Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

brest, m

Fundstelle: Band 5, Spalte 789, Zeile 69 [Gante]
BREST m.   (1) ahd. bresto m., einmal auch bresta f., mhd. brest, breste. mnd. brest, berst(e); mnl. berste, nnl. berst; ae. me. berst. abl. von bresten vb. (2) ursprünglich schwach, jedoch bereits mhd. auch stark flektiert in der form brest. (3) für den isolierten fem. erstbeleg läßt sich nicht sicher entscheiden, ob ein schwacher n‐stamm oder ein starker ō‐stamm vorliegt (vgl. Lloyd/S. et. wb. ahd. 2,320). ahd. daneben auch ein fem. īn‐stamm brestî; vgl. auch vereinzelte jüngere fem. belege (z. b. Henisch t. spr. 1,502). (4) teils auch in der form bresten mit eindringen des ‐n der obliquen kasus in den nom. sg.; in der form breste vereinzelt noch bis ins 18. jh. bezeugt (vgl. Zschokke in: provinzialwörter 546a H.), mdal. noch bis ins 20. jh. (vgl. bad. wb. 1,322a). 1 fehlen von etwas, mangel, bedarf an etwas: 863/71 thes wines ist in bresta Otfrid II 8,14 E./S. ⟨v1022⟩ imo (dem mond) an dero stete gebristet sînes lîehtes unz er aber furder gerucchet târ in diu sunna anaskînen mag. ter bresto heizet eclypsis lunȩ Notker 1,271,4 P. ⟨1185⟩ swie grôzen bresten ich nû dol Hartmann Erec 550 ATB. (hierher?) ⟨2.h13.jh.⟩ hab er (der mensch) joch etwenn bresten, den sol er gerne han durch got, der ôch durch úns waz alz arm st. georgener prediger 261 DTM. 1314 es were danne das du muli bresten hetti an kleini des wazzers d. geschichtsfreund 3(1846)239. ⟨u1430⟩ ward an holtz nie kain brest Ulrich v. Richental 42 LV. 1535 bey euch habent jr gnůg die gern herschen, aber an der vnderthaͤnen ist mangel vnnd presten Boner Herodot 114a. 1551 auch ist das nit gantz, das so vil nachteyls, prestens vnd jamers in sich hat Petrarca, zwei trostb. 1a. (finanzieller) verlust, schaden; einbuße. meist in rechtlichen kontexten: 12.jh. detrimentum breste. vel ungefure ahd. gl. 3,234,10 S./S. 1238 das danne v́nser gotzhus dekeinen bresten hab an sinen zisen corp. altdt. originalurk. 1,20 W. 1320 swelhen schaden oder abganch oder bresten wir derselben iar an dem vorgenantem zehenten naemen .., dez sol .. daz gotzhaus ze P(ri)chsen niht enkelten brixner urk. 2,1,311 S. E15.jh. (man hat) in entpfolhen, das sü die parten flissig und eigentlich umb egenante spenne verhörenn, ouch den brest besehen, und sü mit gliche und rechte, nach ire beste verstontniß entscheiden woltenn statutenb. Hagenau 179 H./K. 16.jh. wier melden .. das man niemant schieß, .. noch keiner den andern in keinerlei weiß betrüeb, sondern waß er presten hab, .. die soll er dem ambtman .. zu wißen thuen öst. weist. 6,264. 2 fehler, makel, unzulänglichkeit. a defekt; fehlerhafte, schadhafte stelle: 1284 ich .. vergihe an diseme gegenwertigen briefe daz ich han gesehen ganz an allen bresten vnd .. besigelt dîe briefe nach den worten so hîe nach geschriben stant corp. altdt. originalurk. 2,67 W. 1433 wellich tůch man alzo vindet mit bescheiden bresten und die doch breit genug sint, do sol iedaz tuͤch für den bescheiden bresten zwene schillinge pfennige besseren strassb. tucherzunft 42 Sch. 1540 wa sich aber .. begeb, dz einan derer maler dise mein arbeit besehe .. vnd befinde noch etwz mangels daran, dz er .. den baͤnsel bald in sein hand nem̄e, vnd daran sein meyster stück beweiß, den mangel vnd presten daran zebesseren Boltz Terenz A 2b. 1602 wenn die langen hosen an etwan einem ort, als zwischen