Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

austrinken, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1563, Zeile 72 [Scheider]
AUSTRINKEN vb.   mhd. ûztrinken. eine in einem gefäß befindliche flüssigkeit vollständig trinken. mit objektwechselein gefäß trinkend leeren’. auch mit bezug auf den konsum von tabak (vgl. trinken II A 1 1DWB). älter gelegentl. verstärkend rein, sauber austrinken, phraseolog. das bad austrinken (müssen) ‘etwas büßen, für etwas geradestehen müssen’ (vgl. ausbaden): ⟨u1147⟩ sam mir mîn gesunt, / dû trinchest ez (das getränk) ûz unz an den grunt kaiserchr. 7511 MGH. ⟨u1210⟩ so schenke in disen tranc vür win / und la sin trinken uz in ein Gottfried 711463 R. ⟨14.jh.⟩ ir hêren, durstet ûch ieht, / sô drinkent ûz disen wîn Salman u. Morolf 283,3 V. 1472 do die pecher mit mancherlay wein vnd großem geschray werden gesatzt auff den tisch, gekroͦnet vnd auß getruncken Eyb dt. schr. 1,76 H. 1521 also habē wir dißen verdrieß mit der hefen, als man spricht, außgetruncken Hutten 4,258 B. 1522 wir trincken ein masz in einem trunck vsz Pauli schimpf 159 LV. ⟨1557⟩ (mit persönl. dat.:) der herr gedacht, es were guͦt, er wolt ihr (der magd) den kaͤller befelhen, so were er ohn sorg, das ihme nit vil wein außtruncken ward Montanus schwankb. 45 LV. 1575 vnnd war sein lust sauber außzutrincken Fischart geschichtklitterung 60 HND. 1669 wir trancken deren eyer etliche auß Grimmelshausen continuatio 87 Sch. 1683 ja, ja, es wird noch manchen bogen papier kosten, ehe die tummen schelmen jhre taback-pfeiffen werden ausgetruncken haben Weise Masaniello 19 HND. 1683 welche (armen teufel) ohne allen zweifel das bad austrincken müssen Beer sommer-täge 360 HND. 1766 er .. schien sich des vergangenen eben so wenig zu erinnern, als ob er den ganzen Lethe ausgetrunken hätte Wieland Agathon 155 Sch. ⟨1794⟩ (redensartl.:) nun mögt ihr auch austrinken, was ihr eingegossen habt Klinger s. philos. rom. (1810)1,84. 1826 (metonym.:) wie der vergnügte, liebe, dicke herzog sehr viele gesundheiten ausgetrunken habe Heine 3,31 E. ⟨1835⟩ sie .. griffen nach dem glase, stießen an und nickten, tranken rein aus und schauten bedenklich auf den grund des bechers Tieck (1828)27,47. ⟨1853⟩ gelingt es ihm (dem iltis) in einen hühnerstall einzubrechen, so begnügt er sich gewöhnlich, die eier auszutrinken und eine henne in sein versteck zu schleppen Tschudi thierleben (1858)146. ⟨1928⟩ sie trank das glas in einem zug aus Grünberg Ruhr [1948]89. ⟨1934⟩ Johann griff enttäuscht nach seinem maßkrug und trank aus Scharrer maulwürfe (1945)46. 1963 mit Rom wurde umgegangen wie mit einem bierkrug, den man rasch austrank Bernhard 1,218 H./S.-D. 2003 sie will den orangensaft nicht austrinken Ch. Wolf tag 162. in übertr. verwendung mit persönl. dat. auch i. s. v.jmdm. etwas rauben 1778 jezt ists so, als wenn du mir das aug austrincken woltest, wenn du es küßest Hippel lebensläufe 1,244. 1839 sie trank meiner küsse lodernde glut / mit dürsten und mit lechzen. / sie trank mir fast den odem aus Heine 1,9 E. ⟨1872⟩ ihr irrt euch, ich weiß es besser, mutter Fehse, sie (die spukgestalt) hat ihm die seele ausgetrunken Storm 3,231 K. 1906 er fühlte ihren mund brennen, er fühlte ihn sich anpressen und gierig festsaugen, als wolle er ihm das leben austrinken Hesse rad 245.

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Zitationshilfe
„austrinken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/austrinken>, abgerufen am 30.11.2020.

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