Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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bleich, adj.

Fundstelle: Band 5, Spalte 391, Zeile 31 [Arbeitsstelle]
BLEICH adj.   ahd. bleih, mhd. bleich.as. blēk, mnd. blēik, blēk; mnl. bleec, nnl. bleek; ae. blāc, blǣc; an. isl. bleikr, norw. blek, bleik, dän. bleg, schwed. blek werden zu einer idg. wz. *bhlē̆i̯g̑‐ ‘glänzen’ gestellt. 1 von geringer farbintensität, blaß, verblaßt: 8.jh. palida pleih ahd. gl. 1,203,7 S./S. ⟨v1022⟩ uuanda er sô rôt neist sô der martis noh sô bleîh sô der saturni Notker 1,725,17 P. ⟨u1300⟩ doch purpur ist wol rôter/ dan coccinum daz toter/ und bleicher an der varbe schînt Johannes v. Frankenstein 7217 LV. 1497 ist sie (wunde) aber kalt das erkant würt durch die weichung vnd entuerbung des gelides zů bleicher farben, so mach die statt warm mit win Brunschwig cirurgia 82b faks. 1539 der ander vnd gemeyn andorn ist der weiß mit den runden bleychen gruͤnen runtzelechten blettern Bock kreütterb. 1,2a. 1559 ir habt aber offt gehoͤret, das der carfunckel bleycher .. wirt .., wenn die, so (ihn) .. bey sich tragen, in vnzucht liegen Mathesius ausgew. w. 1,237 L. 1616 ob wol vil oder wenig möchtten darunder sein, so schlechtt vnd plaich an der farb oder gar nitt gutt weren, so muss der keuffer alles mit einander erkauffen Krafft reisen 124 LV. ⟨1682⟩ diese blätter aber sind dicker und bleicher Hohberg georgica (1687)1,759a. 1720 meine dinte war .. schon lange fast alle, biß auff etwas gar weniges, das ich mit wasser nach und nach so bleich machte, daß mans kaum mehr auffm papier sehen konte Vischer Robinson Crusoe (Hamb.)1, 187. 1753 ringsum schweigt die bleiche natur Wieland I 2,139 ak. 1833 man säh’ der schläfer lange reihn,/ säh von polypen ihr gebein,/ das bleiche, rot umsponnen Freiligrath 1,113 Z. 1894 seh’ ich doch zum allerletzten mal,/ wie die bleichen pfade bunt sich säumen R. Huch ged. 8. 1937 entwurzelte bäume liegen zerschlagen, mit aufgereckten ästen im bleichen rohr Fussenegger mohrenlegende 23. 1997 der jahrhundertkomet verblaßte zum bleichen fleck focus 14,134a. 2 von blasser hautfarbe; oft im zusammenhang mit gemütsbewegungen, krankheit (vgl. bleichsucht f. ), tod. hauptgebrauch: ⟨v1022⟩ uuir suln mêr cheden er uuard pleih er uuard rôt Notker 1,456,26 P. ⟨1.h12.jh.⟩ fun fastene magerit daz fleisc und wirt dat antlize bleich idsteiner sprüche 66 M. ⟨u1220⟩ im was engangen sîn bluot,/ daz er wart rehte bleich Fleck Flore 1073 S. ⟨1331/5⟩ zu hant wurdes du gevar/ vor zorne bleich odir rot Daniel 2975 DTM. ⟨u1460⟩ da erschain in ain weiblich pild mit gar plaichem angesicht in weyssen klaydern Hartlieb dialogus 361 DTM. ⟨u1520⟩ tochter, ietz ist schon hie din stund!