Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ausspreiten, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1480, Zeile 66 [Sattler]
AUSSPREITEN vb.   mhd. ûzspreiten, mnd. ûtsprê(i)den. 1 etwas, sich ausbreiten, etwas verteilen, etwas auffasern: ⟨u1235⟩ driu künsterîchiu bluomenrîs / hânt sich dar ûf in mange wîs / vil spæhlîche zerleitet / und bluomen ûz gespreitet Rudolf v. Ems Alexander 3122 LV. ⟨E13./A14.jh.⟩ swer gotes lêre enpfâhen wil, der muoz ûfgân und übergân über allez, daz ûzgespreitet ist: des muoz er sich verzîhen meister Eckhart dt. w. 3,240 Q. 1394 mit eneme vthghesprededen boldeke vnde mit ver lichten darvmme in: Schiller/L. mnd. wb. 5,175a. 1462 die garn hettu so wit ußgespreit hist. volkslieder 1,532a L. 1491 (die weinbeeren) ain wenig uff den tafeln uß spraͤtten, das sy nit mit ir sweri gedruckt .. werdint Oesterreicher Columella 2,291 LV. 15.jh. so er (gott) neur drei stund speis auß spreit fastnachtsp. 1,13 LV. 1509 so solten sye (die henker) die eschen nemmen, / .. vnd die bald werffen in die Ar, / weyt spreiten vß vmb hjn vnd har Murner 1,1,151 Sch. 1546 der samen wechst .. an den stengeln in außgespreitten zaͤselen Bock kreütterb. 1,1b. 1554 ein oͤhriner adler mit außgespreitē flügeln Herold heydenweldt g 2a. 1574 in den geberden soltu sein zuͤchtig, eingezogen, die arm nit von dir werffen, noch die finger außspreitē Höniger narrenschiff 70b. 1624 der schad (eine entzündung) sich durch die gantze brust hat außgespreit Fabricius anatomy 24. 1647 dann 20,000 mann sich weit außspreyten und weit herumb verlögt und außgethailt werden müeßen Bürster schwed. krieg 205 W. 1706 das graß sicher abmäyen und zur tröknung außspreiten Scheuchzer naturgesch 1,1,27. ⟨1775⟩ wenn er den docht ausspreitet und wohl auflockert F. H. Jacobi Allwills briefsamml. (1792)1,231. ⟨1797⟩ der kriegsrath .. rieb die augen mit seinen ausgespreiteten händen Tieck (1828)15,209. 1809 spreitet sich aus die smaragdene au Werner tgb. 83 LV. 1888 der alte .. spreitete die finger aus und starrte in die luft Rosegger ges. w. 12(1925) 42. 1908 das wehende purpurrote tuch, das er ausspreitete, an goldener standarte befestigte und hoch emporflattern liess Brod Nornepygge 190. ⟨v1937⟩ der schatzmeister liess den grössten der strohsäcke im hof ausspreiten und mit dukaten füllen Jegerlehner walliser sagen (1959)259. 2 etwas verbreiten, nur auf abstrakte bezugsgrößen angewendet: 1480/1 gebot der künig .. vßzuͦspraiten die kunst vnd die bücher zuͦ meren Pforr beispiele 8 LV. ⟨1529/32⟩ nach dem befelch Christi sein namen ausspreiten Paracelsus I 14,364 S. 1618 also kan der fürsten gunst, / wan sie die phæbische saitten / vergüldet, mit süsser kunst / ihr ewiges lob außspraitten Weckherlin 1,109 LV. 1741 daß er (Merkur) .. sich gemüßiget finden würde ein actionisten- und korn-wuchrer geschrey in die welt auszuspreiten Lindenborn Diogenes (1740)2,163.

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Zitationshilfe
„ausspreiten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ausspreiten>, abgerufen am 30.11.2020.

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