Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gezinkt

gezinkt,
1)
= gezackt; gezinkt (t. de blason) chevillé nouveau dict. (1762) 1, 341; gezinkt, ausgezackt, zackig (Judenburg 1608.) Unger-Khull 652 s. gezinnelt;
ein arm bloss, zweigezinktes thier.
Voss Shakespeare (Lear 3, 4 forked animal; bei andern zweizinkig) 3 (1819) 236.
2)
gezinkte karten Vosz. zeitung 10./10. 05 (2. beil.); das beste und gebräuchlichste hilfsmittel aller falschspieler sind gezeichnete, oder wie der terminus technicus lautet, 'gezinkte' karten ... entweder markiert er sich die bilder durch feine nadelstiche, oder er rädelt sie an den längsseiten durch ein kleines zahnrädchen ... die durch die radzähne erzeugten eindrücke ... sind (für den falschspieler) unverkennbare merkmale F. Berndt wie schützt man sich gegen falschspieler? (1900). s. 10. vgl.: es werden jetzt zwar karten hergestellt, die, solange er sie nicht selbst zinkt, dem falschspieler das handwerk legen s. 11 (bei M. Heimann die geheimnisse der falschspieler [1901] s. 37 markirte karten).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1916), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 7160, Z. 22.

zinken, adj.

zinken, adj.,
aus dem metall zink: zinkene ... gegenstände, welche galvanisch verkupfert sind, lassen sich ... anstandslos vergolden Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 110.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1419, Z. 1.

zinken1, m.

¹zinken, m.,
zinke, f. 1) hyazinthe, hyacynthus orientalis, verkürzt aus mlat. jacinctus, im alem. sprachgebiet üblich; hier zunächst vollformen: jazinggeⁿ, m., auch abzinggeⁿ schweiz. id. 3, 85; hüetsinkl, n. Martin-Lienhart 1, 399ᵇ; danach nur als restform: zinke, m. J. J. Spreng id. Rauracum in: Alemannia 15, 228; zingge, m., zinggli, n. Seiler Basel 325; zingge, f., zinggli, n. Stalder 2, 475; zinggli, n. Hunziker Aargau 310; vgl. auch zinggenbölleⁿ, m., hyazinthenzwiebel schweiz. id. 4, 1176; zinke, f., neben häufigerem hiazinte, mundartl. azinte, f. H. Fischer schwäb. 6, 1215; 3, 1574; auch das Elsasz besitzt eine junge form zindele, n. Martin-Lienhart 2, 907ᵇ. erscheint auffälligerweise als zinke, f., und zinkchen, n., in Leipzig und umgegend Albrecht Leipzig 241; Müller-Fr. 2, 706ᵇ. 2) der name des halbedelsteins hyazinth, der im mittelalter ebenfalls von dem mlat. jacinctus bezogen war, verliert seinen anfangsteil nicht, ändert ihn aber ab, vgl.: jagzink Zimmer. chron.² 1, 442 Barack; ringlin mit ainem jatzinken (1546) bei H. Fischer schwäb. 3, 1574; jochzingg Brandis tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 8. in der ersten dt. bibel ist die lat. wortform gewahrt: iacinctus offenb. 21, 20; iacincten Esther 1, 6; das mhd. war schon zu jachant gelangt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1402, Z. 63.

zinken1, vb.

¹zinken, vb.,
zum substantiv ²zinken, m., in dessen verschiedenen bedeutungen gebildet. 1) als spitzen hervorsprieszen, von den spitzen der weinreben, s. beleg teil 5, sp. 939 unter klammer II 4 a; von hörnern:
mich daucht in diesem traum warhafft,
wie mir ausz meynem haubet vorn
wuchsen zwei grosz, zinckende horn
Hans Sachs 3, 403 K.;
von hochragenden bergspitzen: öffneten sich ihnen verlassene almtriften, und hoch darüber zinkten verwegene, rosig nackte zinnen, ... könig Laurins reich Watzlik d. rückzug d. 300 (1936) 205; von kristallen: derwegen der mehrer theil der edelgesteinen rund oder zinckender gestalt ... erfunden Bas. Valentinus chimische schr. (1677) 2, 218. 2) als fachausdruck des tischler- und zimmerhandwerks die kopfenden von brettern und balken mit zinken, d. i. schwalbenschwanzförmigen einschnitten versehen und diese dann im rechten winkel ineinanderfügen: Campe 5, 869ᵇ; Hübner zeitungslex. (³¹1824) 4, 1032ᵇ; tosamen zinken zwei holzplatten mittels zinken und schwalben verbinden, verdeckt zinken, op gerung zinken so zinken, dasz man von auszen die art der verbindung nicht sieht (Hamburg 1876) nd. jahrb. 1, 89ᵇ; Mensing 5, 760; zinken einen balken mit verkürzten zapfen in den andern einsetzen Joh. Sass d. spr. d. nd. zimmermanns (1927) 69; zönken mit einem schwalbenschwanze zusammenfügen Gangler luxemb. (1847) 494; luxemb. wb. 501ᵃ; Leihener Cronenberg 125ᵇ. 3) in der wiedergabe von tönen hat zinken nur in den folgenden belegen beziehung zum musikinstrument zinken (s. ²zinken, m., II A 3):
dieses wünscht der gantze saal
und das süsze frewden-mahl,
dieses flöt' und zincken
Simon Dach ged. 2, 133 Ziesemer;
wie in einer halle ist das, mit gewaltigen blasinstrumenten und pauken; es donnert, schmettert, zinkt und klingt von den wänden Fr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 37. die andere verwendung geht auf das schallwort zink zurück: zinggen kurz mit der totenglocke anschlagen Christa wb. d. Trierer mda. 224ᵃ; zinken in langsamen schlägen läuten, früher feuerzeichen Schön Saarbrücken² 234ᵃ; mit den glocken anschlagen Autenrieth Pfalz 156; hell zinkte die uhr zehnmal auf der braungebeizten kommode Strobl Bismarck (1917) 2, 132. 4) vom jenischen zinken, m., (²zinken, m., II B 1) ist ein verbum zinken abgeleitet: mit den augen winken (18. jh.) H. Fischer schwäb. 6, 1216; klingeln, lärmen, winken Train chochemer loschen 137ᵃ; etwas zinken etwas zeigen Ostwald rinnsteinspr. 170; zinken siegeln Train 137ᵃ; zeichnen, tätowieren H. Fischer schwäb. 6, 3486; gezinkt werden gebrandmarkt werden ebda 6, 1216; 'zum mindesten wird der sslichener (verräter) gezinkt, in die wange geschnitten, um ihn kenntlich zu machen, und jeden vom verrate abzuschrecken' Avé-Lallemant gaunert. 2, 14; dazu verzinken verraten (schwäb.) zs. f. wortf. 10, 214ᵃ; auch zinkenen Avé-Lallemant 2, 52; Schmeller-Fr. 2, 1138. spielkarten zinken sie zeichnen, mit einer marke versehen: kaum hatte (der pfandleiher) Bonmarché, fast allmächtig, das spiel gemischt, als er selber bereits hineingemischt worden war; er muszte mit spielen, wenn er wollte, dasz die karten aufgehen sollten. sie zu zinken ... hätte jetzt keinen sinn mehr gehabt Elis. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 367. 5) auf die bedeutung beine (s. ²zinken, m., I B 4) scheint sich zinken mit den hinterbeinen ausschlagen, zappeln H. Fischer schwäb. 6, 1216 zurückführen zu lassen. 6) ungedeutet:
sitientes venite ad aquas,
alle di do vor durste zinken,
di komen zum wazzer und trinken
Brun v. Schonebeck 4165 Fischer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1419, Z. 5.

zinken2, m.

