse erin timbar isarnin thecina (10. jahrh.) Wadstein kl. as. sprachdenkm. 108, 17ᵇ. die südländische kultur hat auf den wortbegriff zimmer nur vorübergehend eingewirkt. dieser einflusz darf nicht darum als bedeutungsbestandteil von zimmer und dem verbum zimmern erklärt werden, weil die älteste überlieferung ihn in ihnen aufweist. damit ist für *timra- die grundbedeutung zimmerholz, d. h. zur errichtung von bauten geeignete und bearbeitete baumstämme festgestellt; sie tritt uns in den ältesten sprachzeugnissen entgegen und hat in allen germ. sprachen bis zur gegenwart angedauert. bisweilen erfaszt sie bäume im walde, die zum bau ausersehen sind. das nord. geht über sie nicht hinaus. im wgerm. ersteigt der wortstamm *timra- eine neue bedeutungsstufe: er wird zum namen des festen holzgebäudes aus gefügten stämmen, balken und brettern, das in den deutschen waldgebieten das frühmittelalterliche haus aus pfosten und flechtwerk mit lehmbewurf verdrängt. dieser sprachliche vorgang läszt sich aus dem in der wurzel liegenden zweckbegriff in verbindung mit der dem stamme innewohnenden kollektivbedeutung begreifen. der allein im deutschen vollzogene übergang zur dritten bedeutungsstufe 'abteilung eines hauses, wohnraum' ist jedoch aus sprachlichen gegebenheiten nicht erklärbar. er kann nur als eine durch wirtschaftliche und gesellschaftliche ursachen veranlaszte verdrängung anderer wörter, namentlich des wortes stube, aufgefaszt werden; s. dazuI 6 schluszteil. die meinung, von der häufigen beschränkung des holzgebäudes auf einen raum liesze sich die nhd. bedeutung gemach am einfachsten herleiten, die K. Bohnenberger in der festschrift Sievers (1925) 171 vorbringt, läszt das ausbleiben dieses bedeutungswandels im ndl. una engl. unerklärt und ist daher abzuweisen. einige wörterbücher, auch die anderer germ. dialekte, setzen die bedeutung 'das zimmern' bei dem subst. zimmer an; die vorliegenden deutschen belege unterstützen diesen ansatz bei zimbar nicht, wohl aber hat der n. ja-stamm zimbri die handlung ausgedrückt: nisi forte prior pro edificatione voluerit aliquid breviter dicere ... heroro fora zimberre ... edesuuaz skemlicho ... Benediktinerregel 244, 9 Steinmeyer, eine aufgabe, die sonst dem f. zimberra zufiel; ein ags. beleg ist wohl ähnlich zu verstehen: he (der 6. tag des monats) is gōd circan on tō timbrane and ēac scipes timber on tō anginnane bei Bosworth-Toller 987ᵃ. der starke bildliche gebrauch von zimmer setzt sich bis ins spätmittelalter fort; als besonders eigenartig hebt sich daraus zimmer als bild des menschlichen körpers hervor, eine sinnvolle benennung des kunstvollen körperbaus. es wird gern auf den weiblichen leib, namentlich den der jungfrau Maria angewandt. der gedanke jedoch, von hier die geschichte der zusammensetzung frauenzimmer beleuchten zu wollen, musz angesichts der t. 4, 1, 1, 84-87 und von E. Seidenadel zs. f. dt. wortf. 5, 59 ff. beigebrachten sprachgeschichtlichen zeugnisse als aussichtslos erklärt werden; s. im übrigen I 6 schluszteil. gleich steht hofzimmer Schmeller-Fr. 2, 1124, vergleichbar ist eigenzimmer ledige frauen- und mannspersonen, die ihre eigene wirtschaft führen ebda 1125, verständlich als die im zimmer anwesenden personen kartenzimmer (beifallssturm, in den das ferne kartenzimmer mit einstimmte E. Kossak Berlin. federzeichn. 5, 26), junge nachbildung weibs- und mannszimmer. vereinzelt fürstenzimmer 'fürst':
was schadt es, dasz ein printz im felde sterben müssen?
bläst nicht der rauhe wind auch fürstenzimmer an?
Besser schr. (1732) 204 König.
eine liste der zusammensetzungen bei Kramer t.-it. 2 (1702) 1465ᶜ enthält erden-, flöhe-, frauen-, gast-, geheim-, herren-, hinter-, kranken-, neben-, ober-, prang-, schlaf-, unter-, vorzimmer; dazu lassen sich aus neuer zeit noch fügen arbeits-, esz-, fremden-, studierzimmer; bei Fontane II 2, 439 findet man mein dreitreppenhochzimmer. seiner bildung als kollektiv gemäsz bezeichnet gezimmer ein gebäude; es entfernt sich von der anschaulichen vorstellung des werdeganges eines zimmerwerkes, die sich bei zimmer einstellen muszte, und bezeichnet das fertige, seiner bestimmung übergebene gebäude; auch wird es wegen seines verblaszten sinnlichen gehalts stärker als das einfache wort zu übertragenem gebrauch herangezogen. in der bedeutung zimmerholz erscheint es selten, für den wohnraum nur in wenigen belegen; nur die bergmännische verwendung rettet sein dasein bis ins 19. jahrh. das einfache subst. zimmer behauptet seine wichtige rolle im leben der sprache durch alle jahrhunderte hindurch; was ihm im bereich des handwerklichen hausbaus an bedeutung verloren geht, da bauholz und holzbau zurückgedrängt werden, ersetzt ihm im reichen masze der wirtschaftliche und gesellschaftliche fortschritt: es wird zum bevorzugten namen des wohnraums, vor dem die älteren benennungen zurückweichen (s. I 4, I 4 j und I 6).
I.
bauholz und die daraus errichteten bauwerke, namentlich wohn- und wirstchaftsgebäude, sodann eine abteilung eines wohngebäudes; davon zweigen sich neben- und übertragene bedeutungen ab.
1)
für einen bau aus holz geeignete baumstämme, in der regel werkgerecht vom zimmermann behauen und zum abbinden hergerichtet; abkürzende fachliche redeweise gestattet die wendung zimmer hauen im sinne von stämme, die zum zimmern bestimmt werden, fällen, schlagen; auch der einzelne stamm oder behauene balken wird zimmer genannt, während gemeinhin der kollektive begriff gilt. diese bedeutung bauholz geht von anfang der überlieferung bis in junge mundartliche nachklänge durch.
a)
die in den ältesten glossen erscheinende gleichung materia, materies zimbar bezeichnet schlechthin zimmer-, bauholz, wie du Cange bemerkt: materia ... materiamen ... etc. voces, quae unum idemque significant, materiam scilicet ligneam aedibus aedificandis idoneam 4 (1845) 318ᵇ: cimbar, zimpar (keron. gl. 8. jh.) ahd. gl. 1, 206, 8; zimpar (gl. St. Gallen 8. jh.) 3, 1, 12; mediran (aus mlat. materiamen) cimpar (Fulda 9. jh.) 3, 10, 58; materias zimpar, zimber, zimbere (bibl. gl. 11.-12. jh.), zinber (14. jh.) 1, 451, 65-68; im speziellen sinne anscheinend des holzes für den aufbau auf steinernem erdgeschosz findet sich in einem Trierer glossar des 11. jahrh. materia anazimbre ahd. gl. 2, 30, 76 und materies anazimbere 2, 31, 44. selten wird dem ge-compositum die bedeutung bauholz zugeschrieben: per materiam duruh kazimbari (8.-9. jh.) ahd. gl. 2, 308, 24; materies gizimperi (Tegernseer gl. 9. jh.) 2, 668, 21; auch später finden sich nur wenig fälle, s. t. 4, 1, 4, 7154 und unt. I 1 b. in seiner bearbeitung der schrift de consolatione philosophiae des Boethius 1, 177 Piper gibt Notker dem deutschen wort die abgeleitete, durch das griech. ὕλη angeregte bedeutung stoff, rohstoff des lat. materia, jedoch nicht ohne einen erläuternden zusatz hinzuzufügen: quem non pepulerunt externę causę fingere opus fluitantis materię i. informis et indiscretę tih neheiniu anderiu ding nescuntôn daz scaffelôsa zimber zemachônne, ûzer demo disiu uuerlt uuard. sî meinet tîa samenthaftigûn massa, dîa er ze êrest teta, an dero nîeht keskeidenes neuuas. übernommen in eine St. Galler übersetzungsübung des 11. jahrh.: informis materia taz chît skaffelôsa zimber Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 121, 4. gewisz aus derselben quelle flieszt ein adj. zimbarlîh materialis in einer glosse des 10.-11. jahrh. zu Boethius de consolatione philosophiae V 1: nam nihil ex nihilo existere vera sententia est cui nemo umquam veterum refragatus est, quamquam id illi non de operante principio, sed de materiali (cimbarlichun) subiecto, hoc omnium de natura rationum quasi quoddam iecerint fundamentum (obwohl sie den satz niemals in bezug auf das tätige grundprinzip, sondern in bezug auf den zugrunde liegenden stoff als ein fundament aller untersuchungen über die natur gelegt haben Karl Büchner). den ursprünglichen sinn 'aus zweigen, holz' haben zwei gleichlautende glossen des 11. jh. zu einer erläuterung zu Matth. 17, 5: (ecce nubes lucida obumbravit eos) ut discat qui materiale (cimbarlih) quęsivit tabernaculum ahd. gl. 5, 14, 52; ... (zimbarlih) 1, 714, 35. den begriff baustoff besitzt zimber im bruchstück einer logik Notkers: tiu zuei (anima et corpus) uurchant den menniskin ... tiu sint zimber, mit dien gat er umbe Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 118, 20.
b)
zahlreiche belege der folgezeit bezeugen die bedeutung bau-, zimmerholz an dem einfachen substantiv; sie reichen bis ins 18. jahrh., in entlegenen mundarten noch weiter; demgegenüber beschränkt sich gezimmer auf die wenigen t. 4, 1, 4, 7151 mitgeteilten zeugnisse, bisweilen im wechsel mit zimmer, wie im oberösterr. weistum von 1284 österr. weist. 4, 17 (zit. t. 4, 1, 4, 7148) und unt. in der Nürnb. polizeiordn. von 1284 als variante zu weist. 6, 99. den kollektiven sinn legt die gleichung struges (d. i. haufen, fuder) gezimbere (Münch. u. Wiener handschr. 12. jahrh. zu Heinrici summa), gezimbre (sumerlaten) ahd. gl. 3, 260, 21 und ein fuͦder gezimmers Erfurt. weist. von 1289 (s. t. 4, 1, 4, 7154) nahe. bildlich gebraucht gezimmer Suezkint v. Trimberg (zit. ebda). für die zimmer-belege sind die bemerkungen ob. 1 zu beachten: materiamen sunt ligna, quae nos vulgariter appellamus cimber gloss. des Cäsarius von Heisterbach zit. bei du Cange 2 (1842) 350ᵃ; dis sint des zolners reht ... ein fuͦdir hoͤwis unde strowes unde reife unde zimbers 1 d (stadtrecht Freiburg i. Br. 1275) corp. d. altdt. originalurk. 1, 260, 30 Fr. Wilhelm; auch sol dhein soldener kein geschatz pferde zu walde niht lazzen gen weder nach holtz weder nach zimer weder nach stein on des vragers wort (Nürnb. 1356) städtechron. 1, 172; und was man zimers hawet, damit man die stat bessern will und envesten, do soll kein forster umb pfenden (der gleiche wortlaut, doch mit der form gezimmers in den Nürnb. polizeiordn. 302 Baader) weist. 6, 99; IX höfe, den sol man us dem forste zimmer gen (Elsasz 1382) ebda 4, 75; desgleichen die gueten zimmer ... und anders geschlachtes holz ... nit abgehauet ... werden (1637) österr. weist. 1, 12; die gantzen halben und viertelstämme werden auch zimmer genennet Döbel neueröffn. jägerpractica (1754) 3, 40; wissintlich sey, das wir haben uff der lastarye ... 2 schog minus 14 groszer eychynner hoͤlczer unde 1 schog unde 13 stucke vychtyn czymmer handelsrechn. d. dt. ordens 205 Sattler; item 271⁄2 m. dem kompthur zum Tuchell vor 21⁄2 schok zimmer von 46 fusen lang und 9 m. vor 1⁄2 schok zimmer von 60 fusen lang Marienburg. tresslerb. (1399-1409) 49 Joachim; ock sal nymant syn tymmer vor siner doͤre liggende hebben eyn jaer bei Schiller-Lübben 4, 543ᵃ; ein schaffer und anschicker hat sein wonung auf der peunt in dem vordern gemache, als man hin ein geet, vergebens und on zinse, darzu holtz und spen, das ab geet von dem zimmer, ein nottorfft zu prennen in seinem hause Tucher baumeisterb. d. st. Nürnberg (1464) 33; (sie) haben holtz gezimmert auf der peunt oder das zimmer zu werck gezogen oder abpunden ebda 63; auch hackten sie unsern bawern ire hölczer ab und fürten daz holcz auf ire güter, daz sie meinten, wenn frid würd, daz sie ire güter damit bauten; auch brachen sie in ire heuser und stedel ab an etlichen enten und fürten daz zimer auf ire güter (Nürnberg 1450) chron. d. dt. st. 2, 200; solche eichen und fichten, so zu stabholtz und plancken oder auch masten und Hamburger zimmer tuͤchtig (1674) Mylius corp. constit. Marchic. 4, 1, 560. balken: eines mals sihet er zwene zimmerleute, mit einem langen zimmer, das sie auff den achseln tragen Hayneccius Hans Pfriem (1582) 4 ndr.; ein fuhrmann hat ein langes zimmer (auf dem wagen) geführt A. Moller theatr. Freiberg. chron. (1652) 2, 157. dieselbe bedeutung in vocabularien: tignum ein zimmer oder tram Corvinus fons lat. (1623) 823; Zehner (1654) 512; zimmer oder drohm, ein groszer balck un sommier ou une grosse poutre Duez (1664) 715; zimmer, n., poutre, morceau de bois de charpente n. dict. allem.-franç. (1762) 1, 1129; das zimmer der balken Schwan n. dict. allem.-franç. (1783) 2, 1108. sonst gebrauchen die vocabulare die übersetzungswörter carpenta Diefenbach gl. 102ᶜ; n. gl. 77ᵃ; lignamina gl. 329ᵃ; Diefenbach-Wülcker hoch- u. niederd. wb. 914; materia, tignum Kilian 671ᵇ Hass.; Verwijs-Verdam 8, 356. mda.-wörterbücher, die die bedeutung bauholz, zimmerholz aus älterer zeit belegen: brem. wb. 5, 69; Dähnert 486. für die neuere zeit bezeugt Adelung² 4, 1715 zimmer und tram für balken im hennebergischen; zimmer, m., das zum bau nötige holz K. Schmid mda. v. Entlebuch i. kant. Luzern 176.
