Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

verzwisten, vb.

verzwisten, vb.,
ableitung zu zwist (s. d.), in zwist bringen, entzweien, veruneinigen; brouiller Schaffer dt.-frz. 2, 3 (1838) 551; Mrongovius dt.-poln. 865ᵇ: der, nachdem er sie zuvor verzwistet mit all ihren verwandten, sie verarmt und kinderlos zurückgelassen ... hatte Fr. v. Heyden br. eines flüchtlings (1838) 3, 18; mit ein paar dutzend seiten hatte ein einzelner mann eine verstreute, verzwistete masse zur einheit geformt (Th. Herzl die Juden mit seinem buch über den zionismus) St. Zweig welt v. gestern (1947) 128. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1956), Bd. XII,I (1956), Sp. 2720, Z. 28.

zwiersten, adv.

zwiersten, adv.,
vereinzelt neben zwier (s. d.) 'zweimal': so haben sie doch andere (feste) an die statt gesetzt, als sant Luthers tag, vnd denselben zwirsten im jar Nas d. antipap. eins u. hundert 4 (1569) 303ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1951), Bd. XVI (1954), Sp. 1163, Z. 58.

zwist1, m.

¹zwist, m.,
verhochdeutschte form des aus dem englischen entlehnten twist 'zwiefach gedrehter faden, doppelfaden', die aus der umgangssprache vereinzelt in die schriftsprache dringt: mit einem mit zwist umwickelten draht, der in öl getaucht wurde Hase Norwegens fjorde (1940) 68.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1385, Z. 14.

zwist2, m.

²zwist, m.,
gewebe aus gedoppelten fäden; etymologisch mit dem erst in jüngerer zeit aus dem englischen entlehnten twist 'zwiefach gedrehter faden, doppelfaden' identisch, jedoch der bedeutung nach von ihm verschieden und wortgeographisch mit ihm in keinem zusammenhang. wie sich aus der vor allem in md. mundarten verwurzelten verbalform ¹zwisten (s. d.) und den zugehörigen fachausdrücken der weberei ³zwist, ¹zwiste und ²zwiste (s. u.) ergibt, alter besitz des hochdt. sprachraumes; nur vereinzelt bezeugt: schamloth, zwist und anderer zauberer und gemeiner zeug (ist den bürgersfrauen und töchtern zur kleidung gestattet) bayreuth. polic.-ordn. bei Schmeller-Fr. 2, 1185; 'zwisten ist gleichsam verdobbeln, zwiefachen, geschiehet bey denen zeugmachern, an sehr klaren garn; woraus ein zartes geweb gewürcket wird, zwist genannt, 6 viertheil breit, zu kleidern, röcken und mänteln Beier handwerckslex. (Jena 1722) 502ᵇ; ein sehr zarter zeug aus überaus feinem doppelt zusammen gedreheten garne, welcher zu kleidern und mänteln gebrauchet wird Jablonski lex. d. künste u. wiss. (1767) 2, 1852ᵃ; vgl. ferner Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 736ᵇ; Voigtel wb. (1793) 3, 735ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1385, Z. 19.

zwist3, m.

³zwist, m.,
bezeichnung für webfehler, nur lexikalisch belegt: zwiste ... bey denen tuchmachern ... sind es fehler, so sie an den meisterstücken finden Beier handwerckslex. (Jena 1722) 502ᵇ; zwiste fadenbrüche fils courants ou traces Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1150ᵇ; Voigtel wb.3 (1795) 735ᵇ; Beil technol. wb. (1853) 1, 677; bei Mozin dt.-frz. 4 (1856) 1351ᵇ als twiste, f., dem doppelschusz gleichgesetzt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1385, Z. 41.

zwist4, m.