²zinken, m.,
zinke, f., spitze, zacke; ein hd. wort, das sowohl dem nd. als auch den andern germ. sprachen abgeht; im nd. südsaum auftretendes tinken ist als landwirtschaftliches fachwort aus den md. landschaften entlehnt und mit nd. anlautkonsonanten versehen worden (s. 1385); entlehnungen anderer bedeutungen ins nd. und rheinfränk. sind manchmal durch die schreibung eines anlautenden s- kenntlich, so der sinken heller tohn Rist Parnasz 63; syncken pilgerf. d. träum. mönchs 10 763 Bömer. der stammvokal wird in westmd., ostfränk. und schwäb. mundarten zu e gesenkt; literarisch begegnet diese lautung u. a. bei Hans Sachs 22, 315 K.-G.; Ayrer 2494 K. erweichung des -k- zu -g- zeigen schwäb. texte bei H. Fischer 6, 1215: den zengen, den zingen blasen (16. jh.). handschriftliches drizinga (furkûn) Notker Marc. Capella 78 S.-St. indessen wird durch eine grosze zahl alter und junger zeugnisse, diese vorwiegend aus mundarten der Schweiz, als vereinfachtes drizingga erwiesen. die geminata ist dem worte ursprünglich eigen. sie ist ein hinweis für die etymologie. wie sich aus altobd. zand-igōn über zanggen eine form zänken zanken entwickelt (dies zur berichtigung der sp. 235 gebotenen etymologie), so schlägt alem. zinggen vom jetzigen zinken die brücke zu einem vorahd. *tind-kan. damit ist zind (oben sp. 1384) als stamm auch des wortes zinken erkannt und eine vorzüglich passende grundbedeutung gefunden. das m. geschlecht gilt im obd. und teilen des westmd. raumes; es setzt sich im entlehnten ital. zincone, zingone wurzelsprosz, baumstumpf fort. das fem. ist neuerung, es herrscht im norddeutschen und ostmd. schrifttum. ältere belege bewahren noch das -e des m. n-stammes im nom. sg., das Wallis gar noch das ahd. -o (vgl. Bohnenberger Walliser mda. 173), doch leiten die mundartgrammatiken das schweiz. -e von heute aus dem akk. sg. auf -en her. die häufigste frühnhd. form des nom. sg. ist zink; diese kurzform wird im namen des metalls zink fest und veranlaszt dessen übergang in die starke flexion. in den andern kasus erscheint die endung -en, ausnahmen sind durch den satzrhythmus oder reim bedingt. jüngere entwicklung hat die vollform zinken auch dem nom. sg. beschert. so stark sich der gebrauch des wortes in besondere verwendungen verzweigt hat, so eint diese alle doch die eine zu der etymologischen ableitung wohl stimmende grundbedeutung 'hervorstehende oder abgezweigte spitze, zacken von einer gewissen dicke'. die mehrzahl der bedeutungen sind auf den obd. raum, die heimat des wortes, beschränkt, einige haben sich in die md. länder verbreitet; hier ist eigentlich die derbe bezeichnung einer starken nase als zinken zu hause. gemeinbesitz sind nur die zinken als musikinstrument und als fachausdruck des tischlerhandwerks, wieder von Mitteldeutschland aus, geworden. zinken erzeugt zunächst die natur an pflanzen, am gestein und an bergspitzen, am tierischen und menschlichen körper. immer entsteht eine spitze, die sich von einem stamm abzweigt, von einem körper abhebt oder emporreckt, oder die sich auf einer grundfläche als strahl oder streifen erstreckt. verdoppelung führt zur gabel, weitere vermehrung läszt das gezweig und das geweih entstehen. all diese naturformen ahmt der mensch in seinen geräten nach.
I.
in konkreter verwendung.
A.
an pflanzen, mineralien, bergen, im gelände
1)
zweig, reis, sprosz, seitentrieb an stengel oder stamm und wurzel von pflanzen; wie die erst angeführten belege erweisen, von den gabelzinken übertragen: und theilet sich auch in die aͤste, wie ein baum, der am ersten wenig aͤste hatt, aber je lenger je mehr, je weitter je mehr zincken Paracelsus opera (1616) 1, 633ᵇ Huser; es wird von den haselstauden auch die wuͤnschlruthe geschnitten, solches ist ein haͤseln ruthe, welche in zwo zincken, gestalt einer gabel, gerad aus der erden aufgewachsen Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 349ᵇ; ein Borstorferapfelbaum ... hatte einen ... zacken, welcher ... sich in eine ... gabel theilte, deren ... zinken nur wie ein finger dick waren Naumann vögel (1822) 6, 149; blattstiele gabelig, und an jedem zinken 3 ... blättchen voll netzadern Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 2, 1243; crura, die schenkel, die äste eines gabelspaltigen (stielartigen, säulchenförmigen, fädlichen usw.) theiles, z. b. des griffels der meisten korbblüthigen, der zähne vieler peristome bei moosen, wo man sie auch zinken nennt Bischoff wb. d. beschr. bot. (1839) 51. die buchungen sprechen überwiegend von zweigen an bäumen, während in schriftbelegen fast nur seitentriebe an pflanzenstengeln und wurzeln gemeint sind, doch erwähnen auch die wörterbücher die dünne der reiser und die stellung an der spitze der äste: ramus zinck Diefenbach nov. gl. 313ᵃ; frons zinck gl. 248ᶜ; ramus, ramusculus zink, f. Schottel haubtspr. 1148; Stieler stammb. (1691) 2650; zinck, f., reis von einem baum Hulsius-Ravellus (1616) 431ᵇ; Stoer all.-franç.-lat. (1663) 634; zincken, m., reis von einem baum, rameau, ramus, surculus Widerhold (1669) 436ᵇ; zinck, zinke, f., estremistà, punta di qualche branca ò ramo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1466ᵃ; zincke, f., pro zweiglein ramusculus Steinbach dt. wb. 2, 1093. zunächst von baumästen:
dar umme sitzit uff eime doren zincken
di turtel dube
Joh. Rothe lob. d. keuschheit 1933 Neumann;
vgl.: cremium ein klein dürr zinck Alberus (1540) Ee 4ᵃ. dornen an zweigen: er tett ouch daz (den esel schlagen) nit allain mit schlechtem holtze sunder mit sölichem dem scharpf stechend zingken ingewachsen wären Niclas v. Wyle translat. 268 K.; sie (die hirsche) jagen die jaͤger auf die baͤume, und fallen so grimmig an, dasz auch die zincken und aͤste vom baum springen Chr. Lehman hist. schaupl. (1699) 585. an niedrigen pflanzen: (der klee) hat vil zinken hortus sanitatis (Ulm 1487) c 5; ebenso die kraussdistel e 4; die romsch spick ... hat klaine zinklein auff der erden b 6; sin (des spargen) stamm oder stengel ist ein gewechs mit zincken H. Braunschweig buch d. rechten kunst zu distilieren (1500) 108ᵇ; (der senf) mit ... stengeln, welche ... zincken gewinnen Bock kreutterb. (1539) 1, 24; mertzenviolen ... haben eynen harten stengel und mit vil zincken Sebiz feldbau (1579) 238; dise wurtzel (alantwurzel) stöszt im dritten jar junge augen oder nebenzincken, weliche mann abreiszen mag, und fürbasz setzen, dann sie bekommen leichtlich, wie auch der merrettich art ist Ryff hausapoteck (1548) 98ᵃ; wermut hat eine wurzel mit vielen zincken und nebenreiszlein Tabernämontanus kräuterb. (1588) 1; die wurtzel wird lang, etwan mit vielen zincken und zaseln Schellenberg experimenta (1552) 5ᵃ; rec. hat aus sämlingen, die nur mit zwey zinken eingelegt worden, schon 6 ... blumen hervorwachsen gesehen allg. dt. bibl. (1765) 113, 176;
mit kurzem atem eilt er hin und siehe!
dem grund entsprieszen wirklich goldne zinken,
an wurzeln, die noch tief und tiefer sinken
Grillparzer s. w. 2, 27 Sauer;
zinken knoblauchzehen H. Fischer schwäb. 6, 3486; knoblichzinken Martin-Lienhart 2, 909ᵇ; nim ein knoblauchzinken Wecker nützlich büchlin (1571) 1, 107; claviculus rebenzinckh (1514) bei Schmeller-Fr. 2, 1137; viticulum, clavicula, capriolus raͤbenzincken, euszerste zwicklein Mart. Crusius gramm. lat. (Basel 1562) 1, 289; claviculae, capreoli, clavier zincken damit sich die reben anhengen Orsäus nomencl. meth. (1623) 42; rebzincke, rebespitze, f., rebgäbelein, capigliatura, viticchio, capreolo, chiavetta, fragello di vite Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 270ᵇ; zinggen, m., rebschöszchen mit einem auge Stalder schweiz. id. 2, 475; d' zinke an de rewe bei Martin-L. 2, 909ᵇ; ebda aber auch traubenspitze, ästchen einer traube; dem entspricht: der zingge eine anzahl beeren von der traube; 's zinggli Seiler Basel 325; teil einer traube Lenz Handschuhsheim 79ᵇ. dim.: im oͤlbaum ist erstlich ein wurtzel sampt seinem stamm, darnach seind aͤste, zweige, reiszlin und zinckle F. Staphylus v. letzten u. groszen abfall (1565) 82ᵇ; dann ein jede gilgen drei bletlein oder zincklein hat Falckner frantzös. chron. (1572) 1, 300; das beste teil und zit siner distillierung sind die vordern gipflin und zincklin von den latinischen cimarum lupuli genant so er erst anfahen ist wachsen H. Braunschweig buch d. rechten kunst zu distilieren (1500) 60ᵇ; daz (die safranblüte) ist anzusehen gleich wie eyn ... zünglin mit dreien züncklin Bock kreutterb. (1539) 2, 56ᵃ; der saffran ... traͤgt etliche zincklin und kleyne zwibeln auff eynmal Sebiz feldbau (1579) 195; capreoli seu claviculae die kleinen gebelein oder zincklein, damit sich die reb anhenckt Golius onomast. (1579) 365; zinkele, n., kleiner ast einer traube Martin-Lienhart 2, 909ᵇ; zinkel, m., ein einzelnes reis, kleiner zweig, gezinkel, n., reisig Vilmar 470; Pfister nachtr. 344; der zinkel reiser zum anmachen des feuers Crecelius 2, 934. in abgeschwächter bedeutung: zinkel, n., ein wenig Schmeller-Fr. 2, 1137; zinkerl, n., kleines ding, brosamen Unger-Kh. steir. 652ᵇ; wenn dir schon um den bissen brot leid ist und um das zinkerl schmalz, das der schulmeister iszt, so spar ich mir 's halt von meinem eigenen mund ab Rosegger schr. (1895) I 11, 14.