/ bleich wirt werden din roter mund N. Manuel 18 B. ⟨v1565⟩ zornige vnd jehe leute haben gemeiniglich das zipperlein, neidische aber sind bleich vnd gelbe Mathesius Syrach (1586)2,38b. 1626 war sie doch durch jhr gesicht, als welches in bleicher seiner farb die augenscheinliche merckzeichen deß vnsichtbaren schmertzen jhrer seel truge, verrathen theatrum amoris 248. u1673 dann ich wurde am leib mager, am verstand untüchtig und stumpff, von kräfften schwach, von farb bleich, von humeur melancholisch Grimmelshausen Simplicissimus 2,516 LV. 1711 eine bleiche farbe, juckende haut, aufgefahrne blattern .. sind alles zeichen einer kranckheit Stranitzky ollapatrida 219 WND. 1784 bleich wie der tod! – jezt erst gefällt sie mir deine tochter Schiller 3,483 G. 1842 die große mehrheit der arbeitenden klassen hatte ein bleiches, abgemagertes, hohläugiges aussehen archival. forsch. arbeiterbewegung 5,1,182 S. 1885 deine wange wird bleich und bleicher,/ deine stirne an furchen reicher Mackay in: d. gesellschaft 1,780. 1922 das fehlt jetzt grad, daß du noch weniger schläfst und issest. du bist, mein’ ich, schon mager und bleich genug Inglin welt 270. 1983 Anna sah Marie, wie sie es (transistorradio) in den dürren, bleichen händen gehalten hatte Behrens fee 194. 2004 gibt es eigentlich einen grund dafür, dass ein so bleicher und magerer rothaariger typ wie doktor Spencer sich seit wochen in dieser bescheidenen wüstenpension aufhält? n. zürch. ztg. (6.7.)35c. blaß machend. in stilistischer verstärkung des substantivs: 1584 daher hat keyser Otto den zunamen bekommen, das er .. der Saracenen bleicher tod ist genent worden Bünting braunschw. u. lüneb. chr. 1,50a. ⟨1627⟩ deß leydes sey jetzt gantz vergessen/ thut weg die bleiche trawrigkeit Opitz geistl. poemata (1638)26 faks. ⟨v1661⟩ sol es aber ja seyn, daß die bleiche mißgunst ihr verfluchtes neid‐gifft wider mich außspeyen und mich anfeinden sol Schupp lehrreiche schr. (1684)779. 1718 ihr kenn’t die bleiche angst der hocherschrocknen sinnen ged. 1,797 Menantes. 1781 bleiches entsezen ergriff mich Voss odüßee 207. 1831 so steigt auch aus dem dornenschooße/ des bleichen jammers und der noth/ hervor das herrliche und große Hebbel III 1,10 W. ⟨1866⟩ daß auch dieses reine und holde weib einem finstern geschick verfallen sei, aus dem ihr keine rettung wird, als durch bleiche entsagung Freytag (1886)16,45. 1905 der grosse verneiner dieses lebens, vor dem sich jede kreatur in angst und bleichem schrecken wand Stilgebauer Krafft (1904)4,340. 1980 oh, blasses, bleiches journalistenlos Strittmatter wundertäter (1957)3,54. 3 hell, weißlich, matt glänzend: 11.jh. alba blehc ahd. gl. 2,674,5 S./S. ⟨2.h13.jh.⟩ er (Job) glichet die vorhte dem golde von Arabia, daz ist edelre dann dekain golt; es ist luter und blaich, dem ist dú vorhte glich st. georgener prediger 93 DTM. ⟨1331/5⟩ idoch ist daz gersten korn/ alumme eckecht, unde vorn/ spitz, bleicher varwe buzen Daniel 2321 DTM. 1497 der stein ist etwas bleich, wiß zü zitten mit rotten ederlin vnd von bilgerin plůt stein genant Brunschwig cirurgia 48b faks. 1534 (sie) ist .. bei dem Homero die bleich, güldin oder goldtfarb Venus genent Franck encomion 28 G. 1570/7 stos den pfahl in einen teich, darinnen viel fische seind, .. so werden sie daran streichen ihren samen als krebeseier, nicht roth, sondern bleich und weißlicht haushaltung in vorwerken 204 E./W. 1611 oben ist er (bienenwolf) schön blaw,/ vnten herumb auch, aber etwas bleich Colerus oecon. 