Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

auster, f.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1538, Zeile 14 [Schmitt]
AUSTER f.   gelegentl. auch mit s-plur. (nach mnl. vorbild ). mit wechselnden schreibungen des stammvokals oster, uster; seit dem 17. jh. setzt sich die moderne (obd.) schreibung auster durch. schon ahd. in aostorscâla (ahd. sprachdenkm. 39 S., vgl. et. wb. ahd. 1,295). mhd. vereinzelt oster m., mnd. ōster; durchgängige belegung erst seit dem 16. jh., was auf eine neuübernahme (aus dem nl., s. de Vries nl. et. wb. 479b) weist. zugrunde liegt vulglat. ostria (vgl. in den rom. spr. etwa afrz. oistre, uistre, frz. huître, it. ostrica), aus lat. ostrea, ostreum, vom grch. ὄστρε(ι)ον (‘schalentier’), im germ. vertreten z. b. durch mnl. nnl. oester, ae. ostre, engl. oyster, an. ostra. 1 eßbare muschel, die in warmen u. gemäßigten meeren vorkommt, gattung der familie ostreidae: ⟨1349/50⟩ ostrea haizt ain oster. daz ist ain mervisch und ist der sneken geslähtes Konrad v. Megenberg b. d. natur 256 P. 1512 ostrea oester in: Diefenbach gl. 403b. 1565 die schiltkrotten haben ein harte rinde, die ostern vn̄ moscheln harte heußlin Heyden Plinius 327. 1575 wer von solchem leder winterstifel het, der moͤcht getroͤst nach vstern fischen, dann sie wuͤrden kein wasser fangen Fischart geschichtklitterung 393 HND. 1594 es muͤssen auch waͤlsche essen vnd auslaͤndische speise von austern .. da sein Spangenberg adelspiegel (1591)2,448b. 1645 thu das maul auf wie ein ostern, damit die perle deiner wort herausfliessen Harsdörffer gesprächsp. (1641)5,236. 1652 o schöner Elbestrohm, du bringst ohn unterlaß / krebs, muschlen, austers und vom Rhein daß edle naß Rist Parnass 64. 1652 wie man abgesottene ostrien oder austrien öffnen und vorlegen soll Harsdörffer trincirb. 84 faks. 1669 das wasser ist so clar, daß man sie (die perlentaucher) gehen, vnd wie sie die ousters abbrechen, sehen kan Herport reise 160 L’H.N. 1702 oster (nell’alta Germania) auster f., oesters, austern plur. .. ostrica (ostrega) lat. ostrea Kramer dict. 2,174b. ⟨1715⟩ daß man die oesters ohngebraten, gantz rohe mit citronen-safft essen kan Rottmann philosophus (1734)129. 1718 ich habe die 3 wochen her schir von nichts, alß austern undt salat, gelebt Elisabeth Ch. v. Orleans br. 3,229 LV. 1737 ach wenn ich doch in Hamburg sässe, / und ietzund frische austern ässe Henrici ged. (1727)4,263. ⟨1769/73⟩ .. antwortete der sohn, indem er eine auster ausschlurfte Hermes Sophie (1778)1,11. 1795 du bist gnügsam wie eine auster Kotzebue Benjowsky 2. 1819 „champagner, ein dutzend austern!“ schrie er E. T. A. Hoffmann 4,7 G. ⟨v1836⟩ dieser mensch war zwei jahre in Paris und ist so einfältig wie eine auster Raimund 338 C. ⟨1869⟩ austern sind ein sehr gesundes essen in: arbeitertheater 125 K./M. 1898 weil er nicht mehr so an der scholle festnistet, .. setzen wir den tintenfisch hoch über die auster Bölsche liebesleben 1,297. 1906 allerdings heben hummern und austern die allgemeine wohlfahrt nicht Heigel biogr. essays 21. 1936 bei einem so harten bissen, wie ihn eine schalengepanzerte auster darstellt Frisch du 83. 2000 als entwurzelter starb er (Oscar Wilde) am 30. november vor hundert jahren – überzeugt davon, vergiftete austern gegessen zu haben berl. ztg. (25./26.11.)7d. 2 mdal., gallertartiger, schleimiger auswurf: 1724 verwichen hat sie das faconetl vergesßen, so hat sie nach meiner arth auf die erd geschneizt, da ist mein herr gleich da gewessen und hat die austern aufgelegt, sagendt, es sey daß siesseste ihrer seelen Stranitzky haupt- u. staatsaktionen 2,383 WLV. 1939 auster .. der gallertartige auswurf des menschen, trockener nasenschleim .. austern sw. spucken Ziesemer preuß. wb. 1,340b. 1976 da licht ne fette auster! brand.-berl. wb. 1,389. 1999 thür. wb. 1,472.

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Zitationshilfe
„auster“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/auster>, abgerufen am 27.11.2020.

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