Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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brät, n

Fundstelle: Band 5, Spalte 676, Zeile 45 [Redzich]
BRÄT n.   lexikalisierung einer umgelauteten form von braten m. (zur weiteren herkunft s. d.). umlaut möglicherweise in anlehnung an gebräte n. (vgl. 1DWB 4,1,1,1818, s. auch Kluge/S. et. wb. 25147a). abschluß der wortspaltung im 19. jh., bis dahin auch formen ohne umlaut nachweisbar. s. auch wildbret n. (vgl. 1DWB 14,2, 47). fleisch ohne knochen (vgl. braten m. 2 ), jünger gehacktes fleisch, fleisch‐, wurstteig, ‐masse: ⟨u1200/10⟩ sîn brât wart gâlûnet (verprügelt),/ mit slegen vil gerûnet Wolfram Parzival 7153,9 L./H. ⟨1.h14.jh.⟩ das (fasten) benymet jm (dem habicht) das schmer vnd beheltet jm das bräte habichtslehre 115 L. 1616 bret .. von einem jeden fleisch Henisch t. spr. 1,503. ⟨1682⟩ er (der fisch) hat ein fürtrefflich, gesundes, weisses, härtlichtes, wolgeschmackes brät Hohberg georgica (1687)2,590b. ⟨1795⟩ schüppe den schweif vom stockfisch und löse das brat davon in: Schöpf tirol. id. (1866)54. 1801/3 brät .. zu muß klein gehacktes fleisch, womit därme zu brat‐ oder cervelatwürsten gefüllt werden, in: provinzialwörter 273a H. 1854 sie hackten den kerl zum feinsten brat; als sie ihre arbeit fertig hatten, gingen sie wieder, woher sie gekommen waren Zingerle volksdicht. (1852)2,361. 1904 brät .. gehacktes, zerschlagenes fleisch, aus dem man würste macht, wurstfleisch, wurstfülle Fischer schwäb. wb. 1,1355. 1997 brät zugeben und unter wenden braten st. galler tagbl. (16.5.), IdS‐arch. 2010 aus dem schwäbischen kommt die mit brät oder gemüse gefüllte maultasche nürnb. nachrichten (18.12.), IdS‐arch.

braten, vb.

Fundstelle: Band 5, Spalte 677, Zeile 7 [Redzich]
BRATEN vb.   (1) ahd. brâtan, mhd. brâten. as. brādan, mnd. brāden; mnl. nnl. braden; afrs. brēda; ae. brǣdan, me. brēden, ne. (seit 16. jh. veraltet) brede; an. isl. bræða, norw. bræ (veraltet auch bræde), dän. brade, bræde, schwed. bråda lassen sich auf germ. *ƀrǣđan‐ ‘zwischen erhitzten steinen oder in bedecktem gefäß dünsten, garen’ zurückführen, zur weiteren herkunft s. Lloyd/S.et. wb. ahd. 2,300. (2) seit bezeugungsbeginn transitive (mit sachlichem und persönlichem objekt) und intransitive verwendung; mitunter schwach flektierte formen, 2. und 3. sg. präs. mit und ohne umlaut. (3) zur sprichwörtlichen verwendung vgl. Spalding hist. dict. (1959)1, 378af. 1 (rohe) lebensmittel durch starkes erhitzen für den verzehr zubereiten; durch starkes erhitzen gar werden. a (in heißer asche, glut) rösten, backen, dörren, mürbe machen: A9.jh. frigebantur uuarun kipratan ahd. gl. 1,463,20 S./S. 12.jh. frixum cicer .. gipratin chi cher ebd. 1,420,40 S./S. ⟨1349/50⟩ wer die aicheln prætt und si izt, die sint guot für die harmwinden Konrad v. Megenberg b. d. natur 343 P. 1473 knobloch in einer heissen aͤschen gebraten Metlinger regiment 12a faks. 1519 sie sagen dz Amonius ein natürlicher meister .. nüt gessen hab, dan ein gebraten brot Murner in: Hutten 5,452 B. 1596 ettlich nemen ein guten bratnen apffel Gäbelkover artzneyb. 1,23. 17.jh. bratt eyer mit sambt der schal inn der aschen recht hart, besprengs vnter weilen mit wasser das sie nicht brechen kopenhagener pferdearzneib. 38 K. 1697 auch schaffe ich mir gute borstorfel‐aepffel ein, die kan man in denen kacheln braten und essen Ettner doctor 328. 