Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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zipf1, m.

¹zipf, m.,
zipfe, m., f., spitze, spitzes ende, spitze ecke; md. zipp, nd. tipp; mnd., ndl., fries., engl., dän. tip, schwed. tipp; ags. und anord. nicht nachgewiesen; im 14. jh. als cíp ins tschech. entlehnt; mit eingeschobenem nasal nd., ndl. timp, timpe; s. zimp (sp. 1360); über die elementar-verwandtschaft mit zopf und zapfen vgl.zopf (teil 16, sp. 75f.). baumspitze: bis in 'n zipp südl. mark Brandenburg, in gleicher verwendung ebda zopp; auch zippe, f.: der junge klettert bis in de zippe oder zoppe oder kolle von den bom (stadt Brandenburg) nd. jahrb. 4, 36; vgl. südbrandenb. das zippende das ährenende des getreides, das obere baumende; ik kann gans baben in de(n) tipp Mensing 5, 68; nur vereinzelt von der haartracht: ein slecht har mit eime langen zippen, als gewontlichen zu der zit was Limburger chron. 56, 1 Wyss; nasenspitze: tipp vun de nēs Mensing; nase: zipf Jakob Wien 226; anen pan zipfe nemmen, redensart den zipf hengen lassen traurig sein Lexer Kärnten 266; niedergeschlagen, schwach sein (baier. wald) Bayerns maa. 2, 450; diese redensart von einem vogel hergeleitet, der den kamm oder kopf hangen lasse Westenrieder 690, während Schmeller-Frommann 2, 1144 zipf als schweif vom federvieh (kaum zutreffend) auffaszt; mögn nacher unsre feynd ein goschn machn, wiesz wölln, oder den zipff hencken, wie ein bauernkresz, das aus der sterck gangen Schwabe tintenfässl (1745) B 8ᵇ; fuszspitze: tippen, pl. Leihener Cronenberg 123ᵇ; spitzer bolzen: en ring mit 'n tipp int holt vorsteckbolzen Mensing; männliches glied: siebenbürg. zip, f. Haltrich 25ᵇ; schnabel, tülle an der kanne, ausguszröhre, die spitze einer brunnenröhre: tipp, m. Dähnert 487ᵃ; C. Schumann Lübeck 17; Mensing; zipp, f. Schmitz Eifel 234; siebenbürg. zīp, f. Schuller 73; zipff, m. Rädlein (1711) 1098ᵇ; dazu tipkanne Kilian 672ᵇ H.; tippkanne Chyträus nomencl. (1590) 355; Schiller-Lübben 4, 548ᵃ; Dähnert 487ᵃ; verhochdeutscht zip-, zipfkanne in meckl. hofordnungen (1524, 1560, 1593) bei Kern hofordnung. 1, 188; 199; 205; tipp holen die spitze bieten, standhalten Mensing; zusammenfassende angabe: tipp, m., pl. tippe, tippen, auch tippen, m., punkt, spitze, gipfel, wipfel, zipfel Woeste-Nörrenberg 272ᵃ; dazu: tip, tipken apex, punctus Kilian; tipp punkt, kleiner fleck, leichter schlag Mensing; spitzes ende, z. b. eines brotes: vier scheinbrot mit acht zippen (Lorsch 1423) dt. rechtsalt.⁴ 1, 138; die nachbern ... sullen geben ... dem vogelhund ein brot mit zwey zippen (um 1430) weist. 1, 511; der zipf einer semmel Höfer etym. wb. 3, 334; eines flurstückes, daher teppe in ostholst. flurnamen zs. d. ges. f. schlesw.-holst. gesch. 58, 245; dsibən, m. Hofmann niederhess. wb. 270ᵃ; der Genszipf am Chiemsee Buck oberdt. flurnamenb.² 308. am meisten verbreitet, doch auf das hd. gebiet beschränkt ist die bedeutung 'spitze, ecke, zipfel eines tuches oder kleidungsstückes', wofür die schriftsprache das abgeleitete zipfel verwendet:
