Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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zinnen, adj.

zinnen, adj.,
zinnen, zinnern, stanneus, ahd., mhd. zinîn; im bair. wird -în diphthongiert: ein zinein müschel jüng. Titurel 2906; zynein voc. teut. (Nürnberg 1482) pp 7ᵇ; im alem. zu -in gekürzt, die schreibung zinin oder zinnin hält sich hier bis zum 17. jh., archaisch begegnet sie in einigen wörterbüchern anderer landschaftlicher zugehörigkeit, so zinnin im nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 52, neben zinnen und zinnern bei Kramer teutschital. 2 (1702) 1466ᶜ und Ludwig teutsch-engl. (1716) 2597. nach schwund des -n bleibt -i im schwäb. anfangs, in den schweiz. mundarten bis jetzt bewahrt, vgl. die stelle ain schön zinin grab (Augsburg ende 14. jh.) städtechron. 4, 62 in einer um 70—80 jahre jüngeren bearbeitung ebda 5, 24, wo zini geschrieben ist; zwen zini kessel (1486) bei Röhricht pilgerreis. (1880) 160; ain zeni gieszfasz (1540) bei Fischer schwäb. 6, 1218; modern schweiz. tsinni Claus Uri 197; tseni Enderlin Keszwil 30; zu -e geschwächt: 17 zyne tischtellerlein (1548), 21 zine teller (1553) bei Fischer schwäb. 6, 1218; in guldin, silberlin oder zynem gefaͤsz S. Franck chron. zeytb. (1531) 272ᵃ; ein zinnes grab J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 139ᵃ. dem westmd. n-schwund gemäsz sind zenne Rovenhagen Aachen 167ᵃ; eine zinne schuͤssel Kramer hochniderdeutsch (1719) 2, 276ᶜ; auch in der festeren form der zusammenrückung zinegeschirr Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 15ᵃ, zinnegescherr zinnernes geschirr Follmann Lothr. 558ᵇ und über das westdt. gebiet hinaus in subst. zusammensetzungen, vgl. die ostmd. fälle zcenegenge (Freiberg 1377) urk.-buch d. st. Freiberg 2, 40; zihnebecken (Neumark 1561) hofordn. 1, 71 Kern. dasz das adj. in zusammensetzungen das subst. zinn des öfteren verdrängt hat, bezeugt u. a. ein fall wie der zinnenwarter (Pommern 1575) ebda 1, 128; dafür sprechen auch die vielen zusammenschreibungen wie zinnenkannen (Neumark 1561) ebda 1, 65, zynnenkuyllen 'zinngruben' (Cornelimünster 1413) weist. 2, 783, ein zinnenplatten G. Rivius Vitruv (1575) 612, zinnengeschirr Grimmelshausen Simpliciss. 18 Scholte, Stieler stammb. (1691) 188, zinnenring Olearius morgenl. reisebeschr. (1696) 113. die behandlung des stammvokals entspricht der des subst. zinn, vgl.: 4 czenen kannen (1392) Marienb. ämterbuch 12, 15 Zies.; eyn tenen kanne Diefenbach nov. gl. 269ᵇ (s. v. occiualus); zienen kannen Mathesius Syrach (1586) 2, 121ᵃ; zihnen schusseln (Neumark 1561) hofordn. 1, 43 Kern. in den mundarten hat sich meist die form auf -en gehalten, auch einige obd. schriftsteller des 19. jhs. gebrauchen sie noch, z. b. das zinnene, verbogene waschbecken Stifter s. w. 3 (1911) 331; die zinnenen kannen Mörike w.² 3, 129 Maync; sonst hat in der schriftsprache zinnern gesiegt. in glossaren, vocabularen und wörterbüchern bis zum beginn des 19. jhs. gut verbucht.
1)
