Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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ahn, m.

Fundstelle: Band 2, Spalte 74, Zeile 66 [Pfeifer]
AHN, ⁽Ä⁾hne, ehne, ähni m.   (1) herkunft und form. ahd. ano, mhd. ane, an, ene, mnd. āne gilt als altes lallwort, das z.b. parallelen in lat. anna ‘pflegemutter’, anus ‘altes weib’, grch. ἀννίς ‘mutter der mutter oder des vaters’, armen. han ‘großmutter’ hat und auf idg. *an- ‘bezeichnung für den männlichen oder weiblichen ahnen’ (Pokorny wb. 1,36) zurückgeführt wird.für die bisher nicht hinreichend erklärten umgelauteten formen wie mhd. ene, obd. (noch mdal. bair.-öst., schwäb., schweiz.) äni, eni, enne wird entweder eine ahd. form *anio vorausgesetzt (1DWB 1,192; schweiz. id. 1,248, jedoch ahd. wb. 1,532), oder es wird einfluß der flexionsendung (gen. dat. sg. anin) angenommen (Schmeller/F. bayer. wb. 1,85). auffassung als dimimutivum erwägen Weigand/H. wb. 51,29 und Paul/B. wb. 515a. (2) flexion. ahn ist ein schwach flektierendes mask., wird aber im 19. u. 20. jh. im sg. gelegentl. auch stark flektiert, vgl. z. b. gen. sg.: 1833 meines göttlichen ahns Börne 7,81 G. 1855 Freytag an Hirzel 25 D. ⟨1882⟩ C. F. Meyer 1,49 Z./Z. dat. sg.: 1804 so hat die alte sitte hier vom ahn/ zum enkel unverändert fort bestanden Schiller 14,318 G. ⟨1874⟩ meinem ahn Freytag (1886)9,57. 1887 Wilamowitz brw. (1935)290. 1933 Schröer bauernenkel 38. ⟨v1945⟩ Haushofer son. (1946)41. (3) bedeutung. in der schriftspr. hat sich bis zur gegenwart die älteste u. umfassendere bedeutungvorfahr’ erhalten, während ‘großvaterim wesentlichen auf das obd. beschränkt ist. der gebrauch im sinne vonurgroßvater’ ist selten (unter 2). 1 vorfahr (auch übertr.), häufig im pl., oft von adligen vorfahren: 863/71 want ira (der Maria) anon warun .. gotes drutthegana Otfrid I 11,27 E. ⟨1210/45⟩ unde ist doch von allen vieren anen ein gebûre Neidhart 91,15 H./ W. 1391/9 dat sy scolen syn echte geboren von oren vir anen berl. stadtb. (1883)103. 15.jh. so wirst nit witzig, went selbs gern wettist,/ und bist ein esel von din fier annen fastnachtsp. 2,844 LV. ⟨1524⟩ edellüt von iren vier änen Zwingli 3,424 E./F. 1551 daß er ein baur war von seinen vier enen Petrarca, zwei trostb. 41a. 1576 o Rein ../ dieweil du doch entspringst bey vns/ am Vogelberg bey den Luchtmannen, im Rheintzierland, von alten anen Fischart 1,141 DNL. ⟨1629⟩ der edlen ahnen zahl Opitz op. [1689]1,57. ⟨1631⟩ wer weiß von Sachsen nicht? wie ihre dapfer’ ahnen/ den ländern stunden vor Fleming ged. 1,110 LV. 1696 er hat seinen uhrstamm und adel von nichts, und nimmet seine ahnen von der mutter seite, von der .. finsternüß der erden Lüttichau pansophia 157. ⟨v1771⟩ das nenn ich einen edelmann!/ sein .. aelterahn/ war älter einen tag, als unser aller ahn Lessing 1,8 L./M. 1783 was das blindseyn an beyden augen betrift, so müßte er gar nichts vom großvater und aehni (ahnherr) geerbt haben, wenn er das nicht wäre Pestalozzi 2,277 B. ⟨v1797⟩ ich werde stiftsdame .. das ist ja das einzige, was unser eins von sechzehn ahnen hat Gotter nachlaß (1802) 326. 1812 bloß von dem ruhm ihrer ahnen zu zehren blieb den nachkommen nicht lange vergönnt Heeren ideen 3,1,126. 