2)
aus holz errichtetes gebäude,
a)
dessen bestimmung sich aus den angaben in den belegen nicht erkennen läszt: denselben ... pauleuten sol (auf die ihnen angewiesenen güter) volgen, was si (auf ihren früheren gütern) besunder gemacht und gezimert haben, ob das ist, dasz die gemäch aus frömbden wälden gezimert habent ...; wär aber, daz sie es aus dem wald gezimert hieten, zu den gütern gehörent, so sullen si die zimer bei den gütern laszen (tirol. 14-15. jh.) österr. weist. 2, 86. α) ahd. belege treten so früh wie für 1 auf; deren erster schlägt die brücke zu der bedeutung von 1, indem das zimbar im bau befindlich zu denken ist, das bild, wie die balken behauen, abgebunden und gerichtet werden, vorschwebt: furisto des zimbares glosse zu architectus der bibelstelle Sirach 38, 28 sic omnis faber et architectus, qui noctem tamquam diem transigit, qui sculpit signacula sculptilia ..., vigilia sua perficiet opus (8.-9. jh.) ahd. gl. 1, 585, 61; (arces) ędifica (maistar) cimbro, zimbro, zimprida (hrab.-keron. gl. 8. jahrh.) 1, 24, 31; in ędificio in zinbere zu Gregors cura pastor. 3, 12 (10. jahrh.) 2, 239, 28; aedes zimpar (zu Beda 10. jahrh.) 2, 45, 2; hîer neist undenân vestî, diu daz zimber muge tragen Notker Boethius de consolat. philos. 1, 87 Piper; daz pilde lucchet ouh dara andere die uuêicheren sint, uuanda in iro zimberon lîchet Notker psalm 103, 17 Piper; sodann glossen zu Notkers psalmenerklärung: danne freuuent sih sînero (des herrn) êrerun chumfte alle uualtpôuma, uuanda sie gebrûchet uuerdent ze ędificio domus dei mit glosse zimbere gotes hûsis psalm 95, 13 Piper; columna bezêichenet robur et decorem ędificii, worüber die glosse starchi unde ziêri zimberis psalm 98, 7 Piper; quia stare non poterant in ędificio mit der version uuanda sie nimahton an zimbere bestân psalm 101, 8 Piper; auch fabrica steht an folgenden stellen in übertragenem sinne für gebäude: fabrica (robusta construitur) zimbar (zu Gregors cura pastor. 3, 18 glosse des 9. jh.) ahd. gl. 2, 234, 11 und die übersetzung christanheite zimber festin von Notker psalm 98, 7 Piper in spiritu sancto uuolta er fabricam ęcclesię roborare. stärker ist das compositum gizimbere als ausdruck für gebäude beteiligt, wie auszer den t. 4, 1, 4, 7152 angeführten glossen noch folgende bezeugen: aedes gizimpre (11. jahrh.) gl. 2, 469, 68; gezimbere (12. jahrh.) 3, 223, 43; aedificium (ędi-), moenia gizimbri (10. jahrh.) 3, 16, 50; ędificium et menia gezimbere (13. jahrh.) 3, 352, 6; secreta (domus) suntricgecimbri (11. jahrh.) 4, 351, 13. gänzlich versagt sich zimbar der wiedergabe von lat. oppidum, urbs, moenia, auch der begriffe mit verbalhandlung aedificatio, structura, wofür zu den belegen von t. 4, 1, 4, 7153 nachgetragen werden: oppidum thorf, kizimbri ahd. gl. 4, 9, 47; minia gicimbere 3, 209, 24; kicimpar(i) 1, 423, 38; aedificatio gezimber 4, 112, 5; aedificatio, structura 4, 129, 20. das f. zimberra steht für edificatio ansprache, erbauung in der Benediktinerregel de ... edificationum eloquiis fona ... zimbirrono sprahhoom 208, 36 Steinmeyer, aber auch für structura haus (gottes) gebraucht es die glosse zu Notker psalm 101, 18 Piper: so uuesen alle humiles (glosse diemuôte) in dirro structura (glosse zimbirrûn) unde betoen alle. β) in der ahd. zeit halten sich beide wortformen noch die waage, dann tritt die präfigierte zurück; s. die mhd. belege für zimmer unt. I 5 b, für gezimmer t. 4, 1, 4, 7154. spätere belege: mag man dy heymsuche bewysen myt wunden und mit gewundeten tzymmer alt. kulm. recht (14. jahrh.) 2, 30 Leman, wozu die vorlage, ein Magdeburger schöppenspruch an Breslau von 1261 urkundenb. d. st. Breslau 21ᵇ, mit gewundeteme getzimmere hat; audi, alles holz welches gefaͤllt wird in den zwen letzten freitaͤgen des merzs, das klimet nimmer, da bau dein zimer Pamph. Gengenbach 418 G.; item am eritag nach Appolonia da verprent man den pütel von Schnaytach, ... het ie, als oft er ein zimer verprent het, im gegeben von eim 7 grosch. (Nürnberg 1500) chron. 11, 613;
das ist allein der zymmerman,
der durch sein schnur, masz und richtscheit
kan messen, hoch, tieff, weit und preit
und verfertigt ein gantzes zimmer
Hans Sachs 7, 471 K.;
das machet das sie auff ir eigen wesen, und gute meinung gebawet hatten und von Christo nichts wusten: das war ein recht zimer und gerüst für den teufel Luther 32, 534 W.; keiner denckt nicht, das gott den verworffen eckstein allein erwelet und alle ihr zimmer und gebew verdampt 31, 1, 175 W.; ain paumb, wie der genant, sol man setzen 11⁄2 schuech von dem march, aber von ainem zimmer 3 schuech weit (niederösterr. 1584) österr. weist. 9, 452; ein fewr ..., davon über hundert zimmer abgebrannt sein Micraelius altes Pommerland (1640) 6, 578.
b)
dieses holzgebäude läszt sich als ein wohnhaus bestimmen, ja selbst feste häuser und schlösser werden zimmer genannt: und swem sein zimmer ab wirt geprochen, und beleibt dann daz feuer hiederhalb seiner hofstat, so helfent im sein nachtpauren, den der pruch ze frum ist chömen, wider zimmern nach des rats haizz (1347) stadtrecht v. München 139 Auer; myn slod Detherden, dat ik mit ... kosten ... ghetimmert unde ghebuwet ... unde se mi doch wedderrichtinghe mynes timmers, do ik en datsulve slod ... overantwordede, toseden (1451) urkundenb. d. st. Lübeck 9, 12; en wonderlick tymmer ende man seyde dattet was een pallas (1488) bei Verwijs-Verdam 8, 356; mit auffüerung der rauchfänk über die tächer, wo es anderst die zimer ertragen mügen und die tächer darnach gemacht sein (steir. 1523) österr. weist. 10, 31; der hett ein gar altes hausz, das wolt ihm stets einfallen. derhalben so muͦszt er ihm ein newes zymmer machen Val. Schumann nachtbüchl. 216 Bolte;
die liechter in dem weiten zimmer (burg)
die gantze nacht erlaschen nimmer
Spreng Aeneis (1610) 19ᵇ;
der princessin zimmer oder hauss solte mit solcher dignitaͤt und solcher anzahl officirer und beampter versehen sein als jemals eine princessin aus Franckreich gehabt theatrum Europ. (1652) 1, 812ᵇ. dem niedersächsischen bauernhaus, das in sich menschen, vieh und ernte barg, kommt die benennung timmer zu: wann aber ein zimmer zu bauen verdungen wird, so sol fuͤr ein gebind mit 2 abseiten und gedoppelten staͤndern 5 flor. ohn einiges bier gereichet werden meckl. gesindeordnung von 1654 s. 20; sie ist in Mecklenburg heute selten, aber noch nachweisbar.
c)
wirtschaftsgebäude sind in folgenden fällen gemeint: daz wir haben gechauft zwo hofstat ... da wir aufgelegt haben ein presse und ander zimmer (1320) urkundenb. d. stift. Klosterneuburg 177 Z.; ene halve hove landes myt ener schunen unde enen bergvrede geheten dat backhus ... welke halven hove unde tymmere vorgeschreven ... (1468) urkundenb. d. st. Lübeck 11, 427; dat desse vorbenomde ... moͤghen buwen dre tymmer uppe ere eghen kost und arbeyt alse benoͤmlicken twe schuͤnen, de schuͤne van veer vaken, unde enen spicker van dren vaken (Rehna 1471) bei Dietr. Schröder kirchenhist. d. papist. Meckl. (1741) 2, 2220; want alle timmer langs den oesten- und westenhelweg ... durch vuer und vlamme verteert worden (Dortmund 1550) städtechron. 20, 193; dre timmer hebbe ick darby gesettet, eine schuren, einen spyker undt ein darenhuess (oldenb. 1568) Schiller-Lübben 4, 543ᵇ; (vor dem verkauf eines gutes) soll man alle zimmer, vorhäuser-gemach, keller ... von aller unreinigkeit aussäubern Hohberg georg. cur. (1682) 1, 15; man nennt diese zimmern dahero trockenkammern Langsdorf von salzwer ken (1781) 244; in dat ein langen timmer rechtsch dor müchten sei jo woll hawern in döschen, un von dat anner grot timmer linksch ... dor stunn de grot schündör von apen Brinckman plattdt. w. 5 (1929) 115.
d)
alle gebäude eines gehöftes werden die zimmer genannt: das gros dorff Halbstatt abgeprent, das ob 400 zimmer hatt (1525) württ. geschichtsqu. 1, 237; die zimmer richten und böhren (neumärk. 1579) Riedel nov. cod. diplom. Brandenb. I 18, 98; dasz 60 häuser ohne die anderen zimmer an scheunen und ställen eingeäschert worden (meckl. 1666) Spalding meckl. öff. landesverhandl. 4, 198; dasz dieselbe (backöfen) so nahe bei denen zimmern stehen (meckl. 1706) samml. all. f. d. groszherzogth. Mecklenburg-Schwerin gült. landesgesetze 5 (1839) 213; vgl. den flurnamen an dei Timmer F. E. Schulz d. orts- u. flurnamen d. kreises Köslin 23 und häufigen thür.-obd. ortsnamen Zimmern, älter Zimbern, zum teil zeugnisse für das auffällige der holzbauweise in gegenden, wo die gebäude aus anderem material errichtet wurden, s. K. Bohnenberger in festschrift Sievers (1925) 170; die besichtigung derer in jedem ambte etwa an denen zimmern vorhandenen baufälligkeiten vornehmen (1712) W. Bärensprung samml. meckl. landesgesetze 3, 2, 87; noch bis in jüngste zeit war in Rostock besichtigung der zimmer der amtliche ausdruck für die jährliche untersuchung der gebäude auf den kämmereigütern, eine bedeutung; die sogar der singular wiedergeben kann: wes he behovet to sineme tymmer unde wagentouwe, mach he wol houwen unde anders nicht (1444) urkundenb. d. st. Lübeck 8, 241; einem Teutschen scheinen die schwedischen dörfer leicht gröszer, als sie sind, wegen der menge von zimmern, die oft auf einem halben oder viertelhemman stehen E. M. Arndt reise d. Schweden (1806) 1, 115; er hat hier ein groszes zimmer von eigener invention gebaut, welches scheune, speicher und viehstall in sich vereinigt ebda 2, 182.
e)
den gegensatz des stein- zum holzgebäude drücken die paare bau oder zimmer und haus oder zimmer anscheinend nur in Süddeutschland aus: wes se ok ... in de sulven ghudere ... ghekeret ... unde se gebetert hebben in tymmeren ofte buweten (1434) urkundenb. d. st. Lübeck 7, 549; das er dasselb paw oder zimer ... ab der gmain thue (salzburg. 1570) österr. weist. 1, 179; huszere effte jenich ander timer (Güstrow 1512) jb. d. ver. f. meckl. gesch. 57, 163; wer das ertrich nimbt auf der gassen und wer das an sein haus und zimer (stadel) zu seinem nutz braucht (niederösterr. 16. jahrh.) österr. weist. 8, 6; ein gemauertes fundament wird gefordert: welche pauen wellen, sollen hinfüro zu ersparung des holz und wehrhaftigkait des zimers auf das wenigist ein daumell hoch ausz den grunt herauszmauern (kärnt. 1608) österr. weist. 6, 501.
f)
die stabreimende formel tune unde timber des Sachsenspiegels umfaszt haus und hof: nû vernemet waz iewelk man van ridderis art moge geben sîme wîbe zu morgengâbe. des morgenes, als her mit ir zu dische gât, vor ezzene, ân erven gelof sô mach her ir geben eynen knecht oder eyne maget, die binnen iren jâren sint, unde thûne unde tymber unde veltgênde vê I 20, 1 Eckhardt; der in der 4. ausgabe I 24, 1 Eckhardt dafür gesetzte wortlaut tunete unde timmer, den die Oldenburger handschrift von 1336 und die Bremer von 1342 auch in die erstangezogene stelle einführen, wird miszdeutet in geduͤnet zimmer von Chr. Zobel sechsisch weichbild u. lehenrecht (1537) 37ᵇ.
g)
in den vocabularen und wörterbüchern begegnen folgende übersetzungswörter: fabrica (nd.-md. 15./16. jahrh.) Diefenbach gl. 221ᵇ; structura edificii voc. Speyer um 1485 o. s.; structura Diefenbach gl. 557ᵃ; voc. (Hupfauf 1515) o. s.; fabrica, structura, contignatio, substructio Kilian (1605) 557; structura vel aedificium integrum (als ältere bedeutung) Stieler 2351; jegliches gebäude aus holz und alles zimmerwerk nennt das brem. wb. 5, 69 timmer; 'ganzes, auszer dem eigentlichen wohnhaus in der regel nur von holz ausgeführtes gebäude, im gebirge namentlich ein zur aufbewahrung von heu, getreide usw. bestimmtes, auch stadel über den ställen' Schmeller-Fr. 2, 1123; aufbewahrungsgebäude für heu, getreide (Jura) Hunziker Aarg. wb. 310; sennhütte Stalder vers. e. schweiz. id. 2, 474, s. u. zimmerung; rindviehstall (kantone Appenzell u. St. Gallen) Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 141; sennhütte, alphütte Wiget Toggenburg. mda. 34; timmer, m., werkstube des schreiners, kleines haus Woeste-Nörrenberg 271ᵇ; timmer zimmerwerk, aus holz aufgeführtes bauwerk, fachwerk: dat hus is vun timmer oder vun timmer buut oder op timmer opbuut; das gezimmerte haus in der verbindung in 'n timmer: wi hebbt de aarn in 'n timmer Mensing 5, 64; meckl. dat kuurn is int timmer in der scheune, de rogg' kem to timmer wurde eingefahren.
