Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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ähre, f.

Fundstelle: Band 2, Spalte 94, Zeile 70 [Braun]
ÄHRE f. (n.)   (1) herkunft u. form. ahd. ehir, ahar, ahir, mhd. eher, as. ehir, mnd. ār, āre, mnl. aer, nl. aar, afrs. ār, ae. ear, æhher, engl. ear, got. ahs, an. ax führen ebenso wie achel ‘getreidegranne’ und ahorn (s. d.) zusammen mit lat. acus ‘granne, spreu’ und grch. ἀκοστή ‘gerste’, eigentl. ‘die grannige’, auf die idg. wz. *ak̑- ‘scharf, spitz’. dem alten neutralen s-stamm, wie es sich im got. und anord. zeigt und der dem lat. acus unmittelbar zu vergleichen ist, entsprechen mit lautgesetzlichem wechsel, r für stimmhaftes s, die formen der übrigen germ. sprachen. die entwicklung der heutigen form geht vom obd. aus, alem. und bair. ahir, ostfrk. bereits früh ehir (Tatian). doch halten sich umlautlose formen auch obd. bis in mhd. und frnhd. zeit. im mhd. überwiegt eher, seit dem 16. jh. taucht neben äher die heute geltende normalform, mit verstummtem h und ä als umlautzeichen, auf, die seit anfang des 18. jhs., wohl in bewußter abgrenzung von ehre, konsequent verwendet wird. vereinzelte abweichungen hiervon sind auf mundartl. oder landschaftl. besonderheiten zurückzuführen. (2) genus. im ahd. u. mhd. durchweg neutr., erscheinen erste eindeutige belege für das fem. erst im 16. jh., so bei Luther (s.u. 1). Alberus dict. (1540) tt 1b führt das aͤher an, ebenso die wbb. bis ins 17. jh.; spät noch schweiz.: 1783 das aehre ..; von einem .. aehre Pestalozzi 2,241 B. das fem. ist offensichtlich neu zu dem im sprachgebrauch vorherrschenden plur. die ähern, die äh(e)ren gebildet worden. 1 blüten- u. fruchtstand einiger getreidearten, bes. der gerste und des roggens, die lange grannen haben, auch des weizens, dessen blüten- und fruchtstand landschaftlich jedoch z.t. kolben genannt wird (s. kolbe II 6 c 1DWB); s.a. die zuss. gersten-, korn-, roggen-, weizenähre: 8.jh. culmis gillionis id est stramen spicarum .. ahiero daz kistrauui speltono ahd. gl. 1,65,40 S./S. u810 mit thiu ther heilant fuor ubar sati, ababrachun hungerente sine iungiron thiu ehir Tatian 268,1 S. 12.jh. spica vel arista êher, eher ahd. gl. 3,111,38 S./S. 1287 er sol der eher brechen. vnd sol si zerriben mit der hant. vnd esse dez kornes. ob in hungert schwabenspiegel 95b L. ⟨z.j.1406⟩ do waren an sant Jörgen tag alliu echer an dem korn völliclich heruz komen (Augsb.)chr. dt. städte 4,74. 1522 die junger Christi, als sy am sabath die aͤher abbrochen Zwingli freiheit 14 HND. 1526 wie gehet das zu, das der halm aus der erden wechst aus einem einigen korn und so viel koͤrnlin auff der ehrn tregt Luther w. 19,488 W. 1528 als wenn einer ehern lese ym tal Rephaim ebd., bibel 11,1,64. 1551 wann die samen anfahen in die ähren zusteigen Herr/R. feldbaw 59a. 1567 ein seir groisser wint .., der den weiss, so vernoitreift war, uis den aren gesclagen hat in: Wrede altköln. sprachschatz 83b. 1615 es solle hinfüro niemand nachsamblen .., von den garben die ehren weder schneiden noch reißen württ. ländl. rechtsqu. 2,446 W. 1628 ahren ausgerauft am sabatt Lubenau reisen 2,336 S. 1653 abschneidung der vnzeitigen ähre Chemnitz schwed. krieg (1648)2,484b. 1703 man findet .. auff andern aeckern welchen (reis) in aehren schiessen Bohse frühlings-früchte 400. 1750 der weitzen, rocken, gersten und dinckel tragen aehren, an denselben zeiget sich anfänglich in 2. oder 4. reihen, die blüthe, und hernach die frucht Chomel, lex. 1,212. ⟨1794⟩ die bien’ hat ihren stachel,/ die ähre spizt die achel Voss ged. (1802)5,97. ⟨1822⟩ es fallen männer / wie reife aehren heute – im beruf Immermann 16,32 B. ⟨1875⟩ die ähren auf dem felde gucken schon ein wenig aus den grünen hülsen hervor Rosegger ges. w. 1(Leipz.o.j.)69. 1928 daß aus einem weizenkorn schließlich ein langer knotiger halm herauskomme mit einer ähre und wer weiß wievielen weizenkörnern A. Zweig streit 441. 1965 heimat, .. auf deren äckern die halme ihre schweren ähren neigten Hering bild 346. bildl. u. in redensarten: 1863 wo ein oberflächlicher beschauer des kindeslebens „taube aehren“ und „leeres stroh“ präsumirt, da findet der tiefer schauende seelenkundige oft fruchtverheißende keime und würzlein schulbl. Brandenb. 28,437. 1867 hundert taube aehren können keinen sperling nähren Wander sprichw.-lex. 1,42. je hohler die aehre, desto höher die nase ebd. 2 blüten- u. fruchtstand unterschiedlicher pflanzen, vorwiegend als ausdruck der botanik: u1060 also diu cacumina foliorum nardi sih zebrêitent in aher (per aristas) Williram 69,14 S. 1572 sein (eines krautes) aͤher wirt braunfarb mit einer blawen vermischt Thurneysser Pison 279. 1719 fuchs-kraut .. wächst auf einem langen, grünen stengel, bekommt oben eine ahre von bleygelber farbe Fleming jäger 1,9a. 1859 liegen diklinische blumen dicht beisammen, etwa bei carex, so, daß der eine theil einer aehre männlich, der andere weiblich ist, so ist letztere androgynisch Ratzeburg standortsgewächse 29. 1939 daß eisenkraut, lolch, löwenmaul, maulbeere, schilf, spinat, teufelskralle, wegerich und wachtelweizen ähren im sinn der botanik tragen, ist immer nur für enge kreise der wissenschaft und schule wichtig Trübners dt. wb. 1,59b. 1947 ihre (heimischer orchideen) prächtigen samtartigen blüten stehen nicht in dichter ähre übereinander wie bei den knabenkräutern Orion 25b L. 3 bezeichnung eines sterns im sternbild der jungfrau, für lat. spica virginis 1638 (ein stern) der ersten grösse ist die ahr der jungfrawen Comenius janua 43. 1722 der stern im schwantze des löwens .. und der in der aehre der jungfrauen, welchen man die aehre der jungfrauen heisset Ch. Wolff vers. (1721)2,467. 1757 spica virginis, oder die aehre der jungfrau, ist ein stern von der ersten grösse in der aehre, welche die jungfrau in der hand hat Chomel, lex. 8,1419. 1856 Mozin wb. 3,52c.

