Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

zuwerfen, v.

zuwerfen v.
mhd. zuowerfen Lexer 3, 1189, mnd. mnl. towerpen Schiller-Lübben 4, 603; Verwijs-Verdam 8, 510.
1)
etwas auf einen ort zu werfen, nur in neuerer zeit: ein ... körper ..., welcher die strahlen vom centralfeuer empfängt und uns zuwirft A. v. Humboldt kosmos 3, 199; der wellen, die ... von der kommenden fluth dem strande zugeworfen wurden Storm 1, 91.
2)
einem gegenstände z.
a)
die der andere auffangen soll: ein arbeiter dem anderen den ziegel zuwirft Karmarsch-Heeren 11, 308; er las die krebse auf, die sie ihm von unten zuwarfen Göthe 25, 49 W.; ich warf meinem knecht die zügel des rappen zu, empfahl ihm das treue thier Stifter 2, 106. beim ballspiel u. ä.:
sie wurffens auch bei guter rhu
einander für wurfpeihel zu
Fischart jesuiterhütlein 799 H.;
das sy ainen ball yhrer dienerin zuͦwarff Schaidenreiszer Od. 24ᵃ; pilam remittere den ball wider z. Bas. Faber 620ᵃ; ich bin wie ein ball, den eine stunde der andern zuwirft Göthe IV 12, 35 W. einem küsse z.: sie können ihm dann ... ein mäulgen z. H. P. Sturz schr. 2, 235; Ph. warf ihm hundert kuszhände zu Göthe 21, 174 W.;
sie aber, halb gewendet nach dem eilenden,
warf mit der hand ein deutlich lebewohl mir zu
50, 331 W.;
sie wirft ihm kuszfinger zu Fontane I 5, 121.
b)
einem hunde wirft man einen knochen, ein stück speck zu, einem bettler einen kreuzer oder einen pfennig. daher hat z. etwas wegwerfendes: das man dem, der den mantel nemen wil, auch den rock zuwerffe Luther 32, 388 W.;
als nun der wirt vermercket, dasz
der gast dem hund zuwerffen was,
verdrosz es ihn
H. Sachs 17, 366 K.;
hier bat er den bauer, dasz er ihm einige kleider z. möchte amerikanische Robinson (1724) 84; ehe sie ihm (dem armen bettler) ein trocknes stück brodt zuwirft Rabener s. w. 5, 173; leute ..., die ... begierig nach allem schnappen, was ... aus England ihnen zugeworfen wird Zimmermann vom nationalstolze (1758) 17; der tod sammelt in garben, was unter der ... sense hinfällt, wirft sie der wesung zu Klinger w. 7, 133; so wird ihm eine gnädige handbewegung als almosen zugeworfen Scheffel 1, 175. anders die bed. von z., die von der wendung einem ein rettungstau z. her stammt:
und ob er auch einmal, wenn man ihm helfen sollte,
das zugeworfne seil mit dank ergreifen wollte
Gottsched vers. e. crit. dichtk. (1751) 63;
allein wir müssen selbst den balken greifen,
der uns im schiffbruch zugeworfen wird
Immermann 16, 191 B.;
c)
das zufällige z., 'wie es trifft', in vielen wendungen vom glück oder unglück u. ä.: dem Drusus konte das glücke keinen gröszern vortheil als diese zwytracht der feinde z. Lohenstein Armin. (1689) 1, 371ᵃ; der freie mitbewerb, der dem vorwärts drängenden alle glücksgüter zuwirft Peschel völkerk. 444; bisher warf immer der sonnengott die dichtgabe mit der rechten und die tongabe mit der linken zwei so weit auseinander stehenden menschen zu E. Th. A. Hoffmann s. w. 1, 7 Gr.; man überläszt sie (das weib) ... dem glücksfall, welchem manne er sie zuwirft Fr. L. Jahn 1, 274 E.
d)
von der höheren gewalt allein: der herre ..., der uch das liht hat zuͦgeworffen Seuse 465 B.; sucht allein gott und seine gerechtigkeit, die andern ding werden euch alle zugeworffen Luther 10, 3, 378 W.; unser lieber gott hat mir ... etliche küxlein zugeworffen Mathesius Sarepta (1571) vorr. 2ᵇ; wems got günnet und zuwirfft, der hats 64ᵃ; sein ihm von gott und seinen voreltern zugeworffenes erbtheil Lohenstein lobschrift 33ᵃ.
e)
