Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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aller-.

Fundstelle: Band 2, Spalte 344, Zeile 46 [Pfeifer]
ALLER-. ursprüngl. gen. plur. (selten sing., s. z.b. allerschlacht) von all indef.pron., der (1) als erstes glied in zusammenrückungen mit substantiven indefinitpronomen (1 a) und adverbien (1 b) bildet. die anfangs deutlich auf den gen. plur. weisende endung des substantivischen gliedes (s. allerhand u. vgl. z.b. mhd. allerdinge) kann in späterer zeit durch adverbiales -s ersetzt werden (frnhd. allerdings); neuerungen können gleich mit adverbialem -s gebildet sein (s. allerorts. aller- im gen. plur. mit substantiven liegt auch vor in den unter 1 c genannten bezeichnungen für kirchenfeste. hauptsächlich jedoch (2) tritt aller- bedeutungsverstärkend vor im superlativ stehende adjektive (2 a) und, allerdings weit seltener, vor superlativische adverbien (2 b). nur vereinzelt wird es auch zu positiven gestellt, vgl.: allereinzig adj.: 1803 mir zu verzeihen/ meine allereinzge lüge Herder 28,510 S. 1811 du (Marie v. Kleist) bist die allereinzige auf erden .., die ich jenseits wieder zu sehen wünsche Kleist 5,433 Sch.; allermitleidend part. adj.: 1710 das allermitleidende landes-vätterliche hertze des kaysers Köhler schles. kern-chr. 1,409. 1 aller- ‘jeder’, plur. ‘sämtliche(vgl. all indef.pron. A 2 und B). a indefinitpronomen bildend (ahd. und mhd., danach kaum neubildungen aber s. allerart):-art; -hand; -künne; -lei; -mann; -männiglich; -schlacht. b adverbien bildend (seit mhd. zeit, neubildungen noch im 19., dichterisch im 20. jh.)-dings (älter-dinge); -ecken: 1841 er .. wanderte .. der stadt zu, wo die polizeidiener .. schon allerecken .. lauerten archival. forsch. arbeiterbewegung 5,1,141 S.;-enden; -landen: ⟨1956⟩ erinnre dich! du weißt jetzt allerlanden:/ wer treu ist, wird im frühlicht heimgeführt Bachmann ged. (1966)40;-orten; -orts; -seits; -wärts; -wege(n); -weil; -zeiten: ⟨1880⟩ allerorten und allerzeiten Anzengruber 35,179 B. c bezeichnungen für kirchenfeste:-heiligen(abend, -fest, -tag); -seelen(fest, -tag). 2 bildungen mit verstärkendem aller- drücken die höchste quantität oder qualität der jeweiligen bedeutung des grundwortes im verhältnis zu allem vergleichbaren aus. der bildungstyp ist heute noch produktiv. die beleglage erlaubt jedoch keine lückenlose darstellung der einzelnen bildungen. a verstärkendes aller- bei superlativischen adjektiven, seit ahd. zeit produktiv. prinzipiell kann sich jedes superlativische adjektiv mit aller- verbinden (vgl. dazu auch z.b. die in 1DWB, Reichel Gottsched-wb. u. GWB verzeichneten bildungen, unter ihnen zahlreiche ad-hoc-bildungen ohne bezeugungskontinuität)-achtbarst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 25,19 H./J.;-allgemeinst; -alltäglichst: ⟨1840⟩ Arndt 1,300 R./M. ⟨1974⟩ Fühmann erfahrungen (1975)176; -ältest; -andächtigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 299 Sch.;-angelegentlichst: 1852 Hebbel III 4,376 W.;-angenehmst -anständigst: 1772 Lessing 2,445 L./M.;-ärgerlichst: ⟨1534⟩ (nachschr.) Luther w. 37,401 W. 1864 Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,173;-ärgst; -ärmst; -artlichst: 1669 die aller-artlichste oder visierlichste narren Grimmelshausen Simplicissimus 130 Sch.; -aufrichtigst: 1707 Elisabeth Ch. v. Orleans br. 2,21 LV. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,46a;-äußerlichst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,133. 1911 Foerster schuld 58;-äußerst; -baldigst: 1807 Werner br. 2,83 F. 1847 Hebbel II 3,175 W.;-bangst: ⟨v1918⟩ Rosegger ges. w. 30(1922)108;-barmherzigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 1,205 H./J.;-bequemst; -beschwerlichst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,56b. ⟨1742⟩ Rabener s. schr. (1777)1,206; -best; -beständigst; -beständlichst beständigst, dauerhaftest: 1530 in der alre bestentlichster wyse in: Wrede altköln. sprachschatz 97b. 1544 ebd.;-beweglichst; -bewundernswürdigst: 1798 athenaeum 1,58 faks.;-billigst; -bitterst; -bösartigst: 1777 L. Mozart br. 1,311 Sch. 1847 Hebbel III 4,92 W.;-bösest; -boshaftest: 1744 Gottsched Leibniz, theodicee 148. 1755 Lessing 2,85 L./M.;-bündigst; -christlichst; -demütigst; -demütlichst: ⟨1481/2⟩ bidden .. so wir allerdiemietlichste .. kunnen (Köln) chr. dt. städte 14,929. 1499 in: Wrede altköln. sprachschatz 97b;-deutlichst -dickst 2;-dienlichst: 1522 in: Luther brw. 12,32 W. 1653 Chemnitz schwed. krieg (1648)2,765b;-dringlichst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,39. 