2)
name einer pflanze selbst. a) lonicera sempervirens, immergrünes geiszblatt corallenzinken: bald laͤsset sich (in gärten) eine selbstlautende orgel, bald hin und wieder auf den corallenzincken und andern straͤuchwerck sitzende voͤgel vernehmen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 591ᵇ; F. G. Dietrich lex. d. gärtn. u. botanik 5, 579; s. teil 5, sp. 1797 unter korallenzinken. b) als name der pflanze ceratophyllum 'die hirschgeweihblättrige' übersetzt zinken das von Linné 1737 gebildete griech. fachwort; nach den belegen bei Marzell 1, 900 zuerst bei Planer vers. e. teutsch. nomencl. d. Linnéschen gattungen (1771) als zinkenblatt, dann als wasserzinken bei Mattuschka flora Silesiaca (1777) 2, 366 und als zinken bei Nemnich polyglottenlex. d. naturgesch. (1793) 1, 948; danach: zinken Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 343; schwimmzinken ceratophyllum demersum, tauchzinken c. submersum Waldbrühl pflanzennamen (1841) 4; zinken und hornblatt Fechner erkl. volkst. pflanzennamen (1871) 5; Pritzel-Jessen pflanzennam. 88.
3)
zacken, spitzen aus oder an metallen, erzen und gesteinen: haus 'zum kristallnen zinken' (15. jahrh.) veröff. a. d. archiv. v. Freiburg i. Br. (1908) 4, 80 Flamm; dasz selbig (geschirr) voller wassers gefült, unnd den silbernen zinggen darein gelegt Zoleckhofer vilvaltig beschr. (1564) 192; aber die knupelte, welche gar ausz den kleinen ziserlin des gedigen silbers sein, unnd eben dieselbigen ungeschmeltzten unnd gedigen zincklin werden in ein topff ... geschlossen Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 335; ein löffel voll waydeschen, ein zinken leim, mit ... essig übergossen quelle bei H. Fischer schwäb. 6, 3486; ein ... poröser sandstein ... wird ... von den wellen gepeitscht, in nadeln und zinken zerspalten Ritter erdkde (1822) 1, 891; ein hagel ... mitt eingewickelten scherbensteinen und spitzigen zincken S. Franck chron. zeytb. (1531) 74ᵃ; hat sich alhie ain grosz wetter ... erhept ... und hat auch vil und grosze stain ... geschlagen, die viel und grosze zingken gehapt (Augsburg) städtechron. 33, 181; mit ... corallencenckhen geziert quelle bei H. Fischer schwäb. 6, 1215; aus dichtem golde gewachsene corallen-zincken Lohenstein Arminius (1689) 1, 275ᵃ; corallenzincken sind gantze stuͦcker corallen, wie sie von den corallenbäumgen abgebrochen werden Noel Chomel öcon. lex. (1750) 8, 2420. übertragen:
wer liebt dein tintenmeer wohl nicht
weil man daraus corallenzincken bricht
Hoffmanswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 34.
dim.: korallenzincklein Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 188.
4)
zur bezeichnung von gebirgsgraten in zwiefachem sinne: zincke ein horn oder ecke eines auslaufenden gebirgs Frisch 2, 478ᵇ; wobei der vergleich mit den enden eines hirschgeweihs aufschluszreich wirkt: darumb wirt er so auch das horn genent, dieweil sich sieben bühel gegen der statt haͤrfuͦrthun, die sich in viel aͤst oder zincken zertheilen, gleich wie ein hirtzhorn Höniger sarracenische gesch. (1580) 54; etlich zincken dises bergs reichen gegen Basel herab uff ein meil S. Münster cosmogr. (1550) 505; und werden in dieser landschafft drei unnd zwentzig zincken vom berge Atlas von wilden ungezaͤmten voͤlckern bewohnet Boterus allg. weltbeschr. (1596) 2, 67ᵇ; aufeinander ruhende gelenke von felsen, von ungeheurer grösze, zacken oder zinken, die in schräger richtung spitzig und kühn hinaufliefen J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 411; die eine zinke (des hochgebirges) läszt sich auf ebenem pfade verfolgen bis auf den nahe liegenden Ferner Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 267. häufiger 'der spitze, hervorragende teil eines berges, felsens' Campe 5, 869ᵇ; zingga, m., die hohe spitze, der zacke eines berges Tobler Appenzell 458ᵇ; alle höch des pirgs genant der Khalblinger Zinken (steierm. 1523) österr. weist. 10, 39; Zinken name eines berges in den Hochschwabalpen Kärntens und in den Allgäuer Alpen; Hoher Zinken im Salzkammergut, Zinken-Kogl im Dachsteingebirge u. a.;
wo hinter seinen klippenzinken
so kühn als frey
des Entlibuchers schwerdter blinken
dem bunde treu!
Friederike Brun im musenalmanach (1798) 184;
zwei zinken ragen ins blaue der luft
Schiller 10, 400 G.;
träumend nur seh ich rosen noch blühn,
träumend der Alpen zinken nur glühn
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 3, 110;
und er (der strom) braust von hohen zinken,
aus der berge freiem gau;
rings an seinen ufern winken
trümmer aus der vorzeit grau
Rellstab ged. (1827) 20;
jetzo ragt ein hoher schmaler
zinken mächtig in die lüfte
G. Keller ges. w. (1889) 10, 231;
zinken, wie das unerklimmbare, schneenackte Matterhorn Berlepsch Alpen 5; ich erblickte spitze an spitze in demselben grau, wie bisher; nur weit drauszen, zwischen matten zinken, lag das frische blau sehr ferner berge Stifter s. w. 4, 1 (1911) 165; so steht noch der eisumstarrte könig Watzmann, neben ihm der kleinere zinken, sein weib Laistner nebelsagen (1879) 157;
mehr und mehr erheben
die schatten sich; im abendrothe flammend
die höchsten zinken nur auf dem parnasse
Freiligrath ges. dicht. (1877) 1, 82;
küssest im sturz nur diese schroffen zinken
Mörike ges. schr. (1905) 1, 47;
auslaufend in einen zerfressenen, mit den abenteuerlichsten zinken gespickten grat Barth Kalkalpen (1874) 622; die kurzform ist selten, so heiszt die Schönfeldspitze der Hochzink; übertragen auf eine turmspitze:
ein glas, gebt mir zu trinken! —
dir bring' ich 's, hehrer bau (Kölner dom)!
o, glühten deine zinken
schon hoch im sonn'gen blau!
Freiligrath ges. dicht. (1877) 2, 171.
was für eine spitze mag im folgenden gemeint sein?
ich sage wie er ist genant:
sin lop vor uz an den zenkin bant
der was geheizen Wolfram
Ulrich v. Türheim Rennewart 4542 Hübner.
5)
ausbauten einer gemeinde, die wie ein 'horn' ins land hinausragen, eine vorwiegend alem. bezeichnung, die im Schwarzwald noch im volkstümlichen und amtlichen gebrauch ist, wie die zahlreichen zinken einer ortsnamenliste aus Baden in der zs. Teuthonista 7, 218f. bezeugen; ebda 214 werden der zinken Rotsel als teil der gemeinde Kirnbach und der zinken Fräulinsberg als teil von Bergzell angeführt; württembergische zinken finden sich nach H. Fischer schwäb. 6, 1215 in der Kniebisgegend und in den oberämtern Balingen und Riedlingen; das Elsasz kennt das wort noch in der volkssprache: i dem zinke wohne no lüt Martin-Lienhart 2, 909ᵇ; aus dem Aargau meldet Hunziker 310 zingge, m., eine winkelgasse. andere belege für das heutige vorkommen in Baden: in Baden hat man den besonderen namen 'zinke' für die gruppe der ein tal entlang zerstreuten häuser Fr. Ratzel Deutschland (1911) 253; im Kinzigtal haben wir einen zur gemeinde Lehengericht bei Wolfach gehörigen zinken Im Kienbach Hoops waldbäume u. kulturpfl. (1905) 145. in älterer zeit verstand man unter zinken im Elsasz auch einen kleinen, abgelegenen ort, einen einzelnen hof im gebirge, vgl.: du finst menchen armen bauren, frauwen und mannen, ettwann in welden in den zincken sitzen, die niendert kein predig hören ... aber sie seind frümmer und besser weder die in den stetten seind Keisersberg emeis (1516) 13ᵇ. diese bedeutung scheint in den beiden folgenden zeugnissen nicht vorzuliegen: sollen die herrschaften allenthalben eigentliche erkundigung haben, wie es umb die wurtshuser in stetten, dorfen und zincken oder hofen gelegen bestellt sei (1525) polit. corresp. d. st. Straszburg 1, 237; ich ... bekenn das ich ... bevilh, dem ersamen N. ... in crafft dis briefs alle ... schulden ... so yeman mir schuldig ist. es syen fuͤrsten, herren ... und in allen ... fuͤrstenthuͤmern ... huͤsern, wysern, zingken und hoͤfen gar kein min schuld noch schuldner uszgenomen Riederer rhetoric (1493) C 4ᵃ. abweichende syntaktische fügung weisen die ältesten belege auf: den hof der der zinkin hof heizsit (Wil im kanton St. Gallen 1277) corp. altdt. originalurk. 1, 297 Wilhelm; in dem dorf ze Ringwile in der zinkin hoͤve (ebda 1277) 1, 298. diese erklärt sich aus folgenden schwäb. belegen bei H. Fischer 6, 3486: eines nebenthal-zinkens, worinnen ... ligt; das thal ... von dem bach, der aus diesem zinken hervorströhmet, ... genennt. daraus folgt, dasz zinken ursprünglich ein seitental bezeichnet; diese bedeutung mag im beleg von 1525 aus der nassauischen gemeinde Neu-Weilnau vorliegen: und haben auch kein hecken oder struch meher dan denselbigen struch, do mir ein eigen zinck in haben d. dt. bauernkrieg aktenbd. 383 Franz. sogar ein bachlauf wie die Schiltach kann ein flötziger zink genannt werden, d. h. 'ein gewässer, auf dem flösze zur Kinzig fahren konnten' H. Fischer schwäb. 6, 3486. die beschränkung des vorkommens auf gebirge und bergland läszt vermuten, dasz die geländeform die siedlungsnamen bedingt.folgende schwer verständliche verse scheinen sich am ehesten hier einzuordnen:
