Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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aussöhnen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1450, Zeile 42 [Schmitt]
AUSSÖHNEN vb.   selten dem etymon entsprechend aussühnen (im unterschied zum simplex, s. 1DWB 10,4,1022 ff.). 1 durch das erbringen einer sühneleistung für begangenes unrecht jmdn., sich von einer schuld befreien, zunächst in passivkonstruktion bzw. mit refl. oder reziprokem pron.zu einer gütlichen einigung kommen, sich versöhnen, einigen’, später auch ‘jmdn. der geschädigt worden ist, zur versöhnung veranlassen, versöhnlich stimmen, etwas besänftigen’. schon früh über den rein rechtl. bereich hinaus erweitert; modern häufigjmdn. einer sache gegenüber versöhnlich stimmen, ihn dazu bringen, sie zu akzeptieren’, refl. ‘sich mit etwas in einklang bringen’, auchsich mit etwas zufrieden geben, abfinden, anfreunden, etwas mit etwas in einklang bringen, widersprüche auflösen 1438 und sol sich darumb dehain statt .. usssünen .. ane gemainen erkantnusz Frankf. reichscorr. 1,449 J. ⟨1555⟩ vnd wandte marggraue Friderich allen müglichen vleiß an, damit ehr bei seines gemahls frau mutter außgesünet Agricola ausgew. w. 7,325 P. ⟨v1565⟩ das heilig creutze, welchs der son gottes dem außgesoͤnten Adam vnd Eua vnd allen jren nachkoͤmlingen selber auffgeleget hat im paradeiß Mathesius ausgew. w. 2,76 L. hs.16.jh. die andern wurden ains teils ausgesöhnt, aber Jacob von Argun nit (Augsb.) chr. dt. städte 22,201. ⟨v1605⟩ ach solt ich nur außgsonet sein / bey meinem vatter Ayrer d. ä. 5,3390 LV. ⟨1631⟩ kein bocksblut söhnt gott aus Fleming ged. 1,9 LV. ⟨v1638⟩ einem außgesöhnten feindt ist nicht zu trawen Lehmann florilegium (1640)219. 1639 sind sie vom käyser Carolo in schutz genommen vnd jhrem fürsten wieder ausgesöhnet worden Micraelius Pommer-land 4/6,591. 1639 die Strallsundischen haben sich endlich bey dem hertzogen mit einer ansehenlichen summa geldes aussöhnen müssen ebd. 1/3,427. 1658 nachdem er sich mit seinen bürgern wieder außgesöhnet Kunowitz Nepos 164. ⟨1682⟩ gott .. durch ernsthaffte buß und lebens-besserung wieder auszusöhnen und zu begütigen Hohberg georgica (1687)1,10a. 1707 der kaiser ehe er noch mit dem pabst ausgesöhnt war, geht die reis an Nerreter schau-platz 457. 1710 Præcislaus .. söhnete das bißthum mit dem könige von Böhmen aus Köhler schles. kernchr 1,364. 1771 dieses stück hat mich mit der hiesigen schaubühne ausgesöhnt in: Lessing 20,13 L./M. ⟨1774⟩ wie Brutus und Cassius, am schlusse des auftritts, wo sie sich aussöhnen Bode Schandi (1776)2,89. 1786 unser schuldbuch sei vernichtet! / ausgesöhnt die ganze welt! Schiller 1,171 nat. 1789 daß er die natur mit den gesetzen aussöhnte J. G. Müller Emmerich (1786)7/8,90. 1792 wenn eltern mit ihren kindern, von welchen sie beleidigt worden, sich ausgesöhnt und diesen ihre beleidigung vergeben haben Siebenkees v. letzten willen 125. ⟨1795⟩ seinen haß konnte nichts aussöhnen Tieck (1828)8,4. ⟨1795⟩ der gute mensch sucht oft durch aufopfernde thaten sein gewissen wieder mit seinen gedanken auszusöhnen Jean Paul I 3,97 ak. 1808 (er) ging, völlig ausgesöhnt mit seinem schicksal, fort Kleist 3,279 Sch. 1810 herr, söhnt euch aus mit gott, denn ihr müßt sterben A. W. Schlegel Shakespeare (1797)9,1,62. 1810 unsere mitunter gewissermaßen heftige polemik auszusöhnen Goethe II 4,95 W. 1823 viele menschen suchen das christenthum mit der wissenschaft und kunst .. auszusöhnen Steffens theol. 125. 1843 Makrijanis, der andere chef des 3. septembers, flehte mich heute, ihn mit dem könig auszusöhnen! Prokesch-O. brw. 184 Sch. 1850 sie söhnte sich, als sie den thron bestieg, / mit allen ihren feinden aus Hebbel I 2,255 W. 1905 wer zwei streitende aussöhnen will, .. Luxemburg (1970)1,2,594. 1931 meine eltern und geschwister hatten sich schon mit meinem eintritt in die katholische kirche ausgesöhnt Verkade antrieb 9. 1946 man hat sich später wieder in aller form ausgesöhnt und vertragen Heuss Bosch 272. 1988 eine erkenntnis, die uns aussöhnte mit unserem unerlaubten hiersein Homberg stunde 55. 2 mit sachl. objekt ‘etwas sühnen, ausgleichen, wiedergutmachen, wettmachen⟨1609⟩ daß die größten laster und greulichsten sünd mit wenig gulden ausgesöhnt Geizkofler 20 W. 1616 damit das jenig, was in den sechs tagen gesündigt vder versaumbt ist worden, durch den sontag der aufferstehung wider außgesöhnt werde Albertinus Lucifer 203 DNL. ⟨1647⟩ Mahmud will sein böses leben mit wallfahrten außsühnen Olearius reisebeschr. (1663)386a. ⟨1654⟩ lieber einen eyd .. gebrochen und .. außgesöhnet, als einem getreuen freunde mit willen etwas zu wieder thun ders., rosen-thal, in: reisebeschr. (1696) B 2b. 1657 das gantze land ist voll / voll volck, das bald dein blut mit blut aussöhnen soll Gryphius trauersp. 384 LV. ⟨1682⟩ alles, was mißhellig ist, desto gelegensamer auszuarbeiten und auszusöhnen Hohberg georgica (1687)1,25a. 1760 aus was ursache du .. diesen langen weg zurückgehest? .. ein verbrechen auszusöhnen, das ich vorhin begangen habe Steinbrüchel Philoctetes 82. 1774 in Oberdeutschland sagt man auch etwas aussöhnen, d. i. dafür genug thun, ein vergehen durch reue .. tilgen. allein dieser gebrauch ist im hochdeutschen ungewöhnlich Adelung wb. 1,583. 1786 die alte gewohnheit, einen mord mit geld auszusöhnen J. v. Müller eidgenossenschaft 1,114. 1791 ein einzelnes verbrechen schien nur durch eine kette von gewaltthaten ausgesöhnt werden zu können Schiller 8,70 G. 1834 ein paar millionen im budget eines solchen staates .. sind in zukunft imstande, alles unglück des zufalles auszusühnen archival. forsch. arbeiterbewegung 5,1,23 S. auch ‘etwas entsühnen 1814 flehten ihn die Athenienser an, daß er ihre stadt reinigen und aussöhnen sollte Goethe I 16,508 W.

aussühnen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1529, Zeile 73 [Fröhlich]
AUSSÜHNEN vb.   s. aussöhnen.

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Zitationshilfe
„aussöhnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/auss%C3%B6hnen>, abgerufen am 27.11.2020.

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