1987 eine allerdringlichste versammlung Hacks Liebkind 21;-dümmst; -dunkelst: 1727 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,106a. ⟨1839⟩ Tieck (1828)26,420; -durchlauchtigst; -dürftigst: 1832 Hebbel III 8,2 W. 1967 Seghers blau 26;-echtest: ⟨1839⟩ Tieck (1828)26,372;-edelst; -ehrerbietigst: 1750 Klopstock br. 40 L.;-eifrigst: 1741 wurden sie die allereifrigsten, den Aurelian zu verehren Gottsched Bayle, wb. 1,406a. 1873 Kudlich rückblicke 1,162;-eigenst; -eigentlichst: 1744 in dem allereigentlichsten verstande Gottsched Bayle, wb. 4,609. 1774 Hamann 3,125 N.;-einfachst; -einfältigst; -ekelhaftest: 1844 Schopenhauer 3,92 H.;-elendest; -empfindlichst; -engst: 1874 Treitschke br. 3,2,401 C. 1902 Siebs entwicklung 68;-ernstest: ⟨v1918⟩ Rosegger 30(1922)104;-erschrecklichst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 67 Sch. 1705 J. Meier Smyrna 685;-ersprießlichst: ⟨1731⟩ die allerersprießlichsten dienste Gottsched Cato, in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,108b. 1898 Kainz br. 174 N.;-erste; -ewigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 457 Sch.;-famosest: 1786 das allerfamöseste pasquill J. G. Müller Emmerich 1/2,33;-fatalst: ⟨1841⟩ Tieck (1828)26,492; -feindst: ⟨1541⟩ (die Römer) solten die von Carthago, die jnen vorzeiten am allerfeindsten gewesen, mit aller macht vertilcken Boner Plutarch (1555)1,226a;-feinst; -fernst; -festlichst: 1451 in: Wrede altköln. sprachschatz 98a;-fettest: 1843 junge generation 78 faks.;-finsterst: ⟨1823⟩ Tieck (1828)17,236;-flachst: 1790 Gottsched war ein pedant, von der allerflachsten .. art in: Zimmermann fragm. 1,184;-fleißigst; -förderlichst: ⟨1525⟩ alle .. beschwerden .. zum allerfürderlichsten zuͦ erörtern chr. bamb. 2,24 Ch.; -freundlichst; -freundschaftlichst: 1844 Hebbel III 3,123 W.; -fröhlichst: 1472 Eyb dt. schr. 1,57 H.;-frömmst; -fruchtbarst: 1741 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,110a. 1864 eine der allerfruchtbarsten und erfolgreichsten thaten Lessing’s Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,525;-frühest; -füglichst; -funkelnagelneuest: 1826 Hauff 5,8 F.;-fürchterlichst: 1844 Hebbel III 3,47 W.;-furchtsamst: 1374 unser allervorchtsamist (‘gefürchtetster’ ) vnd genedigister herre in: Hintner beitr. z. dt. wb. (1907)2b. 1750 bey der allerfurchtsamsten (‘scheuesten’) .. liebe ist noch einige hofnung, einmal geliebt zu werden Klopstock br. 40 L.;-garstigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 108 Sch.;-geduldigst: 1663 Pallavicino, außerles. w. 544. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,245; -gefährlichst; -geheimst; -gehorsamst: 1584 ohn alles wider reden auffs aller gehorsamist Ferdinand II. v. Tirol speculum 28 HND. 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 253 Sch.;-geistreichst: 1669 die aller-geistreichste .. theologi Grimmelshausen Simplicissimus 216 Sch.;-gemeinst; -gemütlichst: v1888 Storm brw. 100 T.; -genauest; -geringst; -geschwindest: 1546 (nachschr.) Luther w. 51,143 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,647a;-getreuest; -gewaltigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 29 H. ⟨1883⟩ Heyse [1924] I 4,394;-gewissest; -gewöhnlichst; -gleichest: 1349 (Straßb.) chr. dt. städte 9,936. 1452 strassb. zunft-verordn. 374 B.; -glückseligst; -gnädigst; -gottlosest; -grauen-haftest: ⟨1864⟩ Storm 2,292 K.;-grausamst; -greulichst; -grimmigst: 1670 Zesen in: dt. lit. 3,385 K. 1705 J. Meier Smyrna 644.;-gröbst; -großmächtigst: ⟨v1605⟩ Ayrer d. ä. 2,929 LV;-größt; -günstigst -gütigst; -härtest; -heftigst; -heiligst; -heilsamst: 1522 Luther w. 8,490 W. ⟨1725⟩ Gottsched in: Reichel Gottschedwb. (1909)1,114b;-heimlichst; -hellst; -herzlichst; -hinterst: ⟨1554/62⟩ Schmidel Süd-Amerika 113 LV;-höchst; -holdseligst; -hübschest; -huldreichst; -hurtigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 161 Sch. 1708 Walther praecepta 41 B.;-innerst; -irdischst: ⟨1905⟩ Kröger nov. (1914)1,256;-jämmerlichst: 1905 Storch wege 198;-jüngst; -kältest; -katholischst: 1868 Reuter br. 716 W. 1893 Fontane (1919)II 5,338 jub.;-ketzerischst: ⟨1531⟩ den (Apelles) heyßt Theodotion den aller ketzeristen ketzer Franck zeitb. (1536)2,94b;-keuschest; -kläglichst; -klarst; -kleinst; -klügst; -kostbarst; -köstlichst; -kraftlosest: ⟨1538⟩ Luther tischreden 4,46 W.;-kühnst; -kunstreichst: 1533/4 Aristoteles, der allerkunstreichist haid Turmair 4,2,626 ak.;-kürzest -lächerlichst; -langsamst: 1708 Walther praecepta 41 B.; -längst; -langweiligst: ⟨v1825⟩ Jean Paul in: W. Hoffmann wb. (1861)1,111a. 1985 Hacks binsen 75;-lebendigst: 1910 G. Hauptmann Quint 209;-leichtest; -leichtsinnigst: 1864 Raabe 6,223 H.;-letzt; -lieblichst; -liebseligst: ⟨v1660⟩ allerliebseeligstes hertze (anrede) Czepko geistl. schr. 172 M.;-liebst; -liederlichst: 1643 Moscherosch cura 38 HND. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,87a; -löblichst; -lustigst; -lustsamlichst: 1478 Niclas v. Wyle translationen 23 LV;-mächtigst; -mehrst: 1535 potissime allermerst Dasypodius dict. T 4a. 1745 unsere allermehresten handlungen J. F. Jacobi betrachtungen 2,30;-meist; -merklichst: 1725 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,118b. 1809 Goethe I 20,230 W.;-merkwürdigst; -mildest; -mindest; -modernst; -möglichst; -mutigst: ⟨1534⟩ (nachschr.) Luther w. 37,403 W.; -nachdenklichst: ⟨1835⟩ Tieck (1828)21,293;-nächst; -neuest; -neulichst; -nichtsnutzigst: ⟨1905⟩ Kröger nov. (1914)1,256; -nichtswürdigst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,684b. 1755 Lessing 2,88 L./M.;-niederträchtigst: 1726 nach den trieben der allerniederträchtigsten begierden tadlerinnen 2,388 G. ⟨1887⟩ Ebner-E. 5(1905)149;-niedlichst: 1652 Harsdörffer trincirb. 176;-niedrigst -nötigst; -notwendigst; -nützest: 1525 flugschr. ref. 2,436 C. 1529 Luther bibel 12,74 W.;-nützlichst; -oberst; -ordinärst: ⟨1841⟩ Tieck (1828) 26,490;-östlichst: ⟨1949⟩ Seghers d. toten (1950)110;-prosaischst: 1864 Reuter br. 581 W.;-realst: 1781 Kant reine vernunft 583. 1844 Schopenhauer 3,400 H.; -rechtest allergerechtest: 1303/08 rechtsqu. Bremen I 2,42 E. ⟨1532⟩ daß Christus sei der allerrechteste, barmherzigste Luther tischreden 2,68 W.;-redlichst; -reichst; -reifst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 216 Sch.;-reinlichst: 1524 hofordn. 1,186 K.; -reinst; -richtigst; -ruchlosest: 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,142a. 1787? in: Schleiermacher leben in br. (1860)1,64;-sachtest: 1708 Walther praecepta 41 B.;-schädlichst: 1524 Luther w. 15,31 W. 1743 Krüger d. geistlichen 100 faks.;-schändlichst: 1541 Luther w. 51,525 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,155a;-schärfst; -schlechtest; -schleunigst: 1676 Francisci lust-haus 1270. 1808 reformministerium Stein 1,387 Sch.;-schlimmst; -schmählichst: 1521 Luther w. 8,22 W. ⟨1625⟩ kath. kirchenlieder 1,433 K.; -schmerzlichst; -schnödest: ⟨1542⟩ Sachs 3,355 LV;-schnödigst verwerflichst: 1472 vnordenlich lieb vnd vnkeuͦsche .. sein .. alten mennern vnd frawen am meysten verpotten vnd aller schnoͤdigst Eyb dt. schr. 1,13 H.;-schönst; -schrecklichst; -schwächst: 1537 Schaidenreiszer odyssea 193 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,327;-schwerst; -schwierigst: ⟨1887⟩ Ebner-E. 5(1905)251; -schwülst: ⟨1898⟩ Fontane (1919)II 2,212 jub.;-seligst; -seltenst: 1744 Gottsched Bayle, wb. 4,202a. 1841 K. A. Varnhagen tgb. (1861)1,330;-seltsamst; -sicherst; -sichtigst sichtbarst: 1710 Köhler schles. kern-chr. 1,19;-sinnlichst: ⟨v1813⟩ Wieland in: 1DWB 1,228. ⟨1860⟩ auf allersinnlichste und eigentlichste art Wackernagel kl. schr. (1872)3,249;-spätest: 1718 wir werden sie auff allerspätst biß dinstag hir haben Elisabeth Ch. v. Orleans br. 3,246 LV. 1885 C. F. Meyer 12,175 Z./Z.;-speziellst: ⟨1898⟩ Fontane (1919)II 2,264 jub.;-stärkst; -stillst: ⟨1804⟩ Tieck (1828)1,195;-streitbarst; -strengst; -submissest: 1777 gelanget an euer kaiserliche majestät allersubmissestes bitten in: br. an Bahrdt 2,27 P.;-subtilst: ⟨n1491⟩ pilgerreisen 171 R./M. 1742 Gottsched Bayle, wb. 2,7b;-sündigst: 1520 Luther w. 6,453 W.;-süßest; -tapferst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 239 Sch. ⟨1727⟩ Gottsched Fontenelle, auserlesene schr. (1751)266;-teuerst; -tiefst; -tödlichst: 1521 Luther w. 8,282 W.;-tollst: ⟨1798⟩ Tieck (1828)16,109. 1873 Treitschke br. 3,2,377 C.;-torlichst: 1520 Luther w. 6,440 W.;-totest: ⟨v1867⟩ Kügelgen jugenderinn. (1870)368;-trefflichst: 1760 d. neueste aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 575 G. 1887 Keller leben 23,518 E.;-treuest; -trivialst: 1847 Hebbel III 4,40 W. 1863 Reuter br. 519 W.; -übelst; -unausstehlichst: 1834 Mendelssohn-B. br. 2,46 M.-B.; -unbescheidenlichst: 1463 (Augsb.) chr. dt. städte 5,296;-unbeständigst: ⟨1542⟩ Luther tischreden 3,515 W.;-undeutschest: ⟨1840⟩ Arndt 1,213 R./M.;-unglaublichst: 1950 Graf mitmenschen 168;-ungleichst: 1535 Luther w. 51,214 W.;-unglücklichst: 1741 dem allerunglücklichsten liebhaber Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,127a. 1841 K. A. Varnhagen tgb. (1861)1,375; -unglückseligst; -ungünstigst: ⟨1886⟩ Ebner-E. 2(1905)398;-unmittelbarst: 1864 Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,562;-unnützest: 1669 Grimmelshausen Simpliccissimus 41 Sch. ⟨1831⟩ Tieck (1828) 22,320;-unschädlichst: ⟨1473⟩ weist. 1,142 G.;-unscheinbarst: 1690 Lohenstein in: dt. lit. 3,426 K.;-unschuldigst: 1672 Greiffenberg in: dt. lit. 3,63 K. 1725 tadlerinnen 1,148;-unterst: ⟨1625⟩ kath. kirchenlieder 1,289 K. ⟨1932⟩ Stein frauenbildung (1949)7;-untertänigst; -untreulichst: 1522 Luther w. 8,676 W.; -unüberwindlichst: 1533/4 Turmair 4,2,622 ak. 1553 Kirchmair in: font. rer. austr. I 1,419;-unvergeßlichst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,411;-unverständlichst: 1828 Tieck 1,IX; -urältest: 1772 Hamann 3,48 N.;-verdammlichst: 1778 L. Mozart br. 2,120 Sch.;-verehrungswürdigst: ⟨1797⟩ Tieck (1828)15, 277;-vermutlichst: 1676 Francisci lust-haus 846;-vernünftigst: ⟨1726⟩ Gottsched Fontenelle, welt (1738)144. 