Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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bären-.

Fundstelle: Band 4, Spalte 196, Zeile 47 [Solf]
BÄREN-. -beißer m.zur bärenjagd gezüchteter u. abgerichteter hund: 1719 dantzicker bährenbeißer Fleming jäger 1,168. 2000 wilde, starke hunde wie .. bärenbeißer Laichmann hunde 104;-dienst m.;-dreck m.lakritze, (getrockneter) süßholzsaft: 1512 den dryackers (theriak) gibt er zuͦ versuͦchen, / vnd wann der bößwicht loufft hinweg, / so iß es nüt dann beren dreck Murner 2,318 Sch. 1995 ich .. küßte sie .. auf den mund, der nach bärendreck und waldmeister schmeckte süddt. ztg., DWDS-arch.;-fang m.;-fell n.: 1725 bärenfell, gegorben Messerschmidt Sibirien 4,74 W. 2006 (Laestadius) legt sich auf das bärenfell in seinem arbeitszimmer n. zürch. ztg. (18.9.)315; -führer m.;-haft adj.‘wie ein bär’ 1803 von allerältester stammvaterschaft / ist jeder bär ursprünglich bärenhaft Falk taschenb. 324. ⟨1840⟩ er nahm mich mit in seinen wagen, worin wir bärenhaft genug in nordisches pelzwerk vermummt saßen Arndt 1,156 R./M. 2006 seit november fährt der bärenhafte lebensberater zu menschen, hört sich ihre probleme an süddt. ztg. (1.3.)17e;-hatz f.auch bärenhetze: 1563 (der jagdhund wird) in schwein und bärenhetzen mit sonderer rüstung, verletzung zuͦ vermeiden, gewapnet Kirchhof wendunmuth 1,69 LV. 1992 bis ins 17. jahrhundert hinein wurden bärenhatzen auf dem gefrorenen Moskwa-fluß veranstaltet tagesztg. (7.3.), cd-rom;-haut f.; -häuter m.;-hunger m.umgangssprachl. ‘großer hunger’ 1878 wie der bescheidne gast seinen bärenhunger stillt Kant scherz u. humor 17. 2007 etwas gedämpft wurde unser ursprünglicher bärenhunger sicher auch durch das stete knabbern von cornichons n. zürch. ztg. (18.1.)38d;-hüter m.mhd. bernhüetære, nach gleichbed. grch.-lat. arctophylax. nördl. sternbild, auch als Bootes (grch.-lat. ‘ochsentreiber’) oder Rinderhirte bezeichnet. der name nimmt bezug auf den benachbarten Großen Bären (s. bär 3): ⟨M14.jh.⟩ der huͤter der perinne wirt under getaukt in daz mer; der selb Pernhuͤter ruͤrt deu merwazzer mit seinem gestirn Konrad v. Megenberg sphaera 33 DTM. 1995 östlich des Bärenhüters hat sich der hübsche sternenhalbkreis der Nördlichen Krone in eine halbhohe position vorgeschoben frankf. allg. ztg., DWDS-arch.; -jagd f.: ⟨1548⟩ zu der bärenjacht Sachs 21,292. 2004 Rumänien sei für die bärenjagd das beste land der welt n. zürch. ztg. (6.5.)43b; -kasten m.bärenkäfig: ⟨v1688⟩ jener (bär) war absonderlich ein so grausam thier, daß er sich im bärnkasten nicht konte wenden Lehmann schauplatz (1699)539. 1719 und werden von eichen-holtze dicke pfosten zu .. bären-kasten, auffzug- und fallbrücken .. gemachet Fleming jäger 1,70a;-klau m.;-klaue f.pfote des bären: 14.jh. recht als ein bern klouwe / stuonden in (den teufeln) ir hende visio Philiberti 140,492 K. 1994 geschossen werden sie für jagdtrophäen, bärenfleisch und schinken, für bärenfelle und halsketten aus bärenklauen frankf. allg. ztg., DWDS-arch.;-kraft f.: ⟨v1847⟩ so focht die deutsche bärenkraft / für fremder herren rechte Strachwitz ged. 7170 W. 1999 Tvauri .. turnte sich dank seiner bärenkräfte mit 9,625 punkten ins finale frankf. rundschau, DWDS-arch.;-lauch m.s. bärlauch;-mütze f.: 1762 das regiment v. Ziethen hat rote westen, blaue pelze und eine große beerenmüze Carsted atzendorfer chr. 275 S. 2000 trommelnde soldaten unter bärenmützen frankf. allg. ztg., DWDS-arch.;-natur f.: ⟨1553⟩ ich hab bären-natur. / wolt immer geren zürnen nur Sachs 5,315 LV. 2000 (kanzler) Kohl, die kraftvolle und eigensinnige bärennatur frankf. allg. ztg., DWDS-arch.;-pelz m.: 1575 (in der erbschaft:) 1 langen bahrenpelz brand. schöppenstuhlsakten 1,654 S. 2000 schafsfelle und bärenpelze aus plüsch frankf. allg. ztg., DWDS-arch.; -schmalz n.ausgelassenes fett eines bären, früher verwendet bei der herstellung von arzneimitteln, vor allem von haarwuchsmitteln: ⟨n1460⟩ nim .. hundes schmer, dachs schmaltz, bernschmaltz Pfolspeundt bündth-ertznei 116 H./M. 1970 der scharfe geschmack des bärenschmalzes Rédei lehnwörter 109;-stark adj.: 1823 doch war sie (die schulter) bärenstark Byron, w. 7,213 A. 2002 dann wurde Hans Lach von dem zwerghaft kleinen, aber bärenstark wirkenden pfleger hereingebracht M. Walser tod 139;-stecher m.‘bärenjäger’, oft iron.: 1572 o, bloͤder berenstecher, .. / da wolten jhr zween woͤlff erschlagen, / jetzt kan ein todter wolff euch jagen Fischart 2,368 DNL. ⟨1859/67⟩ solche bärenstecher (iron. ‘helden’) werden am häufigsten angetroffen Freytag (1886)20,57;-tatze f.: 1565 baͤren datzen. .. der baͤr hat fleischechte datzen Heyden Plinius 186. 1639 Wülffe, wolgastisch, führen einen schwartzen lewen im blawen (feld) vnd auff dem helm eine beeren tatze Micraelius Pommer-land 4/6,547. 1715 nehmet die bärentatzen .., waschet sie sauber aus, und setzet sie mit wasser ans feuer Amaranthes frauenzimmer-lex. 166. 1850 er hält ihr, weil sie von der sonne incommodirt wird, seine plumpe bärentatze als parasol vor Hebbel I 10,42 W.;-traube f.zu den heidekrautgewächsen gehörende pflanze (arctostaphylos uva-ursi L.): 1763 die bärentraube – chymischmedizinisch behandelt Gerhard (titel). 1993 typische „herbstfrüchte“ .. wie etwa die bärentraube frankf. allg. ztg., DWSD-arch.;-wurz f. s. bärwurz;-zwinger m.‘bärenkäfig’ 1843 ein zerrissener sonnenschirm im bärenzwinger .. wirkte komisch genug Hebbel II 2,318 W. 1999 die idylle am bärenzwinger im Köllnischen Park .. trügt frankf. rundschau, DWDS-arch.