4,553. 1680 er .. aber habe .. eben dergleichen bleichen oder weissen wein gesehn Francisci uberzug 230. 1722 der Jas‐Saul Ulagaš schenkte mir ein bleiches zobelchen und wolfsbalg zur bettdecken Messerschmidt Sibirien 1,250 W. 1784 gediegen gold, welches circa zur hälfte mit silber versetzt ist, so daß mans ihm oft gleich an der bleichen farbe ansieht Forster tgb. 46 DLD. ⟨v1840⟩ um bleiches gold elender verräther/ war nie der sohn so edler väter Gaudy 4,48 M. ⟨1880⟩ ich bin der edelstein und rings um mich ist blei, bleiches, schmähliches blei Nietzsche (1906)4,258. 1904 knaben und mädchen eilten am bleichen strand jugend 644a. 1972 leichter wellenschlag/ an den zarten sand bleichen strandes Kunert ausgang 42. 4 fahl, trüb; vom licht, lichteindrücken: ⟨v1022⟩ einer (Neptun) uuas fone demo mereuuâge plauuer anderer (Pluto) uuas fone nahtlichemo scateuue pleîcher Notker 1,756,9 P. ⟨1349/50⟩ man siht oft ainen plaichen kraiz umb die sunnen oder umb den mônen und haizent in die laien der sunnen oder des mônen hof Konrad v. Megenberg b. d. natur 96 P. 1508 scheint der mon weiß. so wirt es gern schoͤn. .. scheint er aber blaich, so regnet es geren bauernpraktik A 5a H. ⟨1625⟩ der wolcken‐lichter schar verändert ihren schein/ wird sämmtlich blaß und bleich Opitz op. [1689]3,198. 1676 bekandt ist, daß man selbigen kometen von tage zu tage bleicher und .. grösser gespührt Francisci lust‐haus 1133. 1704 den bleichen sternen gleich, die, in dem fernen ziel,/ kaum dass es sterne sind, das auge kan verspüren Wernicke epigr. 332 P. 1796 nun ging auf der bleiche mond Jean Paul I 5,297 ak. 1827 wie die bleiche, müde nachmittagssonne noch einmal errötet, .. geht der alte held unter Grabbe 3,412 F./Z. ⟨1872⟩ das bleiche licht des neuen tages stieg herauf Freytag (1886)8,294. ⟨1911⟩ die dämmerung, die durch die abendfenster glomm, war bleicher geworden Halbe [1917]6,71. 2003 die kamera zieht vorbei an nachtbussen, bars und menschenleeren wohnzimmern, durch deren dichte vorhänge unwirklich bleiches sonnenlicht fällt berl. ztg. (20.8.)11c.

1bleiche, f

Fundstelle: Band 5, Spalte 393, Zeile 10 [Arbeitsstelle]
1BLEICHE f.   ahd. bleichî(n), mhd. bleiche. abl. von bleich adj. 1 (krankhafte) blässe der haut: 9./8.jh. in pallore .. in pleihi ahd. gl. 2,310,44 S./S. ⟨u1270/5⟩ mit bleiche wart im underweben/ sîn rôsenblüendiu varwe Konrad v. Würzburg Engelhard 22176 ATB. 1473 daz ir blaichy oͤwige zügnüsz gaͤbe, daz sie vil blůtes .. vergossen hette Steinhöwel de claris mulieribus 285 LV. ⟨u1520⟩ do ist ein underscheit zwischen der wassersüchtigen gelbi und der gelsucht im grad der farben, das wassersucht ein bleiche hat und aber gelsucht ein tingirte farben Paracelsus I 1,53 S. 1559 was bedeut, o könig, dein kranckhayt oder die bleiche deines angesichts? Schumann nachtbüchl. 