Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

zumpf, m.

zumpf, m.,
mhd. ebenso mhd. wb. 3, 949ᵃ; Lexer 3, 1174. auch zumpt Krauss anthropophyteia 1, 154. für das männliche glied allgemein im oberd., auch mitteld., nicht niederd., Martin-Lienhard 2, 904ᵇ; Schmid schwäb. wb. 552; Schmeller 2², 1126; Brenner bayer. maa. 2, 451; id. Vienn. erot. anthropoph. 2, 13; Birlinger 440ᵃ; Regel Ruhlaer maa. 291, s. auch bei zumpfel. doch scheint das wort nicht mehr recht lebendig zu sein. die familiennamen Zumpe u. Zumpt gelten ebensowenig als anstöszig wie etwa der auch nicht mehr verstandene Wackernagel, Wackerzapf. das wort gehört in die zahlreiche mit und ohne nasal erscheinende sippe hd. zapfe(n), zipf, zimpf(e), zopf, zupfen, zempel (am webstuhl), nd. timp, timpen, tamp (tauende, schläge damit Falk-Torp-Davidsen 1245), tamp neunorw. maa. J. Aasen 798ᵇ, tumpe, engl. tip, top, tump engl. dial.-dict. 6, 263ᵇ, auch it. zipolo zapfen am weinfass gehört dazu Meyer-Lübke rom. etym. wb. 734ᵃ. über die ursprüngliche anschauung und anwendung s. bei zopf sp. 76, auch zupfen, sowie die reste älterer bedeutungen von zumpf u. s. w. und zumpfel. die herschende bedeutung ähnlich bei zapfen 3 b, th. 15, 261 und zipfel.
1)
literar. belege nur aus ält. zeit: ob (die wunden) werent in den glidern des mannes oder in seym zumppen H. Braunschweig chir. (1539) 75ᵃ; (von grossen hosenlätzen) wann dann die fromme metzen meynen, es seyen zumpen, so sind es lumpen Maynhincklers sack (1612) D 4ᵃ; zumpen und messer sind nicht einerley E 2ᵃ;
wan deine wäscherin musz auch
wol riechend deine leinwaht waschen,
mein, was geruch (zumpf) oder rauch
hast du von gestriger maultaschen?
Weckherlin 2, 432 Fischer (an herrn Zümpfern).
im wortspiel:
allweil die männer wallen gehn Compostel,
dieweil ziehen ihre weiber gen Zumpenstell
Fischart bienenkorb (1588) 154ᵇ;
Mäzli Rüerenzumpf Hugo v. Wittenweiler ring 14ᵇ u. ö.
2)
reste anderer bedeutungen.
a)
ramex zumpe Diefenbach n. gl. 313ᵃ, mnd. tumpe baumstumpf Sch.-L. 4, 630ᵃ, engl. maa. tump heuhaufen, auch baumgruppe auf einer anhöhe.
b)
zumpen soviel flachs oder wolle, wie man mit einigen fingern abrupft Hertel 266; Kleemann nordthür. id. 26ᶜ, vgl.zopf II 2.
c)
zumpen pflanzenname für die gattung sedum Nemnich 672; Holl 339ᵃ, anders Oken 3², 3, 1962; Heufler 15, s. zumpenkraut.
d)
zumpen sackzipfel, Elsasz Martin-Lienhart. zumpe, f., für unordentliche, faule weiber Frommann 2, 240; Petters 14. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 541, Z. 6.

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Zitationshilfe
„zum“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zum>, abgerufen am 29.10.2020.

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