bärenhaut, f.

Fundstelle: Band 4, Spalte 198, Zeile 45 [Solf]
BÄRENHAUT f.   mhd. bernhût. 1 haut u. fell eines bären: ⟨u1240/50⟩ das da heizet wibes sham, / .. die was breiter dann ein bern hut Ulrich v. Türheim Rennewart 30873 DTM. 1359 etliche menschen múgent drissig oder vierzig húte haben, dicker grober swarzer húte als beren húte Tauler 195 DTM. ⟨u1460⟩ do kom der selbe grafens suͦn also mit der pernhawt verstellet auff allen vieren .. gelauffen Hartlieb dialogus 29 DTM. 1563 und man sagt, daß auff ein zeit ein gerber zuͦ einem jäger von wegen einer bärenhaut zuͦ kauffen kommen sey Kirchhof wendunmuth 1,113 LV. 1644 die alten Teutschen haben ihr häubter bedecket mit löwen, wölf und beerenhäuten Harsdörffer gesprächsp. (1641)4,316. 1797 dem teutschen wilden in der bärenhaut Hufeland menschl. leben 91. ⟨1888⟩ bis auf den fußboden .., wo eine bärenhaut lag Rosegger ges. w. 12(1925)319. 1999 aber der bär .. ist kein bär, sondern der junge selbst in bärenhaut n. zürch. ztg., DWDS-arch. wie bärenhäuter (s. d.) ⟨1544⟩ Meßias ist Davids son, und (die Juden) .. heissen ihn ein hurnkind, bernhaut (nachschr.) Luther w. 49,373 W. 2 phraseol. (zur gesch. der redensarten vgl. Röhrich lex. redensarten [1994]1,148 ff.). a die bärenhaut verkaufen, verteilen, bevor man den bären erlegt hat u. ä.einen erwarteten gewinn voreilig ausgeben oder verteilen 1512 vnd hondt die beren hüt verkoufft, / ee das ir einer in erloufft Murner 2,391 Sch. ⟨1626⟩ daß er fort nimmer kein bernhaut verkauffen solte, er hette dann den bären zuvor gestochen Zinkgref sprüch (1628)1,76. 1767 daher beantwortete er diesen vorschlag mit der fabel von der bärenhaut, die nicht eher zu verkaufen sey, ehe man den bären würklich gefangen habe Buchholtz gesch. d. churmarck Brandenburg 3,184. 1850 dieß kleine häuflein demokraten verkauft die bärenhaut bevor der bär gefangen ist allg. amts- u. intelligenz-bl. f. d. Jaxtkreis (16.2.)62a. 1969 etliche parteipolitiker machten sich wie üblich daran, die bärenhaut zu verteilen, obschon das majestätische exemplar wiederum noch nicht gefangen war spiegel 18,113. b als ort u. symbol des müßiggangs oft in wendungen wie auf der bärenhaut liegen, sitzen u. ä., die bärenhaut drücken ‘sich ausruhen, faulenzen’, wohl im anschluß an die schilderung germanischer lebensweise bei Tacitus, Germania 15: 1558 vnd gleichwol auch nicht gern so auff der pern haut liegen vnd faulentzen wolt Musculus kriegsleuth 320b. 1670 ich sitze allhie auf der bernhaut Abele unordn. (1669)2,166. 1729 so kommen sie denn nie von ihrer bärenhaut, / weil ihnen, wie gesagt, vor aller arbeit graut Abel sat. ged. 1,195. 1852 wo gehört denn der Deutsche besser hin, als auf die bärenhaut, um zu meditiren Alexis ruhe 1,85. 1913 ich liege leider gern auf der bärenhaut Dehmel ausgew. br. 2(1923)329. 2000 wer aufschiebt .., liegt selten faul auf der bärenhaut frankf. allg. ztg., DWDS-arch.

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Zitationshilfe
„bärenhaut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/b%C3%A4renhaut>, abgerufen am 16.10.2021.

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