Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ausstecken, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1496, Zeile 1 [Grimm]
AUSSTECKEN vb.   mhd. ûzstecken, mnd. ûtsticken, -stēken. zum schon mhd. zusammenfallenden trans. u. intrans. stecken s. 1DWB 10,2,1,1298 ff. 1 etwas (sichtbar, als zeichen) steckend befestigen, außen anbringen, aufstecken: ⟨u1350/77⟩ (hierher?) der teuffel well umbs himelreich / mit unserm herren vechten schir, / wann er hat sein panir / und sein vaͤnel aus gestechet Teichner 359,145 DTM. 1449 der hanntwerk gezelt aufslahen, ein pannyr aussteken und schutzen schreiben (Nürnb.) chr. dt. städte 2,249. E15.jh. es solle auch nyemandt hie bier schenken, er hab dann desshalb einen offen zeiger oder gitter aussgesteckt nürnb. polizeiordn. 265 LV. 1583 den̄ so bald die schiffleut die anckern auffgezogen vnd das segel außgesteckt (‘gehißt’), der hoffnung, nach Londen zu schiffen Amadis 1,64b. z.j.1587 wurde in allen heüsern lüechter für düe fensterr wüe auch auf denn thürnen ausgestöcht Kiechel reisen 191 LV. 1671 daß er .. befahl, uns zu vierteihlen und an die öffentliche straßen auszustekken, damit jeder verstehen möchte, was wir im schild geführet Pinto, reisen 261. 1731 ein gantz besonders rarer fisch, den sie selbigen mittag in ihren ausgesteckten angeln gefangen hatte Schnabel Felsenburg 1,197 DLD. 1849 als wir erwachten .., steckten wir auf dem balkon des Russischen Hofes die deutsche fahne aus! Schuselka fahrten 2,89. ⟨1909⟩ indessen kam der frühling, und die bäume steckten .. ihre ersten grünen blätterfähnchen aus Braun mem. 181,267. 1918 bei lagergefahr spannt man schnüre über das feld, welche man an ausgesteckte pflöcke befestigt Schlipf hdb. landwirtschaft, DWDS-arch. 1929 Olid hatte stillschweigend quartiermacher vorausgeschickt, die .. die besten häuser aussuchten und mit ausgesteckten grünen zweigen für seine leute bezeichneten Friedenthal eroberer 408. ⟨v1957⟩ (im bilde:) unter diesem gewaltigen himmel .., der .. die phantastische illumination seiner myriaden sterne ausgesteckt hat Fürnberg 4,149 ak. 1969 ausstecken .. zum zeichen, daß neuer wein ausgeschenkt wird, einen buschen, kranz o. ä. über dem tor des gasthauses .. aufhängen Ebner Duden, Öst. 39a. selten intrans., sichtbar befestigt sein: n1391 vorkoper, hoken und geste scolen up den markt nicht kopen di wile di wisgh utstecket berl. stadtb. (1883)31. 1513 doch soll der artickel, so von den frembden smiden uff die sambstag, dweil das baner ussteckt, feilzuhaben gemacht ist, hiemit nit uffgehebt syn frankf. zunfturk. 1,472 Sch. 2 etwas, eine fläche markieren abstecken, durch aufgesteckte zeichen begrenzen, etwas bezeichnen festlegen, planen: 1393 (richter und älteste) solten tayln und auz merken und auz stekken ainen placz ainer gemain (zur bebauung), in: Stolz Südtirol (1927)3,2,108. 1427 eyn rum tzu eyme kretzeme .., als her das uf dy tzeith betzeichente und usstackte in: frnhd. wb. 2,1426. 1528 in ßo korter tidt, alße syner a. w. (Bugenhagens) dorch hochgemelten churfursten mith uthgestickedem termyn syner a. w. affreyße van hir upgelecht, .. ßo gar weynich uthrichten mach in: Luther brw. 4,602 W. 2.h16.jh. wann ein undtertan sein getraidt bey dem .. flecken abgeschniten, und der zehentner durch in angelangt würde, den zehendt austzustecken (!) oder zu heben Walther traktate 146 R. 1578/1601 das sie (die ratspersonen) .. solten (im wald) gemeiner stadt Trautnaw .. holz (zum fällen) ausstecken und abmessen Hüttel chr. Trautenau 217 Sch. ⟨v1683⟩ weil die großmüthigkeit .. ihren ursprung und sitz in dem hertzen hat, müssen wir .. ihr ein ziel nach dem maßstabe der unumschräncklichen seele ausstecken Lohenstein Arminius (1689)1,203a. 1719 geschicks-unwissenheit verhüllte ihm (dem heiligen Norbert) was vor ort ihm zum erb-theil ausgestecket in: Abraham a s. Clara kramer-laden (1710)3,673. 