3)
zimmerwerk als teil von gebäuden oder für sich zu besonderem zweck errichtet. so wird der dachstuhl, den die glossen des beginnenden 9. jahrh. zu sarta tecta (4. kön. 12, 5) kizimbrii des cadaches ahd. gl. 1, 458, 24 und ubarzimbri 1, 457, 1 nennen und den die bibelstelle pred. 10, 18 in pigritiis humiliabitur contignatio, et in infirmitate manuum perstillabit domus mit der glosse ubarzimbri zu contignatio (9. jahrh.) ahd. gl. 1, 547, 41 und ubartimbri, ubar cinbri (11. jahrh.) 1, 546, 37 vor allem meinen, als zimmer bezeichnet: ist auff den kirchenthuren ... das zimer gesetzt worden (Augsburg 1489) chron. d. dt. st. 23, 49; sub tecto ligna contexta ad similitudinem rote, in quibus tectum injicit das zymmer under dem tach, wie man in den türnen richt, geformiert wie ain rad Pinicianus prompt. (1516) i 4ᵃ; warff es das zimer vom kirchenthurn über den weg herab (Regensburg 1519) chron. d. dt. st. 15, 33; darnach zur zeyt Henrici VI. gieng zu Mentz am hewmarckt ein fewer auff, verbrant die liberey, des tempels zimmer, vil privilegien und klainoter, auch ein groszen thail der ornat ... da griff sie gott nach wenig jaren wider an, ein wind kam von occident, der warff das zimmer von dem tempel, als er kaum von newem, stärker dann vor nie, auffgericht ward Franck chron. Germ. (1538) 173ᵃ; das sie den zimmer uͤber dem obergewelb folgends jahr gerichtet haben Micraelius altes Pommerland (1640) 5, 321; item 1471 jar am montag vor Thomas tag do macht man ein neus zimmer auf den galgen und musten alle zimmerleut dar arbeiten (Nürnberg 1471) chron. d. dt. st. 11, 467; hat man das hiltzin uͤberzimer am galgen abprochen und ain neues zimer auffgericht (Augsburg 1531) chron. d. dt. st. 23, 332; aufbauten zu wohn- oder befestigungszwecken auf der stadtmauer: swer uf der stat mure hat gezimberot ... die sont die mure mit ir zimber, daz si daruf getan hant, entledigen (Ravensburg 1351) bei H. Fischer 6, 1, 1207; ouch sprechen und entscheiden wir, das die burgere derselben unser stat zu Nuremberg dieselbe muͤre nymmer in dheinen czeiten hoer muren, noch mit dheinerley czymmer hoer buwen sullen, denn alleyne eyn dach von czweien spannen hoe mogen sie ober dieselbe mawre, durch werunge der mawren, und das es das wasser abe trage, buwen und machen, und sullen sie doruber nicht hoeher, noch dheinerley czymmer oder vestungen sust uff dieselben mawre tun, oder machen on geverde (1376) mon. Zollerana 4, 376; und desselben jars da ward die zwingermaur verdecket mit zimer und zu praht, vom Froschturn pis ans wasser am Sant alle zwinger von oben herab (Nürnberg 1464) chron. d. dt. st. 10, 287; einbauten (oder nebengebäude): szo haben wir (der schwäbische bund) zum andern das berumbt raubhaus (des Wilh. v. Wellberg) an allen vorgewentten ernst auf plos erfordern erobert und dasselb slos Bogksberg nechst montags vorgangen angezint, das ingebeu und alles zimmer daran vorprent (1523) bei H. v. d. Planitz berichte 473 Wülcker; zimmerwerk als brücke über ein gewässer: gräben, weyher, see, baͤch, oder andere grosze flieszende oder still stehende wasser, da man ohne gebaͤuw, bruͤcken und zimmer nit wol uber kommen kan Fronsperger kriegsb. (1573) 1, 98; der werckmeister dises kunstlichen zimbers (brücke von Laufenburg) Stumpf Schweizerchron. (1606) 686ᵃ; der einbau von holzstempeln, deck- und seitenhölzern in die grubengänge, die das erdreich vor dem einbruch bewahren, wo indessen in der regel die form gezimmer gebraucht wird (s. t. 4, 1, 4, 7155; 7157): die gruben sullen allenthalben mit zymer ... versorgt, auf dasz datz die leut, die darinnen pauent, an irrn leib und leben nicht schadhaft werden Lori baier. bergrecht 107; vgl.: 'das einfache grubenzimmer (thürstock) besteht aus zwei schiefstehenden holzstämmen ..., welche oben mit einem querholz verbunden sind' Scheuchenstuel id. d. österr. berg- u. hüttenspr. 114; stölln, ... die in festen gestein ohne zimmer stehen Span bergrechtspieg. 123; ein zimmer mit den gevieren auf poltzen bei Veith bergwb. 589. im verein mit gezimmer wird das einfache substantiv zur bezeichnung künstlichen zimmerwerks verwendet: quasdam machinas zimber unde geziug Notker Boethius de consolat. philos. 1, 203 Piper, wofür die glosse cacimpre ahd. gl. 4, 220, 30 setzt; gezimmer, gezimber werden im mhd. das trojanische pferd und andere im festungskrieg verwendete angriffs- und verteidigungswerke aus holz nach den belegen t. 4, 1, 4, 7153 genannt, und dieser sprachgebrauch dauert bis ans ende des 19. jahrh., vgl. gezimer bollwerk Luther 34, 2, 380 W. und die bedeutungen schiff, sarg, möbel t. 4, 1, 4, 7157; so nun ähnlich zimmer für den hölzernen klangkörper der laute:
du (die laute) bist ein ehrenfreuderinn,
erquickest hertz, gemüt und sinn;
kein mensch sich nimmer nicht bekümmer
bey disem süssen seyten zimmer
Fischart w. 1, 371 Hauffen.
4)
raum in einem hause oder einer wohnung, in dem menschen wohnen oder sich aufhalten, selten anderen zwecken dienend. zimmer hat sich in der schrift- und schrittweise auch in der umgangssprache dem älteren worte stube übergeordnet und ist der gesamtausdruck für alle arten von wohnräumen, kammer und cabinet einbezogen, geworden, nur saal wird davon nicht mit erfaszt. das früher geläufige gemach hat sich in eine vornehme sprach- und lebensschicht zurückgezogen. gelegentlich kann das wort raum konkurrieren, wenn der begriff des wohnens oder des häufigen aufenthaltes darin nicht vorliegt, vgl. die räume des schlosses und die belege t. 8, 281. im übrigen s. die bemerkungen unt. j. sprachliche zeugnisse setzen erst im 15. jahrh. ein; zur gleichen zeit nimmt gezimmer nach t. 4, 1, 4, 7156 die bedeutung einer mehrheit von gelassen und eines geschosses oder stockwerkes und in einigen wenigen fällen auch eines einzelzimmers an. auch das compositum frauenzimmer bekundet um diese zeit das aufkommen der neuen bedeutung von zimmer, s. dazu I 6.
a)
allgemeine angaben α) über zustand und zweckbestimmung: das hinter zimer, darinn das klain stubel stêt (1441) urkundenb. d. Zisterzienserstifts Goldenkron i. Böhm. (1872) 439 Pangerl; seine zimmer ... hatte er inwendig vom rauch ... erschwartzen lassen Grimmelshausen abenteuerl. Simplic. 7 Kögel; alle zimmer ... desz hauses waren ihres zieraths beraubet Moscherosch ges. (1650) 1, 73; die zimmer auf hiesigem observatorio wie auch die auf dem königl. stalle sein zur vermiethung öffentlich angeschlagen (1713) Berliner geschrieb. zeitung. 5 Friedländer; ich kriege 10 zimmer alle schön und wohl meublirt Göthe IV 1, 226 W.; ich (Schiller) bezale wöchentlich für 2 zimmer, betten und meubles 1 fl. und wohne neben dem schloszplaz Schiller briefw. 1, 142 Jonas. β) über die in ihnen wohnenden personen:
Teurdank der gieng in sein zimmer
Maximilian Teuerdank 121 Goedeke;
darinn (im paradies) wirst du verwaret immer,
wie ein künig in seinem zimmer
Hans Sachs 1, 25 Keller;
wann du pettest, gee in dein haimlich zymer Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey 666 Reithm.; in sein zimmer gehen entrar' in camera Kramer t.-it. 2 (1702) 1465ᶜ; ich wollte dasz einer in Göttingen wäre, der dich alle abende aus deinem zimmer jagte Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 90; (Wilhelm) zog ... sich ... auf sein zimmer zurück Göthe I 24, 9 W.; fürstliche zimmer stanze, appartamenti da principe Kramer t.-ital. 2 (1702) 1465ᶜ; als er nach verflusz einiger tage an einem morgen in das zimmer des sophisten gerufen wurde Wieland Agathon (1766) 2, 74; der unglückliche wollte sich in die zimmer der königin retten Abbt verm. w. (1768) 2, 89; in eben diesem augenblicke trat Melina mit dem notarius herein, sie gingen zusammen auf Wilhelms zimmer Göthe I 21, 222 W.; diese Nemesis wäre eine schöne zierde in die zimmer ihrer frau gemahlinn ebda IV 8, 85 W.; groszer saal des divans mit zwei pforten, davon die eine zu den zimmern des kaisers ... führt Schiller 13, 365 G.; im zimmer der mama Pfeffel poet. vers. (1802) 1, 186; korridor, an dessen nordostecke Lewins zimmer gelegen war Fontane (1905) I 1, 22; in die rechte wand des salotto war eine tapetentür geschnitten. sie führte in das heiligtum des hauses, in die 'stanza della mammina', in mamas zimmer Werfel geschw. v. Neapel (1931) 16; vier jahre theilten wir ein zimmer Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 8. γ) im zimmer empfängt man besuche oder aufwartung: diese schwermuth veranlassete den Tencterischen fuͤrsten Marcomir, dasz er den fuͤrsten Malovend auff seinem zimmer heimsuchte Lohenstein Arminius (1689) 1, 85ᵇ; wie viel stunden musz offters ein deutscher fuͤrst ... fuͤr dem zimmer auffwarten? ebda 1, 20ᵃ; er liesz sich ... anmelden, stieg ... aus dem wagen, und schritt fort, bis er ins zimmer kam, wo ihn Sebaldus und Mariane empfingen Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 45. δ) es dient zu beratungen: Hincmar bemerkt, die geistlichen hätten unter sich in besondern zimmern berathschlagt Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 533; man lies mich auch einen blick in das zimmer thun, wo die 3 staatsinquisitoren zusammenkommen Göthe III 1, 265 W.; zum ersten mal trennten sich gleich nach der proposition die drei collegien, das churfürstliche, das fürstliche und das städtische; jeder theil begab sich in ein besonderes zimmer Ranke s. w. (1867) 1, 61. ε) es ist unfreiwilliger aufenthaltsraum für kranke: der pabst ist unpäszlich an einer erkältung und hütet das zimmer Heinse s. w. 10, 316 Sch.; die reisewitterung scheint mir rauh, obgleich ich seit einigen tagen selbst wieder das zimmer hüte J. Grimm an Dahlmann (1885) 1, 152; Anna hatte während des winters streng das zimmer hüten müssen und wurde im frühling bettlägerig G. Keller ges. w. (1889) 2, 62; man sagte ihr, sie sei unwohl und müsse das zimmer hüten Stifter s. w. 3 (1911) 94; unterbrochen wurde ... dieses glückliche leben (am Wiener hofe) durch das scharlachfieber, von welchem Wolfgang befallen ... und 14 tage ans zimmer gefesselt wurde O. Jahn Mozart (1856) 1, 40; bald hoffe ich soll ich auch wieder aus dem zimmer entlassen werden Göthe IV 23, 202 W. ζ) dient zur verwahrung von menschen: auf (in) seinem zimmer verwacht werden esser guardato, custodito in camera sua; havere la stanza per prigione Kramer t.-ital. 2 (1702) 1465ᶜ; beide grafen (Egmont und Hoorne) wurden in verschiedenen zimmern in verwahrung gebracht Schiller 7, 317 G.;
verlasz uns, Tasso! bleib auf deinem zimmer,
von dir und mit dir selbst allein bewacht
Göthe I 10, 166 W.