1719 auf gleiche weise wird auch der tranck insgemein cofee .. genannt, aus der türckischen bohne bon, welche in einen absonderlich hierzu gemachten hol‐runden instrument .. biß sie bräunlicht worden, gebraten wird ders., maul‐affe 193. ⟨1774⟩ ein kindskopf ist von natur so weich, als ein gebratner apfel Bode schandi (1776)3,73. 1847 manchmal machten wir auch mit den hirtenjungen in wäldern und torfbrüchen menage, indem wir uns mit ihnen kartoffeln in der asche brieten Goltz kindheit 148. ⟨1886⟩ zugleich trug die magd eine schüssel voll gebratener kastanien auf den tisch Keller (1893)8,75. 1934 den heimatlichen feldern fuhr er entgegen, .. dem süßlichen duft bratender kartoffeln auf den äckern Roth Tarabas 25. 1955 abends hockten sie um lodernde feuer, brieten äpfel und kartoffeln zeit (8.9.), DWDS‐arch. 2000 die kastanien werden auf einem speziellen ofen gebraten st. galler tagbl. (4.11.), IdS‐arch. b über, in offenem feuer, in heißem fett garen, bräunen: 863/71 thaz brot in themo disge mit gibratanemo fisge,/ .. thaz selba nezzi ni brast Otfrid I 5,14 E./S. 11.jh. abustus gibratan ahd. gl. 2,619,49 S./S. ⟨u1120/30⟩ sin (des opferlammes) uleisch sult ir ezzen/ gebraten bi dem uivre milst. exodus 152,35 D. ⟨1220/30⟩ man briet ie zwein unt zwein ein huon Moriz v. Craun 2818 ATB. ⟨1394/5⟩ der selb chünig .. priet sam ain kůchenpůb da ain praten öst. chr. 100 MGH. ⟨u1440⟩ do briet man einen ganzen ohsen Windeck denkw. 469 A. 1537 etliche staͤckten das faiste flaisch an die spiß, die andern tribens bei dem fewr vm vnd briettens Schaidenraiszer odyssea 9b. 1557 der würt het .. nichts anders dann vögel und .. repphüner. der bischoff hieß ihm zwey zůrichten, braten und zům essen fürtragen Frey gartenges. 101 LV. ⟨1636⟩ schließt küch’ und keller auf, laßt backen, braten, kochen Fleming ged. 1,99 LV. 1674 und halffen die studenten solche (vögel) würgen und rupffen, der famulus aber bratete sie Widmann/P. Faust 508 LV. 1732 gebratner speck und butter dran/ ist ein galantes freßen Henrici ged. (1727)3,456. 1796 eure vorposten brateten ein spannferkel, mich lockte der geruch Kotzebue Spanier 14. 1840 wenn der metzger die gedärme bratet, darf der nicht die nas rümpfen Alexis Roland 2,362. 1876 eine steinalte frau .. hielt eine eisenpfanne in der hand, worin bergforellen im prasselnden fette brieten C. F. Meyer 10,25 Z./Z. 1925 wer könnte einem gebratenen hühnchen widerstehen? Barthel puppe 16. 1967 in meiner nähe errichteten männer eine zeltwand, in deren windschutz die frauen fische in öl brieten Renn ausweg 231. 2011 mit kritischem blick verfolgt der koch und restaurantfachmann, wie die nachwuchsköche die frikadellen braten braunschw. ztg. (22.7.), IdS‐arch. als substantiviertes part. prät. mit neutralem genus ‘gebratenes fleisch(stück)’: ⟨u1230⟩ Akers hât verbannen/ kezzel unde pfannen,/ gesoten unde gebrâten Freidank 2162,10 G. 1472 des essens ist zuuil! hayß die vische, die rephůner, das gesoten, das gepraten, das gepachen auffheben! Eyb dt. schr. 1,74 H. 1515 ich mag nit essen ich bin des geschmack von dem gebrates vol worden Eulenspiegel 126 HND. ⟨1579⟩ dieweil vns doch die ketzer inn diesem stuck das spiel mit jhren schrifften gantz verderbt haben, vnnd alle kost vnd speiß sampt dem gebratens inn die äschen geworffen Fischart binenkorb (1588)101a. ⟨v1605⟩ er ißt vnnd trinckt, sicht sich vmb, erschrickt, stöst die flaschen in sack, versteckt das gebratens Ayrer d. ä. 2,745 LV. 1669 der haußknecht gieng, mir ein stück gebratens zu holen Grimmelshausen Simplicissimus 366 Sch. 1700 der erste gang bestunde in köstlichen suppen, .. der andere gang in gepratens, wildprät, etc. Ettner apotecker 1152. 