1831 das französische theater .., ein metier, das seine ahnen hat Goethe IV 48,227 W. ⟨1855⟩ ich bin von alter familie, sir, und mein erster ahn fiel bei Hastings Heyse [1924]I 3,30. 1898 das schloß seiner ahnen Schlaf in: lit. echo 1,35. 1938 ob die nachfahren einer tierart sich über das voll ausgebildete gestaltungsstadium des ahnen hinüber zu neuer formbildung entwickeln Conrad/M. ursprung 38. 1946 der diese stirn, dies kinn erschuf,/ von ahn zu ahn in tausend änderungen Hausmann füreinander 27. 1951 der ahne der mongolendynastie in Indien, Timur oder Tamerlan Oelszner Luxemburg 64. 1973 (port. Juden,) die .. sieben portugiesische ahnen nachzuweisen hatten Kunert bibl. 176. 2 großvater: ⟨v1022⟩ an dîen (den söhnen des Boethius) .. skînet tiu râtlichi iro fater. ioh iro anen (uel paterni uel auviti) geuuizzes Notker 1,1,90 ATB. ⟨u1120/30⟩ div sele fŭr ze genaden ze sinen enen Abrahamen milst. genesis 114 D. ⟨1240/50⟩ ein kuͤnc was mins anen an, / den nante man Tanchanysen Ulrich v. Türheim Rennewart 32784 DTM. 1299 mit allem dem reht als wir vnd vnser vatter Merchel. vnd vnser êne her. Marchwart haben gehabt corp. altdt. originalurk. 4,421 W. ⟨u1300⟩ da han ich, da mein ane verbarch,/ vier turne, dy sind hordes vol Heinrich v. Neustadt Apollonius 3909 DTM. 2.h15.jh. min vatter, min enny, min ureny dt. volksb. 100 LV. n1516 leut, dero anen und uranen vor langer zeit her auch im regiment gewest (Nürnb.)chr.dt.städte 11,791. 1669 mein (der verschwendung) ehrbarer herr aehne (der geiz) Grimmelshausen continuatio 15 Sch. 1732 sie besitzen alle geschriebene bücher von der bibel, die ihr ahne und vater nebst ihnen abgeschrieben Haller tgb. reisen 109 H. ⟨1840⟩ (Samuel:) Samuel dürstet. enkel, warum gehst du nicht, und holst ihm einen frischen trunk? (enkel:) ahn, der feind steht vor der stadt! Hebbel I 1,31 W. 1855 nicht das kleinste .. stück davon gibt er (bauer) gerne her, denn das alles hat ja der eni schon so gehabt Leoprechting Lechrain 217. 1932 dein ähne, mein vater, soll marter und pein nicht umsonst gelitten haben – zur warnung soll er es getan haben für enkel und urenkel Dörfler geschlecht 283. 1953 es macht mir freude, euch (meine enkel) noch ein paar zeilen lang auf die folter zu spannen, damit ihr ein wenig grund habt, über euern einfältigen ahn den kopf zu schütteln Strittmatter mauer 13. auch (schweiz.)urgroßvater 1516 min vater, grosfater vnd eni sind all gurtler gewesen in: E. E. Müller großvater, enkel (1979)27. 1541 proauus .. der aͤne: das ist des großvatters vatter Cholinus/F. dict. 697b. 1566 ob absturbe man oder frau, so weder kind noch kindskind meer hetten und aber anikli da werend, so söllend dieselben ire äni und anen erben in: schweiz. id. 1,247. 1728 die verwaltung .. auf den groß-vatter, oder da er auch nicht mehr im leben, auf den aeni fallen in: DRW 1,469. 3 schweiz. (mit umlaut), enkel: ⟨1448⟩ so sol ein yecklicher vatter sine kind erben, .. unnd sine äeny von sinen sünen zs. schweiz. recht 5,2,150. ⟨1536⟩ dz äny sollen erben ir anen ein theil ebd. 5,2,121. (undat.) das ein an ir enny nüt sol erben, als ein muotter ire kind och nüt erbt in: schweiz. id. 1,248.