zur kennzeichnung von allerhand erzeugnissen aus zinn: wellestû machen, daz dich dîne vînde müezen vermîden, sô scrîp an ein plîge oder an eine zinîne tavel sînen namen ... unde trach den brief under dînem fuoze zwei md. arzneibücher d. 12. u. 13. jhs. 41 Pf.; und werdin sehen den ceyninen steyn in Zorobabels hant (das zynen mas in der hand Serubabels Luther, mit der glosse richtscheid oder bleiholtz; bleilot Kautzsch) (Zach. 4, 10) bei Claus Cranc prophetenübers. 363 Zies.; alles daz geschirre, daz zuͦ dem alter horet, güldin oder silberin sol sin und ouch etliches zinin (Straszburg) städtechron. 8, 17; lamina ein küpfferin, eerhin, zinin. und dergleychen blatt Frisius dict. (1556) 753ᵇ; (diamanten) werdend auff küpfferin, zinin oder bleyin scheyben poliert ebda 29ᵃ; ein zinnin blech M. Herr feldbau (1551) 106ᵇ; zinnene teuchel Sebiz feldbau (1579) 18; zinnine kehrbuͤrsten, zinnine kehrwische, zinnine kraͤtzerlein Moscherosch gesichte (1650) 130; zwo schwestern kandtengieszerin machen zinnine plappart (falsche münzen, Augsburg) städtechron. 33, 224; item sie hatten mehr dann drithalb hundert groszer schwerer bleien oder zinnen kolben gemacht B. Hertzog chron. Alsatiae (1592) 5, 47; die weiber ziehren ihre arme und beine mit eisernen, kupffern, messing oder zinnen ... ringen Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 113ᵇ; und ist also in ain zinenen sarch, wie dann mit groszen herren breuchlich, gelegt worden (Augsburg) städtechron. 33, 60; legt die leich (Luthers) inn die kamer auff ein bett und strohe, bis so lang ein ziener sarck gegossen, und er darein geleget ward Jonas u. Cöllus in: Luther 54, 493 W.;
ehe man sie nun zum grabe tregt,
soll ihr coͤrper werden gelegt
inn einen zinnenen sarg fein
W. Spangenberg ausgew. dicht. (1887) 48;
zinen und messing leuchter Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 174 ndr.
2)
als stoffbezeichnung des esz- und trinkgeschirrs und gewerblicher gebrauchsgeräte: 26 czynen schusseln (1437) Marienburger ämterbuch 18, 4 Zies.; ein zinnin schüssel Keisersberg brösamlin (1517) 1, 62ᵇ; soll mans von stund an ... warm machen, in einem zinnen schuͤsselein, auff einer glutt Paracelsus opera (1616) 1, 693; nimb ayerweisz ..., zurschlag es in einer zienen schuͤssel Ercker beschr. aller miner. ertzt (1580) 62ᵃ;
... bring ich dir ... zuͦ stüer
...
zwen dryspitz die zuͦ bruchen in gemein,
zinin schüszlen und blatten grosz und clein.
ich bring dir ouch häffenteckel gar vil
Hampe ged. v. hausrat a 3ᵃ;
da aber etwan nicht gelt ... vorhanden, liesz er die zinenschüssel und theller ... verkauffen F. Alber Ignatius Loiola (1591) 476; zum achtundreysigsten sollen die saalknechte die zinnen schuͤsseln, kannen undt becher ... rein und sauber halten (Mecklenb. 1642) hofordn. 1, 283 Kern; eine zinnene schuͤssel Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1466ᶜ; 100 geschlagne czinene tellerlen, die man an telerprot stat auflegt Tucher haushaltbuch 146 Loose; une assiette zinnen teller Duez nomencl. 20; sie ... sollen ... umb einen zinnen leffel einen ochsen gegeben haben Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 122; die hollaͤndisch schiffer berichten, dasz die leut in den moluckischen landen die loͤffel von zin so werth achten, dasz sie einen stattlichen ochsen dafuͤr vertauschen, unnd als sie die zinen loͤffel vertauscht, und den leuten silberne loͤffel an statt der zienen wollen geben, haben sie solche fuͤr nichts gehalten und nicht wollen annehmen Lehmann floril. polit. (1622) 2, 532; er soll auch zuͦ yeder zyt dischlachen und zweelen und zynnen und ander geschir thuͦn weschen und ryben (1504) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 108; lossze disz ston in eim glasz, oder in eim zynnin geschirr das es wol verdeckt sey Gersdorff wundarzney (1517) 21ᶜ; sie (die