ich gaen kromme wege und winckel
und suͦchen gedencken mit syncken
pilgerf. d. träum. mönchs 10 763 Bömer;
worauf das franz. original 'et quier mucailles et cornes' und die variante der hs. h suochen verborgenheit hindeuten dürften.
B.
am tierischen und menschlichen körper.
1)
die enden eines geweihs von hirschen heiszen zinken nach der ähnlichkeit mit verzweigten baumästen: die hoͤrner legend sich hindersich auff den rugken, doch der vorder teil, da die stumpffen zincken anfahend, sicht gegen der stirn Forer Gesners tierb. (1539) 39ᵃ; arborea cervorum cornua die vil zincken oder ende habend wie ein baumast Frisius dict. (1556) 334ᵇ; mit der zeit mehren sich die zincken oder este an den hörnern Hulderich Frölich offenbarung d. natur (1591) 168;
er die pfeil ausz der haut streich,
und unversehens daselbst behieng,
an seiner hoͤrner krummen zinck
Rollenhagen froschmeuseler (1595) Oo 8ᵇ;
dem hirtzen wachst an seiner stirn
im andern jar ein schoͤn gehuͤrn,
und mehrt die zingken ins sechszt jahr
Rebmann naturae magnalia (1620) 139;
wie denn die glossare dafür die übersetzung rami cornuum gebrauchen: Golius onomast. (1579) 273; Emmelius (1592) 107; Orsäus nomencl. meth. (1623) 60; Zehner nomencl. (1645) 246; Mylius nomencl. (1572) d 5ᵇ; zingge ramus cornuum Schmidt Bern 81; rami delli corni di cervo zincken am hirschhorn Hulsius (1618) 2, 322ᵇ. genauer geschieden: rami maiores cornuum stengen, minores ende oder zincken Faber thes. (1587) 996ᵃ. andere übertragungen: zinck, zacken am hirschgewicht un cor, cheuillure de la teste d'un cerf, un corno di cervo Hulsius-Ravellus (1616) 431ᵇ; hirschhornzinken prosubulae Stieler stammb. (1691) 2650; hirschhornzincken punte, daghe, forche, cavicchi dalla cornatura di cervo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1466ᵃ; die zinke am hirschgeweih l'andouiller du bois du cerf Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1108ᵇ; erklärende angaben: der hirsch ... hat ein gehürn ..., das nennt man sunst zincken Meichszner hdbüchlin d. orthogr. u. gramm. (1501) in: zs. f. dt. philol. 13, 369; zincken 'heiszen bey den jaͤgern die enden am hirschgeweyhe' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 8, 2420; zinken, enden die äste oder fortsätze des ästigen geweihes Illiger mammalia et aves (1811) 57; zinken, zacken, enden 'heiszen waidmännisch die zackenartigen vorragungen an den geweihen (dem gehörne) der hirscharten' Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 536; Müller-Fr. 2, 706ᵇ. schrifttumsbelege: dieser signator signirt dem hirsch seine horn mit zincken, daran man sein alter erkennt Paracelsus opera (1616) 1, 919ᶜ Huser;
er reisz, dieweil er semlichs sprach,
eyn hirschengehirn, welchs er sach
von ungschicht klebet an der wandt,
damit warff er und traff zuhandt,
das iem desz ghürnes zincken zwen
thetten inn beyde augen gehn
Wickram w. 8, 146 B.;
dann das elendthier hat ... breite hoͤrner ..., und zerziehen sich in kurtze zincken S. Münster cosmogr. (1550) 927; die hirtzen mit zehen zincken Sebiz feldbau (1580) 582; diss thier hat an seiner stirnen ein treffenlich schwaͤr gehoͤrn mit zincken Stumpf Schweizerchron. (1606) 608ᵇ; man nimmet auch sein (des hirschen) hohes alter an seinen zincken und wenigkeit der zaͤhne ab Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 582. redensart: wie gehts, junger herr? habt ihr ein paar zinken abgerennt? Göthe I 8, 96 W. übertragen: (aus dem kopf der ameise) gont zwei zincklin herusz, gleich wie ein gabel Keisersberg emeis 34ᵇ. zss.: zink-gehörn, n.: 'nennen die jaͤger ein gehoͤrn oder geweih, welches oben drei oder vier zinken hat' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1023ᵇ.
2)
prägnant das männliche geschlechtsglied: zingge, m., Hunziker Aargau 310; zinken, m., Weinhold schles. 2, 109ᵇ; modern jenisch zink H. Fischer schwäb. 6, 1215; ebda in schelmenliedchen; zinkerl, n., Jakob Wien 226; in somma, es macht bei den weibern seltzame fantaseien, sonderlich so ire menner nit sonders mit der pruch gefast oder sonst nit ain starken zinken haben, alsdann gibt es ain verachtung Zimmer. chron.² 3, 61 Barack. daraus leitet sich die bezeichnung eines kräftigen jungen mannes, eines burschen oder kerls her: die (frau des verstorbenen Christof von Landenberg) hat ain andern man genommen, Martin von Degenfeldt, ain jungen zinken ebda 3, 303;
er het in selber griffen an,
der grim zinck und dapffer man
Murner grosz. luther. narr 2164 Merker;
modern als personenname Zink H. Fischer schwäb. 6, 1216.
3)
als derber ausdruck für einzeln stehende hervorstechende teile des menschlichen und zwar nur des männlichen körpers wird zinken auszer im älteren, örtlich beschränkten gebrauch auf den penis (s. 2) jetzt allgemein auf die nase, namentlich wenn sie grosz und stark aus dem gesicht hervortritt, angewandt. da überall das m. geschlecht gilt, ist ersichtlich, dasz sich diese ausdrucksweise vom obd. oder westmd. her, wo ein f. zinke fehlt, verbreitet hat; aber Autenrieth pfälz. 156 gibt das f. und Crecelius 2, 934 das m. und f. geschlecht an. die kurzform hat Hans Sachs:
Schulthes, ich heisz Ula Mistfinck.
secht, ist das nit ein schöner zinck?
14, 63 K.-G.
anfangs noch nur im vergleich, von einer miszgeburt: hat auch zwey augen ob dem nabel gehabt, war ein knaͤblein, mit einer langen nasen, einem zincken vergleicht Ruoff hebammenb. (1580) 114. vielfach mit einem bezeichnenden spöttischen zusatz: er hat einen guten zinken Frischbier pr. 2, 494ᵃ; dar hot n orntlicha zinka drwuscht Karl Rother schles. sprichw. 261ᵇ; der hat aber en zinken in der larve sitzen! Müller-Fr. 2, 706ᵇ; der hot emol en zinke Reuting Höchst 50; der hat 'n allerweltszinken H. Fischer schwäb. 6, 1215; die röte wird auf trunksucht zurückgeführt:
kleins herrlein, got gsegn dir dein trincken!
wie hast du so ein schönen zincken
Hans Sachs 21, 107 K.-G.;
muth und liquor roͤthen ihm den zinken
Prätzel feldherrnränke (1815) 7.
danach bezeichnungen wie: e rote zingge, e blaue zingge, e schnapszingge Seiler Basel 325; roter zinken Müller-Fr. 2, 706ᵇ. in der soldaten- und studentensprache beliebt: Imme soldatenspr. 102; Kluge studentenspr. 135ᵇ; sonstige belege: gehn se hih un suche se sich so e krott wie sie sin, un wo aach so en zinke im gesicht hot Niebergall dram. w. (1894) 170; brauchen wir garkeine flappe zu machen; Goethe hatte auch solchen zinken R. Dehmel ges. w. (1906) 8, 171. redensarten: nimm deinen zinken in die hand fasz dich an deine eigene nase H. Fischer schwäb. 6, 1215; einzig in Berlin hat sich die bedeutung rausch entwickelt: Brendicke 195ᵇ; er hat 'n jehörigen zinken richt. Berliner⁸ 196ᵃ.
4)