agen, f.

Fundstelle: Band 2, Spalte 30, Zeile 76 [Huber]
AGEN, (kontrahiert) ahne f.,   auch age (als sg. zu dem als plur. aufgefaßten agen) u. vereinzelt ager. ahd. agana, mhd. agen(e), âne, aine, ae. egenu, engl. awn, an. ǫgn, aschwed. aghn, got. ahana (aus dem germ. entlehnt finn. akana), lat. agna halm der ähre, grch. ἄχνη spreu; zur wurzel idg. *ak̑-, *ok̑- ‘scharf, spitz, kantig’ mit n-formantien Pokorny et. wb. 1,18. nur noch mdal. allgemein verbreitet. s. auch achel u. äglein. 1 granne, spelze, spreu, abfall beim dreschen des getreides; öfters (gleichnishaft mit bezug auf Matth. 7,3 – 5, Luk. 6,41 f.) für lat. festuca (ahd. auch ‘ähre’, s. ahd. wb. 1,59) 9.jh. festuca agana ahd. gl. 1,721,19 S./S. 10.jh. arista agana ebd. 3,16,21. 10./11.jh. acus aceris agana ebd. 2,7,43. 12.jh. aristas aganu ebd. 2,688,29. ⟨E12.jh.⟩ du sehs .. in dines bruͦders ougen die agene und enbedenkis niht daz in dinen ougen ein michil tram ligt altdt. pred. 1,365 Sch. ⟨M13.jh.⟩ den vînden, die in selbe grôzen (seelen-)schaden tuont .. daz sie uns eine agene in den vuoz stechen dt. mystiker 1,330 P. ⟨u1370⟩ ich pin .. sam ein ager (lat. entsprechung: stipula) vor dem wint Johann v. Neumarkt 2,15 K. ⟨14.jh.⟩ festuca age ahd. gl. 3,557,40 S./S. ⟨v1475⟩ das der krieg nit wachß in neyd vnd haßs vnd werd aus ainer aͤgen ain trome Eyb sitten (1511)23b. 1712 weil er (agtstein) agen und hülsen oder spreu an sich ziehet und aufhebet Marperger naturlex 456. 2 abfallfragment bei der fasergewinnung aus flachs (hanf) v1347 swer har in diu stat pringet, oder in der stat derret oder pliwet oder swinget aus den agen stadtrecht Münch. 290 A. ⟨1458⟩ wan man ess (flachs) liebert, so sol ess so reyn sin, dass keyn agen daruss fallent weist. 2,22 G. 1510 ich woͤlt dir den flachs zerzayßt haben, vnd die kloͤtz vnd die aͤgnen darauß getzogen haben Geiler spinnerin a6c. 1558 da wöllen wir den schönen docken / die agen abschüttn von den rocken Sachs 3,67 LV. ⟨1619⟩ biß man jhn (flachs) .. bricht, schwinget vnnd etlich mal hechelt, daß das werck vnnd die ahnen sauber herauß kommen Garzoni, schawplatz (1641)563b. 1783 die scheven oder agen, die beym brechen und hecheln des hanfes und flachses abfallen F. Nicolai beschr. 1,379. 1846 sieht Talia eine spinnende alte vorübergehen, und beim ergreifen des rockens stößt sie sich eine agen unter den fingernagel J. Grimm kl. schr. 8(1890)196. 1876 agen, acheln, schäbe .. nennt man die beim brechen des flachses und hanfes abfallenden theilchen der holzsubstanz des stengels Karmarsch/H. techn. wb. 31,60. 1895/9 eisenbefestigte holzmesser .., welche in sehr rascher umdrehung auf die .. flachsstränge schlagen, die holzteile (agen, acheln) entfernen Lueger lex. d. technik 4,290.

ahne, f.