daz in (den knechten als herren) die ermel hiengen
für die sîten hin zetal,
daz die zipf tæten val
gegen den wagenleisen
Seifried Helbling 3, 302 Seemüller;
(ich mache) enge rocken, die die sijtten drocken,
armen mit hangenden lappen
und zippen an groszen kappen
pilgerfahrt d. träum. mönchs 7512 B.;
ein pasquil ..., darin ein monich mit einem habit bekleidet hinten am zipfen hette eins scorpions schwanz mit der angeln Mechtel limburg. chron. 198 Knetsch;
da fandt si oben auff dem schopff
ein ding, war blaw, gemacht mit stripffen,
und het einr spanne lang zwen zipffen
Burkard Waldis Esopus 2, 92 Kurz;
der h. Petrus ... thäte wahrnemmen, was maszen ein grosz leinenes tuch mit vier zipffen von himmel herab gelassen wurde zu ihm Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 23; mein neues englisches halstuch hat einen risz im zipf Castelli s. w. (1844) 10, 67; der prophet stand erhöht auf einem stein, in der faust hielt er den zipf des mantels an die behaarte brust gepreszt Rosegger schr. (1895) II 2, 20;
der pater sucht den schlüssel, klein,
dort, wo des sacktuchs zipfe blauten,
und holt den schatz, den selbstgebrauten,
hervor aus dem reliquienschrein
Rilke ges. w. (1927) 1, 29;
vgl. tipphoike, f., frauenmantel mit zipfel Böning Oldenburg 115. redensart: dem schalk die zippen abschneiden der büberei ein ende machen bei Vilmar Kurhessen 471; sprichwort: die vier zipf bringt man nie zusammen es geht nicht alles nach wunsch (Wien) Wander sprichw.-lex. 5, 592ᵇ, vgl. zipfel 4 mitte. buchungen: leripipium zippe, zipp, zyep Diefenbach gloss. 324ᶜ; relipendium 491ᵃ; retropendium 496ᶜ; eyn czyppe cattula (vestis, pars vestis) Diefenbach-Wülcker 914; tippen, m., zipfel eines tuches, eines sacks Mensing 5, 69; zîp, m., zipfel lux. wb. 504ᵇ; Schuller siebenb. 73; tymp, tzep relipendium, retropendium v. d. Schueren teuth. 398ᵃ Verdam; zebb, pl. zebbe Autenrieth 155; Follmann 556ᵃ; zäppe, m. Schmidt westerwäld. wb. 336; zebbe, f. Heinzerling-Reuter 335ᵃ; zipf Überfelder Kärnten 255; Loritza Wien 147ᵇ; lautsubstituierend tsiff Bohnenberger Wallis 169; zipf der hautlappen der henne unterhalb des schnabels Hauffen Gottschee 448. persönlich: fader zipf langweiliger mensch, spielverderber Jakob Wien 226; zip schimpfwort Pansner schimpfwb. (1839) 80ᵇ. s. die nebenform ¹zips, m. dim.: het tippeken van de vingeren digitorum extremitas interior iuxta ungues Junius (1567) 40ᵇ; tipken apex, punctus, tipken van de borste papilla, tipken van d'oore auricula infima, ansa auriculae Kilian 672ᵇ H.; tipək, m., spitze Böger Schwalenberg 166.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1543, Z. 40.

