zusatz m.
Fundstelle: Lfg. 5 (1931), Bd. XVI (1954), Sp. 782, Z. 29

Unterbegriffe in diesem Artikel

mhd. zuosa(t)z mhd. wb. 2, 2, 345ᵇ; Lexer 3, 1196, der vorgang des hinzusetzens und das hinzugesetzte, vgl.zuschlag undzusetzen.
1)
im eigentlichen sinne des hinzu.
a)
was dem erz und andern mineralien beim schmelzen hinzugethan wird Mothes 4, 525: dise ding ..., welche die bergleut zusetze heiszend, dass sie dem ertz zugethon werden ... dasselbig ... zu schmeltzen Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 191; ein iglichen z. mit blei, flosz und slacken H. Ermisch sächs. bergrecht 131; kalkstein ... als z. zum verschmelzen Ritter erdk. 2, 843; die besten zusetze ... sind guter verstand, lange übung, groszer fleisz, und ein redlich, trew, gottselig hertz, das gedeyet Petri 2, q 1ᵇ.
b)
der geringwerthige zusatz zum edlen metall, besonders in der münze: das silber hat viel z. von kupfer Kramer 2, 789ᵇ; schönes sauberes bley, das kein z. von zin hab Osw. Gäbelkover arzneib. (1595) 1, 205; das metall (ist) nunmehr von allen fremden zusätzen gereiniget Göthe 21, 88 W.;
ein altes goldstück ...
ein wenig zusatz mocht es haben,
doch war es gold
Pfeffel poet. vers. 2, 152.
gern vergleichend: wie die propheten reden, die die bösen zusetz und gemenck so unter das reine silber gemenget Mathesius 3, 8 bibl. dtscher schr. aus Böhmen; es ist unser sprach diszmalen in ein recht kipperjahr gerahten: jeder beschneidet, bestimmelt dieselbe wie er will, gibt ihr einen halt und z. wie er will Moscherosch ges. (1650) 2, 153.
c)
überhaupt geringwerthige zuthat, besonders zu speisen und genuszmitteln: der wein hat einen z. Kramer; im land ob der Enns ... wird das brod ... meistens ... mit einem drittel z. (von gerste) gebachen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 199;
on die (sorten wein) man sonst hat erdacht,
die man mit zuͦsatz hat gemacht,
morolff, zitwen und alantwein
K. Scheidt Grobianus v. 3176 ndr.;
eines kunstrichters ..., der wie ein betrüglicher krämer keinen weihrauch ohne z. verkauft H. P. Sturz schr. 1, 93. zusatz wird von zuthat, als dem sachlichen, durchaus nicht tadelnden ausdruck unterschieden, wenngleich zuckerzusatz nicht als verfälschung des weines gilt hwb. d. staatswiss. 5, 950, ähnlich kaffeezusatz. anderseits steht ihm besonders seit dem weltkrieg als durchaus absprechend ersatz gegenüber.
d)
in älterer sprache überhaupt, ohne tadelnden sinn, zuthat zu speisen als würze, condimentum Frisius 285ᵃ, zum boden als dünger: nim pflaumenseltz ohn andern z. Wirsung arzneib. (1588) 545ᶜ; die erd ..., wann sie ... on z. trägt Sebiz feldbau (1579) 22; das fleisch nach dem z. wieder aufsieden lassen Kramer; von einem durch starke gewürze und andere zusätze den geschmack erhebenden gerichte sagt man ..., es sei angenehm Kant 5, 208 ak. ausg.
e)
fremde zumischung schlechthin: wenn so viel flüsse ... goldsand mit sich führen, also haben auch ... warme brunnen einen solchen z. Lohenstein Armin. 2 (1690), 738ᵇ; die geister aber oder engel, dieweil sie on leiblichen, irdischen anhang oder z. seind Seb. Franck paradoxa (1558) 14ᵃ. neuerdings bes. von beimischung zur angeborenen art, zum wesen: glücklicher ... sind die Rheinländer und die völker an der Oder ..., wo einerseits keltisch-römische, andrerseits slavische zusätze dem ächten deutschen erze eine angenehme mischung verliehen haben L. Steub drei sommer in Tirol 1, 113; dennoch ist nicht leicht ein Sauerländer ohne einen starken z. von schlauheit Droste-Hülshoff 2, 351; in allen provinzen war die königliche gewalt durch einen z. geistlicher macht verstärkt Ranke s. w. 38, 15.