1780 Mozart br. 2,24 Sch.;-verschiedenartigst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,139;-verschiedenst; -verschmählichst allerschmählichst, verachtetst: 1495 den allerversmelichsten, bittersten doit des cruzes privatbr. d. ma. 2,115 S.;-verwunderlichst: 1819 E. T. A. Hoffmann 4,80 G. ebd. 5,44;-vollständigst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,53. ⟨1798⟩ Tieck (1828)15,322;-vorderst; -vornehmst; -vorsichtigst: 1741 die allervorsichtigste schreibart wird niemals verhindern, daß sich nicht ihren lesern .. geile bilder vorstellen sollten Gottsched Bayle, wb. 1,75a. 1848 Reuter br. 295 W.;-vortrefflichst -wägest allerbest: 1293 einen solichen man .. kiesen, der zvͦ dem ammete alrebest vn̄ alrewegest si corp. altdt. originalurk. 3,104 W. 1533 Hug villinger chr. 136 LV;-wahrst: ⟨1798⟩ Tieck (1828)16,108;-wärmst; -weisest; -weitest; -wenigst; -wertest -wertvollst: 1913 wandervogel 293;-wichtigst; -widerwärtigst -wildest: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 141 Sch. 1733 beytr. crit. hist. 2,635 G.;-willigst: 1522 Luther w. 10,1,2,207 W. 1523 ebd. 11,253;-winzigst: 1981 Fühmann saiäns-fiktschen 128;-witzigst; -wunderbarst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,206b. ⟨1804⟩ Tieck (1828)1,148;-wunderlichst; -wundersamst; -würdigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 247 H. 1472 Eyb dt. schr. 1,99 H.;-zartest; -zärtlichst: ⟨1545⟩ (nachschr.) Luther w. 51,56 W. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,142b;-zierlichst. bei partizipialadjektiven, auch bildungen mit un- (seit frnhd. zeit produktiv)-abgelegenst: 1683 Beer sommer-täge 30 HND;-ausschweifendst: ⟨v1786⟩ der allerausschweifendste geschmack Mendelssohn in: Nicolai’s leben (1820)191 G.;-beleibtest: 1822 Goethe II 5,1,410 W.;-bestimmtest: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,222; -betrübtest: 1663 Rist in: dt. lit. 3,719 K.;-brennendst: 1935 Abendroth Pfitzner 51;-dringendst: ⟨1830⟩ Tieck (1828)21,217; -drückendst: 1842 die allerdrückendste armuth junge generation 59 faks.;-einleuchtendst: 1845 Scheffel br. an Schwanitz (1906)35; -einnehmendst: ⟨1947⟩ Graf unruhe (1948)359;-erlesenst: 1981 Kant nagel 72;-gelehrtest: 1520 Luther w. 6,430 W. 1910 G. Hauptmann Quint 197;-geliebtest: 1758 d. neueste aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 343 G. ⟨1803⟩ Klinger w. 11(1809)35;-geneigtest: 1669 damit er (könig) den aller-geneigtesten willen erzeige Grimmelshausen Simplicissimus 297 Sch.;-gerüstetst: 1524 erfordert die not, das jr vff das allergerüste, mit dem aller besten hergeredt gewapnet, den feinden begegnet texte Böhmens 191 W.; -reizendst: 1808 in: Schleiermacher brw. mit seiner braut 2101 M.; -schlafbringendst: 1673 Weirauch regirungs-klugheit A 2a;-unbegründetst: 1864 Scherer in: brw. Müllenhoff 46 L.;-unbekanntest: 1523 Luther w. 12,236 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,281a; -ungelegenst: ⟨1538⟩ die allerungelegeneste und unbequemeste oerter Luther tischreden 3,681 W.;-ungeteiltest: 1870 Reuter br. 754 W.; -unvermutetst: 1777 L. Mozart br. 1,256 Sch.;-unverschämtest: 1541 Luther w. 51,525 W.;-verachtetst: 1536/7 Luther tischreden 2,650 W.;-verletzendst: ⟨1825⟩ Immermann 8,57 B.;-vermaledeitest: ⟨v1872⟩ Grillparzer 513,30 S.;-verschlagenst: 1669 den aller-verschlagnesten soldaten in der welt Grimmelshausen Simplicissimus 176 Sch. b verstärkendes aller- bei superlativischen adverbien (seit ahd. zeit), in neuerer sprache (18./19. jh.) vor allem bei adverbien des typs jüngstens, meistens usw.:-achterst ganz hinten: 1270 zolest ward ich des greven gewar .. zo aller eichterst an der schar in: Wrede altköln. sprachschatz 97b;-baldest; -bast; -dickst 1;-endlichst: 1870 allerendlichst aber ist irren menschlich Keller leben 23,26 E.; -erst; -gemachst: 1470 Tschachtlan in: qu. schweiz. gesch. (1877) 1,253;-gernst; -höchstens; -jüngstens: 1867 in: Sanders erg.- wb. (1885)289a;-meist; -meistens: ⟨v1709⟩ Abraham a s. Clara weinkeller (1710)259;-mindestens; -nächstens; -öfterst: ⟨1783⟩ auf diese weise entstehen die verschloßnen geschwüre .. der lunge am alleröftersten Stoll, heilungsmethode (1787)1,120;-schierst; -schließlichst: 1853 alles, was zu schwer sein sollte, auszulassen, überhaupt möchte er allerschließlichst noch um nachsicht wegen etwaiger fehler .. gebeten haben R. Wagner tgbbl. u. br. 4759 G.; -wenigstens.

allerärgst, adj.