z. als ausdruck des gegeneinander: welche ... verräter ... alle ... wurfpfeile auf ihn zuwarfen A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 1062; da wurffe man mit solchen worten auf ihn zu, welche ich ... niemahlen gehöret der unartig sprachverderber (1643) 10; sobald sie ... anfahen ... mit latein zuzuwerfen Äg. Albertinus Lucifers königreich 103 L.; mit ... den daraus hervorgehenden ansprüchen, die sie einander zuwarfen Schopenhauer 1, 138 Gr.; da hatte (die dirne) dem weibe zornige wahrheiten zugeworfen Storm 5, 175. auf derselben vorstellung beruht: einem einen blick z. u. ä.: sie war schon eingesprungen, ihm blick und kuszhand freundlich zuwerfend Göthe 24, 164 W.; die ... männer warfen sich ... bedenkliche blicke zu E. Th. A. Hoffmann 12, 95 Gr.; B. ... wollte den ihm von der justizräthin zugeworfenen wink nicht verstehen Gutzkow ritter vom geiste 1, 367. in feindlicher absicht nur in früherer zeit: kuglen ..., die also gemacht, wann sie ... in das läger dem pulffer oder anderem werden zugeworffen, dasz sie sich an dem herabfallen aufthun und zerspringen L. Fronsperger kriegsb. 1, 124ᵇ; ist schier kein kässkrämer ... so gering, der nicht mit pistolen zuwerffe Moscherosch gesichte (1650) 228; und wollen endlich mit steinen auf ihn z. J. B. Schupp (1663) 596.
3)
hinzuwerfen: etwas zur zuwage z. Kramer; es wird euch zugeworffen werden als eine zugab Schupp schr. (1663) 6; J. hat ... vil zu seinem gebiet zugeworffen Seb. Franck weltb. 30ᵃ; wenn die alle hinüber sind, werffen ihrer etliche deme im grabe reiser zu Heyden Plinius (1565) 92; sich dafür einen willkürlichen lohn auf längere zeit z. zu lassen Just. Möser s. w. 1, 226; oder glaubst auch dus ..., dasz wir Tiroler von Österreich den Bayern zugeworfen sind? Rosegger I 2, 244. nur im nd. von dem land, das durch die fluth hinzugesetzt wird, vgl.zuwurf. sonst in einzelnen freieren wendungen: bis sich die ganze masse des aufruhrs einem parteigänger zuwirft Schiller 3, 64 G.; indessen wirft sich ein tag dem andern zu, und der abend ist oft da, ohne dasz man sich den gewinn des moments aufweisen kann Göthe IV 12, 79 W.; dasz der chor ... auf der heitern oberfläche der erde sich den elementen zuwirft gespr. 6, 39 B.
4)
bedecken, schlieszen.
a)
etwas mit erde, asche u. ä. bedecken, ausfüllen Kramer; Dentzler 371ᵇ: zu zeiten haben sie die brunnen und cisternen zugeworffen Megiser ann. Carinthiäe (1612) 758; wie wann ich ... die gaditanisch enge des mörs wider zuwürffe? Fischart Gargantua 349 ndr.; während er die grube wieder zuwarf G. Keller 159; ein kleiner einlauff, der biszweilen gantz zugeworffen wird vom sturm Mansons seebuch 29; selbst das feuer der befreiungskriege ... wurde wie ein allzu gefährlicher brand zugeworfen und erstickt Gutzkow ges. w. 1, 220. vereinzelt, früher, mit etwas zusammenwerfen, als eins behandeln: so offt ... die papistische scribenten was wider die Augsp. confession und dero bekenner schreiben, sie gemeiniglich mit widertäuffern, Schwenkfeldern ... und dergleichen z. Ph. Heilbrunner augsp. confession (1598) 86.
b)
ebenso ein thor, eine thür u. ä. z.: die eichene thür hinter ihm zuwerfend, dasz es durchs ganze haus öde erschallte Eichendorf s. w. 3, 315; er warf das fenster zu 2, 130; (der teufel) warf das eherne thor so gewaltig zu, dasz der eine flügel sprang br. Grimm dtsche sagen 1, 138; S. hielt den schlag zurück, den er eben z. wollte G. Freytag ges. w. 4, 97; (der sturm) risz läden los und warf sie grimmig zu O. Ludwig 1, 359 E. Sch.;
dann wirft der winter bis zum lenz der schönen bühne vorhang
zu
Brockes ird. vergn. 8, 201.
5)
zuwerfen anfangen zu werfen, heftig werfen Kramer: disem zil werfft emsig zu Schaidenreiszer Od. 31ᵇ; der satan ... wirfft auf die pfaffen mit steinen hefftig zu Dannhauer cat.-milch 1, 160. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1933), Bd. XVI (1954), Sp. 908, Z. 26.

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