Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ausschöpfen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1379, Zeile 62 [Fröhlich]
AUSSCHÖPFEN vb.   mhd. ûzschepfen, gerundet -schöpfen, vgl. glossenwortschatz 8,323a S.: ûzscepfen exhaurire, vereinzelt unumgelautet. 1 schöpfend herausbringen, ausleeren. a etwas, bes. eine flüssigkeit nach und nach vollständig (aus einem behältnis) herausholen, aufnehmen, auch im bilde: 2.h13.jh. swenne ez ze lange ungeregent ist, so suln si ez (die bader das wasser) dez nahtes austragen und aus scheppfen nürnb. polizeiordn. 275 LV. ⟨1347⟩ also geschicht, das korn ist ob dem stabe, das sol man usschöpfen vntz uf den stab weist. 1,36 G. 1428 item eynem oppherer das wasser uszuscheppin under der zogebrugke vor sand Nicklaus thore 2 tage 2 gr. 2 pf. cod. dipl. Lusatiae superioris II 1,523. ⟨1541⟩ vil schoͤns vnd geleüterts golds, so man auß dem sand des Rheins außschoͤpfft vnd wescht, floͤtzt vnd außbrent Münster cosmographei (1550) 570. 1613 auch fontem, darein s. Potentiana daz mit einem schwammen außgescheüfft bluet der martyrer getragen gesandtschafts-reise Aschhausen 119 LV. ⟨1740⟩ roßmühle, welche eine kette mit eimern bis auf den grund treibet, die .. schlamm und sand ausschöpfen Dielhelm antiquarius (1744)891. ⟨1855⟩ am .. gestad .. stand ein fischer im kahn und schöpfte das wasser aus Scheffel 1,163 P. 1908 so fuhr er durch die welt, schöpfte den letzten tropfen aller kulturen aus Brod Nornepygge 282. ⟨1958⟩ gleichmütig schöpfte er aus, ohne aufzusehen Apitz nackt (1960)66. b etwas, ein behältnis, gewässer nach und nach (von flüssigem) ausleeren, technol.etwas, einen brunnen, teich trockenlegen’, auch im bilde: ⟨1464/70⟩ ein hüll hinder sand Klaren kirchoff hat man .. ie zu zeitten fegen lossen einen paumeister. die hab ich .. lassen trucken außschopfen Tucher baumeisterb. 238 LV. 1521 vor war dir woͤlt ich (das fieber) das laͤsterlich hirnleyn außschaͤpffenn, lissestu mich eynes schuchs breyt hiereyn Hutten 4,138 B. 1523/4 lest sich düken er wolle den Jordan .. mit seynem münde ausschepffen Luther bibel 1,449 W. 1587 das trucken abschlagen der bäch an ihren flüssen, auch gumpen ußzuschöpfen, solle genzlich vermitten pleiben württ. ländl. rechtsqu. 2,656 W. ⟨v1638⟩ wer kan außschöpffen das meer, der kan auch ein böses hertz begehren Lehmann florilegium (1640)119. 1723 (ellipt.:) weil man aber wegen der leith hat mangl gehabt außzuschöpfen und außzutragen (das grab), chr. Sonnenb. 1,197 H. 1879 der zorn schöpft die seele aus und bringt selbst den bodensatz an’s licht Nietzsche stud.ausg. 22,403 C./M. 1958 irgendwann einmal war die zigarette aufgeraucht, der kaffee ausgetrunken, .. der wortbrunnen ausgeschöpft Steinberg wechsel 260. 1968 kaum war der kessel ausgeschöpft, wurde wieder wasser eingefüllt Loest abhang 267. 1999 eine wöchnerin soll vor dem wasserholen salz in den brunnen werfen, sonst schöpft man den brunnen aus thür. wb. 1,456. 