Fundstelle: Band 2, Spalte 79, Zeile 8 [Pfeifer]
AHNE f.   ahd. ana, mhd. ane. ‘großmutter’, seltener als ahn ‘großvater’, aber wie dieses vorwiegend obd.: 9./10.jh. auia ana ahd. gl. 3,424,11 S./S. 11.jh. (fidei .., quae et habitavit primum in) avia ana (tua Loide, et matre tua Eunice, 2. Tim. 1,5) ebd. 1,778,1. ⟨u1200/10⟩ daz er ../ sîner anen nam den magetuom Wolfram Parzival 7463,26 L./H. 1289 dev selbe gulte .. ist auch mich Margreten an gevallen. von meiner ane vrowen Margreten corp. altdt. originalurk. 2,447 W. 1361 sin muͦter, sin anna und sinne geswistergit thurg. urkb. (1917)6,161. 1427 gelt, .. wie dz von miner anen seligen oder minen fordren von .. erps wegen an mich komen ist d. geschichtsfreund 1(1844)342. ⟨1518⟩ da mogend kindskind, vatter und muter, ana vnd äny .. ainander in dem erbfal erben weist. 1,242 G. ⟨u1600⟩ ußgenommen ein großmuter oder anna mag nit erben rechtsqu. Zür. 1,1,45 H. u1700 von ihrer ana in: Fischer schwäb. wb. 1,191. 1764 der ähni sambt der ahnen in: Schmeller/F. bayer. wb. 1,85. ⟨1843⟩ da huschen sie (kleine enten) in ihrem bettle zusammen, wie ich (kleines mädchen) zu meiner ahne Auerbach (1857)1,239. ⟨1878⟩ (sie) ist hernach dann meine ahne worden Storm 5,98 K. ⟨1887⟩ denke, daß du in der einen (frau) drei weiber heiratest: .. ein weib und eine mutter und eine ahne Rosegger ges. w. 30(1922)45. 1920 meine mutter hatte neun (kinder); .. meine ahn sechzehn Wassermann wendekreis 1,68. urgroßmutter (schweiz.) 1566 ob absturbe man oder frau, so weder kind noch kindskind meer hetten und aber anikli da werend, da söllend dieselben ire äni und anen erben in: schweiz. id. 1,247. 1635 nicht allein gegen grossvätter und grossmütteren, sondern auch gegen ähny und ahna ebd. 1,248. ⟨1869⟩ (urenkel,) der nach Bern gereist kam, das grab der ahne zu besuchen Heyse [1924]II 4,81. 1897 die Furger-Vroni .. saß vor ihrer hütte ... aus der hütte trat die Helmine, der Vroni urenkelkind .. „gesegnete ruhe, aehne“ sagte sie .. und weckte die .. alte Zahn bergvolk 41. auch i.s.v.stammutter 1930 Paris, eine ahne der welt, eine der gebärerinnen der ökumene Benn 1,62 W.

⁽ä⁾hne, m.

Fundstelle: Band 2, Spalte 79, Zeile 46 [Pfeifer]
⁽Ä⁾HNE m.   s. ahn.

1ahnen, vb.

