Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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aufstürmen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 797, Zeile 70 [Scheider]
AUFSTÜRMEN vb.   1 etwas stürmend mit gewalt öffnen, etwas erobern: ⟨1525⟩ zu diser zeit rannten die aufrurigen hin und wider und sturmeten den burgerhof auf, namen daraus geschutz gross und klein chr. Bamb. 2,9 Ch. 1535 als aber die porten auffgestürmbt vnnd auffgebrochen gewesen Micyllus Tacitus 388a. 1702 die fenster aufstürmen dessen, der nicht aufmachen will Kramer dict. 2,1028c. 1854 die stadt aufstürmen 1DWB 1,754. 2 jmdn. innerlich aufwühlen, verwirren; auch jmdn. zu etwas aufstürmen ‘anstacheln ⟨1773⟩ geist gottes, der hochherlicher engel chor / aufstürmt am weltthron Voss s. ged. (1802)3,75. 1790 so wurden die braven Niederländer aufgestürmt, die waffe .. zu züken chronik 860 Sch. ⟨1835/42⟩ mit jenen greulichen göttern der zwietracht, die das land aufstürmen gegen die Troer Gervinus dt. dicht. (1853)1,274. ⟨v1847⟩ da stürmt ihn auf ein tötlicher gedanke: / und wenn ich wirklich nun gestorben wäre .. Strachwitz ged. 7359 W. 1931 Elisabeth .. las den schluß, der wunderbar mit den gedanken ihres im tiefsten aufgestürmten herzens zusammenklang Handel-M. hochzeit 457. 3 sich stürmend erheben, in aufruhr, wallung geraten: ⟨1793⟩ (Skamandros) sprachs, und drang auf Achilleus in trüb’ aufstürmender brandung Voss ilias (1802)2,237. 1798 die scene, wo .. die .. senatoren von ihren sitzen aufstürmten Iffland laufbahn 58 DLD. 1851 aus den hell erleuchteten synagogen .. stürmt in ungeordneten dissonanzen ein geschrei zu den wolken auf Kaufmann bilder 22. 1917 irrtum und selbstquälerei, aufstürmende freude und lebenslust in: lit. echo 19,1178 H. 4 ärmel u. dgl. hochschlagen, hochkrempeln: ⟨1869⟩ mit der weißen schürze und den aufgestürmten hemdärmeln Felder 1,167 S. 1904 Fischer schwäb. wb. 1,427.

ausstürmen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1527, Zeile 28 [Fröhlich]
AUSSTÜRMEN vb.   mhd. ûzstürmen, mnd. ûtstörmen. 1 sturmlaufen, erstürmen. a vereinzelt ‘ausschwärmen, losstürmen ⟨u1362⟩ dien menschen beschiht als den binlin ..: so die zitig werdent und dez ersten us stúrment usser den koͤrben Seuse 159 B. ⟨1793⟩ nein, alle zugleich ausstürmend / gegen die reisigen Troer erheben wir grause vertilgung! Voss ilias (1802)2,193. 1811 ich will ihm decken seiner augen glanz mit meiner hand .., wenn er in zorn ausstürmen möchte A. v. Arnim 3,40 Sch. ⟨1827⟩ und war rennend auf denselben fleck wieder gelangt, von wo er ausgestürmt war Tieck (1828)19,87. 1918 aber als er von neuem nach ihr ausstürmte, da fand er sie nicht mehr Bartsch dichter 128. b etwas (ein gebäude) im sturm nehmen (u. leerräumen, plündern, das innere zerstören), auch mit objektwechselvertreiben, plündern 15.jh. de koning deer Danorum quam vnde wolde vdstormen Stadium, dat ys Staden in: Schiller/L. mnd. wb. 5,178b. z.j.1506 (sie) sagten, es wer da unter der vesten des Kolben haus ein taiber (‘nest’) voller haimlicher hurn .., sie wolten sie außstürmen und wolten den hurntaiber zuprechen und zerstörn Deichsler in: (Nürnb.) chr. dt. städte 11,696. ⟨1531⟩ da stürmten sy die heuser auß, funden sy ettwas das man jn verholen het so schluͦgen sy die verhaͤler Franck zeitb. 1(1551)39b. ⟨1531⟩ (Anastasius) stellet die vßgestürmptē bilder wider in̄ dē tempel ebd. 178a. 1534 ich habe aller vnbilligkeit widerstanden, so viel mir muͤglich, des hat man mich ausgestuͤrmet vnd mir alle mein gut genomen Witzel Koch S 1a. ⟨1538⟩ darumb wirt sie (die sünde) jm auch nit zuͦgerechnet, weyl er die fuͤß taͤglich waschet, vnd dz vberig der sünd taͤglich außfegt vnd außstürmt Franck arch (1539) 46a. 1647 Jupiter! dreymahl hastu nach mir vergebens mit deinem donner geslagen, dreymahl habe ich dir den himmel ausgestürmet Schottel lustgarte 233. 2 aufhören zu stürmen, bis zur erschöpfung stürmen, auch refl.sich austoben 1645 weil sich beydes dorf vnd stadt / auff den acker macht mit hauffen, / nun es außgestürmet hat Dach ged. 1,145 Z. 1729 da es nun ausgestürmt und lang genug gewähret, / so hat der himmel auch sich einmahl aufgekläret Abel sat. ged. 1,341. ⟨1878⟩ als die erste übermächtige erschütterung sich ausgestürmt hatte Heyse [1924] I 5,387. ⟨1890⟩ dasselbe (flüßchen) das droben .. durch die felsenriffe tobte. .. dort auf sanfter bahn, im seichten bette hatte es ausgestürmt Ebner-E. 6(1893) 172. 1931 frag mich nicht, ich weiß es nicht, ich mußte mich ausstürmen Kurz Vanadis 5526. 3 vereinzelt ‘etwas stürmisch äußern, hervorbringen ⟨1804⟩ jenes bedrängende gefühl am busen eines theilnehmenden freundes harmonisch gewaltig auszustürmen Goethe I 40,276 W. ⟨1836⟩ als diese wünsche an den bedenken der tante .. scheiterten, stürmte er seinen kummer und verdruß in der unbändigsten verschwendung aus Immermann 7,41 B. 1913/4 der mund aus dem dieses gewaltige geschöpf seinen langen atem ausstürmen würde Rilke s. w. (1987)6,1140.

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Zitationshilfe
„ausstürmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ausst%C3%BCrmen>, abgerufen am 04.12.2020.

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