zunächst adv.
Fundstelle: Lfg. 4 (1927), Bd. XVI (1954), Sp. 546, Z. 29
mhd. ze næhste mhd. wb. 2, 286ᵃ, nach dem vorbild von zuerst, sp. 165 und 339. seit dem 16. jh. allgemein im gebrauch: zenächst Frisius 1076ᵇ, zunächst Kramer 2, 1478ᵇ. nur vereinzelt zum nächsten: zuͦm nechsten Wickram 1, 43 B.; zum nächst H. R. Manuel weinsp. v. 304; 1279 ndr. erweitert zuallernächst Häusser dtsche gesch. 2, 287, vgl.zu dem aller nechsten Calepinus xi ling. (1598) 248ᵃ. in der anwendung berührt sich zunächst eng mit nächst th. 7, 133ff.
1)
örtlich.
a)
als selbständiges adv.: der zenächst grad da wonet Frisius 363ᵇ;
ich stund zunechst in einer hecken
H. Sachs 17, 200 K.;
weil Cedron kompt geflossen
zunechst in feuchter strasz
Spee trutz nachtigall (1649) 42;
er sitzt zunächst gelassen an der flamme
Göthe 2, 143 W.;
die zunächst sich anschlieszenden (an der tafel) IV 41, 33 W.; ich begreife auszer mir, was mich zunächst begrenzt; du, was dich zunächst begrenzt Fichte 2, 186; dann lag es vor einem; zunächst der parkartige garten ..., dahinter das herrenhaus Th. Storm 1, 117. übertragen: eine angelegenheit ..., die ihnen (anr.) zunächst am herzen ... liegen soll Göthe 23, 126 W.; der zunächst mich berührende personenkreis IV 42, 94 W.; die zunächst angehörigen 33, 71 W.; meine oder der zunächstmeinigen behaglichkeit Bürger an Vosz 2, 266 Strodtmann; denen, die mir zunächst standen Holtei vierzig jahre 1, 156.
b)
in enger verbindung mit präp. an: desselbigen haus war zunächst an der schule apostelgesch. 18, 7; die haar zunegst an der haut Grimmelshausen 2, 18 Keller; zunächst am thron Göthe IV 27, 5 W.; das (treffen) zunächst am feinde Wilhelm I milit. schr. 1, 4. bei: znächst beym stock Frisius 455ᵃ; wer zuerst zum fewer kompt, der setzt sich zu nechst herbey Lehmann floril. 1, 210; wer auff der brücken tantzt und trommelt, der ist zu nechst beym abstürtzen 1, 225; zunächst bey Memnon steht ein äthiopischer knabe Göthe 48, 99 W. neben: inguina die theil des leibs zunechst neben der scham Calepinus xi ling. 727ᵇ. um: verschiedene von seinen landsleuten, die zunächst um ihn saszen G. Forster 1, 256; zunächst um die sonne läuft Merkur F. Th. v. Schubert verm. schr. 1, 100; eines stammes, der zunächst um Kyme angesessen war Mommsen röm. gesch. 1⁴, 121. vor: mein herr vater aber (ritt) ... zunächst vor i. f. g. Schweinichen 28 Öst.
c)
es schlieszt sich, als präp., an einen dativ, tritt auch gelegentlich davor:
nüt gwüszers dann der bitter thodt —
der ist mir znechst da vor der thür
Schweizer schausp. d. 16. jh. 3, 270 Bächtold;
am paradiese
zunächst der wiese
liegt ein garten
Göthe 4, 254 W.;
er sasz zunächst mir H. Braun orthogr. wb. 318ᵃ; die schmiedin, an die jetzt die reihe kam, weil sie der thür zunächst stand O. Ludwig 2, 178; Jobst ... behauptete seinen platz zunächst der wand G. Keller 4, 217.
d)
selten 'auf dem nächsten wege': er ... wusste nicht welcher (weg) ihn zunechst nach Corotin trüge buch d. liebe (1587) 389ᵈ; die erste (richtung), die zunächst zum ziel führte, zog sich am kleinen meerbusen hin ... zum Jordan Göthe 7, 164 W.