1767 item das dritte essen brates und ein gemüeß von ayern Sattler Würtenb. graven 3,1,64. 1807 die bräterei .. ein ort, wo gebraten wird, und wo man gebratenes verkauft Campe wb. 1,605b. 1867 es ist nicht oft, dass man gebratenes mit löffeln isst Wander sprichw.‐lex. (1964)1,1387. 1925 gebratenes nehmen sie und schneiden schnittgen als drei groschenstücke in eine schüssel berl. tagebl., morgenausg. (8.3.), DWDS-arch. 1996 ehefrau Lieselotte läßt sich gerade von der diätassistentin unterrichten: gebratenes bleibt tabu mannh. morgen (3.4.), IdS‐arch. 2009 der geruch von gebratenem vermischt sich mit dem hellen klingeln eines hammers, der auf metall schlägt zeit (13.5.), DWDS‐arch. 2 auf dem scheiterhaufen, im höllenfeuer brennen; jmdn. (unter einsatz von feuer) foltern, quälen, mit dem feuertod bestrafen, häufig bildlich: ⟨u1120/5⟩ er heizet si stechen, mit chrouwelen zebrechen. / der vil ungehiure, der bratet si in dem fiure Ava antichrist 11,6 M. ⟨u1250/72⟩ und owê dem, der sîne zît alsô anleit, daz er mit dem tiuvel iemer brennen unde brâten muoz in der êwigen marter Berthold v. Regensburg 1,23 P./S. ⟨u1300⟩ die an Crist geloubeten,/ die liez er enthoubeten,/ sieden und braten väterb. 1865 DTM. ⟨M15.jh.⟩ wiltu das (glauben an gott) aber nüt tuen, so muest ymer ewigklich in der bittern hell brunen und bratten dt. volksb. 313 LV. ⟨1510/30⟩ der knechtt wardt ergrieffen und auf dem markte gebraten Grunau preuss. chr. 2,429 P. ⟨1562/4⟩ nun ist Huß im 1415. jar zu Cosnitz gebraten Mathesius ausgew. w. 23,390 L. ⟨u1640⟩ diese vnd viel andere sassen lebendig gebraten in dem fewer Moscherosch gesichte (1646)1,292. 1692 etliche haben sich auf dem roste über den glüenden kohlen sich müssen braten lassen, etliche hat man unter grosse pressen gelegt Scriver theognosia 1311. 1714 und wurde ein kohlfeuer um ihn gemacht, so immer näher hinzugescharret, daß er gebraten und verbrandt worden Schudt merckwürdigkeiten 1,355. 1785 die theologen zünden auf offnem markte scheiterhaufen an, und braten ihre gegner zur ehre gottes vor der ganzen welt in: br. an Bahrdt 3,153 P. ⟨1827⟩ je länger die liebenden am langsamen feuer des kummers braten, je mehr man ihnen mit der zange des schicksals die glieder verrenkt, desto rührender kommt es euch vor Hauff 5,204 F. 1876 als sie den Jäcklein Rohrbach bei lebendigem leibe langsam brieten, .. da haben die herren sich halb todt lachen wollen Schweichel erz. (1964)63. 1904 schwarz, wie in vergangnen tagen,/ da man mit hallelujah,/ unter gruseln und behagen/ schnöde ketzer braten sah jugend 19b. 1965 wie sie dem buben die backen ablecken, bloß weil er ihnen zu dem genuß verholfen, mich am marterpfahl zu braten Hacks stücke 317. 