Fundstelle: Band 2, Spalte 348, Zeile 43 [Pfeifer]
ALLERÄRGST adj.   (aller- 2 a): 1477 pessimus .. der aller argeste (Eltville) voc. ex quo O 8b. 1520 wollen wir widder die Turcken streytten, szo lasset uns hie anheben, da sie am allerergistenn sein Luther w. 6,427 W. 1669 das allerärgste war, daß mir kein mensch sagte, wie jederman gegen mir gesinnet Grimmelshausen Simplicissimus 236 Sch. 1781 dein allerärgster feind! Göckingk ged. 2,108. 1801 (d. wetter) ist .. am aller ärgsten Goethe IV 15,246 W. 1864 in der schule Oeser’s, eines der allerärgsten allegoristen Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,557. 1926 die selbstverwaltungskörper der minderheiten sind durch die sprachenverordnung am allerärgsten getroffen gemeinde 3,294 F. 1986 um den allerärgsten hunger zu stillen Brückner fiedler 177.

arg, adj.

Fundstelle: Band 3, Spalte 235, Zeile 59 [Grimm]
ARG adj.   (1) herkunft und form. ahd. arg (moralisch) verderbt, unzüchtig, geil, schlecht, schlimm, böse, feige, träge (zum handeln), geizig, sparsam, mhd. arc nichtswürdig, böse, schlecht, geizig, mnd. arch schlecht, böse, schlimm, gering(wertig), als verstärkendes adv.sehr’, anfrk. arug perversa mnl. arch, erch, nl. erg, (veraltet, mdal.) arg schlimm, übel, schlecht, afrs. erch, erg, ae. earg außerdem ‘gemein, verächtlich, träge, feige’, engl. (veraltet, mdal.) argh, an. argr, (mit metathese) ragr unmännlich schwul, unsittlich, schändlich, verrucht, feige, aschwed. argher schlecht, schlimm, feige, schwed. arg böse, ärgerlich, erzürnt, schlimm, dän. arg ‘böse, boshaft’ sowie langob. arg ‘nichtswürdig, feige’ führen auf germ. *arga-, das mit ai. ṛghāyáti ‘bebt, tobt, rast’ u. grch. ὀρχέομαι ‘bebe, hüpfe, tanze’ verbunden wird, so daß sich (nach Pokorny idg. et. wb. 1,339) idg. *ergh- ‘schütteln, erregen, beben’ erschließen läßt (vgl. auch Lloyd/S. et. wb. ahd. 1,323). danach hätte arg d. germ. ausgangsbedeutungerregt, (vor angst) bebend, zitternd’. mit d. bed. ‘furchtsam, ängstlichgelangt es früh ins finn., vgl. finn. arka. – bemerkenswert Puhvel in: festschrift Risch (1986)154 f., der germ. *arga- aus idg. *órg̑hos etwa ‘im geschlechtsverkehr zwischen zwei männern den passiven partner darstellendherleitet, wozu er als opposition idg. *org̑hós ‘copulator’ stellt (grundlage des von ihm denominativ aufgefaßten verbs grch. ὀρχέομαι ‘tanze’). ein entsprechendes verb sieht er in heth. ark- ‘besteigen, bespringen’. Heidermanns et. wb. primäradj. (1993)103 übernimmt u. erweitert diese etymologie. (2) bedeutung und gebrauch. Weisweiler in: IF 41(1923)13 ff. erschließt als grundbedeutung von germ. *arg- ‘geil, wollüstig(bes. von frauen)pervers, weibisch(von männern)unzüchtig(von zauberei u. dgl.). zugleich ist es stärkstes schimpfwort f. personen (vgl. im an., langob u. im ahd. A9.jh. argosto .. ostarliuto hildebrandslied 58 S.). daraus entwickeln sich d. bedeutungenunmännlich, feige, träge, geizig’. unter christl. einfluß wird arg beiname des teufels u. entfaltet eine allg. bed.schlimm, böse’. vgl. auch Lühr hildebrandslied (1982)682 ff.im dt. lassen sich d. alten bedeutungen nur resthaft über das ahd. hinaus nachweisen, vgl.geizig’ (1). arg wird geläufig in einer weitgehend unspezifischen allg. bed.(moralisch) schlecht, böse, schlimm’ (2). es verblaßt zu bloßer verstärkender funktion i. s. v.sehr’ (4 b) u. kann dann auch positives hervorheben (ebd.). 1 geizig, habgierig. frnhd. nur noch in anklängen nachzuweisen: 8.jh. auarus arc ahd. gl. 1,32,25 S./S. ⟨u1200/10⟩ (im haus) was inne ein arger wirt, / .. der sprach ‘ichn gæbe ein halbez brôt / iu (hungrigen) niht ze drîzec jâren Wolfram Parzival 7142,15 L./H. ⟨1255⟩ ze mâzen tump, ze mâzen karc, / ze mâzen milt, ze mâzen arc Ulrich v. Lichtenstein 453 L. 15.jh. daß du moichst kommen in daz hemelrych. / gescheit eß nyt bald, so wurß du nyt behalden, / wan we alder, e boser, ye rycher, e karcher vnd archer fastnachtsp. 4,276 LV. 1515 so wz der schmid ein arg man, vnd gedacht. nim in (Eulenspiegel) vff versuch in .viii. tag, darin kan er mich nit arm essen Eulenspiegel 64 HND. 2 böse, schlecht, schlimm. a vom menschen, seinem wesen, seiner gesinnung, seinem verhalten u. tunböse, niederträchtig, schlimmes befürchten lassend’. in christl. moralvorstellung ggs. zu gut. geläufig in den festen wendungen jmdm. arg mitspielen, es arg treiben. in jüngeren belegen bereits überleitend zu 4: hs.A9.jh. du argo scalh serue nequam, Monsee fragments 12,18 H. 863/71 ni laz thir innan thina brust arges willen gilust Otfrid I 12,27 E. ⟨u1196⟩ in der argen heiden landen Orendel 3710 ATB. ⟨u1250/72⟩ dâ von sult ir in (gott) minnen von aller iuwer sêle .. âne allen argen wân Berthold v. Regensburg 1,62 P./S. ⟨u1370⟩ die argen keczer vnd di bosen cristen Johann v. Neumarkt 2,38 K. M/E15.jh. den guten biß gern by, / dy argen fluch zu aller stund! erz. altdt. hss. 537 LV. hs.1486 ich sag ewch an argen list, / das unser herr Jhesus Crist / ist erstanden von dem tod passionssp. Tirol 237 W. 1539 die falschen zungen durch ire argen gedancken und falsche red die zwey liebhabenden scheyden thetten Wickram 1,80 LV. 1553 ain arg, pöser, aufruerig, aber listiger mentsch Kirchmair in: font. rer. austr. I 1,472. 