Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

barme, f.

Fundstelle: Band 4, Spalte 209, Zeile 20 [Schmitt]
BARME f.   mhd. bärme, barme, mnd. barme. rückbildung zu barmen 1. in neuerer spr. nur vereinzelt mdal.; wie barmherzigkeit: hs.E12.jh. mere der gûte v̄ der bærme din / denne zwîer ze walde mege sin priester Wernher D 525 W. ⟨u1217⟩ gotes unverzagtiu hantgetât, / die mir Terramêr getœtet hât, / die ergebt an gotes bärme grôz Wolfram Willehalm 5166,23 L. ⟨1.h14.jh.⟩ wankchel laüt an alle parm, / die wil ich recht machen arm schachzabelb. 105 TSM. hs.M15.jh. dar is gekomen ein arme, de begeret diner barme in: Schiller/L. mnd. wb. 1,153b. ⟨v1624⟩ siehe, das wort barm ist nur auf deiner lippen Böhme theosophia (1730)1,96 faks. 1767 de barm leep em aver’t harte brem.-ns. wb. 1,55. 1999 dar hot geene borme thür. wb. 1,563. vereinzelt zu barmen 2: 1882 da möchte man die bärme kriegen! in: thür. wb. 1,563.

bärme, m.

Fundstelle: Band 4, Spalte 209, Zeile 33 [Schmitt]
BÄRME m., f.   mnd. barm, berm, mnl. barme, ae. beorma, ne. barm. im dt. sprachraum nur nd. und md.; das wgerm. *barma-ōn, das mit lat. fermentum (aus *bhér-men-to-, vgl. Wodtko nomina 16) ‘sauerteig’ zu vergleichen ist, ist zu wgerm. *ber-a zu stellen, dies zur idg. wz. *bher- ‘tragen, heben’ (Rix lex. idg. verben 276) mit -men-suffix, also ‘mittel zum heben’. ‘bierhefe 14.jh. fex berme ahd. gl. 3,389,10 S./S. ⟨v1464⟩ wen ik dat ledder scholde weichen, / so nam ik solt unde seichen, / gest unde bermen dede ik darto redentiner ostersp 1402 K. ⟨u1520⟩ van barmen unde ôk van duste / maket me neynen gûden klâret Bote köker 69 ATB. 1575 das die wirdte .. nichts von bier, covendt, seihe oder berme in eignen nutz ziehen hofordn. 1,136 K. 1575 als wan die barm wirt geholet .. soll der undermarschalck dabey sein und auffsicht haben ebd. 123. E16.jh. der bärmen und die ghare soll demjenigen, so brauet, alleine bleiben qu. verwaltungsgesch. Quedlinb. 1,207 L. E17.jh. alß auch von unserm hoffweinschenck und schlüter mit zueignung der heben vom weine, bahrm vom bier, aschen und kohlen großer unterschleiff wegen des darunter zu mengenden guten wein und biers kan gebrauchet werden hofordn 1,288 K. 1708 von bier-hefen oder barmen brennen die branntwein-brenner den branntwein Marperger kauffmannsmagazin 211. ⟨v1799⟩ bärme kommt nicht in abzug, weil bey der brauerey dafür nur ein weniges zur einnahme gebracht wird in: Berg hdb. policeyrecht (1799)5,615. 1832 die bärmen, den teig zu säuern Regis Gargantua 1,765. 1856 ein guter kerl, aber total schiefgewickelt. ein bißchen talent wie bärme im leibe und doch klitschig geblieben Fontane (1919) II 4,136 jub. 1913 (hierher?) was (in der dt. lit. nach Goethe u. Schiller) nachfolgte war bärme Holz ignorabimus XII. 1976 will eener die bärme utdrinken? brand.-berl. wb. 1,472.

barmen, vb.