2008 ein verdammter lutheraner schätze ich, möge er in der hölle braten! braunschw. ztg. (14.1.), IdS‐arch. 3 brennender hitze ausgesetzt sein, seit dem 18. jh. auch ‘in der sonne liegen (um braun zu werden)’: 1472/3 mochtet ir euch in keynen andern weg an mir rechen dann auf disen hohen turn czebringen, vnd mich an der heyssen sunnen also zebraten Arigo decameron 508 LV. ⟨1534⟩ (der) burgermeister, der etwan zu Innspruck die doctor haben gesehen, in seidenen kleidern an den fürsten höfen, nit in zerissen lumpen an der sonnen braten Paracelsus I 9,562 S. ⟨u1630⟩ ihr wüsten die ihr stets müßt an der sonnen braten Opitz op. [1689]2,229. ⟨v1683⟩ es war die glückseligste zeit, .. da mitternacht sich mit wenigen schoben für aller kälte, das bratende mohrenland in gegrabenen hölen sich für aller hitze beschirmete Lohenstein Arminius (1689)1,108a. 1716 sich in der sonne braten, daß ist, den gantzen tag in der sonne stehen, gehen oder liegen Marperger küch‐ u. keller‐dict. 154a. 1769 so watete Alexanders heer die lybische sandwüste durstig und in der sonnenhitze gebraten durch Herder 3,475 S. 1820 ein zigeunermägdlein, die mit einer ganzen bande des schmutzigen volks auf dem markte in irgend einer großen stadt, von häschern bewacht, sich von der sonne braten ließ E. T. A. Hoffmann 10,154 G. 1860 bei Trulsens konnten wir aber doch ein wenig .. vor der tür in der sonne braten sitzen Storm br. an seine frau 96 S. ⟨1918⟩ braun will sie sein, das dumme kind,/ braun, wie zigeunerweiber sind –/ und läßt am strand sich braten Tucholsky 1,284 G.‐T./R. 1966 die in der hitze bratende altstadt Berger Nettesheim 358. 2009 im sommer klappt das café seine fensterfronten auf, sodass man die sonne genießen kann, ohne gebraten zu werden zeit (23.4.), DWDS-arch. 4 im geheimen vor sich gehen, etwas im schilde führen, aushecken (vgl. braten m. 3): 1529 ich schmeck bei euch zu Strasz [burg] ainen hasen, den ir haimlichen praten urk. u. akten Strassb. II 1,394. 1594 ich habe mirs allzeit beduncken lassen es müste was braten, er aber wolte mir nichts offenbaren Heinrich J. v. Braunschweig schausp. 440 LV. ⟨1644⟩ Iulius Wilhelmus Zinckgref .. (sagte), daß die Holländer leichtlich riechen können, was in Spanien gebraten wird, dann sie dünne nasen vnd viel tabac brauchen Weidner apophthegmata 3(1653)164. 1848 was brät der teufel da wieder?! A. v. Menzel br. 125 W. 1887 so hab ich’s, .. halb gebraten, .. in erfahrung gebracht Raabe 16,396 H. 5 roheisen, kupfer unter zufuhr von sauerstoff glühen. bis anfang des 20. jhs. im kontext von metallurgie und eisenhüttenkunde. vgl. backen vb. 2 d: 1781 in einem grossen theile der letztern provinz .. wird nur sehr wenig gebraten, und doch der beste stahl, und das beste eisen angefertiget Hermann manipulation 95. 1825 braten des weißen roheisens (rôtissage), ist eine vorbereitung desselben zum frischprozeß und findet vorzüglich in den südlichen oesterreichischen provinzen statt C. Hartmann hdwb. mineral. 1,137. 1853 zu spreu nun schuf ich/ die scharfe pracht,/ im tigel brat’ ich die spähne R. Wagner (1871)6,163. 1908 man .. wußte, daß weißes roheisen durch einen glühvorgang, das sogenannte braten, bei beschränktem luftzutritt unter bildung einer geringen menge von glühspan an der oberfläche, entkohlt werden kann Wedding hdb. eisenhüttenkde. (1896)4,206. 