2)
der zusatz betont die erweiterung und vermehrung über den ursprünglichen bestand hinaus.
a)
gegenständlich: z. des lons Frisius 351ᵇ; mit zuͦsatz des wassers im tauf Berth. v. Chiemsee 29; z. des schulterbains H. Braunschweig chir. (1539) 105ᵇ; processus in der anatomie ein z. oder fortgang, processus acutus ein spitziger z. J. J. Woyt thes. pharm.-chir. (1696) 297; das noch kleine ... bächlein der Donau, durch z. vorgedachter beyder flüszlein ... verstärket worden S. v. Birken vermehrte Donaustrand (1684) 19; durch z. oder zufall der buchstaben es, er, en wird nur das genus, casus oder numerus geändert Schottel t. haubtspr. (1663) 196; einen kürbis ..., der durch den z. einer hölzernen nase ... zu einem ... menschenantlitz aufgestutzt war Musäus volksmärchen 1, 62; die zusätze, welche zu alten bauwerken gemacht wurden Stifter 14, 293.
b)
allgemeiner und abstracter: soll einer die substantz mit dem z., das nötig mit dem nützlichen, den leib umb kleider verwechslen? J. Boterus allg. weltbeschr. (1596) 2, 39; es ist besser weniger als zuviel thun, das wenig kan wol ein z. leyden, zuviel hat kein recept Lehmann floril. polit. (1662) 2, 526; seine macht, die durch die alemannische einen so starken z. bekommen M. I. Schmidt gesch. d. Dtschen 1, 206; in dem leinenhandel ... sind seit kurzem grosze zusätze und verbesserungen gemacht E. Topham br. von Edinburg (1777) 187.
c)
als steigerung des werthes: es ist dem mir ewig werthen originale durch den maler weder ein abbruch, noch durch seine kunst ein unnöthiger z. geschehen Gottschedin br. 1, 4 R.; durch sorgfältige beobacbtung ... ertheilt der künstler seinen arbeiten einen z. von innerm verdienst, nämlich ordnung, regelmäszigkeit und zusammenstimmung Eschenburg entw. e. theorie 25; die natur leidet keinen verlust in sich, so wie sie keinen z. leidet Hölderlin 2, 113 L.
3)
was zum gesprochenen oder geschriebenen wort hinzugefügt wird.
a)
zur erweiterung und erläuterung Kramer; Weigand syn. 1, 63: als nu der fuchs mercket, das solchs den pöfel kützelt ..., da thet er den rechten z. und sprach Luther 26, 548 W.; corollarium zugabe oder z. heiszet ein satz, welcher aus einem andern hergeleitet wird Chr. Wolff math. lex. 332; dergleichen zusäze, womit Opiz das ende seiner redesäze so gerne ... verstärkte Bodmer samml. crit. schr. 2, 85; die zusätze zu der neuen auflage Lichtenberg br. 2, 210 L.; die entwürfe seiner räthe corrigirt er von anfang bis ende durch und bedeckt den rand des papieres mit seinen zusätzen Ranke s. w. 4, 192; ferner bedarf das gesetz ... eines zusatzes Bismarck ged. u. erinn. 2, 218. häufig anknüpfend mit dem zusatz: R. ... ward hertzog gemacht ... doch mit dem zuͦsatz, das er und seine nachkommen solten der kirchen lehenmänner sein Seb. Münster cosmogr. (1550) 270; in dem vorigen verein befanden sich viele, die ihren bürgereid nicht ablegen mochten, obschon sie ihn im klub bei der aufnahme, und noch dazu mit dem z., frei zu leben oder zu sterben, abgelegt hatten J. G. Forster s. schr. 8, 333. ebenso ohne einen z.: wann nun zucker ... gefordert wird on ein z., soll man allwegen maderi oder meliszucker verstehen Wirsung arzneib. reg.; der kaiser habe den religionsfrieden ohne jenen z. ... bestätigen wollen Ranke s. w. 7, 164. auch grammatisch: absonderliche zusätze (particulae separabiles), unabsonderliche zusätze (part. inseparabiles) Gottsched nach zschr. f. dtsche wortf. 15, 65.
b)
die zusätze sind etwas fremdes, unechtes, auch unwahres: sy hat dir übergroszen danck gesagt ..., also gibt di heuchlerey allweg eynen zuͦsatz J. v. Schwarzenberg teutsche Cicero (1535) 78; zwischenfabeln ..., welche eher für fremde zusätze und einschiebsel als für theile der handlung anzusehen seyn Bodmer abh. v. d. wunderbaren (1740) 228; die zusätze der einzelnen evangelien ... verrathen mehr oder minder eine spätere zeit Herder 19, 388 S.; die begebenheiten unserer reise sind so mannigfaltig und wichtig, dasz sie keines erdichteten zusatzes bedürfen J. G. Forster s. schr. 1, 6. eine besondere rolle spielt das wort zur zeit der reformation: das man den glauben rein behalte und der lere keinen z. gebe Luther 17, 1, 108 W.; die itzigen prediger schelten den bapst, er hab viel z. zu der schrifft gethan, als denn leyder allzu wahr ist 26, 202 W.; der heuchler z., unreinigkeit und ir falsche lere Mathesius Sarepta (1571) vorr. 1ᵃ;