181 LV. 1626 mit schöner bleiche wurd besprengt jhr weiß gesicht Werder Tasso, Jerusalem 148b. ⟨v1661⟩ wohin wird dann die bleiche deines zuckermundes weichen? Schupp lehrreiche schr. (1684)824. 1732 die wassersucht nimmt zu, wenn man ihr nahrung reicht,/ der durst verliert sich nicht, als wenn sein ursprung weicht,/ und man, was noch von ihr im cörper überblieben,/ zusamt der mattigkeit und bleiche weggetrieben Abel sat. ged. (1729)2,178. 1781 willst du meine wange vielleicht, wenn noch einige bleiche von der krankheit auf ihr zurückgeblieben, durch unverdientes lob erröthend machen? Meiszner Alcibiades 1,235. 1832 laß dich umarmen, tod, in dieser leiche!/ mein auge laben an der wangen bleiche Lenau 1,77 C. 1907 wie wenn sie erhaben aufgerichtet wäre in strenger bleiche, tonlos und wortlos C. Hauptmann Einhart 1,297. 2 matter glanz, helle farbe. auch fahlheit: ⟨2.h13.jh.⟩ daz ist abir bi der blaichi dez goldes bezaichinot st. georgener prediger 94 DTM. u1466 in der bleich des golds (schimmert taubengefieder) 1. dt. bibel 7,336 LV. ⟨v1541⟩ vil salz (im gold), gibt vil bleiche Paracelsus I 3,52 S. 1680 die wein .. in der bleiche oder blöden gelbe wegen kälte deß orts übereintreffen Francisci uberzug 226. 1724 krieg mit deiner weisße führen/ werden diese lilien dar,/ und ihr bleiche wird mehr zihren/ die besorgung ihrer gfahr Stranitzky haupt‐ u. staatsaktionen 2,216 WLV. 1760 für mitgetheilten auszug .., den noch nicht lesen können, weil mir die bleiche der dinte pp mühe macht Hamann brw. 2,53 Z./H. 1986 platte tage,/ sie gehen so leicht, so ohne/ erhofften widerstand ins bleiche Kolbe Bornholm II 45.

2bleiche, f

Fundstelle: Band 5, Spalte 393, Zeile 47 [Arbeitsstelle]
2BLEICHE f.   mhd. bleiche.mnd. blēike; nnl. bleek. abl. von 2bleichen vb. 1 platz, wiese (mit einrichtungen) zum bleichen von textilien. vielfach in unklarer abgrenzung zum gleichlautenden flurnamen: 1347 man hat der plaich ainen besundern frid und scherm und plan gelaet stadtrecht Münch. 121 A. ⟨1446/7⟩ raiß das eis etlich müllin hin und fuͤrt sy uncz uf die plaich (Augsb.) chr. dt. städte 4,113. u1530 kam hie um unser stat ain sölich ungestůem regen in der nacht, .. daß man nacht lüt uf die blaiche schikt Watt 2,177 G. 1582 dieser da, ist von der bleich gelauffen, darumb ist er so schwartz gebliben Fischart geschichtklitterung 403 HND. 1647 so haben nun auch beede generales .. so biß dato zue Maurach ihr quatier gehabt, damit sie aber näher bey dem volk, selbige verendert und zue den uberlingerischen mühlenen oder blaiche hinunder permutiert Bürster schwed. krieg 208 W. ⟨v1688⟩ es ist nichts neues, daß sie (kühe) die seihe‐tücher oder sonst ein stück wäsche von der bleiche wegfressen Lehmann schauplatz (1699)656. 