Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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aufsieden, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 743, Zeile 11 [Grimm]
AUFSIEDEN vb.   mnd. upsêden. 1 in wallung geraten, brodelnd emporwallen, (durch wärmezufuhr) aufkochen, auch übertr.: ⟨u1375⟩ dein hercz wuͤrde .. vor grosser hicz aufsiden Johann v. Neumarkt 3,172 K. 15.jh. nym etick edder wyn. .. unde nym eyn weynich honnighes. lat se (gefüllte krebse) darmede upseden mnd. kochb. (braunschw. jb. 37)35. u1520 zorn ist ein aufsieden in der gall Paracelsus I 1,280 S. 1562 so bald es (das in d. pfanne gefüllte rindsblut) auffseudt, wirfft es ein trefflichen schaum vbersich Mathesius Sarepta 180a. 1665 mein gebet ist .. oftmal gar kalt gewesen, welches anjezt durch die hitze dieser noht anfähet aufzusieden Bucholtz Herkuliskus 828a. 1715 thue es (wasser) in einen kessel und laß es auffsieden Frisius fleisch-hauer 826. ⟨1840⟩ da mich einige etwas unsanft anzutasten wagten, fühlte ich mein ungeduldiges arndtsblut aufsieden Arndt 1,51 R./M. ⟨1869⟩ ein paar minuten später glitten wir schon durch die wasser, die um den kiel aufsiedeten Spielhagen s. rom. (1895)3,53. 1931 ihren aufsiedenden zorn .. niederzwingend Handel-M. hochzeit 158. 2 etwas (kurz) zum aufwallen, kochen bringen; etwas kochen, in neuerer spr. noch öst.: ⟨1545⟩ süsser granatenoͤpffelsafft mit dem kraut vō teschelkraut vnd weggraß vermischt mit eim wenig des saffts licij zertriben vnd messigklich auffgesotten Ryff chirurgei (1559)1/5,179b. ⟨1645⟩ nim̄ geläutert honig, siede ihn auff mit unnachläßlichen ümbrühren Gubert stratagema (1688) 201. 1716 hernach siedet man sie (äpfel) auf und presset den safft aus ihren schalen Marperger küch- u. keller-dict. 36a. 1773 man siedet eine gewisse quantität cartoffeln .. dergestalt auf, daß sie sich schälen lassen d. neueste v. gestern 3,214 B. 1886 so daß also das schweinfurter grün als ein doppelsalz von arsenigsaurem und essigsaurem kupferoxyd erscheint. durch aufsieden der mischung erhält man übrigens das grün in wenigen minuten b. d. erfindungen 84,610 R. 1926 die bas soll dir schnell .. einen wein aufsieden mit zuckerkandel und zimmet Grogger Grimmingtor 491. 1969 die milch aufsieden Ebner Duden, Öst. 33b. etwas (erneut) aufkochen, aufwärmen, auch bildl.: ⟨v1543⟩ des andern tages .. sotten sie das gebraten fleisch widerumb auff und assens Federmann Südamerica 156 LV. 1778 letzteres ist eigentlich einer meiner urältesten knochen, der nur mit einer nagelneüen brühe wieder aufgesotten ist Bürger br. 2,240 S. ⟨1859⟩ wurden die vermoderten diplome wieder aus der rumpelkammer hervorgesucht und zu erneutem gebrauche aufgesotten Holtei erz. schr. (1861) 29,249.

aussieden, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1446, Zeile 45 [Schmitt]
AUSSIEDEN vb.   mhd. ûzsieden. 1 etwas bis zum siedepunkt erhitzen, kochen, auchmetall schmelzen’, vereinzeltätzen’, mit objektwechsel ‘etwas durch einen erhitzungsprozeß herauslösen, gewinnen, herstellen, etwas durch erhitzen reinigen ⟨u1300⟩ da gat ain brunn da man saltz / ús súdet, der es haben sol d. saelden hort 6667 DTM. ⟨u1480⟩ darumb muste man die sole aussieden Spittendorff denkw. 238 O. 1562 da sihet man die silbern spangen .., so weiß vnd artig, als het sie ein goldtschmid außgesotten Mathesius Sarepta a 5a. ⟨1562⟩ wie ein wescher oder pleycher mit seiner borriß, laug vnnd seyffe die schmaltzigen vnnd garstigen fleck auß einem besudelten kleyde außseudet ebd. 172a. 1566 die metalla zu schmelzen, zu scheiden, auszusieden und zuzurichten Aurifaber nach Luther tischreden 1,566 W. 1570/7 wann du die milchgefehsse aussieden lessest, geuß solch spülicht in locum secretum haushaltung in vorwerken 77 E./W. ⟨1682⟩ einen unangenehmen artzneyischen geruch nach ausgesottenem hönig Hohberg georgica (1687)1,829b. 1712 da doch die wurtzel in wasser ausgesotten, einen lieblichen eßig .. giebet Marperger naturlex 678. 1754 man nehme einen neuen tiegel, und siede ihn erst mit reinem wasser aus Döbel jäger-practica 2,144a. 1801 (bildl.:) wer zu einem gekrönten poeten (poeta laureatus) ausgesotten oder ausgebrannt sein will Jean Paul I 5,116 ak. 1811 troz mich die sonne an dem heißen tag unterwegs ausgekocht und ausgesotten hat, wie ein pfündlein rindfleisch Hebel br. 471 Z. 1821 wenn .. die striche einer kupferplatte mit verhärteter druckerschwärze angefüllt sind. in diesem falle muss man sie mit lauge aussieden Bartsch kupferstichkde. 1,279. 1823 es ist daher ein wesentlicher unterschied, ob das knochenmehl aus alten oder gar ausgesottenen, oder ob es aus frischen knochen verfertiget worden sey Schwerz ackerbau 1,65. 1904 aussieden .. butter zu schmalz auskochen Fischer schwäb. wb. 1,521. 1934 (redensartl.:) gib heut einmal acht, wie es die kühlen, ausdenkten Schweizer (beim viehhandel) machen, wie ein ausgesottener (‘ausgekochter’) jaßspieler (kartenspieler) Dörfler notwender 111. 1963 in neun stunden mußte alles (erz) auch das, was .. noch nachgelegt wurde, gar, ausgesotten sein Kühn Gloriosa 283. 2 selten intrans. ‘aufwallen, durch sieden gar werden A15.jh. efferuere aussyden in: Diefenbach gl. 196a. 1541 ebullire aufwallen, auszsüden, süden Cholinus/F. dict. 305a. 1649 und wird ein grosses stukk fleisch bey kleinem feuer nicht aussieden Harsdörffer gesprächsp (1641)8,526. 1715 wenn nun der aal recht ausgesotten Amaranthes frauenzimmer-lex. 3. 1795 und es braust’ aussiedend der kessel Voss Luise 37.

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Zitationshilfe
„aussieden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/aussieden>, abgerufen am 30.11.2020.

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