1791 so hatte man bereits läger – auf dem papier ausgestekt, operationsplane eingegeben chronik 783 Sch. 1846 und sie hoben das werk (den bau der kapelle) an, / steckten das viereck aus und den schmäleren chor Mörike 21,359 M. 1954 (bildl.:) Kant hat das ideal ausgesteckt, Hegel den fortschritt im bewußtsein der freiheit Bloch hoffnung, DWDS-arch. 1967 (skisport:) Eberhard Riedel gewann am Fichtelberg einen mit 45 toren ausgesteckten riesenslalom sportecho (9.11.)6b. 1996 das grossprojekt der gleisüberbauung Eurogate beim zürcher hauptbahnhof ist ausgesteckt und ausgeschrieben n. zürch. ztg. (23.8.), DWDS-arch. 2005 in einem „drehend“ ausgesteckten kurs seien auf dem aggressiven kunstschnee Erik Schlopy und er nur schwer zu schlagen ebd. (9.2.)39c. 3 etwas hinaus-, herausstecken, nach außen von sich weg strecken: ⟨1530⟩ den weingarten .., wie er sein est aussteckt und seine zweig Paracelsus II 4,105 S. ⟨v1565⟩ einem einen muͤnch stechen, die zunge vber jhn ausstecken Mathesius Syrach (1586)2,11b. 1569 doͤrfften derselben kuͤnen helden etliche den kopff nit zum fenster außstecken theatrvm diabolorum 300b. ⟨1633⟩ der musen sommer-hauß / Parnassus steckt wie er zwey hohe spitzen auß / und raget in die lufft Opitz op. [1689]1,29. ⟨v1683⟩ steckte er seine lincke hand gegen dem aufgehenden voll-mond aus und thät ein gelübde Lohenstein Arminius (1689)1,11a. ⟨1733⟩ ich .. wollte ihn (den mann) umfassen; aber er stieß mich von sich, steckte die zunge aus und blöckte mich an Liscow schr. (1739)381. 1820 die guten leute verlieben sich leichtlich in ein paar schöne augen, stecken beide arme aus nach der angenehmen person E. T. A. Hoffmann 10,140 G. 1837 (redensartl.:) Line plagt sich mit den kindern, Wittover steckt fortwährend den esel aus, und Wilmsen ist in ewiger rührung über die lieben seelen Droste-H. br. 1,243 Sch. K. 1997 vor monaten schon hatte Netanjahus politischer berater Arad die fühler nach Bonn ausgesteckt frankf. allg. ztg., DWDS-arch. seemänn.: 1904 ausstecken .. von dem an bord befindlichen rest einer kette oder eines taues, dessen anderes ende außenbords fest ist od. hängt, mehr auslaufen lassen Stenzel seemänn. wb. 30b. 1966 in jedem fall ist der wassertiefe entsprechend genügend leine auszustecken, damit der anker auch hält Zeiske/B. meeresangeln 171. 4 im lehmbau die zwischenräume in einem fachwerk mit holzlatten versehen (wie ausstacken, ausstaken, 1DWB), etwas, wege mit holz befestigen: 1578/1601 die leimene pastei, welchs ausgesteckt und gekleibet umb die kirchmaur Hüttel chr. Trautenau 72 Sch. 1740 bey dem ausstecken der gebäude aber, die hernach gekleibet werden, ist es (espenholz) wohl zu nutzen, es schwindet nicht Rohr phyto-theol. 169. 1789 daß die wege, straßen und gassen alle jahr ausgebessert, morast und wasser im frühling und herbst mit aufschlagung gräblen fleissig abgeleitet und besonders alle jahr wenigstens ain stück, wo es am nöthigsten, ausgestekt .. werden württ. ländl. rechtsqu. 2,539 W. 5 pflanzen, samen in die erde bringen: hs.1625 dieselben (pflanzen) solle man ainem ieden nach gelegenhait seiner pflanzgarten gleichmeßig außstecken öst. weist. 1,35. 1712 einige (winden) wachsen wild, einige hingegen werden in gärten, kästen oder blumenscherben ausgestecket (‘ausgepflanzt’), um damit auf den altanen und vor den fenstern eine zierde zu machen Marperger naturlex 375. 1854 bohnen, kartoffeln ausstecken 1DWB 1,985. 6 selten, etwas herausziehen, in jüngster spr. ‘ein elektrisches gerät vom stromnetz trennen, den stecker ziehen 1855 jenes .. brieftaschen aus- und einsteckende publikum, welches die nähe großer geschäftsresidenzen bezeichnet Kürnberger d. amerikamüde 51. 1999 als müsse man sein telefon immer wieder ausstecken, um gebühren zu sparen frankf. allg. ztg. (28.9.), DWDS-arch. 7 etwas (vollständig) bestecken, verzieren: ⟨1831⟩ du warst mit erde kaum bedeckt, / da kam ein freund heraus, / mit rosen hat er ausgesteckt / dein stilles schlummerhaus Uhland ged. 1,95 Sch./H. ⟨1939⟩ es war also hohe zeit, den teig der striezel zu kneten, zu flechten und mit zibeben und mandelstiften auszustecken Werfel himmel (1952)110. 1965 nicht so kostspielig, aber sehr wirkungsvoll ist das ausstecken der kästen mit tannen-, fichten-, taxus- oder mahonienzweigen wochenpost 43,30b.

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Zitationshilfe
„ausstecken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ausstecken>, abgerufen am 27.11.2020.

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