stube) waz geziert mit zinnen unnd messen geschirr Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 79ᵇ; die behalt in einem zinnen oder reinn irrden ... geschirr Ryff confectbuch (1548) 52ᵃ; nimm etliche gantze schlangen, thue sie inn eyn zinnengeschirr Sebiz feldbau (1579) 394; (er) erwutscht ein zinnin blatten ab der wand Stumpf Schweizerchron. (1606) 756ᵃ; thuͦ diss denn miteinander in ein zienen, silbern oder bleyen büchs Heyden Plinius (1565) 461; der kopff von der schaͤrmauss ... in einer zininen buͤchsen behalten, ist guͦt zuͦ den kroͤpffen Forer Gesners tierb. (1563) 107ᵃ; kannten und zinnen becher Kirchhof wendunmuth 2, 189 lit. ver.; stanneus scyphus ein zinnener becher Golius onomast. (1579) 66; dieser hat die huͤltzerne kelch, ... deszgleichen die glaͤserne ... verbotten und dagegen zienene, silberne und guͤldene zu brauchen geordnet T. Fabricius grempelmarck (1619) 63; 2 czinene kendelen Tucher haushaltb. 82 Loose; liebe magt, ... begieszent die stuben mit wasser, auf das der staub nicht auff die zynnen kannen fall (1532) Fabritius büchl. gleichstimmender wörter 33 Meier; dise kreütter nimm und hack sy klain, und thuͦn sy in ain grosz zinnen kanten H. Braunschweig chirurgia (1539) 116ᵃ; der schlutter oder bierschenke soll allemahl vor den mallzeiten die zinnenkannen und andere gefesze ... sauber und rein hallten (Brandenburg 1561) hofordn. 1, 65 Kern; zinnenkannte bottaccio di stagno Hulsius (1618) 283ᵃ; gab er seinen knechten aus beschlossenen zinnin kändtlin ... zuͦ trincken J. Frey gartenges. 36 Bolte; item 5 m. 2 scot 20 den. vor 10 zenen flaschen (1399—1409) Marienb. tresslerb. 386 Joachim;
nemmend acht zinnen fleschen voll
mit wein, auch nemend so vil brodt,
so euch wird zu der reysz sein noth
Wickram W. 6, 137 Bolte;
ein zinin fleschen ..., die schlueg er dem doctor an kopf Zimmer. chronik² 4, 82 Barack; un flascon ... eine zinnene flasche Duez nomencl. (1652) 85; zinnene flasche Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1466ᶜ; ein fein zynen bruntzkächelin Schumann nachtbüchlein 251 Bolte; alle zinnen becken (Braunschweig 1510—20) hofordn. 2, 10 Kern; ein geprante zimente zinnene weinmasz (niederösterr. 16. jh.) österr. weist. 11, 282; item die baͤchermass bey den weynschencken ward abgethan und die zininmass zeschencken aufgesetzt Stumpf Schweizerchron. (1606) 400ᵃ; hab auch 24 pett, tisch und anders hinein vorordent (in das haus, das der kurfürst bei seinem aufenthalte in Nürnberg bewohnen wollte) und auch zinen gefesz Planitz berichte 226 Wülcker; das zinenen gefesze (1542) Luther br. 9, 580 W.; leg sie ordenlich in ein groszen steynin kruͦge, hültzin faͤszlin odder zinnen gefäsz Ryff haussapoteck (1548) 106ᵇ; die zinnen fasz und stüpe sollen alle sonnabendts ... durch der wechter weiber rein gescheuret werden (Mecklenb. 1560) hofordn. 1, 204 Kern; auff der rasselbanck, da man etwa umb zinen gefaͤsz oder anders mit blinden wuͤrffeln spielet theatr. diabol. (1569) 513ᵃ; und hat mann das schuͤttern und die bewegung an den zinnen gefesz auff den kanricken (gestell für kannen) gespuͤret Dreszer sächs. chron. (1596) 363; dasz zinnen gerehte nebenst den tischen ... scheuren und waschen lassen (Mecklenb. 1642) hofordn. 1, 284 Kern; alle quartahl das zinnen wergk, so der sahlknecht under handen hatt, besehen (Mecklenb. 1574) ebda 1, 232.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1463, Z. 17.