1711 er schickt sein bettzeug, nachdem es gewaschen ist, allezeit auf die bleiche Stranitzky ollapatrida 77 WND. ⟨1773⟩ ihre kleine bleiche, worauf sie .. so manches schönes stück garn und linnen gebleichet Möser 2,330 A. ⟨1840⟩ leinwand, die da auf der bleiche liegt B. v. Arnim 2,149 Oe. ⟨1860⟩ es wird schon abend, und ich sollte längst dort auf der bleiche meine leinwand begießen Halm ausgew. w. 3,177 Sch. ⟨1904⟩ Lischen Lindemann war, als Fritz und Johann an der ziegelkate anlangten, bei der bleiche, setzte aber die gießkanne hin und schnackte ein wenig Kröger nov. (1914)1,210. 1985 gar nichts darf ich, nicht einmal auf der bleiche spielen Kunz Bildberg 17. 2 gewerbliche einrichtung, in der textilien (chemisch) gebleicht werden: 1347 swaz fürbaz golsch oder zwilchs oder mittlers von frömden plaichen herchümt, den sol niemant hie chauffen noch vertreiben stadtrecht Münch. 146 A. ⟨u1565⟩ ain rat hat .. die blaich ainem andern verlihen Mair in: (Augsb.) chr. dt. städte 32,68. 1784 zu Barmen und Elberfeld gute bleichen sind Westenrieder erdbeschr. 372. ⟨1821⟩ dieser fabrikort .. ist berühmt wegen seiner bleichen Börne 2,636 R. 1887 später kam im anschluß an die tuchindustrie .. eine ganze anzahl von nebenindustrien auf, vor allem die bleiche und die färberei Lamprecht rhein. gesch. 11. 1932 färbereien, gerbereien und bleichen waren eingerichtet Stammler rechtsleben (1928)2,283. 3 das aufhellen von textilien, papier u. dgl.: 1825 Bohnenberger .. findet die chemische bleiche nicht angemessen List 8,31 B. 1941 die garne wurden dann in der stadt dem weber übergeben, die bleiche aber war wiederum aufgabe der hausfrau Bauer zellwolle 22. 2011 nur über die farbe gibt es nichts zu sagen ..: ein pastellgrün nach ungesund chemischer bleiche st. galler tagbl. (5.12.), IdS‐arch.

1bleichen, vb.

Fundstelle: Band 5, Spalte 394, Zeile 15 [Arbeitsstelle]
1BLEICHEN vb.   mhd. blîchen. as. blīkan, mnd. blīken; mnl. blīken, nnl. blijken; afrs. blīka; ae. blīkan, me. blikan, ne. blic(e); an. blíkja, isl. blíka, norw. blika gehen zurück auf germ. *bleik‐a‐ ‘glänzen, schimmern’. zur weiteren herkunft s. bleich adj. ahd. nur in präfixbildungen wie biblihhan, firblihhan bezeugt. mhd. partieller zusammenfall mit 2bleichen vb. seltene stark flektierte präteritalformen sind bis ins 20. jh. bezeugt. 1 glänzen, leuchten: ⟨n1190⟩ ir schilde schinen schone/ ir swert wol blichē Herbort 5228 F. ⟨u1200⟩ mit eime slage quam he so/ ervallen up sinen helm/ dat man dat vur durch den melm/ harde verre blichen sach Morant u. Galie 4243 DTM. ⟨1331/5⟩ sich, dar nar/ alle opfer wec wichen,/ gebete daz muz blichen Daniel 6496 DTM. hs.15.jh. ja enis al nit golt daz dair blycht mhd. minnereden II 28,67 DTM. 2 verblassen, farbe verlieren; unter einfluß von 2bleichen vb. : ⟨E13./A14.jh.⟩ ir hohez lob von tage zu tage blichet Frauenlob IX 4,4 ak. ⟨1331/5⟩ idoch din stam nicht blichen/ ensal bi den geziten Daniel 3694 DTM. 1691 ich blich .. pallebam Stieler lehrschr. 153. 1828 rosenblumen ohne falsch,/ wie blichet ihr beide Wackernagel ged. 44. 1882 das laub vergilbt, die krone blich C. F. Meyer 1,40 Z./Z. 1919 schön ist die schale, .. doch blich schon hin das gold Th. Mann herr 174.

2bleichen, vb.