1669 der betrieger .. hatte .. wenig studiret gehabt, und wenn einer mit dem disputiren war ankommen, da war er arg (‘wütend’) geworden und hatte gesehen wie er sich nur mögen losz wickeln Praetorius glückstopf 499. v1690 ist nun der mensch von argen und bösen gemüth Arndt/R. schr. 1,83. 1783 ich bessre dann die welt .. und hauche güte / auch argen leuten ein Withof academ. ged. (1782) 2,188. 1867 durch buße kommt ein arger (‘sünder’) wohl zum himmelreich Mörike 21,167 M. 1867 wo sie ihm (Pumphut) aber schlechte kost vorsetzten .., da spielte er oft den leuten arg mit Köhler volksbrauch 542 faks. ⟨1885⟩ von einem gar argen (‘frechen’) zwölfjährigen buben Storm 6,333 K. ⟨1886⟩ eine arge gesinnung auf seinem gesichte Keller (1889)8,20. 1899 er .. verdrehte .. frauen die köpfe und trieb es so arg, daß .. lit. echo 1,1080. 1962 ich schließe meine augen – vor den getreuen und ungetreuen. ich kenne die vielen guten und wenigen argen Marg Demetrius 2,264. 1979 er ist ein arger dieb Hirsch leute 61. substantiviert der arge als bezeichnung für den teufel: 1522 der arge .. reysst es hyn, was da geseet ist ynn seyn (des gläubigen) hertz Luther bibel 6,62 W. ⟨1639⟩ (das wort gottes) in seinem hertzen .. bewahre: damit der arge nicht seinen giftigen schlangen-saamen .. säe Frankenberg Raphael 15 faks. 1705 wer aus gott gebohren ist, der bewahret sich, daß ihn der arge nicht antaste gottsgel. rathschläge 154 Arnold. ⟨1878⟩ daß du den argen als einen stinkenden rauch aus des täuflings mündlein herfürgehen siehest Storm 5,104 K. 1965 deshalb nahm der arge die gestalt einer schlange an, lockte Eva hin zu diesem baum Hering bild 31. b substantiviert das arge, auch im sinne einer ethischen kategorie: 863/71 want er thaz guata minnot .. / thaz arga hiar ouh midit Otfrid V 25,42 E. ⟨u1350/77⟩ daz .. allez von im (gott) chumpt / guͤtz und arigs Teichner 42,7 DTM. 1462 er (pfalzgraf) wolt nit args mit argem rechen hist. volkslieder 1,531 L. 1636 fürsten, so die rechte religion wusten, und verhasseten doch das gute und liebeten das arge Meyfart erinn. )o( 3b. 1781 der mensch, der .. das arge hasset Pestalozzi 2,118 B. 1803 durch ihn (Ahriman) wurde die finsterniß gebohren, saame alles bösen, argen, des todes Claudius s. w. (1775)7,28. 1973 hier ist nichts böses, nicht einmal nur arges Kumpf leute 146. c auf sachen, zustände u. verhältnisse bezogenschlimm, schlecht, übel, unerträglich’ , auch substantiviert, hauptgebrauch d. wortes: ⟨v1022⟩ ferheiletiu uuunda fûleta unde uuard argera danne si fore uuâre Notker 3,1,224 ATB. ⟨u1200⟩ si (geistlichkeit u. gesinde) heten naht vil arge unt vil müelîchen tac nibelungenlied 121057,4 B./B. A15.jh. (Dorothea) widirstunt den bösen czuneygungen, sy twang sich czu dem gutten und entpfinge das arge, das geschach, .. vor gut Johannes v. Marienwerder leben Dorothee 274 T. 1546 gott wurde uns .. schützen und erhalten vor allem argen (krieg u. dgl.) Bucer I 17,75 S. 1669 in einem gar schlechten dorff, darinn ich keinen medicum haben konte, und was das ärgste war, so hatte ich auch niemand der mir wartete Grimmelshausen Simplicissimus 309 Sch. 1707 es werden bald ärgere zeiten kommen Nerreter schau-platz 418. ⟨1774⟩ wenns zum aergsten käme, so .. Bode Schandi (1776) 1,27. 1811 Berlin ist in dieser hinsicht (sittenlosigkeit) sehr verschrieen, aber so gar arg ist es hier gewiß nicht Gädicke studirende 25 faks. 1837 jetzt wird’s mir bald zu arg werden Nestroy 9,308 B./R. 1965 der arge (‘mühevolle’) weg der erkenntnis Nachbar haus 225. 1981 sich eines argen verdachtes erwehren Grüning Gomorrha 79. geläufig in festen wendungen wie übel ärger machen, arg hergehen, aus dem ärgsten heraus sein, im argen liegen: 1544 wer aber sichs unterstehen würde, der würd ubel erger machen (nachschr.) Luther w. 52,133 W. 1612 die gantze welt lieget im argen Herberger trawrbinden (1611)2,381. 1741 weil die allzuharten und empfindlichen strafen oft das uebel ärger machen Justi memoires 1,134. 1778 es jammert mich, daß der gute junge so sehr im argen liegt Hippel (1827)14,88. 