η) für gäste im eigenen haus: ich habe alle bequemlichkeiten (bei Göthe), die man auszer seinem hause erwarten kann, und wohne in einer reyhe von drei zimmern vorn hinaus Schiller br. 4, 18 Jonas; ich fand ... einen herrn, der sich freundlich erbot, mir ein zimmer für die nacht einzuräumen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 133. θ) in einem gasthaus: führt mich nur in das zimmer, das Waitwell für mich bestellt hat Lessing 2, 269 L.-M.; niemand weis die absicht unsrer zusammenkunft, nicht einmal der wirth, von dem wir das zimmer gemiethet haben Rabener s. schr. (1777) 1, 205; alsdann gab uns der wirth ein eigen zimmer Bräker s. schr. (1789) 1, 244; zur zeit der Leipziger messe ist selten ein zimmer frei Raupach dram. w. kom. gattg. (1829) 4, 68; ein nebengebäude enthielt die zimmer zur nachtherberge Mörike w. 3, 31 Göschen; überall in dem kleinen hotel ... warteten die blank geputzten schuhe der schläfer noch vor den türen, als ich mein zimmer verliesz, um zum bahnhof zu gehen Carossa winterl. Rom (1947) 8.
b)
die beschaffenheit des zimmers, durch adjektive geschildert. α) die gröszenverhältnisse:
es treibt mich aus dem engen zimmer
Körner w. 2, 48 Hempel;
es ist nötig zu sagen, dasz mein vetter ziemlich hoch in kleinen niedrigen zimmern wohnt E. T. A. Hoffmann s. w. 14, 148 Gr.; die unordnung in dem niedrigen zimmer Alexis Roland (1840) 1, 11; er ... trat dann in ein mäszig groszes zimmer Storm s. w. (1898) 1, 4; es wurden ihnen schön gezierte, grosze zimmer eingeräumt, wo sie bequem schlafen, essen und wohnen konnten Aurbacher ein volksbüchl. (1835) 79. β) die belichtung:
was seh ich in den hellen zimmern,
die lust und pracht und glanz erfüllt,
für ein bezaubernd wesen schimmern?
Gottsched ged. (1751) 1, 70;
ein helles, geräumiges und reinliches zimmer Möser s. w. (1842) 1, 128; im erdgeschosz fanden sich schöne heitere zimmer Göthe I 33, 47 W.; (wie ein hilfloses kind,) das aus gespensterfurcht in ein helles zimmer flieht und ins licht starrt, um links und rechts keine spukgesichter zu erblicken Heyse kinder d. welt (1921) 2, 216;
bei winternächtger stille
im lampenhellen zimmer
lag ich in tiefen träumen
auf grünem pfühl
mod. dichtercharaktere (1885) 27 Arent-C.-H.;
hier musz ich ganze wochen lang
im dumpfen zimmer sitzen
Miller ged. (1783) 62;
elendes, finsteres zimmer camera, stanza misera, oscura Kramer t.-ital. 2 (1702) 1465ᶜ;
und wer hilft künftig dir, in diesen schwarzen tagen,
der bangen einsamkeit so schwere last ertragen,
die dich, mit starker hand, im dunklen zimmer hält?
Giseke poet. w. (1767) 49;
eben so mag es dem doctor Wall mit dem elektrischen scheine des bernsteins gegangen sein, den er bei tage, selbst im dunkeln zimmer, kaum gewahr werden konnte Göthe II 1, 4 W.;
darum ... zieht's mich immer
aus dem engen, finstern zimmer
Müllner dram. w. (1828) 1, 62;
noch oft im winter ...
... werden wir
an diesen sommernachmittag
gedenken, und sein nachglanz wird dann lieblich
ins düstre zimmer blicken
Grabbe s. w. 1, 354 Blum.;
ein halb dunkles zimmer, in einer einsamen burg, bei einbrechender nacht ist nicht geeignet die gespensterfurcht zu vertreiben Alexis d. hosen (1846) 1, 111; in einem niedern dunklen zimmer ... erwachte Hans Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 26. γ) das adjektiv verrät die ausstattung und dadurch den anspruch und die gesellschaftliche stellung ihrer bewohner: sein kercker ist mehr denn ein fürstlich zimmer Gryphius trauersp. 82, 243 Palm;
wissenschafft und höfligkeit paaren sich nicht immer;
öffter ist ein höltznes haus, wo ein goldnes zimmer
Logau s. sinnged. 352 lit. ver.;
schönes, herrliches, stattliches zimmer stanza bella, magnifica, pomposa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1465ᵇ; ein aufgebutztes, aufgeschicktes zimmer camera parata, affettata, conciata, ammobiliata, fornita ebda 2, 1465ᶜ;
er irret misvergnuͤgt durch reich vergoldte zimmer
Cronegk schr. (1761) 2, 11;
mögen sich die sein joch aufladen,
die mitessen von seinen gnaden,
die mit ihm tafeln im goldenen zimmer
Schiller 12, 51 G. (Wallensteins lager 11);
mein gott! eilen sie vorwärts! die luft wird immer dicker in diesem vergoldeten zimmer Klinger w. (1809) 9, 186; als wir in seiner wohnung anlangten, welche aus ein paar eleganten zimmern in einem schönen hause bestand G. Keller ges. w. (1889) 2, 19; ich habe ein charmantes zimmer im nämlichen hause, wo der erzbischof wohnt Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 4; in stolzen zimmern Cronegk schr. (1771) 1, 284; die zimmer waren nett und stolz Drollinger ged. (1735) 147. δ) das adjektiv dient zur unterscheidenden bezeichnung: im grünen zimmer Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 79; die sopha- und stuhlkappen aus den guten zimmern lasse ich waschen, wie auch die vorhänge aus diesen vorderen stuben, die ich nun für mich nehmen werde Schiller br. 7, 175 Jonas. in Berliner mietshäusern gibt es ein langgestrecktes, halbdunkles, weil nur durch ein fenster zum hof erleuchtetes verbindungszimmer zwischen vorder- und seitenflügel. in andern städten wurde diese bauweise nachgeahmt und der entsprechende raum berlinsches zimmer genannt, wofür der erste beleg dieser: mein gast wird in dem berlinschen zimmer schlafen J. T. Hermes Sophiens reise (1774) 6, 166; jetzt, auch in Berlin, Berliner zimmer genannt; voraufgegangen aber ist der name Berliner stube, wie Brendicke Berl. wortschatz 86ᵇ und der richt. Berliner⁸ 22ᵇ bezeugen. 'das empfangszimmer, die am besten eingerichtete und zugleich am wenigsten benutzte stube, heiszt oder hiesz in Berlin die gute stube ... in Koblenz dafür gutes zimmer' Paul Kretschmer wortgeographie d. hochdt. umgangsspr. 508; weitere angaben über die verbreitung des ausdrucks gute stube s. t. 10, 4, sp. 161. das adjektiv gibt einen zustand, in dem das zimmer gehalten wird, an: verschlossenes zimmer camera, stanza chiusa, serrata Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1465ᶜ.
c)
sachangaben, die α) die ausstattung beschreiben: er hatte sich einen teppich in die mitte des zimmers ... anzuschaffen gewuszt Göthe I 21, 87 W.; ich höre, dasz man in Dresden bordüren zu zimmern, wie auch spiegel haben kann Schiller br. 5, 320 Jonas; die pracht der livereyen, der glanz der equipage und der schmuck der zimmer war dem übrigen aufwande gemäsz Schiller 8, 144 G.; ein zimmer zu astrologischen arbeiten eingerichtet ebda 12, 205 G.; mit ähnlichen teppichwerken waren die wände des zimmers bis zu einer gewissen höhe behangen G. Keller ges. w. (1889) 6, 58; er sah ein blankgescheuertes zinnernes geräthe im zimmer Hegel w. (1832) 15, 299; die wände des zimmers waren zwar nur übertüncht Alexis Roland (1840) 1, 74; in den räumen des arsenals sieht man noch ... den tisch von marmor, an welchem er (Sully) schrieb, in dem niedrigen, an decke und wand getäfelten zimmer Ranke s. w.⁴ (1867) 6, 60; darin sasz, in einem noch nicht kalktrockenen ... zimmer ein postoffiziant, und las, und las, und überhörte ... unsere ankunft Pückler briefw. u. tageb. (1873) 6, 56. β) das zimmer als heizbar bezeichnen:
so oft du läszt ein kaltes zimmer heizen,
so oft verjage du die kälte deiner brust
Triller poet. betracht. (1750) 1, 21;
die reformirten, deren letzte hofnung auf dem ausschlag dieser unterredung (zwischen Oranien und Egmont) beruhte, hatten mittel gefunden, den innhalt derselben durch einen spion zu erfahren, der sich in dem schornstein des zimmers versteckt hielt, wo sie vor sich gieng Schiller 7, 286 G.; das zimmer ist die bezeichnung für fast jeden heizbaren raum Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 928. aber das sind keineswegs alle zimmer: es ist da nicht einmal ein zimmer, das man wärmen kan Lichtenberg br. (1901) 2, 242. γ) vorrichtungen, die dem zimmer die wärme erhalten: teppichte, tapeten, hundert erfindungen, (die dazu dienen) ein fast hermetisch verschlossenes zimmer in einerley wärme zu erhalten Gottsched anmuth. gelehrsamk. (1758) 17; das ohnedies gegen das rauhe wetter schutz gewährt:
du zärtling, der ... sein leben im wärmenden zimmer verlebt
Becker mildheim. liederb. (1799) 49:
um die herbstzeit, wenn man abends
feld und garten gerne wieder
tauschet mit dem wärmern zimmer
Mörike w. 1, 166 Göschen.
δ) andere angaben betreffen die lage der zimmer zu einander und im hause: bekannt ist es sattsamb, dasz gott ... das gebäu der archen vorgezaichnet, auch beynebens gar genau befohlen, er soll ochsen, esel, sambt denen thieren in dem underen stock lossieren, die menschen aber in das obere zimmer Abraham a s. Clara Judas (1686) 1, 90;
denn am abende komm'ich und hol'es, wenn sich die mutter
in ihr oberes zimmer entfernt
Voss Odyssee 31 Bernays;
welcher (der gang) ... zu den höhern zimmern des hauses führte Tieck schr. (1828) 17, 5; die untern zimmer sind mehrentheils zu wohnungen für bediente, oder zu kramläden ... bestimmt J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 37; wie die (jungfrauen der königstochter von Portugal) aber in die innern zimmern giengen, sahen sie wol, das die vögel uszgeflogen und darvon waren Zimmer. chron. (²1881) 3, 32; als sie (Knecht und ein schüler) dort den pavillon betraten, den der alte magister in den gärten bewohnte, ... hörten sie musik aus dem hinteren zimmer her H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 359; von diesem vorzimmer kam man in das zimmer des herrn Stifter s. w. 5, 1 (1908) 146; es war noch nicht zum grundsatz geworden, dasz man nur in einer langen reihe von zimmern, bei flimmernden lüsters ... fröhlich sein könne W. Hauff w. (1890) 1, 40;
ein riesenschlosz,
wo schwüler zauberduft und lichterschimmer,
und bunte menschenwoge sich ergosz
durch labyrinthisch vielverschlungne zimmer
Heine s. w. 1, 89 Elster;
freut es mich doch immer
nicht entfernter dich zu wissen
als im nächsten zimmer
Rückert ged. (1841) 375;
Jacob und Wilhelm Grimm hatten in ihren schuljahren an einem tische gearbeitet, später an zwei tischen in demselben zimmer, zuletzt in zwei an einander stoszenden zimmern Scherer kl. schr. (1893) 1, 6; denn ich kann nie hören, ob sie auf ihrem zimmer ist, obschon unsere zimmer nebeneinander und zudem durch eine tür verbunden sind A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 28 Schulte-K.; die untern stockwerke sind dunkel, sowohl in den gemächern wegen der enge der gassen, als auf den treppenräumen und fluren, weil alle fenster für die zimmer benutzt werden G. Keller ges. w. (1889) 1, 31. ε) es wird für den gebrauch zurechtgemacht: ich liesz schon die besten zimmer für sie zurechte machen Gellert s. schr. (1839) 3, 83; er liesz die zimmer reinigen und bewohnbar machen Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 2, 179; ich will ... ihr zimmer in ordnung bringen Schröder dram. w. (1831) 1, 4;
sprachs, und führte sie leis' in der schule gesäubertes zimmer
J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 289;
genug, als der wirt freudestrahlend und händereibend vor ihn hintrat und fragte, ob der herr graf Strapinski zum nachtisch ein glas alten tokaier oder ein glas champagner nehme, und ihm meldete, dasz die zimmer soeben zubereitet würden, da erblaszte der arme Strapinski, verwirrte sich von neuem und erwiderte gar nichts G. Keller ges. w. (1889) 5, 20; das zimmer (einer jungen frau) war richtig, weil es vollkommen aufgeräumt war Anna Seghers d. toten bleiben jung (1950) 14.
d)
ausdrücke für α) betreten, verlassen des zimmers und geleiten ins zimmer:
(Helena) gar bald ausz ihrem zimmer gieng
Spreng Ilias (1610) 32ᵇ;
sie führete ihn in ein zimmer Grimmelshausen 2, 337 Keller; als es doͤmmerlich zu werden begunte, begaben sie sich in ein zimmer Zesen rosenmând (1651) 33;
ein fremder an den thüren
begehrt, ich woll alsbald ihn in disz zimmer führen
Gryphius trauersp. 100 lit. ver.;
ich trat ins zimmer Blumauer ged. (1782) 211; diese geleitet ihn nach seinem zimmer Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 67; der baron hatte kaum das zimmer verlassen Göthe I 22, 8 W.; erwacht sie, so streckt sie mir die hände entgegen und sagt: 'gehe nicht aus dem zimmer, sonst sterbe ich' L. v. Gall an L. Schücking 7 Muschler; und verliesz, allen eine gute nacht wünschend, das zimmer Immermann w. 1, 11 Boxb.; nach seinem eintritt in das zimmer Mörike w. 3, 23 Göschen; wir wollen ins zimmer gehen Polenz Grabenhäger (1897) 1, 10; sie fürchtete sich schlieszlich, überhaupt aus dem zimmer zu gehen Kahlenberg Eva Sehring (1901) 13. β) unruhiges hin- und hergehn im zimmer als ausdruck der nachdenklichkeit oder erregung: der herr spatzierte das zimmer auf und ab und guckte mich unterweilen an Bräker s. schr. (1789) 1, 91; der minister ging seufzend und einsam in seinem zimmer auf und ab Klinger w. (1809) 3, 133; Moor tritt herein in wilder bewegung, und läuft heftig im zimmer auf und nieder Schiller 2, 46 G.; als herr Johannes mit festen schritten das zimmer masz Alexis Roland (1840) 1, 82;
Paulinchen aber freut sich sehr
und sprang im zimmer hin und her
Hoffmann Struwwelpeter 6.
