zustoszen v.
Fundstelle: Lfg. 6 (1933), Bd. XVI (1954), Sp. 854, Z. 56
ahd. zuostozan Graff 6, 735; mhd. zuostôzen mhd. wb. 2, 2, 665; Lexer 3, 1188, in eigner entfaltung der bed.
1)
trans.: und hat ihm nicht einen einzigen tropffen auf seine mühle z. wollen Joh. Kraus bewehrte wahrheit (1717) 70; M. am ufer, vom philosophen und schuster der barke gewaltsam zugestoszen Immermann 20, 78 B.; und hat mir ein paar atemzüge zugestoszen Rosegger wildlinge 345.
a)
einem etwas, oft heimlich, wie zustecken:
gott aber uns den sieg zustiesz
bibl. älterer schriftw. der Schweiz I 5, 143;
ich gib meiner Gretn die schwartzen ku,
stosz ir die schecketen gaisz darzu
H. Sachs 9, 64 K.;
im den brief heymlichen zuͦstiesz Wickram 1, 72 B.; sollen (sie) den kühen die milch nicht stehlen, noch den gänsen, endten und hünern die eyer, und solche den andern leuten z. v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3, 134ᵇ; bei welcher frag der dominus dem herrn abt ein hand voll thaler zustiesze Moscherosch gesichte (1650) 2, 252.
b)
ohne obj. heftig stoszen: und stiesz mit dem kleinen kopfe auf sie zu Holtei erz. schr. 4, 29; wer butter machen will, und stöszet fleiszig zu, der bekommt bald butter J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 1, 110; doch wie er ihm den degen wollen auf die brust setzen, habe ein gemeiner soldat hinterwerts auf ihn zugestoszen, dasz er gleich gefallen Chr. Weise polit. redner (1677) 662; wer ... stärcker zustöszet, musz mehr krafft haben Chr. Wolff vern. ged. v. gott (1720) 257;
heraus mit eurem flederwisch!
nur zugestoszen! ich parire
Göthe 14, 187 (Faust 3707) W.
c)
verschlieszen: solcher ursach willen pflegt das weiblin, wann es schon im schlupf bei iren jungen bleibt, ... das schlupfloch zuzustoszen Sebiz feldbau 537; dasz man ihm vielleicht hernachher die thür für der nasen zugestoszen hette Fischart discours (1589) d 3ᵇ; sie stiesz auch die lädchen sogleich wieder zu G. Keller 3, 48; er vernahm drinnen ... das gebelfer eines schoszhündchens, zustoszen von schubladen Gaudy w. 14, 78. übertragen:
drumb soll sich nyemand hie bekümern,
eym solch bösen maul nit zulosen,
soll ohrn und hertz vor im zustoszen
H. Sachs 3, 368 K.
2)
intr., von einer heftigen, auf ein ziel gerichteten bewegung.
a)
von natürlichen erscheinungen, schon früh bel.: fone in allen sint zuostôzentên winden Notker 1, 20 P.; von der herrlichen aussicht, die diese ... nordwand über die ganze vorliegende ebene ... und über die einsicht, die sie in alle ihre zustoszenden wadis ... gestattete Ritter erdkunde 14, 577. hierzu auch das mhd. zuostôzen, 'landen'.
b)
von personen: dasz er ... auf dem chor aber sich nicht eingefunden hette, weil ihm gleich ein verwandter freund zugestoszen und ihn aufgehalten J. Thomasius aufzeichnungen 186. bes. von reitenden begleitern, soldaten: es seynd noch etliche regimenter dazugestoszen Kramer; er ... hab vil tausent gutter landtzknecht, die im zugestossen werden Ch. Scheurl briefb. 2, 190; ob aber fremde truppen zustoszen sollen und was vor welche, das weisz ich nit briefw. zw. Friedrich Wilh. I. u. Leopold v. Anhalt 277 Kr.
c)
mit auf, vom unheil, das als stosz empfunden wird: wenn die anfechtungen und verfolgungen heran kommen und auf einen z. Reinicke fuchs (Rostock 1650) 280; weil das schicksal gewaltig auf ihn zustöszt Herder 18, 369 S.
d)
das allgemein übliche es stöszt einem etwas zu wird von peinlichem und unangenehmem gebraucht, geht aber früh in den begriff des widerfahrens über, so dasz es auch gelegentlich auf angenehmes bezogen wird: wenn ein ohnmacht zuͦstoszet, oder kompt sonst in todesfahr Agricola teutsche sprichw. (1534) g 7ᵃ; das den allerheyligsten männern ist zu aller zeit freude und leyd zugestoszen V. Schumann 7 B.; ist in dem verflossenen jahre jemanden ein glück oder unglück zugestoszen J. G. Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 415; eines der glücklichsten abentheuer ..., das unserm helden jemals zugestoszen ist Wieland Agathon (1766) 2, 333. doch überwiegt die vorstellung des unheils Kramer 2, 992ᵇ; Heynatz synon. wb. 1, 161ᵇ: weil euch ... einige verwundung zugestoszen ist Buchholz Herkuliskus (1665) 25; wenn mir nicht eine kleine unbäszlichkeit seit einigen tagen zugestoszen wäre Lessing 18, 214 M.; der verwünschte zufall von krankheit, der mir voriges frühjahr zustiesz Heinse 9, 410 Sch. besonders in fragenden und andeutenden ausdrücken: es ist ihm doch kein unglück zugestoszen? Herder 15, 165 S.; sollte ... einem ... etwas menschliches zustoszen Wieland Lucian (1788) 4, 29. allgemein: wenn ihnen irgend etwas zustiesze, worin sie sich nicht zu helfen wüszte Göthe IV 9, 187 W.; deshalb solchen pilgernden auch diesz oder jenes z. kann IV 33, 264 W. so auch in der früher beliebten anwendung der partizipien: die beschaffenheit des zugestoszenen unfalls Ziegler asiat. Banise (1689) 86; bisz mir der printz sein zugestoszenes glück erzehlte 288; in seinen zustoszenden widerwärtigkeiten Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 265; der den rathswiesen zustoszende wasserschaden Chr. Thomasius ged. u. er. (1720) 3, 259; von dem mir zugestoszenen pech Gaudy s. w. 2, 148. —
Zitationshilfe
„zustoszen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zustoszen>, abgerufen am 19.09.2019.

Weitere Informationen …