Fundstelle: Band 5, Spalte 394, Zeile 36 [Arbeitsstelle]
2BLEICHEN vb.   ahd. bleichen, bleichên, mhd. bleichen. mnd. blēiken; mnl. bleken, nnl. bleeken; afrs. blēka; ae. blǣcan, me. bleiken, ne. bleach; an. isl. bleikja, norw. bleke, dän. blege, schwed. bleka. abl. von bleich adj. in der mhd. wortform fallen ein ahd. ‐jan‐ und ein ‐ên‐verb zusammen. 1 einen farbverlust erfahren, verursachen. a an leuchtkraft verlieren, glanzlos sein, werden: 8./9.jh. cold anti silapar uncasotan edo plaihendi ahd. gl. 1, 134,22 S./S. ⟨1338⟩ der saphir hymel var/ der muz ken der wisheit bleychen Hiob 10863 DTM. u1480 ir juden, secht an dise zeichen:/ die sun begundt sich zu pleichen egerer fronleichnamssp. 254 LV. 1650 der blasse monde weicht/ die sternen schamen sich, der taganbringer bleicht Klaj redeoratorien 360 W. 1689 der sonn’ aus Oesterreich die neben‐sonnen weichen/ .. und Stambols monden bleichen Abschatz in: Lohenstein Arminius 1, e2a. 1732 ach freyt nicht, wenn der monden bleichet Henrici ged. (1727)3,459. 1789 kaum bleicht der zackigte planet Pfeffel poet. vers. 2,89. 1834 die sterne bleichen an des ostens saum Nestroy 2,353 B./R. 1874 beide (sonne und mond) scheinen vor dem glanze des neugeborenen gottes .. zu bleichen Schliemann alterthümer 52. v1914 balde rings die sterne bleichen Trakl 1. ges.-ausg. 41 R. b erblassen, blaß machen. meist im zusammenhang mit krankheit, schreck u. ä.: 9./8.jh. palliscere pleihen ahd. gl. 2,310,42 S./S. ⟨u1180⟩ nâch dem tôde zeichen:/ sîn varwe begunde bleichen Alber Tnugdalus 244 W. ⟨u1231⟩ bî dem Hilden zeichen streit daz Waten künne./ man sach diu houbet bleichen; jâ tâten si die dicken schar vil dünne Kudrun 527,1416 B./S. ⟨1331/5⟩ wand des kuniges smerzen/ bleichte im sin antlitze Daniel 4579 DTM. ⟨1473/8⟩ das ich schamennd nicht plaichen/ vor euch pedürff, so wil ich haben wanndel,/ das ir et pey mir hynnen nicht tŭet peleiben Füetrer Poytislier 155,3 ATB. ⟨1640⟩ seht ihr nicht allhier auch stehn/ auf der bahren eures gleichen?/ ach! wie dessen lippen bleichen Zesen Helikon (1656)3,52. 1732 es bleichte zwar dein angesicht,/ jedoch war deine liebe nicht/ noch im geringsten untergangen Henrici ged. (1727)3,204. 1799 du .. darfst uns mit deinen frost’gen warnungen die wangen bleichen A. W. Schlegel Shakespeare (1797)5,184. 1813/9 das ists, was ängstlich dir den busen engt/ und dir die jugendliche wange bleicht Droste‐H. 29 H. 1862 in Vincovce bekam ich ein gottverfluchtes fieber, das .. meine wangen bleichte Anzengruber ergbd. 31,44. ⟨v1913⟩ ein neunjährig mädchen, die wang’ gebleicht/ vom hunger in: Bebel leben [1946]3,164. 1963 soll Anngret im mondlicht bleichen, bis sie zur einsicht kommt! Strittmatter Bienkopp 27. c verblassen (lassen), ausbleichen, auch vergehen: ⟨1314⟩ geværwet gruͤn alsam ain gras/ was der schilt mit kunst,/ so daz des viures brunst/ blaichet niht die gruͤn Johann v. Würzburg 3667 DTM. 15.jh. bei der bluemen, die ist gel vnd rot,/ alz sie über recht staat,/ so pleichet ir ir varwe erz. altdt. hss. 130 LV. 1645 was rosen! welche bleichen, wan si der wind anhaucht Zesen Rosemund 185 HND. 1717 so schleunig wächst die saat, sie schost, sie blüht, sie bleicht/ und füllt die scheuren an Günther 3,54 LV. 1781 hast du denn keinen gebleichten schädel gesehen? Hippel lebensläufe (1778)3,1,25. ⟨1816⟩ es bleichet das grün Eichendorff gesamtausg. 