e)
stimmung und gefühl, welche durch das zimmer geweckt werden, α) der raum, dessen behaglichkeit und gemütlichkeit seine bewohner mit wohlbefinden und ahnungsvollen erinnerungen erfüllt:
so soll ich dich verlassen, liebes zimmer,
wo in mein herz der himmel niedersank
Lenz ged. 220 Weinh.;
hast du keine situationen in deinem leben gehabt, wo deine seele einmal ganz auszer dir wohnte, hier in diesem romantischen zimmer deiner geliebten, dort auf jener starren leiche Herder 5, 227 S.; lasz dir in meinem zimmer wohl werden Göthe IV 8, 50 W.;
und als ich trat ins zimmer,
da wars nicht mehr ein traum,
da stand im vollsten schimmer
der schönste weihnachtsbaum
Strachwitz ged. (1850) 215;
er zündete nun seine türkische pfeife an und erfüllte das zimmer mit dem fremden wohlgeruch des morgenländischen tabaks G. Keller ges. w. (1889) 4, 27; endlich wandte sie sich wieder ab und setzte ihr rad in gang, aber als ob sie spürte, dasz die augen des nachbars an ihr hängen blieben, erhob sie sich und ging nach der dämmernden tiefe des zimmers ebda 2, 112; vergegenwärtige dir ein dämmeriges stimmungsvolles zimmer Schnitzler Anatol (1901) 36; was aber übler tabakrauch nicht zuwege bringt: affumar la stanza col tabacco das zimmer mit tobacksrauch anstänckern Castelli wb. (1741) 1, 23ᵃ; aber auch anderseits schwermut nicht zu bannen vermag: wenn ... ich melancholisch allein sasz in meinem zimmer maler Müller w. (1811) 1, 353. β) sich darein verschlieszen: im zimmer verschlossen leben vivere chiuso, rinchiuso, chiavato in camera sich in sein zimmer verschlieszen serrarsi, chiudersi, it. ritirarsi, racciogliersi in camera Kramer t.-ital. 2 (1702) 1465ᶜ. γ) die schöne natur lockt ins freie: die liebliche frühlingszeit lockte ihn eines morgens aus seinem zimmer Braunschweig Octavia (1677) 1, 3;
als mich solch stralenschwangrer schimmer
beredt' und lockte dergestalt,
dasz ich die sonst gewohnte zimmer
verwechselte mit feld und wald
Brockes bei Weichmann poesie d. Nieders. (1721) 2, 107;
auch um mich, der endlich entflohen des zimmers gefängnis
Schiller 11, 76 G.;
bei diesem schönen wetter hier im zimmer eingesperrt sitzen zu müssen, wenn alle geschöpfe gottes sich des lieben sonnenblicks freuen, ist das nicht traurig? ders., br. 2, 81 Jonas; in freier luft kann ich alles denken, was im zimmer unmöglich war Bettine d. Günderode (1840) 1, 1; im einsamen zimmer halt' ich's nicht aus! Holtei erz. schr. (1861) 1, 12. oder sie lenkt die aufmerksamkeit des zimmerbewohners auf sich: der wind rauschte an meinem einsamen zimmer Caroline 1, 27 Waitz;
die nacht ist gar zu dunkel,
und durch mein zimmer zieht
der fliederduft, wie ein süszes
trauriges liebeslied
Agnes Miegel ball. u. lieder (1922) 68.
δ) auch übersinnliche eindrücke können sich einstellen: der mythus sagt, in solchen zeiten fliege ein engel durch das zimmer Immermann w. 1, 38 Boxb.
f)
wohnung hoher gesellschaftsschichten und ort gebildeter unterhaltung und kunstgenusses:
von jeder werkstatt an, bisz nach des hofes zimmern
v. König ged. (1745) 115;
du bist hier nicht wie sonst in deines schlosses zimmern
Gottsched dt. schaubühne (1740) 2, 34;
camerarii ..., denen die koͤniglichen zimmer und schaͤtze anvertraut waren M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 299; die herrlichen blumenstücke ... welche in serenissimi zimmern sind Göthe IV 29, 23 W.; erzeigen sie mir heute das vergnügen sie mittags zu tische bey mir zu sehen, morgen sind sie zu durchl. dem herzog aufs zimmer eingeladen ebda 14, 18 W.; die böhmischen kugeln flogen in die kaiserliche burg (in Wien), wo sechzehn österreichische baronen sich in sein (des erzherzogs Ferdinand) zimmer drängten Schiller 8, 79 G.; schon wandelt allmählig die populär gewordene litteratur aus den zimmern unter die treppe, und mir ist eine lesegeselschaft bekant, zu welcher ein paar kutscher gehören Sturz schr. (1779) 1, 119; in kleinen zimmern und sälen thun seine meisten sätze eine sehr schlechte wirkung Schubart ästh. d. tonkunst (1806) 48; welch ein unterschied, wenn dieses vielbemeldete kunstwerk von vier geschickten musikern ... in einem stillen zimmer ... höchst präcis vorgetragen wird! (1788) bei O. Jahn Mozart (1856) 4, 49.
g)
museale räume: indesz grosze und kleinere zimmer ... monumente aller zeiten enthielten Göthe I 46, 48 W.; was mich sonst am meisten hier anzog, waren die seit meiner abwesenheit von Paris neu eröffneten zimmer im Louvre Fr. Schlegel s. w. (1846) 6, 226.
h)
das wort zimmer wird mit einer verwandten raumbezeichnung zu einer gruppe vereinigt: sovil die siechtagen ... diser würmlin belanget, ... item man soll kolfeuer ... inn ire zimmer oder gemach tragen Sebiz feldbau (1579) 453; die (hat) in ihrem zimmer und gemach das schöne schneeweisze bild der jungfrauen Andromeda auffgehenckt gehabt Dannhawer catech.-milch (1657) 6, 113;
in deiner zimmer einsamstem gemach
entledige sich dein gerechtes ach!
Göthe I 13, 1, 181 W.;
ob zwar das wort stube so gar haͤszlich nicht ist, als etwa das wort dirnste, ... so wuͤrde es doch die rede verunsaubern ... wenn ich dasselbe von einem fuͤrstlichen gemach oder zimmer brauchen wolte Buchner anleit. z. d. poeterei (1665) 29; manchmahls wahr es ausz einem zimmer oder stube in die andere gelauffen Prätorius d. abenth. glückstopf (1669) 64; vgl.: zimmer- und stubenmusicanten A. Cario n. hall- u. thonkunst (1684) 161; zimmer und kammern mit tapeten geteilt Bodmer d. Noah (1752) 14;
die niedre kammer tausch ich um mit zimmern,
wo decken strahlen, wo tapeten schimmern
Göthe I 13, 1, 136 W.;
logis für dreie brauchen wir also, ein zweischläfrig zimmer für mich und mein kind ... und eine kammer, nicht zu weitab, für meine jungfer Thomas Mann Lotte in Weimar (1946) 10; führte sie durch die zimmer und säle des schlosses Musäus volksmärchen 1, 10 Hempel; zimmer, die man füglich säle nennen könnte Schwegler jahrb. d. gegenw. (1847) 197; vorsäle, die selbst recht gut hätten zimmer sein können Göthe I 27, 228 W.; führe den esel nicht in den saal, denn nacher wird er dich sowohl aus dem saal, wie aus dem zimmer hinaus jagen Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 362ᵇ.
i)
die schriftsteller gebrauchen das wort zimmer unbedenklich für wohnräume der antiken kulturländer:
Venus gieng zu ihr eylends dar
und fand sie bey der weiber schar
traurig zu oberst an der spitzen
in einem hohen zimmer sitzen
Spreng Ilias (1610) 37ᵃ;
Virgil, der seine verse dem herren der erde in seinen zimmern vorlas Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 152;
in funfzig zimmern von behaunem stein,
erbaut je eins am andern, hauseten
mit ihren weibern Priams soͤhne hier
Bürger s. w. 172 Bohtz;
daher sieht man in zwey verschütteten zimmern ... die zierrathen von golde so frisch, als wenn dieselben neulich gemacht worden; ohngeachtet diese zimmer wegen des erdreichs, womit sie bedecket sind, sehr feucht seyn Winckelmann w. 5 (1812) 136; musz man den in demselben zimmer in Herculaneum gefundenen Apollo vergleichen Welcker alte denkm. (1849) 4, 4; schon in seiner jugend hatte er sich fern gehalten von dem ... antichambriren in den zimmern der vornehmen senatoren Mommsen röm. gesch.⁴ (1865) 2, 83. ungewöhnlich ist folgender fall: in die zimmer aber der dames (des königs), unter diesen gezelten, vermoͤgen die augen der mannspersohnen so wenig zu dringen, als in das serrail selbst Olearius d. itz. staat d. königr. Persien (1696) 17ᵇ.
j)
die wörterbücher gesellen vom 16. jh. an zimmer mit gemach und setzen für beide wörter das lat. conclave, so Frisius 314 zimmer, gemach conclave, Frischlin (1586) 193, Dentzler (1697) 364, Pomey (1720) 175, oder ein anderssprachiges wort wie chambre Hulsius-Ravellus (1616) 431ᵇ, Stoer (1663) 634, Widerhold (1669) 436ᵇ, Rädlein (1711) 1095, Ludwig (1716) 2595; zimmer conclave bieten u. a. Schönsleder (1618) o. s.; Weismann (1698) 462; Kirsch (1718) 366; Frisch 2, 478ᵃ; cubiculum Schottel haubtspr. 1448; stanza, camera Hulsius (1618) 283ᵃ; appartamento, stanza, camera, quarto, quartiere Kramer t.-ital. 2 (1702) 1465ᵇ; ausführlich: propr. structura et aedificium integrum, hodie autem pars solum domus est, conclave nempe, cubiculum et habitatio (also zimmer, schlaf- und wohnzimmer) Stieler 2351, conclave, hypocaustum, cubiculum, coenaculum (dazu die angabe heizbar und eszzimmer) Steinbach (1734) 2, 1093. im verhältnis zu stube ist zimmer schon im 17. jh. als der vornehmere, gewählte ausdruck nachweisbar. der Dresdner poetiker Aug. Buchner schreibt in seinem kurz. wegweiser zur teutsch. tichtkunst (1663) 51: ferner soll man sich von allen unsauberen unhöflichen und dergleichen worten ... enthalten, als welche beim gemeinen bauersvolck im brauch seind, als dortsche für stube, wiewohl ich auch dieses zu setzen bedencken hette. denn der poet auf die auserlesenste wörter sehen soll, daher er lieber ein zimmer zu nennen, welches nicht gar so gemein und bei den höfflichen im brauche ist. Gottsched bemerkt: ein haus musz schon wohlgebauet sein, ... wenn man ihm zimmer beylegen soll. stuben hingegen gesteht man allen, auch schlechten häusern zu, die aber nur öfen zum einheizen haben müssen beob. üb. d. gebrauch u. miszbr. viel. dt. wörter (1758) 263. Stosch gleichbed. wört. (1772) 2, 112 nennt stube den allgemeinen ausdruck für einen heizbaren wohnraum, aber in 'groszen und schönen' häusern gelte dafür die bezeichnung zimmer, 'von einer bauerstube kann man nicht sagen das zimmer'; Eberhard synon. (1795) 6, 148 schreibt: in den prächtigen häusern der reichen und groszen werden die schönen und bequemen abtheilungen, welche zum gewöhnlichen bewohnen eingerichtet sind, zimmer und gemächer genannt. diese begreifen auch die stuben unter sich, und das, was in einem gemeinem bauer- oder bürgerhause eine stube ist (nämlich eine heizbare, zum gewöhnlichen aufenthalt bestimmte abteilung des hauses, im gegensatz zur kammer), heiszt in den prächtigern häusern der reichen und groszen, wenn es zur wohnung für die herrschaft und nicht für das gesinde bestimmt ist, wie die gesindestube, ein zimmer oder gemach. Adelung² 4, 1716 sieht in zimmer den einzigen ausdruck der 'anständigern und edlern sprechart' für eine zum aufenthalt von menschen bestimmte abteilung eines gebäudes, welche man in den 'gemeinen sprecharten' eine stube oder kammer nenne. er fügt hinzu, man könne diese beiden wörter indessen nicht entbehren, wenn ein genauer unterschied notwendig sei. für Weigand synon.² 3, 751 sind zimmer und gemach 'vornehmer und edler' als stube und kammer, zimmer sehe mehr auf aussehen und ausstattung, gemach auf bequemlichkeit, der höhere stil liebe vornehmlich dies letzte wort. schlieszlich lehrt Kaeding häufigkeitswörterbuch die starke bevorzugung des wortes zimmer gegenüber stube in der schriftsprache, indem die dort verwertete literatur zimmer 2427 mal, stube aber nur 445 mal gebraucht. die schriftsprache verwendet heute zimmer als das allgemeinere wort, wie aus folgendem beleg erhellt: wir sollten dir zu ehren, bis du kommst, zwei zimmer, die untere wohnstube und oben das gaststübchen, tapezieren lassen Mörike s. w. 4, 190 Krausz. über die verbreitung der beiden wörter in der umgangssprache ist aus P. Kretschmer wortgeogr. d. hd. umgangsspr. 505 zu ersehen, 'dasz stube im norden die gewöhnliche und volkstümliche bezeichnung ist, zimmer daneben gebraucht wird, aber als feinerer, gewählter, auch schriftsprachlicher ausdruck, während im süden zimmer in der hd. umgangssprache fast allein üblich ist, stube der mundart angehört ... und daher dem städter die bauernstube bedeutet. auch Westdeutschland scheint zimmer zu bevorzugen'. als das gebiet von zimmer werden ebda die alem. und bair.-österr. länder auszer Schwaben, wo stube gelte, angegeben; auch im westen überwiege zimmer. wie wenig die umgangssprache den älteren zustand bewahrt, zeigt der wortgebrauch der mundarten. diese kennen als das volksläufige wort ganz Oberdeutschlands allein stube, wenn auch die wörterbücher und grammatiken das eindringen des schriftsprachlichen zimmer in den sprachvorrat der gehobenen gesellschaftsschichten nicht übersehen. schon Schmeller stellt fest, dasz zimmer der vornehmere ausdruck sei, doch bringt er keine belege für dieses wort, während sein artikel stube mit reichlichen zeugnissen ausgestattet ist; das gleiche gilt für H. Fischer, doch hat er schon einige redensarten mit zimmer. in Westdeutschland steht es ebenso: die Pfalz, Lothringen (hier ist zimmer besser bezeugt, aber stube herrscht vor), das Rheinland, Luxemburg, Hessen und Nassau halten an stube fest, lassen aber zimmer als das vornehme wort zu. dasselbe bild zeigen Thüringen und Sachsen. dem nd. gebiet war die stube nie eigen, hier hat sich erst in jüngerer zeit auf dem lande das der schriftsprache entlehnte stuwe festgesetzt, während zimmer nur in die groszen städte eingang fand; schon das brem. wb. und Dähnert führen es an.
