Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

, v.

v
1) hinblicken, den blick auf einen punkt richten: aber schaw zuͦ: eben zuͦ diser rechten zeit sich ich mir begegnen den Chr. Boltz Terenz (1539) 16ᵇ; schielen heiszet krumm aussehen, da das eine auge nicht gleich wie das andere zuschauet Gueintz dtsche rechtschreib. (1688) 123; ich hab alle meine zähne frisch und gesund, wenn sie zuschauen wollen Brentano 4, 221. mit abhängiger frage: schaw aber zuͦ, o S., wie unbillich mir diser kummer von dir erwechst Boltz Terenz 116ᵃ; ich wollte eigentlich ... einmal z., wie es mit den lieben ältern stände Fouque alts. bildersaal 4, 141. achtgeben: wer do stehet, der schaw zu, das er nit falle Luther 2, 120 W.;
und allenthalben schawen zu,
das jederman das seine thu
Ringwaldt lauter warheit (1598) 222;
schaue nur fleiszig zu, dasz du mein vermögen ... gröszer machest Grimmelshausen 2, 333 Keller; schauet zu, wem ihr eure heimlichkeit vertrauet Kramer 2, 481ᵇ. nicht mehr üblich. 2) einem vorgang, einer thätigkeit mit innerer theilnahme zusehen: das ihr ain lust ist zuͦ zeschauen Schaidenreiszer Od. 26ᵃ; unterdes wir nun stehen und z., was daselbst gehandelt wurd Gabr. Rollenhagen indian. reisen (1603) 91; ob es nicht möglich zu machen sei, einem solchen heimlichen gerichte aus der verborgenheit zuzuschauen Immermann 1, 214 B.; auszerdem ging er in das kaffeehaus, um den schachspielern zuzuschauen Stifter 5, 1, 147; es war eine lust, den leuten zuzuschauen Polenz Grabenhägor 1, 39. sprichwörtlich: wöllichem das glück wol wöll, dem schauen auch die steren zuͦ Joh. Nas antipap. eins u. hundert 1, 14ᵃ. ins bes. einem schauspiel u. ä. z.: der comedia, den gaucklern, seiltäntzern z. Kramer;
darumb ein jeder, der zuschauet diesem spiel
Wolfh. Spangenberg 168 lit. ver.;
ich brenne eins (e. feuerwerk) ab ..., und ihr seid eingeladen, mit zuzuschauen Holtei erz. schr. 26, 129; es waren viele vornehme herren und damen zum z. im theater H. Laube ges. schr. 4, 102. 3) unbetheiligt zuschauen im ggs. zum handeln: denn vom bloszen z. lernet keiner den hund arbeiten Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 244; es war nicht der geist dieses volkes, ... dem leben der schlacht müszig zuzuschauen Niebuhr röm. gesch. 2, 514; nichts ist vergänglich als der eine, der genieszt und zuschaut Göthe 23, 199 W.; ruhig, gleichgültig, theilnamlos, mit gewehr bei fusz z. Schopenhauer 1, 438 Gr.; Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 358; Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 187; Moltke 7, 77. daraus die bed. des nachsehens, übersehens von dingen die sich nicht gehören, indulgere Dentzler 370ᵃ: o du unverschämte sonn, wie magstu solchem jämerlichen todt länger zuschauen können Spee güld. tugendb. (1649) 277; dasz der förster ... ängstlich fragte, ob er dem waldfrevel länger z. dürfe Holtei vierzig jahre 1, 187. jetzt üblicher zusehen. 4) entsprechend 2 u. 3 das part. zuschauend, als adj. und subst. a) theilnehmend: der zuschauende hörer musz ... in einer steten sinnlichen anstrengung bleiben Göthe 41, 2, 224 W.; das zuschauende volk D. Fr. Strausz ges. w. 4, 330; die zuschauenden brüllen den refrain und klatschen in die hände Viebig schlafende heer 1, 99. b) unbetheiligt: als ob ... seine ruhe ... zuschauender müsziggang würde Herder 6, 263 S.; das still zuschauende Europa Dahlmann frz. rev. 246; wie unglaublich grosz bei wissenschaftlichen streitigkeiten die blos zuschauende menge ist Scherer kl. schr. 1, 399. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1931), Bd. XVI (1954), Sp. 788, Z. 33.

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