zwiegespräch n.
Fundstelle: Lfg. 8 (1951), Bd. XVI (1954), Sp. 1153, Z. 72
kurz nach 1800 belegbar, wenig später als gleichbedeutendes zwiesprache (s. d.). nicht selten als zweigespräch bezeugt, belege s. unten; auch mundartlich, vgl. zwaaigespriech Ph. Laven ged. in trierischer ma. 291.
1)
gespräch zwischen zweien, dialog: so muszte ... die unterhaltung erst durch billette, dann durch zwiegespräche, später in dem kleinsten cirkel stattfinden (1804) Göthe I 35, 168 W.; wie aber hieraus ein eigentliches gedicht sich entwickelte, darüber müszte man einige zeit an ort und stelle manches zwiegespräch führen IV 29, 131; doch wiederum genügte das zweigespräch einer viertelstunde, — und der sohn stand vor meinen augen völlig rein da Holtei erz. schr. (1861) 7, 82; nach dem zwischen frau Dörr und frau Nimptsch geführten zwiegespräche Fontane (1905) I 5, 124; oft meint zwiegespräch die form der persönlichen, privaten, auch der unverbindlichen äuszerung im gegensatz zur öffentlichen oder amtlichen: alles was zwischen ihnen gesprochen worden, wollte er (der papst) nicht als eine amtliche unterhaltung, sondern nur als ein privates zwiegespräch angesehen wissen Ranke s. w. (1867) 38, 163; er gibt im zwiegespräch preis, was er öffentlich vertritt beleg v. j. 1935; in anderen belegen schwingt der ton des heimlich-vertraulichen mit:
oft hebt er die erblaszte hand empor,
dann sanft sich beugend an des todten ohr,
scheint er ein heimlich zweigespräch zu halten
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 249;
dieses zwiegespräch, der ort, das leise rauschen der blätter ... alles vereint sich, um seinem herzen eine ungewöhnliche ruhe ... zu geben R. Schumann ges. schr. (1854) 1, 140; insbesondere vertrautes gespräch zwischen liebenden, gatten: es war das originellste ... zweigespräch der liebe, das man ersinnen kann J. Schreyvogel ges. schr. (1829) 1, 116; die liebeswarme stimmung ... tritt ... im adagio hervor, in dessen schönem ... gesang man das innige zwiegespräch liebender vernimmt O. Jahn Mozart (1856) 4, 113; wo sich nun zwischen den beiden eheleuten ... ein kurzes, aber intimes zwiegespräch entspann Fontane (1905) I 5, 49.
2)
uneigentlich in verschiedener anwendung. auf ein vertrautes verhältnis von tieren zueinander bezogen: das zwiegespräch von ein paar rauhhaarigen füllen C. Hauptmann Einhart d. lächler 2, 199. von geistigem umgang, innerer auseinandersetzung eines menschen mit einem gegenstand der kunst: wer einmal auf die zunahme der kunst, auf deren abnahme, ausweichen zur seite ... gerichtet, aug und sinn darnach gebildethat, der findet kein zwiegespräch belehrender und unterhaltender als das schweigsame in einer folge von ... monumenten (der bildenden kunst) (1805) Göthe I 35, 207 W.; um lange stunden dann im zwiegespräch mit euren werken zu verharren Herm. Grimm Michelangelo (1890) 2, 278; in poetischer sprache auch von geräuschen oder klängen lebloser dinge, namentlich aus dem naturbereich:
wo windes odem, süsz und reg,
hielt mit den zweigen zwiegespräch
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 120;
ich horchte auf nuszbaum und brunnen und ihr seltsames zwiegespräch Hebbel w. 10, 212 Werner. bildlich: die glocken der vordern sowohl als der hintern kirche regen ihre melodischen zungen zu einem feurigen zwiegespräche M. Reich ausgew. w. (1894) 107. ganz abstrahierend: ein ort des zusammentreffens, da der geist, welcher in der geschichte waltet, und jener, der in der natur herrschet, im zweigespräche der groszartigen gedanken sich begegnen G. H. v. Schubert reise i. d. morgenland (1838) 97.
3)
zu der sonderbedeutung 'selbstgespräch' entwickelt, sofern der mensch als in einen redenden und einen antwortenden gespalten gesehen wird: solches zwiegespräch mit dem herzen hat die poesie und sprache aller völker führen lassen Jac. Grimm kl. schr. 3, 284; falls nicht das gebet ein zwiegespräch der seele mit sich selber ist Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 3, 244; ein einsames fleckchen, wo sich gut ... mit den eigensten gedanken zwiegespräch halten liesz Raabe hungerpastor (1864) 3, 64.
Zitationshilfe
„zwiegespräch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zwiegespr%C3%A4ch>, abgerufen am 16.06.2019.

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