5)
übertragener gebrauch.
a)
zimmer bezeichnet von der bedeutung balken her das kreuz Christi:
dar zu er unsz zu selikeyt
zoch durch sein demutig menscheyt,
dar in er leyt
hie an desz krewczes zymer
Hans Folz meisterlieder 66, 50.
b)
als gezimmerter bau steht zimmer bildlich bei Notker für das weltgebäude in dem compositum werltzimber: hic tenet sceptrum dominus regum orbisque habenas temperat ... unde des uuerltzimberes zûol zihet er unde intlâzet er Boethius de consolat. philos. 1, 230 Pip.; et hic est veluti quidam clavus atque gubernaculum, quo mundana machina stabilis atque incorrupta servatur unde diz ist ter nagel ioh tiu stiura mit tero daz uuerltzimber gehalten wirt stâte unde ungeuuertet 1, 214 Pip.; atque ab ipso s. axe totam cęli molem machinamque torqueri unde an iro uuerben alla dîa heuigi des uuerltzimberes Capella 1, 839 Pip.; sowie in übertragung auf geistliche und geistige schöpfungen; für die geistliche kirche in des Albertus leb. d. heil. Ulrich v. 370 (zit. t. 4, 1, 4, 7154), für ein gedicht oder eine religiöse vorstellung:
des getihtes zimmer, ob daz nâch winkelmezze sî
niht geschicket noch nâch mûrers meisters blî,
daz nemt vür guot, daz uns got vreud geb immer
Lohengrin 7647 Rückert;
diu ander magt (seele) leit grôze nôt
von ir friedel (leib); ofte ir ougen wurden rôt.
nu merke, wîser meister, waz ich singe:
er warf an si gar smæhen mist,
dar nâch erdâht er einen wunderlîchen list,
daz er si truoc zuo eines brunnen springe.
er wuoschs mit guotem willen abe, swâ er si hæte entreinet,
daz im der kunic günste jach.
ûf diz selbe zimber hœrt von erz ein dach.
ich (Ofterdingen) muoz in prîsen, swer mirz rehte erscheinet
Wartburgkrieg 39, 9 Rompelman;
sît ich mit erze decken sol,
got von himel ist der künic, sô prüeve ich wol
zwô sêlen bî den schœnen kinden beiden.
die mannes bilde tragent wîp
tôtiu, von der sêle lebendic wirt ir lîp.
si habent der krônen niht, die wîle si heiden
sint, die bringet in der touf bî zwênzic wochen gelîche.
diz tragent die vier ûf houbten zwein.
swer mir daz wider wirfet, der muoz sprechen mein.
sus decke ich (Wolfram) frömdez zimber meisterlîche
ebda 40, 10;
vgl. bei Heinrich von Mügeln lobes zimmer, genaden zimmer zit. in Maurer-Stroh dt. wortgesch. 1, 230; sie lassen von ihrem dencken nicht, sie zimmern und hoffeln einen gott, wie sie ihn gerne hetten. ein münch zimmert bey sich selbs einen solchen gott, der droben sitze und dencke also: wer sanct Franciscus regel hellt, den wil ich selig machen ... keiner denckt nicht, das gott den verworffen eckstein allein erwelet und alle ihr zimmer und gebew verdampt Luther 31, 1, 175 W. die grammatischlogische beziehung von subjekt und prädikat hatte Notker durch das bild fundament und oberbau unter verwendung von uberzimber ausgedrückt: ipsius autem proloquii partes sunt subiectivum et declarativum taz fundament unde daz uberzimber de syllogism. 1, 598, 16 Piper; tes êrerin uberzimber uuirdit tes afterin fundament 1, 598, 23 Piper; die mhd. periode gebraucht in diesem sinne gezimmer (belege t. 4, 1, 4, 7154) und zimmer: der gerechte lebt von dem geloubn, spricht sente Paulus. als aber die gruntveste ein niht ist ane daz zimir, also ist der geloube ein niht ane gute werk altdt. predigt. 1, 303 Schönbach;
send mir ûz dîner gotheit sark
die gruntvest und daz zimmer,
dar ûf ich bûwen wil
des paternoster wirdikeit
Kolmarer liederhandschr. 195, 4 Bartsch.
c)
reicher belegt ist zimmer als wohnraum in der übertragung auf den religiösen oder mythologischen und den astronomischen himmel sowie auf die erde:
da (im himmel) waren unterschiedne chorn,
viel zimmer und erhobne thorn
Ringwaldt christl. warnung (1588) b 5ᵇ;
da hat der sternen fuͤrst sein zimmer aufgeschlagen
(gott am himmelszelt)
Joh. Klaj geburt Jesu Christi 53 Flemming;
o gottes statt, o vatters hausz,
o süsze ruh, o liblichs wesen!
itz flieh ich von der welt hinausz,
in deinen zimmern zu genesen
Joh. Rist bei Fischer-Tümpel d. ev. kirchenl. 2, 314;
und ständ' ich am himmelsthore, ich schlüg' es trunken ein,
und schlösse mich auch sanct Peter von gottes zimmer aus
Strachwitz ged. (1850) 122;
der glanz des ewigen füllt Zeus bestirntes zimmer bei Gottsched anmuth. gelehrs. (1757) 833;
dein ordentlicher gang war in der Themis zimmer,
und hier kont auch vor dir kein rechtsstreit dunckel seyn
Joh. Chr. Günther s. w. 5, 114 Krämer;
lasz, was vergangen ist, dich weiter nicht bekümmern,
denn die vergessenheit verschleuszts in ihren zimmern
Gottsched dt. schaubühne 4 (1748) 265;
jetzt do Phoebus uhrlaub nimmt
und mit ihren lichten reyen
Luna an ihr zimmer kömt
Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 9;
so prächtig kan kein mond an den gestirnten zimmern
als wie der perlenschmuck bereifter scheiteln schimmern
Joh. Chr. Günther s. w. 5, 107 Krämer;
fast wie der sternen glantz an den sapphirnen zimmern,
sah man den bunten glantz der bunten bluhmen schimmern
Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 178;
die luft als das haus, dessen zimmer die drei anderen elemente einschlieszen: das element lufft ist in kein ding weitther geordnet, als allein zu einem hausz der andern drey elementen, dieselbigen zuhalten, ein jeglichs in seim zimmer also Paracelsus opera (1616) 2, 24. die erde das irdische zimmer:
ein nücze frag hastu getan,
der ich gancz willig dich will
wan in der weld gunst nymer unterrichten,
in dem irdischen zimer
menschlich geschlecht
nicht höcher kunst begreiffet
Hans Folz meisterlieder 8, 23; vgl. 96, 36.
d)
der schöpferischen natur wird ein geheimes zimmer zugesprochen, und die vorratsräume von bienen (die zellen) und ameisen werden zimmer genannt:
euren sinnen die natur
öffnet ihr geheimes zimmer
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 434;
die zimmer underscheiden,
versüszens (die bienen) mit geruch
Spee trutznachtigal (1649) 135;
ameiszen seind ein volk, das ...
in aͤmsigkeit sein amt, den sommer durch, verricht
und füllet, wan es zeit mit winterskost sein zimmer
Zesen helik. rosentahl (1669) 62.
e)
wie im oberstübchen (t. 7, 1104) mit bezug auf kopf und schädel in volkstümlicher rede üblich ist, so auch im oberen zimmer: wie vil (menschen) wurden in dem obern zimer des kopfs nuhr ein fenster (d. h. auge) haben (nämlich, wenn sie nach dem gebot der hl. schrift das auge, das sie ärgert, ausstächen) Abraham a s. Clara 40 lit. ver.; der hat etwas im oberen zimmer ist betrunken, auch nicht richtig im kopf H. Fischer schwäb. 6, 1, 1208. obszön vulva:
du lustort des Priapus zimmer
Stieler geharnschte Venus 69 ndr.
6)
das schöne bild des menschlichen körpers als eines kunstvollen gebäudes gebraucht dichterische hochstimmung vom körper des weibes, und religiöse verehrung wendet es auf die jungfrau Maria an; es wird bald auf ihren mutterleib bezogen; die mystik überträgt das bild auf den leib Jesu als wohnstätte seiner göttlichen person und als den ort der ruhe für die menschliche seele; die erste anwendung bezeugt ein beleg, der das compositum gezimmer enthält:
ach, ymmer we mir armen!
uf erden und in jenr welt
muͦz ich diner lieb gelt
an ende clagen ymmer,
sit daz din schoͤn gezymmer
schol ain anderr truͦten
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 10 036.
wie vereinzelt auch und zeitlich fern das folgende zeugnis auftreten mag, so scheint es doch derselben dichterischen vorstellung entsprossen zu sein, so dasz man zimmer darin als ausdruck für geschöpf fassen darf; die annahme der verkürzung aus frauenzimmer befriedigt nicht:
du schönes zimmer du,
dasz du mich bringst in ruh!
violen und narzissen,
die müssen aus dir sprieszen
und dich ganz decken zu!
Fleming dt. ged. 1, 417 Lappenberg.
die vier nächsten belege gelten der jungfrau Maria:
der magetliche zimmer,
in zuckersüezem smackes bradem
mit geistekeit gewidemet,
durchtrehtic wart, des wortes gadem
Frauenlob 233, 7 E.;
des freu dich immer
in dem zimmer,
da kain timmer,
trauren, wimmer
nie hin kam
Oswald v. Wolkenstein 53, 53 Schatz;
vgl.
wer het gelaubet ymer
das jungfrewlichs ynzimer
enphoen sollt
menliches sames ane
ein wor menschlich persane
Hans Folz meisterlieder 18, 41;
do der an anfang ewicleiche
dich hat erkorn, dez du fort ewig muter pist,
der in der fleischung liplich sich
durch dich bedeket mit der menscheyt zimer
ebda 67, 8;
gott losieret desz kindes zimmer unter der muͤtter hertzen, dasz ihm mutter lieb und trew eingeboren werde Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Gg 3ᵃ;
diss edle zimmer steht dir auff,
schlag deine sichre wohnung darinn auff;
an dieser liebsten seit (der geöffneten seite des gekreuzigten)
wohnt alle lieblichkeit
Bäumker kathol. kirchenlied (1886) 1, 494.
weniger plastisch ist das minnesingerische bild von der geliebten als der wohnung des herzens des liebenden:
beidi nacht und tag
vergisset er ir nimer,
sines hertzen zimer,
das er ist rehter staͤt vol
Laszberg liedersaal 1, 202.
fast zur selben zeit, wie zimmer die bezeichnung für den behaglichen, heizbaren wohnraum wird, tritt das zusammengesetzte frauenzimmer als der aufenthaltsraum adliger damen des hofstaates einer fürstlichen herrin ans licht, das vordem gebrauchte wort kemenate ersetzend: dem ob. 4 a α gebrachten frühbeleg von 1441 stellt E. Seidenadel zs. f. dt. wortforsch. 5, 63 ein erstes zeugnis von 1455 für frauenzimmer zur seite. da wäre nun der ob. im einleitenden abschnitt 'bedeutung' angenommene gesellschaftliche anstosz für den neuen wortgebrauch von zimmer gefunden. dieser engen beziehung der beiden wörter zu einander konnte aber auch der umgekehrte vorgang entspringen, indem sich, ein halbes jahrhundert später, aus der zweiten wortbedeutung von frauenzimmer als der gesamtheit der sich im fürstlichen frauengemach aufhaltenden adligen hofdamen mit dem gleichen sinn das einfache zimmer herleitete. dem einsamen ersten zeugnis für frauenzimmer von 1455 folgt erst 1499 die reihe weiterer belege (ebda 65). vom 24. mai 1497 nun datiert der erste fall eines zimmer in dieser verwendung, die in ihm und den zwei nächsten noch durch den sachlichen zusammenhang gestützt ist; während die beiden folgenden, bei niedrigerer gesellschaftlicher geltung, der stütze entbehren: allergnädigster herr, ich verhoff nit unrecht gethan zu haben nach dem und sy ie in e. k. mt. zimer ist gebest urk., br. u. actenst. z. gesch. Maximilians I. 190 Chmel; item sie hat sich understanden und hat wöllen weissagen, dasz sich zuͦ derselbigen zeit kaisers Maximilians hausfrau mitsambt irem zimer und alles volck zuͦ Augspurg, gaistlich und weltlich, barfuesz und wullen beclaidt ainen kreutzgang gethan hat (Augsburg 1513-14) chron. d. dt. st. 29, 20; als nun der künig Floreys die künigin mit irem zimmer an den zinnen sach, da grüeszt er sie nach künigklichen würden und eeren history von herren Wigoleis vom rade (1519) A 4; die braut brangt daher mit irem frawenzimmer und par gespilen, mit trummen, pfeiffen ... an etlichen orten fahen die braut und ir zimmer die jungen gesellen, daz sy sich von inen loͤss Franck weltbuch (1542) 128ᵃ, wo also zimmer und frawenzimmer in gleicher bedeutung nebeneinander gebraucht werden;
mit irem zimmer die schoͤn kam
gantz züchtig gangen inn den sal
Wickram w. 7, 280 Bolte.