⁴zwist, m.,
uneinigkeit, zwietracht, streit, zank. ein nl.-nd. wort; mnl. twist Verwijs-Verdam 8, 830; afries. twist Richthofen 1099ᵇ; mnd. twist Schiller-Lübben 4, 647ᵇ; dän. schwed. tvist (aus dem nd.). zwist geht mit an. tvistra 'trennen', engl. to twist und dt. zwisten zurück auf idg. du̯is 'entzwei, auseinander', welches mit *du̯is 'zweimal' (vgl. zwier, zwilling, zwirn usw.) identisch ist, s. Falk-Torp 2, 1305; Walde-Pokorny 1, 820. *du̯is ist noch erhalten in got. twis-standan 'sich trennen' 2. Kor. 2, 13 und twis-stasseis (nom. pl.) 'zwistigkeiten' got. bibel Galat. 5, 20; vom gleichen ausgangspunkt nhd. zwier 'zweimal', s. o. teil 16, sp. 1159, wo weiteres zur etymologie. twist, zwist setzt eine ableitung von *du̯is mit dem idg. suffix -to- voraus, s. Falk-Torp a. a. o. (Franck v. Wijk 716ᵇ erklärt auch ein idg. *dwi-st(h)o- als ausgang für möglich und verweist auf gr. διχο-στασία 'uneinigkeit, zweifel'). das wort zeigt im mnl. schon früh eine reich differenzierte entfaltung, wird jedoch im mnd. neben üblicherem twedracht, schelinge, tweiinge nur selten verwendet. nur im nl. grenzgebiet, im niederrhein. und ostfries., findet sich bereits im 14. jh. eine dichtere bezeugung (Köln 1323; 1332; 1334; Siegen 1332; Coesfeld 1364; Köln 1461; Ostfriesland 1346). um die jahrhundertwende taucht es in den Kölner gemmen von 1495 und 1505 unter controversia, discidium, seditio auf, während die parallelfassungen der obd. gemmen von Hagenau 1508 und Straszburg 1510 ihm durch uneinigkeit, auflauf u. ä. noch ausweichen. Luther gebraucht zwist nicht, wohl mit rücksicht auf seine obd. leser, obwohl es ihm aus dem md. und nd. bekannt sein muszte: der beleg von Hugo v. d. Planitz a. d. j. 1522 (s. u. 3) zeigt, dasz das wort in der kursächs. kanzleisprache, wenigstens als rechtlicher terminus, gebräuchlich war. in der bibelübersetzung erscheint statt dessen das den nd. mundarten gänzlich unbekannte zank und das auch auf obd. boden wenig gebräuchliche hader, das nur der aufnahme durch Luther sein fortleben in der schriftsprache verdankt. der übersetzer der Lübecker bibel (1533) übernimmt dies ihm sicherlich ungeläufige hader bis auf wenige fälle unbedenklich, tilgt jedoch jedes obd. zank, zanken (in der regel durch hader, hadern, seltener durch kîf, kîven), greift aber nie zum mundartlichen twist, obschon bereits im 13. jh. Lübecker Hansefahrer, deren sprache von jeher einen starken nl. einschlag zeigte, dieses wort im Ostseeraum bis nach Nowgorod vorgetragen hatten (vgl. Schlüter d. Nowgoroder schra, 1. 2. 3. schra § 6 [Wisby 1269; Lübeck um 1295; Riga oder Wisby um 1325], 5. schra § 121 [Nowgorod 1392], 6. schra § 67 [Nowgorod 1514]). im laufe des 16. jhs. gewinnt zwist in den nd. maa. weiter an boden, auch in dem hier entstehenden hochdt. schrifttum, vgl. unten die belege aus Osnabrück (1453); Hamburg (1526; 1573); Greifswald (1541); Lüneburg (1554). im norden taucht das wort gegen ende des jahrhunderts im jütischen lowbuch auf (Flensburg 1593); seine letzten ausläufer erstrecken sich im osten bis in das preusz. ordensland (akten der ständetage Preuszens 1447; Schütz hist. rer. Pruss. [1592]) und die unter Lübecker einflusz stehenden Ostseeprovinzen (Reval 1513; Riga 1539; 1569) sowie Nowgorod (vgl. oben). doch erreichen diese überwiegend aus der gebrauchsliteratur der urkundenbücher, stadt- und zunftrechte stammenden belege bei weitem nicht den nuancenreichtum des mnl. sprachgebrauches. zwist hat erst spät den weg in die schriftsprache gefunden. wohl greift Siegmund v. Herberstein, der vielgereiste diplomat am hofe kaiser Maximilians, in seiner selbstbiographie (um 1550) einmal zu zwist (s. 141 der ausgabe von Karajan), aber kein mitteldt. oder oberdt. wörterbuch des 16. jhs. tut dieses wortes erwähnung. in Grimmelshausens Simplicissimus (1689) steht neben üblichem streit, zank, hader kein zwist, und noch 1666 empfindet der Haller rektor Gueintz die niederdt. herkunft und hält zwist für erklärungsbedürftig: 'zwist ... ein alt sächsisches wort, ist zank, streit, hader' dt. rechtschreibung (Halle 1666) 175. um diese zeit erst findet zwist aufnahme bei den lexikographen, zunächst denen, die dem niederdt. nahestehen. Schottel führt es unter den 'stammwörtern' auf: zwist, m., discordia haubtspr. (1663) 1436; der Gothaer rektor Reyher verzeichnet in seinem thesaurus (1668) zwisten (s. u.) und zwistung (s. u.) und wohl nur zufällig kein zwist. mit Stieler setzt dann die durchgehende lexikalische überlieferung ein: zwist controversia, jurgium, dissidium, dissentia, dissenzio, discordia, discrepatio stammb. (1691) 2661; zwist discordia, divisione, contesa, differenza, dissidio, contrasto; vgl. zanck, zweyspalt, ↗hader Kramer t.-ital. 2 (1702) 1501ᵇ. heute gehört zwist der schriftsprache allgemein an, ist jedoch ein seltenes wort geblieben, das sich nur in gehobener sprache lebendig erhält. so schon empfunden von Adelung: ein edler und glimpflicher ausdruck für die härteren zwiespalt, zwietracht und das unedle zank 5 (1786) 475; zwist ... ein edlerer ausdruck als zank Voigtel (1793) 3, 735ᵃ. schon in den frühen quellen bezeichnet zwist neben der wechselnden äuszerung der uneinigkeit, so als 'auflauf, fehde, rechtsstreit, wortwechsel' vor allem den latenten, langwährenden zustand eines gespannten feindseligen verhältnisses. es handelt sich dabei vorwiegend um interne streitigkeiten und händel. die verbindung innerer zwist begegnet daher in neuerer sprache mit zunehmender häufigkeit, mag es sich dabei um die inneren spannungen und auseinandersetzungen in einem staatlichen oder städtischen gemeinwesen oder um den widerstreit im menschlichen innern handeln. auf der gleichen linie der entwicklung liegt es, wenn zwist in jüngster zeit zunächst die zerwürfnisse im engsten lebenskreise, in der familie und ehe, bezeichnet und daher gern in den zusammensetzungen ehe-, familien-, bruderzwist auftritt. ein alter bedeutungskern, der schon in den frühesten niederländischen und niederdt. belegen sichtbar wird, lebt darin bis in die gegenwart nach.
1)