1832 gestern donnerstag d. 5. ging es arg in Paris her (morde u. tumulte) Börne 5,229 R. 1930 du wirst ja auch bald verdienen, mein kind, aber aus dem ärgsten sind wir heraus Zarek begierde 687. 1988 was dort in der Sowjetunion in wirtschaft, gesellschaft und politik im argen liege Wilms freiheit (1989)134. d von tierenbösartig, gefährlich, bissig, aggressiv ⟨u1210⟩ sol er sîn gebunden / von den hellehunden, / den argen und den bœsen Otte Eraclius 567 G. ⟨1493⟩ aber bein vō fleisch soltu jm (schäferhund) geben .. dauō werden sye auch mer arg Petrus de Crescentiis, nutz d. ding (1518)140c. 1698 wie diese arge thiere (skorpione) den stachel im schwantz tragen Paullini flagellum 23. ⟨1910⟩ da hab’ i noch die schrammen; sie (ehefrau) ist ärger als ein kettenhund! Schönherr glaube (1911)7. 1940 ein raubtier, ein arger und erbarmungsloser räuber sogar Francé lebenswunder 37. 3 von geringem wert, von minderer qualität, kärglich: ⟨u1170/80⟩ einis andiren bildes (porträt Christi) er (zeichner) bigan. / di vrowe wenite unde screi, / wan iz arger was dan e d. wilde mann 1,148 ATB. 1277 vn̄ sol oͮch dis korn nuwon zweier phenninge erger sin denne das beste das vf dem markte denne veile ist corp. altdt. originalurk. 1,304 W. 1353 daz er argen win under guͦten vermenckelte (Straßb.) chr. dt. städte 9,1020. 1420/41 wan sie (d. münze) was vil zu gering und arg ebd. (Nürnb.)1,403. E15.jh. arge kost in: frnhd. wb. 2,71. 1560 des wurden die schaf dürr und arck Sachs 6,369 LV. ⟨1668⟩ die kuchen sind zu dünne / die butter ist zu arg Weise überflüssige gedanken 166 HND. 1677 dasz ausz einer argen wurtzel keine gute frucht wachsen kan Butschky Pathmos 1. rechtssprl. ärgere hand abstammungslinie des elternteiles niedrigeren standes: 1287 vnd ist ein man sinem wibe niht eben bvrtic. er ist doch ir vormvnd. .. gewinnet si kint div hornt zvͦ der ergern hant schwabenspiegel 32a L. ⟨v1760⟩ das kind gehört zur ärgern hand Heumann geseze (1761)159. 1889 die in einer ungleichen ehe erzeugten kinder folgten regelmäßig der ärgeren hand Schröder rechtsgesch. 446. 4 in verstärkender funktion, meist negatives intensivierend, herzuleiten von 2. in älterer spr. vorwiegend gesteigert. a (übermäßig) stark, heftig, groß: ⟨u1340⟩ die meister .. han die mynne also derkant / so vest, so mechtig und so ark, / so gar gewaltig und so stark minneburg 5437 DTM. u1460 ir gespil die jach on argen haß märendicht. 15.jh. 423 F. 1522 sich .. hutten .. vor den argsten feynden Christi Cronberg 73 HND. 1525 sie machen auch ein erger opffer auß Christo, denn irgent ein opffer des alten testaments gewest ist in: Luther w. 18,108 W. ⟨u1670⟩ als sie (Josephs brüder) .. ihre neidige gemüther noch mehr unter einander zu ärgerer verbitterung wider den unschuldigen Joseph verhetzten Grimmelshausen Simplicissimus 2,719 LV. 1722 derer verdammten seelen .. können nicht ärgere unruhe empfinden als sie haben J. G. Schmidt rockenphilos 5/6,136. 1838 am Bispinkhof .. soll der lärm sehr arg gewesen sein Droste-H. br. 1,273 Sch. K. ⟨1877⟩ aber indem du uns die wahl zuschiebest, setzest du uns in arge verlegenheit Anzengruber 35,17 B. 1935 Hanni war in der stadt, meldete ungeheueres leben der straßen und recht argen betrieb um „silvester-scherzartikel“ Klepper schatten (1967)210. 1937 haben sie arge schmerzen? Fallada wolf 1100. 1979 die worte der alten .., arger .. bosheit entsprungen Fühmann Paulmann 66. b als verstärkendes adverb, meist i. s. v. ‘sehr, überaus’, im komp. ‘mehr’, vorwiegend obd.; mdal. auch bei positivem bezug: 1472/3 kein arczney pesser wer für alle pestilencz dann ferre von den krancken ze fliechen, .. auch mer vnd erger die kinder liessen vater vnd muͦter Schlüsselfelder decameron 5 LV. ⟨v1537⟩ die gemain .. hett gern das wort des herren gewaltig gesehen; aber wir groß herren waren desto erger dawider (Augsb.) chr. dt. städte 29,52. ⟨1555⟩ niemants .., der nicht disen tag .. für arg unglückhafftig und abschewlich huelte ebd. 22,427. 1671 die hefftige furcht .., in der lufft verarrestirt zu werden, worfür mir doch ärger als dem abscheulichen tod selbsten grauete Grimmelshausen simpliciana 7 Sch. 1719 die kranckheit, so dir jezo droht, / erschröckt mich ärger als du denckest Günther 1,140 LV. 1824 daß sie in ihrem wahnsinn so arg verstrickt ist, daß .. Börne 4,646 R. 1904 arg schön, arg gut Fischer schwäb. wb. 1,311. 1918 wenn unsere reihen nicht arg gelichtet wären in: gesch. arbeiterbewegung (1966)3,460. 1955 der könig von England ist arg in not Fischer /E. Eugen 235. 1998 er müsse ins bett. ja, sagte die mutter, du bist arg blaß Walser brunnen 59.

arg, n.