Fundstelle: Band 2, Spalte 79, Zeile 62 [Pfeifer]
1AHNEN, ahnden vb.   mhd. anen, mnd. ānen, ‘zukünftiges dunkel empfinden, voraussehen, -fühlen, eine vage vorstellung von etw. haben, etw. intuitiv erfassen, gefühlsmäßig vermuten’. abgeleitet von der präp. an. als ausgangsbedeutung ist anzunehmeneinen ankommen’. seit dem 13. jh. treten formen mit -d-einschub auf, die lautl. mit ahnden ‘tadeln, strafen’ zusammenfallen und wohl aus einer falschen auflösung von als verkürzt aufgefaßten formen wie mir (mich) ant(e), hat geant resultieren, zu denen die vermeintlich regelmäßigen formen andet(e), hat geandet und der infinitiv anden gebildet werden (ausführlich hierzu Moser in: zfmdaf. 14[1938]65 ff.). ahnden ist bes. häufig im 18. jh. (vorbereitet durch den regelmäßigen gebrauch bei Klopstock) und in der ersten hälfte des 19. jhs.; es tritt bereits nach der jh.-mitte stark zurück und ist im 20. jh. nur noch selten. schon Herder 16,372 f., 21,182 S., Campe wb. 1(1807)92b und Jean Paul( ⟨1813⟩ ahnen bedeutet voraus fühlen, ahnden strafen I 11,283 ak.) treten für eine deutliche unterscheidung der beiden verben ahnen und ahnden ein. 1 zuerst passivisch gedacht mit sachsubjekt und dat. oder akk. d. pers., seit dem 17. jh. zunehmend mit dat.: ⟨n1190⟩ mir anet harte groz leit Herbort 9592 F. ⟨u1210⟩ dirre man sî lebende oder tôt,/ mich andet sêre, daz er sî/ verborgen eteswâ hie bî Gottfried 9359 B. (hs. H u. W). ⟨u1300⟩ dar an wart im anende/ daz got in da waz manende Heinrich v. Hesler apokalypse 1635 DTM. u1480 ich weis nicht, was mich imer ant,/ mein herz ist mir ganz auff getrant egerer fronleichnamssp. 144 LV. u1500 es hat mich fürwar wol geandt,/ .. heynt in dem traum, da kam mir für,/ wie mich wolt fressn ein wildes thier fastnachtsp., nachlese 25 LV. ⟨1537⟩ hat mich das nicht geant? (nachschr.) Luther w. 46,547 W. 1560 ir zancken antet mich keins guten Sachs 7,146 LV. 1631 diß unglück ahnt mir auch. mein scepter tut sich beugen Fleming ged. 1,106 LV. 1672 dahero mir dann nichts guts anden wolte Grimmelshausen vogelnest I 55 Sch. ⟨1769⟩ es ahndete mir, daß ich euer gnaden hier antreffen würde Ayrenhoff (1803)3,21. ⟨1771⟩ „und dich ahndet bey dem hinschaun/ nicht von blendung?“ mich ahndet! Klopstock w. (1798) 1,315. 1787 mir ahndet/ ein unglücksvoller augenblick Schiller 5,2,158 G. 1842 als ob es mich geahndet hätte, daß ich dir dort nie wieder mit meinem fernrohr auflauern würde Droste-H. br. 2,33 Sch.K. ⟨1878⟩ mir ahnte freilich nicht, daß ich die antwort in nächster nähe .. hätte suchen sollen Storm 5,72 K. ⟨1903/4⟩ mir ahnt so etwas, als ob wir bald zurückkehrten Ratzel glücksinseln (1911)210. 1939 hat dichs geahnt in deinem guten herzen? Jahn Gleichen 88. 1963 (da) ahnt den frauen nichts gutes Hering frau 129. 2 aktivisch gedacht mit persönl. subjekt (und akk.-objekt), erst seit dem 18. jh. häufig: ⟨1349/50⟩ diu pein (biene) ant vor hin an ir nâtûr, ob der tag sanft well sein Konrad v. Megenberg b. d. natur 289 P. 1533/4 (d. weib) entpfünde, ante .. zuekünftige ding Turmair 4,1,112 ak. ⟨1658⟩ Dorenberg .. hatt gar nichts von der sach geandet Karl L. v. d. Pfalz schreiben 61 LV. 1674 avch wil der verstand das zukünfftige wissen, dahero looset man, ahnet .. man, sagt wahr Becher organum 439. ⟨1747⟩ seelenvolles,/ ahndendes auge des dichters Klopstock w. (1798)1,17. ⟨1782/7⟩ der schändliche verdacht, den sie ahnte, marterte ihre seele Musäus volksmärchen 2,30 M. 1788 daß sie (zwei menschen), ohne es zu ahnen, sehr nahe verwandt seyn konnten J. G. Müller Emmerich (1786)5/6,393. 1790 schaff .. mich zum wurme,/ der kaum sein daseyn ahndet, um Pfeffel poet. vers. (1789)3,105. ⟨1826⟩ es war ihr ganz bange .., als ahne sie irgend ein unglück Hauff 5,128 F. 1835 ihr brief .. hat mich nicht überrascht, ich ahndete seinen inhalt W. Grimm in: beziehungen z. Hessen 1,280 S. 1842 du mußt nach dem gespräche .. dieses so ziemlich wissen oder mindestens ahnden Droste- H. br. 2,31 Sch.K. 1846/7 was er dunkel geahnt hatte Weerth 2,223 K. 1851 umringen sie den nichts ahnenden kutscher, nehmen ihm die geschmuggelten sachen ab Reuter br. 331 W. ⟨1876⟩ mit nie geahnter gewalt in: arbeitertheater 163 K./M. ⟨1878⟩ erstaunt ahnte er in diesen kleinen proben einen von hundert andern singern unterschiedenen geist Keller (1889)6,98. ⟨1898⟩ diese mitteilung, die ich nur so obenhin mit anhörte, nicht ahnend, welche bedeutung gerade sie für mich gewinnen sollte Fontane (1919) II 2,344 jub. 1900 (‘undeutl. sehen’) nur zu ahnen sind die berge (im dunst) Viebig weiberdorf 267. 1905 situationen, die sich auch nicht von ferne ahnen lassen Storch wege 57. 1922 das habe ich schon lange geahnt Inglin welt 73. 1940 daß wir ihn (gott) ahnden, ist unser urstand./ daß wir ihn wissen werden,/ ist unsere unsterblichkeit Claudius zuhause 134. 1964 du ahnst es nicht (‘es ist nicht auszudenken’) WDG 1,98a. 1965 „das konnte ich nicht ahnen“, erwiderte ich, „aber nun weiß ich bescheid“ Löffler kreppsohlen 61. 1972 als ob sie ahnte, was ihr bevorstand Strittmatter nachtigall 38. auch subst.: 1605 ein guter name ein gutes ahnen Petri weissheit V4b. ⟨1854⟩ es zog mir durch die seel’ ein/ süß geheimnisvolles ahnen Scheffel 5,16 P. vereinzelt refl.: 1807 die vernunft ahnt sich als ein tieferes wesen Hegel phänomenol. 184 H. 1842 dachte .. an einzelne schöne stunden meiner jugend, wo der geist sich zuerst selbst ahnte Hebbel II 2,153 W. 1924 in solchen nächten ahnt sich das genie Holz blechschmiede 1,173.