auflauf, tumult, handgemenge; vgl. zu den bei Verwijs-Verdam 8, 830 gegebenen belegen noch folgende: sowie dat bin midder (in der stadt) te tviste ghewapend comd zonder ghemenen rad, hi sald boeten den here 10 sol. en̄ der port (stadt) 5 sol. (Dordrecht 1254) corp. d. altdt. originalurk. 1, 58 Wilhelm; so wie die eerst twyst beroert ende die eenen andren metter vust (knüttel) slaet ... die eerste mesdoere sal deit allene moeten betren den heere ende der wederpartien bi den scepenen (quicumque litem prius moverit) (Gent 1265) chartes et doc. de St. Pierre 1, 345 van Lokeren; waert datter enich loop (auflauf) gheviele, zo zoude die ret ... te gamen vallen (zusammentreten). ende ijemant van den rade, die bi den rade nyt en viele, die daer bi ware ende den twist nyet en holpe scutten (beschwichtigen), die zoude twe jare uten rade wesen (1365) rechtsbronnen d. stadt Utrecht 1, 52 S. Muller; mit verdeutlichendem epitheton: denwelcken amman oock vermagh te vangen in heeten twiste cout. de Furnes (Brüssel 1896) 4, 56. als stehender terminus erscheint twist auch im franz. text: li tierch ordene ... sera ausi en certain lieu si comme on ordonera pour apaisier descors (d. i. desaccords), ke on apiele 'twist', meslees, haines et courous (1297) coutumes de la ville de Gand 502, nr. 25 Gheldolf; in einem weiteren sinne, der jedoch den begriff der tätlichkeit mit umfaszt: waert dat eenich twist binnen Dordrecht qheviel, ende scepenen ende raet dochten, datter meer pinen ... of comen mocht, die luden soude men aen beiden zyden bi den rechter ... te ghisel doen Dordr. rechten 1, 8 (keurboeck van 1401 § 15); item so wanneer eenen vrede ghenomen is tusschen poorteren (bürgern) aen beiden ziden, daermede zullen bevreedt wezen alle hare magenn op beide zyden, ... aen beiden zyden ghezoent zijn van den twist, daer den vrede of roerde rechten der stad Dordrecht 1, 83 Fruin (nieuwe kenten van 1411, art. 6). diese bedeutung greift auf nd. boden über; sichtbar vor allem in den gleichlaufenden glossierungen im niederrhein.-niederländischen grenzraum: seditio est discordia et dissensio civium vel animorum twist off weringe off oploep onder dat volck, so in der gemma von Köln 1495 und 1512, parallel der fassung von Deventer 1500, s. Diefenbach nov. gl. 334ᵃ. dagegen in der von Straszburg 1508 u. von Hagenau 1510: ein uffruor, uflauff under dem volcke; of einiger hande zuist tuschin in inde unsin ludin uploift (Köln 15. jh.) urk.-buch f. d. gesch. d. Niederrheins 2, 290 Lacomblet; haistu einnicher hant switz (!) und zwiunge gemacht under den luden, da mort van komen is (niederrhein. 15. jh.) bei Frommann d. dt. maa. 3 (1856) 62; haistu zwist gemacht tuschen den luden ebda; in vertraglichen abmachungen, die ihrem zwecke entsprechend alle möglichkeiten der entzweiung ins auge fassen, erscheint zwist, meist neben sinnverwandten ausdrücken stehend, in einem umfassenderen sinne, schliesst dann aber auch die bewaffnete auseinandersetzung mit ein: wir Otto Greve zuͦ Nassouwe duͦn kunt, ... dat wir ... van alle der zwist, zveyunge, vorderunge inde heysschinge inde van alle deme krege inde urloyge, de vurmailz geweist is tusschen uns inde unsen helperen weder de wise eirsame lude de burgere gemeynligin ... versoynt inde verslicht sijn (1332) Siegener urkundenb. 1, nr. 191, 115; gheine twist, krege, ... uneyndrechticheit, gewalt, vorte, anxt, brant, rouf, hailslacht, misgewas ... die ensullen noch enkunnen mich noch myne erven nyet schuldigen noch untheyven (den zins zu bezahlen) (1469) rhein. urbae 1, 326 note; eyn ordel, dar de twist der versturder (erregt) schar mede gestillet moge werden (1473) bei Schiller-Lübben 4, 647; ist ok jenige mishegelicheid, twiste unde unwille ... irrisen edder entstande wurde, ... so scholen unde willen wij unser eyn deme anderen sodane averfall unde unrechte gewald ... schrifliken vorkundigen unde vorwitliken (1492) ostfries. urk.-buch 2, 368, nr. 1335; vgl. ebda a. d. j. 1346: twyst, scelinge und orlages 1, 62, nr. 59.
2)
streitigkeiten und auseinandersetzungen innerhalb einer zunft oder gilde: schut oc jegen twist tuschen dhen mestermannen selven, ofte tuschen dhen mestermannen unde dhen knapen, dhat sal man over berichten vor dhes hoves oldermanne (Wisby um 1269) Nowgoroder schra 60 Schlüter (schra 1, 2, 3 § 6); vort were dat sagge, dat under uns bruderen eynche zweyunge, zwist, kreich ove veintschaf upleyffen, des got neit in wille, mit worden ove mit deden, dat solen wir bruͦdere under uns nederleggen inde sunen (kürschnerordn. v. 10. 11. 1323) Kölner zunfturk. 2, 312 Loesch; aff twist oft geschille in onse tolhuys t'Antwerpen valt, soo willen wy, dat men dat by die cooplieden ende onse tolneren gevordeele (1409) Lübeck. urk.-buch 5 (1877) 246; twyst und schelinge (1453) Osnabr. gildeurk. 29 Philippi; offte hir genige twist upstunde van dem kopman, und eyn dem anderen entweke uth dem rechtte (sich dem gerichte entziehe), so sal em sin wedderparth esschen bynnen Liflanden bynnen 6 weken (Nowgorod 1514) Nowgoroder schra 193 Schlüter (schra 6, § 67); um allen twist, gram unde nadehl, wo vorhen geschehen, bytholeggen unde namals nicht mehr uptohalen (1526) hamburg. zunftrollen 33 Rüdiger; idt geualt dat dar twedracht wert twijsschen dem schijpper vnde sijnem schijpmanne, de schijpper schal beuelen dat taffellaken wech tho nemende vor dem ijennen, dar he kijff vnde twedracht mede gehatt hefft ...; ijs ijd sake dat de schijpman den twijst vnde mijssedaet baͤth tho beteren ... (1541) bei Pardessus coll. de lois maritimes 1 (1828) 511; (die werkmeister in der gehegten morgensprache) schollen und mogen richten ampt und amptbrodere ehrer gilde, knechte und jungen, nicht alleine an arbeyde und werke ehre smedeampt belangende, besunderen ok denstlohen und vorsumenisse, darto allen hader, twist, unlust, hartoch, mundschlag ... scheldewort, tosage, geloffte (1554) lüneburg. zunfturk. 204 Bodemann.
3)
in der sprache des rechts, anschlieszend an die vorausgehende gruppe, mnl. reich bezeugt, vgl. zu den bei Verwijs-Verdam a. a. o. gegebenen belegen: van twiste binnen dachvarden. voert so wat manne die den anderen daghen doet vor vinders (richter), ware dat sake dat hire omme twiste, of dade twisten, dat hi ware in de mesdaet van x pont [de rixe endéans les ajournements. en outre tout individu qui en fait ajourner un autre devant les vinders, s'il arrivait qu'à ce sujet il fasse ou fasse faire rixes (mêlées) qu'il serait en forfait de 10 livres] (1284) cout. de Gand 411, nr. 15 § 7 Gheldolf; die twist ende gheschit heeft teghens eenen anderen ... mach syn wederpartye doen in vrede legghen by schouteth (1570) cout. du quartier d'Anvers 5, 494. ausserhalb des nl. erscheint die bedeutung wiederum am frühesten in rhein. und altfries. rechtsquellen: (sie) solin na worden inde wederworden binnen veirzenaichten na den eycht dagin, dat si binnen machate komen sint, die vorderunge, clage, zwist, uploif inde die bruchge scheydin inde verslichtin (Köln 1334) urk. dt. spr. (1835) 273 Hoefer; item, hotso daer sciet des dunredaeghes, fan burgenscipe, fan capinge ende fan onhetinghe, fan hu dena seckum so dat se daer igge twist fan is, da marketriochteren dat to biriuchtena in liker maniere, so hia hier formels by alden tyden deen hebbet (Franeker marktrecht 1402) altfries. rechtsqu. 