1,270 B./G. 1891 jahre hindurch erscheinen sie (moose) gebleicht oder gebräunt wie mumien Kerner pflanzenleben (1887)2,734. 1903 dein bild wird die zeit mir bleichen F. Huch geschwister 251. 1968 die hölzernen treppen und gehsteige .. bleichten in der sonne Lenz deutschstunde 2412. 2005 ein gewaltiges tableau .., das die wüste Sinai voll gebleichter knochen und schädel darstellte n. zürch. ztg. (14./15.5.)37a. d (vom alter) grau werden: 1735 die von der zeit gebleichten haare/ sind blumen, die nicht jeder sieht Stoppe Parnaß 237. ⟨1787/8⟩ da sie nach fünfundzwanzig jahren mit ihm die silberhochzeit feierte, bleichten schon seine braunen locken Musäus volksmärchen 2, 111 M. 1817 äuszerlich ist ihm die reise gut bekommen, nur sind seine haare ein wenig mehr gebleicht W. Grimm in: beziehungen z. Hessen 1,168 S. ⟨1867⟩ er schrumpfte zusammen als wie ein greis,/ die haare bleichten ihm silberweiß Scheffel 6,268 P. ⟨1920⟩ nonnen singen; ihre haare dunkel schwellend braunschwarz, jetzt gebleicht Döblin vertreibung 223 B. 1969 ihr gesicht war blaß, ihr haar war gebleicht Strittmatter dienstag 127. 2004 oder der 17‐jährige, dem die schrecken der kindheit die haare bleichten mannh. morgen (17.8.), IdS‐arch. 2 etwas (meist durch chemische verfahren) aufhellen, weiß machen: ⟨1160/70⟩ daz tuch blæichet si (die sonne) daz ez weíz wirt./ dem leibe si doch swerce birt anegenge 11,45 H. 1417 100 elen gebleichter leywant in unsers homeisters kamer handelsrechnungen dt. orden 60 S. 1494 mit schwebel, harz, büffen das har/ .. das es jm schusselkorb werd krusz/ der henckt den kopff zům fenster vsz/ der bleicht es an der sunn vnd für Brant narrenschiff 7b Z. 1544 daß sich kain burger .. understeen soll, ainich tuch rot zu färben .., es sei dann zuvor weiß plaicht Jäger in: (Augsb.) chr. dt. städte 34,248. ⟨1579⟩ das weisse wachß wird auff mancherley weise gebleycht Sebiz feldbau (1580)309. 1628 schones wachs, welches die Venediger lieber haben den anderes, weil es sich schon bleichen lest Lubenau reisen 2,177 S. 1690 Hanß Schlimmschuh gibt (als hochzeitsgabe) 10. pfund gescheelten hirsen und 4. ehlen gebleichte leinwat Happel academ. rom. 794. 1712 westphälische waaren .. sind .. allerhand arten von leinwand, fein und grobe, gebleichte und ungebleichte Marperger natur‐lex. 1362. 1789 an einem sommerheißen tage .. mußten meine schwestern holz klauben, ich das tuch bleichen Prosch leben 13 P. 1822/3 die mägde bleichen wäsche Heine 1,96 E. 1869 ich verpflichtete mich, .. kein gebleichtes, gefärbtes oder appretiertes baumwollengarn zu machen Engels in: Marx/E. (1956)32,615. 1926 seidenpapiere, die gut gebleicht sind, enthalten noch reste von chlor Sachsenberg verpacken 87. 1963 nun noch die Simson, blond und gebleicht bis an die strümpfe Strittmatter Bienkopp 340. 