Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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ärmel, m.

Fundstelle: Band 3, Spalte 274, Zeile 20 [Scheider]
ÄRMEL m.   obd. (noch mdal.) auch erbel. ahd. armilo, mhd. mnd. ermel, ae. earmella. zugehörigkeitsbildung zu arm m. (vgl. Meid/K. germ. spr.-wiss. 3 [1967]88). vereinzelt f.: 1673 in der ermel Schottel bellum 35. das ahd. schwach flektierende wort ist mhd. zur starken flexion übergegangen; noch gelegentl. schwach flektierend: ⟨u1300⟩ ir ermeln hl. Elisabeth 1990 LV. 1844 Lips .. (streckt sich die ärmeln auf) Nestroy 12,309 B./R. ⟨1888⟩ auf die ärmeln Rosegger ges. w. 12(1925)41. 1 armreif, armband: 10.jh. (Judith 10,3: [Judith] assumpsit ..) dextraliola ârmilon (.. et omnibus ornamentis suis ornavit se), ahd. gl. 1,486,10 S./S. (vgl. ahd. wb. 1,654). ⟨1517⟩ hoc spinter ‘geschmuckter armel’ genus armillae Turmair 1,389 ak. 1569 ich wil dich zieren mit zierd, vnd wil geben ermel vber dein hand, vnn ein ketten an dein halß Reiszner Iervsalem (1563)3,70b. 2 teil der bekleidung, mit dem der arm vollständig oder teilweise bedeckt wird: 11./12.jh. (wohl hierher:) managa (l.: manica) armilo ahd. gl. 3,651,22 S./S. (vgl. ahd. wb. 1,655). ⟨1187/9⟩ die ermil enge und nicht wit Heinrich v. Veldeke Eneide 1705 DTM. 1283 ein rok svnder ermelen corp. altdt. originalurk. 2,36 W. ⟨1359⟩ si tragnt hemd an von leinwat, .. vnd sind daran weit ermel Steckel reise 49 TSM. 1494 es muͦsz sin lündsch, vnd mechelsch kleit / .. vnd vff dem ermel eyn gouchs byld Brant narrenschiff 79b Z. 1531 zoch er den tollych aus seinem erbl und stach den khaiser von un̄den auf sein herz ab Curipeschitz itinerarium 49 L.-Sch. ⟨1554/62⟩ ein diepoe, der ist gemacht vonn paumwol, so groß als ein hemet, hat aber keinen erbel Schmidel Süd-Amerika 94 LV. ⟨1672⟩ er dürffte kein wammes vier wochen anziehen, so wären die ermel durch gebohrt Weise erznarren 92 HND. 1741 so zohe mich ein nahe bey mir stehender mensch bey dem ermel Lindenborn Diogenes (1740)2,228. 1900 (bildl.:) die progressisten der gruppe Isembère streifen schon mit dem ärmel die schutztruppen Mélines Luxemburg (1970)1,2,39. 1995 die kurzen ärmel ihrer blusen I. Schulze augenblicke 33. übertr. in festen wendungen. etwas aus dem ärmel, den ärmeln schütteln, (selten) schütten ‘etwas rasch, ohne probleme hervorbringen’; ausgehend von der frühen nutzung weiter ärmel als taschen, s. o. 1531 : 1522 ich bin ein landszprediger, ich kan ein predig vsz einem ermel schütlen Pauli schimpf 267 LV. 1611 er .. solt ein vrtheil sprechen. er sprach: „das lest sich nicht also auß dem ermel schütten, jhr müsset noch ein weil hie bleiben ..“ Helvicus jüd. hist. 1,164. ⟨1797⟩ ihr glaubt wohl, daß man den guten rath nur so aus den aermeln schüttelt? Tieck (1828)5,15. ⟨1867⟩ glauben sie denn, daß ich das geld aus den aermeln schüttele? Spielhagen s. rom. (1895)7,491. ⟨1976⟩ bei geringem nachdenken das folgende Sarah-gedicht ausm ärmel schütteln Hacks maßgaben (1978)274. – (be)stehen wie der pelz auf seinen ärmeln u. ä.nicht fest stehen, unsicher sein1525 die geltluginen (lügen betreffend abgaben) .. bestond aber glych als der beltz uff sinen ermlen, so man sy recht ersuͦcht Zwingli 3,481 E./F. ⟨1560⟩ wie ein beltz auff sein ermeln steht er Sachs 20,115 LV. 1575 (die Franzosen) bestehen wie ein beltz auff seinen aͤrmeln. darumb haben sie auch die allerweissest .. vnnd hinfelligest plum die lilg zu eym zeychen im wapen Fischart geschichtklitterung 194 HND. – jmdm. etwas auf den ärmel binden, biegen ‘jmdm. etwas weismachen1664 warum lest du dir auch nicht auf die armel biegen, / .. daß die pferde fliegen? Rachel ged. 34 HND. 1695 daß diejenige, welche .. ihm dergleichen novellen auf den ermel binden, vor .. betrieger zu schätzen seyn Stieler zeitungs lust 461. –(noch) einen trumpf im ärmel haben u. ä. ‘in der lage sein, die eigene position noch zu stärken; ausgehend vom kartenspiel: 1908 ich bin nie sicher, daß er nicht eine trumpfkarte im ärmel für alle fälle hat Holstein papiere 4,479 F. 1996 doch die konservativen haben noch einen trumpf im ärmel spiegel 44,173. – die ärmel hochkrempeln ‘große anstrengungen unternehmen(vgl. eigentl.: u1477 dry pfenning .. als der zoller die mit gewalt von im ryßen wolt, stellet er sich ze wer und straiffet syne ermel hinder sich und rüstet sich Steinhöwel Äsop 316 LV.): 1959 am wichtigsten ist jedoch, daß nun jeder einzelne selbst die ärmel hochkrempelt berl. ztg. (12.4.)1. 1996 „daß man in der DDR in mammutsitzungen philosophiert und dogmatik betreibt“, anstatt die ärmel hochzukrempeln und die neue, bessere gesellschaft aufzubauen spiegel 10,64. – etwas aus dem ärmel zaubern ‘überraschend hervorbringen1996 eine gegenregierung wurde aus dem ärmel gezaubert spiegel 4,110.

ärmel, n.

Fundstelle: Band 3, Spalte 275, Zeile 14 [Scheider]
ÄRMEL n.   mhd. ermel. dim. zu arm m. 1 a. vgl. ärmlein. kleiner, zierlicher arm: ⟨v1287⟩ swenn ich bin entslâfen, / sô hab ich trôst unde wunne von ir: / ir ermel blôz die schouw ich nâch dem willen mîn Schenk v. Limburg II 2,3 K. ⟨1349/50⟩ des hagdorns sâm .. ist den kinden guot, diu ir ärmel oben verlaidigt habent an der wegung Konrad v. Megenberg b. d. natur 316 P. 1432/8 die guldin spangen / vor an den ermeln zart Oswald v. Wolkenstein 379,2,2 ATB.

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Zitationshilfe
„ärmel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/%C3%A4rmel>, abgerufen am 04.12.2020.

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