zipf2, m.

²zipf, m.,
krankheit des federviehs, entzündung der nasen- und mundschleimhäute, bei welcher der sich absondernde schleim die nasenlöcher verstopft; ein mit der geflügelzucht von den Römern übernommener name, zu den gleichfalls entlehnten fachwörtern flaum und mausern gehörend. das zugrunde liegende lat. pītuīta 'zähe flüssigkeit, schleimiger ausflusz beim schnupfen, pips' bildet sich nach kreuzung mit pīpare 'piepen' zu pipita, pippita (Frings Germ. Rom. 67) um; auf pipita beruht schweiz.-schwäb. pfiffi(s), aus pippita leitet sich das am oberen Neckar und in der mitte des Elsasz anschlieszende pfipfes, pfipfi, pfips her, nördlich der obd.-md. sprachgrenze erstreckt sich rheinabwärts und im gesamten nd. raum pips und pipp. die o sthälfte des hochdt. sprachgebietes, Bayern-Österreich, das östliche Ostfranken, Thüringen, Obersachsen-Schlesien und Preuszen umfassend, füllt zipf und seine nebenformen; sie setzen eine aus pippita dissimilierte roman. form *tippita voraus. eine bair. glosse des 12. jhs. cipphic petuita ... vel morbus gallinarum in lingua ahd. gl. 3, 284, 30 St.-S. entspricht einem daraus verkürzten *tippit; aus dem ahd. zipfiz geht zipfs voc. inc. teut. ante lat. (Straszburg ca. 1495) E 2ᵃ hervor, und das zips in Obersachsen, dem östlichen Erzgebirge, der südlichen Mark und Ostpreuszen schlieszt sich wohl unmittelbar an. die Neumark hat zipp und daraus entstandenes schipp; südtirol. zif Schmeller cimbr. 244ᵃ substituiert -f für bair. -pf. in Nordbayern, dem obd. teil Schlesiens und im ostmd. raum wirkt junge dehnung; sie erzeugt ziepf und ziep. ältere belege sind knapp, auszer den genannten vgl. noch czipp (md. 1394), cyph vel czipf (obd., anf. 15. jhs.), der zypff der hennen (Nürnberg 1482) Diefenbach gl. 439ᵃ; czypp (1470) ders., hd.-böhm. 214. ein ih-suffix zeigt die glosse hirquus oucstal vel cipfihe quod galline in lingua crescit (13. jh.) ahd. gl. 3, 661, 11 St.-S.; dies erscheint noch in zimpheich (15. jh.) von der nasalierten nebenform zimpf (ob. sp. 1369). jüngere belege, der form nach geordnet: zipff Hulsius teutsch-it. (1605) 164; rotz, koder oder zipff, so die hüner bekommen ders. (1618) 2, 298ᵃ; zipff Mylius nomencl. (Görlitz 1572) E 2ᶜ; der zipff oder pips Corvinus fons lat. (1646) 632; Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716; Rädlein (1711) 1096ᵇ; so mans uber die vihe thüren steckt, behüten sie (die geweihten palmen) ... die hünner vorm ziepff C. Schnausz etwas neues (1555) D 2ᵇ; wenn die hüner den ziepff oder schnuppen haben Suevus spiegel d. menschl. lebens (1588) 243ᵇ; ziepf Ruckert unterfränk. 204; ziep, n. Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1094; ziep, m. Petters stoffslg. 38; Blumer Nordwestböhmen 96; Anton Oberlausitz 15, 20; Knothe Markersd. ma. 127; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 705ᵃ; zips viehbüchl. (1667) 96; den zips haben Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468ᵇ; Müller-Fraureuth 2, 708ᵇ; Göpfert sächs. Erzgeb. 44; zips oder pips Colerus hausbuch 4 (1598) Eee 1ᵃ; zips, zipf Stieler stammb. (1691) 2631; zips, zipf oder pips Ludwig t.-engl. (1716) 2598; so die gänse den zips hätten viehbüchlein (1667) 108. ältere ansicht von der krankheit: inen (den hennen) wechst auch unden an der zungen ein weisz fellin das bedeckt die spitz der zungen, genant der zyph, in latin pituita (oberrhein. 1535) Alemannia 3, 73; der zipff ... ist ein weiszes häutlein, so ihnen an der zungenspitz wächset Hohberg georg. cur. 2 (1682) 329ᵃ. daher die rohe, dabei nutzlose behandlung, durch welche dieses häutlein, nämlich die angeblich verhärtete oberhaut der zunge, mit einer nadel losgerissen wurde; von ihr die übertragene redensart jemand den ziep reiszen, schleiszen, nehmen ihn zur einsicht bringen Müller-Fraureuth 2, 705ᵃ; schon älter:
hilff gott, es hat in unserm mittl
gar viel der allzuklugen kittl,
die sich aus dünckel gut befleissn
der schrifft den rechten zipff zureissn
Ringwaldt lauter warheit (1588) 346;
andere verfahren: selbigen ein weiszes häutlein an der zungenspitze ablösen, butter und pfeffer in die kehle stecken, und ihnen eine feder aus ihren flügeln durch die nasenlöcher ziehen, damit sie lufft bekommen Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1492; (knoblauch) ist nutzlich den hünern, so den zipff oder die schnuder haben Tabernämontanus kräuterb. (1687) 874ᵇ; vor den zips der hüner nimb quentel und wilden oder feldkümmel, thue ihnen das in ihr trincken, so werden sie wieder gesund viehbüchlein (1667) 98; wann die hunner den schnupfen oder ziep haben, so reucher sie mit sebenbaum (1569) haushaltung in vorwerken 92 Ermisch. literarische verwendung selten: sihe! da hat sich die frau Michol gestellt, als ware sie gantz melancholisch ... und geseufftzet, als wie ein henn, die den zipff hat Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 427; also redete der arme alte raugraf Gockel von Hanau in edlem hohen zorne zu Hinkel von Hennegau, seiner gattin, welche so betrübt und beschämt und kümmerlich vor ihm stand, als ob sie den zipf hätte Brentano ges. schr. (1852) 5, 21. gelegentlich wird fiebriger husten, heiserkeit und engbrüstigkeit bei menschen zipf genannt, so zs. f. hd. maa. 5, 152ᵃ; an. 1590 ist eine hitzige geschwind anfällige hauptkrankheit, durch viel länder gezogen, und hat fast keines menschen geschont, es starben nicht alle, waren aber sehr damit gequälet. man hiesz es den spanischen zips, weil 50 jahr zuvor dergleichen unheil in Spanien entstanden, so die leute mit groszer hitze, starken schnuppen und dürren schafhusten geplaget Knauth Altenzella bei Frisch 2, 479ᵇ; dazu Müller-Fraureuth 2, 708ᵇ und Woeste-Nörrenberg 200ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1545, Z. 1.