478ᵇ Richthofen; schon zeitig läszt sich die wanderung dieses gebrauches auch in die nd. kolonialmundarten beobachten: van twyste, de upstet tusschen Dutschen und Russen. vortmer schude jenych twyst tusschen eme Dutschen und Russen, so sal de Dutsche dat vorvolgen ... na den breven vor deme herthogen myt den olderluden (1392) Nowgoroder schra 168 Schlüter (5. schra § 121); thwiste und rechtgangk ... tusschen hern Jasper Kolthof und den vorstendern der armen de nu in der gude und frundtschop biegelecht ... syndt (1539) erbebücher d. st. Riga 2, 794 Napiersky; wir bürgermeister und rathmanne der statt Riga ... dem nach sich zwist und irrungen zwischen (den krämern) zugedragen (und sie) derwegen vor uns zu urtheil und recht erschienen und den zwist und handel zu unser billiger und gleichmesziger erorterung gestellet haben, (haben wir) ze recht erkant (1569) schragen d. gilden u. ämter d. st. Riga 53 Stieda-Mettig; aus Flensburg: vorköfft ein man dem anderen landt unde erhevet sick ein twist twischen dem köper unde vorköper (1593) jütisches lowbuch, buch 1, cap. 42, § 2; entstünde ock ein twist twischen den kinderen unde der moder, welker vaderlike edder moderlike erve were ebda buch 1, s. 16, § 3. als juristischer terminus wandert das wort nicht nur in die hd. schriftsprache auf nd. substrat, sondern auch ins mittel- und oberdeutsche: (es ist beim reichsregiment in Nürnberg) mit supplicationen, vorhorung der sachen und hendel, zwisthen, irrungen, partheien und der gleichen vill zeit zubracht worden (1522) v. d. Planitz berichte 101 Wülcker; (der papst hat seinen legaten in Preuszen angewiesen) allen eingerissenen zwist, miszuerstand vnd vneinigkeit zu schlichten und zu richten, ... wann diese unsere zwistige hendel für einem ordentlichen oder wilkürlichen richter weren gehandelt worden, so hetten sie vorlengst jhre endschafft Schütz hist. rerum Pruss. (1592) Hh 3 a (4. buch); so wol auch alle stritt und zwisten zwischen der gewerckschafft und andren grundobrigkeiten, soll für dem cammergrafen (ausgetragen werden) Hohberg georg. cur. (1682) 1, 80ᵇ. wenn im brem.-nds. und ostfries. twist neben 'zwietracht' auch 'prozesz', 'rechtsstreit' und twisten (s. u.) 'einen prozesz führen' bedeutet, wirkt in diesem westnd. randgebiet der alte gebrauch noch nach, s. Doornkaat-Koolman ostfries. spr. 3, 457ᵇ; brem.-niedersächs. wb. 5 (1771) 144. in späterer zeit steht zwist auch ganz allgemein im sinne von 'streitsache, streitgegenstand':
da hier im gegentheil die wahrheit deutlich richtet,
so offt dein mund den zwist der unterthanen schlichtet
Günther ged. (1735) 727;
sie sitzet zu gericht auf buntem teppich,
höret zwist und sinnt und richtet weise
Herder 25, 473 S.;
hier ist kein gericht um den zwist einiger privatleute, hier wird das schicksal eines reiches entschieden Klinger w. 1 (1809) 327. in anakreontischer variation 'eifersüchteleien':
wo Venus mit dem rosenmund
entzückte liebesgötter weidet,
und lächelnd ihre zwiste scheidet;
J. G. Jacobi s. w. (1807) 2, 161.
4)
streit in der politischen öffentlichkeit. zwist von langwierigen zwischenstaatlichen auseinandersetzungen, zufrühest auf nd. substrat: und wie das nicht geschege, so stunde czu besorgen, das die Hollander widder in twisten und schelunge mit den landen Prusen etc. komen sulden (1447) akten der ständetage Preuszens 3, 21 Toeppen; dusse pawest Paschalis hefft dannoch im twiste der investituren der bischopen unde abbaten jegen den keiser de overenhandt beholden (um 1550) Osnabr. geschichtsqu. 2, 39 Runge; (auf seinem sterbebette ermahnte er seine zwei söhne, dasz) die sich nicht mutwilliger weise mit dem benachbarten orden in zwist vnd krieg einlassen solten Schütz hist. rer. Pruss. (1592) g 2ᵃ (buch 1); der könig aber von Danemarck krieget auffs newe mit Tezlaffen dem Rügianischen fürsten zu thuen, weil derselbe von den Sachsen, die mit den Dähnen nach dem Pommerischen kriege, wegen theilung der beute unnd etlichen schimpfflichen worten, in einen zwyst gerathen waren, ihme auffstützig war Micraelius altes Pommerland (1639) 2, 253. dieser anwendungsbereich greift auch ins hochdt. über: die bekannte stelle des Ammians, darinn er den ärgerlichen zwist um das römische bisthum zwischen dem Damasus und Ursicinus beschreibt allg. dt. bibl. (1765) 1, 2, 148; bei diesen verhältnissen wäre ... das ganze morgenland ... verloren gegangen, wenn nicht auch unter den nachkommen Saladins und Adels böser zwist fortgedauert hätte Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 148; der zwist zwischen Sachsen und Oberdeutschen, der ihm eine zeitlang zustatten gekommen, ward beigelegt Ranke s. w. (1867) 1, 20; (der vögte name ist) einer der öftest genannten in der geschichte von Tirol, einmal auch wegen des zweihundertjährigen zwistes, den sie mit den bischöfen von Chur geführt haben Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 30. der akzent kann sich auch auf den ausbruch eines offenen konfliktes als ergebnis langwieriger zwistigkeiten verlagern und zwist so die bedeutung 'blutige fehde, krieg' annehmen. aus dem niederrhein.-niederl. grenzgebiet schon im anfang des 15. jhs. in diesem sinne bezeugt:
off dese matery willich sagen
eyn twist, die lange voer minen dagen
geviel
(es folgt die darstellung eines blutigen krieges)
mhd. minnereden 2, 132 Thiele.
doch gehört die verwendung von zwist für krieg, die seit dem 17. jh. erscheint, der gehobenen, vor allem der dichterischen sprache an, so dasz zwist in dieser verwendung fast den rang einer metapher gewinnt:
... Holland hat durch frieden
mit Spanien nicht nur den langen zwist entschieden
Lohenstein Ibrahim Sultan (1680) 19;
der greis erzählt einst den zwist den enkeln, ...
der ihrer väter schwerter gewetzt
Dusch verm. schr. (1758) 289;
wie ist dies lied, dies frohe lied vom frieden,
vom wilden ton des zwistes unterschieden
Löwen schr. (1765) 1, 88;
thue wie dir es gefällt, dasz nicht aus dem hader in zukunft
beiden, dir selber und mir, ein gröszerer zwist (μέγ' ἔρισμα) sich erhebe
Voss Ilias 4, 37;
erneue nicht den zwist, der dreimal schon