2005 großabnehmer ist die chemie, die das dunkle, harte rohwachs bleicht süddt. ztg. (14.2.)26c. 3 heller machen, werden. in unklarer abgrenzung zu 1 a, c sowie zu 1bleichen: 1572 das hieß wol bleichen einen moren,/ der weiß wolt machen alle thoren Fischart 2,154 DNL. ⟨v1635⟩ die weiche brust der schwanen weiß/ war nie so wohl gebleichet/ die gülden pfeil der sonnen heiß/ nie so mit glantz bereichet Spee trutznachtigall 5 HND. 1713 wenn Matuta nun die abendländer bleicht/ .. von ihren flammen fast die balsamstaude schwizte Günther 5,26 LV. 1785 wo die hitze abnimmt oder wo seewinde sie kühlen, bleichet sich auch die schwärze (der afrikanischen menschen) ins gelbe Herder 13,234 S. 1836 endlich bleicht sich die dunkle see; im osten rötet sich .. der himmel Grillparzer 520,101 S. ⟨1885⟩ schon bleicht die nacht Wildenbruch ausgew. w. (1919)2,158. 1937 nun bleichte das dunkel ungestört zur morgendämmerung Pleyer Tommahans 14.

bleicher, m

Fundstelle: Band 5, Spalte 396, Zeile 3 [Arbeitsstelle]
BLEICHER m.   mhd. bleichære. mnd. blēiker; mnl. bleker, nnl. bleeker; ne. bleacher; dän. bleger, schwed. blekare. abl. von 2bleichen vb. handwerker, der textilien, wachs u. ä. mittels bestimmter verfahren farblich aufhellt: 1295 ditz sint gezivge .. Hainrich der keller, brv̊der Cv̊nrat der blaicher corp. altdt. originalurk. 3, 378 W. 14.jh. fullonum die blaicher des goldes in: Diefenbach n. gl. 185a. ⟨v1490⟩ do ward ain kind hie ermördt, das hett ainen vatter gehebt, der hieß der Closterman, ain plaicher Mülich in: (Augsb.) chr. dt. städte 22,69. 1508 seine claider wurden weisser dan̄ kain blaicher kain tůch blaychen kan Geiler pred. A 3a. ⟨v1565⟩ (ein narr) macht also alles was er nur angreiffet, schwartz, wie der koͤler in des bleichers hause Mathesius Syrach (1586)1, 129a. 1622 nachdem dann von unserm blaicher alhie allerlai clag ob den frowen blaichens halben entstanden obrhein. stadtrechte II 2,315. 1666 wie weit die allhiesige acht bleycher mit ihrem bleycherlohn sowohl gegen verburgerten als frembden leuten zu gehen strassb. tucherzunft 337 Sch. 1753 jedoch soll von jeniger waar, so den bleichern .. in arbeit anhero gesandt wird, für den arbeitslohn kein pfundzoll bezogen werden kauffhauß‐ordn. Basel 7. ⟨1826⟩ der bleicher Ainsworth .. bleicht in jeder woche fünfhundert bis tausend stück baumwollenzeug Schinkel nachlaß 3, 113 W. ⟨1874/5⟩ auch verhehlte er mir nicht, daß sein erwerb nur zu einer bescheidenen wohnung ausreiche, welche er .. in dem hause eines bleichers .. inne habe Storm 4,151 K. 1903 wie sich öffentliche bleicheplätze, die den webern für ihre stoffe dienen, und selbst das gewerbe der bleicher in den städten des späteren mittelalters bilden, ist oben .. angeführt Heyne hausaltertümer (1899)3,236. 1943 die aufkäufe vermittelte mit viel geschick und sachkenntnis ein .. angesessener bleicher Schramm Hamb. 173.

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Zitationshilfe
„bleich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/bleich>, abgerufen am 28.10.2021.

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