6 phraseologischer gebrauch. gebratene vögel (tauben, lerchen, gänse) fliegen jmdm. in den mund, in das maul u. ä., jmd. hat ohne eigenes zutun, eigene leistung einen vorteil, glück, nutzen: 1494 vnd wart, wo dir von hymel kunt/ eyn brotten tub, in dynen můndt Brant narrenschiff 58a Z. 1523 so sitzen ir do, biß eüch ein broten taub inß maul flieg flugschr. ref. 1,246 C. u1551 wie die faulen menschen der gebrattenen dauben mit auffgesperten meulern erwarten Scheit lobrede 53 HND. 1618 ist dir noch kein gebratene gans/ in dein gimaul geflogen ein? dreißigj. krieg 8 O./C. 1669 solche hoffnung ist eines wachenden traum, die .. dem leichthoffenden lauter gebratene lerchen läst ins maul fliegen Schottel ethica 208. 1732 und dieses wär ein schlecht vergnügen,/ wenn in das aufgesperte maul/ gebrathne lerchen solten fliegen Henrici ged. (1727)3,278. 1795 ich wollte selbst noch tanzen auf einem bein bis nach Constantinopel, wenn mir thät so ein gebratnes täubchen ins maul fliegen! Gotter schausp. 262. ⟨1836⟩ wer sich in ein hübsches mädchen von einer fremden völkerschaft verliebt, dem fliegt deren sprache just wie eine gebratne taube in den mund Gaudy 2,120 M. 1854 ich wandelte auf blumen, und manche gebratene taube flog mir ins offne, gaffende maul Heine 6,36 E. ⟨1934⟩ nur nicht verzagt herumstehen und auf gebratene tauben warten Brecht dreigroschenrom. (1968)202. 1966 wir arbeiter wissen zu gut, daß uns keine gebratenen tauben in den mund fliegen gesch. arbeiterbewegung 8,386. 2010 die gebratenen tauben, die einem im schlaraffenland in den mund fliegen ..: sind sie nicht im grunde gar metaphern für die fast-food-welle der moderne st. galler tagbl. (11.3.), IdS‐arch. weder zum sieden noch zum braten taugen u. ä., für nichts zu gebrauchen sein: ⟨1529⟩ si vero, taug er widder zu siden noch zu braten (nachschr.) Luther w. 28,534 W. ⟨v1565⟩ sie dienen weder zu sieden noch zu braten, weder zu regieren, noch zu lehren Mathesius Syrach (1586)1,28b. ⟨u1640⟩ ist vns ein sehr vnnützes gesindlein in der hölle, als die weder zu sieden noch zu braten tügen Moscherosch gesichte (1646)1,19. 1669 es kämen von den soldaten keine dapffere helden und hertzhaffte kerl in himmel, sondern .. allerhand außwürffling, die in der welt weder zu sieden noch zu braten taugen Grimmelshausen Simplicissimus 158 Sch. 1718 der sohn aber ein heßlich, stupid kindt, so weder zu sieden, noch zu bratten war Elisabeth Ch. v. Orleans br. 3,219 LV. 1837 er taugt weder zum sieden, noch zum braten Körte sprichw. 86. 1867 Andrees, was fangt ihr mit ihm an?/ ihr könnt ihn weder sieden noch braten Mörike 21,140 M. birnen, äpfel braten faul, unfähig sein, sich drücken: 1543 sitzen sie die weil hinter dem ofen, faulentzen, pompen und braten birn, fressen, sauffen Luther w. 53,521 W. 1612 also pflegen etliche kriegsleuth vnd obristen, wann sie reich vnnd faist seind worden, .. hinderm ofen zusitzen vnd zuschwitzen, bieren zubraten Albertinus tummel‐platz 560. 1673 so ist er billich mehr zu ehren .., als sonst tausend seiner andern landsleuth, die nur hinterm ofen gesessen, und nichts anders können, als aepffel oder birn braten Grimmelshausen simpliciana 153 Sch. 1765 itzt ist es gut, daß ich ein wenig mehr als birn braten kann Hafner 2,64 WLV. 1832 der kann mehr als birn’ braten Nestroy 3,66 B./R. jmdm. eine (extra)wurst braten bzw. jmdm. nach seiner art eine wurst, einen hering braten eine sonder‐, vorzugsbehandlung beanspruchen, gewähren bzw. nicht jeden gleich behandeln: 1597 man muß dir ein wurst braten, die dir trey mal vmbs maul geht laleb. 