aus einem nichts, aus luft'gem wort erzeugt,
den holden frieden unsrer stadt zerrüttet
Göthe I 9, 173 W. (Romeo und Julia);
von Stambuls pforte bis nach Peters thürmen
herrscht zwist, geboren aus der nacht
Schubart s. ged. (1825) 2, 233.
in die gleiche sphäre gehört auch die wendung zwist der könige, die dem politischen konflikt den charakter einer persönlichen auseinandersetzung verleiht (vgl. unten 6): da wir nun bemerken ..., dasz der zwist dieser könige die kirche störet M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 607;
mir her, ich sang der könige zwist! ich die schlacht bei den schiffen!
mir die würste! ich sang, was auf dem Ida geschah
Göthe I 5, 1, 258 W. (xenien);
denn der könige zwist büszten die Griechen wie ich
ebda 1, 260;
wüsst' ich nur recht klar, dass die völker nicht den zwist der könige, sondern die könige den zwist der völker führten! Chamisso w. (1836) 5, 344. auch: der zwist der fürsten, besungen von Sined dem barden allg. dt. bibl., anh. zu bd. 37/52 (1771) 356. gewählt und ganz vereinzelt steht zwist auch für zweikampf, duell: die gräfin war anfangs, als gehöre sie nicht zu dieser welt des blutigen zwistes, unbeweglich stehen geblieben H. Laube ges. schr. (1875) 2, 261; mir sind vier kinder, die ich geboren, bald wieder abgestorben, und einer fiel im zwist Th. Mann d. erwählte (1951) 67.
5)
innerpolitische feindseligkeiten, auseinandersetzungen und händel innerhalb eines gemeinwesens, eines berufskreises, eines familienverbandes. innerhalb dieses anwendungsbereiches hat sich zwist im neuhochdt. besonders reich entfaltet.
a)
von innerstaatlichen auseinandersetzungen: nechst diesen hendeln war auch land und städten mercklich angelegen, die zwist und irrungen, die binnen landes zwischen dem orden und etlichen conuenten, wie auch mit den landmeistern in Deutsch- und Lieffland auszstendig, zu schlichten und beyzulegen, damit es nicht durch innerliche uneinigkeit umb aller irer freiheiten zu thun sein möchte Schütz hist. rer. Pruss. (1592) cc 3ᵇ (buch 4);
sie (die Franzosen) brauchen unsern zwist zu ihrer trägheit stärcke
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 182 Neukirch;
und sucht des reiches zwist nicht etwan durch den degen,
nein, blosz durch glimpflichkeit und güte beyzulegen
König ged. (1745) 14;
im Vandalenreiche herrschte zwist Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 1, 6; unendlich war zwist, fehde, sorge um die zukunft; denn jedes rechtsverhältnisz im ganzen reiche drohte unsicher zu werden G. Freytag ges. w. 18 (1888) 80. beiworte und zusätze kennzeichnen die besondere bedeutung: die fürnemeste manschafft were durch stetige kriege vnd innerliche zwist fast auffgerieben Schütz hist. rer. Pruss. (1592) b 4ᵇ (buch 1); die emigration (hatte) durch inneren zwist sich selber gesprengt Mommsen röm. gesch. 3 (1866) 36; (der) rückgang des gesamten öffentlichen lebens dieser völker infolge von innern zwisten Ratzel völkerkunde (1885) 25, 125; ruhte einmal der zwist im innern, dann tobte der krieg mit den nachbarstädten wie Tusculum, Viterbo, Palestrina Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 63; der erfolg wird immer sein, dass jeder unserer inneren zwiste vom ausland zu unserem verderben benutzt werden wird Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 228.
b)
von den auseinandersetzungen innerhalb eines städtischen gemeinwesens, die oft nur im verborgenen glimmen, oft aber auch zu offenem streite auflodern; diese anwendungsmöglichkeit knüpft an den oben unter 2 dargestellten mittelalterlichen gebrauch an: den im 50ten stücke meiner chronik eingeschalteten artikel, den zwist des Wormser magistrats mit der bürgerschaft betreffend (1788) Schubart br. 2, 216 Strausz; für den augenblick aber trifft mich dieser bürgerliche zwist, so wie die übrigen in meiner theuern vaterstadt leider obwaltenden, so hart und bedenklich, dasz ich meinen weg nach Baden am Rhein über Würzburg zu nehmen entschlossen bin, um nicht da, wo ich so gern friedlich eingekehrt wäre, auf streit und zersplitterung zu treffen (1816) Göthe IV 27, 84 W.; manche sagen auch, dasz die groszen (die städtischen ratsherren) davon leben, dasz die kleinen sich zanken um ihrer zwiste willen Alexis Roland (1840) 1, 9; innerhalb der städte ... treten die zwiste der zünfte und der patrizier hervor Gervinus dt. dichtung (1853) 2, 165.
6)
besonders von streitigkeiten, die aus der lebensnähe innerhalb der häuslichen sphäre, im kreise der familie erwachsen:
neid, hader, zwist und zanck,
das ist sein täglich brot
(1664) Rachel satyr. ged. 19 ndr.;
sie hat ... zwist im haus erreget Hippel lebensläufe (1778) 2, 470; gestern. ... kam mein bruder, mich zu einer erbstheilung der verlassenschaft seines schwiegervaters zu rufen. ich vermuthete zwist Bräker s. schr. (1789) 2, 186; so kann doch eine solche geschwätzigkeit mistraun gegen dich und allerley zwist und verstimmung veranlassen Knigge umgang m. menschen (1796) 1, 72; sein umgang mit Wilhelmen (war) ein anhaltender zwist, wodurch sich ihre liebe aber nur desto fester knüpfte Göthe I 21, 91 W.; ein reumütiges erscheinen des sohnes im vaterhause würde wohl eine ausgleichung des bösen zwistes bewerkstelligt haben (1861) W. Raabe s. w. I 4, 99; nicht immer in neuester zeit bot die Büttnersche familie einen so friedlichen anblick. öfters gab es jetzt zwist und streit Polenz Büttnerbauer (1895) 1, 118. in der anwendung auf den streit zwischen eheleuten zeichnet sich dieser sinngehalt des wortes noch deutlicher ab; vgl. dazu discidium twist off scheydinge als tusschen man und wyff gemma (Köln 1495) (in den beiden gemmen Straszburg 1508 und Hagenau 1510: uneynikeit oder scheidung zwischen mann und weyb), ferner die zusammensetzung ehezwist Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1501; O. Ludwig ges. schr. 1, 256 Schmidt-St.:
und statt in wonn und freud zu schweben,
begannen sie in zwist zu leben
Erlach volkslieder d. Deutschen 2 (1834) 19;
bei damen, die mit ihren gatten im zwist leben, war ich das kind eines rohen menschen, der (mich) zu töten gedroht O. Ludwig ges. schr. 2, 454; für einen einzigen besonders heftigen auftritt: der straszenbahnführer A. hatte am abend einen ehelichen zwist, dem sich die frau durch davonlaufen entzog in: zs. f. psychoanalytische pädag. 4. jg. (1930) 100. auf das politische leben übergreifend von den zerwürfnissen innerhalb der dynastien, vgl. oben zwist der könige:
ihr wart noch zarte knaben, aber schon
entzweyte euch der jammervolle zwist