2)
zeitlich:
a)
von dem was als erstes geschieht oder geschehen soll: heb zuͦ negst bey der seytten 12 an zuͦ zelen Dürer underweis. d. messung b 11ᵇ; zunächst aber schreiben sie mir doch, wenn sie die rückreise anzutreten gedenken Göthe IV 29, 105 W.; wo feuer brennt, springt wer zunächst aufs dach, und fragt nicht, ob's freund oder feindes haus ist Alexis Roland v. Berlin 2, 350. den fortgang einer erzählung unterbrechend: allein zunächst galt es, sich mit dem bruder über den elterlichen nachlasz zu vereinigen Th. Storm 7, 288.
b)
im ausgesprochenen oder stillschweigenden gegensatz zu dem was folgt, oft im sinne des vorläufigen, wie erst mal, vgl.erst 3, th. 3, 991: man suchte ... die beobachtung des Regensburger edictes ... zunächst gütlich in gang zu bringen; gar bald aber sah man, dasz die neuen meinungen schon sehr weit vorgedrungen waren, und schritt zu strafen Ranke 3, 36; sonst will er ihn im anfang november erwarten, zunächst auf ein probejahr Justi Winckelmann 1, 187; seine witwe .. kehrte .. zunächst nach Kopenhagen und von dort .. in die .. heimat .. zurück Fontane I 1, 52.
c)
gelegentlich für das auf ein vorhergehendes zunächst folgende: dann nach der schöne werde zunechst ein ubel kommen B. Schupp schr. (1663) 714; du bist ein braver kerl, sorgst wohl zuerst für dich, dann aber zunächst für mich Grabbe 3, 192 Blumenthal; den stempel ..., den die catonische zeit und zunächst Tiberius Gracchus ihr (der röm. verwaltung in Spanien) aufgeprägt hatte Mommsen röm. gesch. 2⁴, 18.
d)
das nächste vom sprechenden aus, eine besonderheit Göthes: überlegung dessen, was zunächst bevorsteht III 3, 30 W.; das nächstvergangene und zunächstbevorstehende III 11, 233 W.; weisz aber nicht, was zunächst aus mir werden wird IV 29, 218 W. meist soviel wie 'bald', 'demnächst':
dasz ihn das ähnliche schicksal
auch, vielleicht zunächst, betreffen kann oder doch künftig
50, 192 W.;
so könnt ich wohl zunächst das ganze reich verschreiben
15, 289 W. (Faust 11042);
wir erzählten von einem .. vetter, der, drei jahre abwesend, zunächst erwartet werde 24, 94 W.; als sie zunächst wieder guter hoffnung ward 43, 18 W. ebenso 3, 319; 7, 164; IV 28; 124; 143 W. u. ö.
e)
'vor kurzem', 'kürzlich', veraltet: ich dancken uwer vetterlichen liebe gar fruntlichen des pherdtz, daz uwer lieb uns zunechst gesent hat privatbr. des ma. 1, 296 Steinhausen;
Amor sasz zunechst betrübet,
weil sein pfeil war miszgeübet
Logau 519 Eitner;
zunächst kam einer in die schenke
Günther ged. (1739) 523.
3)
von der reihenfolge, erst in neuerer zeit.
a)
der betrachtung oder erörterung: zunächst kann nämlich gerade die abänderung des bestehenden rechts absicht des gesetzgebers sein Savigny vom beruf uns. zeit f. gesetzgebung 16; blicken wir zunächst auf Africa Mommsen röm. gesch. 2⁴, 21.
b)
des grades und der bedeutung: der zunächst berufene erbe bgb. § 2097; zunächst bedenke der schauspieler, dasz er nicht allein die natur nachahmen, sondern sie auch idealisch vorstellen solle Göthe 40, 153 W.; der zunächstgebietende hauptmann Baggesen 2, 362; zu dem hafen, wo, wenn kein anderer, doch die zunächstgefährdeten sich vereinigen sollten Ranke 37, 25.
4)
es verschmilzt mit den part. von bewegungs- u. ruheverben, vgl.nächstbelegen, ↗nächstfolgend, ↗nächstvergangen: in dem zunächstfolgenden momente Fichte 2, 173; ohne eine antwort abzuwarten, wandte er sich nach dem zunächstgelegenen seitenzimmer Fontane I 1, 441; die zunächstkommende kompagnie I 2, 211; der zunächstliegende gedanke Droste-Hülshoff an L. Schücking 358; er bat die zunächstsitzenden, man möchte ihn durchlassen B. Auerbach schriften 6, 53; er begrüszte die zunächststehenden damen Fontane I 2, 8; die ihr (d. seeschwalbe) zunächststehenden arten Naumann naturg. d. vögel 10, 116; denn immer dahin ging ihr (der regierungsgegner) gedanke, die dem throne zunächststehende, einigermaszen berechtigte persönlichkeit für sich zu haben Ranke 9, 231. auch mit adj. s. oben bei 1 a die belege Göthe 23, 126 W. und Bürger.
Zitationshilfe
„zunächst“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zun%C3%A4chst>, abgerufen am 19.06.2019.

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