Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ausspeien, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1460, Zeile 49 [Schmitt]
AUSSPEIEN vb.   ahd. ûzspîwan, -spîwen, -spîgen, mhd. ûzspîwen, -spîgen, -spîen. zum nebeneinander von st. u. schw. flexion des grundverbs s. 1DWB 10,1,2076.ausspucken’, häufig als zeichen des abscheus, mit objektetwas schlechtes, schändliches widerliches von sich geben, erbrechen, etwas heftig, im schwall von sich geben, verströmen’, häufig bildl. u. übertr.: ⟨800/10⟩ er tho nam inan fon thero menigi suntrigun, santa sina uingara in sina orun inti uzspiuuanti ruorta sina zungun Tatian 286,1 S. 863/71 ward tho mennisgen we, thaz er nan (Adam den apfel) uz thoh ni spe Otfrid II 6,27 E./S. ⟨u1070⟩ so sculen uuir uzspîuuen zallerêrist alle dîe unsûberheit dar mite uuir beuuollen sîn ält. physiologus 11,20 W. ⟨u1085⟩ Ninive da sint der merevisc Jonam uzspe annolied 9,7 M. ⟨u1120⟩ so sculn wir uzspien. die unser werltliche sunte jüng. physiologus 11,27 W. E13.jh. ob der man sich selben vor dem gerihte wischet oder im snvzet oder vʒ spiwet schwabenspiegel 211b L. 1491 dann das ertrich ist gewoͮn undertwilen die gesaltzen und bittern schlimfúchti uss zuͦ spyen Oesterreicher Columella 1,79 LV u1492 die ding, die ir hie in wollust empfahend, die werdend ir in den peinen außspeyen franziskan. schrifttum 1,134 R. hs.2.h15.jh. (daz er dich nicht laz widerkeren czu sunden alz ein hunt czu seinem vngedoͤwten) var.: ausgespeytn̄ (koͤstel) Johann v. Neumarkt 3,189 K. 1533/4 (Barcozab) tet gleich sam er flammen ausspib Turmair 4,2,859 ak. 1540 da ich (Jonas) bin in den fisch gefarn, / .. spewt er mich auß auffs land mit macht Gart Joseph 83 Sch. 1546 weil du aber law bist, .. werde ich dich ausspeien aus meinem munde (apoc. 3,16) Luther bibel 7,431 W. 1557 solche und dergleichen heimische schmehung und schandwort speien die lesterer aus wider das euangelium Christi Poach nach ders., w. 28,337. 1562 (redensartl ) vnnd wuͤrde hie auch der Deutschen sprichwort war: ein volles hauß speyet seinen eigen wirt auß Mathesius Sarepta 120a. z.j.1588 düe (Türken) spüen iber mich aus, sagten: der gauer, das ist: der christ stinct nach wein Kiechel reisen 396 LV. 1613 vnd wurde der arme schelm so hart geprügelt, daß er blut ausspiehe Wild reysbeschr. 73. ⟨1657⟩ speyet aus und räuschpert euch zuvor / und gebet uns denn ein liebreiches ohr Gryphius lustsp. 31 LV. 1669 derhalben (wurde) mein magen also erschüttert, daß ich lung und leber hätte außspeyen mögen Grimmelshausen Simplicissimus 321 Sch. 1745 man giebt dadurch den verächtern der geoffenbarten religion ohne noth gelegenheit, giftige spöttereyen auszuspeyen J. F. Jacobi betrachtungen 2,184. 1782 sein aug speit feuerflammen aus / als säht ihr Hekla blizen Schiller 1,97 nat. 1787 denn niemahls spie die höll’ ein ähnlich unthier aus Alxinger Doolin 76. 1789 den kuckekasten wird wohl der tändelnte he. onckle die meße ausspeyen (‘spendieren’), wan nur der dreck nicht so viel kostet in: Bürger br. 3,263 S. 1805 daß Kant keine strumpfbänder trug .., im letzten jahre viel ausspeite W. Grimm brw. jugendzeit 39 Sch. ⟨1854⟩ als er .. viel wasser ausspie, die augen aufschlug Auerbach (1857)8,116. ⟨1888⟩ zucken sie (anrede) die achseln und speien sie vor ihm aus. er wird wissen, was sie meinen Heyse [1924] III 3,313. 1904 ich speie nur die wahrheiten aus, an denen ich sonst ersticken würde jugend 206c. 1917 Balrich spie aus, vor so viel taubheit und dummheit H. Mann d. armen 105. 1936 oben drüber rasselt das ungeheure automatenwerk und speit alle drei sekunden ein fertiges chassis aus Distelbarth Frankreich 366. 1967 der tag kam, an dem die großen überlandbusse scharen von schülern ausspien Welskopf-H. licht 245. 1986 in die mundhöhle geratene ätzende flüssigkeit ist sofort auszuspeien Lorenz biochemie 15.

Im ²DWB stöbern

a b c d e f
ausschlachten
Zitationshilfe
„ausspeien“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ausspeien>, abgerufen am 04.12.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)