Schiller 14, 63 G.;
doch, die das opfer eures zwists gefallen,
die todten stehen nicht mehr auf, die thränen
die eurem streit geflossen, sind und bleiben
geweint
...
das sind die früchte eures bruderzwists!
ebda 13, 259;
so musz ein ungeheurer zwist das haus zerrütten
Göthe I 11, 45 W. (Elpenor);
es gab damals einen innern zwist in dem hause Bourbon Ranke s. w. (1867) 30, 106.
7)
zwist als uneinigkeit, meinungsverschiedenheit in grundsätzlicher stellungnahme.
a)
von weltanschaulichen gegensätzen:
wenn der ewige zwist stets wieder unter euch aufwacht;
wenn Pharisäer, und Sadducäer, wenn diese nahmen
ewig euch trennen, wie werdet ihr da den propheten vertilgen?
Klopstock Messias (1780) 91;
wenn der geistliche ein mann ist, der nicht vom hauptpunkte (der glaubenslehre) abweicht, so wird unter der gemeine auch kein zwist entstehen Göthe I 37, 170 W.; der ein jahrhundert lange zwist beider religionspartheien Schiller 8, 136 G.; (der rat) sendete auch einige abgeordnete ... um ihr (der disputation) beizuwohnen und den zwist der parteien zu schlichten. die disputation fiel jedoch vollkommen zugunsten Zwinglis aus Ranke s. w. (1867) 3, 53; der alte zwist zwischen Lutheranern und Reformirten über das abendmahl ebda 15 (1875) 259.
b)
von politisch-sozialen kontroversen: alsbald erhob sich ein neuer zwist: um den tarif — ein streit, der bei dem grundtiefen gegensatze der meinungen zum bruche führen muszte Treitschke dt. gesch. (1897) 3, 627; solcher streit zwischen arbeitern ... gehöre längst der vergangenheit an. das volk stände längst wie ein block da, ohne klassen, ohne zwist Anna Seghers d. toten bleiben jung (1950) 386.
c)
von meinungsverschiedenheiten in wissenschaftlichgelehrten streitfragen; vgl. controversia wedersp(r)eckinghe off twist gemma (Köln 1495) F 1ᵇ (in den gemmen von Hagenau 1510 und Straszburg 1508: wydersprechung oder uneynikeyt): nach dem zwiste und streitt erwachsen, wo unnd durch wen die buchtruckerey eigendlich erfunden seye? so ist ... erkandt worden: dass Hanss Mentelin ... das lob haben solle, dass er allein der erste erfinder seye Moscherosch gesichte (1650) 2, 839; (Lessings) erster grif in die bibliothek war ... eine entdeckung, ... die einem zwist (in der abendmahlslehre), der jahrhunderte durch ... geführt war, ein ... ende machte Herder 15, 502 S.; diejenigen von meinen antiquarischen briefen, welche unseren kleinen zwist betreffen (1769) Lessing 17, 286 L.-M.; wir sagten vorher, dasz wir weit entfernt wären, den Lessingschen zwist blosz als einen streit über den Laokoon anzusehen Gerstenberg recensionen 291 lit.-denkm.; alle spizfindigkeiten und zwiste über schönheiten und fehler des gedichts J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 7; wollte sich einer einen spasz machen, so trug er ihm einen literarischen zwist vor A. v. Arnim s. w. 8 (1857) 171; wenn ein strittiger punkt zur sprache kommt, bildeten sich heftige parteien, und der zwist, ob Iffland über oder unter Devrient stehe, ging auch auf uns schüler über Holtei vierzig jahre (1843) 1, 153; der gelehrte zwist (über knochenfunde bei Hallstatt) W. Raabe s. w. I 6, 272; nun schweigt der zwist der parteien und richtungen K. Burdach vorspiel (1925) 1, 1, 44. mehr im sinne von 'wissenschaftlicher polemik':
der ärgerliche zwist, den viel gelehrten treiben,
wird von ihm lebenslang mit ernst vermieden bleiben
Triller poet. betracht. (1750) 2, 284.
8)
die form, in der sich der streit äussert, liegt nicht im worte zwist ausgedrückt, sie kann durch eine zusätzliche bestimmung unmittelbar sichtbar gemacht werden: schut en twist ... manc in selven (unter den lehrlingen) an cranken worden, dhe mogen se berichten under en selven vor ereme oldermanne. is it aver en tvist an slegen ... (um 1269) Nowgoroder schra 60 Schlüter; sie musz jedoch in der regel der situation entnommen werden. bei persönlicher begegnung werden die meinungsverschiedenheiten zunächst in einem wortwechsel ausgetragen, daher die auch heute noch gültige feststellung bei Adelung: zwist die lebhafte äuszerung verschiedener meinungen und neigungen durch worte; ein edler und glimpflicher ausdruck für ... das unedle zank 5 (1786) 475. in der wahl des verbums liegt schon der hinweis auf diese situation: vergebens stellte sie ihrem freunde vor, dasz ... man ihn nur zum besten habe. vielmehr kamen sie darüber in einen lebhaften zwist Göthe I 22, 61 W.; mit dem bekam der andere zwist im wirtshaus Hebel w. 2, 92 Behaghel; händel mit ihr zu beginnen, einen zwist herbeizuführen, ... das war unausführbar Holtei erz. schr. (1861) 11, 20; der zwist hatte schon jenen punkt erreicht, wo die streitenden die argumente des andern nicht mehr zu ende hören Werfel geschw. v. Neapel (1931) 396. drohende tätlichkeiten lassen darauf schlieszen, dasz zwist den voraufgegangenen wortwechsel meint:
wohlan! lasz ab vom zwist! zeuch nicht dein schwert
mit worten aber schilt ihn
Bürger s. w. 144ᵇ Bohtz;
fried', ihr herrn! wollt ihr mit schlägen enden?
ist denn darüber zank und zwist,
ob der kaiser unser gebieter ist?
Schiller 12, 50 G.;
roth sag ich! — nicht doch, gelb! — nein, grün, bey meiner seele! —
so schrieen alle drey zugleich aus voller kehle
und wetzten ihr gewehr. was soll der dumme zwist?
Pfeffel poet. versuche (1802) 6, 38;
(Heinrich): ritter Walter, keiner, als ihr, dürfte mir ein solches wort bieten. (Walter): willst du etwa, dasz wir unsern zwist mit dem degen ausmachen? Tieck schr. (1828) 11, 5. der wortwechsel kann auch zur leichten, in freundschaftlicher form gehaltenen auseinandersetzung werden. diese bedeutung bedarf jedoch einer zusätzlichen kennzeichnung durch entsprechende adjektiva oder appositionen: indessen wir kennen uns und vertragen uns nach einem kleinen zwist um desto besser (1785) Caroline 1, 29 Waitz; dieser kleine zwist fiel freitags vor (1785) A. G. Meissner in: dt. lit.-denkm. 66-69, 68; Gilbert endigte den rührenden zwist dadurch, dasz er wechselweise bei dem bruder und der schwester zu wohnen versprach Pfeffel pros. versuche (1810) 3, 125; künftig soll bei unsern kleinen zwisten immer nur rother wein flieszen Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 11, 266; dem kleinen, freundschaftlichen zwiste, der sich darüber entspann, setzte er dadurch ein ende, dasz er eine note von fünfundzwanzig thalern auf den tisch warf, den garçon bedeutend, sich davon bezahlt zu machen Holtei erz. schr. (1861) 5, 82; wie die leiden des leibes aufhören in einer angenehmen stille, so endigt sich der zwist der freunde in wärmerer traulichkeit Heinse s. w. 3, 425 Sch.
