Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

austoben, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1540, Zeile 22 [Schmitt]
AUSTOBEN vb.   1 mit dem toben, rasen, wüten zu ende sein, aufhören, auch refl.; nicht immer sicher von 2 zu trennen: 1562 Jesus Christus, der stehet fuͤr die seinigen .. wider den teuffel vnd alle seine helffers helffer, vnd da einer außgetobt vnd außgeschnarchet, hebt er jmmer einen nach dem andern auß dem sattel Mathesius Sarepta 133a. ⟨1579⟩ so bald er (der most) nur verjoren vnd außgetobet hat Sebiz feldbau (1580)522. 1652 sein (des Mars’) rasen ist vorbei, nun hat er außgetobt Rist Parnass 224. ⟨v1749⟩ die angst, die dich gequält, hat endlich ausgetobt J. E. Schlegel 1,13 Sch. 1788 ihre (Antwerpens) innern (religions)stürme hatten ausgetobt Schiller 7,290 G. 1842 ein gewitter muß man austoben lassen Alexis Woldemar 1,110. 1848 seit drei oder vier tagen hats in einem geregnet, ich hoffe die schlechte zeit tobt sich recht aus J. Grimm unbekannte br. 384 Sch. 1855 Heinrich hatte unterdessen endlich ausgetobt Keller 19,295 F. 1902 nachdem die rinderpest ausgetobt hat Peters goldland 348. 1928 das wetter hatte sich ausgetobt, der himmel war von seltener reinheit Bürgel abenteuerb. 41. 1975 nerven behalten, austoben lassen! Eggerath beichte 88. 2000 man blieb in Haar (der entzugsanstalt) bis man sich ausgetobt hatte Hilbig provisorium 249. 2 seiner wut, seinen gefühlen, wünschen u. ä. freien lauf lassen, jünger weit überwiegend refl., häufig mit präpositionaler ergänzung; auch i. s. v.sich (bei etwas) abreagieren, sich (in etwas) verwirklichen1747 die sündlichen sprüch-wörter, .. als wenn man unter andern saget: .. man mus die jugend lassen austoben Walch moral 121. 1755 deine begierden und dein geschmack sind itzt deine tyrannen. laß es gut seyn; man muß sie austoben lassen Lessing 2,285 L./M. 1777 Kastor, dessen heißer begierde der Sizilianer (Theokrit) noch dazu das letzte hindernis seinen vater Zeus mit einem wetterstrahl aus dem wege räumen läßt, damit sie in aller gemächlichkeit sich austobe Heinse br. gemäldegalerie 178 W. 1791 der nordische krieg, der als ein hochgewitter aufzog, wird verweht werden, ohne auszutoben chronik 370 Sch. 1797 ich wollte oft austoben, und gerieth in händel Laukhard leben (1792)4,2,286. ⟨1825⟩ eine unbändige wuth, welche austoben mußte Immermann 8,49 B. 1831 ich will .. mich an der orgel etwas austoben Mendelssohn-B. br. 61,187 M.-B. ⟨1840⟩ Herz Helft war ein praktischer mann, er hatte erst geheirathet, nachdem er sich sattsam ausgetobt hatte Auerbach (1857)13,24. ⟨v1881⟩ die züge desselben tollen wesens .., das sich in jenen schriften austobte Bluntschli denkwürdiges 1,341 S. 1915 am schlimmsten .. hat sich aber Percy Mackaye .. gegen Deutschland ausgetobt in: lit. echo 17,878 H. 1919 aber die jugend muß sich austoben; das ist ihr gutes recht Pfordten Weber 11. 1953 wieder mal richtig ausgetobt? Menz schüsse 136. 1978 schlagersänger tobten sich am mikrofon aus Kleine heute 176. 1980 noch einmal aus sich herausgehen, noch einmal sich austoben, ja? Strausz rumor 24. 2001 den love-parade-teilnehmern könnte es doch egal sein, wo sie sich austoben berl. ztg. (7./8.4.)9f. trans. ‘etwas ungezügelt äußern, etwas ohne scheu, hemmungslos ausleben, verwirklichen ⟨1782/7⟩ nachdem er .. seine stürmende leidenschaft ausgetobt hatte Musäus volksmärchen 1,114 M. 1847 die fremden sättigen ruhig ihre neugier in den fiakern und toben ihre laune in den hotels aus Glaszbrenner volksleben 1,36. ⟨1925⟩ er mußte jetzt durchaus .. die ungeheure spannung austoben Federer papst (1926)367. 1928 junge männer, die ihre kraft austoben wollen Fischer körperschönheit 78. ⟨1968⟩ die saubande da oben. immer toben sie an den kleinen leuten ihren machtrausch aus Grün Pospischiel (1970)237. 1976 sadisten nur wenige (unter den bewachern) die sich natürlich nach vorne schoben, weil sie ihre veranlagung voll austoben konnten Ch. Wolf kindheitsmuster 424. 1986 habt uns eine hauptrolle angewiesen in küche und garten, damit wir unser klein menschsein austoben können, die blumen pflegen und das figürlein Trampe tanzstunde 121.

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Zitationshilfe
„austoben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/austoben>, abgerufen am 25.11.2020.

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