beinen oder füßlingen zerrißen, kan man eines stücks, solchen bresten mit zu verbeßern, wol entrathen Kirchhof wendunmuth 2,403 LV. ⟨1721⟩ derjenige, welcher hinterlegte haab und gut ärger oder schwächer wiedergegeben hätte, soll dem herrn des guts alle schwächerunge und schaden zu entrichten und zu bezahlen schuldig seyn. es wäre dann solches von natur oder eigenem mangel oder bresten ärger worden provinzialrechte preuß. staat 3,1,529 S. (hierher?) b (körperlicher oder geistiger) makel, unvollkommenheit, schwäche; laster, untugend. von körperlichen makeln teils in unklarer abgrenzung von 2 a; überwiegend in religiös‐moralischem kontext: ⟨14.jh.⟩ lobe ich mich selber, so mvz ich mich boser dunken. swer sines selbes bresten nicht war nimet, der versmahet wol vil heilige lute d. veter b. 18 LV. 1415 dirre keyser Octavianus was der frumeste .. der ie geborn wart, und was doch nüt one bresten Twinger in: (Straßb.) chr. dt. städte 8,338. 1519 darumb secht üweren bresten an/ vnd laßt die üppig hoffart stan Murner 5,143 Sch. 1569 das kompt von vnsern schulden. / vnd von vnsers schwachen gloubens prest,/ vnd das wir gott nit truwen fest Thurneysser archidoxa Z 1a. 1602 wann sich ein seel vergreifft .. an dem, daß dem herren geweyhet ist, sol sie jhr sündopfer dem herren bringen, ein wydder ohn bresten Albertinus haußpolicey 5/7,88b. (hierher?) 1854 gelehrte und andere bresthafte menschenkinder nur gar zu gerne ihre bresten in eine solche verklärung bergen Gotthelf schuldenbauer 60. 3 krankheit, (körperliches) gebrechen: 1314/21 die bruoder .. svlen .. vast mvese essen, ez en si denne dc der meister dur siechtagen krancheit alder dur notdurfte alder dur bresten anders denne vast mvose erloube ze essenne d. geschichtsfreund 4(1847) 122. 1494 wer artzeny sich nyemet an/ vnd doch keyn presten heylen kan/ der ist eyn gůtter gouckelman Brant narrenschiff 56a Z. 1513 des gleichen werend bresten in der blasen, als stein, geschwere, die harnwind Rösslin rosengarten 24 K. 1556 er hett etliche pillulen, die weren für allen bresten gůt Frey gartenges. 38 LV. ⟨1619⟩ item, daß man mit einer vngleichen zahl, wann die recht applicirt, allen bresten vnd wehtagen der augen könne vertreiben Garzoni, schawplatz (1641)69b. ⟨1668⟩ wie mancher abergläubiger diesen und jenen segen für diesen oder jenen brästen braucht, und er hilft, .. mancher einen segen zum bluten spricht und es stillet Praetorius Blockes‐berg 500 faks. 1718 so viel .. wissen wir .., daß es eine gifftige krätze und fressendter grind war, wovon wir in unsern landen .. befreyet sind. ob wohl sich dann und wann auch dergleichen bresten findet Neumeister seegen 1146. 1797 breßte, der, oder der viehbreßte viehseuche, viehkrankheit Zschokke in: provinzialwörter 546a H. 1889 mit meiner kur bin ich recht zufrieden, insofern ich wenigstens an einem von meinen mehreren bresten eine fühlbare besserung verspüre Burckhardt br. an Preen 252 S. 1923 es stand für ihn nun fest, er werde einen bresten davontragen und sein leben lang ein krüppel sein Bosshart w. (1950)3,70. 1996 ausserdem verstecke niemand so konsequent die krankheiten wie die leute dort. denn wenn irgendwelche bresten bekanntwürden, verlören sie rasch ihre stelle zür. tagesanz. (26.4.), IdS‐arch.

Im ²DWB stöbern

a b c d e f
brautnacht butterschmalz
Zitationshilfe
„brest“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/brest>.

Weitere Informationen …