zweikampf m.
Fundstelle: Lfg. 7 (1938), Bd. XVI (1954), Sp. 1058, Z. 52
als verdeutschung von duellum von Harsdörffer eingeführt, vgl. H. Wolff, der purismus in der dt. lit. des 17. jh. (Straszburg 1888) 71. die dichter des 17. jh. eignen sich die neubildung schnell an, da eine besondere bezeichnung für den kampf zwischen zweien fehlte. im ahd., mhd. galten hierfür kampf s. teil 10, 140, kampfwîg (Graff 1, 707) und einwîg (Graff 1, 706; ahd. gl. 3, 159; mhd. wb. 3, 649; Lexer 1, 531). im 16. jh. treten besunderer, absonderlicher kampf auf, s. teil 5, 140. zweikampf ist von anbeginn die gebräuchliche form, zwiekampf nur ganz sporadisch belegt, vgl. Frz. A. v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 173, H. Mühlpfort teutsche ged. (1686) geistl. ged. 12; daneben auch zwierkampf Dianea oder rähtselgedicht (1671) 312.
1)
der kampf zwischen zweien, in dem kräfte, tapferkeit und geübtheit entscheiden, zumeist mit scharfen waffen ausgeführt und über leben und tod entscheidend.
a)
duell als zweikampf zwischen zwei personen zur sühnung einer beleidigung mit vorgeschriebenen waffen; hier hat sich das deutsche wort nicht vollständig durchsetzen können, vgl. Günther recht und sprache (1898) 206: eben als wann er mit einem duellanten ... in einen zweikampf hätte tretten wollen Grimmelshausen 2, 533 Keller; der hohn und verächtliche ton, in welchem der herzog von der donne Marie geschlechte redete, hätte ihn bald zu einem zweikampf genöthiget geschichte von hahnreien (1748) 56; dieses ist sattsame ursache, sie auf einen zweikampf heraus zu fordern Leipziger avanturieur (1756) 1, 248; sie haben heute zu harte worte gewechselt, der zweikampf ist unvermeidlich E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 175 Gr.; es musz hier wiederholt bemerkt werden, dasz ... nur die leichtsinnige oder böswillige beleidigung bestraft werden kann, durch welche der zweikampf hervorgerufen worden ist Wilhelm I. milit. schr. (1797) 1, 482; sie (ärzte) bleiben straffrei, wenn sie bei einem zweikampf zugegen sind hwb. d. staatswiss. ² 2, 15.
b)
in historisch-ref. zusammenhang auf den gerichtlichen zweikampf, der als gottesurteil bis ins 12./13. jh. hinein bedeutung hatte, angewandt: die alten zeiten, da in zweiffelhafften sachen der gerichtliche zweikampf noch üblich war Chr. Thomasius ernsth. ged. u. erinnerungen (1720) 2, 187; kirchen und klöster lieszen durch den gleichfalls als gottesurtheil geltenden zweikampf über ihre ansprüche entscheiden Ign. v. Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 69; ähnlich: die Cherusker sind gewohnt, für ihren schlachten durch zweikampf eines einheimischen und eines gefangenen feindes den ausschlag des bevorstehenden treffens zu erkundigen Lohenstein Arminius (1689) 1, 32ᵇ.
c)
mannigfach sonst für einen kampf mann gegen mann: ein gefährlicher zweykampff um leib und leben, in welchem doch jeder dem tod entrinnet (bei einem überfall) bei Grimmelshausen Simpl. 333 Kögel (capitelüberschrift der ausg. v. 1669); treten nun von beeden hauffen ein par hervor und endigen ... den krieg mit ihrem zweykampff Harsdörffer t. secret. (1656) 1, 44; ein Teutscher den Römer C. Marium herausfordert, eben auf die art wie der philister Goliath einen Israeliten zu einem zweykampfe herausfordert H. v. Fleming t. soldat (1726) 284; das gefecht zerschlug sich in so viele einzelne zweikämpfe, als es ehrenfeste herzen gab Eichendorff s. w. (1864) 2, 249; so miethete man ... die gladiatoren paarweise ..., damit sich das volk an ihren zweikämpfen weiden konnte K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 3, 145. auch vom kampf in spiel und scherz: der hinkkampf ... zu üben ... im zweikampf (einer gegen einen) Fr. L. Jahn w. 2, 30 Euler; so entsteht bald hier, bald da ein zweikampf, ein scharmützel (mit dem konfetti beim karneval) Göthe I 32, 248 W. dichterisch auch auf dinge übertragen:
sie (die selbstliebe) fand des feuers quell im zweikampf stein und eisens
A. v. Haller ged. 130 Hirzel.
neben dem älteren zum zweikampf herausfordern (sieh oben bei 1 a und 1 c) in jüngerer sprache fordern: er fordert euch augenblicklich zum zweikampf auf leben und tod Nestroy ges. w. (1890) 11, 38; foderte einer ... die ritter des königs zu einem öffentlichen zweikampf Platen w. 3, 32 Redlich; lexika des 18. jh. notieren auch zweikampf halten Apinus gl. nov. (1728) 560, Hederich (1753) 2794, Weber dtsch-lat. (1770) 854.
2)
vielfältig vom unkörperlichen kampf, doch erst in jüngerer zeit entwickelt: es war ... ein neuer gang in dem ungeheuren zweikampf des westens und des ostens Mommsen röm. gesch. (1874) 2, 268; leistungskampf: in kurzer zeit konnte er (der hofmeister) den ritter auf einen heraldischen zweikampf herausfordern v. Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 197; Lionardo im begriff mit Michelangelo einen zweikampf einzugehen, in dem es sich um eine ungeheure beute von ruhm handelte Herman Grimm Michelangelo (1890) 1, 224. gern vom inneren kampf des menschen in sittlichen und geistigen konflikten:
der zweikampf musz frisch angenommen werden:
du suchst die höh — sie klebt an dieser erden
graf Zinzendorf in: Knapps liederschatz ⁴ 815ᵇ;
es ist furcht und liebe, zweikampf zwischen moral und natur Heinse s. w. 9, 357 Sch.; in den unteren trieben, wo das geistige und leibliche mit einander noch im zweikampf steht E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 143. —
Zitationshilfe
„zweikampf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zweikampf>, abgerufen am 10.12.2019.

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