die vorstellung der gabel wird übertragen auf den körper und teile des körpers: den bûohstab ten Phitagoras ... uuânda dero menniscôn lîb zeigôn, ih meino Y, der fone einemo zinken in zuêne sih spaltet Notker Marcianus Capella 124 S.-St.; wirt dann ein zwispeltige gabelechte ader mit zweyen zincken Ryff anatomi (1541) b 3ᵃ; derselbe nennt ebda fol. 9ᵃ nach Hyrtl kunstworte d. anatomie (1884) die zahnwurzeln zinken. die finger werden mit den zinken einer gabel verglichen: mit den fingern seiner rechten fuhr er wie mit zinken durch sein langes strohernes greisenhaar Clara Viebig d. schlaf. heer (1904) 1, 227. dieser vergleich ist auch in umgekehrter richtung möglich: sie asz ... mit zwei gabeln, deren jede fünf zinken hatte, welche man kurzweg finger nennt Holtei erz. schr. (1861) 25, 82. in der festen verbindung die zinken aufkehren, in die höhe drehen, recken sind die beine gemeint: da hawet man gemeinigklich mit versen hindersich, oder da einer nicht gar die zincken auffkert, musz er lernen auff den knien oder im springen (druck: springer) und ketten tantzen Mathesius Sarepta (1578) 22ᵇ; der narr auch auf einem esel in seiner harzkappe hernach gerennt, den der esel mitten im felde übern kopf heruntergeworfen, dasz er die zinken in die höhe gedreht (1627) Z. Allert tagebuch (1887) 61; und wo ich sie nicht alle mit einander wider gottes boden werffe, dasz sie die zincken in die hoͤhe recken, so treibt alsdann das gespoͤtt ausz mir Bastel v. d. Sohle don Kichotte (1648) 249. aber nur in der mundart und in niederer sprache erscheint unmittelbar zinke als bezeichnung für zehen, finger und vor- oder einzeln stehende zähne: schles. zinke, f., fuszzehe bei Albrecht Leipzig 241; keinen sehnlicheren wunsch aber hegte er, ... als dasz seinem letzten jungen recht bald eine kleinigkeit abgeschossen werden möge, so ein paar zinken am linken bein oder finger an der linken hand, die einer für das haus nicht braucht Luise v. François fr. Erdmuthens zwillingssöhne (o. j.) 376; aber do er (Og, könig zu Basan) den berckh auf den kopf bracht, do lies im gott den selben an hals fallen und darnach grosze zencken aus dem maul von zenen wachsen Joh. Schlaginhaufen bei Luther tischr. 2, 92 W.; weiber, welche da in dem gantzen maul nur ein oder zwey zinken haben (1716) bei H. Fischer schwäb. 6, 3486; ich hâg der eane gefraͤsz, dasz der die zinke dem hals enob flîe Crecelius oberhess. wb. 2, 934. wie eine sich gabelnde ader so auch die wegegabel: über den gabelweg, dessen rechte zinke nach Lilar geht, spornte Albano sein pferd bange hinüber Jean Paul w. 15/18, 114 Hempel; als wir zur stelle gekommen waren, an welcher der weg die gabel macht, deren eine zinke mittagwärts gegen Thal ob Pirling hinab geht, die andere mitternachtwärts gegen das Hag hinauf Stifter s. w. 12 (1939) 135.
5)
weiszer fleck, star im auge, benannt nach der zackigen form des flecks: albugo cinco vel oucstal ahd. gl. 4, 167, 44 (12. jh.); cincho 4, 212, 46 (12. jh.); cingge 4, 272, 10 (12. jh.); aegilopium cincho 4, 30, 17 (12. und 13. jh.); ausführlicher bei Schmeller-Fr. 2, 1137: cincho aegilops, vulnus qui intra oculos nascitur; den huizun cincun albuginem; albugo color est albus quo oculi caecantur cingge clm. 5515 (12. jh.) f. 141ᵇ; saphirus ist dem gut der daz vel oder cinche in demo ǒgun hat clm. 536 f. 83ᵇ; dim.: du seist ein zingl, ein vel, ein mayl, ein augwe, so gepeut dir die vil heilige sel die datz Bethlehem geporn wart, ... dast fuder streichst und fuder weichst zs. f. dt. altert. 24, 68. ein nachklang davon in dem adj. zinkicht (lautlich tsiŋkat) schlecht sehend der Gottschee bei Tschinkel Gottschee 156. sonst nur übertragen fettauge, fettbläschen: ein dintenzeug in altem wein gesotten, die zincken abgeschoͤpfft, ein tuch darein geweichet Pinter pferdschatz (1688) 423; vgl. die zss. zinkenschmalz, n.: das er ... dabey nichts unnützlichs, alsz schmalz, butter, salz, gewürz undt dergleichen verschwendten ... thue, zu welchem behelff dann auch dasz zinckhenschmalz oder abschöpffig soll gebraucht ... werden (pfälz. 1636) dt. hofordnungen d. 16.-17. jhs. 2, 208 Kern. lebt in dieser bedeutung im bair.-österr., gern diminuiert, fort: zink'n, m., dim. zinkele Lexer kärnt. 266; zinkerl, n. Unger-Khull steir. 652ᵇ; zinkele fetttropfen (Pernegg) beitr. z. gesch. d. dt. spr. u. lit. 28, 150; dazu adj. zinket, zinkelet mit fettaugen bedeckt in Kärnten Lexer 266 und zinket im Baier. Wald Bayerns mdaa. 2, 450. an der letzten stelle hat das subst. zinken die bedeutung fleck, und diese scheint in einem fastnachtsspiel Rosenblüts als fleckige pilz- oder meltaukrankheit vorzuliegen, die form zinklach ist plur. des diminutivs:
dann wenn die erbeyter feyern daoben (im himmel)
so ist alles wachszen hienyden zugeschoben
und was perhafft ist hie unden
das zinklach alle tag wurden funden
in wasser in erden auf bawmen und auf halm
fastnachtspiele 1156 Keller.
6)
wie nach den zacken oder zinken eines minerals die gemalten oder erblickten lichtstrahlen eines sterns diese benennung erhalten: orites Orphei oder ostrites ist ein stein den etlich sigstein nennend, hat vil runde sternle, gleych wie wertzle der brüsten, item fünff strymen oder zincken, wie man die sternen maalet Frisius dict. (1556) 930ᵃ; und in der mitten hienge herab ein silberner stern mit sechs zinken S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 103, so begegnet sie auch für streifen auf dem fell von tieren, namentlich vom vieh: (ein rosz hat) durch den gantzen leib kleine weisze sternlen mit 3 ... und 6 zinken oder stralen gehabt bei H. Fischer schwäb. 6, 3486. der letzte beleg macht in verbindung mit dem worte strymen des ersten die md. glosse vibex (d. i. striemen) snade vel zincke (15. jh.) bei Diefenbach gl. 617ᵇ verständlich; so darf der name Zink von ochsen und kühen von den farbigen streifen und der buntgesprenkelten färbung ihres fells hergeleitet werden: Zink ochsenname (schwäb. Alb) Frommann dt. mdaa. 6, 233; Zinck (oberschwäb. ca. 1633, auch modern) H. Fischer schwäb. 6, 1216; kuͤhe ... die Weithorn, die Braune, das Zinkle, ... das Niderhorn (1705) ebda 6, 3486; zingg und zinglo, n., rind von buntgesprenkelter färbung Unger-Khull steir. 652ᵇ; vgl. ähnlich zinke von einer gegabelten farbzeichnung auf der haut eines bären: der weisze halsring zieht sich am vorderteile des buges hin und teilt sich auf drei viertel der halshöhe in eine gabel, deren eine zinke sich ... verlängert, während die andere etwas nach hinten ausläuft Brehm tierl. 2, 228 P.-L. dasz sich mit dem worte zink in dieser verwendung die weisze farbe verbinde, wie R. Much zs. f. dt. altert. 42, 163 annimmt (s. ob. ⁵zink, m.), ist nirgends ersichtlich. eine strahlenförmige anordnung auch bei einem gerät, einer bergwerksmaschine zur aufbereitung von erz: dieses kreuz hat 28 ... zincken allg. dt. bibl. anh. 1/12, 304. als strahlen werden die riemen einer geiszel bezeichnet: gaisl mit funf zincken flagellum quinque radiorum voc. v. 1618 bei Schmeller-Fr. 2, 1137.
II.
an geräten von menschenhand.
A.
welche in der wirtschaft oder im kulturleben einen wichtigen platz einnehmen.
1)
zähne, spitzen an geräten, die in der landwirtschaft, im haushalt und im handwerk gebraucht werden; es gibt deren zwei arten: die eine dient dazu, stoffe aufzunehmen oder aufzuspieszen, bei ihr sind die zinken dem stiel oder griff des gerätes gleichgerichtet; es ist die gattung der gabeln. mit der andern zieht man stoffe heran oder durch die zinken hindurch; die zinken stehn senkrecht zur zugrichtung. hierzu gehören der rechen oder die harke, die egge, der kamm und die kammartigen geräte der hechel, der riffel, der karde u. a., sowie die hacke, haue, der karst. dem nd. gebiet, dem engl. und den skandinavischen sprachen geht das wort ab, doch verfügt der nd. südsaum über eine form tinke, f. man wird in ihr ein eingelautetes hd. lehnwort zu sehen haben, obgleich die südndl. mundarten gleichfalls tinke, f., und tink, m., besitzen, für welche eine solche annahme nicht zutreffen kann. hier wird fränk. erbgut vorliegen. aus dem fläm. stammt lauenburg. ting bei Mensing 5, 67. das obd. und westmd. gebraucht das m. zinke (alt auch zink), im ostmd. ist das f. zinke üblich. nd. tinke, f., wird bezeugt von Frischbier, Damköhler Nordharz, Flemes Kalenberg, Schambach, Deiter Hastenbeck; das nebeneinander von tinke, zinke und tinne, zinne (aus -nd-) erlaubt aufteilung des wortfeldes, s.zind 2. südndl.: tink, m. Schuermans 725ᵇ, ting, m., loquela 493ᵃ, tinke, f. Teirlinck 3, 155ᵃ. a) an der gabel: bicornes furcae gablen mit zweyen spitzen oder zingken Frisius dict. (1556) 156ᵃ; fuscina ein gebele mit dreyen zincken, ein fischergeeren oder stachel Calepinus XI ling. (1598) 602ᵃ; bifurcus das zween spitz oder zincken hat ebda 161ᵇ; furcae bicornes gabel mit zwen zincken, tricuspis mit drey zincken Schönsleder (1618) Qq 7ᵃ; wenn der mensch die gabel, daz ist sin vernunfft, mit den zweyen zincken, das ist mit der gedechtnusz und forcht vil grüdlet in dem füer Keisersberg bilgersch. (1512) 15ᶜ; das ist ein zinck an der gabel Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 54ᵃ; gleych als ein ... zweyspitzige gabel ausz einem styl sich in zween zincken von einander thut Stumpf Schweizerchron. (1606) 654ᵇ; fünf ofengabeln ohne zincken Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 461; die dreizackige fanggabel mit widerhakigen zinken Ritter erdkde (1882) 3, 43; doch die aus süszen träumen aufgeschreckte wehrte den andringenden mit ihrer heugabel ab und stiesz mit derselben so heftig nach ihm, dasz die zinken sich in dem mummenschanz verfingen G. Keller ges. w. (1889) 6, 371; eine gabel mit nur noch zwei zinken H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 7; am dreizack:
da selbst Neptunus fürher kumpt,
die mauren felt, das fundament,
mit dem das er tregt in der hendt,