jetzt wird gottes wort auffgericht
on all zusätz, rein, lauter, klar
H. Sachs 18, 477 K.
4)
dazu die entsprechenden zusammensetzungen, chemische und technische: zusatzblei, -kohle, -masse, -menge, -mittel, -wasser, -glied, -draht, -kraft, -linse (optik),
zusatzrad
(uhrmacher),
zusatzscheibe, zusatzstück
(elektrotechn.),
zusatzspannung
(elektr.),
zusatzwiderstand
(elektr.),
zusatzfett, zusatzfutter, zusatznahrung
rechtliche und wirtschaftliche: zusatzbeitrag, -frist, -kredit, -pfennig, -steuer, -tage; rechtliche und politische: zusatzabkommen, -acte, -antrag, -artikel, -bestimmung, -clausel, -erlasz, -gesetz, -paragraph, -patent, -vereinbarung, -urkunde; sprachwissenschaftliche: zusatzsylbe, -wort u. ä.
5)
in der älteren sprache bes. in Schwaben und der Schweiz war zusatz beistand, hilfe, vgl. schweizer. id. 7, 1569 ff.: von dem z., den man den amptleuten thet chr. dtscher st. 2, 245 (Nürnberg). meist militärisch: auxilia z., hülff und bündgenossen nomencl. hamb. (1634) 539; darnach stercket sich der bund zuͦ Constanz mit der reichstett und der künigischen zuͦsatz nit wenig Seb. Franck chron. Germ. (1538) 216ᵃ; noch haben sie sich wieder ermuntert, und sind ... uber die Mase gezogen mit einem statlichen z. Binhardus thür. chr. (1613) 9. auch besatzung, besetzter platz: er hat sein zeug in zuͦsatz gelegt Frisius 661ᵃ; dann weil dieser ein gantz jar zu Gran in dem z. gelegen Fronsperger kriegsb. (1573) 3, 194ᵇ; so dann also die statt nicht allein ihres z., sondern auch vielleicht viel ihrer besten und wehrlichsten bürger beraubt 1, 133ᵃ; nachdem und Mahomet disz alles erfahren, ... berufft er eilents sein kriegsvolck aus den nechsten zusätzen in Ungarn H. Halverius warhafft. beschreibungen (1570) 350; navis praesidiaria ... ein zusatzschiff, ein kriegsschiff Junius (1567) 245ᵃ.
b)
ersatzleute bei unvollständig besetztem gericht oder schiedsgericht, ebenfalls in der älteren sprache Schwabens und der Schweiz: die sprüch werdent ouch zuͦ zyten von zuͦsätzen dem obman in verschlossner und versigelter missiv ... überantwurt Riederer spiegel d. rhetoric (1493) a 5ᵇ; und dan iede parti zu dem obman zwen zuͦsetz setze badische weisth. 1, 1, 274 (1480). dazu zusatzmannen H. Fründ chron. 276; und ob sich begeb, das sich die zusätz und auch die zwen dargegeben richter in ainicher urtail tailen wurden urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 178 lit. ver.
c)
'pfand': pignus, der zusatz darumb man wett, was es gilt Alberus 293ᵇ. vgl. schweizer. id. zusatz 3 a, 7, 1566.
d)
wie 'bedrängnis', vgl.zusetzen: darzu wir biszher mit einem groszen schweren überlast oder z. ... der gestalt ubersetzt sind worden Fronsperger kriegsb. (1573) 1, 27ᵃ.
6)
einzelnes:
a)
'ausfüllung eines dammbruches', 'letzte zudeichung des dammes' Mothes 4, 524 f. vgl.zusetzen, sowie zuschlag.
b)
mit dem nebenbegriff des verlustes Kinderling reinigk. d. dtschen spr. 71, s.zusetzen. sonst nicht belegt.
c)
nach Campe nennt man zusätze die in manchen blumen auszer den staubfäden befindlichen fäden, sofern sie mit den blumenblättern zusammenhangen. so ist zu verstehen: viel sind der meynung, dasz dieser tuber (der hyazinthen) nur einmal blühe, daher läszt man ihm so viel zusätze, die nach und nach ihre tracht verrichten und eine die andere ... ablösen können Hohberg georg. cur. (1682) 1, 667. —
Zitationshilfe
„zusatz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zusatz>, abgerufen am 10.12.2019.

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