Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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zutreffen, v.

zutreffen, v.,
seit dem 16. jh. in versch. anwendung.
1)
eigentlich mit schusz oder wurf zum ziel treffen: es zielt einer zu nieder, zu hoch oder zur seythen, oder fliegt ein mück ins aug, dasz der schusz nicht zutrifft Lehmann floril. polit. (1662) 2, 777; die geschosz der plitzen werden gleich z. M. Bapst v. Rochlitz prognosticon (1595) c 8ᵃ; aber sein ziel musz in der cron der sternen z., in welchem zeichen und puncten der planete sein ziel hat Jac. Böhme schr. (1620) 2, 299. neuerdings rein räumlich: mit beihülfe derselben waren wir gerade auf die insel zugetroffen J. G. Forster s. schr. 1, 433.
2)
räumlich und in der zahl passen: der daume hält zwölf linien, die sollen mit zwölf ... gerstenkörnern, welche in die breite ... an eynander gelegt sint, z. Sebiz feldbau (1579) 469; so muͦsz man die nechst vorgehende zal der minuten, die kleiner ist dann dein gesuchte zal und am nechsten deinen minuten zuͦtrifft, annemen M. Pegius geburtsstundenb. (1570) a 7ᵃ; warum oftermals der fusz und obertheil einer pfeiffe ... mit einander an der capacität oder weite nicht z. Bendeler organopoeia (1690) c 3ᵃ; E. ... paszte die kugel ins dicke rohr, deren kaliber genau zutraf Holtei erz. schr. 2, 274. früher auch mit dem dativ: ein tagschacht ..., der dem untern schacht antworten und z. solle Mathesius Sarepta (1571) 143ᵃ; terpentinöle ..., welches ... eyne solche eygenschaft hat, welche zu allernächst des gummi natur zutrifft Sebiz feldbau (1579) 447; als wann es dem winckelmäsz zutreffe Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 101. die verb. mit dem dativ übertragen, von Heynatz abgelehnt antibarb. 2, 682: ein der sache zutreffendes bild Breitinger (bei Heynatz);
was trifft der sonnen klarheit zu?
Hoffmannswaldau sterb. Socrates 73.
3)
übertragen.
a)
ein ziel, das man im sinn hat: und hat noch nie keyner so gleych zutroffen also könig Heyntze Luther 10, 2, 250 W.; wenn ein unerfahrner von einem ding redt und glücklich zutrifft Lehmann floril. polit. (1662) 2, 839. mit auf: alle lere sol sich alleyn auf den glauben reymen und z. Luther 17, 1, 364 W.; zumal es auf seine kunst so sehr zutraf Herder 3, 62 S.; in einem aufgegebenen räthsel z. Kramer.
b)
congruo Frisius 297ᵃ: der rechnung halb ... gleych zuͦträffen 534ᵇ; dan alle wal war eittel, wo nit des keysers stimm und confirmation mit zutraf Seb. Franck chr. Germ. (1538) 61ᵃ; welches (jahr) nicht gar eben mit den historien zutrifft H. Megiser (1618) ann. Carinthiae 784;
disz ists: mein lieb und du trefft mit einander zu
P. Fleming dt. ged. 1, 90 L.
c)
wohl z. glück haben: wann das losz ihnen wol zutrifft, haben sie grosz freudt und singen und schallen J. Kellner königr. China (1589) 45; in welchem (scharmützel) die von H. nicht allein wol zugetroffen, sondern auch den standt behalten J. Letzner dasselische chr. (1596) 1, 84ᵇ; in einer heurat etc. wol, übel z. Kramer.
4)
anschlieszend an 2 betont z. die übereinstimmung mit der wirklichkeit.
a)
wahrsagungen, worte, meinungen treffen zu oder nicht: das ihr warsagerei nimmer zutraf, und logen alles, was sie sagten H. Wicelius annotationes (1536) 60ᵃ; und verwundert sich der keyser, das alle gliedmaszen (des gespenstes der kaiserin) so eigendlich zutrafen Nigrinus v. zäuberern (1592) 39; die rechnung des gelts trifft nicht zu Hulsius (1618) 2, 96ᵇ;
berg und thal kümt nicht zusammen, dieses sprichwort trifft nicht zu
Logau 615 E.;
dies alles traf bei mir weder nahe noch ferne zu Göthe 22, 306 W.; die berechnung ... schicke ich sonnabends; es wird alles so leidlich z. IV 11, 330 W.; die unterscheidung trifft zu, wenn es blosz um ein regulatives prinzip zu thun ist Kant 11, 513 ak. ausg.; dasz diese annahme zutrifft Bismarck ged. u. er. 2, 220 volksausg.
b)
unpersönlich: denn in künftigen sachen trifft es dem lügner selten zu Mathesius Sarepta (1571) 143ᵃ; es trifft nicht immer zu Eyering prov. copia (1601) 2, 485; es hat zugetroffen, was er vorhergesagt hat Kramer 2, 1123; es trifft zu, ich bin jenes tages an der post vorbeygefahren Göthe IV 38, 274 W.; es hiesz, was auch zutraf, er sei verreist Fontane ges. w. I 4, 33.
5)
ohne die betonung der wirklichkeit ist z. einfach eintreten, vorfallen: dann wird auch z. der jüngste tag Luther 10, 3, 140 W.; wann umb den april neben vielen zeichen des regens auch ein vermischung von tunckelen und weiszelechten wolcken zutrifft Sebiz feldbau (1579) 43; es traf ungefähr zu, dasz ich gleich bei ihrer rückkunft gegenwärtig war Rabener s. w. 1, 192; es bleibt immer die thatsache bestehen, dasz ... der fall des § 48 nicht zutrifft Bismarck polit. reden 3, 16. früher auch refl.: es trifft sich aber nicht allezeit zu, dasz von jungen, starcken, gesunden eltern allezeit gesunde kinder geboren werden Ruoff hebammenb. (1580) 143; dasz sich diesz unter hundert malen nicht zweimal zutrifft Gottsched dtsche schaubühne 6, 537; was er ... sagt, ist so ... kühn und stark gesagt, als manches sich zutraf Herder 5, 465 S.
6)
selten für hinzutreffen: mit der post, die gerade zutraf Dahlmann an Jacob. u. W. Grimm 1, 474. auch übertragen: dasz nichts in der seele vorgehet, dem nicht zugleich eine veränderung zuträfe Chr. Wolf ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 132. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1933), Bd. XVI (1954), Sp. 870, Z. 70.

zutreffend, adj., adv.

zutreffend, adj., adv.,
der wirklichkeit entsprechend, nicht mit treffend gleich: als auch etliche canones nicht z. erfunden werden Thurneyszer magna alchymia (1583) 13; ein zeitgemäszer und zutreffender gedanke G. Keller 6, 8; in einigen ... zeilen ..., wenn auch nicht mit sehr zutreffenden worten 3, 240; zutreffende angaben, vorstellungen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1933), Bd. XVI (1954), Sp. 872, Z. 23.

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Zitationshilfe
„zutreffen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zutreffen>, abgerufen am 20.10.2021.

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