mit drey zincken ein könglich ruͦt
die mauren damit fellen thuͦt
Murner Äneis (1543) 46ᵇ;
Neptunus hat zu grund gelegt
und ausz dem fundament bewegt
mit seiner eysin stangen schwer
von dreyen zincken spitzig sehr
die mäuren und pasteyen grosz
Spreng Äneis (1610) 37ᵃ;
tridens ein crawel oder ein gabel mit dreien zincken gemma gemm. (1508) c 6ᵃ; wenn yemants etwas opffern wolt, so kam desz priesters knab, dieweyl das fleysch kochet, und hatt ein kraͤwel mit drey zingken in seiner hand 1. kön. 2, 13 Zürcher bibel (1530). b) an eggen, rechen usw.: zincken 'heiszen die höltzernen oder eisernen nägel, so in denen egen und harcken oder rechen befestiget sind' Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3360; 3 eyden mit allen czinken (1413) Marienb. ämterbuch 100, 19 Ziesemer; öfter; eyn egge mit vil zincken Sebiz feldbau (1579) 482; die zincken oder zähne an einem rechen, an einer ege, etc. the teeth, tacks or spikes, of a rake, harrow Ludwig teutsch-engl. (1716) 2596;
jetzt braucht ich einen rechen:
sogleich laͤuft mein Damöt, er schnitzt ihn ganz geschwind,
dasz oben zinken stehn und unten zinken sind
Schwabe belust. (1741) 6, 214;
im wesentlichen besteht eine jede egge aus mehreren zu einem ... rahmen verbundenen balken, an welchen hölzerne ... zähne oder zinken angebracht sind Schwerz prakt. ackerbau (1882) 144; eine als foltergerät gebrauchte egge: darein (in den löchern der egge) stecken scharfe eiseren zinken, das sein vierecktige eiseren negell, eines fingers dick und einer kleinen spannen lang Grunau pr. chron. 3, 84 Perlbach. c) am kamm:
was ist die zinke, folgt sie nicht dem kamme?
ich weisz, der apfel fällt nicht weit vom stamme!
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 6, 391;
wie das die kinder sahen, warf der knabe einen kamm hinter sich, das gab einen grossen kammberg mit tausend mal tausend zinken br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 357; ich hatte mich bemüht, auf einem kamm, dem ein paar zinken fehlten, die königsstrasze hinauf galopp zu reiten Vischer altes u. neues (1881) 1, 197; die zinken (des flachskammes) haben an der basis eine dicke von etwa 15 mm Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 3, 509; ein braunes kästchen, dessen werk an der unterseite aufzuziehen war. dann drehte die mit kleinen metallwarzen bedeckte walze sich an den gestimmten zinken eines kammes vorbei und spielte Th. Mann Faustus (1948) 742. d) an der hacke, haue, dem karst: diszer lad (in dem die liebe zur welt sich befindet) mag auffgezogen werden, mitt ainem hogken, der da hat drey zingken Keisersberg pred. teütsch (1508) 78ᵃ; capreolus ein hauwen mit zweyen zincken, ein saͤthauwen oder ein karst Frisius dict. (1556) 183ᵇ; capreolus ein gebogener band, hacke mit zweyen zincken nomencl. lat.-germ. (1634) 452; zincken einer hawen oder einer gabel und eines anckers Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716. e) am stiefelknecht: die eine zinke dieses stiefelknechtes lief in ein ziegenohr aus und bedeutete 'unendliche ironie', die andere in einen schafskopf und sollte 'unendliche wehmuth' vorstellen H. Seidel v. Perlin nach Berlin (1895) 263. zss. s. unter zinken-.
2)
im tischlerhandwerk benennung der schwalbenschwanzförmigen zapfen: ssinken, pl. -s, m., 'schmale auf hirnholz nach einer seite verbreiterte, vorragende teile einer holzplatte, welche letztere durch hineinschieben in entsprechende lücken mit einer andern holzplatte rechtwinklig verbinden' nd. jahrb. 1, 87ᵇ; syn. schwalbenschwanz; zincken 'heiszen die tischer die kleinen zaͤpflein, so hinten breit und vornen spitzig seyn, werden gebraucht zu kasten und andern dingen, die man ohne naͤgel zusammen machen will' Hübner cur. u. reales lex. (1714) 1735; Noel Chomel (1750) 8, 2420; Benzler lex. d. beym deichbau vork. kunstwörter (1792) 2, 297; Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 422; Eggers kriegs-lex. (1757) 2, 1398; Adelung² 4, 1718; Campe 5, 869ᵇ; Karmarsch-Heeren³ 4, 412; Mothes 4, 513; lux. wb. 501ᵃ. kaum richtig: zinken 'bey den tischern die zwecklein von holz, womit sie etwas an einander nageln, clavi lignei' Frisch 2, 478ᵇ. zss. s. unter zinken-.
3)
zink, älter zinke, m., f., zinke, f., ein blasinstrument aus holz mit tonlöchern, aber mit kesselmundstück, in der instrumentalmusik des 17. jhs. beliebtes instrument für hochliegende melodiestimmen, auch für tiefere tonlagen gebaut; nach dem ital. cornetto auch kornett genannt. das grammatische geschlecht verteilt sich wie bei der gruppe der geräte (II A 1); Schubart ästh. d. tonkunst schwankt: der zinke 317; von ... der schneidenden zinke ... begleitet 9; den schneidenden zinken ... nicht zu vergessen ders. leben u. gesinn. (1791) 2, 25; auffällt das fem. bei Keisersberg geistl. spinn. m 5ᵇ bei Schmidt elsäss. 441ᵇ. die kurzform zink wird eigens als fem. bezeichnet bei Hulsius-Ravellus (1616) 431ᵇ; Stoer allem.-franç.-lat. (1663) 634. erscheint in glossaren des ausgehenden 15. jhs. bei Diefenbach gl. 152ᵃ unter cornu, häufiger aber erst im 16. jh.: tibia milvina acuta tzinke (1517) ebda 582ᶜ; monaulus zinck (1521) 366ᵇ; voc. primo ponens (Straszb. 1515) m 2ᵃ; zinck buccina Dasypodius (1536) 465ᵃ; buccina ein zinck Frisius (1556) 166ᵃ; 181ᵃ; 784ᵇ; die meisten belege weist das 17. jh. auf: zink buccina, fistula obliqua seu flexa (1618) bei Schmeller-Fr. 2, 1137; clamosa tibia Reyher thes. (1686) p 3ᵃ; zink, zinke, zinken, m., buccina, lituus, cornu sonorum Stieler stammb. (1691) 2650; u. v. a.; im 18. jh. wird das instrument seltener gebucht, so von Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1466ᵃ; Dentzler (1716) 364ᵃ; zincke, f. Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1093; zinke ein krummes pfeiferhorn Gottsched dt. sprachkunst (1748) 103; Adelung² 4, 1718. spielerische deutung der lat. bezeichnung lituus: lituus ... ein zinck, dann so lautet er: li tuͤ tuͤ Corvinus fons lat. (1646) 488. a) das musikalische blasinstrument: Mich. Praetorius syntagma 2 (1618) 41f. unterscheidet gerade und krumme zinken, bei der ersten art den cornetto diritto oder den geraden zinck mit losem mundstück und den cornetto muto oder den stillen zincken, bei dem das mundstück angedreht ist, er klingt sanft und still; von den krummen zinken führt er an die cornetti curvi, die schwarzen krumben zincken, den doppelt gekrümmten corno oder cornetto torto, auch cornon genannt, eine quint tiefer als der gemeine zink und 'hornhaftig' klingend und schlieszlich einen cornettino oder kleinen zinck, eine quinte höher als der gemeine zink gehend; ebenso Noel Chomel öcon. lex. (1750) 8, 2419. das blasen der zinke erforderte starken atem:
den becher lieb ich für ein zincken;
der darff so starcken athem nicht,
zincken blaszen den kopff zerbricht
Wickram w. 6, 115 Bolte;
sie (die laute) macht nicht schwach den athem sincken
gleich wie trummeten oder zincken
Fischart w. 1, 362 Hauffen;
und gefährdet die gesundheit: es (der zinke) ist aber so schwer für die brust zu blasen, weil der hauch nur durch eine ganz kleine öffnung hinein gebracht wird, dasz sich schon mehr als ein zinkenist schwindsucht und tod damit zugezogen hat Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 317. dazu die buchung: ille canit in cornu der blast uff dem zincken voc. primo ponens (Straszb. 1515) m 2ᵃ. als subst. inf.: da ward ein solch trumeten, pusaunen, zinckenblasen, als kem der jüngst tag S. Franck chron. zeytb. (1531) 226ᵇ; hiernächst legte er sich auf das zinckenblasen und bliesz scharf vom thurm herab Mattheson grundlage e. ehrenpforte 371 Schneider; von weitem hört man zinkenblasen und ganz nah ein seltsames dumpfes flattern und knattern, das spiel der festfahnen im abendwind Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 87; ihr ton wird als schneidend und schmetternd beschrieben: der zinke: ein äuszerst schneidendes und wie ein schwert die zahlreichsten gemeinden durchdringendes instrument Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 317;
höret doch, wie hell die zinken schmettern!
Schiller 1, 342 G.;
da schmetterten die zinken
mit hellen tönen: mord!
seht ihr des königs winken,
hört ihr sein herrschend wort?
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 58;
er wirkt betäubend:
dann under allem seitenspiel
ist miltigkeyt ihr zweck und ziel,
geht sittig und in aller still,
tracht nicht, wie sie die ohren füll
und leut erdäub, wie manchs gesang,
wie zincken und posaunenklang
Fischart w. 1, 355 Hauffen.