7)
dim.
zimmerchen n
(zu I 4): ich naͤherte mich nunmehr einem langen duncklen gange, worauf unzaͤhlige zimmergen mit gegitterten fensteren waren Lindenborn Diogenes (1742) 1, 195; in dem kleinen zimmergen d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 201; was gab ich ihr dann? — ein biszchen essen und ein zimmerchen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 2, 87; auf ihrem zimmerchen bleiben Lenz ges. schr. 1, 62 Tieck; geh nach hause, 's ist rauh, sitze in dein zimmerchen bey toback und bier maler Müller w. (1811) 2, 127; heimlich in mein zimmerchen verschlossen Göthe I 1, 71 W.; ich hab' eben ein hübsches stilles zimmerchen im garten ebda I 11, 136 W.; ich schreibe dir auf meinem zimmerchen im weinberg Schiller br. 1, 263 Jonas; wenn ich allein, in meinem recht hübschen zimmerchen in dem engen gäszchen sitze Caroline 1, 92 Waitz; ein einfaches zimmerchen — vom weinlaube gründämmernd — einige bücher von Fenelon und Herder ... das fand er Jean Paul w. 15/18, 278 Hempel; das saubere zimmerchen ... war mit den porträts berühmter gelehrten verziert Immermann w. 5, 170 Boxb.; Peter stöberte drei allerliebste zimmerchen in einem kleinen hause ... auf Holtei erz. schr. (1861) 22, 128; das nette zimmerchen Stifter s. w. 5, 1 (1908) 314; das zimmerchen, das Bernadette bewohnt (im krankenhause), ist kahl Werfel Bernadette (1948) 322. —
zimmerlein n.
ein artiges zimmerlein una stanzetta molto gentile Kramer t.-ital. 1 (1700) 34ᶜ; ein kleines, enges, finsteres und sehr unbequemes zimmerlein cameruccia, cameretta oscura, piccola, stretta, incommoda, disagiata ebda 2 (1702) 1466ᵃ; nachdem der wirth denen jungfern ein eigenes zimmerlein ... angewiesen hatte Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 108; das erste, anderte, dritte und vierte zimmerlein Lindenborn Diogenes (1742) 1, 196; er hat ... mir ... studien gezeichnet ... die ... mein zimmerlein zu einem schatzkästgen machen werden Göthe IV 8, 110 W.; die kleinen zimmerlein Alexis Woldemar (1842) 1, 99; Holtei erz. schr. (1861) 14, 76; er stieg aus und wurde in das zimmerlein hinaufgeleitet Stifter s. w. 4, 1 (1911) 25; schöne zimmerl (pl.) Leop. Mozart in: br. W. A. Mozarts 3, 192 Schied.; zimmerl eine kleine stube Nicolai österr. id. 144.
II.
stückmasz von 40 fellen, seit dem 12. jh. im hansischen pelzwarenhandel mit Russen und Skandinaviern bezeugt: anord. timbr, mnd., mndl. timber timmer, n., mlat. timbria, f., mengl. timber, afranz. timbre, m., f., spätmhd. zimber zimmer, nhd. zimmer, nschwed. timber, dän. simmer, negl. timber. die russische sprache hat zwar eine anzahl von pelztiernamen und benennungen von pelzwerkarten der deutschen und westeuropäischen handelssprache, nicht aber das wort timber zimmer geliefert, da ihrem bestande ein solches wort fehlt, und die vermutung des mndl. wb., afranz. timbre aus griech.-lat. tympanon kesselpauke liege zu grunde, kann gegen die zuweisung an das nd. durch Diez et. wb. d. rom. spr. (1853) 734 nicht aufkommen. dessen meinung hat sich die neuere forschung zu eigen gemacht. nur die frage, in welcher bedeutung zimmer zu nehmen sei, ob als haufe, stapel, strues der ahd. glossen oder als zimmerwerk, d. h. als ausdruck für die lagerung zwischen zwei brettern (s. unt. 2), ist noch strittig. für die erste treten ein Schmeller, Heyne, Hirt und H. Paul, für die zweite entscheiden sich Weigand, Schade altdeutsch. wb.² 2, 1261ᵇ, Jamieson scottish dict., n. engl. dict. und Hellqvist svensk et. ordb.² 2, 1186ᵇ. sie verdient den vorzug, da sie allein durch zeugnisse beglaubigt wird. die unt. 1 a mitgeteilte stelle aus der anorw. Knytlingasaga nennt als einzige quelle den serkr als 5 timbr enthaltendes mengenmasz: 'fünf zimmer sind im serk und 40 felle im zimmer'; serkr bedeutet hemd und ist deshalb zur bezeichnung des stückmaszes geworden, weil nach dem wortlaut des sagaberichts 5 timbr in ein hemdtuch eingeschlagen waren. für lange dauer ist es indessen nicht gebräuchlich gewesen und auszerhalb der nordischen länder nicht bekannt geworden. auf diese weise hat auch die umschlagshülle einem fellpacken einen kurzwährenden und örtlich beschränkten namen gegeben. über die art, wie der inhalt eines zimmers gelegt und zum versand verpackt worden ist, s. die bemerkungen unt. 2. wenn in Ruszland nach Dal (s. 2 b) die stückzahl 40 als handelseinheit gewählt wurde, weil soviel felle für einen ganzen pelz nötig waren, so hat diese zahl in Deutschland nicht ausgereicht, wie folgender vermerk im Marienburger tresslerbuch (1399-1419) 468 Joachim lehrt: item 41 m. 1 fird. vor 5 zymmer marder zu her Heynrichs mantel, und die rolle der buntmacher in Lübeck vom jahre 1396 verlangt für ein rückenfutter die verwendung von 6 zimmer 4 rücken aus eichhörnchenfellen, von 5 zimmern und 4 quaden für ein bauchfutter und von 3 zimmern und 2 fellen für ein buntvoder hans. geschichtsbl. (1893) 70, woraus erhellt, dasz die menge durch die art der verarbeitung der felle bedingt war. timber gilt nur vom pelzwerk, mnd. werk, lat. opus; dessen am häufigsten in den urkunden genannte arten sind das buntwerk, opus varium, das grauwerk, opus griseum, grossum, das rotwerk, opus ruffum und das schönwerk, opus pulchrum. nach zimmern wurden ursprünglich nur die felle der edelpelztiere (s. 1 a) gezählt, während geringere sorten zu tausenden, halben und vierteltausenden, verdendel, ndl. quarter, lat. quartale, und hunderten, bessere felle aber stückweise gehandelt wurden. später verwischt sich die grenze, und zimmer kommt auch für minderwertiges pelzwerk als stückmasz in gebrauch, wie auch bisweilen restbestände von tausenden nach zimmern angegeben werden (s. unt. 5). ein höheres einheitsmasz als zimmer kommt nur im anorw. serkr (s. ob.) vor, die niedrigere einheit ist der tendelinc 'zehnling'. streng geschieden vom pelzwerk wurden die häute; nur von ihnen war die bezeichnung deker decher für 10 stück gebräuchlich. häufig wurden sie in bündeln zusammengebunden oder in säcken verfrachtet; vgl.: de dekora coriorum venditorum 1 D ..., tursellus ultra caput ligatus et venditus in exitu 4 D, tursellus cum ligneis clavis sutus et venditus 2 D, mit der gleichzeitigen übersetzung: die deker huden, die vercocht ziin, 1 D ..., torseel ghebonden ende vercocht 4 D int huitvaren, torseel met houtinen naghelen ghenaghelt 2 D (zollrolle für Brügge u. Thorout 1252) hans. urkundenb. 1, 155. das geschlecht des wortes ist n., im lat. f. (s. ob. und 3 a); das afranz. schwankt: un timbre (Rouen 1207) s. 1 a; une demie tymbre d'ermines (1540) bei Godefroy dict. de l'anc. langue franç. 7, 719ᵃ; für sich steht die angabe zimmer, m., bei Ludwig teutschengl. (1716) 2595 und im deutsch-schwed. wb. (1749) 1875.
1)
zeugnisse für die stückzahl felle, die ein zimmer enthält. a) in der regel werden 40 stück angegeben: 'herra', sagđi hann, 'þér hafiđ gǫrt til vár í vetr mikin sóma ok veitt oss stórmannliga, en launin munu verđa minni af minni hendi, en vert væri; þér skuluđ þiggja af mér 40 serkja grárra skinna, en 5 timbr eru í serk, en 40 skinna í timbr.' hertoginn (Knut Laward von Südjütland) þakkadi honum gjǫfina ok kallađiz eigi betri gjǫf þegit hafa (12. jh.) Knýtlinga saga 204 Petersen-Olson; elck tymmer helt 40 vellen bei Verwijs-Verdam 8, 356; item ein thusundt werks machet 25 czymmer, unde 10 velle machet 1 boet adir 1 thendeling, unde 4 boet adir 4 thendelinge die machen 1 czymmer werkis (1399-1409) handelsrechn. d. dt. ordens 173 Sattler; the tymire contenand 3 dosane 4 bestis (1473-4) im n. engl. dict. 10, 1, 36ᵃ; ilk tymir contenand 40 bestis (1503) ebda; zimer zobel à 40 zöbel per zimer (1527) bei Al. Schulte gesch. d. grosz. Ravensburg. handelsges. 3, 399; item man kaufft 75 zobel, das zimer als 40 für 75 fl. Riese rechenb. (1581) 33ᵃ; 40 zobel ist ein zimmer V. Lucius libellus arithmetic. oecon. (1616) 383; zwey stiegen numerus quadragenarius alias ein zimmer Stieler stammb. (1691) 2138; ein zimmer zobelen una quadragena ò quarantena di zibellini Kramer t.-it. 2 (1702) 1465ᵃ; die gleiche angabe bei Marperger kaufmannsmagazin (1708) 1416; Ludwig t.-engl. (1716) 2595; Steinbach (1734) 2, 1093; deutschschwed. wb. (1749) 1875; Frisch (1741) 2, 477ᶜ; n. dict. allem.-franç. (1762) 1, 1129; Voigtel (1793) 3, 701ᵃ; auszer von zobeln werden nach Brockhaus¹⁴ 16, 975 auch die felle von marder, nerz, iltis und hermelin zu 40 stück gerechnet; wenn im packen je zwei felle, haar auf haar, gelegt wurden, findet sich auch die zählung des zimmers nach 20 paaren: sie ... brachten mit sich ... 12 Russen, so ... an die gesandten ... etliche zimmer zobeln brachten; ein zimmer aber ist 20 paar Ad. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 27ᵃ; (gesandie) pflegen ein zimmer oder 20 paar zobeln ... zu bekommen ebda 115ᵇ; zimmer zobeln viginti fasciculi mustellarum scythicarum Apinus (1728) 558; zimmer wird auch ein packet von 20 paar zobeln oder anderm kostbaren rauchwercke genannt Noel Chomel öcon. lex. (1750) 8, 2416; gepaarte fellen sollen einander gleich seyn, denn in diesem zustande können sie besser zu muffen und mützen verarbeitet werden; 20 paar nennt man ein zimmer Prechtl technolog. encycl. (1830) 11, 16. b) von den fellen kleiner pelztiere enthält ein zimmer 60 stück; in diesem sinne wird eine zahlungsanweisung des königs von England für 11 schock bisamfelle (tymbris de bissis) vom jahre 1255, als regest mitgeteilt im hans. urkundenb. 1, 170, ausgelegt; franz. belege: pour 60 timbres et 31 pel sans couroy et sans appareil, contenans chacun timbre 60 peaux (computum Stephani de la Fontaine Argentarii regis anni 1351) bei du Cange 6 (1846) 588ᵇ; ferner: timbre, m., soixante (de peaux) E. Levi dict. prov.-franç. (1909) 364. deutsche zeugnisse: 'timmer ein schock, eine zahl von 60; es wird vornehmlich von fellen und pelzwerk gebraucht' brem.-nds. wb. 5, 69; timber 40-60 felle Schumann wortsch. v. Lübeck 73; zimmer bezeichnung für eine menge von 40 oder 60 fellen oder bälgen Unger-Khull steir. wortsch. 652ᵃ. c) sogar die doppelte stückzahl wird einmal gemeldet: in some skins however, the timber counts to 120 Simmond dict. trade (1858) s. v. timber. d) von fuchsfellen machen an einigen orten bereits 20 stück ein zimmer aus, berichtet Adelung² 4, 1715, eine bemerkung, die Campe 5, 867ᵇ, Krünitz 241 (1858) 309 und Hübner zeitungslex.³¹ 4, 1021ᵇ aufnehmen.