9)
von den auseinandersetzungen im innern des menschen, dem widerstreit der gedanken, wünsche, absichten, gefühle. in diesem anwendungsbereiche kann zwist die bedeutung 'zwiespalt, unruhe, innere friedlosigkeit, zweifel an sich selbst' gewinnen.
a)
bereits im mnl. ist diese übertragene bedeutung in breiter ausdehnung vorhanden, vgl. Verwijs-Verdam 8, 832 ff. (s. v. twist 3 u. 4). vereinzelt erscheint sie auch früh im nd. grenzgebiet:
als hi dan an hom siet met ougen
dat sine craft verswonden ist,
soe heeft sich in dem moede twist,
want hy wolde en niet encan
und moes dorch crancheit laen dar van
mhd. minnereden 2, 192 Thiele.
erst in der klassischen periode der nhd. literatur entwickelt sich diese bedeutung selbständig, dem inneren gesetz des wortes folgend:
der tod endet der grübelnden zwist
Herder 26, 64 S.;
am heiszen quell verbringst du deine tage,
das regt mich auf zu innerm zwist;
denn wie ich dich so ganz im herzen trage,
begreif ich nicht, wie du wo anders bist
Göthe I 4, 31 W.;
ich liebe menschen nicht, und nicht die dinge,
ihr schönes nur, — und bin mir so getreu.
ja, untreu' an mir selbst wär andre treue,
bereitete mir unmuth, zwist und reue,
mir bleibt nur so die neigung immer frei
bei Bettine d. Günderode (1840) 1, 51;
verdrossen herabhängende mundwinkel deuteten auf innerlichen zwist und hader (1869) W. Raabe s. w. I 6, 408;
in dieser schattenkühle
der einsamkeit im schoosz,
wird alles, was ich fühle,
so still, so klar, so grosz.
kein wunsch mehr, kein begehren,
geschlichtet jeder zwist —
ich kann der welt entbehren
Geibel ges. w. (1883) 2, 9;
in solchem zwiste mit sich risz er manchmal, ... vor dem abendbrot den gaul von der weide und raste davon Emil Strausz Hans u. Grete (1919) 162; auch mir war seine (des vaters) nähe wie immer heilsam; sie nahm den inneren zwisten ihr gewicht Carossa verwandl. e. jugend (1928) 212; auch ich glaube, ... dass in ihm (Hitler) die überspannung des Cäsarenwahns in ständigem zwist mit wahnideen des verfolgtseins lag Klemperer l. t. i. (1949) 62. zuständlich als innerer hang zum unfrieden, zum streit:
ihr guten götter! arm ist, wer euch nicht kennt,
im rohen busen ruhet der zwist ihm nie,
und nacht ist ihm die welt, und keine
freude gedeihet und kein gesang ihm
Hölderlin s. w. 3, 58 Hell.
b)
von der kämpferischen auseinandersetzung des einzelnen mit der umwelt:
uns freuen, dasz des lebens zwist
und fährlichkeit vorüber ist
Schubart sämmtl. ged. (1825) 1, 74;
und waffen wider alle, die athmen, trägt
in ewigbangem stolze der mensch; im zwist
verzehrt er sich und seines friedens
blume, die zärtliche, blüht nicht lange
Hölderlin s. w. 3, 9 Hell.
konkretisiert im plural als 'widerwärtigkeit': das ist ein wahrer miszbrauch der poesie, die uns doch eigentlich dazu gegeben ist, um die kleinen zwiste des lebens auszugleichen Göthe gespr. 6, 211 Bied.;
dir gab sie für die längste aller fristen
die kraft, das weltgewebe aufzutrennen,
und dort des höchsten keim noch zu erkennen,
wo sich das sein zerreibt in dumpfen zwisten
Hebbel w. I 7, 180 Werner.
wie der missklang im reich der töne, so lösen sich auch die dissonanzen des lebens zu höherer harmonie auf:
was lieb- und künstlichers ist, als was er gemacht,
wenn er der stimmen zwist in eintracht hat gebracht,
uns düncket, dasz wir selbst der engel lieder hören
Simon Dach 753 lit. ver.;
es giebt kein süszer bild des suchens und findens, des freundschaftlichen zwistes und der versöhnung, ... als diese zwei- und mehrstimmige tongänge Herder 22, 182 S.; wie der zwist der liebenden, sind die dissonanzen der welt. versöhnung ist mitten im streit und alles getrennte findet sich wieder Hölderlin s. w. 2, 291 Hell.;
da ward es hell mir im gemüte,
ich sah durch eines geistes wehn
der zeiten schritt, der blumen blüte
in heilger ordnung wechselnd gehn;
ich sah den tod das sein gebären,
den einklang hört' ich durch im zwist,
und ahnend lernt' ich tief verehren
das wunder dessen, was da ist
Geibel ges. w. (1883) 1, V.
c)
in verbindung mit abstrakten will zwist deren unstimmigkeit und innere widersprüchlichkeit charakterisieren: das chaos von gesetzen ... voll innern zwist Kästner verm. schr. (1755) 1, 84; in der experimentalphilosophie kann wohl ein zweifel des aufschubs nützlich sein, allein es ist doch wenigstens kein miszverstand möglich, der nicht leicht gehoben werden könnte, und in der erfahrung müssen doch endlich die letzten mittel der entscheidung des zwistes liegen, sie mögen nun früh oder spät aufgefunden werden Kant 3, 292 akad.; zwischen den bedürfnissen des gemüthes und den ergebnissen menschlicher wissenschaft ist ein alter, nie geschlichteter zwist Lotze mikrokosmus (1856) 1, V. prägnant als 'zweifel' (vgl. Verwijs-Verdam 8, 833):
da euer glaube doch ein immer armer zwist,
die kluge truckenheit (verschlagenheit) der weisheit richter ist
B. Neukirch ged. (1744) 150.
10)
bei objektivierter verwendung ergeben sich vereinzelt ansätze zu nebenbedeutungen, die von der sprache jedoch nicht weitergebildet werden. als 'streitfall': es liesse sich zwar über zweyen so berühmten helden schwer den ausschlag geben, und wäre disz ein berühmter zwist der Römer und Griechen; gleichwol aber hielte er unvorgreifflich den Julius, wo nicht höher, doch Alexandern auffs wenigste gleich Lohenstein Arminius (1689) 1, 134ᵇ. im sinne von 'differenzpunkt':
die nur von dir erzehlen hören,
sind eifrig über diesen zwist,
ob du wohl tieffer zu verehren,
als zärtlicher zu lieben bist.
Ch. Fr. Henrici ged. (1727) 3, 28;
ja herr ihr seids, den sie so innig liebte, an dem sie gar nichts störte als der glaube. — das war der einzige zwist, doch glaubte ich mit list sie zu bekehren. A. v. Arnim s. w. 6, 338 Grimm. als 'gegensatz, unterschied': gott habe das menschengeschlecht überhaupt zum herrn der erde und der tiere des feldes gesetzt: aber nicht die einen zu herrn und die anderen zu sclaven. das sei der zwist zwischen Kain und Abel Ranke s. w. 17, 19; die eidgenossenschaft im eigentlichen Samnium hatte sich zwar die sitten und die tapferkeit der väter ungeschmälert bewahrt, war aber auch darüber mit den übrigen samnitischen völker- und bürgerschaften völlig zerfallen, in der that war es dieser zwist zwischen den Samniten der ebene und den Samniten der gebirge, der die Römer über den Liris führte Mommsen röm. gesch. (²1856) 1, 328.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1385, Z. 49.

