Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

auswetzen, vb.

Fundstelle: Band 3, Spalte 1604, Zeile 42 [Fröhlich]
AUSWETZEN vb.   1 eine schadhafte stelle an einer schneide ausschleifen, eine scharte wegschleifen, selten konkret, schon zuerst bildl., dann häufig übertr.etwas wiedergutmachen’, bes. redensartl. eine scharte (wieder) auswetzen, früh häufig militär. ‘eine niederlage wettmachen’ , dann auch allg. ‘einen fehler, makel, ein versagen tilgen⟨1458⟩ wann eins und vier, funf und neun (die jahreszahl) man setzet, / so wirt der sensen ir scharten außgewetzet, / das spricht Hans Rosenplute hist. volkslieder 1,511b L. 15.jh. do mag eim reu kumen ein, / das .. in ein briester hald außwetzt / vil gleter seiner sunden scharten, / dann einer ein rostige helmparten / mit eim schuchfleck die wol polirt Folz in: fastnachtsp. 1,384 LV. 1553 es werde letstlich Bamberg und Niernberg herhalten und (wie man spricht) die scharten allein auswetzen muessen Christoph v. Wirtemberg brw. 2,311 E. 1639 seine Rugianer wetzeten auch den scharten wegen der empfangenen niederlage bey Lübeck bald wider aus Micraelius Pommerland 1/3,206. 1675 gestalt es auch zu gnädiger vergebung ausschlug, wofern er die scharte mit einem erbaren und höflichen tugend-liede auswetzen würde Weise leute 345. ⟨1727⟩ er hat, was er gefehlt, hernachmals ausgewetzt König ged. (1745) 382. 1820 so will ich alle scharten, die an mir sind, nach und nach auszuwetzen trachten, wenn auch meine klinge dadurch kleiner wird J. Grimm kl. schr. 8(1890)461. ⟨1824⟩ du haust mit scharfem schwert, doch seh’ ich darin scharten. / vielleicht wetz’ ich sie aus. du, küsse mir die hände Immermann 14,67 B. ⟨1855⟩ man muß dem menschen nicht die gelegenheit entziehen, eine scharte auszuwetzen Freytag (1886)4,456. 1895 als der Büttnerbauer halt machte im hauen, weil seine sense gegen einen stein geschlagen, und er die scharte auswetzen mußte Polenz Büttnerbauer 117. ⟨v1901⟩ ich hatte .. nicht die beste arbeit geliefert und mich überdies als unzuverlässig gezeigt. würde mir wohl verstattet werden, die scharte wieder auszuwetzen? Haym leben (1902)216. ⟨2000⟩ diese drohenden gefahren wurden dann durch regelmäßige besuche bei der krankengymnastik auszuwetzen versucht Illies generation (2002)13. 2001 hatte er noch eine scharte auszuwetzen, die ihm die wähler 1996 geschlagen hatten frankf. allg. ztg., DWDS-arch. selten eher i. s. v. ‘etwas scharfschleifen’, übertr. ‘etwas schärfen aufpolieren’, phraseolog. ‘etwas an jmdm. erproben, an jmdm. auslassen 1588 so uͤbt er sich auch noch darbei / auff seytenspilen allerley, / sich etwan darmit zuergetzen / vnd eynen vnmut außzuwetzen Fischart 1,271 DNL. ⟨1595⟩ wilt du dein zorn an mir außwetzen / vnd mir allein die busz auffsetzen? Rollenhagen froschmevseler (1621) M 2a. 1605 es muß ein guter meister seyn der ein alt verrostet beyl wol außwetzen wil Petri weissheit Cc 3b. 1668 da denckt er seinen muht begierlich außzuwetzen, / in hoffnung, grosse ding und thaten zu begehn Schirmer aeneis 623. ⟨1682⟩ einen schleiffstein und kleinere wetzstein, den zeug, wann er stumpff worden, zu schärffen und auszuwetzen Hohberg georgica (1687)1,618a. 1685 di kron ist ausgefüllet, / .. sehr hoher roeth, hoechst ausgeaetzt, / das alle kunst an ihr sich ausgewetzt Kuhlmann in: dt. lit. 3,229 K. 1741 allein er glaubete nichts rechtes zu seyn, woferne er nicht in fremden landen seine würcklich besessene wissenschaft besser auswetzete, und in die gehörige gestalt brächte Lindenborn Diogenes (1740)2,429. 1847 der .. gutmüthig die hobel und stämmeisen, die bohrer und schnitzmesser auswetzte, die wir ihm schartig und stumpf gemacht Goltz kindheit 133. 2 vereinzeltetwas (durch regelmäßigen abrieb) abnutzen’, überwiegend part.adj. ausgewetzt ‘abgeschliffen, verschlissen, abgetragen 1821 die zarten striche sind entweder ganz, oder so sehr ausgewetzt, dass man davon nur zerstreute spuren antrifft Bartsch kupferstichkde. 1,104. v1885 mögen sie (anrede) m. ihrem knien die steine in die kirche a(uswetzen) Sanders erg.- wb. 634b. 1925 du hattest ein schwarzes tüllkleid an, das unter den armen schon ausgewetzt und brüchig war Zech Johanna 6. 1964 der alte Jan Marcin geht in seinem häuschen umher, über die ausgewetzten dielen Bobrowski Levin 163. 1980 stattdessen jeden zweiten samstag in der SZ .. eine literarische ersatzhandlung, noch dazu in der ausgewetzten gattung der ohrenbeichte marx. zeit- u. streitschr., DWDS-arch.

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Zitationshilfe
„auswetzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/auswetzen>, abgerufen am 26.11.2020.

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