125 HND. ⟨1645⟩ wir wissen allzeit den hering zubraten, nach dem der mann ist Moscherosch gesichte (1646)3,340. 1696 ich will euch zusammen eine lateinische wurst braten, die euch im halse soll stecken bleiben Weise lateiner 335 DLE. ⟨1705⟩ jedoch, nachdem der mann ist, nachdem ist auch die kappe, und nach dem der gast, nach dem brätt man die wurst J. G. Schmidt rocken‐philos. 1/2(1709)244. ⟨1794⟩ so wie der mann uns dünket,/ so brät man ihm die wurst Voss s. ged. (1802) 5,123. ⟨1873⟩ man soll dem herrn wohl gar eine extrawurst braten? Bauernfeld ausgew. w. 4,210 H. 1927 von jeher wimmelt es im deutschen land von sonderlingen .. die stets für sich ihre eigene wurst gebraten haben wollen Wechssler esprit 101. 1999 eindeutig hat jetzt baustaatssekretär Matthias Machnig klargestellt, daß für die hauptstadt‐pendler keine extrawurst gebraten wird berl. morgenpost (12.5.), IdS‐arch. 2005 nur weil confederations cup und WM in Deutschland stattfinden, wird dem gastgebenden verband keine extrawurst vom weltverband gebraten nürnb. nachrichten (16.6.), IdS‐arch.

braten, m

Fundstelle: Band 5, Spalte 680, Zeile 44 [Redzich]
BRATEN m.   (1) ahd. brât n., brâto m., mhd. brât n., brâte m. as. brādo, ‐brāda, mnd. brāde f., m. ; anfrk. brādo, mnl. brade, nnl. brade, ‐braad; ae. brǣd, brǣde, me. brēde, ne. (seit dem 16. jh. veraltet) brede; an. isl. bráð, norw. dän. brad, schwed. bråd. weitere herkunft unsicher, ursprünglich bestand wohl kein zusammenhang mit braten vb., vgl. Lloyd/S. et. wb. ahd. 2,299. (2) seit bezeugungsbeginn stehen bedeutungsgleiche starke neutra und schwache maskulina nebeneinander (vgl. ahd. wb. 1,1323f. ). seit dem 15. jh. eindringen des ‐n der obliquen kasus in den nom. sg. (3) zum sprichwörtlichen gebrauch vgl. Wander sprichw.‐lex. (1964) 1,447. 1 gebratenes bzw. zum braten geeignetes stück fleisch, auch metonymisch für ‘festessen’ (vgl. bratenrock m. ): A9.jh. assatura prato ahd. gl. 1,424,15 S./S. A/M11.jh. cupadium brado ebd. 3,572,21 S./S. ⟨12.jh.⟩ hie izze braten. vn̄ bade emzechlichen grazer monatsregeln 15,8 W. ⟨1282⟩ der winnder ist ain kalltes zeit unnd feüchte, und sol man essenn haisse speis von haisser materie, das sint hüener, widrein fleüsch unnd praten Hiltgart v. Hürnheim 79 DTM. ⟨1394/5⟩ der selb chünig cham also gen Wienn in die kůchen des von Österreich und priet sam ain kůchenpůb da ain praten öst. chr. 101 MGH. ⟨A15.jh.⟩ so sol man den foͤrstern geben .. einen schilling vmb einen broten weist. 4,241 G. ⟨1529⟩ daß er aber eyn bratten heyßt, kumpt von gemeynem brauch, denn man pflegt das beste vnnd feyste fleysch so an den rindern vnnd schweynen ist, zum gebratens abzuschneiden Agricola sprichw. (1534) d 3a. 1554 denke offt an dich wen wier ein gůtten bratten hand Th. Platter br. 38 B. 1647 das fettgemäste schwein dient nicht in seinem leben;/ doch kan es, nach dem tod, viel würst’ und braten geben Harsdörffer gesprächsp. (1641)7,12. 1659 allein er habe .. ihn in die königliche küche verdammet, daß er die brate wenden solle Schupp streitschr. 