zwiste1, f.

¹zwiste, f.,
'eine knotige verdickte vereinigung zweier fäden' Knothe schles. ma. in Nordböhmen (1888) 557; 'knotige vereinigung zweier fäden, auch schles.' Blumer nordwestböhm. ma. (1929) 98; schon älter: zwiste, f., das kreuz, welches der leinweber aus dem garne beim scheren zur kette formt Voigtel wb. 3 (1795) 735ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1395, Z. 58.

zwiste2, f.

²zwiste, f.,
'eine maschine, vermittelst derer die durch spulen lose vereinigten baumwollfäden schärfer gedreht werden' Knothe schles. ma. in Nordböhmen (1888) 557; 'vorrichtung zum zwirnen des gespulten baumwollgarns' ders., Markersdorfer ma. (1895) 128. wie ¹zwiste zum folgenden verbum.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1395, Z. 64.

zwisten1, vb.

¹zwisten, vb.,
'zwei oder mehr fäden zusammendrehen'; ein hochdt. wort, das dem nd. fehlt, im nl. nur bei Kilian 'twisten, j. twijnen duplicare, retorquere, contorquere fila' bezeugt ist, im engl. dagegen als to twist (seit 1471 bezeugt) eine reiche entwicklung zeigt, vgl. Murray 10, 1, T 540. vor allem in ostmd. maa. lebend: zwisten zwirnen, doppeln, zwei oder mehr garnfäden auf dem spinnrade zusammendrehen Weinhold (1855) 110ᵇ; zwisten zusammendrehen, zerraufen Jungandreas zeitwortbildung 22; zwisten fäden zusammen drehen; so sagt man garn, seide zwisten Anton Oberlausitz (1844) 24; zwei garnfäden drehend vereinigen Blumer westböhm. ma. (1929) 98ᵇ; zwirnen, einzelne fäden zusammendrehen Pfister nachtr. zu Vilmar Kurhessen (1886) 348; zwei fäden zusammendrehen,spinnen, den zwirn zwist'n Lexer kärnt. wb. (1868) 268. vgl. auch den unter ²zwist gegebenen beleg aus A. Beier hdwerckslex. (Jena 1722) 502ᵇ und twisten bei Glafey (1928), s. sp. 1910. die literarischen belege zeigen eine weiterentwicklung der bedeutung zu 'flechten': wir nennen das heutige evangelium von rechts wegen ein zweyfaches geduppeltes evangelium ... denn es ist auch von zweyen vnterschiedenen vnd doch lieblich zusammenstimmenden evangelischen historien in einander gezwist, gefitzet vnd geflochten V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 828; folgends sollen die lauffer (läufer bei einem schachspiel mit lebenden figuren) mit welscher kleidung unterschieden seyn; die jungfrauen mit gezwisten haaren Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 2 (1657) 81.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1395, Z. 70.

zwisten2, vb.

²zwisten, vb.,
zu ⁴zwist, 'im zwist leben, sich zanken, streiten'; wenig und vornehmlich auf nd. boden bezeugt, wo das wort auch in den ans nl. grenzenden sprachlandschaften noch heute lebendig ist: twisten im zwist sein, sich zanken, procesz führen brem.-ns. wb. 5 (1771) 144; twisten zwisten, streiten, prozessiren Doornkaat-Koolman wb. d. ostfries. spr. 3, 457ᵇ; twisten Stürenburg ostfries. wb. 294ᵇ; twesten mit worten streiten Elberf. ma. 167ᵇ. lexikalisch zunächst im gleichen umkreis bezeugt: discrepare schelden, twisten (Deventer 1500) Diefenbach nov. gl. 137ᵇ; twisten dissideo, contraversor nd.-nl. glossen (um 1500) in: zs. f. dt. wortf. 15, 301. wie zwist taucht es in den hochdt. wbb. erst gegen ende des 17. jhs. auf: controversari sich zwisten Reyher thes. lat. (Gotha 1668) 1, 1453; zwisten differre, dissentire, dissidere, disputando certare, pugnare, altercari. sed rarum est in vulgari sermone Stieler stammb. (1691) 2662; zwisten, zwistelen contendere, contrastare, disputare, altercare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1501ᵇ. die literarischen belege entstammen fast ausschl. dem hd. schrifttum auf nd. boden: wir haben vns nun so viel jar hero mit einander gezwistet, dann mündlich, dann schriftlich, vnd haben noch kein mittel zur einigkeit finden mögen Schütz hist. rer. Pruss. (1592) Hh 3ᵃ (buch 4); (die pommerschen fürsten) sich guthwillig zun zeiten Friderici Barbarossae vnter das reich begeben vnd teutsche sitten angenommen, aber sich darüber dermassen gezwistet vnd getrennet haben, dasz das halbe Pommern von Mestowyn dem letzten fürsten in Hinterpommern an Polen gebracht ist Micraelius altes Pommerland (1640) 3, 304; denn sie sich unter einander, nämlich die hohen häupter ... lang um das obercommando gezankt und gezwistet haben (1648) urk. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 1, 300 Erdm.; eine der zweyen weiber ..., welche umb einen liebhaber sich gezwistet und aus rasender blindheit verzweifelt sind Lohenstein Arminius (1689) 2, 460ᵃ; was, wie und wann mit Rom Carthago hat gezwist Friebel heldenschreiben (Schweidnitz 1704) 225;
der freier, welcher nicht den geitzhals wolt' entrüsten,
verspricht ihm güldne berg', um mit ihm nicht zu zwisten,
verspricht ihm, was er heischt
J. Cats sinnreiche wercke (Hamburg 1710) 2, 122;
in mundartnahem schrifttum: er lächelte, zu höflich, um zu zwisten qu. a. d. j. 1927.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1396, Z. 24.

zwister1, m., nomen agentis

¹zwister, m., nomen agentis
zu ¹zwisten, 'fäden zusammendrehen, zwirnen', berufsbezeichnung in der textilindustrie, s. statistik des dt. reiches 202 (1909) 86*.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1396, Z. 68.

zwister2, m.

²zwister, m.,
'streitsüchtiger, zänkischer mensch'; mnl. twister, s. Verwijs-Verdam 8, 835; nur selten bezeugt: zwister contradictor, sectator litium, seminator discidiorum, discordiosus, discordialis, discrepans Stieler stammb. (1691) 2662; zwister contenditore, v. zäncker, haderer Kramer t.-ital. 2 (1702) 1501ᵇ; mundartlich: twister zwister, streiter, streitsüchtiger mensch, friedensstörer Doornkaat Koolman wb. d. ostfries. spr. 3, 457ᵇ. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1954), Bd. XVI (1954), Sp. 1396, Z. 71.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
zwischengericht zündknoten
Zitationshilfe
„zwist“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/zwist>, abgerufen am 25.11.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)