daher als kampf- und heerhorn geeignet: die ... drommeter ... frischen unnd erhitzen mit wiederholeten schall (klang) der trommeten und zincken (der heerhörner) (lituorum, cornuum), deren diese von gebeugeten krummen, jene von geraden ertze sind, unnd dem gethön der paucken (trummeln) zur müthigkeit an Comenius (1638) nr. 710;
unterm schall der hellen zinken
fänget an das lanzenwerfen
Herder 25, 229 S.;
signale, explosionen von den thürmen, trompeten und zinken, kriegerische musik, durchmarsch gewaltiger heereskraft Göthe I 15, 1, 217 W.;
die krieger Sabuls, wie sie hörten Rostems zinke,
rings strömten sie herbei
Rückert ges. poet. w. (1867) 12, 176;
die zinke risz der fähnrich dem mann (dem stadttrompeter) von der schulter, schwang sich auf einen haufen zusammengerollter fässer und liesz von da herab den sammelruf der magdeburgischen reisigen erschallen Raabe s. w. I 4, 314. wegen des weithinschallenden klangs das instrument der türmer: der thurner K., welcher verordnet war, mit dem zinken den tag anzublasen bei H. Fischer schwäb. 6, 1216; (an festtagen müssen die zinkenbläser) umb mittag uff dem gröszern thurn der stifftskürchen ... drey stuckh mit ihren zinken und posaunen musicieren (1652) ebda; nach einer uralten, jedenfalls aus dem dienst der thurmwächter der ritterburgen hervorgegangenen einrichtung hatten die thürmer ... an festtagen mit ihren weitschallenden zinken und posaunen choräle abzublasen Böhme gesch. d. tanzes (1886) 290. im gottesdienst zur begleitung des gesangs: (die zinkenisten muszten) under dem choralgesang ... mit zinken unnd posaunen wenigst 3, 4 oder mehr gesetz mittblasen (1652) bei H. Fischer schwäb. 6, 1215; müssen wir uns den jetzigen choralgesang vorstellen, so wie er von der orgel, der schneidenden zinke und dem posaunenball begleitet wird Schubart ästh. d. tonkunst (1806) 9. ein beispiel für die instrumentalbesetzung: für die kantate 'ihr lieben Christen freuet euch' verwendet der letztere (Buxtehude) drei violinen, zwei bratschen, drei zinken, drei posaunen, zwei trompeten, fagott, kontrabasz und orgel-continuo Schweitzer Bach (1948) 72. zur festmusik verwendet: do hort man vil trommeten, herbaucken, zincken, harpffen, lauten unnd gigen Wickram w. 2, 57 B.; zinken, posaunen und trommeten gingen mit lust darein (in den gesang) Schottel friedenssieg 76 ndr.; hinter den hecken stunden vier bauren mit zwo posaunen und zwo zinken, die eine art von tafelmusik machten Miller Siegwart (1777) 2, 340; da winkte der hochzeiter den pfeifern, dasz sie vom söller mit zinken und posaunen bliesen Müsäus volksmärchen 3, 123 Hempel; (um die schöne tochter des zinsmeisters zu sehen und zu sprechen) da stellte man nächtlicherweise musikanten mit zinken, flöten, geigen und dulcinen oder sich selbst mit der laute auf Raabe s. w. I 5, 551; da hörte man ... trompeten, clarinetten, zinken und zimbeln Kürnberger ausgew. nov. (1857) 12. aufzählung:
auch so hat man der orgeln klang,
der geign, flöten, harpffen und pfeiffn,
positif, regal, die man kan greiffn.
lauten, psalter, zimbl und drummen,
posaunen, zinck und auch der krummen
hörner, fioln und sonst noch vil
instrument zu dem seitenspiel
Ayrer dramen 551 Keller;
vgl. Fischart Garg. 277 ndr. b) eine gattung der hifthörner: H. W. Döbel jägerpract. (1746) 3, 105ᵃ unterscheidet deren vier: 1. gantze riedehoͤrner, 2. halbe riedehoͤrner, 3. mittelhoͤrner, 4. zincken; (der lehrling musz) mit dem blasen den anfang auf den zinken machen Heppe aufr. lehrprinz (1751) 224; nunmehr aber vernahme ich ein gethoͤne von zincken und jagdhoͤrnern, welches mir den nassen aufenthalt ... zimlich angenehm machete Lindenborn Diogenes (1742) 1, 621. als hirtenhorn erwähnt: zinck hirtenhorn, buccina Emmelius (1592) 233. c) ein orgelregister unter den offenen schnarrwerken, welches den ton des zinken nachahmt: zincken 8 fusz ton: werden allein durchs halbe clavier im diskant gebraucht, haben gleichaus weite corpora, unten etwas zugespitzet, oben offen; darumb werden sie am klang etwas hohl als ein flötwerk, und nicht also schnarrend, denn ihnen wegen der starken blätter und starken windes das schnarren ziemlichermaszen vergehet und verboten wird Prätorius syntagma 2 (1618) 172; Noel Chomel öcon. lex. (1750) 8, 2420; sonst sind diese rohr- oder schnarrwercke (der orgel) zweierley: etliche mit offenen pfeiffen, als posaunen, trommeten, krummhoͤrner, zincken Mattheson vollk. capellm. (1739) 464; nach Meyers lex.⁷ 6, 1778 unter kornett auch eine gemischte stimme, meist 3-5chörig. zss.: zink-horn, n., in der bedeutung des simplex: buccina Calepinus XI ling. (1598) 173ᵃ; buccinum 173ᵇ; Böttiger kl. schr. (1837) 2, 224; im vergleich: auff diesen gipffeln stunden zinnen, welche so schön gewirckt waren als zinckhoͤrner J. de Acosta America (1605) 167; dazu zinkenhorn-blaser, m., cornicen Walther music. lex. (1732) 186.
B.
kleine gruppen.
1)
zink, zinken, m., zinke, f., in der sprache der kunden, landstreicher und gauner; die ursprüngliche bedeutung ist in der wendung zinken stecken (stechen) erkennbar: einen wink, eine nachricht, ein zeichen geben, eine geheime verständigung zukommen lassen, vermutlich durch zweige, reiser oder ähnl., die an den wegrand gesteckt wurden, also die zinken des abschnitts I A 1 stecken; für diese deutung spricht der nachstehende frühe beleg, der nach Avé-Lallemant gaunertum 2, 53 fuszn. der älteste ist: nicht weit davon waͤre ein grund, wohin sie ihn bestellet, und wohin sie die zinken stecken oder zeichen machen wollen, woraus er abnehmen koͤnne, ob sie da waͤren oder nicht Hildburghausen actenmäszige nachr. (1753) 21; danach 'durch verabredete figuren, welche in den weg gezeichnet oder in bäume geschnitten werden, damit die nachkommende (!) erfahren, wo sie hinausgehen sollen und wer voraus ist' Grolman wb. d. spitzbubenspr. 76ᵇ; durch geheimzeichen an zaunpfosten und hausecken, welche die aussichten für milde gaben andeuten; sodann aber ist damit gemeint jede geheime verständigung durch laute, gesten, minen Avé-Lallemant gaunertum 2, 52; zinken stecken zeichen geben, pfeifen, rufen, wenn man verjagt wird H. Fischer schwäb. 6, 1216; zinkensteken zeichengeben (Pfullendorf 1820) bei Kluge rotwelsch 346; Schmeller-Fr. 2, 1138; ausführlich beschreibt das zinkenstechen (-stecken) Grolman 76ᵇ als zeichengeben 'durch schnalzen, oder widereinanderschlagen der hohlen hände, um im wald oder in der dunkelheit den kameraden ihre gegenwart zu verrathen; durch ein schneidendes pfeiffen, um die bande zum angriff, gegenwehr oder abzug zu versammeln; durch blinzeln oder husten, um zum leugnen zu verführen, besonders bei confrontationen; durch ausspeien oder ansehen von oben nach unten, um verachtung zu bezeigen und zum widerruf zu ermuntern; durch maulwischen, anzuzeigen, dasz man nicht zum geständnisz gebracht worden'; wird in die umgangssprache übernommen und dabei der kriminellen sphäre entzogen: einem einen zinken stechen jemand einen wink geben, etwas auf verblümte weise andeuten Anton Oberlausitz 6, 9; Albrecht Leipzig 241; ich will dir den zinken stecken dich in empfindlicher weise zur erkenntnis des richtigen standpunktes bringen, deine anmaszung dämpfen Hertel Thür. 265; dem will ich den zinken stecken ihm die meinung sagen, ihn unschädlich machen Martin-L. 2, 909ᵇ; berührt sich mit der wendung einem eine stecken jemand eine ohrfeige geben:
nu kamp der grusze huweknecht,
der stackte mr ä zinken;
's is wahr, mei siil, a keilt nich schlecht
F. Döring ged. in obersächs. bauernmda. (1820) 18.
in der weiteren entwicklung bedeutet zinken das personalzeichen der gauner H. Fischer schwäb. 6, 1216; ein gauner schnürt seinem feinde den zinken, indem er irgendwo einen galgen hinmalt und sein wappen dranhängt ebda; auch name, rang, titel Grolman 76ᵇ; Train chochemer loschen 137ᵃ; Zink name zs. f. wortforsch. 10, 214ᵃ; u. a.; zinken amtliches siegel und stempel Müller-Fr. 2, 707ᵃ; das stadtgeschenk muszte später zu einer gewissen stunde abgeholt werden, und dabei gab es einen 'kräftigen zinken' (groszen stempel) in die fleppe, was deren inhaber nicht gerade angenehm ist R. Thomas unter kunden (1905) 96; den zinken drauf hauen stempeln H. Fischer schwäb. 6, 1216; zinke, f., petschaft, siegel Train chochemer loschen 137ᵃ; brandmal H. Fischer schwäb. 6, 1216; vgl. zinken, verb.; linker zinken falscher stempel Ostwald rinnsteinspr. 70; Bischoff wb. d. geheimspr. 92; für sich stehen die bedeutung kanne Grolman 76ᵇ und zink, m., ein hehler, ein einverstandener Castelli mda. in Österr. 272. zss.: zink-emmes bezeichneter platz, sammelplatz Grolman 76ᵇ; -fleppe, f., steckbrief, signalement Avé-Lallemant gaunertum 2, 53 fuszn.; Grolman 76ᵇ; Ostwald 171; -platz wie emmes Avé-Lallemant 2, 53 fuszn.; Grolman 76ᵇ; Ostwald 171; -treff, m., dasselbe ebda; zinkenmacher, m., gleich -pflanzer mitt. d. schles. ges. f. volkskde 19, 251; P. Barsch v. einem, der auszog (1905) 2, 165; -moknen, n., sammelplatz der diebe und räuber Train chochemer loschen 137ᵃ; -pflanzer, m., stempelfälscher, -macher (schwäb. 1820) Kluge rotwelsch 343; Bischoff wb. d. geheim- u. berufsspr. 93; Ostwald 170; -platz, m., wie zinkplatz (18. jh.) H. Fischer schwäb. 6, 1217; s. auch Schmeller-Fr. 2, 1138; -stecher, m., der flebben- oder paszmacher Jean Paul w. 27, 301 Hempel.