zinnen1, verb.

¹zinnen, verb.,
abgeleitet von zind, m., s.zinden, verb.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1462, Z. 39.

zinnen2, verb.

²zinnen, verb.,
verzinnen, mit zinn überziehen, als simplex selten: 25 trynckschalen, dy sint 2 gestyppet und gefloryret und 1 geczynnet (1391) Marienburger ämterb. 163, 16 Ziesemer, s. auch teil 4, 1, 4, sp. 7161 unter gezinnt 3; in wörterbüchern lediglich aus zusammensetzungen abstrahiert, so bei Stieler stammb. 2650, Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1466ᶜ, Ludwig teutschengl. (1716) 2596, auch wohl bei Mensing 5, 66, da das brem. wb. 5, 71 und Doornkaat Koolman 3, 413 ausdrücklich den gebrauch auf das kompositum vertinnen einschränken; Stieler stammb. (1691) 2650 führt davon be-, über- und verzinnen, Frisch 2, 479ᵃ aus- und verzinnen an.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1462, Z. 40.

zinnen3, verb.

³zinnen, verb.,
mundartliche sonderform von zännen (sp. 256), zennen (sp. 633) in der bedeutung 'das gesicht (vor wut, schmerz, freude) verziehen, lächeln, blinzeln' Jungandreas zeitwortbildung 41; zinnen wie ein heftelmacher Rother schles. sprichw. 165ᵃ; appenzellisch zinnen murren (mittelding zwischen schreien und stillsein bei kindern) Klein prov.-wb. 2, 247; s. ²zinne, f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1462, Z. 52.

zinnen4, verb.

⁴zinnen, verb.,
ableitung von ¹zinne, f., zinne, mit zinnen versehen, nur als part. prät. belegt; dies erscheint sowohl als verbform bei haben und sein als auch als prädikatives und attributives adj.; zu den oben bei gezinnt (teil 4, 1, 4, sp. 7161) gebotenen belegen vgl. noch folgende:
jâ habet der waltunte Crist
sîne burch damit (mit dem topas) gezinnet
himml. Jerusalem 353;
mit den edelen steinen sint si (die tore d. himml. Jerusalems) wole gezinnit
himmelreich 83;
der kirchoff was mit einer muren umbschloszen, die was kleyn gezinnet, eine fast an der andern Lancelot 1, 165 Kluge; da kamen sie by ein husz ritende, das was alumb gezinnet ebda 1, 368; he macht ein muir dairumb die wail gewichhusit ind gezinnet was (Köln) städtechron. 13, 580; meniatus gezinnet (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 356ᵃ; gezinnete mauren mure crenate, merlate Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1467ᵃ; gezinnete mauren walls having pinnacles on their top Ludwig teutsch-engl. (1716) 2596; gezinnte heroldfiguren Querfurth wb. d. herald. terminol. 178. die nennform zinnen haben nur wörterbücher: meniare zinnen (15. jh.) Diefenbach gl. 356ᵃ; zinnen, bezinnen merlare, crenare, comignolare Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1467ᵃ; ein intrans. zinnend 'mit zinnen emporragend' ist in junger dichtersprache gewagt worden:
zinnende burgen sollt ihr erbauen,
ihr sollt nicht ducken in maulwurfshügeln,
er zwingt euch hinauf in die sonne zu schauen,
die er erschwebt hat auf breiten flügeln
E. Rosmer königskinder (1910) 68.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1462, Z. 59.

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Zitationshilfe
„zinnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zinnen>, abgerufen am 28.11.2020.

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