Fundstelle: Band 3, Spalte 238, Zeile 40 [Grimm]
ARG n., selten m.   ahd. arg, mhd. arc, mnd. arch. böses, böswilligkeit, falschheit; argwohn, vorbehalt. in d. urkundenspr. auch formelhaft ohne (alles) arg; meist verneint. vom 19. jh. an überwiegend in festen verbindungen wie kein arg haben, ohne arg (sein) u. ä.: ⟨E8.jh.⟩ cot almahtico .. forgip mir .. craft, .. arc za piuuisanne wessobrunner gebet 16 S. ⟨v1022⟩ alle iro râta sint in arg kemeinet uuider mir Notker 3,2,361 ATB. ⟨u1187/9⟩ sîn lant und sîne marke / die bevridete er alsô starke, / swer si mit arge ruorte / daz er den zevuorte / der êren und des guotes Hartmann Gregorius 2265 N. 1387 daz .. disser kouff (geschehen ist) ane arͤg (!) des sint gezcuͤge .. urkb. Pforte 2,1,102 B. ⟨1421⟩ das her das durch fredes willen gethan hette unde nicht yn arge Rothe düring. chr. 350 L. 1422 dasselbe buchsenpulver .. czu beczalen, .. ane alle widerrede und .. ane alles arg stadtb. Brüx 82 Sch. hs.u1430 wie er syn gesellen bewaren möcht das yn kein argk geschehe Lancelot 1,96 DTM. 1547 eyn recht fromtrauyches meynssche, an allen arck Sibylla v. Jülich br. 22 B. 1624 wer du inwendig bist, / ein engel ohn’ all arg Opitz t. poemata 163 HND. 1778 anfangs hatt’ ich keinen arg daraus, daß es den leuten so sehr nach der Sophie verlangt Musäus reisen 1,126. ⟨1858⟩ so hätte sie kein arg gehabt, daß ich sie täuschte Heyse [1924] I 3,96. 1861 es findet niemand ein arg darin, daß im elegantesten caffehause general und fuhrmann an einem tische sitzen Treitschke br. 22,148 C. 1895 Toni war ohne arg Polenz Büttnerbauer 107. 1937 auch Hinkmar hat .. kein arg gehabt, sich ihrer (d. unechten schriften) zu bedienen Haller papsttum (1934)2,1,59. 1990 ein mensch ohne list und arg n. dt. lit. 3,42. 1995 sollten sie gerade so ganz ohne arg ihr ostermorgendliches ei verzehren bauernztg. (14.4.)95b.

argen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 238, Zeile 70 [Grimm]
ARGEN vb.   selten ärgen. abl. von arg adj.; mhd. mnd. argen. 1 jmdn. argwöhnisch besorgt machen, beunruhigen, auch mit dat. d. pers., zu arg adj. 2 a: ⟨u1285/90⟩ do hôrten sie / die liute clagen (über Tristans tod) .. daz argete in und vrâgten sân / daz volc um ern Tristan Heinrich v. Freiberg Tristan 6509 B. 1343/9 der jungeling .. lif hin în vrevellîchen und wolde si (jungfrau) ane gegriffen haben. dô quam der tûfel und brach ime den hals abe. dô her sô lange dinne was, dô arget iz di gesellen, und warteten hin în; dô funden si in tôt dt. mystiker 1,68 P. 1556 dem trabanten argt die weise vnnd geberde des wirts, seinem hertzen anet auch nichts guts Lauterbeck regentenb. 124b. 2 jmdn. schädigen, ihm böses, schaden zufügen, zu arg adj. 2 c: 1370 den andern argen mit vengnitze in: DRW 1,813. u1400 das her nymand drowen sal noch a(rgen) von des gutes wegen in: Ziesemer preuß. wb. (1939)1,200b. 1427 Peter von Sacz .. hat .. gesworn und mit im .. seine eliche hausfrauwe, .. das sie die stad zu Gorlicz .. dorumbe (inhaftierung) nymmermehe fedin, argin noch verdengkin wellin mit worten noch mit wergkin cod. dipl. Lusatiae superioris II 1,480 J. ⟨u1520⟩ we mit eynem wîsen manne redede, / de wörde van öme nicht gearget Bote köker 43 ATB. 1714 (der Malabaren) herrlichen guten verstande .. und bürgerlichen tugend-wandel, in welchen sie viele christen übertreffen und daher von diesen geärget werden Büttner Bruno 72. 3 etwas im wert mindern, beschädigen, zu arg adj. 3: 1428 de gudere .. arghen lüb. urkb. I 7,234. ⟨1560⟩ were es auch, das dieser brieff an pirgament, wortten, schrifften vnd sigeln schaden nemme, geerget, geletziget oder entwaldiget .. wuͤrde Machholth formular (Frankf./M. o. j.)76a.

ärger, m.

Fundstelle: Band 3, Spalte 239, Zeile 21 [Grimm]
ÄRGER m.   mnd. arger ärgernis, anstoß. rückbildung aus ärgern vb.; vgl. aber auch 1652 feindschaft und eifersucht, die aus übel ärger zu machen pfleget Harsdörffer Heraclitus 169, s. arg adj. 2 c. 1 unmut, heftige verstimmung, aufgebrachtsein, zornige erregung: 1768 er (postillon) wird so lange jagen und meine nerven zerreissen, bis er mich in aerger gebracht hat Bode Yorick 1,110. 1773 der aerger hält mich gesund Lessing 18,95 L./M. 1817 zu Nathanaels nicht geringem ärger (in seiner rede unterbrochen worden zu sein) E. T. A. Hoffmann 3,22 G. 1846 jene (bücher) erregen aerger und verdruß Hebbel II 3,94 W. 1868 daß die herrn endlich mit ihrem ärger herausplatzen Marx in: Marx/E. (1956)32,549. ⟨1949⟩ ihn packt der ärger Kästner Lottchen [1968]146. 1965 er .. schluckte aber seinen ärger rasch hinunter Hering bild 352. 1992 die wähler haben keine partei gewählt, sondern ein symbol für ihre wünsche und ihren ärger Scheuch/Sch. cliquen 31. 2 unannehmlichkeiten widrigkeiten, probleme, scherereien: 1793 so könte mir diese ehre (druck meiner briefe) ebenfals wiederfahren – welches mir dann keinen kleinen ärger verursachen würde K. E. Goethe br. 51,233 K. 1804 hätte das herr von Meyer verstanden (angriffe stillschweigend zu übergehen); so hätte er sich nicht so viel ärger zugezogen! ebd. 52,118. 1830 für alle mühe, sorgen und ärger werde ich vielleicht noch von ihnen (anrede) gezankt werden Börne 4,1250 R. 1969 es gab ziemlich viel ärger mit den steifen bibliotheksbeamten Seyppel Conny 31. 1989 sei lieb. mach tante Zaumseil kein ärger Kögel schuhe 164. 1990 ich werde ärger bekommen / mit dir n. dt. lit. 3,119.

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Zitationshilfe
„arg“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/arg>, abgerufen am 20.10.2021.

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