Fundstelle: Band 4, Spalte 209, Zeile 64 [Schmitt]
BARMEN vb.   ahd. barmênto (adverbial verwendetes part. präs.), mhd. barmen. das zum adj. arm gebildete vb. got. arman, ahd. armên ‘arm werden, sein’ hat schon im got. die kirchensprl. bed. gr. ἐλεεῖν ‘sich erbarmen’. im dt. wird diese bed. als entsprechung von lat. misereri (zu lat. miser arm) mit der präfigierung durch transitivierendes bi- verdeutlicht, vergleichbar mit der ae. präfigierung ofearmian zu ae. earmian, zu earm ‘arm’, sowie mit got. ga-arman, das gr. ἐλεεῖν übersetzt. das als einheit empfundene vb. wird nochmals erweitert in ahd. irbarmên, mhd. nhd. erbarmen. insgesamt ist barmen in verwendung 1 selten gegenüber dem schon ahd. geläufigen erbarmen. in mod. spr. geläufig in der wohl vom md. ausgehenden verwendung 2; verwendung 1 nur noch vereinzelt u. mdal. 1 bedauern, mitleid empfinden oder erregen, meist in den fügungen jmd., etwas ist zu barmen, sich barmen, häufig unpersönl. es barmt jmdn., zuerst: 10.jh. miserando .i. parmanto ahd. gl. 2,184,30 S./S. ⟨A13.jh.⟩ ez begunde in sêre barme Ebernand 1526 B. hs.M/E13.jh. wan si zebarmen ist / allem der sey beschowet priester Wernher A 648 W. 1472/3 mein muͦter die mich so iemerlichen düncket daz es wol ze parmen ist Arigo decameron 180 LV. 1489 kyrieleison her barm dich Brack voc. rer. g 4a. hs.15.jh. als der konig das verstont, da barmet es yne so sere Lancelot 2,114 DTM. 1524 (er [gott] sprach zu seynem lieben son, / die zeyt ist hie zurbarmen) var.: zu barmen Luther w. 35,424 W. 1547 es (das kind) barmmte mych alczu syere Sibylla v. Jülich br. 21 B. v1807 deß barmten / die guten handelsleute sich in: Campe wb. 1,382a. 1931 der patient selbst barmt uns gar nicht so sehr, aber die massen, die dahinter stehen in: gesch. arbeiterbewegung (1966)4,555. 1942 meckl. wb. 1,631. 2 (wehleidig) jammern, sich beklagen, jammernd nach etwas verlangen: 1807 barmen .. erbärmlich, kläglich sich geberden Campe wb. 1,382a. 1832 in dieser klemm hub er zu schreyn, zu flehn, zu beten, zu barmen an Regis Gargantua 1,572. ⟨1843⟩ was barmen sie (anrede) dann um das glühende sonnenelement, mit elektrischen gewalten gesättigt B. v. Arnim 6,166 Oe. 1895 dazu barmte er: „mei geld! mei geld! se han mersch gestohlen!“ Polenz Büttnerbauer 348. ⟨1907⟩ schnurren von solchen merodebrüdern, so noch auf dem weg zum galgen um gut wetter gebarmt haben, damit sie nicht zu lange im regen zu baumeln brauchen Halbe [1917]4,212. ⟨1947⟩ „.. wie schaust du denn aus?“ barmte die händeringende dirn Graf unruhe (1948)222. 1989 die dorffrauen barmend auf der dorfstraße, alle blicke gebannt auf das brennende feld Ch. Wolf sommerstück 169. 1995 hinterher war der jammer groß. warum gerade hier, barmte die bürgerschaft Dieckmann time 159. 2006 sie (die sängerin) schluchzt und barmt bei Puccini mit viel geschmack, ihr seelenschmerz ist stets erlesen berl. ztg. (30.11.)36a.

Im ²DWB stöbern

a b c d e f
bauschig
Zitationshilfe
„bärme“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/b%C3%A4rme>, abgerufen am 19.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)