ähren, vb.

Fundstelle: Band 2, Spalte 96, Zeile 15 [Braun]
ÄHREN vb.   mhd. eheren, aren; vgl. geährt 1DWB 4,1,1,1631. 1 die nach der ernte zurückgebliebenen ähren aufsammeln (hist. als recht armer leute) 1334 kindere und kranken luide aren (zu lassen) in: Wrede altköln. sprachschatz 83b. 1379 nimant sal des jars stupfeln, nach ehern, wedder in wingarten nach uff dem felde .., es si dann alles obes und frucht abe obrhein. stadtrechte I 315. 1615 es solle hinfüro niemand nachsamblen oder ehren in ainichen acker nit gehn württ. ländl. rechtsqu. 2,446 W. 1789 daß sich niemand unterstehen solle, weder auf eigenen noch fremden aeckern zu ähren, solang die .. zehendgarben noch auf dem acker zugegen sind ebd. 2,552. A19.jh. das niemande .. sich unterstehen sollen, auf den felderen oder äckern zu echeren, ehe- und zuvor der zehendherr und paumann sein korn ab den felderen gar abgeführt hat öst. weist. 3,2. noch verbreitet mdal. 2 refl. ähren ausbilden, in ähren schießen: 1678 das korn ähret sich il grano facesto, si spica Kramer dict. 50a. 1774 in Oberdeutschland sagt man, sich ähren, von dem getreide, wenn es ähren bekommt, oder in die ähren schießt Adelung wb. 1,166. 1856 Mozin wb. 3,52c.

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Zitationshilfe
„ähren“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/%C3%A4hren>, abgerufen am 04.12.2020.

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