2)
a) über die verpackung eines zimmers zum versand äuszern sich die urkunden nicht. eine späte nachricht bringt 1597 Skene de verborum significatione im n. engl. dict. 10, 1, T 36ᵃ: timbria pellium ... ane timmer of skinnes: that is, swa monie as is inclused within twa broddes of timmer, quhilk commounlie conteinis fourtie skinnes. in the quhilk manner, merchandes usis to bring hame martrick, sable and uther coastlie skinnes and furringes; danach: timmer, timber a legal quantity of forty skins packed up within two boards of timber Jamieson scottisch dict. (1818) 2 b 8ᵃ. dasz diese angabe zuverlässig ist, beweisen urkundliche zeugnisse für dieselbe verwendung von tavelins brettchen aus der zeit von 1439 bis 1586 im n. engl. dict. 9, 2, T 116ᵇ: tavelin formerly, with furriers, (in pl.) app. the boards between which small packages of skins were imported; hence, a small package of skins or certain portions of fur, put up between two boards: 30 lose tavelyns 15 d (1439) u. a. b) über die lage der felle im zimmer erfährt man aus später zeit: 'nach zimmern kauft man iltis-, marder-, nerzfelle, je 4 und 4 kreuzweise mit den köpfen zusammengelegt' K. Koppmann in hans. geschichtsbl. (1893) 65; eine lagerung zu paaren, haar auf haar, ist ob. 1 a erwähnt worden; weitere angaben fehlen. für den nahhandel genügte ein einschlagtuch um den inhalt eines zimmers; darüber bemerkt das wb. d. russ. sprache von Dal: zobelfelle werden noch bis heute sorokweise oder soročokweise (zu 40 stück) verkauft, jeder soročok (für einen ganzen pelz) ist in eine hülle, eine soročka (hemd), eingelegt. c) solche zimmer zeigt ein Prager holzschnitt des jahres 1576 bei Th. Schiemann Ruszland, Polen und Livland 2 (1887) 380, auf dem die gesandtschaft des groszfürsten Iwan von Moskau an den deutschen kaiser mit zobel- und nerzfellgeschenken bildlich dargestellt ist; die abbildung läszt zwei arten von packen erkennen: dicke, in ein glockenförmig gebauschtes tuch, das oben zu einem dicken handgriff zum tragen mit beiden händen zusammengewunden und verschnürt ist, eingeschlagene, die zimmer, und dünne von gleicher form mit wenigen fellen inhalt; bei beiden packen hängen die schwänze aus dem unten offenen umschlagtuch frei heraus. d) im seeverkehr nach dem westen nahmen tonnen und fässer die pelzwaren in stücken und in bündeln auf; zahlreiche urkunden bieten für diese verpackungsart belege; dasz die zimmer hierein nur in hüllen und nicht zwischen brettern eingelegt werden konnten, erhellt aus der oft ganz beträchtlichen grözse des inhalts; vgl.: habuit in navi ... 2 lagenas, in quibus fuerunt 4 mille operis lucisci et 66 timber helsink et 32 timber harwerkes et 6 timber harwerkes et 47 timber operis suevici (1345) hans. urkundenb. 3, 29; ... unam lagenam ..., in qua fuit 2 mille operis pulchri et unum quartale (d. i. 250 felle) et 20 timber helsinghes et 8 timber operis suevici et 9 pelles castorines et slagduc et 3 timber lasten et 31⁄2 timber harwerkes ebda 30; in der tunnen weren 4 dusent ende 10 timber anyge (1387) hanserecesse 3, 347; in primo vase operis sunt 87 timmer operis, 2 tymmer hermelen, in secundo 21⁄2ᵐ (tausend) smolensekes werkes, in tercio vase 11⁄2ᵐ eiusdem operis et 6 timmer harwerkes (1393) lübeck. urkundenb. 4, 662; Johannes Syvekens habuit in ea (sc. navi) unam tunnam operis, in qua erant 3006 tymmer operis dicti vulgariter luschwerk et 2 tymmer pulcri operis ... (Riga 1406) hanseakten aus Engl. 243 Kunze. indessen ist es anscheinend auch vorgekommen, dasz eine geringe zahl zimmer mit der hölzernen einfassung in fässer eingelegt wurde; vgl.: ghesteken timmere met graen werke, van elken vate 4 D (zollrolle für Brügge u. Thorout 1252) hans. urkundenb. 1, 151ᵇ, worin ghesteken timmere wohl auf eine ähnliche schutzvorrichtung geht wie met houtinen naghelen ghenagelt bei einem packen häute in derselben zollrolle ebda 1, 155 (zit. ob. II einl.); ferner: item scheppede her Herman Husman in Joh. Rudemans schip en klene tonne ..., dar was inne VII timmer poppelen, III timmer getimmerdes haarwerkes, D lussches werkes, und en timmer duckers (Reval 1410) livländ. urkundenb. 4, 732; die wendung 3 timmer getimmerdes haarwerkes ist umständlicher ausdruck für '3 gezimmerte fellpacken', doch unumgänglich, da das partizip nicht gut zu timmer gesetzt werden konnte. gelegentlich sind die felle in bündeln und in kisten versandt worden: telma varii operis vel tonna, torsellus vel cista et quicquid intus contineatur, 4 D, si vendatur apud Dam, millenum varii operis debet 8 D ..., torsellus pellium leporum vel cuniculorum transiens 4 D; si vero pelles leporine vendantur apud Dam, timmera debet obolum (zollrolle Flandern 1252) hans. urkundenb. 1, 145; aus neuer zeit: man verkauft die hermelinfelle im groszen nach zimmern oder bündeln Prechtl technol. encycl. (1830) 11, 17. die letzte fassung der Nowgoroder schra von 1603, 211 Schlüter spricht von einem band: winmeydekens, bloten und graw soll man ausschieszen und nach ihrer würde kauffen, aber in den banth nicht mit gebunden werden. wimetken waren ausschuszware, die aber nach zimmern gerechnet wurden; band bezeichnet also vermutlich ein zimmer. dagegen enthalten die ballen und bündel des folgenden belegs je 100 felle: de qualibet centena scurellorum (eichhörnchen) tam in bala quam extra vel in trusello 4 d (gerichtsverhandlung in Lynn, England, 1291) hanseakt. aus Engl. (1891) 14.
3)
frühbelege. a) ausländische: de custuma tymbriarum: de tymbria vulpium, cirogrillorum, martinorum, murelegorum, sabinorum, beveriorum vel similium, de unaquaque timbria ad exitum (ausfuhr) 4 d. (zoll; assisa regis David reg. Scott. a. 1150) im n. engl. dict. 10, 1, 36ᵃ; quaecumque navis de Imbernia venerit, ex quo caput de Guernes transierit, Rothomagum venire, unde nos de unaquaque navi habebimus unum timbr martrinarum vel decem libras (charta communiae Rotomagensis anni 1207) bei du Cange 6 (1846) 588ᵇ; 2 (1842) 350ᵃ; la nef qui vient de Yllande doit à la vicomté 20 s., item au chastel de Rouen un timbre de martres, ou 10 livres tournois (usatica vicecomitatus Aquarum Rotomagi) ebda 6 (1846) 588ᵇ; zollrolle für Flandern (1252) hans. urkundenb. 1, 144 (s. 2 d); van elken timmere hermel vellen 1 D sterlinges, van elken timmer lasten 2 par., van ottere ende van bevere van den timmere 3 D sterlinges (maklerrolle für Flandern 1252) 1, 158; (12. jahrh.) Knytlingasaga 204 (zit. 1 a); gullsmiđir skolu taka fyrir hueria slett smiđa mork er þeir gera halfa mork veghna; skinnarar er þeir gera timbr marskinna, take fyrir tua aura, tuer ærtughar fyrir timbr huitra skinna, æyri fyrir timbr graaskinna, ok fae sealfur allan kost till; halfa mork fyrir hinn besta skinkyrtill af norrænum lambaskinnum (arbeitstaxe von 1282) Norges gamle love 3, 14 Kayser-Munch; willium ver ok med engo mote gløimt hafua skinnarana hwat þeir sculo taka firer þeira erfuadh: firer timber marskinna 3 aura (preistaxe für kürschnerarbeit von 1384) 3, 220; en af dikur kyr huda oc timbar marskinna 2 œrtogar af huaro (zollrolle von 1316) 3, 119; de qualibet timbria pellium variarum unam pellem blaskurit (1314) svenskt diplomat. 3, 160; 1 timber mardorum ... 10 timbrias variorum (1327) 4, 2; aus Finnland: item priori Habraham timbriam pellium variarum (1292) Finlands medeltidsurk. 1, 75. b) heimische α) mit der nd. wortform: praeterea dabuntur indumenta centum militum, scilicet cuilibet decem ulne de scarlatto flandrensi et duo timmer (concept timber) et dimidium de pellibus variis (vertrag über die freilassung des dänischen königs Waldemars II. Schwerin 1225) meckl. urkundenb. 1, 305; Conradus perdidit 38 kaap cere et 11⁄2 mill. cum 4 cap cere cum 2 mill. et 4 tymbriis bremensis operis (1292) lübeck. urkundenb. 2, 565; si paratam pecuniam in tali termino habere nequiverimus, pannos et varium opus pro ipsa dabimus pecunia, ita quod quilibet pulcher pannus pro quatuor marcis puri (sc. argenti) fertone minus computetur et quodlibet timber varii operis pro tribus fertonibus similiter computetur (Rostock 1299) meckl. urkundenb. 4, 129; 3 timber lasten et 1 tendelinch et 3 timber albarum pellium leporum (1291) livl. urkundenb. 3, 198; 1 timmer lusch (rigisches stadtbuch um 1307) 3, 191. β) hd. der ostgebiete: idem Albertus de Rockindorf unum vas continens 2000 ruffi ruthenicalis operis et 14 cymmer lassicz (Thorner kaufleute an könig Magnus von Schweden 1353) hans. urkundenb. 3, 117; item 1 schok czymmers (um 1387) Marienburg. ämterb. 26 Ziesemer; item 2 m. Grudencz deme korsener vor 8 zimber konigebelge zu gerbin dem meister (1399-1409) Marienburger tresslerb. 22 Joachim; item 5 m. und 1 fird. vor 3 zymmer schones werkes unsers homeisters arzte ebda 276; item Peter Borlyon tenetur 3021 czymmer 3 tenlinge littowisch werkes, das 1000 vor 5 [[undefined:poundsign]] 5 β (1404) handelsrechn. d. dt. ordens 19 Sattler.
4)
lat. flexion tritt in urkunden aus England, Flandern, Schweden und Finnland auf: tymbriarum, de unaquaque timbria (Schottland 1150) zit. 3 a; timmera debet obolum (Flandern 1252) hans. urkundenb. 1, 145; de qualibet timbria (1314) svenskt diplomat. 3, 160; timbriam (Finnland 1292) Finlands medeltidsurk. 1, 75; quatuor timbrias (1333) 1, 159; octo tymbrias (1351) 1, 245; in quatuor tymbriis (1362) 1, 291: sonst noch; 9 tymbri de strandlyn (England 1295) hanseakt. aus Engl. 20 Kunze; cum ... timbris de marterins (1291) ebda 14; im übrigen bleibt das wort ohne endung: de quolibet timber (1291) ebda 14; sanum tymmer, de sano tymmer (Stettin 1270) hans. urkundenb. 1, 242; quinque tymmer (1327) meckl. urkundenb. 7, 496.
5)
spätere nd. zeugnisse: in desseme werke breke en so vele in eme tymbere also in eme duͦsende, in eme tendelinghe so vele alse in eme tymbere, wente dit gedan is dor nut des meynen kopmannes unde och allerhande werk daraf gevelschet unde geergert weyrt (1346) hans. urkundenb. 3, 370; posten aus einer Revaler aufzeichnung von ausfuhrscheinen 1391: 7 tymber estensche lasten ... 18 tymber kreles (karelisches) werkes ... 42 tymber swedesch unde krelesch werkes ... 3 timber hermelen, 9 timber lasten, 7 timber eestensch werckes unde 16 timber swedesch werkes, 8 timber eestensch werckes, 5 timber krelesch unde 13 timber eestensche lasten ... 24 timber russches werck, 6 timber eestensche lasten, 14 hermelen eestensch hanserezesse 4, 16; item van enem dusent luscheswerkes 8 tymmer myn 1 tendelink, unde van enem dusent lasten 1 tymmer unde 2 lasten, unde van enem dusent haerdinghes mit den troinissen is worden 12 tymmer min 1 tendelink, unde van enem tymmer hermelen 6 hermelen (schadenverzeichnis 1394) ebda 4, 580.
6)
die obd. zeugnisse setzen erst im 16. jahrh. ein: czobbel czimmer 1 (ist eingeführt worden) (1529) qu. z. gesch. d. stadt Kronstadt 2, 172; mer vier zimer schöner schwartzer zöbl Herberstein (16. jh.) 356; dann wa sie nit gar in das euszerst verderben geraten, weren dem alten Herbrot nit auf dem nechst verschinen 8. junii seine köstliche drithalb zimer zobel, ... umb so ain schlecht gelt und nit mer dann umb 900 fl. vergantet worden (Augsburg 1562) chron. d. dt. st. 33, 166; andere nhd. zeugnisse: ein guͤlden kleid und drey zimmer zobeln Schütz hist. rer. Pruss. (1592) m 5ᵃ; s. H. Fischer schwäb. 6, 1, 1212; 6, 2, 3483; nach diesem erzehlet der groszfuͤrst aus einem zettel, die vorehrungen, so der groszfuͤrst ihrem herrn und koͤnige schicket, und auch die gaben, so den gesandten gegeben werden sollen, welches sein guͤlden und silberne stuͤcke, sammet, atlasz, damask, etliche zimmer zobeln, mardern, hermelin Petreius hist. u. ber. v. d. groszfürstenthumb Muschkow (1620) 570; bundwerckfelle: von einem zimmer 4 gr. (zoll, 1660) Mylius corp. constitut. Marchic. 4, 1, 55; auch wenn zur ader gelassen oder sonst artzney gebrauchet wird, hat der doctor absonderliche verehrung bey 100 thal. an barem gelde, neben einem stuͤcke atlasz, tammasch, ein zimmer zobeln und dergleichen (am zarenhofe) Olearius persian. reisebeschr. (1696) 128ᵃ; während in den schwedischen kolonien ... gleichem zwecke (dem zahlen) verschiedene felle dienten, die zu vierzig zusammengefaszt, die rechnungseinheit 'zimmer' bildeten Luschin v. Ebengreuth münzkde u. geldgesch. (1904) 137.
7)
ungewöhnlich sind folgende eintragungen des Marienburger ämterbuchs 26 Ziesemer: item 1 schok czymmers (1387) und: item 11⁄2 schog geworchtes czymmers ebda 36, in denen zimmer für werk gebraucht wird und geworcht die bearbeitung der felle angibt. eine form zimmel, n., stückmasz für 20 paar zobelfelle wird für Obersachsen, anscheinend aus J. C. Knauth d. stiftklosters Altenzella histor. vorstellg. (1721), in zs. f. dt. mdaa. 1909, s. 54 angeführt; ebda zimmelt, n., vermutlich ein pelzschmuck der priesterlichen amtskleidung. erwähnt sei noch das adv. zimmerweise: sie (fuchs- und wolfsbälge) werden stuͤck-, decher- und zimmerweisz gekauft allgem. haushalt.-lex. (1749) 2, 520ᵃ.
Zitationshilfe
„zimmer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zimmer>, abgerufen am 22.10.2019.

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