2)
die zacken einer krone, in bildlicher verwendung: der (Jesus) hette eine cronen, di hette drie zinken, di wurden zu drin boumen also groz daz si allez ertriche begriffen heil. regel 67, 22 Priebsch;
die cron ist über allen schatz,
der schatz ist von uns zuo bracht,
von zwölf zinken ist er gemacht ...
der schatz ist kostlich und rein.
von zwölferlei gestein
ist ieder zink durchleit ...
ein zink ist vol karfunkel,
der ander zink ist dunkel,
von mengem herten adamast ...
meister Altswert 101 Holland-K.
helmschmuck: den kopf bedeckte ein einfacher oder mit zinken und zierrathen versehener helm Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 491. ähnlich an einer kelchblüte:
die kelche schlossen sich in sechs geteilte zinken
Drollinger ged. (1743) 70.
dazu die zss. zinkenkrone, f., stirnreif mit strahlen oder zinken; wurde von den lagidischen königen von Ägypten und von den römischen kaisern bis ins 4. jh. getragen, jetzt heidenkrone genannt, s. Meyers lex.⁷ 5, 1289; die päbstliche crone oder das sogenannte regnum ist aus drey über einander stehenden zincken- oder strahlen-cronen zusammen gesetzt, welche eine hohe mütze umgeben Trier wapenkunst (1714) 207.
3)
widerhaken eines pfeils, bildlich:
ir augen blicke zilten
ze hertzen mit ir zwincken,
daz der strale zincken
die minnewunden machten wit
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 1470 Regel;
einer lanze:
und myn phert greiff sij mit dem horn
und sparete mich nit mit syncken,
und mit yren zenden machte sij myn phert hincken
pilgerf. d. träum. mönchs 8791 B.;
einer harpune:
dan werffen sie aus einem schief
ein eysen auf seins (des walfisches) ruckens grat,
das vil spiciger zencken hat
Hans Sachs 22, 315 K.-G.
4)
haken an fenstern (schiebefenstern, um sie hoch- oder seitlich zu schieben?), nach der vermutung des herausgebers 'fensterwirbel': item Hartunges sone vor slos, leuchter, cinken zu fenstern, vor gebis, stegereiffen, 18 gr. (1415) cod. dipl. Lusatiae superioris 3, 703. für ein netz: item Paulo Czigano pro klammen 16 factis ad turrim ibidem et zenken ad rete asp. 14 (1524) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 1, 571; am steig-, fuszeisen:
als er sein fusz aufheben was,
weichen die fünf zinken all gar
am hindern fusz, und nemet war,
ein zink, der haftet allein
in dem herten, gähligen stein
Teuerdank 50 G.;
als er nun zum leger, den gembsen auszzuwerffen, kam und mainet, der fels sei waͤsig, da weich das gniesz, das nit mehr dann ein zinck vom eysen hafftet S. Franck Germ. chron. (1538) 268ᵃ. in der soldater sprache für die sporen: unser bataillonsadjutant jagt auf mich zu. ich setze meinem gaul die zinken ein und presche ihm entgegen Liliencron s. w. (1896) 1, 71; die sporen nennt man zinken Imme soldatenspr. 118.
5)
zinken 'ein holz, als eine zinke vom hirschhorn gestaltet, so die fuhrleut brauchen, die seile mit zusammenzuziehen im aufpacken' Frisch 2, 478ᵇ nach einem beleg bei Fronsperger: auf das haͤrteste mit seilen zusammengezogen mit einem zinken, den die fuhrleut brauchen v. geschütz u. fewerwerk (1564) 12ᵇ; nimm darnach einen zincken so die fuhrleuth brauchen, unnd schüpff das seil zwischen beiden ringen in der mitten herumb ebda; kriegsb. (1573) 1, b 2ᵃ; Reutter v. Speir kriegsordn. 127; stange am vogelherde: vor die vorderstaͤbe ... wird ... uff jegliche wand ein zincken oder rudel ... angemacht Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 120.
6)
anscheinend meint zinken im folgenden beleg die keilform einer heeresfront:
in zincken wis der haiden schar
was gepartiert gar;
fuͤmf schar was ir besunder
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 14 605 Regel;
auf der vorstellung einer gleichen figur beruht die benennung des lat. zahlzeichens V als eines zinken:
ein M vier C nach Crist geburt
drei zinken, als es ze ostern wurd
(d. h. im jahre MCCCCVVV = 1415)
histor. volksl. d. Deutschen 1, 264ᵇ Liliencron;
schon vorher erscheint dieselbe art, die zahl 5 zu benennen, beim dichter des jüngeren Titurel:
was an der werden diet keiner krenke.
was da Kundewiramus an kinden
bi ir da lobelichen:   zinken dri mohte man da vinden
6026.
vielleicht aber enthalten alle belege das flektierte ⁴zink.
7)
ungewöhnlich die balken eines kammrades: es sollen auch der reder zincken, so in der anderen reder zincken, oder wegelein gerichtet, also zusammen stimmen, dasz sie das spacium und weite so darzwischen ist, eigentlichen auszfuͤllen H. Frölich offenb. d. natur (1591) 375.
8)
ganz vereinzelt berührt sich zinken mit zinne: zinken zinnen einer mauer (Colmar) Martin-Lienhart 2, 909ᵇ. einzelnes: Schwarzachhalden ... mit seinen heuschobern, die ringsum unterm dach eine brustwehr von tausend hölzernen zähnen und zinken zeigen Gutzkow ges. w. (1872) 2, 140.
9)
anscheinend die spitzen zinken der sparren, der quer- oder längsbalken eines wappenzeichens, während die stumpfen zinnen genannt wurden, s. teil 10, 1, sp. 1950: item eim (landsknecht) zwu eln rots tuchs mit weiszen zinken, darausz ein kurtzs röklein (Nürnberg 1504) städtechron. 11, 671, erläutert durch eine andere beschreibung ebda 672 anm.: in rot röck mit weiszen und roten sparrn auf dem einen erbel geclait; solch spitze zinken haben die randfelder des tricktrack- oder puffspielbrettes (eine mittelalterliche abbildung auf s. 245 der carmina Burana in Schmellers ausgabe); diese erscheinen als wappenzeichen: darauf über sich drey schwarz spilbrettzingen und unter sich ach drei cgm. 92f. 17ᵃ bei Birlinger augsb. wb. 439ᵇ. sonst verwendet die heraldik das wort zinken in wappen für die enden eines hirschgestänges (hirschgeweihes) oder halbgestänges (einzelnen hirschhornes) Querfurth wb. d. herald. terminologie (1872) 178 und für korallenstauden, vgl.: zincken ramus, branche, 'seynd corallenstauden, item enden der hirschhörner' Schumacher wapenkunst (1694) 87; anders noch für die querstreifen aus ankertau auf einer fahne:
der wint ob in do ruͦrt
Navern den vanen rich.
der was, als ich versinne mich,
hymel bla nach phyn lasur,
rubin rot was ain figur,
von chumelle (ankertau) sechs zincken entwer
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 14 469 Regel.
10)
ungedeutet ist folgender beleg: also muͤst ir nit die spruͤch aus dem evangelio nach ewerm wolgefallen zihen, und darinnen umb gehen wie ein saw im ruͤben acker und woͤlt dennoch das mit Scoto, Thoma dem koch beweysen und mit den heydenischen meistern Aristotile, Platone und Averroe mit prima parte beyden zincken, und mit den rusticis quadrans auslegen Balthasar Stanberger ein dialogus zw. e. prior, leyenbruder u. bettler c 1ᵇ; gemeint scheinen in dieser reformationsflugschrift aus Weimar mit prima parte der erste teil der summa theologiae des Thomas von Aquino (Thomas der koch verdreht nach vermutlichem Thomas coquinus), mit beyden zincken die duo cornua mitrae pontificalis, die das alte und neue testament bedeuten, und mit quadrans auslegen die scholastische vierfache auslegung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1403, Z. 14.

zinken2, vb.

²zinken, vb.,
verfünffachen (zu ³zink, m.):
daz ist di heilige drivaldekeit,
di was gar uz und uz gedriet
und von dem quatere gar gevriet,
doch wart si gezinket sider
obir lange zit her nider,
do got sich durch sine werde
wolde lazen viren uf der erde,
do wart her geecket an vumf hu
(auf die fünf wunden Jesu anspielend)
Brun v. Schonebeck 1253 Fischer;
aus der würfelzahl zink abgeleitet ist zingga triktrak machen, toccategli spielen Tobler Appenzell 458ᵇ, ein beispiel volkstümlicher wortbildung, die von einer nebensächlichen, den spielern aber wohl bedeutsamen erscheinung ausgeht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1420, Z. 1.

zinken3, vb.

³zinken, vb.,
in erzinken sich allmählich erholen (westl. Wetterau) Pfister nachtr. 344 läszt sich an die oben behandelten zinken-wörter nicht anschlieszen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1953), Bd. XV (1956), Sp. 1420, Z. 16.

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Zitationshilfe
„zinken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zinken>, abgerufen am 05.12.2020.

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