2ahnen, vb.

Fundstelle: Band 2, Spalte 81, Zeile 8 [Pfeifer]
2AHNEN vb.   s. ahnden.

3ahnen, vb.

Fundstelle: Band 2, Spalte 81, Zeile 8 [Pfeifer]
3AHNEN vb.   jmdm. (einer sache) nachgeraten, zu ahn gebildet: n1566 man wust wol, wess das kündt was und wem es ahnet zimmer. chr. 23,148 B. 1620 denn man weiß, daß der vater bös, gleich sich auch die kinder zu ahnen pflegen schausp. engl. komödianten 41 T. 1677 der in sahmens-gefässern enthaltener safft .. welcher auch nach der durch die lunge empfangenen lufft sich artet und ahnet Butschky Pathmos 428.

ähnen, vb.

Fundstelle: Band 2, Spalte 81, Zeile 17 [Pfeifer]
ÄHNEN vb.   ähnlich sein, von ähn- (vgl. ähneln) abgeleitet: 1807 er ähnt dem menschenhaupt aufs haar Werner Luther (Berl.) 162. 1902 und ähn’ ich so dem tiere mehr – wohlan! G. Hauptmann d. arme Heinrich 63. ⟨1925⟩ es (kind) ähnt dir sehr, Elisabeth. nur das haar ist von ihm Wiechert schwingen (1940)196. 1939 ein ei ähnt dem andre Ziesemer preuß. wb. 1,101b.

angen, vb.

Fundstelle: Band 2, Spalte 960, Zeile 50 [Petermann]
ANGEN vb.   ahd. angên, mhd. angen, abl. v. ahd. ango, mhd. ange ‘bedrückt, angstvoll, quälend’, adv. zu ahd. engi, mhd. enge (s. eng). in nhd. zeit nur noch vereinzelt bezeugt, bes. mdal. 1 intrans. u. refl., bange sein, sich ängstigen: 8.jh. dum anxiaretur thane anget (cor meum, ps. 60,3), ahd. gl. 1,113,20 S./S. (vgl. ahd. wb. 1,519). ⟨u1340⟩ vor windes schuͦr / dorft sie (burg) ir wenig angen minneburg 109 DTM. 1901 haͦ angt und bangt in fiebertroom in: Müller-F. wb. obs. mdaa. 1(1911)21b. 1927 he angt un bangt sik Mensing schlesw.- holst. wb. 1,124. unpersönl. gebraucht (mit dat. der person) 10.jh. coartor mir anget (1. reg. 28,15), ahd. gl. 1,405,29 S./S. (vgl. ahd. wb. 1,519). ⟨1301/19⟩ dem kunic darab angt Ottokar öst. reimchr. 9037 MGH. trans., bedrängen, ängstigen: ⟨u1210⟩ waz anget liebe gernden muot / so sere, so der zwivel tuot Gottfried 413779 R. ⟨1391⟩ sael sie (witwe) Fritz egnanter .. schutzen und schirmen und darbie loissen sitzen (auf dem schloß) ungedruncklichen und unbezwoncklichen noch angen noch drangen in keine wise, an argelist hess. urkb. II 4,505 R. 1691 angen est verbum poëticum contristare, afficere taedio, affligere, .. i.e. angst machen Stieler stammbaum 380. 2 jmd., unpersönl. jmdn. angt (und bangt) nach etwas, jmdm. jmd. verlangt schmerzlich, sehnsüchtig nach etwas, jmdm.: 1783 unterdeßen angt mich doch nach guten nachrichten von ihnen und ihrem hause Hamann brw. 5,86 Z./H. 1868 der sterbende hat sehr nach seinem bruder geangt Vilmar id. Kurhessen 12. ⟨1888⟩ hast du denn keine ahnung, wie ich nach dir geangt und gebangt habe das ganze jahr? Wildenbruch ausgew. w. (1919)3,41.

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Zitationshilfe
„ähnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/%C3%A4hnen>, abgerufen am 04.12.2020.

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