2 übertr. von 1. ausnutzen. a etwas, ein potential, eine möglichkeit vollständig nutzen; etwas restlos erkennen, erfassen: u1470 die magt in solcher klarheit prinnet / und zirhait, dy ir gat (gott) hat sunder aussgeschöpfet (in fülle zugeteilt) Beheim ged. 3,1,245 DTM. 1472 biß sie (die frauen) die warheyt von den mennern erlernen vnd außschoͦpffen Eyb dt. schr. 1,93 H. 1534 niemand kan seine (gottes) guͤte außgründen noch außschepffen Agricola sprichw. A 7b faks. ⟨1642⟩ und dieses übergebenedeyeten namens bedeutung und verstand selbs, als welcher mit einem wort zu geben oder auszuschöpffen allen andern sprachen unmüglich Dannhauer catechismus milch 1(1657)74. 1788 daß unser publicum ihn (don Carlos) noch zehenmahl wird aufführen sehen können, ehe es das gute begriffen und ausgeschöpft hat Schiller 25,53 nat. 1793 (Wutz) schöpfet eine (minute) um die andre aus, und jede minute trägt einen weitern honigkelch Jean Paul I 2,434 ak. 1830 wir wollen alles süße und alles bittere bis auf den grund ausschöpfen Mörike br. 1,136 F./K. 1895 das wissen, daß es etwas gibt, woran einer sein ganzes leben setzen kann, und schöpft es doch nicht aus Hofmannsthal prosa 1,227 S. ⟨v1926⟩ darüber gibt die nach meiner meinung noch nicht völlig ausgeschöpfte stelle 1. Kor. 15,5 ff. in urkundlicher weise auskunft Holl kirchengesch. (1921)2,46. 2005 in diesen (sport)disziplinen schöpft er zurzeit aus, was möglich ist n. zürch. ztg. (28.1.)41c. b etwas bis auf den grund aufbrauchen erschöpfen, leer machen, beseitigen, in älterer spr.jmdn. durch überbeanspruchung ausbeuten’; als part.adj. ausgeschöpft i. s. v. ‘erschöpft, entkräftet, ausgeleert 1472 vnd der mensch, der vil vnd manicherley wollust haben will, die das gelt außschoͦpffen, der mag nit fuͦr reich gehalten werden Eyb dt. schr. 1,35 H. 1523 ey. sagt soe. wir haben nur ein (juristen) zu Orliens, der hat schier die gantz stat verderbt vnd außgeschoͤpfft flugschr. ref. 4,272 C. 1525 wissen wyr keyn opffer mehr, denn das er am creutz than hat .. und damit ausgeschepft hat aller menschen sunde Luther w. 18,23 W. ⟨1534⟩ die mit taͤglichen uͤbungen außgeschefft vnd marckloß kaum .. schnauffen moͤgen Franck encomion (o. o. u. j.)17b. 1661 mit diesem wesen hat er (Nero) alle seine vnnd des römischen reichs schätze außgeschöpffet acerra philologica 57. 1794 ich bin müde, müde und ausgeschöpft Jean Paul III 2,39 ak. 1841 je mehr nun eine dichtung aus dem bloßen gedanken hervor ging, .. um so eher wird sie also verstanden und aufgefaßt, um so sichrer aber auch bald ausgeschöpft Hebbel II 2,96 W. 1932 als wäre die sprache der menschen ausgeschöpft und für ewige zeiten verdorrt Roth radetzkymarsch 153. 2002 wenn der augenarzt seine diagnostischen möglichkeiten ausgeschöpft hat und dem patienten nicht ausreichend helfen konnte berl. ztg. (8.8.)31e. 2005 das aus eigener kraft zu erzielende wachstum ist mittlerweile ziemlich ausgeschöpft n. zürch. ztg. (13.1.)24b.

Im ²DWB stöbern

a b c d e f
ausschlachten
Zitationshilfe
„ausschöpfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/aussch%C3%B6pfen>, abgerufen am 25.11.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)