Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ausweinen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1589, Zeile 1 [Grimm]
AUSWEINEN vb.   1 zu ende weinen, aufhören zu weinen, auch bildl.: ⟨1493⟩ wan̄ die weinstoͤck nit weynē wasser, sunder dicke feüchtigkeit. .. in dem meyen .. wann die stoͤck die man wolt ympffen (‘pfropfen’) vßgeweynet hetten Petrus de Crescentiis, nutz d. ding (1518)40b. 1499 das du es (die missetat) nit vßloͤschest mit trehern das du gar vßweyntest Terentius b 6b. ⟨1630/6⟩ die luft hat ausgeweint, der himmel läßt den flor / der schwarzen wolken ab, der sturm, der ist vorüber Fleming ged. 1,514 LV. ⟨1769/73⟩ endlich habe ich ausgeweint; nun werden doch meine augen so lange troken bleiben, daß ich einige zeilen aufs papier bringen kann Hermes Sophie (1778) 6,194. ⟨1836⟩ weine aus. ich setze mich solang’, bis du fertig bist Grabbe 3,331 F./Z. 1917 weinen? nee, das hat sich ausgeweint – du! Nespital wanderer 66. 1924 die sonne lacht und scheint! / die lufft hat auß-geweint! Holz blechschmiede 2,398. 2004 die nordische seele hat ausgeweint, über dem land der tiefen fjorde liegt ein hauch von levante n. zürch. ztg. (25.8.)34d. selten mit objekt: 1909 der becher leides ist ganz ausgeweint – / und alle meine tränen ausgetrocknet C. Hauptmann pansp. 37. 1948 er hatte seinen ganzen tränenvorrat ausgeweint Grünberg schattenquartett 1,75. 2 etwas herausweinen, weinend hervorbringen, durch weinen bewältigen redensartl. (sich) die augen ausweinen heftig u. lange weinen: 1532 ich hab schier meine augen ausgeweinet, das mir mein leib dauon wehe thut (klagel. 2,11) Luther bibel 11,1,378 W. 1648 da man sie (die trauben) zwinget dan, gleichsamb auf dem todbeth, / mit allem safft und krafft ihr leztes auß zu weinen (beim keltern) Weckherlin 2,385 LV. 1696 weine reue-thränen aus, weilen du noch augen hast, und bitte umb vergebung persian. baum-garten, in: Olearius reisebeschr. 97a. ⟨1782/7⟩ indessen hatte sie sich die augen ausgeweint Musäus volksmärchen 2,127 M. ⟨1798⟩ er sehnte sich nach der einsamkeit, nach dem walde, um dann von seinem freunde entfernt seinen schmerz ausweinen zu können Tieck (1828)16,11. 1865 ich .. setzte mich in den dunkelsten winkel, um meinen ärger auszuweinen Raabe 9,1,339 H. 1912 er (Heine) von dessen lager nie die grazien wichen, und der .. seine grausigsten leiden .. in bezaubernden versen ausweinte, herausschluchzte, ausblutete Hermann nacht 40. 1947 am ersten abend, als der kranke schlief, weinte sie ihren ganzen jammer bei ihr aus. wieder und wieder erzählte sie ihr, was geschehen war Lorentzen-S. erde 445. 1994 es gibt keine frauen auf der welt, bei denen ich das ausweinen könnte n. zürch. ztg., DWDS-arch. 1997 ich hätte mir auch in meiner hotelsuite den ganzen tag lang die augen ausweinen können frankf. rundschau, DWDS-arch. sich durch (langes) weinen erleichterung verschaffen, seinem gefühl weinend ausdruck verleihen, zur genüge weinen, sich weinend erschöpfen: ⟨1567⟩ wie sie (die königin) gantz schwach waͤr vn̄ sich so gar außgewainet, das man maynet sie wurd kain nacht mer vberstehn Nas warhait 2(1570)225a. 1631 die Elbe selbst, die hat euch (die toten) gleichsam aus erbarmen / im wurf gefangen auf mit aufgesperrten armen, / .. so sehr sich ausgeweint, daß sie gering und klein / ist worden dreißigj krieg 261 O./C. 1785 ich habe mich ausgeweint, daß ich nicht mehr kann Iffland jäger 132. ⟨1825⟩ erschöpft, ausgeweint, begiebt sie sich nach ihrem stübchen Immermann 8,41 B. 1849 ich könnte wohl, so groß die welt ist, kein plätzchen finden, wo ich mich ausruhen und ausweinen könnte Cornelius lit. w. 1,94 C. ⟨1897⟩ und wieder bin ich auf dem weg nach haus, / ein milder, sanfter regen weint sich aus, / wie frühlingsregen Liliencron s. w. (1904)8,175. 1900 ihr lieblicher mund zuckte wie bei einem kind, das sich ausgeweint hat Viebig weiberdorf 103. 1986 mir wurde die trennung erst zu hause bewußt, wo ich mich erst mal richtig ausweinte schüleraufs. 184 Ch./L. 2002 als mutter sich ausgeweint hatte, bekam sie einen abwesenden, ihren binnichtzuhauseblick Grass krebsgang 3169.

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Zitationshilfe
„ausweinen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ausweinen>, abgerufen am 27.11.2020.

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