zipf3, m.

³zipf, m.,
fuszfessel, stock, durch den die füsze oder auch hände eines sträflings oder gefangenen gezwängt wurden; nur in alten glossen belegt: ziph carceralem stipitem (hs. zhip carcealis stips; 11./12. jh.) ahd. gl. 2, 590, 12 St.-S.; cipf stipitis (12. jh.) 2, 491, 9; mit suffix: ciphic, stoch, ploch cippus (14. jh.) 4, 184, 4; das lat. cippus pfahl, über das roman. mit affriziertem anlautkonsonanten entlehnt; franz. cep, s. v. Wartburg frz. etym. wb. 2, 691ᵇ; fläm. cip, cippe cippus, numella Kilian 98ᵃ Hass. ältere entlehnung des lat. wortes bewahrt den k-anlaut: as. glosse kip carceralem stipitem (10. jh.) ahd. gl. 2, 585, 53 St.-S.; Wadstein kl. as. denkm. 99ᵇ, 20; ags. cipp, m., block, stamm, pflugschar, weberbaum; ahd. chipf, chipfa, mhd. kipf, kipfe, obd. kipf, m., wagenrunge, stemmleiste (s. teil 5, sp. 780); doch ist dieser zusammenhang bestritten, indem diese wortgruppe, zusammen mit aisl. keppr m., 'stock' und seinen skandinav. fortsetzungen, von einigen für germ. gehalten wird.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1956), Bd. XV (1956), Sp. 1546, Z. 30.

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Zitationshilfe
„zipf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zipf>, abgerufen am 29.11.2020.

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