Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ausstreuen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1524, Zeile 14 [Fröhlich]
AUSSTREUEN vb.   as. ūtstrewian, -strōian. etwas (werfend fallen lassend) austeilen (vor allem saatgut, körniges), etwas säen, spenden, ausbreiten, geruch, nebel u. ä. ausströmen, licht abstrahlen; auchetwas verstreuen’; häufig im bilde, nur gelegentl. mit objektwechseletwas mit etwas vollständig bestreuen 9./10.jh. sternerent vt. stréidín ahd. gl. 2,584,56 S./S. 1491 so wirtzs (der bohnensamen) nuͮtzlich by zuͦ legendem mon uss gestroͤwt Oesterreicher Columella 1,86 LV. 1553 (ellipt.:) er strewet auß, vnd gerne gibt / den duͤrfftigen vnd armen Waldis psalter 205b. ⟨1640⟩ die äuglein streuen aus die süße liebes saat Zesen Helikon (1656)1, Z 4b, anh. (reimwb.). 1752 die erde raucht von dampf, verschloßne grüfte streun / erhitzte nebel aus Wieland I 1,114 ak. 1797 streuten die Franzosen zettel aus, worin den Preußen und Oestreichern allerhand vortheile versprochen wurden Laukhard leben (1792) 4,1,406. ⟨1811⟩ er machte .. zwei schöne gruben neben einander, die er mit kräutern und blumen ausstreute Brentano 11,29 Sch. ⟨1822⟩ er .. / reißt mir den kranz aus den erschrock’ nen händen, / zerpflückt ihn höhnend, streut ihn höhnend dann / nach allen winden aus! Immermann 16,293 B. 1822 die majorin .. konnte .. den handschuh nicht finden, den sie auf der treppe ausgestreut (‘fallen gelassen’) zu haben glaubte E. T. A. Hoffmann 10,316 G. ⟨1825⟩ so war es Jean Paul, der für unsere enkel die saat der deutschen freiheit ausgestreut Börne 1,793 R. 1836 er hat auch die reichste und angenehmste belesenheit in diesem buche ausgestreut K. A. Varnhagen tgb. (1861)1,26. 1905 wohltaten spenden und leutseligkeiten ausstreuen wie aus der zuckerbüchse Ebner-E. macht 136. 1965 äste, deren rinde noch saftig abriß, die einen süßen holzsaftgeruch über den ganzen hof ausstreute Schneider tage 281. 2005 luftbestattungen, wie das ausstreuen der asche im ballon über Frankreich, gehören heute zum angebot vieler bestatter n. zürch. ztg. (21.1.)12b. übertr. ‘etwas (nachrichten, informationen) verbreiten, unter die leute bringen’, überwiegend in verleumderischer absicht: 1523 got der allmechtig streut sein wort yetz in den letsten zeitten wunderbarlich auß Lotzer schr. 41 G. 1560 auff das es dich darnach nit rew, / so man dein geheimnus auß-strew! Sachs 6,355 LV. 1685 fama streuet das gerüchte dieses herrlichen sieges überall aus sp. türkenbelagerung 56 WND. ⟨1785⟩ dieß gab dem teufelischen vater anlaß, auszustreuen, sein eigener sohn habe auch .. hexen gelernt Jung-S. Theobald (1827)2,30. 1848 im interesse beider (gruppen) liegt es, den einfluß der früheren volksmänner zu untergraben, durch ausgestreutes mißtrauen, durch verdächtigungen Zimmermann dt. rev. 597. ⟨1996⟩ auch von stasi- oder KGB-mitarbeit wurde gemunkelt, doch konnte das von der stasi selbst ausgestreut worden sein de Bruyn jahre (1998)175. selten refl. ‘sich verteilen, nach verschiedenen richtungen ausziehen’ , auch im zustandspassiv: 1532 die feindt .. streweten sich also weit ausz auff die fütterung vnnd in̄ die aͤcker Frontinus raͤthe 9a. ⟨1682⟩ die beste zeit die königlein (kaninchen) zur speise auszufangen, ist im winter, zwey stund vor tages, .. denn um diese zeit sind sie ausgestreuet, ihre nahrung zu suchen Hohberg georgica (1687)1,92b. 1816 und öfters streuten sich erhellende funken von dort auch durch andre abtheilungen des heeres aus Fouqué sängerliebe 64. 1838/9 das gold war ihrer schürze entfallen und hatte sich, eine blanke saat, um sie ausgestreut Immermann 3,70 B.

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Zitationshilfe
„ausstreuen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ausstreuen>, abgerufen am 27.11.2020.

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