1,121 HND. 1719 vielmehr verfluch ich oft ../ die mode neuer zeit, da unser musenchor/ ein bettelorden wird und, wo nur brathen riechen,/ zehn dichter allbereit in eine küche kriechen Günther 6,93 LV. 1790 verbrannte bücher lasse ich wohl gelten, aber verbrannte braten! Lichtenberg aphorismen 4,62 DLD. 1814 die brotrinden, die mir jener arme student .. gab, schmeckten mir besser, als manches stück braten E. T. A. Hoffmann 1,90 G. ⟨1872/86⟩ heute muß der fetteste braten her und der beste wein Rosegger ges. w. 3(1914)228. ⟨1923⟩ ich kam durch die kräftige suppe, den köstlichen fisch, den duftigen braten .. in eine sehr befriedigte stimmung G. Hauptmann ausgew. prosa 4,236 M. 1956 der braten mußte in ruhe genossen werden Döblin Hamlet 282. 2011 ob der braten schmeckt oder nicht, hängt wesentlich vom fleisch ab nürnb. nachrichten (19.3.), IdS‐arch. 2 fleisch ohne knochen, insbesondere muskelfleisch, vgl. brät n. : 2.h9.jh. renibus (nieren) .. braton ahd. gl. 1,342,1 S./S. 10.jh.? spina (rücken) brado ebd. 2,355,44 S./S. 11.jh.? toros (muskeln) praton ebd. 2,392,51 S./S. 1293 zwene .. schowent des klegers wunden, ob si gange dvr hvt, vn̄ dvr braten, also daz es mvge heizen ein blv̊tiger slag corp. altdt. originalurk. 3,109 W. ⟨2.h14.jh.⟩ do dult der edel grozze not/ .. daz man noch seid di pheile snaid/ auz im mit manigem scharffen snit/ und vleisches praten auch da mit Suchenwirt 9,80 P. 1571 wann einem pferdt die braten zerschwollen sein: darzu nimb beyfüeß vnnd alt schmer, salb es damit alle tag eins pferdearzneib. Friedrich v. Württemberg 94 K. 3 gewinn, beute, vielversprechende gelegenheit, objekt der begierde. bildlich: 1542 so doch Erffurd ein so viel ander braten ynn der kuchen were denn Wurtzen Luther brw. 10,35 W. ⟨1595⟩ so ist billich, das faule hend,/ gott selbst mit armut schend vnd blend,/ die sich nicht wollen lassen rathen/ sitzen am tisch, verschlaffen den braten Rollenhagen froschmevseler L 5a. ⟨v1624⟩ da bindet er (der teufel) dann die arme seele an die sünde fest an, .. also lange, bis er den braten kriegt Böhme theosophia (1730)3,218 faks. 1690 (er) berieff demnach seine mord=brüder, und berathschlagete sich mit denselben über den, ihrer meynung nach, fetten braten Happel academ. rom. 4. 1705 die reichen grossen römischen familien, so bißhero von diesem fetten braten waren ausgeschlossen gewesen, wachten nun auch wieder auf und erhuben .. Paulum III. .. zum pabst Löscher huren‐regiment 107. 1773 schon wetzte meister Urian/ auf diesen braten (eine hexe) seinen zahn Bürger 1,126 W. 1842 nun er erschlagen, ist’s ihnen ein fetter braten, eine silbergrube, daraus sie nicht genug ausbeuten und prägen können Alexis Woldemar 2,148. 1851 buchhändler finden hier gelegenheit, einem autor ein paar pistolen vorzuschießen, um für sich allein den braten zu haben, zu welchem der schriftsteller sein schönstes fleisch und blut opfern muß Glaszbrenner volksleben (1847)3,112. 1920 Magdeburg und Halberstadt waren leckere braten, zwei erzstifte, dreizehn bistümer und abteien Döblin Wallenstein 1,216. 1956 er redete listig und suchte dem klugen professor den braten schmackhaft zu machen ders., Hamlet 178. 2008 wie berichtet hatten sie an mehrere firmen große posten hochwertiger mobiltelefone verkauft und sich mit den vorauszahlungen nach Südamerika abgesetzt. dort bekam die polizei wind von dem ‘fetten braten’ nürnb. ztg. (24.10.), IdS‐arch. 4 phraseologischer gebrauch. stets von 1, 3 her. den braten riechen, schmecken, merken u. ä. von einer sache wind bekommen, eine versteckte absicht erkennen: ⟨1488⟩ es merket der rat und schmecket den braten, doch wolt er kein ursach geben zu einem auflauf Meisterlin in: (Nürnb.) chr. dt. städte 3,135. 1524 aber ich wolt gern sagen der größer teil, so den braten geschmackt, den kopf wider auß der schlingen zogen hat sat. u. pasquille 22,60 Sch. 1572 der Eulenspiegel roch den braten,/ er wolt auch nit stehn in dem schaden Fischart 2,318 DNL. 1608 die nasweyß Griechen würden balt/ den braten riechen der gestalt,/ sonderlich Ulysses Spangenberg/F. dr. 2,16 LV. 1665 die mutter .. durfte ihren gemahl zum heftigsten ersuchen, daß er den fremden den abzug noch nicht verstatten solte; aber der gute herr begunte den braten zu riechen Bucholtz Herkuliskus 444a. 1718 man hatt mir gesagt, daß es schadt were, daß eine junge printzes .. in so boßen händen were, .. worauff ich den braden gleich gerochen Elisabeth Ch. v. Orleans br. 3,327 LV. ⟨1773⟩ hast du mich hintergangen: so werde ich das, dächte ich, herauskrigen; hoffe auch, daß ich den braten schon rieche Hermes Sophie (1778)6,306. ⟨v1836⟩ von freunden endlich oft verraten,/ riecht man von weitem schon den braten Raimund 137 C. 1899 ich bin der festen meinung, dass in Berlin der zeitungsleser die journalistischen kostgänger im nu durchschauen, den braten riechen .. würde Kraus fackel 2,11. ⟨v1918⟩ derart, daß mich heute noch/ gottes welt verachtet,/ weil ich nicht den braten roch,/ eh das lamm geschlachtet Wedekind tante 73 H. 1977 die Pariser haben den braten gerochen und ihre kanonen behalten Zwing zeit 17. 2008 die gegendemonstranten hatten den braten unterdessen freilich längst gewittert. sie warfen mit steinen auf Moby Dick, fensterscheiben gingen zu bruch zeit (14.11.), DWDS‐arch. jmdm. den braten (vor der nase, vom maul) wegschnappen u. ä., jmdm. bei einer günstigen gelegenheit zuvorkommen: 1665 und soltens gleich meine beide schwestern selber seyn, welche mir diesen köstlichen braten (einen freier) gerne vorm maule hinweg fressen wolten Bucholtz Herkuliskus 452a. 1707 mit solcher einbildung gehet er so lange schwanger, biß ein ander ihme den braten für den maule hinweg schnappet J. G. Schmidt speculationes 107. 1780 diese nachricht bitte als ein geheimniß zu bewahren, denn ob es gleich nicht viel gesagt ist, so könnte mir doch ein andrer den braten vorm maul wegnehmen Goethe br. an Stein 1,285 Sch. 1858 wo bleibt denn der alte schleicher? er wird mir doch nicht etwa gar den braten vor der nase wegschnappen Storch königin 1,224. 2006 blieb mir nur zu hoffen, daß mir die EGF den braten nicht vor der nase wegschnappte Arjouni chez Max 156. dem braten nicht trauen einer sache skeptisch gegenüberstehen: 1846 ich traute dem braten gleich anfangs nicht .. um diese zeit entzünden sich die wälder nicht so leicht d. ausgewiesene 2,301. 1935 sie trauen dem braten wohl nicht, herr Haugh? machen wir anderen ihnen nicht mut? Strausz riesenspielzeug 396. 1997 ‘das ist doch mafia, das ist doch korruption ..’, mahnen skeptische China‐experten. sie trauen dem braten nicht frankf. rundschau (25.1.), IdS‐arch. 2005 trainer Jost Miltkau bleibt aber auch nach diesem perfekten saisonstart zurückhaltend. er traut dem braten noch nicht braunschw. ztg. (10.10.), IdS‐arch.

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Zitationshilfe
„brät“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/br%C3%A4t>.

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